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Mittwoch, 10. Dezember 2014

Insel Fogo - Dörfer unter Lava begraben

Die Lava rückt auf Fogo unaufhaltsam weiter voran



Wäre es nicht so traurig, könnte diese Aufnahme von Geovol als vorweihnachtliches Stimmungsbild mit einem Lichtermeer vor einer Bergkulisse angesehen werden. Tatsächlich verrät der aufsteigende Rauch und die Silhouette eines Vulkan, dass weit schlimmeres dokumentiert wird. Es sind die unaufhaltsam immer weiter vorrückenden Lavamassen auf  Fogo auf den Kapverdischen Inseln. Auch wenn sich das Drama 1500 km von den Kanarischen Inseln weiter im Süden abspielt, wird auch hier das Szenario auf Fogo aufmerksam verfolgt. Es ist der gleiche Vulkantyp und wahrscheinlich auch die gleiche weitverzweigte Quelle (Hotspot), die auch die Kanarischen Inseln erschaffen hat. Erinnerungen an die Eruptionen von 1949 und 1971 auf La Palma bei denen auch ein Dorf ausgelöscht wurde, werden wach.
Auf den Kapverden wurden bisher zwei Dörfer mit ehemals 1500 Einwohnern in der Caldera um den Vulkan Fogo bereits verschlungen. Viele Häuser in  Potela und Bangaeira sind abgebrannt oder wurden durch die Kraft der vorschiebenden mehrere Meter hohen Lavawand zum Einsturz gebracht.und zerstört. Eine spätere Rückkehr der Bewohner in ihre Dörfer auf Fogo wird nicht mehr möglich sein.


Bereits im Jahre 1995 mussten die Einwohner von Fogo beim letzten Ausbruch des gleichnamigen Vulkan Fogo flüchten. So viel Lava wie jetzt gab es aber damals nicht ... und ein Ende ist nicht abzusehen. Mit rund 300 Meter pro Tag schiebt sich die Lavamasse voran und hat inzwischen weite Teile der Caldera-Wanne ausgefüllt. 1995 dauerte der Ausbruch 56 Tage. Die jetzige Eruption bringt es gerade auf 2 Wochen. Man darf also noch einiges auf Fogo Erwarten. Jeder Ausbruch verläuft nach einem anderen Schema. Auch wenn es keine explosive Eruption ist, kann das ausfließende flüssige Gestein auch so große Schäden anrichten und ganze Landschaften neu modellieren. Diese Vorgänge verlaufen relativ langsam und es bleibt Zeit Orte rechtzeitig zu evakuieren und sich auf den nächsten Schritt des Vulkan einzustellen.

Steht Schlimmeres noch bevor?


Aber auch bei aller "Gemütlichkeit" kann sich ab einem gewissen Punkt die Situation sehr schnell dramatisch verändern. Innerhalb der nächsten 3 Tage erreicht die Lavagrenze den Steilhang. Hier auf der Avcan Grafik (links) als gelbe Linie eingezeichnet. Dann kann der Lavastromm wie ein Sturzbach aus jetzt 1700 m Höhe bis zur Küste hinabstürzen ... und das kann sehr schnell gehen. Das wäre auch nicht weiter schlimm, würde dort nicht die zweitgrößte Stadt Mosteiros von Fogo liegen. 10.000 Einwohner müssten evakuiert werden. Noch zögert der Krisenstab - ist sich aber der gefährlichen Lage wohl bewusst.

Wohin sollen all die Einwohner evakuiert werden. Die Kapverden sind lange nicht so technisch gut wie die Kanarischen Inseln ausgerüstet.
Auf El Hierro wurden damals im Jahre 2011 vom Militär auf der Ostseite alle Vorbereitungen für eine Evakuierung in eine Zeltstadt getroffen. Bis zu 2500 Evakuierte aus dem Golfotal hätten aufgenommen und versorgt werden können.
Auf der Insel Fogo ist die vierfache Personenanzahl betroffen. Das Material und die Logistik dazu dürfte auf den Kapverden (selbst. Inselstaat) aber nicht vorhanden sein.

Noch hofft man auf ein Nachlassen oder Stopp der Lavamenge aus dem Krater. Auch könnten die herabfließenden Lavaströme einen anderen Weg nehmen. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Hoffen wir, dass der Krisenstab die richtige Entscheidung trifft.
Ich werde die Lage weiter beobachten und berichten.

Dienstag, 11. November 2014

L'Aquila Geologen Urteil aufgehoben

Hinweis: Die Rosetta Kometen Landung im Live Stream auf Kanaren News

Freispruch im L'Aquila Geologen Urteil gestern


Am 6.April 2009 erschütterte ein starkes Erdbeben von über ML6,0 die 70.000 Einwohner Stadt  L'Aquila in Italien. Es gab 319 Tote und über 1500 Verletzte und viele Häuser und Gebäude stürzten ein und sind bis heute nur zum Teil wieder aufgebaut (Foto: Wiki/Insilvis). Alle Mitglieder der Risiko- Kommission  (Katastrophenstab) die für die Warnung und Sicherheit der Bewohner zuständig waren, wurden zu langjährigen Haftstrafen von 6 Jahren verurteilt. Wider besseren Wissen sollen sie den Anwohnern eine falsche Sicherheit vorgespielt haben und so den Tod vieler Menschen billigend in Kauf genommen haben.
Unter den Wissenschaftlern brach über das L'Aquila Geologen Urteil ein Sturm der Entrüstung los - siehe dazu Beitrag "Entrüstung unter Geologen"

Jetzt hat ein italienische Berufungsgericht alle sieben Geologen und lokalen Politiker dieser Risiko-Kommission in zweiter Instanz freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

War das erste L'Aquila Geologen Urteil vielleicht zu hart, ist jetzt der völlige Freispruch ein Skandal. An der Sach- und Beweislage hat sich inzwischen nichts geändert. Doch kommen nun andere Richter zu einer völlig anderen Meinung. 
Die Stimmung unter den betroffenen Einwohnern und Angehörigen ist entsprechend.


Die L'Aquila Toten haben dafür sicher kein Verständnis


Es schreit förmlich danach, dass die Hinterbliebenen für Gerechtigkeit sorgen.
Auch Wissenschaftler und Politiker müssen für ihre Entscheidungen gerade stehen. Keiner zwingt einen Geologen in diesem Krisenstab mitzuarbeiten. Die Mitglieder werden für ihre Tätigkeit im Stab entlohnt. Es war sicher keine einfache Entscheidung - aber Vorzeichen einfach zu ignorieren und zahlreiche Menschen in ihren Häusern zurück zulassen und dem Risiko einer Verletzung oder gar dem Tod auszusetzen, muss auch gesühnt werden. Siehe auch Erdbeben - Fehleinschätzung und die Folgen


Nur der kleine aber wichtige Hinweis auf die Möglichkeit, dass ein stärkeres Beben nicht ganz auszuschließen sei, hätte gereicht. Viele Bewohner hätten es sicher vorgezogen bei Freunden oder im Pkw außerhalb der eigenen vier Wände zu übernachten. Die Opferzahl wäre sicher niedriger ausgefallen. 
Nur um Panik zu vermeiden, wurde wissentlich dieses Risiko eingegangen. Auch deutsche Geologen sind inzwischen dieser Meinung - siehe dazu das Interview mit Prof. Rainer Kind vom Geo-Forschungs-Zentrum Potsdam.

Das Vertrauen in die italienische Justiz würde noch weiter schwinden, wenn das Urteil so Bestand hätte. Aufgerüttelt wurden durch das L'Aquila Geologen Urteil aber europaweit die entsprechenden Gremien. Nicht jede Entscheidung, egal aus welchen politischen Gründen auch immer, wird mehr als "Gottgegeben" hingenommen.

Ehrlichkeit, umfassende offene Kommunikation und auch das eingestehen von fehlenden Erkenntnissen ist allemal besser, als den Tod von Menschen zu riskieren. Der Bürger ist heute mündig keine Halbwahrheiten oder Märchen aufgetischt zu bekommen. Er möchte seinen Politikern und eingeschlossen in diesem Fall auch den "Fachleuten" vertrauen und nicht ständig belogen oder besänftigt werden.

Ich weiß es ist ein frommer Wunsch, aber mein Verständnis von sachgerechter Information und Aufrichtigkeit. Anderen Menschen zu helfen und sie vor drohenden Gefahren zu warnen, ist nicht nur ein Job mit fester Arbeitszeit, sondern sollte auch eine Berufung sein.

Montag, 29. September 2014

Kanaren Vulkane harmlos oder gefährlich?

Nicht nur die Kanaren Vulkane sind aktiv.


Eine oft gestellte Frage, die ich einmal versuche zu beantworten. Grundsätzlich sind Vulkane harmlos solange sie “Schlafen”. Auch in Deutschland gibt es eine Reihe von ruhenden, aber noch nicht gänzlich erloschenen Vulkanen (z.B. in der Vulkaneifel) die im Moment keinen Kummer bereiten. Dann haben wir in Westeuropa die aktiven Vulkane wie der vor kurzem ausgebrochene Barbardunga in Island, Ätna, Vesuv oder Stromboli in Italien und die Kanaren Vulkane wie auf El Hierro. Wenn diese Vulkane überwacht werden, kann rechtzeitig vor einer Eruption gewarnt werden.

Die plötzliche Eruption des Vulkan Ontake


Jedoch nicht immer werden die Vorzeichen einer Vulkan Eruption erkannt oder richtig gedeutet. Das jüngstes Beispiel haben wir am vergangenen Wochenende in Japan erlebt

31 tote Wanderer und eine unbekannte Anzahl an Verletzten. Das ist die vorläufige Bilanz beim Ausbruch des 3067 Meter hohen Vulkan Ontake, rund 210 Kilometer westlich von Tokio. Pyroklastische Ströme und der Auswurf großer Lava Schlacken (Foto: MyVideo) haben die 250 Wochenend Wanderer überrascht. Zuletzt war der Vulkan Ontake im Jahre 1979 ausgebrochen. Es gab Erdstöße und kleine Schwarmbeben bis ML3,0 um den Vulkan in der letzten Woche. Die zuständige Meteorologica Agency von Japan hat aber diesen Anzeichen keine Bedeutung beigemessen und die unterste Warnstufe 1 belassen. Am Sonntag nach der Eruption wurde die Warnstufe 3 verhängt und das Gebiet weiträumig abgesperrt. Zu spät für viele Wanderer. Am Ende des Beitrages können Sie das Augenzeugen Video ansehen (Danke an Carlos Bernal u. Peter Kocksholt für die Hinweise).

Hinweise waren vorhanden. Aber vielleicht keine eindeutig klaren Indizien für eine bevorstehende Eruption. Schwarmbeben deuten immer auf einen Magmafluss hin. Ob die Magmaströme dabei bis zur Erdoberfläche vordringen, kann niemand vorhersagen. Der Vulkan Berg war ein beliebtes Freizeitgebiet für Alpinisten, Vulkanfreunde und Wanderer. Also für nicht lebensnotwendige Aktivitäten – die nächsten Wohnorte liegen weiter entfernt.
Anzeichen für eine erhöhte vulkanische Aktivität waren also vorhanden. Ob vielleicht wirtschaftliche Interessen wie z.B. der Tourismus nicht gestört werden sollte, wissen nur die Entscheidungsträger vor Ort. Sicher ist es auch nicht ganz leicht bei solch einer bebenaktiven Insel wie Japan, noch den Überblick zu behalten. Auf der MAJ Karte oben sind allein die am vergangenen Samstag registrierten Erdbeben aufgelistet. Quer durch Japan gab es zahlreiche Erdstöße.

Kann das auch bei den Kanaren Vulkane passieren?


Auch alle Kanaren Vulkane werden ständig überwacht. Selbst die Japaner helfen hier aus. Als Land mit der größten Naturkatastrophen- Erfahrung (Erdbeben,Tsunami, Vulkane) unterhält die Universität Nagoya auf den Kanaren das GPS Überwachungs-System für die Oberflächen Verformungen.
Es drängt sich jetzt natürlich sofort die Frage auf – “Was kann das helfen, wenn die Japaner im eigenen Land von einer Vulkaneruption überrascht werden”.
Es ist nicht die Wissenschaft die letztendlich über eine Evakuierung oder Sperrung eines Gebietes entscheidet – es sind die Politiker im entsprechenden Krisenstab. Sie entscheiden in Abwägung aller- auch wirtschaftlicher – Interessen, was unternommen und welche Informationen an die Bevölkerung gegeben werden – siehe auch L`Aquila Erdbeben im April 2009 in Italien “Entrüstung unter Geologen“.
Es gibt zwei Gebiete bei den Kanaren Vulkane die als besonders Aktiv eingestuft werden können. Das Meeresgebiet nördöstlich zwischen Teneriffa und Fuerteventura und auf El Hierro. Allerdings sind im Moment die vulkanischen Aktivitäten in einer Art “Dämmerungszustand”. Es gibt zwar täglich schwache Erdbeben (El Hierro gestern 4 Beben bis ML1,7), aber keine Hinweise auf wandernde oder aufsteigende Magmaströme.
Das ist der Momentzustand, der sich auch schnell wieder ändern kann. Es lässt sich aber an der Stärke und Ausgangstiefe der Beben, der Gasemission und an den sich verändernden GPS Bodenverformungs- Werten rechtzeitig ablesen, ob eine neue Aktivitätsphase im Gange ist. Ob es dann zu einer Eruption kommt, liegt im Ermessen der Natur.
Jeder Vulkan, auch die Kanaren Vulkane, sind gefährlich. Die Stärke eines Ausbruch hängt nicht nur von der Magma Zusammensetzung ab. Auf einer Insel ist es auch entscheidend, ob die Eruption in den Bergen oder in Küstennähe stattfindet. Sobald viel Wasser mit ins Spiel kommt, kann aus einer “trockenen” Eruption, schnell eine explosive Reaktion entstehen.
Im Augenblick, so glaube ich aber, sind von den Kanaren Vulkane keine großen Überraschungen wie in Japan zu erwarten.


Sonntag, 31. August 2014

Island - weitere Vulkan Eruptionsspalte geöffnet

Seit Sonntag-Morgen fliest beim Bardarbunga wieder Lava

Nachdem sich am vergangenen Freitag nur wenig Lava ergossen hat, setzt sich seit einigen Stunden die Vulkan- Eruption fort (Foto Island Mila-Webcam). Im nördlichen Teil der Spalte bei Holuhraun, hat sich auf eine Länge von 200 bis 300 Meter am Sonntag- Morgen die Lava erneut einen Durchbruch zur Erdoberfläche geschaffen. Es ist bis jetzt keine gewaltige oder explosive Eruption, da die Ausbruchstelle nördlich des Gletschers liegt und keine großen Mengen Wasser Verdampfen müssen. Auch scheint in diesem Kanalbereich der Innendruck nicht allzu groß zu sein, so dass keine übermäßigen Gas- und Lavamengen ausgeworfen werden.

Das eigentliche Geschehen spielt sich weiter südlich Richtung Bardarbunga unter der Eisdecke ab. Hier gibt es unverändert viele Beben. Ob nun die Fissur im Norden eine große Druckentlastung bringt, bleibt abzuwarten.

Aufgrund eines heranziehenden Tiefdruckgebiet (ich hatte berichtet) mit Windspitzen über 20 m/s und viel Regen ist der Verlauf der Eruption auf der Webcam nicht mehr zu beobachten.

Der Isländische Wetterdienst (IMO) der dort auch für die Vulkanaktivitäten zuständig ist, macht seine Aufgabe gut. Er ist das isländische Gegenstück zur spanischen IGN (Instituto Geografico National).
Die grafische Aufarbeitung erfolgt fast in Echtzeit, wobei manche Darstellungen gewöhnungsbedürftig sind.
Es stehen mehrere Webcams von einem privaten Betreiber (Mila) zur Verfügung.

Insgesamt gibt es in diesem Punkt keine Kritik.

Vom Beobachten und Zuschauen auch in anderen europäischen Ländern kann man lernen. Island hat in Europa die meisten Vulkanausbrüche zu verzeichnen. Entsprechend Professional und mit Erfahrungswerten wird die "Vulkankrise" auch gemanagt. Das ist auch der Grund warum ich über Island berichte.

Sehr schnell werden Änderungen und Einschätzungen veröffentlicht. Das war auf El Hierro nicht immer so der Fall.
Mehrere staatliche Institute (IGN, Involcan) und der Krisenstab (Pevolca) mussten sich immer erst Einig werden. Entscheidungen fielen mit Zeitverzögerung oft erst am nächsten Tag.

Es war der lange und träge Entscheidungsarm, der so manche gefährliche Situation erst herauf beschwor. Ich denke an die Aufhebung der Evakuierung von La Restinga, der dann nur wenige Stunden später, eine Notevakuierung in der Nacht und die Eruption des Eldiscreto 2 km vor der Küste folgte. Zum Glück ist damals 2011 nichts passiert - es hätte aber auch anders kommen können.

Ich bin mir sicher, dass die kanarischen Behörden und Institute die Vorgänge auf Island genau beobachten und daraus vielleicht auch ihre Rückschlüsse ziehen.
Isländische Vulkanologen hatten 2011 ihre Unterstützung angeboten. Diese wurde von der Pevolca dankend abgelehnt.

Die nächste "Vulkankrise" wird auf den Kanaren kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Jetzt hat man Zeit, die Fehler der Vergangenheit Aufzuarbeiten und Änderungen vor allem in der Administrative vorzunehmen. Erst kommt der Schutz des Menschenleben und dann erst wirtschaftliche Faktoren, wie der Tourismus.
Das war und ist meine Meinung - oder wie ein damals am 24.10.2011 veröffentlichter Kommentar:

"Leider muss ich immer wieder feststellen, dass die Behörden entweder keine, verspätete oder sehr abgeschwächte Informationen heraus geben. Mich versetzt diese Tatsache viel mehr in Angst, als das eigentliche Geschehen. Panik entsteht durch Unwissenheit und nicht durch Aufklärung"

Samstag, 23. August 2014

Vulkan in Island bebt weiter

Heute Morgen Erdstöße bis ML3,6

Der Bebenreigen um den Vulkan Bardarbunga geht weiter. Seit Donnerstag bis heute wurden nach der IMO Auflistung 1704 Erdbeben registriert. Schwerpunkt ist der nordwestliche Teil der Gletscher- und "Eiswüste" (Gafiken: IMO).Über 200 Millionen m³ Magma könnten sich nach Einschätzung der Vulkanologen zur Zeit in der Magmakammer befinden. Die übrigens sehr gut aufgemachte Grafik unten zeigt den heute etwas nachlassenden Bebenschwarm. Dafür werden aber die Beben auch wieder stärker.

Am frühen Morgen bereits drei Erdstöße über ML3,0. Zwei Beben davon mit ML3,6 aus 4,8 und 5,8 km Tiefe. Die Ausgangstiefe scheint im Moment um die 5 Kilometer Tiefe stehen zu bleiben.
Dafür sind aber rege Veränderungen an der Oberfläche zu registrieren. Die GPS Messdaten der Universität of Iceland zeigen eine starke Wanderung der Erdoberfläche nach Nordwesten bis ans Skalenende bei ca. 70 mm innerhalb weniger Tage (links).

Ganz anders die vertikale Verformung in die Höhe (unten). Auf El Hierro hatten und haben wir eine Aufwölbung bis 25 cm. In Island scheint sich der Deckendruck in eine leichte Deflation zu wandeln. Im Juli 2014 gab es bereits höhere Werte. Das lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass Druck seitlich -also horizontal entweichen kann.

Die Wissenschaftler sprechen auch von einer rund 25 km langen Spalte in die Magma und Gase in 5 km Tiefe eindringen können. Das würde dann auch eine Eruption im weiteren Umfeld des Bardarbunga nicht ausschließen.

Zur Erinnerung: Auf El Hierro gab es 2011 viele und starke Beben im Golfotal. Die Eruption des Eldiscreto erfolgte dann aber überraschend im 10 km entfernten La Restinga. So ähnlich, mit einem aber noch größerem Abstand zum jetzigen Epi-Zentrum, könnte es auf Island enden.

Hier ist es auch egal, wo die Eruption nun genau in dieser menschenleeren Gegend erfolgt - falls es soweit kommen sollte.

Schon jetzt ist festzustellen, dass Island eine offene Informationspolitik betreibt. Fast alle verfügbaren Daten einschließlich einer Webcam stehen zur Verfügung.
Auch Island lebt neben der Fischerei vom Tourismus. Jetzt ist Urlaubszeit und 200 - 300 Touristen wurden aus dem Sperrgebiet um den Bardarbunga evakuiert.

Es wird keine Geheimniskrämerei betrieben oder Daten unterdrückt oder beschwichtigt. Geologen können frei ihre Ansicht äußern und müssen nicht auf das offizielle Sprachrohr des Krisenstab verweisen.
Es sind auf Island sicher andere örtliche Verhältnisse als auf El Hierro. Räumlich gibt es hier mehr Ausweichmöglichkeiten.
Es bleibt aber genau zu beobachten und die Unterschiede, den Umgang und das Verhalten bei dieser "Vulkankrise" in Island zu registrieren ...und vielleicht kann man daraus lernen.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Kündigen Blitze Erdbeben an ?

NEWS:

Der Geowissenschaftler Robert Thériault vom Ministerium für natürliche Ressourcen der kanadischen Provinz Québec hat Berichte ausgewertet, die Lichtphänomene vor und während eines Erdbeben beschreiben.
Augenzeugen sahen unmittelbar vor einem Beben Blitze aus dem Boden steigen, merkwürdige Himmelsverfärbungen wie links auf einem Foto aus Mexiko dokumentiert - oder Lichtkugeln aus der Erde aufsteigen, die nach wenigen Sekunden wieder verschwanden. Diese Erdbebenlichter (Earthquake Lights) können mitunter Wochen vor den Erdstößen und Hunderte Kilometer vom Epizentrum eines Bebens entfernt auftreten, wie der Wissenschaftler in der Fachzeitschrift  "Seismological Research Letters" berichtet.

Es sind Beobachtungen die bis ins 16.Jahrhundert zurück reichen. Auch in Deutschland gab es mehrere Ereignisse von denen Augenzeugenberichte vorliegen. So am späten Abend des 16. November 1911 bei Ebingen auf der Schwäbischen Alb. Dort gab es insgesamt 110 Beobachter, die von einem Blitz aus dem Boden, der sich zu einer Kugel formte - kurz vor einem ML5,8 Beben, berichteten. Auch bei dem verheerenden Erdbeben 2009 in L'Aquila (ich hatte berichtet) gaben Lichterscheinungen einem Bewohner offenbar sogar die Möglichkeit, seine Familie zu retten. Der Mann brachte seine Familie vor dem Hauptbeben aus dem Haus ins  Sicherheit.
Was da nun dran ist, das möchte Robert Thériault physikalisch erklären. Es sind ernstzunehmende Berichte, die von Lichtern erzählen, die fast immer vor oder während der Erdstöße auftraten (Foto links aus Japan). Interessant ist auch, dass es sich um ein Phänomen handelt, das nicht an den Kontinentalrändern mit 95% der Beben, sondern immer auf der Kontinentalplatte beobachtet wurde. Er vermuten, dass sich unter großer mechanischer Spannung elektrische Ladung aufbaut und entlang der entstehenden Risse an die Oberfläche steigt, wo sie Luftmoleküle auflädt. Reibung erzeugt Wärme und wahrscheinlich auch elektrische Spannung die sich in Form eines Blitzes dann entladen kann.

Es ist ein interessantes Forschungsgebiet das sich im Moment nur auf einzelne Berichte stützt. An fast Allem ist aber in der Regel auch etwas dran. Rein logisch sind diese "Reibungsblitze" möglich.

Ich denke mit technischen Hilfsmitteln, wie durch eine Langzeitbeobachtung mit Infrarottechnologie oder Instrumente zur Messung einer elektrische Spannung bzw. Entladung, wäre es in einem Feldversuch vielleicht auch nachzuweisen.
Es würde natürlich dann eine ganz neue Möglichkeiten zur Erdbebenvorhersage darstellen. Nur wenige Minuten Vorwarnzeit könnten ausreichen, viele Menschen zu retten -

und ... El Hierro wäre im Moment genau der richtige Ort mit dieser Forschung zu beginnen. 
Schon mit geringem technischen Aufwand wäre es zumindest den Versuch wert, diesem Lichtphänomen auf die Spur zukommen.

Gestern und auch heute Vormittag wäre allerdings auf der Insel nichts zu beobachten gewesen. Es gab keine neuen Beben.
Die Bodenverformung bleibt allerdings auf ihrem hohen Niveau.

Reisen nach El Hierro

In den letzten Tagen erreichen mich Telefonate, Mails oder wie hier als Kommentar:

"Wir wollen in den nächsten Tagen Urlaub in einer Finca auf El Hierro machen. Gibt es in der jetzigen Situation Verhaltungsmassregeln, wie man sich als Tourist zu verhalten hat? Zumindest, wenn die Bebentätigkeit stärker wird, und die höchste Gefahrenstufe ausgerufen wird, was muss ich dann als Tourist beachten? Kann man da was nachlesen?"

Dazu Grundsätzlich:
Erdbeben treten plötzlich, vielleicht heftig und unerwartet auf. Es gibt keine Möglichkeit der Vorhersage und Frühwarnung.
Bestes Beispiel das ML5,1 Beben am 27. Dezember 2013. Weiterer Beben in dieser Größenordung in den nächsten Wochen werden von der IGN nicht ausgeschlossen.

Verhaltensregeln zum Nachlesen finden Sie im Merkblatt Erdbeben   Was mache ich, wenn in Starkbebengebieten die Erde bebt?
Es ist ein globales Dokument von Prof. Dr. Peter Bormann vom Deutschen Geo Forschungs Zentrum (GFZ) in Potsdam und auch für El Hierro gültig. Örtliche Merkblätter haben einen ähnlichen Inhalt.
Die Vulkan-Ampel für El Hierro steht auf "Grün" - also im Moment alles "Normal". Zuständig dafür ist der Kanarische Krisenstab - die Pevolca. Er koordiniert auch alle Warn- und Vorsorgemassnahmen.
Bei einer Änderung der Warnstufe werden die erforderlichen Massnahmen auf der Seite des Cabildo de El Hierro (span.) veröffentlicht.

Soweit die formellen und offiziellen Quellen.

Es ist der "gesunde Menschenverstand" den ich einsetzen würde.
Beben, Erdrutsch und Steinschlag sind wahrscheinlich. Also weg von den Steilhängen und möglichen Gefahrenquellen. Auch Straßen - wie im südlichen Golfo ab Sabinosa/ Pozo de la Salud Richtung Westspitze würde ich meiden. Sicher ist der Nordteil der Insel, die Hochlagen und der Süden um La Restinga. Auch im Golfotal alles was meerseitig der Hauptverkehrsstraße liegt.

Im Fall eines Falles wird Ihnen ein stärkeres Beben sicher nicht entgehen. Schnelle Information erhalten Sie von ihren Nachbarn, den Einwohnern und den deutschen Residenten. Die Behörden reagieren hier meist etwas zu langsam.
... oder natürlich hier ein Blick auf diese Seite.

El Hierro ist immer ein Erlebnis - auch in der vulkanischen Krise.
Ich denke damit ist alles gesagt.

Montag, 30. Dezember 2013

Auch im Golfo wächst die Magmablase

NEWS:

Es bleibt weiter ruhig. Gestern 2 Beben bis ML2,2 aus 12 km Tiefe und heute ebenfalls bisher 2 schwache Erdstöße.
Betrachten wir einmal die globale Lage um das gesamte Szenario besser verstehen zu können. Der Hotspot (blauer Kreis) dürfte im Atlantik zwischen La Palma und El Hierro in 20/30 und mehr Kilometer Tiefe liegen. Es ist der eigentliche Durchbruch vom Erdinnern durch die Erdkruste. Die darüber liegende Kanarische Atlantikplatte die mit der afrikanischen Kontinentalplatte fest verbunden ist, wandert pro Jahr um einige Zentimeter Richtung Nordosten. Optisch entsteht aber der Eindruck als würde der Hotspot immer weiter nach Südwesten wandern. Von hier aus werden die in flacheren Zonen liegende Magmakammern mit Material versorgt. Wir haben eine Magmakammer bei La Palma die 1949 zum Ausbruch des San Juan und 1971 zum Ausbruch des Teneguia (schwarzes X) geführt hat. Bei El Hierro gibt es ebenfalls mindestens eine Magmakammer, die im Golfo um den Berg Tanganasoga und/oder vor der Westküste (rotes X) angesiedelt sein dürfte. Aus diesen Kammern führen verschiedene Wege (Magmakanäle) Richtung Erdoberfläche. Der leichteste Aufstiegsweg liegt im Bereich des Inselmassiv wo sich in der Vergangenheit schon viele Eruptionen ereigneten und die Insel überhaupt erst geschaffen haben. So auch die Eldiscreto- Eruption 2011 (weißer Kreis).

Diese Kammer füllt sich im Augenblick mit neuer Magma und löst die Beben aus. Der Innenkammer- Druck entsteht also nicht primär auf der Ostseite, sondern in der Magmakammer und damit auch in seinem verzweigten Kanalsystem, das bis zur Ostküste reicht. Auch wenn im Golfotal zur Zeit keine Beben registriert werden, schwillt der Boden auch hier an und zwar recht kräftig.
Oben die GPS Messpunkte im Golfo und links die jüngsten Werte dazu. Bis zu 70 mm in den vergangenen Tagen. Mit der bereits in den vergangenen Jahren - besonders seit März 2013 - erfolgten vertikalen Verformung liegen wir heute auch im Golfo bei +200 mm (20 cm). Zu erwarten wäre gewesen, dass die Verformung nach dem Bebenschwall stagniert - nun steigt sie aber weiter an.
Es strömt wahrscheinlich auch ohne große Beben weiter frische Magma ein. Erst wenn der Druck und damit die Bodenverformung ihre maximale Belastungsgrenze erreicht hat und in flachere Tiefen gepresst wird, dürfte es zu neuen und starken Beben kommen.

... und was macht die Pevolca (Krisenstab) im Rahmen seiner Prävention:
"Alles steht unter Beobachtung und wir haben alles unter Kontrolle", so der Tenor - weitere Maßnahmen sind im Augenblick nicht geplant oder notwendig.

Dass sich das letzte ML5,1 Beben nicht groß ankündigte und Straßen mit Fels und Geröll verschüttete spielt anscheinend keine Rolle. Bisher ging ja alles gut. Wollen wir einfach hoffen, das es auch nach dem nächsten Beben so bleibt !    

Sonntag, 29. Dezember 2013

Vulkan - was kommt nun ?

NEWS:
Eine kleine Bitte: Wenn Sie vor Ort etwas Auffälliges beobachten, spüren oder riechen sollten, teilen Sie es mir als Kommentar (unten) oder per Mail La.Palma@web.de - auch mit Foto - mit. Danke!


Selbst die AIDAstella hatte heute Morgen Probleme in den Hafen von Santa Cruz de La Palma einzulaufen. Starker Seegang mit 3 bis 4 Meter hohen Wellen, hatte bereits eine Routenänderung von Lanzarote nach La Palma für Heute erzwungen. Diese Brandungswellen machen sich auch auf dem Seismogramm von El Hierro bemerkbar. Ob es bereits einen leichten Tremor gibt, lässt sich im Moment nicht ablesen. Gestern Abend sah es zunächst so aus als ob der Durchhänger in der Bebenaktivität beendet sei. 7 Beben von 20.00 bis 23.00 Uhr bis ML2,4 aus 11 km Tiefe und dann wieder Ruhe.

Das Zentrum bleibt vor der Westküste (Kreis) mit Wanderungstendenz zum westlichen Inselmassiv. Das blaue Dreieck kennzeichnet das ML5,1 Beben. Inzwischen ist die Bebenfront nach Osten weiter marschiert und liegt mit den Spitzen ca. 8 km vor der Küste. Auch ein ML1,9 Erdstoß an der Ostküste aus nur 2 km Tiefe lies aufhorchen. Hier dürfte es sich aber um Spannungsbeben gehandelt haben. Seit 17 Stunden war kein weiteres Beben mehr zu verzeichnen.

Ist dies ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Ich denke es ist eine Reorganisationsphase - eine Pause zum Kräfte sammeln - um dann wieder loszulegen. Also kein gutes Zeichen.
Inzwischen erwartet auch der "Expertenkreis" um den Krisenstab Pevolca eine Fortsetzung der vulkanischen Aktivität mit Beben um die ML5,0.
Vulkanologen sind sich ziemlich sicher, dass in den vergangenen Wochen große Mengen von 90 - 120 Kubikkilometer Magma eingeflossen sind.
Nicht allein unter El Hierro sondern in den gesamten Hauptkammerbereich der sich unter dem Atlantik bis La Palma erstreckt. Die sichtbare Insel El Hierro ist dabei nur die Spitze des Eisberg.

Auch die Bodenverformung die sich auf dieses gesamte Meeresgebiete erstreckt, hat weiter zugenommen. Gemessen wird sie allerdings nur auf festem Boden - die GPS-Station La Restinga (HI09) meldet z.B. heute einen vertikalen Anstieg von jetzt 85 mm nur in den letzten Tagen.
Eine bisher seit Beginn der Vulkanaktivität 2011 noch nie gemessene Verformung und das bisher stärkste Beben von ML5,1.
Jeder logisch denkende Mensch kann sich selbst seinen Reim darauf machen, was wohl als nächstes Folgen muss.
Ohne eine Entlüftung (Eruption) wird sich der Überdruck nicht abbauen können. Es kann durchaus sein, dass wir in den nächsten Tagen nicht nur starke Beben sondern auch noch einen weiteren Druckanstieg erleben werden.

Montag, 27. Mai 2013

Vulkan - Vorsorge oder einfach Abwarten?

NEWS:
Es geht moderat unter der Insel weiter. Gestern 6 Beben bis ML1,7 in 10 bis 18 km Tiefe.

Kalifornier reden so ungern über Erdbeben wie andere Amerikaner über Sex (Zitat Spiegel-Online).

Dieser Vergleich mag zwar für den Nordamerikaner typisch sein, in anderen Ländern werden die Prioritäten aber wohl anders gesetzt.
Niemand wohnt gerne neben einem Atomkraftwerk, in einer stark erdbebengefärdeten Zone, unter einem Staudamm oder auf einem aktiven Vulkan.
Was hilft`s - von dort Wegziehen wäre eine Alternative. Wahrscheinlich die einzige Möglichkeit der drohenden Gefahr auf Dauer zu entgehen.
Einige Menschen haben das auch gemacht. Ich kenne eine Reihe von deutschen Familien die in den 1970/80 Jahren ihre Heimat wegen des Bau der Kernkraftwerke oder des Nachrüstungsbeschluss mit Pershing-Raketen, Deutschland verlassen haben. Sie sind ausgewandert und leben heute hier auf La Palma. Sie sahen durch den Wegzug aus dem "gefährdeten Gebiet" die einzige Möglichkeit, sich und ihre Kinder wirkungsvoll zu schützen.

Die meisten Bewohner allerdings sind mit ihrer Heimat so stark verwurzelt, dass diese Option für sie nicht in Frage kommt. Sie sehen lieber der drohenden Gefahr ins Auge.
Ob in San Francisco über der San Andreas-Verwerfung mit einer Starkbeben- Wahrscheinlichkeit von  99 % in den nächsten 30 Jahren oder am Fuße des Ätna oder Vesuv in Italien. Pompeji oder Herculaneum reichen nicht als abschreckende Beispiele aus und die Ereignisse sind wahrscheinlich schon zu lange her. Das sind nur einige bekannte Beispiele von Vielen.

Es mag die Trägheit des Menschen, das Verdrängen und Vergessen - aber vor allem der Optimismus des Menschen sein, dass dieser Kelch an seiner Generation vorüber geht und alles nicht oder nicht so schlimm kommen wird.
Von Menschenhand geschaffene Gefahrenquellen können im Laufe der Zeit wieder beseitigt werden. Gegen Naturgewalten gibt es aber keine wirksamen Mittel.

Hier ist nur die Vorsorge und Schadensminderung möglich. Ob durch bauliche Maßnahmen die Gebäude "Bebensicher" gemacht oder durch Prävention und Aufklärung oder Planung der "Ernstfall" geübt wird.
Viele Länder (Foto: THW) führen im Rahmen des Bevölkerung- oder Katastrophenschutz regelmäßig Übungen durch. Ob es nur Stabsübungen am Schreibtisch wie in Los Angeles oder Vollübungen wie hier in Augsburg oder gar unter Einbeziehung der Bevölkerung wie in Neuseeland sind. Vorsorge und entsprechende Übung ist immer noch die beste Möglichkeit im Falle eines Falles mit den geringsten Opferzahlen rechnen zu müssen.

Auch die schnelle Evakuierung der Bewohner aus dem Krisengebiet kann logistisch durch gespielt werden. Theoretische Planung und die tatsächliche Umsetzung in der Praxis sehen dann aber oft ganz anders aus. Auch macht es einen großen Unterschied ob eine Stadt wie Neapel mit knapp einer Million Einwohner oder eine kleine Insel mit nur 10.000 Bewohner geräumt werden muss. Beim Beispiel Neapel ist es die große Masse an Menschen - bei der kleinen Insel die Transportkapazität per Schiff oder Flugzeug. Was wäre, wenn z.B. der Hafen nicht mehr angelaufen werden kann oder Verbindungsstraßen unpassierbar sind.
Dies ist die Aufgabe der Planer im Krisenstab diese Szenarien im Vorfeld zu überdenken und entsprechende Lösungsmöglichkeiten zu suchen.
 
Vorsicht ist besser als Nachsicht - so das alte Sprichwort.

Die Europäische Kommission hat das Vorsorgeprinzip in drei Grundsätzen so formuliert:
  1. Die Anwendung des Prinzips sollte auf einer möglichst umfassenden wissenschaftlichen Bewertung beruhen, in der auch das Ausmaß der wissenschaftlichen Unsicherheit ermittelt wird.
  2. Vor jeder Entscheidung für oder gegen eine Tätigkeit sollten die Risiken und die möglichen Folgen einer Untätigkeit bewertet werden.
  3. Sobald die Ergebnisse der wissenschaftlichen Bewertung und/oder der Risikobewertung vorliegen, sollten alle Betroffenen in die Untersuchung der verschiedenen Risikomanagement-Optionen einbezogen werden.

Donnerstag, 11. April 2013

Vulkan - alles im "grünen" Bereich

NEWS:
17.28 Uhr - doch noch keine Ruhe - um 15.26 Uhr ein spürbares ML4,1 Beben aus 19 km Tiefe vor der Westküste.

Die Pevolca (Krisenstab) hat gestern auch die in den letzten Wochen hochgestufte Warnstufe für die Westspitze auf den Normalzustand "Grün" zurück gesetzt. Alle Straßen sind ab sofort wieder befahrbar. Aber auch in den letzten Stunden um 3.11 Uhr und 3.26 Uhr gab es wieder Beben von ML2,5 und ML2,8 aus 16 km Tiefe. Ein Erdstoß kurz vor dem Leuchtturm, der Zweite ca. 12 km vor der Westspitze (rot auf IGN Karte).
Der Ausstoß von Kohlendioxid (CO²) liegt noch im höheren Bereich von 1475 Tonnen am Tag. Vor zwei Wochen wurden noch 1824 t/Tag gemessen. Der Normalwert liegt bei 345 t/Tag.
 
Es sind schon große Mengen die da jeden Tag freigesetzt werden. Diese Messungen erfolgen meist durch Involcan punktuell an verschiedenen Stellen der Insel und werden dann auf die gesamte Inseloberfläche hochgerechnet.

Donnerstag, 28. März 2013

Vulkan - Beben ohne Ende

NEWS:

17.53 Uhr - der Durchnitt der Bebenstärke ist heute schwächer als gestern. Das Zentrum wandert etwas Richtung Süden (rot). Die Erdstöße kommen aus unterschiedlichen Tiefen zwischen 10 und 20 km.



13.54 Uhr - Jetzt haben wir auch die jüngsten Kohlendioxid (CO²) Werte der Involcan. Es sind keine punktuelle Messungen, sondern das Ergebnis aller über die Insel verteilten Messeinrichtungen. Die Fragezeichen sollen nicht irritieren. Während dieser Zeit wurden wegen Geldmangel schlicht keine Messungen vorgenommen. Die gestrige CO²-Emission liegt aktuell bei 1684 Tonnen/Tag. Der Normalwert liegt bei 345t/Tag. Nur bei der Eruption 2011 lagen die ausgestoßenen Mengen an CO² höher.


11.50 Uhr - und um 11.00 Uhr ein ML4,1 aus 19 km Tiefe.
10.56 Uhr - Beben von ML3,8 um 10.32 Uhr in 21 km Tiefe


Das war gestern schon deftig. Ein ML4,6 Beben und eine Reihe von ähnlich starken Erdstößen, hat man auf El Hierro seit Anbeginn der Vulkankrise 2011 so auch noch nicht erlebt. Alles hat gewackelt, geklappert und Steinschlag ausgelöst. Selbst die Nachbarinseln bis Gran Canaria verspürten diesen Erdstoß. Nach Berechnungen der Involcan wurde gestern mehr Energie freigesetzt, als in den letzten 10 Tagen zusammen.

Nach der IGN Grafik links war von der Anzahl der Beben dieser Tag gar nicht der Spitzenreiter. "Nur" 175 Erdstöße (Vortag 200) wurden registriert. Aber in der Kraft und der Stärke einzelner Erdstöße liegt das Potenzial ... und weitere sollen folgen. Es gab keine Schäden, nur Steinschlag und Erdrutsche. Aus diesem Grunde wurden von der Pevolca nun auch einige Straßen und Wege im Bereich des Westzipfel gesperrt. Viele Straßen gibt es dort so und so nicht. Die Strecke ab Pozo de la Salud (Sabinosa) und die Zufahrt zum Leuchtturm Orchilla wurde dicht gemacht. Auch ohne Erdbeben habe ich in diesem Bereich schon Steinschlag erlebt. Es bleibt festzuhalten, das Golfotal kann über die Südstrecke nicht mehr verlassen werden.

Die Beben kreisen weiter um das alte Epizentrum ca. 8 bis 10 km vor der Westküste. Die Tiefe variiert und liegt heute Morgen im Schnitt bei 16 bis 19 km Tiefe. Ein ML3,7 Erdstoß um 5.28 Uhr aus 16 km Tiefe war bis jetzt das stärkste Ereignis heute. Es ist anzunehmen und spiegelt sich auch mit den Prognosen der IGN, daß es im Laufe des Tages wieder zu Beben um ML4,6 kommen wird.
El Hierro wölbt und dehnt sich unter dem immensen Druck der sich im Innern um die Magmakammer aufbaut und weiter ausbaut. Die Kraft lässt sich nicht berechnen, sondern nur vermuten. Die linke Kurve zeigt die Verschiebung der Insel Richtung Nordosten (Hallo El Hierro, bald können wir euch die Hand reichen), die rechte Kurve die vertikale Aufwölbung um ca. 11 cm. Wenn dieses Potenzial jetzt schlagartig frei würde ... so weit sind wir aber noch nicht.
 
Um die Entscheidungen der Pevolca (Krisenstab) gibt es natürlich Diskussionen. Ob die Vulkanampel auf Grün, Gelb oder Rot steht, ist im Grunde egal.  Der gesunde Menschenverstand sollte jedem selbst anzeigen, welche Maßnahmen er jetzt zu ergreifen hat.
 
Es versteht sich auch bei dem jetzigen behördlichen "Normalzustand" - und dieser Hinweis geht an Wanderer, in diesen Tagen nicht gerade auf Steilklippen, an Abruchkanten des Golfo oder in tiefen Barrancos zu wandern. Bei Beben über ML4,0 können Pfade abrutschen oder Steinbrocken aus großer Höhe herabstürzen.
 
Um aus nordeuropäischer Denkweise so manche Entscheidung hier zu verstehen, muß man die Mentalität der Canarios näher beleuchten.
Der Canario lässt sich nicht gerne etwas von der Obrigkeit vorschreiben. Noch zu gut ist die Franco-Zeit in Erinnerung (bis 1975). Man hat schon immer das gemacht was man für richtig hielt, ob mit oder ohne Gesetz und ist damit gut gefahren.
Die Herrenos sind aber noch ein bisschen eigenartiger und sturer. Eine von Madrid und der Kanarischen Regierung verordnete Raketenabschußbasis in den 1990 Jahren wurde erfolgreich vereitelt. Die ganze Insel wurde mobilisiert und nach zähem Kampf das Projekt dann gestoppt. Auch die Kaperung der ARMAS Fähre im letzten Jahr unter Mitwirkung des Inselpräsidenten Alpidio Armas ist so ein Beispiel.
Unkonventionelle Maßnahmen, die aber Wirkung zeigen. Strafrechtliche Konsequenzen werden bewusst in Kauf genommen. Verlaufen aber meist wegen der Mobilisierungsmasse im Sande. Seit langem kursiert auf der Insel der Satz:
 
 
"Wir sind vielleicht nur 9000 Menschen auf der Insel - aber wir sind 9000 aus El Hierro"
 
Der Stolz und selbst zu Wissen was notwendig ist, prägt diese Menschen. Dies weis natürlich die Pevolca (im Gremium sind auch Herrenos vertreten) und lässt ihre Entscheidung "milder" ausfallen. Wir erinnern uns alle noch an die Evakuierung von La Restinga oder die Schließung des Golfotunnels 2011 und die damit verbundenen Proteste.
 
Für einen Deutschen der sich an Gesetze und Verordnungen hält und sie wahrscheinlich auch braucht, schwer nachzuvollziehen.
Eines ist aber sicher, wenn Hilfe gebraucht wird, wird alles mobilisiert und in kürzester Zeit herbei geschafft. Das konnte ich schon mehrmals hier auf La Palma bei den verherrenden Waldbränden selbst hautnah miterleben.
 
Also versuchen wir die Pevolca zu verstehen, auch wenn wir sie vielleicht nicht ganz richtig verstehen. Es sind oft Maßnahmen und Aussagen ohne große Hintergedanken. Hier sollte auch nichts hinein gedeutet werden, oft denken die gar nicht soweit.

Mittwoch, 27. März 2013

Vulkan - und weiter geht`s

NEWS:
20.49 Uhr - ML4,1 um 19.55 Uhr in 20 km Tiefe.
20.38 Uhr - nach einer kurzen Ruhephase, falls man überhaupt davon sprechen kann, zuckt es seit 19.55 Uhr wieder gewaltig. Nähere Daten dazu liegen noch nicht vor.
18.50 Uhr - wie das Gobierno de Canarias (Kanarische Regierung) soeben mitteilte, besteht keine Gefahr für Menschen oder Güter. Außer einigen kleinen Erdrutschen seien keine besonderen Vorkommnisse gemeldet worden. Man erwartet in den nächsten Tagen weitere Beben bis ML4,6. Alles sei unter Beobachtung und Kontrolle. Im Notfall würde der Einsatzplan greifen.

18.00 Uhr - die Bebenserie hält weiter an. Beben bis ML3,7 aus 16 km Tiefe um 17.16 Uhr. Es ist bisher der stärkste und längste Bebenschwall auf El Hierro seit Beginn der Vulkanaktivität 2011.

16.47 Uhr - jetzt sollte jeder selbst gemerkt haben, daß es keine Normalität mehr ist.
Es besteht akute Steinschlag- und Erdrutschgefahr im Golfotal und auch an der mittleren Ostküste.
16.31 Uhr - um 15.10 Uhr ein ML4,4 Beben in nur 10 km Tiefe (grüner Pfeil) - von IGN auf 11 km korrigiert.





16.15 Uhr - um 15.02 Uhr noch ein ML4,3 in 18 km Tiefe und um 15.28 Uhr ein ML4,1 in nur 12 km Tiefe.
15.55 Uhr - Beben von ML4,6 um 15.07 Uhr in 19 km Tiefe. Das war das Beben das auf La Gomera und hier auf La Palma verspürt wurde.
15.48 Uhr - erste Steinschläge von der Steilwand im Golfotal (Foto von Involcan).

15.10 Uhr - soeben war selbst auf La Palma ein Beben zu verspüren. Warten wir einmal die Auswertung ab.
15.09 Uhr - der Prozess dauert immer noch an. Die jüngsten ML3,3 Beben kommen nun aus flacheren Tiefen von 12 - 11 und 10 km Tiefe.
14.53 Uhr - Beben mit ML3,3 - 3,7 und 3,9 aus 10 bis 20 km Tiefe.
13.11 Uhr - gegen 12.30 Uhr hat ein neuer Bebenschwall eingesetzt, der noch andauert.

Die Vulkanaktivität ist weiter im Gange. Gestern 200 Beben, davon 15 über ML3,0. Auch heute Morgen um 5.51 Uhr bereits wieder ein ML3,3 Erdstoß aus 15 km Tiefe. Die Beben kommen überwiegend aus 13 bis 15 km Tiefe. Nur die Lage hat sich etwas geändert. Die Beben wandern inzwischen auf die Insel zu. Auf der Karte links die rotbraunen Punkte. Der relativ kompakte Bebenhaufen hat immerhin einen Durchmesser von 8 bis 10 Kilometer und steht als selbständiges Gebilde vor der Westküste.

Betrachten wir uns alle bisherigen Beben als Gesamtbild, dann sieht es schon etwas anders aus (linke IGN Grafik). Es ist ein neuer Seitenarm Richtung Westen entstanden bzw. im Entstehen. Die noch etwas lose Verbindung zum alten Zentrum (gelb/blau) wird sicher in den nächsten Tagen gefüllt. Das zeigen heute schon die zurückwandernden Beben. Der einzige Magmazufluss aus dem Erdinnern dürfte sich unter der alten Hauptkammer direkt unter der Insel befinden (Pfeile). Hier wurden die meisten Beben in großer Tiefe gemessen. Durch die in den letzten Tagen neu nachströmende Magma hat sich der Innendruck so stark aufgebaut, daß eine etwas porösere Schicht Richtung Westen aufgebrochen wurde. Sonst wäre wahrscheinlich schon längst eine erneute Entlüftung (Eruption) erfolgt. Das ist nur eine Theorie - aber eine denkbare Möglichkeit.

Die gestern von der Roman Margalef erstellte Profilkarte vom Küstenbereich zeigt, daß die Inselbasis im Westen und Süden an einigen Stellen doch weit in den Atlantik reicht. Auch sind die vielen alten Unterwasser-Vulkankrater/berge zu erkennen. Heute werden die bathymetrischen Erfassungen im Norden und auf der Ostseite fortgesetzt. Dort fällt - und das ist schon zu erkennen - das Inselmassiv wesentlich steiler ins Meer ab.
 
Die Entscheidung der Pevolca (Krisenstab) gestern den Normalzustand beizubehalten, löste unterschiedliche Reaktionen aus. Mir war diese Entscheidung klar - ich hatte ja darüber geschrieben.
 
Die erfolgten Kommentare und das möchte ich noch einmal klarstellen, sind die Meinung der Kommentatoren. Nicht meine Meinung.
Ich hatte und habe meine eigene Meinung. Als größte Gefahr sehe ich nicht einen Vulkanausbruch sondern die Folgen der Beben auf die Golfosteilwand. Wer es Nachlesen möchte, geht ins Archiv 2011.
In der Vergangenheit starben auf den Kanaren nur zwei Personen an den direkten Folgen einer Eruption (Lava/Gase). Aber 23 Menschen durch Beben - einstürzende Häuser und Steinschlag.
 
Die Entscheidungsträger wurden auch von den Herrenos gewählt. Die Folgen einer evtl. Fehlentscheidung müssen auch die Menschen vor Ort erleiden, nicht der Leser in Deutschland.
Natürlich spielen auch bei der Pevolca sicherheitstechnische, wirtschaftliche und politische Entscheidungsgründe mit.
Ich könnte ein Lied davon singen aus eigener Erfahrung. Langjährige Leser wissen, daß ich einige Jahre zu meiner Zeit in Deutschland, beratendes Mitglied in einem HVB (Krisenstab) war und so Einiges miterlebt habe.
 
Anderes Thema: Unser Eldiscreto hat es unter die letzten vier Satellitenaufnahmen geschafft. Es gibt gute Chancen im April als "NASA Satellitenbild des Jahres 2012" gekürt zu werden.
Ich rühre jetzt einfach einmal die Werbetrommel für Ihr Stimme. Normal wäre es die Aufgabe der Touristikabteilung des Cabildo El Hierro, die haben aber im Moment ganz andere Sorgen.
 
Hier der Link zum NASA Tournament.
Bei der Stimmabgabe beachten:  Sie können im ersten Feld irgend ein Foto auswählen. Im darunter liegenden natürlich rechts den Eldiscreto und dann ganz unten "Voten". Es erscheint dann die Dankesseite.
Drücken wir einmal die Daumen, daß Eldiscreto bis kommenden Freitag unter den letzten beiden Aufnahmen ist.

Dienstag, 26. März 2013

Vulkan - Bebensturm hält an

NEWS:
18.39 Uhr - es ist jetzt zu beobachten , daß die Beben etwas flacher werden. Wir hatten vorhin einen ML2,2 Erdstoß aus 8 km, einen ML2,6 aus 12 km und nun ein ML3,3 Beben aus 14 km Tiefe.

14.45 Uhr - heute bisher 99 registrierte Beben. Die Stärke hat jedoch abgenommen. Der stärkste Erdstoß um 11.13 Uhr mit ML3,4 aus 14 km Tiefe. Die Ausgangslage und Bandbreite der Beben liegt zwischen 9 und 26 km Tiefe, mit Schwerpunkt um die 14 km.
Fast schon dramatisch hat die Verformung der Inseloberfläche zu genommen. Am Messpunkt Leuchtturm Orchilla im Westen in den letzten Tagen um 11 cm, Golfo-West und Tacoron im Süden um 6 cm.
Heute Vormittag hat die Pevolca(Krisenstab), erstmals gemeinsam mit der Involcan, die Lage erörtert. Es besteht im Moment für die Menschen auf El Hierro keine Gefahr, da das Phänomen 10 Kilometer vor der Küste liegt (wörtlich).
Allerdings wird auch nicht ausgeschlossen, daß es in den nächsten Tagen wieder Beben um die ML4,0 geben kann. Die Warnampel bleibt auf "Grün".


Die Beben halten auch heute Morgen weiter an. Es waren in der vergangenen Nacht Beben zwischen ML2,3 und 3,8. Für die Bewohner sicher eine unruhige Nacht, auch wenn die lang andauernden Bebenphasen wie gestern Nachmittag mit dem ML4,1 Bebenschwall,  ausblieben. Wer sich über die Stärke von Beben einlesen möchte, geht oben auf die Seite "Forschungsberichte". Die Ausgangstiefe der Erdstöße lag zwischen 13 und 17 km. Auch waren einige flachere Beben aus 11 km Tiefe zu verzeichnen.
Das Epizentrum hat sich nur unwesentlich geändert und dürfte so ungefähr 7 bis 10 Kilometer vor der Westküste liegen. Dort beträgt die Meerestiefe 1500 bis 2000 Meter. Dies hat aber nur sekundäre Bedeutung, da die Magmaaktivität noch viel zu tief liegt und dort nach jetzigem Sachstand keine Eruption zu befürchten ist. Dazu verweise ich auch auf meine Erläuterungen von gestern.
 
Es war bisher der bebenreichste Tag. Die IGN listet 277 Erdstöße auf (Grafik). In Wirklichkeit war es aber ein Vielfaches davon, da viele Kleinbeben zahlenmässig nicht erfassbar waren. Mit 46 Beben über ML3,0 dürfte auch ein neuer Rekord überhaupt auf El Hierro aufgestellt worden sein. Ich kann mich nicht erinnern an einem Tag so viele stärkere Beben erlebt zu haben.

Die Roman Margalef hat, wie Dr. Luis Miguel Fernandez Salas vom Centro Oceanografico de Cadiz mitteilte, gestern um die Mittagsstunden ihre bathymetrischen Messungen am Eldiscreto I abgebrochen und ist auf Spurensuche im Golf unterwegs gewesen. Bisher ohne Ergebnis.

Montag, 25. März 2013

Vulkan - Wiedererwachen des Eldiscreto?

NEWS:
21.20 Uhr - das war der nächste Bebenschwall um 20.55 Uhr mit ML3,8 in 13 km Tiefe und einer Dauer von ca. 17 Minuten.
19.15 Uhr - jetzt hören wir auch die ersten Worte vom Cabildo El Hierro. Ruhe und Besonnenheit sei das Gebot der Stunde, so die Sicherheitsbeauftragte Maria del Carmen Morales. Alles werde überwacht. Es sei ein Prozess der 6 Monate, aber auch 10 Jahre dauern könne.
Morgen wird sich erstmals wieder auf Teneriffa der Krisenstab (Pevolca) treffen und die Sache beraten.
17.55 Uhr - die Beben haben sich beruhigt und liegen nur noch zwischen ML2,5 und 3,5. Es sieht im Moment wie eine Verschnaufpause aus. Nach den GPS Daten hat sich die Insel in den letzten Tagen nicht nur in die Höhe, sondern auch ca. 5 cm nach Osten fort bewegt.
15.40 Uhr - dieser Bebenschwall schwächt sich nun langsam ab. Es wird aber wahrscheinlich nicht das letzte Starkbeben gewesen sein. Gefährdet sind besonders die Steilhänge im Golfotal. Hier könnten Steine oder ganze Felsstücke abbrechen und herunter stürzen. Auch das Tunnel würde ich im Augenblick nicht benutzen.
15.20 Uhr - die Lage spitzt sich zu. Lang anhaltende Beben verursachen bei Sabinosa Steinschlag und Erdrutsche. Es ist im Moment nicht genau klar ob auch Tremor eingesetzt hat. Ich bleibe am Ball.

15.05 Uhr - die Bebenstärke nimmt zu. Um 14.41 Uhr ein ML4,1 Beben aus 16 km Tiefe im Westen. Selbst die Häuser auf der Ostseite (siehe Kommentare) kommen nun ins Schwanken.

14.10 Uhr - so und jetzt machen wir noch etwas Insel- und Tourismuswerbung. Beim NASA "Satellitenbild des Jahres 2012" hat es Eldiscreto unter die letzten 4 Fotos geschafft. Bitte hier für die nächste Runde VOTEN.

10.50 Uhr - Die Ramon Margalef kreuzt heute im Golfo. Auf der Webcam links war sie zu entdecken.
Die Involcan startet heute mit ihrer Kampagne von intensiven Gasmessungen. Auch die IGN hat auf der Insel ihr Personal verstärkt. Es ist eigentlich nun alles vorhanden, was für eine intensive Beobachtung gebraucht wird.
Fehlt eigentlich nur noch die Pevolca (Krisenstab). Aber die wird sich in den nächsten Tagen sicher auch noch einfinden.

Bedenklich nimmt die Oberflächenverformung zu. Ich habe hier den GPS Messpunkt HI05 (Leuchtturm) heraus gepickt. In nur wenigen Tagen hat sich die Erdoberfläche um fast 9 cm nach oben gewölbt. Die Grafik ist damit schon an ihrer oberen Begrenzungslinie angekommen. Es sind Messungen aus den vergangenen Tagen, da die Auswertung immer hinterher hinkt.
 
 



Die größte Überraschung war gestern Abend die Meldung, daß aus dem alten Eldiscreto im Süden wahrscheinlich verstärkt Gase ausdringen. Dies wurde von der Besatzung (Uni Las Palmas, Centro Oceanografico u.a.)  der Roman Margalef bei verschiedenen Messungen festgestellt. Auf dem Foto ist deutlich an der linken Kraterwand eine aufsteigende Fahne zu erkennen. Es wurden Proben genommen, die noch auf deren Zusammensetzung im Labor näher untersucht werden.


Ein erstes ML4,0 Beben erlebten wir heute Morgen um 5.57 Uhr in 16 km Tiefe vor der Westspitze. Es war bei der jetzigen Bebenepisode der bisher stärkste Erdstoß. Auch gestern 159 von der IGN registrierte Beben. 7 Erdstöße lagen über ML3,0.
Und so geht es auch heute Morgen weiter. Die Aktivität hat sich weiter verstärkt. Bisher 6 über ML3,0 registrierte Erdstöße.  Die Tiefe der Beben liegt bei 11 bis 22 km. Eine breite Palette die vermuten lässt, daß neue frische Magma nachrückt und die tiefen bei 20 km auftretenden Beben auslöst. Das Epizentrum liegt weiter ca. 5 km vor der Westküste (IGN Karte braune Punkte).

Für Alle die El Hierro nicht näher kennen, möchte ich die örtliche Situation etwas erklären. Auf der Karte (Open Sea Map-Danke nach Flensburg) sehen wir, einem Stiefel ähnlich, den äußersten Westteil. Er ist unbewohnt und relativ karg. Trotzdem hat er für die Herrenos eine besondere Bedeutung. In diesem Bereich befinden sich die letzten Sabinares. Ein altes Urwaldgewächs, eine Art Zeder-Wacholder, sehr selten und unter Naturschutz - und im südlichen Teil das Inselheiligtum die Virgen de los Reyes. Die hochverehrte Madonna in ihrer kleinen Kapelle. An der südlichen Spitze den Leuchtturm mit dem alten 0-Meridian. Ansonsten ist dieser Bereich menschenleer.
 
Die nächste Besiedlung finden wir im nördlichen Golfoeingang mit Pozo de la Salud (kleines Heilbad mit Kurhaus und einigen Häusern) und im Hang klebend den Ort Sabinosa (rote Straße).
In diesem landschaftlich sehr reizvollen Gebiet soll 1793 der Negro II ausgebrochen sein. Darüber gibt es aber keine großen Aufzeichnungen.
 
Wenn schon ein Vulkan auf El Hierro ausbrechen muß, dann hier vor der Küste.
Allerdings lehrt die Vergangenheit, daß nicht unbedingt dort wo die meisten Beben registriert werden, sich auch der Schlund öffnet.
Erinnern wir uns an die starken Beben 2011 im Golfo. Die Eruption fand dann aber einige Kilometer weiter im Süden bei La Restinga statt. Die Magma wird sich immer den leichtesten Aufstiegsweg suchen ... und so wird es auch das nächste Mal sein.