Donnerstag, 23. Mai 2013

Vulkan - das Bebenzentrum verlagert sich

NEWS:
Wie auf der Avcan Karte zu erkennen, haben sich die Beben nun wieder der Insel genähert. Es waren in den letzten 24 Stunden 10 schwache Beben bis ML1,8. Die Tiefe variiert in der ganzen Bandbreite von 1 bis 17,7 km Tiefe. Der Schwerpunkt liegt bei etwa 12 Kilometer unter dem Südwestteil der Insel. Das flache Beben bei 1 km dürfte aufgrund der Oberflächenspannung zustande gekommen sein. Hier die IGN Auflistung der einzelnen Erdstöße.


 
Mit dem Wetter ist das im Augenblick so eine Sache. In den vergangenen 14 Tagen hatten wir keine gewohnten kanarischen Temperaturen. Am Mittag Höchstwerte um die 16-17°C und in der Nacht fast "arktische" Werte bei +12°C mit etwas Regen. Für den Monat Mai und wir haben heute bereits den 23. Mai - viel zu kalt. Diese Temperaturwerte sind für die Wintermonate Januar/ Februar typisch. Das haben auch schon die wenigen hier weilenden Touristen festgestellt.
 
Nun soll es aber nach der AEmet Wettervorhersage endlich wärmer werden. Ab dem Wochenende können wir wieder unsere Handschuhe ausziehen und uns auch ohne Pullover ins Freie wagen. 20 °C sollten dann schon drin sein. Angekündigt war dieser Temperaturschub übrigens auch schon vor einer Woche. Nur hat sich das Wetter nicht an die Ankündigung der AEmet gehalten.
Mit Wettervorhersagen ist das so ähnlich wie mit Vulkanprognosen. Die Natur macht einfach was sie will !

Mittwoch, 22. Mai 2013

Gestein und Asteroiden

NEWS:
Während wir gestern unter El Hierro 6 Beben und heute Morgen um 2.32 Uhr ein ML2,0 Beben in 17 km Tiefe zu verzeichnen hatten, wollen wir uns heute etwas mit dem kosmischen Gestein beschäftigen. Es sind die Asteroiden oder die kleineren Meteoriten die unseren Planeten seit Urzeiten treffen. Nach Ansicht vieler Wissenschaftler waren es sie, die Wasser und vielleicht auch das Leben auf die Erde brachten.

Auch unser Mond ist Zielscheibe vieler kosmischer Einschläge. Selten allerdings können Einschläge direkt beobachtet werden.
Am 17. März 2013 gegen 3.50 Uhr UTC-Zeit beobachtete die NASA auf dem Mond einen hellen Blitz der vom Einschlag eines Asteroiden stammen soll. "Er war 10-mal heller wie alles, was wir jemals zuvor gesehen haben" - so Bill Cooke von der NASA. Selbst mit bloßem Auge wäre er von der Erde zu erkennen gewesen.
Die Wissenschaftler schätzen das Gewicht des Asteroiden auf 40 kg und seinen Durchmesser auf 0,3 bis 0,4 Meter. Ein relativer kleiner Brocken, der aber mit einer riesigen Geschwindigkeit von etwa 90.000 km/h wegen der fehlenden Mondatmosphäre ungebremst einschlug. Die Explosion entsprach ungefähr der Sprengkraft von mehr als 5 Tonnen TNT.
Nach Meinung der NASA könnte er einen 20 Meter breiten Krater in die Mondoberfläche geschlagen haben. Beim nächsten Vorbeiflug eines Satelliten soll das auch fotografisch festgestellt und überprüft werden.
Hier geht es zum  NASA-Video

Auch an der Erde wird am 31. Mai 2013 ein Asteroid von der Größe von 9 Queen Elizabeth Schiffs-Längen - wie die NASA schreibt, vorbei fliegen.
Nach Schätzungen hat der Asteroid 1998 QE2 eine Länge von 2,7 Kilometer und wird die Erde mit 5,8 Millionen Kilometer Abstand passieren. Das ist ungefähr der 15-fache Erde-Mond Abstand.
Dieser Asteroid wurde bereits 1998 entdeckt und wird für unseren blauen Planeten keine Gefahr darstellen. Nicht immer jedoch werden Asteroiden so früh entdeckt und deren Bahn exakt berechnet. Manche tauchen unvermittelt auf, vor allem wenn ihr Weg zur Erde vom Sonnenlicht überstrahlt wird. Hier gibt es dann keine Vorwarnzeit oder die Möglichkeit sich über Abwehrmaßnahmen Gedanken zu machen.

Gegen Kometen, Asteroiden oder Meteoriten gibt es heute noch keine Schutz. Wenn sie kommen sind sie da und werden auch auf der Erde einschlagen.
Es wurde wohl eine Art "Frühwarnsystem" installiert um rechtzeitig gefährliche Objekte zu entdecken. Auch diskutiert die Fachwelt auf welche Art und Weise diese Himmelskörper von der Erde abgelenkt werden können. Voraussetzung ist jedoch, dass man sie rechtzeitig entdeckt.

Nicht nur im All sondern auch auf der Erde ist die Natur immer für eine Überraschung gut. Der Mensch versucht wohl hinter die Geheimnisse und Naturgesetze zu kommen und seine Spezies so gut es geht zu schützen. Es wird ihm aber nie vollkommen gelingen, seinen Lehrmeister zu übertrumpfen.

Dienstag, 21. Mai 2013

Vulkan - Nomen est Omen

NEWS:

Lassen Sie uns heute mit einer lateinischen Wortspielerei des Römer Plautus beginnen. Es scheint aber ein schlechtes Omen zu sein. Immer wenn die IGN ankündigt ihre El Hierro Sonderseite vom Netz zu nehmen, grollt Eldiscreto heftiger. Geschehen im März 2013 mit einer Bebenwelle und jetzt in der vergangenen Nacht mit einem Aufflackern seiner Aktivität. Eigentlich sollte nach dem Willen der IGN der Vulkan nun einschlafen und Sonderdaten nicht mehr nötig sein. Seit 20.47 Uhr gestern Abend bis jetzt hatten wir 6 Beben bis ML2,1 aus 10 bis 18 km Tiefe (Auflistung oben). Die örtliche Lage hat sich verändert. Die Erdstöße liegen nicht mehr vor der Westspitze, sondern verlagern sich Richtung Golfobecken (IGN Grafik). Das Zentrum liegt aber immer noch ca. 8 - 10 km vor der Insel im Meer.
Einige Ausgangstiefen konnten nicht ermittelt werden. Das flachste Beben lag bei 10,1 km Tiefe. Immer noch zu tief um einen Trend erkennen zu können.  

Die Bodenverformung bleibt wie hier links an der Station HI05 (Leuchtturm Orchilla an der Westspitze) erhalten. Einzig die grafische Darstellung wurde von der IGN geändert. Von minus 60 mm Anfang März haben wir heute + 60 mm Verwerfung. Eine relativ konstante vertikale Aufwölbung von 12 cm. Auch die horizontale Verschiebung der Inselfläche nach Osten bleibt bei ca. 10 bis 11 cm stehen.
Diese Werte zeigen an, dass sich der Überdruck im Bereich der Magmakammer bisher keinen Druckausgleich verschaffen konnte. Es muss ja nicht gleich eine Entlüftung (Eruption) sein, sondern es könnte auch eine Druckentlastung in benachbarte Gesteinsschichten mit Hohlräumen erfolgen. Dies scheint jedoch aufgrund der Gesteinsstruktur nicht möglich zu sein.
So beobachten wir also die Entwicklung weiter.

Montag, 20. Mai 2013

Vulkan - Magma Recycling

NEWS:
Ein Restingolita - ein besonderer Lavabrocken, wie er nur in den ersten Tagen der Eruption 2011 vom Eldiscreto an die Meeresoberfläche ausgeworfen wurde. Auch diese Lava hat bereits mehrfach im Laufe der Erdgeschichte das Sonnenlicht gesehen. Unter Kreislauf der Gesteine - oder auch als Recycling bezeichnet, versteht die Geologie den Zyklus, wenn Lava/Gestein von der Erdoberfläche im Untergrund verschwindet und wieder an der Erdoberfläche auftaucht. Vergleichbar mit dem bekannteren Kreislauf des Wasser. Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass dieser Vorgang beim Gestein sehr langsam abläuft und ca. 2 Milliarden Jahre Zeit benötigt.


Zur Verdeutlichung die Grafik oben (Quelle: Diercke Weltatlas). Das Gestein driftet (rechts) langsam durch das Ozeanbecken ab und versinkt über die Tiefseegräben im Erdmantel. Hier wird es aufgeschmolzen und erscheint dann wieder als nicht ganz frische Lava aus dem Vulkanschlot. Die Zusammensetzung der Magma hat sich natürlich inzwischen geändert. Bei unseren Restingolitas von El Hierro mit sehr viel aufgeschmolzenem Sedimentgestein (Ablagerungen vom Meeresgrund) und als weißer Kern sichtbar.

Forscher aus Mainz konnten nun feststellen, daß dieser Kreislauf doch viel schneller abläuft. Nach ihren Beobachtungen benötigt der Zyklus nur ca. 300 Millionen Jahre.
Die Forschergruppe um Alexander Sobolev vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz nahm sich den Mauna Loa Vulkan auf Hawaii vor. In diesen Lavaproben sind häufig Olivinkristalle, die oft mit blosem Auge sichtbar sind, enthalten. Winzige Einschlüsse in dem Olivin wurden nun analysiert und die darin vorkommenden Elemente auf ihre Isotopenkonzentration untersucht. Eine Methode zur Altersbestimmung von Gestein.
Es fand sich in den Einschlüssen ein außergewöhnliches Verhältnis der Isotope Strontium-87 und Strontium-86. Es entsprach genau jenem Wert, den man ausschließlich in Resten von etwa 300 Millionen Jahren altem Meerwasser findet. Demnach müsste die Lava an der Erdoberfläche mit diesem Meerwasser in Kontakt gekommen sein.

Ob derartige Untersuchungen auch mit der Eldiscreto-Lava durchgeführt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wäre aber interessant, ob die auf Hawaii gewonnen Erkenntnisse sich auch auf El Hierro bestätigen lassen.
Beide Typen sind Hotspotvulkane und werden aus ähnlich tiefen Herden gespeist. Natürlich mag es unterschiedliche Regionen geben, wo dieser Prozess langsamer oder auch schneller abläuft.

Es bleibt aber die Erkenntnis - wir sitzen auf keinem statisch festen und stabilen Körper. Unter uns ist die Erdkruste in einer ständigen Bewegung und Umwälzung. Auch wenn wir in unserem menschlich begrenzten Zeitfenster keine große Veränderung feststellen können, sorgt doch die geologische Natur in ihrem Zeitrahmen für einen immer währenden Kreislauf.
Genau wie in jedem Frühling die Blume aus ihrer alten Knolle aufblüht, entstehen fortwährend durch Vulkanausbrüche neue Landmassen oder Inseln aus altem Material. So ist der Kreislauf der Natur.

Aktuell hatten wir gestern 3 Erdstöße bis ML1,9 aus 18 km Tiefe. Die örtliche Lage bleibt unverändert vor der Westküste.

Sonntag, 19. Mai 2013

Vulkan - Schutz vor Erdbeben möglich ?

NEWS:

Auch wenn es in den vergangenen Tagen unter El Hierro relativ ruhig zu geht - in den letzten 24 Stunden hatten wir 3 schwache Beben bis ML1,3 - sind sich die Vulkanologen und Beobachter doch ziemlich sicher, dass damit die vulkanische Aktivität noch nicht beendet ist. In Intervallen traten in den vergangenen 2 Jahren immer wieder stärkere Bebenserien auf (Grafik links). Dabei wurde die Intensität der Erdstöße immer stärker. Auf der Statistik (unten) habe ich zum Vergleich alle Beben von ML4,5 und mehr seit Anbeginn der Krise 2011 aufgelistet. Von den 6 Starkbeben in diesem Zeitraum erfolgten allein 5 Erdstöße im vergangenen März 2013 bis zum bisher kräftigsten Erdstoß mit ML4,9 am 31.3.2013.

Nach Meinung der spanischen Geologen Vereinigung ICOG (Ilustre Colegio Oficial Geoolgos) wird für die Prävention zur Minderung von Erdbebenschäden zu wenig getan und gesetzliche Vorgaben nur schleppend oder gar nicht umgesetzt (Stellungnahme vom 14.5.2013).

Gibt es überhaupt einen Schutz vor Erdbeben?

Ein Erdbeben tötet normal keine Menschen. Es sind die durch ein Beben ausgelösten Folgeschäden. Steinschlag, Erdrutsch, Flutwellen, Feuer oder kollabierende Bauten wie ein Tunnel oder Häuser, die für Menschen gefährlich und oftmals tödlich werden können.
In erdbebengefährdeten Gebieten kann sich durch entsprechende Bauvorschriften das Siedlungs- und Einsturzrisiko minimieren lassen. Völlig bebensichere Häuser lassen sich bis heute technisch noch nicht erstellen. Entsprechende Baumaßnahmen können jedoch die Stabilität eines Hauses bis zu einem gewissen Beben-Grad gewährleisten.

Findige Köpfe sind auf der Suche nach immer neuen Ideen.
Seit dem großen Beben suchen die Menschen in Japan nach neuen Wegen, ihre Häuser erdbebensicher zu machen. Der so genannte Erdbeben-Airbag, den ein Architekt erfunden hat, zeigt angeblich große Erfolge - N-TV Mediathek

Auch deutsche Forscher haben ein Gewebe entwickelt, das Häuserwände stabilisieren soll. Die textile Gebäudeverstärkung wird mit einem Leim wie eine Tapete an die Wand geklebt und verputzt. Die zusätzliche Stabilität könnte den Einsturz von Gebäuden verhindern oder zumindest deutlich verlangsamen, so dass Zeit zur Flucht bleibt, das hoffen die Forscher - siehe Spiegel-Online

Dies sind alles Maßnahmen die in die Zukunft wirken und nur über Jahre und mit entsprechenden Geldmitteln umgesetzt werden können.
Der beste Schutz ist immer noch, wenn in erdbebengefährdeten Zonen keine Menschen wohnen.
Aber das ist jetzt wieder Theorie - vor einigen Tagen bin ich erst auf den Hang und die Ignoranz des Menschen in Vulkanzonen zu siedeln, eingegangen.

Was aber gemacht und schnell umgesetzt werden kann, sind entsprechende Planungen. Hier gehen Länder die nicht so akut von Beben bedroht sind mit gutem Beispiel voran. Das Erdbebenkonzept der Schweiz ist zu erwähnen. Es dürfte das in Europa am weitesten entwickelte Modellbeispiel sein.

Auch in Deutschland gibt es entsprechende Ausarbeitungen (z.B. Merkblatt Erdbeben GFZ). Obwohl hier das Risiko eines starken Erdbeben gering ist, haben fast alle Krisenstäbe entsprechende Vorbereitungen getroffen. Hier wird das Erdbebenrisiko allerdings meist unter einem etwas anderen Aspekt betrachtet. Es sind die quer durch die Republik vorhandenen Atomkraftwerke von denen dann in Folge eine Gefahr ausgehen könnte.
Diese Gefahr gibt es natürlich für El Hierro und die restlichen Kanarischen Inseln nicht. Hier gibt es keine Kernenergie.

Eine Planung kann jedoch nur im Ernstfall funktionieren, wenn sie auch allen bekannt ist. Keine Geheimniskrämerei und irgendwo in den Schubladen dahin schlummernde Pläne.
Überzeugen statt Verordnen - und dazu gehört die Öffentlichkeitsarbeit. Nur das schafft Vertrauen in die Einsatzplanung und die damit beauftragten Behörden.
Ebenso müssen diese Szenarien durch gespielt und geübt werden. Nicht nur in der Theorie sondern auch in der Praxis.
So ist es dann vielleicht auch möglich - nicht Erdbeben oder Vulkanausbrüche zu vermeiden, aber die Folgeschäden zu minimieren.