Posts für Suchanfrage Bodenverformung werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Bodenverformung werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Freitag, 21. März 2014

Vulkan - El Hierro wächst weiter

NEWS:

So sieht die alte und einfache Methode zu Erkennung einer Bodenverformung beim Aufblähen einer Magmakammer aus (Foto: US Geologica Survey). Eine ehemals gerade verlaufende Markierung (links) wird durch den Innendruck und die Boden Aufwölbung verformt (rechts). Wie beim Aufblasen eines Ballon verbiegt sich die Gerade in die Horizontale. Diese Markierung an einer Steilklippe könnte auch die vertikale Ausdehnung anzeigen.
Lange war auch die Verwendung von Neigungsmessern, dem so genannte Tiltmeter, üblich. Dieser ist mit einer Wasserwaage zu vergleichen.
Heute werden elektronische Tiltmeter oder Extensionsmeter mit Laserstrahl eingesetzt. Sie ermöglichen die Dehnung der Oberfläche zwischen zwei Fixpunkten auf Bruchteilen von Millimeter zu erfassen. Auf 30 m lässt sich eine Veränderung von 0,3 tausendstel Millimeter nachweisen.
Ganz so genau muss es bei Vulkanen nicht zugehen.


Der "Navi" dürfte jedem bekannt sein. Die satellitengestützte Navigation, das Global Position System (GPS), hat längst den Alltag erobert. Ob als Autofahrer oder Wanderer findet man sich mit seinem SmartPhon auch in fremder Umgebung zurecht. Diese Technik kommt natürlich vom US Militär oder das „Glonass“-System von der russischen Seite.  Ein GPS-Empfänger erhält Daten von mindestens drei Satelliten und kann daraus zentimetergenau seine eigene Position errechnen. Auf dem rotierenden Modell (links von Wikipedia) mit einem fixen Standort, werden die immer verfügbaren Satelliten angezeigt.
Zur Zeit gibt es 24 NAVSTAR Satelliten die eine genaue Orts- und auch Höhenbestimmung ermöglichen. Im Laufe des Jahres 2014 soll dieses System mit 32 GPS II Satelliten noch modifiziert werden.  

Genau dieses System wird von der Universität Nagoya auch zur GPS Messung der Bodenverformung auf El Hierro eingesetzt. Es sind allerdings keine passiven Geräte. Sie können mit dem Satelliten kommunizieren und ihre Daten senden. So kommen dann diese Tabellen mit der vertikalen Bodenverformung (siehe Grafik) vom Messpunkt Frontera zustande.

Aktuell haben wir seit dem Jahre 2012 eine Aufwölbung um 240 mm ( von -7 bis jetzt +17 cm) zu verzeichnen. Bei fast allen anderen GPS Messpunkten auf der Insel sieht es ähnlich aus.

Somit dürfte nun der höchste Berg der Insel - der Pico de Malpaso - von ehemals 1501,00 Meter -  jetzt auf 1501,24 Meter in 2 Jahren angewachsen sein.

Interessant vielleicht der Vergleich mit dem Yellowstone Park in den USA. Dort stieg die Bodenhöhe über dem "Supervulkan" von 1923 bis 1985 um 74 Zentimeter an. In 62 Jahren würde das bei der El Hierro Ausdehnung von 12 cm/Jahr einer Blase von 744 cm (7,44 Meter) entsprechen.
Selbst das dehnungsfreudigste Gestein würde diese Belastung nicht lange aushalten und reißen.
Im Yellowstone Park wurde die Bodenverformung immer von einem beständigen Auf und Ab begleitet. Auf El Hierro kennen wir aber nur eine Richtung - den kontinuierlichen Anstieg. Mit jeder neuen Intrusion und jedem neuen Bebenschwall wächst der Druck weiter an.

GPS Daten sollen als Frühindikatoren dienen. Sie zeigen an, was zu erwarten ist. Was sie uns aber nicht sagen können, wann der Breakdown Point erreicht ist.

Hier sind wir am Ende unserer Wissenschaft angelangt. Zu wenige Informationen sind vom Gesteinsaufbau, der Festigkeit, der Elastizität und überhaupt von der Zusammensetzung der tragenden Schichten über der Magmakammer bekannt.
Der Druck will entweichen - und er wird auch über kurz oder lang entweichen. Vielleicht fehlt nur noch die richtige Initialzündung.

Es gibt noch viel zu Beobachten und zu Erforschen. Vieles wissen wir bereits heute. Es ist aber noch lange nicht ausreichend um nur annähernd sagen zu können, was der Vulkan die nächste Woche machen wird. 

Samstag, 6. September 2014

Vulkan - Neue GPS Messwerte zur Bodenverformung

Vergleichswerte zur Bodenverformung El Hierro - La Palma - Island

Die Beben haben sich nicht weiter fortgesetzt. Es gab wohl in den letzten 24 Stunden einige kleine Erdstöße bis ML1,9 - diese sind aber unter El Hierro an der Tagesordnung. Zeit sich die aktuellen GPS Messdaten der Universität Nagoya (Grafiken) anzusehen. Links die vertikale Bodenverformung vom Messpunkt El Pinar im südlichen Inselteil von El Hierro. Seit Anbeginn der vulkanischen Aktivität im Jahre 2011 bläht sich mit jedem neuen Bebenschub die Inseloberfläche weiter in die Höhe. Seit März 2014 verharren die Werte auf hohem Niveau. Kein Rückgang und damit kein Entweichen oder Nachlassen des Innendruck ist zu verzeichnen. Es sind 23 cm vertikale Oberfächenverformung seit Ende 2011.

Ein Blick zur Nachbarstation Sabinosa im Golfotal zeigt ähnliche Werte (unterer Grafik UD). Die horizontale Verschiebung nach Norden (mittlere Grafik) bleibt auch konstant, während die Verschiebung auf der Achse Ost/West stark rückläufig ist (obere Grafik).

Es sind insgesamt GPS-Werte die auf kein schnelles Ende der Aktivtät hindeuten. Dies sind im Moment - neben der Gasemission - die einzigen Daten die einen Einblick in die geologischen Vorgänge unter der Insel ermöglichen. Schon beim nächsten größeren Magmanachschub aus dem Erdinnern kann die noch stabile Hülle Risse bekommen. Eine Eruption wäre die Folge.
Wann das allerdings sein wird, kann auch kein Wissenschaftler beantworten. Sicher ist nur, dass nach den heute zur Verfügung stehenden Messdaten, eine Eruption zu erwarten ist.
Es macht natürlich keinen Sinn darauf zu Warten, aber man sollte vorbereitet sein. Neue Beben in größerer Anzahl sind dann der letzte Wink für aufsteigende Magma.

Interessant als Vergleich sind die GPS Daten der nur 70 km entfernten Nachbarinsel La Palma (links). Es ist der gleichen Zeitraum.von Anfang 2012 bis heute. Kaum Veränderungen oder größere Ausschläge. Die vertikale Bodenverformung und auch die horizontale Verschiebung der Insel ist gleich Null. Das sind normale Werte wie sie auch auf den restlichen Kanaren zu beobachten sind. Das ist der Istzustand der sich auch auf La Palma schnell verändern kann. Der Hotspot ist kein regionales Ereignis. Er liegt auch unter dem südlichen Teil von La Palma. Zur Zeit hat er allerdings seine Fühler mehr Richtung El Hierro ausgestreckt. Die Haupt-Magmakammer die ihn speist, wird auf 60 x 60 km Größe geschätzt. Es sind alles Schätzwerte, verlässliche Daten gibt es nicht.

Wie schnell alles gehen kann, haben wir am Beispiel Bardarbunga auf Island gesehen. Innerhalb von 3 Wochen (Mitte August bis heute) hat sich die Inseloberfläche nur um 4,5 cm angehoben. Siehe die Grafik der Universität Iceland am Messpunkt GSIG in Nähe des Bardarbunga unten. Viele und auch starke Beben bis zur Eruption.

Keine jahrelange Vorwarnzeiten - es kann auch sehr schnell gehen.
Island ist natürlich kein El Hierro. Es liegt auch an der geologischen Beschaffenheit und Zusammensetzung der Erdkruste, wie schnell das Magma die Hülle durchschmelzen kann ... und hier scheinen wir auf den Kanaren ein ziemlich zähes Gestein zu haben.


Samstag, 10. November 2012

El Hierro Vulkan - Seismografen liefern wieder Daten

NEWS:

Seit der vergangenen Nacht senden die Seismografen wieder. Der Geräteschaden konnte nach einer Woche behoben werden. Das erste aufgezeichnete Beben (IGN Grafik) erfolgte um 23.36 Uhr mit ML1,7 in 11 km Tiefe unter dem Tanganasoga. Ein weiteres Beben mit der gleichen Stärke kurz darauf um 00.03 Uhr vor der Westspitze in 31 km Tiefe. Die Seismografen sind mit die wichtigsten Messinstrumente in der Vulkanforschung. Schon kleinste Erdbewegungen werden registriert und es lässt sich die genaue Lage, Tiefe und Stärke aus den Daten mehrere Geräte heraus berechnen.

Das älteste Seismoskop der Welt stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Kaiserreich China. Es wurde um das Jahr 132 nach Christus von Zhang Heng, kaiserlicher Astronom der Han-Dynastie, erfunden – ungefähr 1600 Jahre bevor die ersten Seismographen in der westlichen Welt entwickelt wurden. Es handelte sich bei der Vorrichtung um ein bewegungsempfindliches Gefäß aus Bronze mit acht nach außen gerichteten Drachenköpfen, die in acht verschiedene Richtungen wiesen. Jeder der Drachen hielt eine kupferne Kugel in seinem Maul, die bei Erdbewegungen in Richtung des Bebens ausgespien wurden. Um die Basis des Gefäßes herum hockte unter jedem Drachen ein Frosch aus Porzellan mit weit aufgerissenem Maul. Schon durch leichteste seismische Erschütterungen wurde ein im Gefäß verborgenes Pendel in Schwingungen versetzt, welche die Kugel aus ihrer Halterung lösten. Vom Maul des Drachens fiel die Kugel in das des Frosches und erzeugt einen charakteristischen Klang, aus dem auf die Richtung des Erdbebens geschlossen werden konnte. Foto und weitere Einzelheiten nachzulesen bei Wikipedia.
 
 

Unabhängig von den Seismografen wird über mehrere satellitengestützte GPS Messpunkte eine Lageveränderung der Insel festgestellt und berechnet. Als Referenzpunkte dienen dabei die Nachbarinseln. Jede horizontale Verschiebung nach Norden oder Osten kann so festgestellt werden. Aber auch vertikale Verformungen lassen sich aus den Daten berechnen. Diese Aufgabe führt für El Hierro seit Jahren die japanische Universität Nagoya durch. Die spanische IGN übernimmt nur zeitverzögerte diese japanischen Werte. Aus den jüngsten Tabellen (links) von einigen südlichen Stationen um Restinga ist ein leichter Rückgang der Bodenverformung zu erkennen. Relevant ist immer der rechte blaue Punkt. Dies ist der neueste Messwert, der durch eine Rapido-Messung festgestellt wurde. Erst wenn dieser Wert nachberechnet und bestätigt wurden ändert sich die Punktfarbe in Rot. Die Bodenverformung bleibt also auf hohem Niveau mit leicht abnehmender Tendenz.
Das sagt uns, daß der Druck im Bereich der darunter liegenden Magmakammer weiter hoch ist und noch keinen wirklichen Druckausgleich gefunden hat. Erst durch das weitere Vordringen der Magma und der Gase in vielleicht vorhandene Hohlräume oder eine Ventilwirkung durch den Austritt ins Meer oder die Atmosphäre könnte schlagartig für einen Druckausgleich und das Abnehmen der Bodenverformung sorgen.

Freitag, 23. November 2012

El Hierro Vulkan - was sagt die Bodenverformung?

NEWS:
 

Nachdem wir in den letzten 24 Stunden keinen weiteren Erdstoß zu verzeichnen hatten, wollen wir uns heute etwas mit der Bodenverformung beschäftigen. Oben zunächst die einzelnen GPS Messpunkte. Die blauen Stationen sind stationäre Anlagen und lila gekennzeichnet mobile bzw. nur zeitweise aktive Geräte. Den Schwerpunkt lege ich auf den Süden mit dem Messpunkt HI09 Restinga und HI10 Tacoron. Also genau der Bereich um die Eruption des Eldiscreto im Oktober 2011. Hier können wir die stärkste Deformation (modifizierte IGN Grafik links) feststellen. Vor allem im vergangenen Monat September 2012 blähte sich der Boden von minus 20 mm auf plus 20 mm - also um rund 4 cm in die Höhe. Das war die Zeit mit der jüngsten Bebenwelle um El Pinar. Auf diesem Niveau verharrt die Verformung im Moment.
 
Noch aufschlussreicher sieht der gesamte Jahresverlauf 2012 (unten) aus. Um einen Vergleichswert zu haben, nehmen wir die Auflistung der Universität Nagoyo vom Messpunkt HI09 Restinga. Im Januar 2012 gehen die Werte (hier Meterwerte) von - 6 cm aus. In zwei großen Sprüngen im Juli und September 2012 springt unsere Messkurve auf jetzt + 8 cm. Ein Anstieg der Bodenverformung im Jahr 2012 von rund 14 cm - und dieser Wert bleibt stabil.
 
Da wir unter El Hierro keine tektonische Plattenverschiebung haben, wo sich Gesteinsschichten über einander türmen können und so eine Deformation auslösen, muß der Druck im Bereich der Magmakammer ursächlich sein. Ständig nachfliessende neue Magma hält den Druck und damit die Verformung der Inseloberfläche auf diesem hohen Niveau.
 
Dies ist auch die einhellige Meinung von Vulkanologen mit denen ich in den letzten Wochen Kontakt hatte. Bei früheren kanarischen Vulkanausbrüchen wie dem jüngsten Teneguia Ausbruch 1971 auf La Palma gab es noch keine GPS Messungen. Damals wurde mit einem Art Laser-Vorgänger versucht Bodendifferenzen festzustellen. Messaufzeichnungen darüber sind nicht mehr zu finden. Auch dürfte es damals keine große Deformation gegeben haben, da vom ersten Beben bis zum Abschluss der Eruption gerade etwas mehr als drei Wochen vergingen und der Druck direkt in die Atmosphäre entweichen konnte.
 

Mittwoch, 6. November 2013

Vulkan - rapider Rückgang der Bodenverformung


Das NASA Satellitenbild der Woche von den Vulkanen auf der russischen Halbinsel Kamtschatka. Der Vulkan Kljutschewskaja Sopka ist in der Sammlung dieser Feuerberge der aktivste und größte Vulkan auf der Nordhalbkugel. Seit Oktober ist der inzwischen auf 4800 Meter hochgewachsene Gipfel wieder aktiv.
Die NASA Aufnahme stammt vom Satelliten "Landsat 8" und wurde in Infrarot Falschfarben aufgenommen. Deutlich zu erkennen ist der Lavastrom und die bis in 10 Kilometer Höhe aufsteigende Rauchsäule.
Mit solchen Giganten können und wollen wir auf El Hierro nicht mithalten. Der Kljutschewskaja Sopka steht in einem fast menschenleeren Gebiet im Osten von Russland.

Unter El Hierro hatten wir gestern 4 und heute bereits 3 Beben. Schwache Erdstöße bis ML1,6 aus 11 und 12 km Tiefe. Das Zentrum liegt weiter direkt unter dem Inselmassiv südlich des Tanganasoga.
Die Insel ist in den letzten Jahren komplett mit Messgeräten bestückt worden. Links die GPS Messpunkte die die Bodenverformung messen. Blau gekennzeichneten sind die dauerhaft installierten Geräte - lila die nur sporadisch eingesetzten Standorte.


Seit Tagen bereits ist mein Augenmerk auf den rapiden Rückgang dieser Bodenverformung gerichtet. Links die aktuellen Messwerte von oben Frontera, HI02 und HI03. Alles Messpunkte in der Senke des Golfokessel - in der Linie La Frontera Richtung Pozo de La Salud (Sabinosa). Seit Jahren beobachte ich diese Messkurven und hatte bis jetzt noch niemals so einen schnellen Rückgang erlebt.
Von +40 mm Ende Oktober 2013 bis in den Minusbereich von -25 mm - also eine Veränderung von bis zu 65 mm innerhalb weniger Tage und ohne optisch an der Oberfläche eine Aktivität wahrzunehmen oder zu sehen.

Primär eigentlich ein gutes Zeichen. Allerdings - wohin hat sich dieser Druck abgebaut?  In das umliegende Gestein ist fast ausgeschlossen, dafür hatte es über 2 Jahre Zeit und niemals geschafft.

Es kann eigentlich nur eine Eruption in dem umliegenden Gewässer stattgefunden haben. So tief, dass an der Meeresoberfläche nichts davon wahrzunehmen war. Ein Vorgang der sich in früheren Jahrhunderten oft wiederholt hat.


Nicht umsonst zeigen Kartografien vom Küstenbereich unzählige alte oder auch jüngere Vulkankegel auf. Durch den steilen Küstenabfall haben wir bereits in einer Entfernung von 1 bis 2 km vor der Küste 1000 Meter Wasser unter unseren Füßen.
Große Eruptionen in dieser Tiefe wären sicher beobachtbar. Kleinere Eruptionen werden durch die Meeresströmung verteilt und verwischt - und damit für den Land-Beobachter unsichtbar. Nur Luftaufnahmen könnten diese These wahrscheinlich schnell beweisen.

Die IGN hat sich dazu bis heute noch nicht geäußert. Es wäre auch nicht zum ersten Mal (siehe Neue Eruptionstelle entdeckt), dass eine weitere Eruption "Verschlafen" wird.

Wie dem auch sei - alle Anzeichen deuten darauf hin und ich glaube damit richtig zu liegen.

Samstag, 14. Juni 2014

Neue Mitmach-Seite Naturwissenschaft EX

NEWS:
Die neue Mitmach-Seite  Naturwissenschaft EX
          

Vielleicht haben Sie es schon gesehen. Ein neuer Blog "Naturwissenschaft EX" ist am Entstehen. Ein Mitmach Blog - eine Experimentalseite (EX) - mit Gastbeiträgen rund um die Naturwissenschaft.
Themen die nicht unbedingt auf den Kanaren angesiedelt sind, sondern ein breiteres Wissens- Spektrum auch geographisch abdecken. Die "ISS Live miterleben" mit direkter LiveCam und dem Funkverkehr aus dem All. Zum Start habe ich auch die ganze Entwicklungsgeschichte um das Regenerative Energieprojekt "Gorona" von El Hierro eingestellt.

Das Neue daran - nicht nur meine Beiträge - sondern Berichte, Erlebnisse, Fotos und Meinungen von Ihnen sollen dominieren.
Erdbeben in Südhessen oder Sachsen, Unwetter oder Sturmflut in Norddeutschland, Geothermie Projekt in Basel, Meteoritenstrom über Plauen oder auch Themen aus Ihrem Hobbybereich wie Aquariumaufzucht einer besonderen Spezies, erfolgreiche Schädlingsbekämpfung an meinen Gartenrosen oder unbekannte Entdeckung auf meiner Urlaubsreise.

Kurz - alles was mit Natur und/oder Wissenschaft zu tun hat, ist willkommen.
Oft sind Sie Augenzeuge und näher am Geschehen und können aus erster Hand am Besten berichten.
Die technischen Möglichkeiten, habe ich geschaffen. Nun dürfen Sie die Seite mit Inhalt füllen. Alles Nähere auf  Naturwissenschaft EX (Kopfzeile).


Zeit sich wieder mit El Hierro zu beschäftigen. Die Bebenaktivität unter der Insel bleibt ruhig. Aber doch gibt es fast täglich schwache Beben. Hier auf dem IGN-Bebenhistorie der letzten 90 Tage steht jeder Strich für mindestens ein Beben. Gestern ein ML1,7 Erdstoß aus 11 km Tiefe am Westzipfel.

Wesentlich beunruhigender sieht die Bodenverformung aus. Hier gibt es wohl keinen weiteren Zuwachs weil die Beben fehlen, aber der Innendruck nimmt auch nicht ab. Links die vertikale Bodenverformung am Messpunkt El Pinar im Süden. Wie ein aufgepumpter Fahrrad- Reifen, hält sich bereits über einen langen Zeitraum der Überdruck im Kammerbereich. Der Druck kann nicht entweichen oder sich verteilen. Beim Fahrrad sicher erwünscht, beim Vulkan aber irgendwann mit Konsequenzen. Beim nächsten Bebenschwall wird nachrückende Magma den Druck weiter erhöhen.

Erdölförderung vor Fuerteventura


Der Repsol-Vorsitzende, Antonio Brufau, freut sich nach der Genehmigungserteilung für seinen Konzern. Für ihn zeige Europa Schwäche, wenn man gegen die Förderung eigener fossiler Energievorräte demonstriere.
Man solle stattdessen froh sein und das Vorhaben unterstützen, wenn es um die Unabhängigkeit von arabischen und russischen Öl- und Gasressourcen geht. Erdölförderung sei immer noch besser als ein Atomkraftwerk.
Im Grunde hat der Repsol Vertreter auch Recht. Öl und Gas verbrauchen, aber keine Förderstelle vor der Haustür dulden. Das Problem ist ja auch in Deutschland bekannt. Regenerative Windenergie fordern - aber nur kein Windrad in der Nachbarschaft.

Bei einem Ölfeld sieht es noch etwas anders aus. Ein Ölfeld lässt sich nicht beliebig verschieben. Endlich hat Spanien eine eigene Ölquelle gefunden, aus der sich 10 bis 15 % des spanischen Ölbedarf decken lassen und das - so Repsol und die Madrider Regierung - für mindestens die nächsten 25 Jahre.
Konsequenterweise müsste jeder Demonstrant ab morgen erst einmal sein Auto stehen lassen und sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf den Weg machen. Keine Getränke in Plastikflaschen mehr kaufen ... und so weiter.
Würde in Sevilla oder Barcelona ein ähnliches Erdölfeld gefunden, gäbe es die gleichen Proteste. Hier würde die Ölförderung vielleicht nicht den Tourismus schädigen, sondern ein einmaliges UNESCO Kulturdenkmal, die Trinkwasserversorgung oder die geballte Anzahl der Bewohner.

Ein Grund findet sich immer. Energie im Überfluss verbrauchen, möglichst günstig  - aber kein eigenes Risiko eingehen. Saudi Arabien, der Golf von Mexiko oder Venezuela ist weit weg. Sollen die doch mit den Risiken leben.
Es ist ein egoistisches Denken. Irgendwann werden die negativen Auswirkungen aber auch uns erreichen. Nur etwas später. Wir leben gemeinsam auf diesem Erdball.
Jeder Eingriff, ob das Abholzen des Tropenwaldes im Amazonas oder das Verbrennen von Erdöl in unseren Heizungen oder Fahrzeugen, verändert das natürliche Gefüge.

Nicht, dass ich für eine Erdölförderung vor unseren Küsten wäre. Nein - ganz im Gegenteil. Nur sehe ich das Problem mit evtl. negativen Auswirkungen nicht primär in einer Umweltverschmutzung  mit  "katastrophalen" Folgen für den Tourismus.

Die geologische Beschaffenheit unseres Untergrundes mit einem Hotspot wird überhaupt bei all den Überlegungen nicht bedacht. Wir leben auf aktiven Vulkanen die nicht nur auf El Hierro beschränkt sind. Es ist ein Magmasystem das quer unter den Kanarischen Inseln verläuft. Gerade im Bereich des gefundenen Ölfeldes zwischen Fuerteventura und der westafrikanischen Küste verläuft, wie wissenschaftliche Untersuchungen ergeben haben, ein Magmakanal.

Ein instabiles Gebilde, das in der Vergangenheit schon oft Auslöser für Erdbeben war. Zunächst sind es nur Probebohrungen die vorangetrieben werden sollen. Sind die Probebohrungen erfolgreich, wird die Lagerstätte ausgebeutet. Große Mengen Erdöl werden entnommen und das Vakuum wahrscheinlich mit Meerwasser wieder aufgefüllt.

Das bei dem ganzen Procedere entstehende Ungleichgewicht mit Druckverlagerungen im Untergrund kann den Magmaauftrieb beschleunigen und fördern. Mit Auswirkungen die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.
Hier wären jetzt zunächst die geologischen Institute (wie IGN oder Involcan) gefragt, dazu Stellung zu nehmen. Vielleicht wurden sie auch gefragt. Die Gutachten sind aber bis jetzt nicht öffentlich zugänglich.

Ähnliche Beispiele dazu gab es ja auch schon im Golf von Valencia in Festlandspanien. Nachzulesen in meinem Beitrag "Erdgasspeicher und Ölbohrung" vom 5. Oktober 2013.

Montag, 11. März 2013

El Hierro Vulkan - GPS und Bodenverformung

NEWS:
13.50 Uhr - heute Morgen bereits einige kleine Erdstöße im Golfo und an der südlichen Ostküste in flacher Tiefe von 1 und 5 km. Das bisher letzte Beben um 11.24 Uhr von ML1,9 in Nähe des Eldiscreto im Süden in 11 km Tiefe.

Nachdem es unter El Hierro ruhig bleibt, wollen wir uns heute mit der Oberflächenverformung der Insel beschäftigen. Genauso wie sich ein Luftballon beim Aufblasen wölbt, dehnt sich eine Magmakammer oder Magmablase beim Nachdringen von frischer Magma und den dabei entstehenden Gasen aus.
Die Verformung tritt am stärksten an der schwächsten Stelle auf. Das ist in der Regel die Erdoberfläche. Um dies Feststellen und Messen zu können, bedient man sich seit einiger Zeit der GPS-Satellitentechnik. Auf der Insel wurden verschiedene Messpunkte (siehe Karte oben) installiert, an denen Veränderungen der Inseloberfläche genau gemessen werden können.

Es ist ein Forschungsprojekt der Universität Nagoya in Japan, die nicht nur auf El Hierro, sondern weltweit entsprechende Stationen betreibt.
Die IGN hat wohl inzwischen auch eigene Messungen vorgenommen, die veröffentlichten Kurven umfassen aber nur die letzten 3 Monate und sind für eine Trendbeobachtung nicht so gut geeignet.

Nach dem Nagoya Diagramm (leicht verändert) von La Frontera im Golfo wölbt sich seit Mitte 2012 (stärkere Beben) die Inseloberfläche beständig weiter nach oben aus. Interessant sind im Moment nur die blauen Punkte (rot = Schätzung).



Ähnlich verhält es sich beim Messpunkt El Julan im Süden.







Oder auf der südlichen Hochebene bei El Pinar. Es sind deutliche Zeichen, daß der Innendruck im Bereich der Magmakammer weiter anhält und auch durch die Unterwasser-Eruption im Juni 2012 an der Westspitze nicht wesentlich abgenommen hat. Leicht verändert und etwas zurückgegangen ist die Inselverschiebung in der horizontalen W/O Richtung.

Als Vergleich nehmen wir die Nachbarinsel La Palma am Messpunkt Mazo auf der Ostseite. Hier gab es im gleichen Zeitraum keine großen Veränderungen. Die Messpunkte liegen immer um die Normallinie.



Diese GPS Messungen sind ein wichtiger Indikator für einen sich im Untergrund aufbauenden Druck. Seit Einführung dieses umfassenden amerikanischen GPS Satellitensystem vor 20 Jahren werden viele Vulkane so vermessen und eingeschätzt.
Die Bodenverformung auf El Hierro mit max. 12 cm stellt weltweit betrachtet, keine allzu große Verformung dar.
Es gibt Vulkane in den USA oder Italien wo sich die Erde um mehrere Meter nach oben oder unten beugt. Allerdings sind dies Messungen auf einem Kontinent bzw. Festland. Wie es sich mit einer flächenmässig kleinen Insel im Atlantik verhält, konnte bisher noch nicht groß untersucht werden.

Bei einer fortdauernden vulkanischen Aktivität und dem Aufsteigen von neuem Magmanachschub aus tieferen Erdschichten, kann sich der Innendruck weiter erhöhen und eine Zunahme der Verformung bewirken.
Irgendwann wird die Hülle reissen und einen Druckausgleich ob im Meer oder an Land finden. Es ist also nur eine Frage der Zeit und der Festigkeit der Hülle, der Struktur des Gestein, bis der Knackpunkt letztendlich erreicht ist.

Montag, 8. Oktober 2012

El Hierro Vulkan - Rückgang der Bodenverformung

NEWS:

Nach den jüngsten GPS Messungen ist die Bodenverformung an allen südlichen Messpunkten zurück gegangen. Der Rückgang betrug bis zu 2 cm. Wohin der Druck entweicht ist im Moment noch nicht feststellbar. Durchaus ist es möglich, daß die Magma weniger stark komprimierte Gesteinsschichten oder Hohlräume gefunden hat. Auch eine Entgasung über den Meeresboden ist möglich
Der Sonntag ist nach einem lebhaften Beginn mit 10 Beben bis ML2,0 für den restlichen Tag ruhig verlaufen. Insgesamt 15 Erdstöße mit Schwerpunkt um Sabinosa im Küsten- und Bergbereich beim Tanganasoga.







Nicht ganz so ruhig ging es vor einem Jahr unter El Hierro zu.

Rückblick 2011


Samstag, 8. Oktober 2011

El Hierro: Paukenschlag um Mitternacht

Kurz vor Mitternacht hat eine ganze Serie von starken Beben die Insel aus der Nachtruhe gerissen. Das kräftigste hatte eine Magnitude von 3,7 auf der Richterskala.
 
Das war der zweitstärkste Erdstoß der jemals auf El Hierro gemessen wurde.
Das Diagramm zeigt die Ausschläge des Seismometers kurz vor Mitternacht.
Es ist schon verhext, warum unser Vulkan immer in der Nacht so grummeln muß.
Inzwischen haben auch Vulkanologen des National Geografico Institut bei einer Anhörung eingeräumt, daß in den nächsten Tagen Erdbeben der Stärke 4,0 und mehr möglich sind und Erdrutsche und Steinschlag vermehrt auslösen können. Gestern gab es insgesamt 177 Erdstöße, heute Morgen wurden bereits über 60 registriert.

El Hierro: Beben der Stärke 4,3 auf der Richterskala

Erstmals hat ein Erdbeben auf El Hierro die Stärke von 4,0 auf der Richterskala überschritten. Um 20.34 Uhr bebte südwestlich von Restinga die Erde mit einer Stärke von 4,3.
Das Zentrum lag in 12,5 km Tiefe. Über Schäden oder Erdrutsche liegen noch keine Meldungen vor.

Sonntag, 23. Februar 2014

Vulkan - Zwischenbilanz

NEWS:
Montag, 24.02.14
Heute bereits 7 Erdstöße bis ML1,9 aus 9 bis 14 km Tiefe um den Tanganasoga und im Golfo Küstenbereich.


Ein vertrauter Anblick aus alten Tagen. Der Eruptionspunkt des Eldiscreto von 2011. Hier genau gab es heute in den frühen Morgenstunden um 3.15 Uhr ein ML2,0 Beben aus 22 km Tiefe. Die große Tiefe ist schon ungewöhnlich, da alle vergangenen Erdstöße an dieser Stelle bei 3 bis 10 km Tiefe lagen. Aber es dürfte nicht nur ein Magmakanal sondern ein ganzes Netz von Verbindungen vorhanden sein. Das Beben hat nach meiner Einschätzung seinen Ursprung am Boden oder im Eingangsbereich der Magmakammer.

Seit dem letzten großen Bebenschwall Ende Dezember 2013 ist es in den vergangenen zwei Monaten verhältnismäßig ruhig geblieben. Das 90 Tage Histogramm der IGN (links) zeigt die registrierten Beben. Trauen möchte ich diesem scheinbaren Frieden jedoch nicht. Auch in der Vergangenheit gab es immer wieder diese "Ruhephasen" mit anschließenden Überraschungen.

 
Die GPS Messkurven der Bodenverformung - hier meine drei Referenzpunkte im südlichen Inselteil - sind auf dem Niveau vom Dezember 2013 geblieben. Interessant ist der rechte Teil mit den von mir eingefügten Standorten. Sie zeigt die anhaltend vertikale Verformung um rund 40 mm seit den Dezember Beben. Bei Las Calmas gibt es einige Messaussetzer.
Der Kammerdruck ist also weiter vorhanden.
 
 
Das Forschungsschiff Ángeles Alvariño des Instituto Español de Oceanografía (IEO) will im März 2014 in einer neuen 20 Tages-Kampagne die Küstengewässer um den Eldiscreto näher unter die Lupe nehmen. Die Ángeles Alvariño der IEO war bereits 2012 eingesetzt und hat den Unterwasserroboter ROV Liropus 2000 mit an Bord. Schwerpunktmässig geht es jetzt darum, inzwischen eingetretene Veränderungen am Vulkankrater Eldiscreto zu vermessen und zu untersuchen.
Interessant auch der Größenvergleich links (Fotos: IEO) mit der Schiffschraube. Die Ángeles Alvariño wurde 2012 als jüngstes Foschungsschiff der IEO in Dienst gestellt. Das Boot ist fast ein Zwilling des Forschungsschiff Ramon Margalef. Nur noch etwas moderner und auf dem neuesten Stand der Technik als schwimmendes Labor. Es ist 46 Meter lang und Bau und Ausrüstung verschlangen  rund 20 Millionen Euro. Finanziert wurde es überwiegend aus EU Töpfen.
Überraschen würde mich auch nicht, wenn die Ángeles Alvariño eine bis heute noch nicht entdeckte neue Eruptionsstelle vom Sommer/Herbst 2013 finden würde. Damals sind innerhalb weniger Tage die Werte der Bodenverformung drastisch abgesunken (ich hatte berichtet).
Dieser damals vielleicht neu entstandene Vulkankegel müsste sich im westlichen Golfo in tieferen Meeresregionen befinden. Warten wir einmal ab, ob meine Vermutung zutrifft.

Montag, 15. April 2013

Vulkan - Obama nach El Hierro ?

NEWS:

US-Präsident Barack Obama (Foto: Pete Souza) zu Besuch auf El Hierro. Das wäre natürlich das i-Tüpfelchen nach dem NASA Siegerfoto des Jahres 2012 von der Eldiscreto Eruption. Damit wäre El Hierro erst recht in aller Munde. Der Bürgermeister Juan M. Padron Brito von El Pinar war nach einem Bericht des Diario El Hierro vom Erfolg der NASA Satellitenaufnahme so begeistert, daß er gleich den Direktor der NASA und seinen Chef Barack Obama schriftlich auf die Insel eingeladen hat. Die Natur dieser schönen Insel und der versteckte Eldiscreto muss ihm gezeigt werden. Ich musste auch erst mehrmals Nachlesen, ob sich dahinter vielleicht ein April Scherz versteckt - aber unser 1. April Tag liegt hier im Dezember.
Es kam gleich die Frage auf, wo man denn wohl am besten die amerikanische Delegation unterbringt und ob das Einladungsschreiben auf Englisch oder nur "Herrenisch" vom Bürgermeister verfasst wurde.
All diese Überlegungen so denke ich, kann man getrost zurück stellen. Es war eine gut gemeinte Geste, aber Obama hat sicher anderes zu tun und selbst in seiner Heimat auf Hawaii genügend sichtbare Vulkane.

Heute Morgen um 1.27 Uhr ein ML2,7 Beben aus 17 km Tiefe. Gestern insgesamt 14 neue Erdstöße. Die Bodenverformung ging nicht weiter zurück, sondern hat sich wie vermutet um die 10 cm stabilisiert. Auf der GPS Grafik links der IGN können nach dem Ende des Bebenschwall starke Schwankungen zwischen 70 und 110 mm abgelesen werden. Es war nach der doch heftigen Aktivität ein Intervall - eine Art Setzung, zu beobachten. Ein entscheidender Druckausgleich oder eine unbemerkte Unterwasser- Eruption dürfte es danach nicht gegeben haben. Die Messwerte stammen von der Station HI05 in Nähe des Leuchtturm "Ochilla" an der Westspitze. 

Genauso verhält es sich mit der Verschiebung der Inseloberfläche Richtung Osten. Die Skalierung ist identisch mit der oberen Grafik. Wir liegen bei ca. 80 mm - nach der letzten GPS Messung sogar leicht ansteigend. Der in den letzten Wochen zusätzlich aufgebaute Druck bleibt also erhalten und die Gesamtmenge hat sich weiter summiert. Es ist jetzt die höchste jemals auf El Hierro gemessene Bodenverformung. Im Vergleich zu anderen Vulkanen weltweit aber ein geringer Wert. Ein direkter Vergleich ist allerdings nur bedingt möglich, da viele andere Messungen mit größerer Ausdehnung auf Festlandvulkanen mit wahrscheinlich anderen geologischen Bodenstrukturen erhoben wurden.

Samstag, 14. Juli 2012

El Hierro Vulkan - Bodenverformung weiter vorhanden

NEWS:
13.03 Uhr - heute Morgen nun doch schon wieder 4 Beben bis ML2,5 in 18 bzw. 19 km Tiefe in Nähe des alten 0-Meridian (Leuchtturm).
Um 19.53 Uhr ein kräftiger Erdstoß - Stärke und Lage noch nicht näher bekannt.
- ML3,4 in 20 km Tiefe am Westzipfel
Auch am Freitag, dem 13. Juni 2012 war die Bebenbilanz rückläufig. Es gab wohl insgesamt 16 Beben, die größtenteils am Freitagmorgen um 4.00 Uhr beim Bebenschwall aufgezeichnet wurden. Das erste Mal sind wir aber seit der neuen Aktivitätphase über 24 Stunden ohne Beben mit mehr als ML2,0. Sicher erfreulich - aber für eine Entwarnung noch viel zu früh. Schon zu oft hat uns in der Vergangenheit Eldiscreto  nach einer scheinbaren Ruhepause urplötzlich mit seinem Können wieder überrascht. Dieses Mal lassen wir uns nicht so einfach überraschen und schauen uns die GPS Messungen über die Bodenverformung (linke Grafik) an. Aufgeführt sind nur drei Stationen und interessant sind die blauen Punkte am rechten Rand. Die Verformung der Insel (Bodenerhebung und Verlagerung) ist nur minimal zurück gegangen und fast stabil. Der immense Druck in der Lavakammer ist weiter vorhanden und sucht nun einen Druckausgleich. Diesen Ausgleich kann durch weiteres Aufschmelzen der Kammerränder und durch Eindringen von Magma in Spalten und Ritzen mit weiteren Beben erfolgen oder über ein Ventil direkt zur Erdoberfläche geschehen. Das wäre dann eine Eruption. Welchen Weg er wählt werden wir noch sehen.

Ich wurde auch gefragt, welcher Druck im Innern der Magmakammer zur Zeit herrscht. Das lässt sich natürlich nicht messen. Der Druck muß aber sehr groß sein, wenn er die gesamte Insel anheben kann. Vielleicht könnte ein Geophysiker diese Daten berechnen. Zahlen wurden hier noch nicht genannt.

In der Pressewelt habe ich noch eine Stilblüte gefunden die die jetzige Situation mit Sicherheit nicht wiederspiegelt: "Muss El Hierro evakuiert werden?" (Schlagzeile in comprendes gran canaria).

Freitag, 27. Dezember 2013

Was bleibt vom jüngsten Bebenschwall zurück ?

NEWS:
Um 17.46 Uhr ein starkes ML5,1 Beben aus 15 km Tiefe. Selbst auf La Palma spürbar. Näheres folgt.

Der jüngste Bebenschwall (IGN Aufzeichnung) scheint langsam sein Ende zu finden. Mit 110 Beben am 23. Dezember 2013 ist die Intensität bis heute fast wieder auf ein Normalniveau von bisher 4 Beben zurück gegangen. Es ist nun der 4. Aktivitätsschub seit der Eldiscreto Eruption im Oktober 2011. Es wird auch in naher Zukunft zu einem weiteren Anstürmen  und Vordringen von Magma kommen. So lange bis eine Lücke zur Erdoberfläche gefunden ist.
Es ist keine Erscheinung die sich über kurz oder lang in Luft auflöst, auch wenn das manche Stellen versuchen zu suggerieren.
Alle Inselteile waren bisher betroffen. Nur der Nordteil von El Hierro fehlt noch. Um so verwunderlicher, da er dem 1971 ausgebrochenen Teneguia in La Palma`s Süden doch am Nächsten liegt (ca. 65 km). Die ganze Vulkanaktivität darf nicht isoliert für El Hierro allein betrachtet werden. Es bestehen doch enge Zusammenhänge mit der Nachbarinsel. Gespeist werden sie alle aus einem Magmatopf. Es wird vermutet, dass diese Magmakammer und der Hotspot sich zwischen La Palma und El Hierro befindet.
Was ist geblieben?  Die Bodenverformung ist weiter angewachsen. Hier am Messpunkt HI09 bei La Restinga in den letzten Tagen um fast 80 mm in die Höhe. Mit abnehmender Bebenaktivität wird die Blase auch etwas zurück gehen, in ihrer Substanz und dem aufgebauten Innendruck aber weitgehenst erhalten bleiben. Diese GPS Tabelle der IGN spiegelt allerdings nur die vergangenen 3 Monate (Oktober - Dezember 2013) wieder.
Vergessen werden darf jedoch nicht, die bereits vorhanden Bodenverformung aus früheren Aktivitäten. Nach den GPS Daten der japanischen Sagiya Universität ist am Messpunkt HI09 seit 2012 die Verformung von -8 cm auf +5 cm = 13 cm angewachsen. Die neuen Werte sind in dieser Grafik noch nicht berücksichtigt. Somit kommen wir in La Restinga auf einen Gesamtanstieg seit 2012 von rund 21 cm über Normal.
Die Uni Sagiya unterhält bereits seit vielen Jahren ein Netz von GPS Stationen auf mehreren kanarischen Inseln.
Dieser Verformungsdruck wird sich auch bald optisch durch Rissbildung auf der Inseloberfläche zeigen.
Alle reden heute über die BBC Dokumentation vom Mega Tsunami der gestern Abend im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Auslöser soll ein Flankenrutsch auf La Palma sein, der die Küsten Europas und der USA zerstören wird.
Mit diesem Thema habe ich mich schon intensiv beschäftigt, vor Ort recherchiert (direkt vor meiner Haustür) und viel geschrieben u.a. in meinem Buch "Geheimnisvolles El Hierro".
Grundsätzlich bleibt festzustellen:
Dr. Simon Day - engl. Geologe - hat 1998 im Auftrag einer amerikanischen Versicherungsgesellschaft eine Risikostudie über mögliche Natur-Gefahren für die Ostküste der USA erstellt. Dabei nahm er auch entfernt liegende Gefahren- Quellen für einen Tsunami ins Auge. Gegenüber von Florida, wenn auch auf der anderen Seite des Globus, liegen die Kanarischen Inseln.

Die damals vulkanaktivste Insel (letzter Ausbruch 1971) mit steilen Bergen und Flanken war die Insel La Palma.
Hier entdeckte er einen mehrere Kilometer langen Riss auf 1700 m Höhe auf der Westseite, der beim Ausbruch des Vulkan San Juan 1949 entstanden war. Er ging dabei davon aus, dass dieser Riss weit in den Inselkern hinein reicht und bei einem neuen Vulkanausbruch Teile der Westseite wegsprengen könnte.
Losgelöst würden nach seiner Berechnung ca. 3 bis 4 Kubikkilometer Gestein, das dann direkt ins Meer abrutschen und einen "Mega Tsunami" auslösen würde.

Hätte Dr. Simon Day heute diese Studie zu fertigen, würde er sich sicher El Hierro als Kandidat aussuchen. Aktive Beben und und eine hohe Eruptionswahrscheinlichkeit und eine märchenhafte, aber gefährliche Kulisse im Golfotal. Eine senkrechte über 1000 m hohe Felsflanke über eine Länge von 8 km mit Blickrichtung nach Amerika. Von hier wurde bereits vor 120.000 Jahren ein Tsunami ausgelöst, der bis in die Karibik reichte.

Was Dr. Simon Day damals als Studie erstellte und was später BBC Filmtechnisch in zwei Dokumentationen daraus machte, war von ihm sicher so nicht beabsichtigt.

Faktum: Der Riss auf La Palma ist vorhanden und eine Vulkaneruption in absehbarer Zeit auch möglich. Das Szenario wird also irgendwann eintreffen.
In den nächsten Tagen dazu aber mehr.
Wer sich die BBC Doku anschauen möchte hier zu finden: VOX - Überleben wir einen Mega Tsunami

Freitag, 21. September 2012

El Hierro Vulkan - Druck weiter konstant

NEWS:
11.17 Uhr - weitere 2 Erdstöße bei Sabinosa. Ein Beben um 6.25 Uhr mit ML1,8 in nur 3 km Tiefe an Land.
15.00 Uhr - heute bereits 19 meist schwache Beben bis ML2,0 um den Küstenbereich von Sabinosa. Die Tiefen lassen aufhorchen - 3,7,8 und 9 bis 11 km. Bei 3 km Tiefe mag es sich noch um eine Verwerfung oder Verspannung handeln. Ab 7 km Tiefe dürfte aber bereits Magma im Spiel sein.

Auch gestern 20 Beben bis ML2,4. Die Erdstöße waren über die Insel vom Süden bis ins nördliche Golfotal (rot innerhalb der letzten 12 Stunden) verteilt. Ein Schwerpunkt bildet sich erst wieder seit heute Morgen heraus. Bisher 6 Beben bis ML2,0 im Küstenbereich vor Sabinosa. Die Erdstöße kommen aus der altbekannten Tiefe von 9 bis 11 km (siehe IGN Listung).

Die Bodenverformung bleibt auf dem hohen Vortagesniveau. Bisher ist kein Druckabbau feststellbar. Betroffen ist vor allem der Süden um La Restinga. Zu den Messwerten links habe ich jeweils noch die Standorte der Stationen beigefügt. Obwohl die Beben im Süden jetzt fast ausbleiben haben wir konstanten Druck. Eine unbeobachtete Unterwasserentlüftung dürfte damit nicht stattgefunden haben bzw. der Magmanachfluss aus tieferen Erdschichten kann nun ungehindert erfolgen. Es bleibt interessant diese Entwicklung zu beobachten. Auch mein vor Tagen vorgestelltes Modell (Theorie) einer Aktivitätsverlagerung in höhere Schichten um Sabinosa könnte nun zum Tragen kommen. Erste Anzeichen sind ja bereits erkennbar.



Hier noch eine nicht ganz aktuelle plastische Grafik von Avcan über das Bebenprofil, erstellt nach den IGN Daten. Die Tiefe der Bebenzentren ist hier in Säulenform dargestellt. Die flachsten Beben im Golfo um Sabinosa.
Hinweis:
Wenn wir uns hier über die Geologie und den Vulkanismus unter El Hierro unterhalten und ab und zu auch etwas dramatischere Töne oder Untertöne heraus zu lesen sind, soll das kein Grund sein eine Reise auf die Insel zu verschieben. El Hierro ist zur Zeit sicher und unbeschwert zu bereisen. Es lohnt sich auf jeden Fall.
Ein relativ gut funktionierendes Frühwarnsystem lässt bereits Tage zuvor neue Entwicklungen erkennen und Gefahren einschätzen. Als intensiver Beobachter werde ich - und soweit sollten Sie mich inzwischen kennen - bei einer Änderung sofort warnen. Unabhängig von Behörden oder wirtschaftlichen Interessen.
Ich denke damit sind die vielen Mailanfragen eindeutig beantwortet. Danke !
 

Mittwoch, 3. September 2014

Vulkan - Wie geht es weiter ?

NEWS:

Auf El Hierro vergeht auch nach 3 Jahren seit der Eldiscreto Eruption, kaum ein Tag ohne ein Beben. Es sind keine starken Erdstöße, wie heute Morgen das ML1,8 Beben im südlichen Golfotal. Sie sind aber weiter vorhanden. Auf dem IGN Histogramm links sind die Intervalle seit dem 18.7.2011 aufgelistet. Erstmals seit Ende Dezember 2014 nach dem ML5,1 Beben, ist bis heute - außer einem kleineren Schwall im April - die Bebenaktivität soweit abgeklungen, dass die täglichen Erdstöße an den Fingern einer Hand abzuzählen sind. Ob es die Schlussphase oder nur eine kleine Verschnaufpause ist, wird die Zukunft zeigen. Einige Faktoren, wie die nach wie vor starke Bodenverformung nach den jüngsten GPS Messungen, sprechen mehr für eine Fortsetzung der Vulkanaktivität.

Voll im Gange ist dagegen die Eruption des Bardarbunga auf Island. Rauch und Aschewolken entströmen dem 6- 800 Meter langen Spalt im nördlichen Bereich (siehe Mila Webcam). Heute Morgen um 3.09 Uhr ein ML5,5 Beben aus 7 km Tiefe. Hier dürfte noch einiges an Magma nachkommen. Trotzdem verhält sich der Ausbruch gemäßigt. Keine weit aufsteigenden Aschepartikel, so dass der Flugverkehr im Moment nicht beeinträchtigt wird. Der Lavastrom erstreckt sich laut IMO über eine Fläche von 4,2 km². Insgesamt sollen bis jetzt 20 bis 30 Millionen m³ Lava ausgelaufen sein.

Trotzdem bleibt unklar, ob nicht doch noch unter dem Eis eine größere Eruption direkt am Bardarbunga erfolgt. Das könnte dann eine explosive Eruption mit viel Schmelzwasser bedeuten. Die IMO hält diese Variante für immer noch sehr wahrscheinlich.

Montag, 15. Oktober 2012

El Hierro Vulkan - Tanganasoga heute im Mittelpunkt

NEWS:


 
Nach einem ruhigen und verlängerten Wochenende - am Freitag war spanischer Nationalfeiertag -  hat in der vergangenen Nacht die Bebentätigkeit wieder zugenommen (Grafik oben) . Zentrum ist der Bereich um den alten Vulkanberg Tanganasoga im Inselinnern. Allein 10 Beben in den frühen Morgenstunden in 10 bis 13 km Tiefe. Es waren schwache Erdstöße bis ML1,4, die nicht auf der Inseloberfläche spürbar waren. Es bleibt einmal abzuwarten, wie sich der heutige Tag weiter entwickelt. Die Bodenverformung bleibt trotz eines geringen Rückgang auf hohem Niveau. Neue Gaswerte liegen nicht vor. Der Messwagen in La Restinga sendet bereits seit Tagen keine Daten mehr.
Für Schlagzeilen und neue Rekorde hat am Sonntagabend der Österreicher Felix Baumgartner gesorgt. Als erster Mensch durchbrach er im Freifall die Schallmauer, bis er dann in 3000 m Höhe die Reisleine seines Para Plan zog und in der Wüste von New Mexiko sanft landete. Mit einem Heliumballon ließ er sich in seiner Kapsel bis auf 39.045 m Höhe tragen. Von hier sprang er in einem speziell für ihn angefertigten "Raumanzug" ab. Dabei erreichte er in der fast luftleeren Stratosphäre Geschwindigkeiten von über 1200 km/Std. Es war eine Pionierleistung mit viel Wagemut und Risiko. Als ehemaliger Fallschirmspringer kann ich hier gut mitfühlen.
Alles hat Dank der guten Vorbereitung und Planung bestens geklappt. Wer sich zu diesem Thema etwas mehr einlesen möchte,  klickt hier.