Freitag, 17. Mai 2013

Vulkan - IGN, Wetter und die Nacht der Vulkane

NEWS:

Die von der IGN im Jahre 2011 extra ins Netz gestellte El Hierro Seite mit den aktuellen Messdaten - inzwischen vielen Lesern längst vertraut - soll zum 20.Mai 2013 eingestellt werden. Das kündigt die IGN als wichtige Mitteilung an. Es wäre nicht das erste Mal, daß der Vulkan diese Absicht durchkreuzt. Bereits Anfang März musste die IGN ihre Planung aufschieben, als der letzte Bebenschwall bis ML4,9 aktiv wurde. Zur Zeit bleibt es ruhig. Gestern Abend um 19.26 Uhr nur ein schwaches ML1,2 Beben aus 11 km Tiefe vor dem Westzipfel.


Das Wetter zeigt sich im Augenblick nicht von seiner freundlichsten Seite. Von wegen "Inseln des ewigen Frühling". Für den Monat Mai ist es einfach zu kalt. Höchsttemperaturen bis nur 17°C, in der Nacht fällt das Quecksilber gar auf winterliche 12°C. Gemessen in Meereshöhe im Golfotal und leichter Regen am Donnerstag mit 4,9 Liter/m² auf La Palma. In mancher deutschen Region dürfte es zur Zeit wärmer sein. Aber ab Sonntag kehrt das gewohnten Kanaren Klima nach den Vorhersagen der AEmet wieder zurück (Grafik). Gut für die Natur und der sonnenhungrige Tourist wird es auch überleben. Nach einigen sehr heißen Wochen und Calima mit über 30°C im April und Anfang Mai, nun eine nördliche Kaltluftdusche.
 
Auch dieses Jahr wird es wieder eine "La Noche de Los Volcanes" ( Nacht der Vulkane) am 27. September 2013 geben.
Gelegenheit für interessierte Menschen, Hobby-Vulkanologen und Naturbegeisterte bei einem Glas Wein mit Wissenschaftlern zu diskutieren und etwas hinter die Kulissen zu schauen. Film- und Fachvorträge runden das Programm ab.
Wie die Involcan mitteilte wird es zeitgleich in Fuencaliente (La Palma), La Restinga (El Hierro), Puerto de la Cruz (Teneriffa) und in Yaiza auf Lanzarote stattfinden.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Vulkan - aus den Erfahrungen lernen ?

NEWS:
Während es unter El Hierro gestern nur 2 schwache Beben bis ML1,4 in 11 und 17 km Tiefe gab, möchte ich mich heute etwas mit dem menschlichen Verhalten in aktiven Vulkanzonen beschäftigen.

Die Kanaren sind durch Vulkane entstanden. Viele Ausbrüche in der Vergangenheit und sicher auch noch viele Eruptionen in der Zukunft. Trotzdem nimmt die Einwohnerzahl beständig zu. Viele Zuwanderer und noch mehr Urlaubsgäste genießen das milde Klima, das Meer, die Sonne und die oft noch unverbrauchte Natur der Inseln. Ob bewusst oder in Unkenntnis leben inzwischen hier über 2 Millionen "Canarios".
Daß wir auf einem Hotspot leben und alle 30 bis 40 Jahre mit einem Vulkanausbruch rechnen müssen, wird in Kauf genommen. Der menschliche Spürsinn "Angst" der uns eine Gefahrensituation signalisiert und das Überleben der Rasse sichert, springt nicht an.

Rein statistisch erlebt eine Generation höchstens eine Vulkan-Eruption. Zudem waren die vergangenen Aktivitäten relativ harmlos und haben kaum Menschenleben gekostet. Die positiven Aspekte auf den Kanaren zu wohnen überwiegen also.
Außerdem könnte man sich Inseln im östlichen Bereich der Kanaren heraus suchen, die schon lange nicht mehr als besonders Aktiv eingestuft werden (z.B. Fuerteventura, Lanzarote oder Gran Canaria).

Das spielt aber bei vielen Menschen anscheinend keine große Rolle. Sie siedeln auch direkt am Fuße eines aktiven Vulkan wie Ätna oder Vesuv in Italien. Selbst Millionenstädte wie Neapel am Vesuv oder San Francisco an einer Beben Bruchkante schrecken sie nicht ab.

Ist es Ignoranz, Bequemlichkeit, Trotz, Tradition oder der Gedanke "Nach mir die Sintflut, es wird schon nichts passieren"?
Schwer nachzuvollziehen aber irgendwie doch zu verstehen. Schon die Eltern und Großväter haben hier gelebt und meist überlebt. Wir sind von hier, wurden hier geboren und bleiben auch hier.

Wagemut oder der gewisse Adrenalin-Kick kann es auch nicht sein. Solange dauert der Hormon Monekül Nachschub nun auch nicht an.
Fehlt vielleicht noch die Dummheit.
Unwissenheit kann es in der aufgeklärten Welt heute auch nicht sein. Aus der Geschichte kennt jeder den Untergang von Pompeji oder Herculaneum 79 n.Chr.
 


So ein Beispiel gibt es auch auf den Kanaren. Auf Teneriffa im Nordwesten - die Stadt Garachico. Vom 5. Mai bis 13. Juni 1705 verschüttete der Montana/Arenas Negra oder auch Vulkan de Trebejo weite Teile der Stadt und des Hafenbecken. Alte Gemälde und Karten zeigen den breit gefächerten Lavastrom. Nur wenige Gebäude und die Kirche wurden verschont. Garachico war damals eine der bedeutendsten Hafenstädte von Teneriffa.

Genau an gleicher Stelle wurde die Stadt wieder aufgebaut. Selbst das mit Lava aufgefüllte alte Hafengelände wurde bebaut. Die Stadt liegt heute mitten im alten Lavastrom, wie auf dem Foto zu erkennen. Der neue Hafen wurde nun links von der Stadt erst 2012 wieder eröffnet.
Nichts dazu gelernt aus den alten Erfahrungen oder ist die Zeitspanne von über 300 Jahren ein kalkulierbares Risiko für die Planer und Bewohner?

Jährlich wird auf jeden Fall mit einer "Feuershow" und Raketen an das Ereignis im Jahre 1705 gedacht und erinnert. Ob das erleuchtete Kreuz nur als christliches Symbol oder Garant und Hoffnungträger für keine Wiederholung der schrecklichen Vorgänge steht, bleibt die Frage.

Mittwoch, 15. Mai 2013

Die Bajada wirft ihren Schatten voraus

NEWS:

Heute möchte ich zunächst auf die bevorstehende größte Fiesta auf El Hierro eingehen. Im kommenden Juli ist es wieder soweit. Die "Bajada de la Virgen de Los Reyes" (Jungfrau der Könige) startet nur alle 4 Jahre. Höhepunkt ist die Herabkunft, eine Art Prozession über 28,3 Kilometer Länge. Ausgangspunkt ist die kleine Stammkirche am Westzipfel in Nähe des Leuchtturm Orchilla. Das Ziel ist die Stadtkirche in der Hauptstadt Valverde. Die Inselheilige verweilt dabei einige Tage im Norden der Insel, um am 3. August über das Golfotal und Sabinosa in ihre Kapelle zurück zukehren 
 
Das ist Brauch seit dem Jahre 1745. Ursprünglich ist die Bajada als Bittprozession während einer großen Dürreperiode entstanden. Nach den alten Chroniken soll es beim Betreten der Kirche in Valverde damals erstmals seit zwei Jahren wieder, starken Regen gegeben haben.
Ein darauf hin abgelegtes Gelübde verpflichtete die Einwohner diese "Bajada" alle 4 Jahre zu wiederholen. Es ist nicht nur ein kirchliches Fest sondern der kulturelle Höhepunkt auf El Hierro mit einem umfangreichen Rahmenprogramm.
Anlass für für die Verwandtschaft in Südamerika und den kanarischen Nachbarinseln, ihren Clan zu diesem Fest auf der Insel zu besuchen.
2009 -  bei der letzten Bajada zählte man an die 15.000 Gäste.
Jede kanarische Insel hat ihre Schutzheilige und begeht regelmässig im 3 - 4 oder wie hier auf La Palma im 5 jährigen Rhythmus ihre Bajada.
 
Das Cabildo von El Hierro hat nun die Webseite Bajada 2013 ins Netz gestellt. Hier ist einiges über die Hintergründe, Fotos und der Ablauf - allerdings nur auf spanisch - beschrieben.

Zum Vulkan

Gestern gab es 4 Beben, heute bisher 2 Erdstöße bis ML2,1. Die Lage unverändert im Westen und die Tiefe zwischen 11 und 17 km. Also keine große Veränderung.

Dienstag, 14. Mai 2013

Vulkan - weitere Einblicke und Details

NEWS:
Eine zerklüftete und mit alten Vulkankegeln übersäte Unterwasserwelt um El Hierro. Um den Massivsockel der Insel tauchen hier Gebirgszüge, Berge und unzählige Krater auf. Die Vergangenheit und Zeitzeugen der vulkanischen Vergangenheit. Links das jüngste Produkt (weißer Pfeil), der Eldiscreto von 2011. Eine Landschaft, die mit dem bloßem Auge nicht zu erkennen und höchstens zu erahnen ist. Aber sicher genauso interessant wie der über dem Meeresspiegel liegende Inselteil. Auch für einen Taucher oder ein ROV sind nur kleine Ausschnitte aufgrund des beschränkten Blickwinkel und der Wassertrübung zu erkennen.

Die genaue kartografische Vermessung und obige Darstellung sind das Ergebnis der batymetrischen Untersuchung der Ramon Margalef und den Experten des IEO (Instituto Espanol de Oceanografia) und weiterer Institute vom März diesen Jahres.

Auch gestern wieder 8 Beben. Fast alle Erdstöße kommen nun aus dem Bereich von 10 bis 13 km Tiefe. Es waren schwache Beben bis ML2,1. Die Lage bleibt unverändert vor der Westküste. Es sieht so aus, daß das Magma Deckenschichten aufschmilzt und dadurch in höher liegende Spalten und Risse eindringen kann. Es bleibt nun zu beobachten, ob sich diese Entwicklung weiter fortsetzt.

Praktikum in Vulkanologie

Wer Zeit und Lust hat, vielleicht Student der Geologie oder Vulkanbegeistert ist, sich spanisch verständigen kann und vielleicht noch auf den Kanaren wohnt und sich für vulkanische Feldforschung begeistern lässt, wäre vielleicht folgendes interessant.
 
Die INVOLCAN sucht für El Hierro einen ehrenamtlichen Mitarbeiter der die Vulkanologen bei ihrer Forschungsarbeit unterstützt. Unterkunft und Verpflegung wird gestellt. Eine Chance Seite an Seite mit den Wissenschaftlern zu arbeiten.
Bei Interesse senden Sie eine Mail an gladys@iter.es

Montag, 13. Mai 2013

Vulkan - die Beben kommen langsam höher

NEWS:

In den letzten drei Tagen hat sich die Bebentiefe langsam verändert. Der Schwerpunkt liegt jetzt bei 12 bis 15 km (IGN Grafik oben) und wird damit flacher. Im März 2013 beim starken Bebenschwall lag das Zentrum noch um die 18 bis 20 km Tiefe. Der jüngste Erdstoß heute bei 9 km. Gestern gab es 7 Beben, dabei um  18.03 Uhr als stärkster Erdstoß ML2,4. Die örtliche Lage ist unverändert ca. 8 bis 12 km vor der Westspitze. Im Grunde keine großen Veränderungen. Auch das Aufsteigen der Beben in höhere Zonen findet immer noch in so großer Tiefe statt, daß kurzfristig Überraschungen ausbleiben dürften.
Es bleibt aber festzustellen, daß die Aktivität moderat weiter andauert und nicht von einem Ende gesprochen werden kann. Spätestens wenn der nächste Magmanachschub in die Kammer/Blase erfolgt, werden die Beben auch wieder in der Anzahl zunehmen, als auch deren Intensität ansteigen.

Wann das freilich sein wird bleibt die große Unbekannte. Nach den bisherigen Erfahrungen erfolgen diese Impulse in einem Zeitrahmen von 3 bis 6 Monaten Abstand. Eben dann, wenn sich wieder genügend Druck und Spannung aufgebaut hat.