Donnerstag, 19. September 2013

Vulkan - es wird lebhafter

NEWS:



Heute einmal die vergrößerte Avcan- Karte (oben) mit den seismischen Zentren der vergangenen Nacht. Die Ausgangslage der Beben liegt unter dem Zentralmassiv der Insel, etwas nordöstlich des Tanganasoga, an der Abbruchkante zum Golfo. Heute zwischen 1.00 Uhr und 2.00 Uhr gab es dort eine Reihe neuer Erdstöße (Seismogramm links). Die stärkste Erschütterung um 1.36 Uhr mit ML2,3 aus 12 km Tiefe. Gestern insgesamt 16 Beben, heute wurden bereits 6 weitere registriert.


Es ist eine Fortsetzung der bereits seit 36 Stunden beobachteten verstärkten Aktivität. Alle Beben kommen aus einem Tiefenbereich von 9 bis 15 km - mit dem Schwerpunkt um die 10 km Tiefe.


Ein Blick auf das Beben- Histogramm seit 2011 zeigt, dass sich das jetzige Ausgangszentrum am Kopf der Magmablase (roter Pfeil) befindet. Es ist im Grunde nur eine logische Fortsetzung, die Kammer horizontal oder auch vertikal zu erweitern.

Wie es weiter geht ?
Hier müssen wir einfach die weitere Entwicklung abwarten. Es könnte der Auftakt für einen neuen Bebenschwarm werden oder wie bereits auch oft erlebt - wieder abebben.
Auf der Inseloberfläche ist davon nichts zu bemerken und alles ruhig.

Mittwoch, 18. September 2013

Vulkan - der Hotspot und seine Auswirkungen

NEWS:


In der vergangenen Nacht gab es zwischen 21.05 und 6.12 Uhr 17 Erdstöße. Wie hier links zum Beispiel die Bebenaufzeichnungen zwischen 2.00 und 3.00 Uhr heute Morgen zeigt. Die Beben erreichten eine Stärke bis ML2,1 und kamen überwiegend aus 10 bis 12 km Tiefe. Als Zentrum kristallisiert sich im Moment der Berg Tanganasoga im Inselmassiv heraus (rot). Aber auch Erdstöße im Golfoküsten- Bereich bei Sabinosa (blau) oder gestern um 9.25 Uhr ein ML2,0 Beben vor der Westküste (gelb) aus 15 km Tiefe wurden aufgezeichnet. Es waren in den letzten 24 Stunden überhaupt bebenreiche Stunden. Auch nördlich von La Palma/Teneriffa wurde um 14.22 Uhr ein ML3,3 Beben in 65 km Tiefe registriert.

Die Magma im Untergrund scheint im Augenblick in Bewegung zu sein. Ob neues Material nachströmt oder eine größere Umwälzung im Gange ist, lässt sich nicht beantworten.
Das ganze Magmasystem unter den Kanaren ist miteinander verzweigt und lässt im Domino- Effekt an verschiedenen Stellen zeitversetzt Aktivitäten beobachten.
Vergleichbar vielleicht mit einer aufsteigenden Wasserblase die sich im Kochtopf vom Boden löst und kurze Zeit später an der Wasseroberfläche in die Atmosphäre vergast. Das ML3,3 Beben ca. 150 km nördlich der Kanaren könnte gestern der Auslöser gewesen sein.

 
 
 

Neues Computer- Modell zum Hotspot


In diesem Zusammenhang ist eine neue Studie der Universitäten Maryland und Berkley (Kalifornien) interessant. Mithilfe von Messungen der Ausbreitungsgeschwindigkeit von seismischen Wellen wurde mit einem weltweiten Netz von Seismographen, ein Computermodell entworfen. Durch unterschiedlich Dichte und Elastizität der Gesteinsschichten ergaben die Messungen ein fingerförmiges Modell. Der Prozess, bekannt als Seismische Tomographie, funktioniert genauso wie die bekannte Computertomographie die Einblicke in den menschlichen Körper ermöglicht.
Diese aus dem Erdmantel aufsteigenden heißen "Finger" können auch direkt unter einer Kontinentalplatte durch Wärmeübertragung Gestein aufschmelzen und durch die Erdkruste bis zur Oberfläche durchdringen.
Vermutlich reichen dafür an besonders schwachen Stellen, Temperaturunterschiede von nur 200° C aus (Maximaltemperatur 1300°C).
Das ganze nennt man dann einen Hotspot (heißer Punkt), wie wir ihn vermutlich unter den Kanarischen Inseln haben.
Auf dem Computermodell (oben) wurde das am Beispiel Zentral Pazifik um Hawaii dargestellt. Deutlich zu sehen im linken Bildteil, dass so ein Hotspot mehrere Inseln erschaffen hat und sie mit Magmanachschub weiter versorgt.

Bis vor kurzem hätte diese Analyse und das daraus entwickelte Modell noch 19 Jahre Rechenleistung erfordert, wie Prof. Barbara Romanowicz von der Uni Berkley betonte.
Nur durch modernste Technik und Bilder mit höherer Auflösung war das in kurzer Zeit zu schaffen.

Sehr spannend wäre es nun, auch einen Blick unter El Hierro zu erhalten und eine Tomographie oder ein Modell über unsere "Unterwelt" zu erhalten. Noch tappen wir meist im "Dunkeln" und sind auf Theorien und normale seismische Messungen angewiesen.
Aber es gibt nun eine gute Möglichkeit in einiger Zeit auch Näheres zu unserem Hotspot zu erfahren.

Wer sich mit diesem Thema näher auseinander setzen möchte, hier der Link zur Pressemitteilung der Uni Maryland.

Sonntag, 15. September 2013

Vulkan, Erdbeben und Hurrikan Humberto

NEWS:
17.09.2013
09.25 Uhr - Beben ML2,0 aus 15 km Tiefe an der Westspitze.
14.22 Uhr - ca. 150 km nördlich von La Palma ein ML3,3 Beben aus 65 km Tiefe.

Vulkane und Erdbeben treten meist gemeinsam auf. Es ist eine Abfolge von aufsteigender bis 1300° heißer Magma, die Gestein aufschmilzt und sich durch Ritzen und Spalten einen Weg zur Erdoberfläche bahnt. Dieser Gewaltprozess erzeugt Beben, wie wir es am Kanarischen Hotspot in El Hierro erleben.
Aber auch ohne Vulkan und aufsteigende Magma können an den tektonischen Plattenrändern gewaltige Erdbeben ausgelöst werden. Dies ist sogar die häufigste Form.

Dabei schiebt sich durch den horizontalen Druck eine Kontinentalplatte unter die Andere und baut am Berührungspunkt eine immense Spannung auf (siehe Foto SRF). Irgendwann löst sich schlagartig diese Verzahnung und erzeugt ein Beben.
Am Beispiel eines Subduktionsbeben in Japan haben nun Geophysiker der ETH Zürich am Computer simuliert, wie dieser Subduktions- Prozess die Dynamik des Erdmantels beeinflusst.
Lassen Sie sich nicht durch die etwas schwer verständliche Einleitung irritieren - es ist Schwyzerdeutsch, wird aber später Hochalemannisch.
Hier zum "Einstein" Video des SRF

Piano (it), planus (lat), tranquilo (span) oder ruhig, so könnte im Moment die Vulkanaktivität unter El Hierro bezeichnet werden. Nicht, daß es ganz ruhig ist - auch am Freitag und Samstag kam es je zu 5 Erdstößen. Die Stärke erreichte max. ML2,1 und kam aus 10 bis 11 km Tiefe unter dem Inselmassiv (siehe IGN Karte).

 


 
 
"Humberto" heißt die nächste Überraschung. Ein Hurrikan der im Augenblick noch inmitten des Atlantik liegt und sich langsam mit 19 km/h Richtung Nordosten auf die Kanaren zu bewegt. Noch liegt er ca. 1200 Kilometer südwestlich von El Hierro und die Größe lässt sich gut auf dem Satellitenbild abschätzen. Die ersten Randerscheinungen mit etwas Wolken, mehr Wind und einigen Regentropfen bekommen wir schon zu spüren.

Heute Morgen hat er sich zum tropischen Wirbelsturm abgeschwächt und erreicht über dem Atlantik Windspitzen von 85 mph. Ab Mitte kommender Woche soll er wieder stärker werden und an Fahrt zunehmen.

Mit Schrecken erinnern sich noch viele Canarios an den Hurrikan "Delta", der 2005 große Schäden auf allen Inseln hinterlassen hatte. 19 Menschen kamen damals ums Leben.

Nach den Berechnungen der Meteorologen kann Humberto auch weiter nach Süden abdriften oder gar die Richtung gen Westen einschlagen. Alles ist möglich.

Wir sind auf den Kanaren wohl heftige Winterstürme gewohnt - ein weiterer Hurrikan muss es aber nicht unbedingt sein.
 

Mittwoch, 11. September 2013

Vulkan und Olympia

NEWS:

Seit März 2013 liegen die GPS Oberflächen Verformungswerte relativ stabil (hier die Kurven der westlichen Stationen). Auch wenn hier in der Grafik der Anschein einer 0 mm Verformung abzulesen ist, trügt der Anblick. Bis März hatten wir bereits im Westen eine vertikale Aufwölbung von knapp 200 mm. Diese Verformung bleibt bis heute erhalten. Also keine weitere Steigerung, aber auch kein Absinken der Inseloberfläche. Der Überdruck im Untergrund ist nach wie vor vorhanden. Gestern wieder 13 Beben bis ML2,1. Auffallend dabei zwei Erdstöße im äußersten Westen aus großer Tiefe von 31 und 38 km. Soweit ich mich erinnern kann, hatten wir Beben aus dieser Tiefe nur zu Beginn der Vulkanaktivität vor über 2 Jahren zu verzeichnen. Das Ausgangszentrum dürfte weit unter der Magmakammer die ca. 20 km tief reicht, gelegen haben.

Was gab es sonst noch auf Erden. Ein Thema das nun überhaupt nichts mit Vulkanen oder der Natur zu tun hat, mich aber stark emotional berührt.

Ein ehemaliger Klassenkamerad aus meiner Geburtsstadt wurde gestern zum IOC Präsidenten gewählt. Mehrere Jahre drückten wir gemeinsam die Schulbank in Tauberbischofsheim. Schon damals saß er in der ersten Reihe, was aber wohl mit seiner Körpergröße zu tun hatte.
Aufgefallen ist er damals schon als kleiner "Streber".
Aufmerksam wurde man auf ihn aber richtig erst 1976 nach dem Gewinn der Goldmedaille im Florettfechten bei der Sommer Olympiade in Montreal.
Mit seinem inzwischen verstorbenen Trainer Emil Beck holte er anschließend noch weitere Trophäen und machte mit dem Fechtteam, Tauberbischofsheim aus "Badisch Sibirien" ( geografisch im Nordosten von Baden-Württemberg), bekannt.
Es ist Thomas Bach, seit gestern als erster Deutscher - Herr über die Ringe.

Meinen Glückwunsch an Dich Thomas - Du wirst es schon machen!

Zum Nachlesen: Wer etwas mehr über Tauberfranken und Tauberbischofsheim (TBB) - schlicht auch als Bischeme bezeichnet, wissen möchte.

Montag, 9. September 2013

Vulkan - Direktlift aus dem Erdmantel

NEWS:

Das sind die Beben- Ausgangszentren der vergangenen drei Tage. Die Lage erstreckt sich vom Golfobecken, unter dem Inselmassiv bis zum südlichen El Julan (rosa). Am 6.9. gab es 10 Erdstöße, am 7.9. noch 9 und gestern 12 Beben. Die Stärke ging bis ML2,5 und kam im Schnitt aus 10 bis 12 km Tiefe.
Eine Ausnahme bildete ein Beben am 7.9. um 12.18 Uhr vor dem Westzipfel (blaues Dreieck) mit ML2,8 aus 22 km Tiefe.

Highway zur Hölle

Normalerweise dauert es lange bis Magma aus dem Erdinnern in die Erdkruste aufsteigt und nur wenige Kilometer unter der Erdoberfläche eine Magmakammer bildet oder füllt.
Unter den Kanaren dauert dieser Vorgang oft hundert oder mehr Jahre bis die Magmakammer so gefüllt ist und der Innendruck einen kritischen Punkt überschreitet, dass es zu einer Eruption und dem Entleeren der Magmakammer kommt.

Hier gibt es allerdings auch Ausnahmen. Im Jahre 1963 brach der Vulkan Irazú in Costa Rica aus. Innerhalb von nur wenigen Monaten stieg das Magma aus 32 km Tiefe empor und es kam zu einer Eruption.
Über 20 Menschen wurden getötet, da es keine große Vorwarnzeit gab und die Vulkanologen keine so rasche Entladung erwarteten. Der Ausbruch dauerte 2 Jahre an.
Die Magma nahm nicht den sonst üblichen Umweg über die Magmakammer, sondern strömte direkt an der Erdoberfläche aus. Seismische Messungen, die lange Eruptiondauer und die große Menge ausgeworfener Lava, ließen nur diesen Schluss zu. Dieser Vulkan wurde also direkt aus dem Erdmantel mit frischer Magma versorgt.

Ein US Forscherteam um Terry Plank vom Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University in New York machte sich auf die Suche nach Besonderheiten dieses Vulkan.

Was verlief hier anders als bei den gewohnten Eruptionen?

Den Grund für den raschen Aufstieg konnten sie zwar auch nicht feststellen. Sie fanden aber eine Besonderheit in der ausgeworfenen Lava. In dem Mineral Olivin das beim Aufstieg der Magma Kristalle bildet, waren erhöhte Nickelwerte messbar.
Normal vermischt sich Nickel gleichmäßig in der Magma. Durch den raschen Aufstieg hatte es jedoch nicht genügend Zeit und wurde im Olivin festgehalten und konserviert.

So konnte zumindest festgestellt werden, dass die ausgeworfene Lava sich noch vor kurzer Zeit in mindestens 32 km Tiefe befand.
 "Highway to Hell" - Eine Autobahn zur Hölle, wie das Fachmagazin "Nature" berichtet.

Dass es kein Einzelfall oder ein lokales Phänomen war, ergaben nun Untersuchungen an Vulkanen in Sibirien, den USA und Mexiko. Auch hier fanden sich diese verräterischen Nickelspuren.

Es muss also nicht unbedingt eine jahrelange Bebenserie einer Eruption voran gehen. Auch ohne Magmakammer kann das flüssige Gestein innerhalb kurzer Zeit die Erdoberfläche erreichen.
Ob es die Gesteinsart oder Festigkeit der Erdkruste ist, manche Gesteinsmischungen vielleicht leichter aufzuschmelzen oder es ein extremer Innendruck ausmacht - das dürfen die Wissenschaftler noch klären.

Unter El Hierro und den Kanarischen Inseln scheint eine "feste" Gesteinsstruktur vorhanden zu sein. Jeder Vulkan hat seine oder eine gemeinsame Magmakammer. Unter El Hierro reicht sie bis auf 5 Kilometer unter die Inseloberfläche heran.
Wie mühsam die Magma ihren Vortrieb voran bringt, das erleben wir nun seit über 2 Jahren. Irgendwann in einem Monat oder erst in Jahren wird sie es bis zur erneuten Eruption schaffen.

Diese Magmakammer ist nicht neu entstanden, sondern bereits seit mindestens 1,2 Millionen Jahren vorhanden. Ohne sie hätte es keinen Gebirgeaufbau vom Meeresgrund gegeben und wir hätten statt El Hierro hier wahrscheinlich noch Atlantik.

Das sind aber geologische Zeiträume. Es sollte uns eigentlich bewusst sein, welches Glück (für manche Bewohner auch Unglück oder Pech) wir haben, diesen doch in einem Menschenleben recht seltenen Entstehungs- Vorgang miterleben zu dürfen.