Samstag, 31. Januar 2015

Erzählt Lava die Frühgeschichte?

El Hierro Restingolitas als Zeitmesser?


Etwas mehr Licht in den Ursprung der Kanarischen Inseln soll eine Studie der Universität Uppsala in Schweden bringen. Als Ausgangsmaterial wurde die 2011 bei der Eldiscreto Eruption ausgeworfene Lava – die  Restingolitas (Foto) genommen. Jene seltene Lava mit schwarzer Haut und weißem Kern, das nach dem nahen Küstenort La Restinga auf El Hierro benannt wurde.

Aufgeschmolzenes Sedimentgestein, außergewöhnlich radioaktiv und nur in den ersten Stunden der Eruption Ende 2011 an der Meeresoberfläche aufgetaucht. Bekannt und vermutet wurden alte Muschel und Kalkablagerung auf dem Meeresgrund, die von der aufsteigenden rund 1100°C heißen Magma als erstes weggeräumt und aufgeschmolzen wurde. Eine bisher in dieser Form noch nicht gekannte Lava Mischung.

Restingolitas Lava auf dem Prüfstand

 

Ein Team von Forschern, an dem auch die Universität Las Palmas de Gran Canaria, Uni Lissabon und die CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas) beteiligt waren, nennen die rätselhaft aufgetauchten Lavabrocken Xeno-Pumita. Mit deterministischen Methoden wurden die im Restingolita enthaltenen Nannofossilien aufgespaltet um ein Alterungs- bzw. Entstehungsmodell der Kanaren zu gewinnen. Der Beitrag ist in der Fachzeitschrift Nature (Bilder) veröffentlicht worden.

Zunächst wurde festgestellt, dass das unter El Hierro lagernde Sedimentgestein in einer temporären Tiefe von 4,5 bis 5 Kilometer liegt. Die Sedimentdicke dürfte 0,5 bis 1 km stark sein und reichlich Gas enthalten. Das erklärt auch den raschen Aufstieg aus dem Reservoir zur Meeresoberfläche. Beim Transport zur Wasseroberfläche verloren die Restingolitas ihre Auftriebskraft um dann nach einer kurzen Verweildauer an der Oberfläche, vollgesaugt mit Wasser, auf den Meeresgrund zurück zufallen. Dort liegen sie noch heute und wurden von der nachrückenden schwarzen Lava begraben.

Es war schon ein Glücksfall, dass während dieser ersten 3 bis 4 Stunden der Eruption, ein Boot der Küstenwache direkt an den Eruptionsstrudel fuhr und einige Restingolitas an Bord nehmen konnte. Dies ermöglicht heute eine Altersbestimmung des Sedimentmaterial, auf dem sich dann später die Insel El Hierro aufgebaut hat.
 
Es sind natürlich keine exakten Jahresangaben möglich und nötig. In der geologischen Zeitrechnung sind tausend oder hunderttausend Jahre schon recht genaue “Minutenangaben”. El Hierro ist auch nicht in wenigen Jahren, sondern über einen langen Zeitraum entstanden … und die Inselbildung ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

So wuchsen die Kanarischen Inseln

 


Von Osten nach Westen sind die Kanarischen Inseln gewachsen. Fuerteventura vor 20,6 Millionen Jahren bis zu den jüngsten Inseln des Archipel im Westen wie La Palma (1,7 Mio) und El Hierro von 1,1 Mio. Jahren. Es waren Tiefbohrungen und Meeresboden Untersuchungen die erst eine exakte Zeitbestimmung ermöglichten.

Durch die Verschiebung der afrikanischen Platte von jährlich 2 bis 3 Zentimeter nach Nordosten, wandert der Hotspot immer weiter nach Südwesten. Auch in Zukunft werden hier neue Inseln entstehen, während die “alten” Ostinseln durch die Erosion irgendwann im Atlantik versinken werden. Das ist der Kreislauf der Zeit, der nirgends dauerhafte Monumente für alle Ewigkeit hinterlässt.
Wir können uns jedoch trotzdem beruhigt zurück lehnen. Unser Leben dauert nur einen Wimpernschlag in der ganzen Geochronologie.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Auswandern auf die Kanaren

Auswandern – nach El Hierro, La Gomera oder La Palma.

Das Thema “Auswandern” interessiert viele Menschen und auch wie ihre ausgewanderten Landsleute im neuen “Traumland” so leben. Unzählige Fernsehberichte und Auswanderer-Soaps mit teilweise haarsträubenden Story`s liefern den Beweis.

Ob es der junge Hartz IV Empfänger ohne Berufsausbildung mit Frau und zwei Kleinkindern, ohne Ersparnisse, ohne großer Vorbereitung und keinerlei Sprachkenntnissen ist … oder
der Auswanderer der bereits Land und Leute kennt, dort zahlreiche Urlaube verbracht hat, den finanziellen Background mitbringt und eine Wohnung oder ein Haus im Gastland sein Eigen nennt …
Der aufmerksame TV Konsument mag hier sehr schnell Kommerz und Information unterscheiden.
Bereits nach einigen Monaten trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Zerknirscht und enttäuscht wird mit den letzten Groschen der Rückzug vom “Auswandern” angetreten.

Wer die ersten 3 Jahre aber überlebt und immer noch glücklich und zufrieden ist, bleibt dann meist für immer. Eine alte Binsenweisheit die ich hier nur zu oft erlebt habe.

“Hier könnte ich auch Leben. Was hat dich eigentlich nach La Palma geführt?” eine mir immer wieder von Gästen gestellte Frage.
Eine spannende Geschichte und nicht auf die Schnelle erzählt. Zum Glück kann ich hier auf mein Buch “Soll ich Auswandern?” verweisen.

Dass es auch viele andere Auswanderer geschafft haben, möchte ich an einigen Beispielen von El Hierro, La Gomera oder La Palma zeigen.




Was ist aus den Auswanderer geworden?


Als Landfrau auf El Hierro

Ammersbekerin fand auf der kanarischen Insel ihr Lebensglück Ammersbek/El Hierro Wenn die Sonne über dem atlantischen Ozean aufgeht, beginnt auch der Tag von Sabine Rathjen. Denn ihre Ziegen haben Hunger. Geschickt wirft sie mit der Forke Berge von Grünzeug über den Holzzaun, während ihr eine der Hofkatzen um die Beine streift. Die Stormarnerin lebt seit über zehn Jahren auf der kanarischen Insel El Hierro, welche die kleinste der sieben großen Eilande westlich von Afrika ist. Aus der Milch ihrer Ziegen bereitet sie...
www.hamburger-wochenblatt.de

 

Aus Oberasbach an den Strand von La Gomera

Martina Friedrich erfüllte sich vor neun Jahren mit ihrem Café auf der Ferieninsel einen Traum

Deutsche Auswanderer auf La Palma

Mal clever, mal originell: Auf La Palma bringen deutsche Auswanderer ihre Ideen an den Gast. Einer von ihnen ist Führer für Wandertouren und beherrscht die alte Kunst des Lanzenspringens…. weiterlesen  Hanoversche Allgemeine

Es geht also. Nur darf es keine spontane Schnapps- oder Urlaubsidee sein. Ein Haus baut man sich auch nicht von heute auf morgen. Auswandern bedeutet immer einen kräftigen Einschnitt ins bisher gewohnte Leben. Vieles ist anders, Verwandte und Freunde bleiben zurück, die alte Arbeitsstelle muß aufgegeben werden …das gesamte Umfeld im Ausland ist neu und alles muss wieder aufgebaut werden.
Darum erst gut überlegen und viel informieren. Einige Tipps finden ihr auch auf meiner Seite “Auswandern”.

Samstag, 24. Januar 2015

Neue Erdbeben unter El Hierro

NEWS: 26.01.15 - Gestern um 17.16 Uhr ein weiterer Erdstoß von ML2,2 aus 13 km Tiefe im Süden bei El Pinar.

Erdbeben bis ML2,6.


Gleich zwei Erdstöße heute Morgen im Minutentakt. Um 7.53 Uhr ein ML2,2 Erdbeben – gefolgt um 7.54 Uhr von einem ML2,6 Erdstoß. Auf der seismischen Aufzeichnung der IGN (oben) lagen beide Beben zeitlich so eng beieinander, dass sie nur als einen Ausschlag aufgezeichnet wurden. Die Ausgangszentrum lag identisch bei 13 km Tiefe. Eine in letzter Zeit doch mehr seltene Konstellation. Seit fast einem Jahr schien die vulkanische Aktivität unter El Hierro fast zu Erliegen gekommen zu sein. Nur schwache Erdbeben um die ML1,5.

Die räumliche Erdbebenlage

 

Beide Beben traten nicht wie zu vermuten im gleichen Bereich auf. Nein – sie lagen gut 15 km Luftlinie von einander entfernt. Der erste Erdbeben im nördlichen Golfotal (linke Grafik) und das zweite Beben im südlichen Inselbereich (unten). Wir wissen jedoch, dass sie aus der gleichen Magmakammer unter der Insel kommen müssen.
Aus der Lage, der Stärke und der Tiefe könnte man zu dem Schluss kommen, dass eine horizontale Magmaverschiebung stattgefunden hat. Allerdings liegt der räumliche Abstand beider Zentren zu weit auseinander. Hier wären dann auch im Mittelteil der Insel Beben aufgetreten. Das war aber nach den IGN Aufzeichnungen bisher “Fehlanzeige”. Allerdings scheint in der IGN Zentrale in Madrid nur Wochenend-Notdienst vorhanden zu sein. Auch die restlichen Grafiken und Tabellen wurden noch nicht aktualisiert.

Bisher mehr als 22.000 registrierte Erdbeben


Hier noch einmal zum besseren Verständnis die Ausmaße der vermuteten Magmakammer anhand der seit 2011 aufgezeichneten Beben. Mit einer Breite von über 40 km und einer nördlichen Ausdehnung von 25 km ist fast der gesamte Inselsockel – außer der nordöstlichen Inselspitze – abgedeckt. Es bleibt jetzt abzuwarten, ob es nur ein einmaliges Ereignis war, oder in den nächsten Tagen oder Stunden sich weitere Erdstöße einreihen. Dann könnte es einen Hinweis darauf sein, dass ein neuer Aktivitätsschub im Gange ist. 

Im Vergleich zu vielen anderen kanarischen Vulkanen, hat Eldiscreto seinen Betrieb in den letzten 3 Jahren nie ganz eingestellt. Kurz nach den Eruptionen des Vulkan San Juan (1949) und Teneguia (1971) auf La Palma war mit Erdbeben damals bis heute Schluss.

Programm-Hinweis: Am Sonntag, den 25. Januar 2015 im WDR um 20.15 Uhr (MEZ) 90 Minuten lang "La Palma  - Wunderschön"

Freitag, 23. Januar 2015

Kalt ist es geworden auf den Kanaren

Kalt – zu kalt für einen Kanarenurlaub?

Auch auf den Kanarischen Inseln ist Winter und es kann “Kalt” werden. Nichts mit den Inseln des ewigen Frühling – zumindest im Moment nicht. Tageshöchstemperaturen von max. 17°C um die Mittagszeit und in der Nacht zeigt das Thermometer nur noch 11° bis 12°C an. Alles natürlich im Plusbereich und bezogen auf Meereshöhe in Santa Cruz de La Palma. Mit jedem Meter an Höhe fällt die Temperatur-Bilanz noch etwas “Kühler” aus. Auf dem Roque de los Muchachos derzeit +2,9°C.

Und in den nächsten Tagen wird es nach der AEmet Vorhersage (oben) auch nicht besser. Die Temperatur soll noch weiter fallen ... Weiterlesen auf Kanaren NEWS

Montag, 19. Januar 2015

Kanaren - Inseln der Ahnungslosen?

Ahnungslos oder Inseln der Glückseligen?


Nichts sehen – nichts hören – nichts sagen in einer etwas moderneren Version (Bild: Supernature).
Auch auf El Hierro oder La Palma dringen in gedämpfter Form die aktuellen Probleme aus Nordeuropa ein. Die ganz so Ahnungslosen sind wir nicht. Attentat in Paris, Pegida Demonstrationen in Dresden oder die Geschichten aus der Ostukraine. Auch der Ausspruch von Frau Merkel “Der Islam sei ein Teil von Deutschland” oder Sprüche wie “Deutschland wird am Hindukusch verteidigt” und die amerikanischen Abhöraktionen – lassen Aufhorchen.

Man müsste schon als Einsiedler in den Wäldern oder ganz im Südwesten in der Einöde der Insel wohnen, um sich wie die “Drei Affen” vom Weltgeschehen abschotten zu können. Ohne Radio, TV, Handy, Smartphone oder Internet wäre man Ahnungslos.

In der “modernen Welt”, ob nun zum Fluch oder Segen – dringen auch diese Schallwellen bis in den letzten Winkel der südwestlichsten kanarischen Insel. Hier ist man aber geografisch weit vom Epizentrum (3670 km bis Berlin) entfernt, so dass ohne große Emotionen die Nachrichten nur als Begleiterscheinung registriert werden. Der Nordeuropäer der hier lebt, ist nicht nur wegen den klimatischen Bedingungen, sondern vielleicht auch genau wegen dieser für ihn nicht akzeptablen Umstände ausgewandert und hat Deutschland, der Schweiz oder Österreich den Rücken gekehrt.
 

Uns beschäftigen hier ganz andere Probleme.

  • Warum liegt die Arbeitslosigkeit immer noch bei über 30 % und warum gelingt es der Regierung nicht, die Situation zu entschärfen? Warum finden 56 % der Jugendlichen keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz?
  • Warum werden auf Gran Canaria amerikanische Truppen stationiert? Wird nun auch von den Kanaren der “US Kampf gegen das Böse” geführt?
  • Warum hat Repsol die Suche nach Erdöl jetzt so überraschend eingestellt? Liegt es an den im Mai 2015 stattfindenden Wahlen.
  • Wie läuft es mit dem regenerativen Energieprojekt “Gorona” auf El Hierro? Warum ist das alte Dieselkraftwerk immer noch in Betrieb?

Und natürlich noch unseren Naturgewalten – Was macht der Vulkan unter El Hierro?



Zur Zeit nicht viel. Gestern um 15.40 Uhr gab es wieder ein ML2,5 Beben aus 29 km Tiefe zwischen El Pinar und La Restinga (IGN Grafik). An der Inseloberfläche nicht spürbar, aber von den Seismografen registriert.
Seit 2011 eine beständige Frage. Im Moment nicht aktuell und in den Hintergrund verdrängt. Alle Bewohner wissen jedoch, dass es nur eine Frage der Zeit ist. In Zukunft kann dieses Thema ganz schnell wieder zum Hauptproblem werden.





Weniger interessiert da schon, was aus dem fernen Weltall in den nächsten Wochen auf uns zukommt.
 




Ein Asteroid mit einem halben Kilometer im Durchmesser wird am 26. Januar 2015 an der Erde vorbei rasen (Grafik NASA). Es ist der größte jemals registrierte Asteroid der so nah an die Erde heran kommt. Mit 1,2 Millionen Kilometer Entfernung aber immer noch so weit entfernt, dass keine Bedrohung für die Erde entsteht. Der mit “2004 BL86″ bezeichnete Asteroid wurde bereits 2004 entdeckt. Würde er sich auf Kollisionskurs befinden, hätte sich die Menschheit längst etwas einfallen lassen müssen oder würde ein ähnliches Schicksal wie die Dinosauriere erleben.

Es sind andere Themen und andere Probleme die die Bewohner der Kanarischen Inseln bewegen. Nicht die Ahnungslosigkeit, sondern der Blick (besser Überblick) aus der Ferne, weniger persönliche Anteilnahme, der südländische Charakter und die Eigenschaft mit Dingen nicht so ernst umzugehen, lassen diese entfernt ablaufende Geschehnisse oft mit einem Schmunzeln oder Kopfschütteln leichter quittieren.

Und diese Charaktereigenschaften färben natürlich auf die eingewanderten Nordländer irgendwann auch ab. Schließlich leben wir hier auf den “Glückseligen Inseln” (= wer mit dem Gegenwärtigen, wie es auch immer sei, zufrieden ist) und wollen nicht unbedingt Alles wissen. Die Konfuzius Analekte von den Drei Affen „mizaru, kikazaru, iwazaru“ (見ざる、聞かざる、言わざる)” von den Ahnungslosen, gilt also hier nur begrenzt.