Dienstag, 21. Mai 2013

Vulkan - Nomen est Omen

NEWS:

Lassen Sie uns heute mit einer lateinischen Wortspielerei des Römer Plautus beginnen. Es scheint aber ein schlechtes Omen zu sein. Immer wenn die IGN ankündigt ihre El Hierro Sonderseite vom Netz zu nehmen, grollt Eldiscreto heftiger. Geschehen im März 2013 mit einer Bebenwelle und jetzt in der vergangenen Nacht mit einem Aufflackern seiner Aktivität. Eigentlich sollte nach dem Willen der IGN der Vulkan nun einschlafen und Sonderdaten nicht mehr nötig sein. Seit 20.47 Uhr gestern Abend bis jetzt hatten wir 6 Beben bis ML2,1 aus 10 bis 18 km Tiefe (Auflistung oben). Die örtliche Lage hat sich verändert. Die Erdstöße liegen nicht mehr vor der Westspitze, sondern verlagern sich Richtung Golfobecken (IGN Grafik). Das Zentrum liegt aber immer noch ca. 8 - 10 km vor der Insel im Meer.
Einige Ausgangstiefen konnten nicht ermittelt werden. Das flachste Beben lag bei 10,1 km Tiefe. Immer noch zu tief um einen Trend erkennen zu können.  

Die Bodenverformung bleibt wie hier links an der Station HI05 (Leuchtturm Orchilla an der Westspitze) erhalten. Einzig die grafische Darstellung wurde von der IGN geändert. Von minus 60 mm Anfang März haben wir heute + 60 mm Verwerfung. Eine relativ konstante vertikale Aufwölbung von 12 cm. Auch die horizontale Verschiebung der Inselfläche nach Osten bleibt bei ca. 10 bis 11 cm stehen.
Diese Werte zeigen an, dass sich der Überdruck im Bereich der Magmakammer bisher keinen Druckausgleich verschaffen konnte. Es muss ja nicht gleich eine Entlüftung (Eruption) sein, sondern es könnte auch eine Druckentlastung in benachbarte Gesteinsschichten mit Hohlräumen erfolgen. Dies scheint jedoch aufgrund der Gesteinsstruktur nicht möglich zu sein.
So beobachten wir also die Entwicklung weiter.

Montag, 20. Mai 2013

Vulkan - Magma Recycling

NEWS:
Ein Restingolita - ein besonderer Lavabrocken, wie er nur in den ersten Tagen der Eruption 2011 vom Eldiscreto an die Meeresoberfläche ausgeworfen wurde. Auch diese Lava hat bereits mehrfach im Laufe der Erdgeschichte das Sonnenlicht gesehen. Unter Kreislauf der Gesteine - oder auch als Recycling bezeichnet, versteht die Geologie den Zyklus, wenn Lava/Gestein von der Erdoberfläche im Untergrund verschwindet und wieder an der Erdoberfläche auftaucht. Vergleichbar mit dem bekannteren Kreislauf des Wasser. Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass dieser Vorgang beim Gestein sehr langsam abläuft und ca. 2 Milliarden Jahre Zeit benötigt.


Zur Verdeutlichung die Grafik oben (Quelle: Diercke Weltatlas). Das Gestein driftet (rechts) langsam durch das Ozeanbecken ab und versinkt über die Tiefseegräben im Erdmantel. Hier wird es aufgeschmolzen und erscheint dann wieder als nicht ganz frische Lava aus dem Vulkanschlot. Die Zusammensetzung der Magma hat sich natürlich inzwischen geändert. Bei unseren Restingolitas von El Hierro mit sehr viel aufgeschmolzenem Sedimentgestein (Ablagerungen vom Meeresgrund) und als weißer Kern sichtbar.

Forscher aus Mainz konnten nun feststellen, daß dieser Kreislauf doch viel schneller abläuft. Nach ihren Beobachtungen benötigt der Zyklus nur ca. 300 Millionen Jahre.
Die Forschergruppe um Alexander Sobolev vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz nahm sich den Mauna Loa Vulkan auf Hawaii vor. In diesen Lavaproben sind häufig Olivinkristalle, die oft mit blosem Auge sichtbar sind, enthalten. Winzige Einschlüsse in dem Olivin wurden nun analysiert und die darin vorkommenden Elemente auf ihre Isotopenkonzentration untersucht. Eine Methode zur Altersbestimmung von Gestein.
Es fand sich in den Einschlüssen ein außergewöhnliches Verhältnis der Isotope Strontium-87 und Strontium-86. Es entsprach genau jenem Wert, den man ausschließlich in Resten von etwa 300 Millionen Jahren altem Meerwasser findet. Demnach müsste die Lava an der Erdoberfläche mit diesem Meerwasser in Kontakt gekommen sein.

Ob derartige Untersuchungen auch mit der Eldiscreto-Lava durchgeführt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wäre aber interessant, ob die auf Hawaii gewonnen Erkenntnisse sich auch auf El Hierro bestätigen lassen.
Beide Typen sind Hotspotvulkane und werden aus ähnlich tiefen Herden gespeist. Natürlich mag es unterschiedliche Regionen geben, wo dieser Prozess langsamer oder auch schneller abläuft.

Es bleibt aber die Erkenntnis - wir sitzen auf keinem statisch festen und stabilen Körper. Unter uns ist die Erdkruste in einer ständigen Bewegung und Umwälzung. Auch wenn wir in unserem menschlich begrenzten Zeitfenster keine große Veränderung feststellen können, sorgt doch die geologische Natur in ihrem Zeitrahmen für einen immer währenden Kreislauf.
Genau wie in jedem Frühling die Blume aus ihrer alten Knolle aufblüht, entstehen fortwährend durch Vulkanausbrüche neue Landmassen oder Inseln aus altem Material. So ist der Kreislauf der Natur.

Aktuell hatten wir gestern 3 Erdstöße bis ML1,9 aus 18 km Tiefe. Die örtliche Lage bleibt unverändert vor der Westküste.

Sonntag, 19. Mai 2013

Vulkan - Schutz vor Erdbeben möglich ?

NEWS:

Auch wenn es in den vergangenen Tagen unter El Hierro relativ ruhig zu geht - in den letzten 24 Stunden hatten wir 3 schwache Beben bis ML1,3 - sind sich die Vulkanologen und Beobachter doch ziemlich sicher, dass damit die vulkanische Aktivität noch nicht beendet ist. In Intervallen traten in den vergangenen 2 Jahren immer wieder stärkere Bebenserien auf (Grafik links). Dabei wurde die Intensität der Erdstöße immer stärker. Auf der Statistik (unten) habe ich zum Vergleich alle Beben von ML4,5 und mehr seit Anbeginn der Krise 2011 aufgelistet. Von den 6 Starkbeben in diesem Zeitraum erfolgten allein 5 Erdstöße im vergangenen März 2013 bis zum bisher kräftigsten Erdstoß mit ML4,9 am 31.3.2013.

Nach Meinung der spanischen Geologen Vereinigung ICOG (Ilustre Colegio Oficial Geoolgos) wird für die Prävention zur Minderung von Erdbebenschäden zu wenig getan und gesetzliche Vorgaben nur schleppend oder gar nicht umgesetzt (Stellungnahme vom 14.5.2013).

Gibt es überhaupt einen Schutz vor Erdbeben?

Ein Erdbeben tötet normal keine Menschen. Es sind die durch ein Beben ausgelösten Folgeschäden. Steinschlag, Erdrutsch, Flutwellen, Feuer oder kollabierende Bauten wie ein Tunnel oder Häuser, die für Menschen gefährlich und oftmals tödlich werden können.
In erdbebengefährdeten Gebieten kann sich durch entsprechende Bauvorschriften das Siedlungs- und Einsturzrisiko minimieren lassen. Völlig bebensichere Häuser lassen sich bis heute technisch noch nicht erstellen. Entsprechende Baumaßnahmen können jedoch die Stabilität eines Hauses bis zu einem gewissen Beben-Grad gewährleisten.

Findige Köpfe sind auf der Suche nach immer neuen Ideen.
Seit dem großen Beben suchen die Menschen in Japan nach neuen Wegen, ihre Häuser erdbebensicher zu machen. Der so genannte Erdbeben-Airbag, den ein Architekt erfunden hat, zeigt angeblich große Erfolge - N-TV Mediathek

Auch deutsche Forscher haben ein Gewebe entwickelt, das Häuserwände stabilisieren soll. Die textile Gebäudeverstärkung wird mit einem Leim wie eine Tapete an die Wand geklebt und verputzt. Die zusätzliche Stabilität könnte den Einsturz von Gebäuden verhindern oder zumindest deutlich verlangsamen, so dass Zeit zur Flucht bleibt, das hoffen die Forscher - siehe Spiegel-Online

Dies sind alles Maßnahmen die in die Zukunft wirken und nur über Jahre und mit entsprechenden Geldmitteln umgesetzt werden können.
Der beste Schutz ist immer noch, wenn in erdbebengefährdeten Zonen keine Menschen wohnen.
Aber das ist jetzt wieder Theorie - vor einigen Tagen bin ich erst auf den Hang und die Ignoranz des Menschen in Vulkanzonen zu siedeln, eingegangen.

Was aber gemacht und schnell umgesetzt werden kann, sind entsprechende Planungen. Hier gehen Länder die nicht so akut von Beben bedroht sind mit gutem Beispiel voran. Das Erdbebenkonzept der Schweiz ist zu erwähnen. Es dürfte das in Europa am weitesten entwickelte Modellbeispiel sein.

Auch in Deutschland gibt es entsprechende Ausarbeitungen (z.B. Merkblatt Erdbeben GFZ). Obwohl hier das Risiko eines starken Erdbeben gering ist, haben fast alle Krisenstäbe entsprechende Vorbereitungen getroffen. Hier wird das Erdbebenrisiko allerdings meist unter einem etwas anderen Aspekt betrachtet. Es sind die quer durch die Republik vorhandenen Atomkraftwerke von denen dann in Folge eine Gefahr ausgehen könnte.
Diese Gefahr gibt es natürlich für El Hierro und die restlichen Kanarischen Inseln nicht. Hier gibt es keine Kernenergie.

Eine Planung kann jedoch nur im Ernstfall funktionieren, wenn sie auch allen bekannt ist. Keine Geheimniskrämerei und irgendwo in den Schubladen dahin schlummernde Pläne.
Überzeugen statt Verordnen - und dazu gehört die Öffentlichkeitsarbeit. Nur das schafft Vertrauen in die Einsatzplanung und die damit beauftragten Behörden.
Ebenso müssen diese Szenarien durch gespielt und geübt werden. Nicht nur in der Theorie sondern auch in der Praxis.
So ist es dann vielleicht auch möglich - nicht Erdbeben oder Vulkanausbrüche zu vermeiden, aber die Folgeschäden zu minimieren.

Freitag, 17. Mai 2013

Vulkan - IGN, Wetter und die Nacht der Vulkane

NEWS:

Die von der IGN im Jahre 2011 extra ins Netz gestellte El Hierro Seite mit den aktuellen Messdaten - inzwischen vielen Lesern längst vertraut - soll zum 20.Mai 2013 eingestellt werden. Das kündigt die IGN als wichtige Mitteilung an. Es wäre nicht das erste Mal, daß der Vulkan diese Absicht durchkreuzt. Bereits Anfang März musste die IGN ihre Planung aufschieben, als der letzte Bebenschwall bis ML4,9 aktiv wurde. Zur Zeit bleibt es ruhig. Gestern Abend um 19.26 Uhr nur ein schwaches ML1,2 Beben aus 11 km Tiefe vor dem Westzipfel.


Das Wetter zeigt sich im Augenblick nicht von seiner freundlichsten Seite. Von wegen "Inseln des ewigen Frühling". Für den Monat Mai ist es einfach zu kalt. Höchsttemperaturen bis nur 17°C, in der Nacht fällt das Quecksilber gar auf winterliche 12°C. Gemessen in Meereshöhe im Golfotal und leichter Regen am Donnerstag mit 4,9 Liter/m² auf La Palma. In mancher deutschen Region dürfte es zur Zeit wärmer sein. Aber ab Sonntag kehrt das gewohnten Kanaren Klima nach den Vorhersagen der AEmet wieder zurück (Grafik). Gut für die Natur und der sonnenhungrige Tourist wird es auch überleben. Nach einigen sehr heißen Wochen und Calima mit über 30°C im April und Anfang Mai, nun eine nördliche Kaltluftdusche.
 
Auch dieses Jahr wird es wieder eine "La Noche de Los Volcanes" ( Nacht der Vulkane) am 27. September 2013 geben.
Gelegenheit für interessierte Menschen, Hobby-Vulkanologen und Naturbegeisterte bei einem Glas Wein mit Wissenschaftlern zu diskutieren und etwas hinter die Kulissen zu schauen. Film- und Fachvorträge runden das Programm ab.
Wie die Involcan mitteilte wird es zeitgleich in Fuencaliente (La Palma), La Restinga (El Hierro), Puerto de la Cruz (Teneriffa) und in Yaiza auf Lanzarote stattfinden.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Vulkan - aus den Erfahrungen lernen ?

NEWS:
Während es unter El Hierro gestern nur 2 schwache Beben bis ML1,4 in 11 und 17 km Tiefe gab, möchte ich mich heute etwas mit dem menschlichen Verhalten in aktiven Vulkanzonen beschäftigen.

Die Kanaren sind durch Vulkane entstanden. Viele Ausbrüche in der Vergangenheit und sicher auch noch viele Eruptionen in der Zukunft. Trotzdem nimmt die Einwohnerzahl beständig zu. Viele Zuwanderer und noch mehr Urlaubsgäste genießen das milde Klima, das Meer, die Sonne und die oft noch unverbrauchte Natur der Inseln. Ob bewusst oder in Unkenntnis leben inzwischen hier über 2 Millionen "Canarios".
Daß wir auf einem Hotspot leben und alle 30 bis 40 Jahre mit einem Vulkanausbruch rechnen müssen, wird in Kauf genommen. Der menschliche Spürsinn "Angst" der uns eine Gefahrensituation signalisiert und das Überleben der Rasse sichert, springt nicht an.

Rein statistisch erlebt eine Generation höchstens eine Vulkan-Eruption. Zudem waren die vergangenen Aktivitäten relativ harmlos und haben kaum Menschenleben gekostet. Die positiven Aspekte auf den Kanaren zu wohnen überwiegen also.
Außerdem könnte man sich Inseln im östlichen Bereich der Kanaren heraus suchen, die schon lange nicht mehr als besonders Aktiv eingestuft werden (z.B. Fuerteventura, Lanzarote oder Gran Canaria).

Das spielt aber bei vielen Menschen anscheinend keine große Rolle. Sie siedeln auch direkt am Fuße eines aktiven Vulkan wie Ätna oder Vesuv in Italien. Selbst Millionenstädte wie Neapel am Vesuv oder San Francisco an einer Beben Bruchkante schrecken sie nicht ab.

Ist es Ignoranz, Bequemlichkeit, Trotz, Tradition oder der Gedanke "Nach mir die Sintflut, es wird schon nichts passieren"?
Schwer nachzuvollziehen aber irgendwie doch zu verstehen. Schon die Eltern und Großväter haben hier gelebt und meist überlebt. Wir sind von hier, wurden hier geboren und bleiben auch hier.

Wagemut oder der gewisse Adrenalin-Kick kann es auch nicht sein. Solange dauert der Hormon Monekül Nachschub nun auch nicht an.
Fehlt vielleicht noch die Dummheit.
Unwissenheit kann es in der aufgeklärten Welt heute auch nicht sein. Aus der Geschichte kennt jeder den Untergang von Pompeji oder Herculaneum 79 n.Chr.
 


So ein Beispiel gibt es auch auf den Kanaren. Auf Teneriffa im Nordwesten - die Stadt Garachico. Vom 5. Mai bis 13. Juni 1705 verschüttete der Montana/Arenas Negra oder auch Vulkan de Trebejo weite Teile der Stadt und des Hafenbecken. Alte Gemälde und Karten zeigen den breit gefächerten Lavastrom. Nur wenige Gebäude und die Kirche wurden verschont. Garachico war damals eine der bedeutendsten Hafenstädte von Teneriffa.

Genau an gleicher Stelle wurde die Stadt wieder aufgebaut. Selbst das mit Lava aufgefüllte alte Hafengelände wurde bebaut. Die Stadt liegt heute mitten im alten Lavastrom, wie auf dem Foto zu erkennen. Der neue Hafen wurde nun links von der Stadt erst 2012 wieder eröffnet.
Nichts dazu gelernt aus den alten Erfahrungen oder ist die Zeitspanne von über 300 Jahren ein kalkulierbares Risiko für die Planer und Bewohner?

Jährlich wird auf jeden Fall mit einer "Feuershow" und Raketen an das Ereignis im Jahre 1705 gedacht und erinnert. Ob das erleuchtete Kreuz nur als christliches Symbol oder Garant und Hoffnungträger für keine Wiederholung der schrecklichen Vorgänge steht, bleibt die Frage.