Donnerstag, 28. März 2013

Vulkan - Beben ohne Ende

NEWS:

17.53 Uhr - der Durchnitt der Bebenstärke ist heute schwächer als gestern. Das Zentrum wandert etwas Richtung Süden (rot). Die Erdstöße kommen aus unterschiedlichen Tiefen zwischen 10 und 20 km.



13.54 Uhr - Jetzt haben wir auch die jüngsten Kohlendioxid (CO²) Werte der Involcan. Es sind keine punktuelle Messungen, sondern das Ergebnis aller über die Insel verteilten Messeinrichtungen. Die Fragezeichen sollen nicht irritieren. Während dieser Zeit wurden wegen Geldmangel schlicht keine Messungen vorgenommen. Die gestrige CO²-Emission liegt aktuell bei 1684 Tonnen/Tag. Der Normalwert liegt bei 345t/Tag. Nur bei der Eruption 2011 lagen die ausgestoßenen Mengen an CO² höher.


11.50 Uhr - und um 11.00 Uhr ein ML4,1 aus 19 km Tiefe.
10.56 Uhr - Beben von ML3,8 um 10.32 Uhr in 21 km Tiefe


Das war gestern schon deftig. Ein ML4,6 Beben und eine Reihe von ähnlich starken Erdstößen, hat man auf El Hierro seit Anbeginn der Vulkankrise 2011 so auch noch nicht erlebt. Alles hat gewackelt, geklappert und Steinschlag ausgelöst. Selbst die Nachbarinseln bis Gran Canaria verspürten diesen Erdstoß. Nach Berechnungen der Involcan wurde gestern mehr Energie freigesetzt, als in den letzten 10 Tagen zusammen.

Nach der IGN Grafik links war von der Anzahl der Beben dieser Tag gar nicht der Spitzenreiter. "Nur" 175 Erdstöße (Vortag 200) wurden registriert. Aber in der Kraft und der Stärke einzelner Erdstöße liegt das Potenzial ... und weitere sollen folgen. Es gab keine Schäden, nur Steinschlag und Erdrutsche. Aus diesem Grunde wurden von der Pevolca nun auch einige Straßen und Wege im Bereich des Westzipfel gesperrt. Viele Straßen gibt es dort so und so nicht. Die Strecke ab Pozo de la Salud (Sabinosa) und die Zufahrt zum Leuchtturm Orchilla wurde dicht gemacht. Auch ohne Erdbeben habe ich in diesem Bereich schon Steinschlag erlebt. Es bleibt festzuhalten, das Golfotal kann über die Südstrecke nicht mehr verlassen werden.

Die Beben kreisen weiter um das alte Epizentrum ca. 8 bis 10 km vor der Westküste. Die Tiefe variiert und liegt heute Morgen im Schnitt bei 16 bis 19 km Tiefe. Ein ML3,7 Erdstoß um 5.28 Uhr aus 16 km Tiefe war bis jetzt das stärkste Ereignis heute. Es ist anzunehmen und spiegelt sich auch mit den Prognosen der IGN, daß es im Laufe des Tages wieder zu Beben um ML4,6 kommen wird.
El Hierro wölbt und dehnt sich unter dem immensen Druck der sich im Innern um die Magmakammer aufbaut und weiter ausbaut. Die Kraft lässt sich nicht berechnen, sondern nur vermuten. Die linke Kurve zeigt die Verschiebung der Insel Richtung Nordosten (Hallo El Hierro, bald können wir euch die Hand reichen), die rechte Kurve die vertikale Aufwölbung um ca. 11 cm. Wenn dieses Potenzial jetzt schlagartig frei würde ... so weit sind wir aber noch nicht.
 
Um die Entscheidungen der Pevolca (Krisenstab) gibt es natürlich Diskussionen. Ob die Vulkanampel auf Grün, Gelb oder Rot steht, ist im Grunde egal.  Der gesunde Menschenverstand sollte jedem selbst anzeigen, welche Maßnahmen er jetzt zu ergreifen hat.
 
Es versteht sich auch bei dem jetzigen behördlichen "Normalzustand" - und dieser Hinweis geht an Wanderer, in diesen Tagen nicht gerade auf Steilklippen, an Abruchkanten des Golfo oder in tiefen Barrancos zu wandern. Bei Beben über ML4,0 können Pfade abrutschen oder Steinbrocken aus großer Höhe herabstürzen.
 
Um aus nordeuropäischer Denkweise so manche Entscheidung hier zu verstehen, muß man die Mentalität der Canarios näher beleuchten.
Der Canario lässt sich nicht gerne etwas von der Obrigkeit vorschreiben. Noch zu gut ist die Franco-Zeit in Erinnerung (bis 1975). Man hat schon immer das gemacht was man für richtig hielt, ob mit oder ohne Gesetz und ist damit gut gefahren.
Die Herrenos sind aber noch ein bisschen eigenartiger und sturer. Eine von Madrid und der Kanarischen Regierung verordnete Raketenabschußbasis in den 1990 Jahren wurde erfolgreich vereitelt. Die ganze Insel wurde mobilisiert und nach zähem Kampf das Projekt dann gestoppt. Auch die Kaperung der ARMAS Fähre im letzten Jahr unter Mitwirkung des Inselpräsidenten Alpidio Armas ist so ein Beispiel.
Unkonventionelle Maßnahmen, die aber Wirkung zeigen. Strafrechtliche Konsequenzen werden bewusst in Kauf genommen. Verlaufen aber meist wegen der Mobilisierungsmasse im Sande. Seit langem kursiert auf der Insel der Satz:
 
 
"Wir sind vielleicht nur 9000 Menschen auf der Insel - aber wir sind 9000 aus El Hierro"
 
Der Stolz und selbst zu Wissen was notwendig ist, prägt diese Menschen. Dies weis natürlich die Pevolca (im Gremium sind auch Herrenos vertreten) und lässt ihre Entscheidung "milder" ausfallen. Wir erinnern uns alle noch an die Evakuierung von La Restinga oder die Schließung des Golfotunnels 2011 und die damit verbundenen Proteste.
 
Für einen Deutschen der sich an Gesetze und Verordnungen hält und sie wahrscheinlich auch braucht, schwer nachzuvollziehen.
Eines ist aber sicher, wenn Hilfe gebraucht wird, wird alles mobilisiert und in kürzester Zeit herbei geschafft. Das konnte ich schon mehrmals hier auf La Palma bei den verherrenden Waldbränden selbst hautnah miterleben.
 
Also versuchen wir die Pevolca zu verstehen, auch wenn wir sie vielleicht nicht ganz richtig verstehen. Es sind oft Maßnahmen und Aussagen ohne große Hintergedanken. Hier sollte auch nichts hinein gedeutet werden, oft denken die gar nicht soweit.

Mittwoch, 27. März 2013

Vulkan - und weiter geht`s

NEWS:
20.49 Uhr - ML4,1 um 19.55 Uhr in 20 km Tiefe.
20.38 Uhr - nach einer kurzen Ruhephase, falls man überhaupt davon sprechen kann, zuckt es seit 19.55 Uhr wieder gewaltig. Nähere Daten dazu liegen noch nicht vor.
18.50 Uhr - wie das Gobierno de Canarias (Kanarische Regierung) soeben mitteilte, besteht keine Gefahr für Menschen oder Güter. Außer einigen kleinen Erdrutschen seien keine besonderen Vorkommnisse gemeldet worden. Man erwartet in den nächsten Tagen weitere Beben bis ML4,6. Alles sei unter Beobachtung und Kontrolle. Im Notfall würde der Einsatzplan greifen.

18.00 Uhr - die Bebenserie hält weiter an. Beben bis ML3,7 aus 16 km Tiefe um 17.16 Uhr. Es ist bisher der stärkste und längste Bebenschwall auf El Hierro seit Beginn der Vulkanaktivität 2011.

16.47 Uhr - jetzt sollte jeder selbst gemerkt haben, daß es keine Normalität mehr ist.
Es besteht akute Steinschlag- und Erdrutschgefahr im Golfotal und auch an der mittleren Ostküste.
16.31 Uhr - um 15.10 Uhr ein ML4,4 Beben in nur 10 km Tiefe (grüner Pfeil) - von IGN auf 11 km korrigiert.





16.15 Uhr - um 15.02 Uhr noch ein ML4,3 in 18 km Tiefe und um 15.28 Uhr ein ML4,1 in nur 12 km Tiefe.
15.55 Uhr - Beben von ML4,6 um 15.07 Uhr in 19 km Tiefe. Das war das Beben das auf La Gomera und hier auf La Palma verspürt wurde.
15.48 Uhr - erste Steinschläge von der Steilwand im Golfotal (Foto von Involcan).

15.10 Uhr - soeben war selbst auf La Palma ein Beben zu verspüren. Warten wir einmal die Auswertung ab.
15.09 Uhr - der Prozess dauert immer noch an. Die jüngsten ML3,3 Beben kommen nun aus flacheren Tiefen von 12 - 11 und 10 km Tiefe.
14.53 Uhr - Beben mit ML3,3 - 3,7 und 3,9 aus 10 bis 20 km Tiefe.
13.11 Uhr - gegen 12.30 Uhr hat ein neuer Bebenschwall eingesetzt, der noch andauert.

Die Vulkanaktivität ist weiter im Gange. Gestern 200 Beben, davon 15 über ML3,0. Auch heute Morgen um 5.51 Uhr bereits wieder ein ML3,3 Erdstoß aus 15 km Tiefe. Die Beben kommen überwiegend aus 13 bis 15 km Tiefe. Nur die Lage hat sich etwas geändert. Die Beben wandern inzwischen auf die Insel zu. Auf der Karte links die rotbraunen Punkte. Der relativ kompakte Bebenhaufen hat immerhin einen Durchmesser von 8 bis 10 Kilometer und steht als selbständiges Gebilde vor der Westküste.

Betrachten wir uns alle bisherigen Beben als Gesamtbild, dann sieht es schon etwas anders aus (linke IGN Grafik). Es ist ein neuer Seitenarm Richtung Westen entstanden bzw. im Entstehen. Die noch etwas lose Verbindung zum alten Zentrum (gelb/blau) wird sicher in den nächsten Tagen gefüllt. Das zeigen heute schon die zurückwandernden Beben. Der einzige Magmazufluss aus dem Erdinnern dürfte sich unter der alten Hauptkammer direkt unter der Insel befinden (Pfeile). Hier wurden die meisten Beben in großer Tiefe gemessen. Durch die in den letzten Tagen neu nachströmende Magma hat sich der Innendruck so stark aufgebaut, daß eine etwas porösere Schicht Richtung Westen aufgebrochen wurde. Sonst wäre wahrscheinlich schon längst eine erneute Entlüftung (Eruption) erfolgt. Das ist nur eine Theorie - aber eine denkbare Möglichkeit.

Die gestern von der Roman Margalef erstellte Profilkarte vom Küstenbereich zeigt, daß die Inselbasis im Westen und Süden an einigen Stellen doch weit in den Atlantik reicht. Auch sind die vielen alten Unterwasser-Vulkankrater/berge zu erkennen. Heute werden die bathymetrischen Erfassungen im Norden und auf der Ostseite fortgesetzt. Dort fällt - und das ist schon zu erkennen - das Inselmassiv wesentlich steiler ins Meer ab.
 
Die Entscheidung der Pevolca (Krisenstab) gestern den Normalzustand beizubehalten, löste unterschiedliche Reaktionen aus. Mir war diese Entscheidung klar - ich hatte ja darüber geschrieben.
 
Die erfolgten Kommentare und das möchte ich noch einmal klarstellen, sind die Meinung der Kommentatoren. Nicht meine Meinung.
Ich hatte und habe meine eigene Meinung. Als größte Gefahr sehe ich nicht einen Vulkanausbruch sondern die Folgen der Beben auf die Golfosteilwand. Wer es Nachlesen möchte, geht ins Archiv 2011.
In der Vergangenheit starben auf den Kanaren nur zwei Personen an den direkten Folgen einer Eruption (Lava/Gase). Aber 23 Menschen durch Beben - einstürzende Häuser und Steinschlag.
 
Die Entscheidungsträger wurden auch von den Herrenos gewählt. Die Folgen einer evtl. Fehlentscheidung müssen auch die Menschen vor Ort erleiden, nicht der Leser in Deutschland.
Natürlich spielen auch bei der Pevolca sicherheitstechnische, wirtschaftliche und politische Entscheidungsgründe mit.
Ich könnte ein Lied davon singen aus eigener Erfahrung. Langjährige Leser wissen, daß ich einige Jahre zu meiner Zeit in Deutschland, beratendes Mitglied in einem HVB (Krisenstab) war und so Einiges miterlebt habe.
 
Anderes Thema: Unser Eldiscreto hat es unter die letzten vier Satellitenaufnahmen geschafft. Es gibt gute Chancen im April als "NASA Satellitenbild des Jahres 2012" gekürt zu werden.
Ich rühre jetzt einfach einmal die Werbetrommel für Ihr Stimme. Normal wäre es die Aufgabe der Touristikabteilung des Cabildo El Hierro, die haben aber im Moment ganz andere Sorgen.
 
Hier der Link zum NASA Tournament.
Bei der Stimmabgabe beachten:  Sie können im ersten Feld irgend ein Foto auswählen. Im darunter liegenden natürlich rechts den Eldiscreto und dann ganz unten "Voten". Es erscheint dann die Dankesseite.
Drücken wir einmal die Daumen, daß Eldiscreto bis kommenden Freitag unter den letzten beiden Aufnahmen ist.

Dienstag, 26. März 2013

Vulkan - Bebensturm hält an

NEWS:
18.39 Uhr - es ist jetzt zu beobachten , daß die Beben etwas flacher werden. Wir hatten vorhin einen ML2,2 Erdstoß aus 8 km, einen ML2,6 aus 12 km und nun ein ML3,3 Beben aus 14 km Tiefe.

14.45 Uhr - heute bisher 99 registrierte Beben. Die Stärke hat jedoch abgenommen. Der stärkste Erdstoß um 11.13 Uhr mit ML3,4 aus 14 km Tiefe. Die Ausgangslage und Bandbreite der Beben liegt zwischen 9 und 26 km Tiefe, mit Schwerpunkt um die 14 km.
Fast schon dramatisch hat die Verformung der Inseloberfläche zu genommen. Am Messpunkt Leuchtturm Orchilla im Westen in den letzten Tagen um 11 cm, Golfo-West und Tacoron im Süden um 6 cm.
Heute Vormittag hat die Pevolca(Krisenstab), erstmals gemeinsam mit der Involcan, die Lage erörtert. Es besteht im Moment für die Menschen auf El Hierro keine Gefahr, da das Phänomen 10 Kilometer vor der Küste liegt (wörtlich).
Allerdings wird auch nicht ausgeschlossen, daß es in den nächsten Tagen wieder Beben um die ML4,0 geben kann. Die Warnampel bleibt auf "Grün".


Die Beben halten auch heute Morgen weiter an. Es waren in der vergangenen Nacht Beben zwischen ML2,3 und 3,8. Für die Bewohner sicher eine unruhige Nacht, auch wenn die lang andauernden Bebenphasen wie gestern Nachmittag mit dem ML4,1 Bebenschwall,  ausblieben. Wer sich über die Stärke von Beben einlesen möchte, geht oben auf die Seite "Forschungsberichte". Die Ausgangstiefe der Erdstöße lag zwischen 13 und 17 km. Auch waren einige flachere Beben aus 11 km Tiefe zu verzeichnen.
Das Epizentrum hat sich nur unwesentlich geändert und dürfte so ungefähr 7 bis 10 Kilometer vor der Westküste liegen. Dort beträgt die Meerestiefe 1500 bis 2000 Meter. Dies hat aber nur sekundäre Bedeutung, da die Magmaaktivität noch viel zu tief liegt und dort nach jetzigem Sachstand keine Eruption zu befürchten ist. Dazu verweise ich auch auf meine Erläuterungen von gestern.
 
Es war bisher der bebenreichste Tag. Die IGN listet 277 Erdstöße auf (Grafik). In Wirklichkeit war es aber ein Vielfaches davon, da viele Kleinbeben zahlenmässig nicht erfassbar waren. Mit 46 Beben über ML3,0 dürfte auch ein neuer Rekord überhaupt auf El Hierro aufgestellt worden sein. Ich kann mich nicht erinnern an einem Tag so viele stärkere Beben erlebt zu haben.

Die Roman Margalef hat, wie Dr. Luis Miguel Fernandez Salas vom Centro Oceanografico de Cadiz mitteilte, gestern um die Mittagsstunden ihre bathymetrischen Messungen am Eldiscreto I abgebrochen und ist auf Spurensuche im Golf unterwegs gewesen. Bisher ohne Ergebnis.

Montag, 25. März 2013

Vulkan - Wiedererwachen des Eldiscreto?

NEWS:
21.20 Uhr - das war der nächste Bebenschwall um 20.55 Uhr mit ML3,8 in 13 km Tiefe und einer Dauer von ca. 17 Minuten.
19.15 Uhr - jetzt hören wir auch die ersten Worte vom Cabildo El Hierro. Ruhe und Besonnenheit sei das Gebot der Stunde, so die Sicherheitsbeauftragte Maria del Carmen Morales. Alles werde überwacht. Es sei ein Prozess der 6 Monate, aber auch 10 Jahre dauern könne.
Morgen wird sich erstmals wieder auf Teneriffa der Krisenstab (Pevolca) treffen und die Sache beraten.
17.55 Uhr - die Beben haben sich beruhigt und liegen nur noch zwischen ML2,5 und 3,5. Es sieht im Moment wie eine Verschnaufpause aus. Nach den GPS Daten hat sich die Insel in den letzten Tagen nicht nur in die Höhe, sondern auch ca. 5 cm nach Osten fort bewegt.
15.40 Uhr - dieser Bebenschwall schwächt sich nun langsam ab. Es wird aber wahrscheinlich nicht das letzte Starkbeben gewesen sein. Gefährdet sind besonders die Steilhänge im Golfotal. Hier könnten Steine oder ganze Felsstücke abbrechen und herunter stürzen. Auch das Tunnel würde ich im Augenblick nicht benutzen.
15.20 Uhr - die Lage spitzt sich zu. Lang anhaltende Beben verursachen bei Sabinosa Steinschlag und Erdrutsche. Es ist im Moment nicht genau klar ob auch Tremor eingesetzt hat. Ich bleibe am Ball.

15.05 Uhr - die Bebenstärke nimmt zu. Um 14.41 Uhr ein ML4,1 Beben aus 16 km Tiefe im Westen. Selbst die Häuser auf der Ostseite (siehe Kommentare) kommen nun ins Schwanken.

14.10 Uhr - so und jetzt machen wir noch etwas Insel- und Tourismuswerbung. Beim NASA "Satellitenbild des Jahres 2012" hat es Eldiscreto unter die letzten 4 Fotos geschafft. Bitte hier für die nächste Runde VOTEN.

10.50 Uhr - Die Ramon Margalef kreuzt heute im Golfo. Auf der Webcam links war sie zu entdecken.
Die Involcan startet heute mit ihrer Kampagne von intensiven Gasmessungen. Auch die IGN hat auf der Insel ihr Personal verstärkt. Es ist eigentlich nun alles vorhanden, was für eine intensive Beobachtung gebraucht wird.
Fehlt eigentlich nur noch die Pevolca (Krisenstab). Aber die wird sich in den nächsten Tagen sicher auch noch einfinden.

Bedenklich nimmt die Oberflächenverformung zu. Ich habe hier den GPS Messpunkt HI05 (Leuchtturm) heraus gepickt. In nur wenigen Tagen hat sich die Erdoberfläche um fast 9 cm nach oben gewölbt. Die Grafik ist damit schon an ihrer oberen Begrenzungslinie angekommen. Es sind Messungen aus den vergangenen Tagen, da die Auswertung immer hinterher hinkt.
 
 



Die größte Überraschung war gestern Abend die Meldung, daß aus dem alten Eldiscreto im Süden wahrscheinlich verstärkt Gase ausdringen. Dies wurde von der Besatzung (Uni Las Palmas, Centro Oceanografico u.a.)  der Roman Margalef bei verschiedenen Messungen festgestellt. Auf dem Foto ist deutlich an der linken Kraterwand eine aufsteigende Fahne zu erkennen. Es wurden Proben genommen, die noch auf deren Zusammensetzung im Labor näher untersucht werden.


Ein erstes ML4,0 Beben erlebten wir heute Morgen um 5.57 Uhr in 16 km Tiefe vor der Westspitze. Es war bei der jetzigen Bebenepisode der bisher stärkste Erdstoß. Auch gestern 159 von der IGN registrierte Beben. 7 Erdstöße lagen über ML3,0.
Und so geht es auch heute Morgen weiter. Die Aktivität hat sich weiter verstärkt. Bisher 6 über ML3,0 registrierte Erdstöße.  Die Tiefe der Beben liegt bei 11 bis 22 km. Eine breite Palette die vermuten lässt, daß neue frische Magma nachrückt und die tiefen bei 20 km auftretenden Beben auslöst. Das Epizentrum liegt weiter ca. 5 km vor der Westküste (IGN Karte braune Punkte).

Für Alle die El Hierro nicht näher kennen, möchte ich die örtliche Situation etwas erklären. Auf der Karte (Open Sea Map-Danke nach Flensburg) sehen wir, einem Stiefel ähnlich, den äußersten Westteil. Er ist unbewohnt und relativ karg. Trotzdem hat er für die Herrenos eine besondere Bedeutung. In diesem Bereich befinden sich die letzten Sabinares. Ein altes Urwaldgewächs, eine Art Zeder-Wacholder, sehr selten und unter Naturschutz - und im südlichen Teil das Inselheiligtum die Virgen de los Reyes. Die hochverehrte Madonna in ihrer kleinen Kapelle. An der südlichen Spitze den Leuchtturm mit dem alten 0-Meridian. Ansonsten ist dieser Bereich menschenleer.
 
Die nächste Besiedlung finden wir im nördlichen Golfoeingang mit Pozo de la Salud (kleines Heilbad mit Kurhaus und einigen Häusern) und im Hang klebend den Ort Sabinosa (rote Straße).
In diesem landschaftlich sehr reizvollen Gebiet soll 1793 der Negro II ausgebrochen sein. Darüber gibt es aber keine großen Aufzeichnungen.
 
Wenn schon ein Vulkan auf El Hierro ausbrechen muß, dann hier vor der Küste.
Allerdings lehrt die Vergangenheit, daß nicht unbedingt dort wo die meisten Beben registriert werden, sich auch der Schlund öffnet.
Erinnern wir uns an die starken Beben 2011 im Golfo. Die Eruption fand dann aber einige Kilometer weiter im Süden bei La Restinga statt. Die Magma wird sich immer den leichtesten Aufstiegsweg suchen ... und so wird es auch das nächste Mal sein.

Sonntag, 24. März 2013

Vulkan - ein lebhafter Samstag

NEWS:
19.06 Uhr - das Forschungsschiff Ramon Margalef entdeckt am Eldiscreto I im Süden eine aktive Stelle mit vermutlichem Gasaustritt. Näheres wird noch untersucht.

17.09 Uhr - die Beben nehmen wieder zu. Um 16.51 Uhr ein ML3,5  Erdstoß in 16 km Tiefe - und die IGN wird immer schneller. In 18 Minuten schon das Ergebnis.
Und noch ein kräftiger Nachschlag um 16.57 Uhr mit ML3,6 in 20 km Tiefe. (das hat jetzt aber auch 60 Minuten gedauert).

17.00 Uhr - und was macht die Ramon Margalef. Sie führt heute Untersuchungen an der alten Eldiscreto Eruptionsstelle durch. Carlos war so nett und hat den Routenverlauf aufgezeichnet (zum Vergrößern anklicken). Im Westen gibt es noch nichts zu beobachten. Die Beben sind noch zu tief.

16.13 Uhr - Ein ML3,1 Beben um 14.53 Uhr in 16 km Tiefe im Westen.

13.20 Uhr - manches bewirkt eben Wunder. Um 11.00 Uhr ist jetzt erstmals auch die Inselzeitung Diario El Hierro auf die Beben eingegangen. "629 Erdbeben in einer Woche" so die Überschrift. Alles sei aber völlig normal und es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung.
Natürlich besteht im Moment keine Gefahr für die Bevölkerung - aber völlig NORMAL ist dieser Bebenschwarm selbst für den hartgesottenen und schon einiges gewohnten Herreno auch wieder nicht. Es ist und bleibt ein relativ seltenes Naturereignis mit aller Angst und vielleicht einem späteren Glück. Genauso hätte es eine andere Insel treffen können, jetzt ist es aber auf El Hierro der Fall .. und das interessiert halt viele Menschen (gestern hier im Blog allein fast 7000 Seitenaufrufe).

12.53 Uhr - die Beben halten unvermindert an. Die Tiefe liegt jetzt wieder zwischen 15 und 17 km. Die örtliche Lage ist wie gehabt.
9.52 Uhr - ein ML2,6 Beben um 8.52 Uhr in nur 3 km Tiefe vor der Westküste und um 9.40 Uhr einen ML3,2 Erdstoß in 15 km Tiefe.

Nach einem turbulenten Tag gestern, wollen wir zunächst einmal Bilanz ziehen. Das Epizentrum ist leicht nach Westen und Süden gewandert. Es liegt jetzt ca. 5 km vor der Westküste von El Hierro. Registriert wurden 170 Beben und davon 15 Erdstöße über ML3,0. Das stärkste Beben brachte es auf ML3,5. Die Ausgangstiefe hat sich nur unwesentlich geändert und liegt im Bereich von 12 bis 16 Kilometer. Einige ML3,0 Beben im 12 km Bereich dürften den am weitesten zur Erdoberfläche voran gekommenen Sektor - die Decke der Magmakammer - kennzeichnen.


Schauen wir auf die Tiefengrafik der Beben links. Der braune Bereich im Westen ist der neue Bebenschwall und mit dem Magmabereich gleich zusetzen. An der westlichsten Ecke ist die Magma am weitesten aufgestiegen (12 km). Hier scheinen aber harte Gesteinsschichten den Weiteraufstieg zu erschweren. Es ist nun vorstellbar, daß sie sich Richtung Zentrum der Kammer - Richtung Tanganasoga - horizontal vorarbeitet. Der Dom reicht bei Sabinosa bis 5 km unter die Inseloberfläche.

Der Druck im Innern der Kammer muß immens sein. In den letzten Tagen wurden GPS-Verformungswerte bis zu 4 cm vertikal an den Weststationen und im Golfo gemessen. Diese Daten sind nie aktuell und stammen von den Vortagen. Ein weiteres Ansteigen der Inseloberfläche ist zu erwarten.

Seit gestern ist die Ramon Margaleff mit einer Gruppe von Wissenschaftlern wieder vor der Küste (Danke an Carlos) in Aktion. Es ist ein seit langem geplanter Forschungseinsatz, der aber sicher aufgrund der aktuellen Ereignisse modifiziert wird. Mit ihren technischen Möglichkeiten kann das Forschungsschiff auch im Westen den Meeresgrund (dort über 1000 m tief) absuchen und evtl. Veränderungen aufspüren. Nicht, daß wieder eine Eruption wie im Sommer 2012 übersehen wird.


Merkwürdig ist nach wie vor die Informationspolitik der Insel und des Gobierno de Canarias. Keine offizielle Verlautbarung und auch keine Silbe in den örtlichen Medien. Inzwischen dürften allerdings die Erschütterungen bis ins letzte Haus gespürt worden sein.
Eine offene Informationspolitik hatte man sich 2011 für die Zukunft vorgenommen. Mich erinnert das jetzt aber mehr an ein Schweigegelübte. Für wen oder welchen Zweck das gut sein soll, bleibt dahin gestellt.
 
... und unvermindert geht es heute weiter. Bereits über 50 Beben bis ML3,0 in den vergangenen Stunden. Alles erinnert an den Vulkanauftakt im Herbst 2011. Damals lagen die Beben etwas weiter nördlich unter dem Golfobecken. Warten wir also ab und beobachten das Wirken der Natur weiter.