Dienstag, 19. März 2013

Vulkan - der erwartete Bebenschwall

NEWS:
19.15 Uhr - der Höhepunkt scheint überschritten. Die Beben nehmen sowohl in der Intensität als auch in der Anzahl ab. Die Nacht bleibt jetzt einmal abzuwarten, ob sich dieser Trend bestätigt.

17.30 Uhr
Die Beben verlagern sich weiter zur Westspitze (rot).  Die Entstehungstiefe liegt zwischen 17 und 18 km. Der Tremor hat nachgelassen. Heute offiziell bereits 96 Beben, davon fast alle über ML2,0 und vier Erdstöße mit einer Größe von ML3,0 und mehr. Es sieht so aus als würden die Beben weiter nach Süden wandern. Zur Zeit steht kein Forschungsschiff zur Verfügung, so daß der Rettungskreuzer Salvamar zur optischen Beobachtung der Meeresoberfläche im Mar de las Calmas und der Westspitze unterwegs ist.
 

 

In der Nacht ging die Bebenserie unvermindert weiter (IGN Grafik oben). Bis jetzt (6.51 Uhr) wurden von der IGN über 156 Erdstöße registriert. Die Beben lagen meist zwischen ML2,5 und als bisher stärkster Erdstoß bei ML3,1. Auf der AVCAN Karte (links) befindet sich das Epizentrum an der Golfo Westküste um Sabinosa. Die Ausgangstiefe hat sich im Moment auf eine Tiefe von 17 bis 18 km stabilisiert. Aufgrund der Dynamik der Aktivität ist davon auszugehen, daß große Mengen Magma aus tieferen Erdschichten in die Magmahauptkammer nachdringen. Diese nachrückende Masse braucht Platz und erweitert den Raum. Dabei entstehen diese Beben. Der Innendruck wird immer größer und hat auch schon an der Inseloberfläche zu einem weiteren Ausbeulen (Verformung) des westlichen Golfotales geführt. Genaue Messergebnisse liegen allerdings noch nicht vor.
Auch wenn einige Wissenschaftler aufgrund fehlender Signale noch von keinem Tremor sprechen, zeigt aber der Kurvenverlauf der Seismografen heute Morgen eindeutig die vorrückende Magma. Der Tremor entsteht, wenn Magma Gestein aufbricht und dabei kleine Mikro- Zitterbewegungen verursacht.
Es ist im Augenblick noch nicht zu sagen, ob es die Magma und die Gase an die Oberfläche schaffen. Bei einer Fortdauer dieser heftigen Aktivität ist es aber nicht mehr auszuschließen.
Zu beobachten bleibt die Entstehungstiefe der Erdstöße. Ab 5 bis 8 km Tiefe wird es aber immer wahrscheinlicher.
Das Aktivitätsfeld kann sich bei flacheren Beben durchaus weiter nach Süden verschieben.
Die letzte derart starke Bebenaktivität hatten wir im Oktober/November 2011, die dann zum Ausbruch des Eldiscreto geführt hat.
Die IGN Seiten sind heute wegen Überlastung nur schwer zu erreichen. Von offiziellen Stellen herrscht noch Schweigen. Die Emergencia Seite des Cabildo von El Hierro ist nicht am Netz. Umfassende und schnelle Information eben.
 

Die Bebenauflistung der vergangenen Stunden. Es bleibt jetzt heute genau zu beobachten wie sich die Situation weiter entwickelt. Auch wäre es wünschenswert, daß die 2. Eruptionsstelle vom Juni/Juli 2012 an der Westspitze der Insel genau beobachtet wird. Genau hier liegt im Moment das Epizentrum. Eine erhöhte Gasemission dürfte jetzt noch nicht messbar sein, dafür liegen die Beben noch zu tief. Es bleibt also weiter spannend.

Montag, 18. März 2013

Vulkan - Beginn einer neuen Bebenserie ?

NEWS:
22.40 Uhr - die Beben halten weiter an. Um 21.15 Uhr das letzte ML3,0 Beben in 16 km Tiefe. Die durchschnittliche Ausgangstiefe liegt bei 15 bis 17 km. Auch die GPS-Verformungswerte der Golfo Oberfläche am Messpunkt Frontera hat nach den letzten Messwerten 12 cm vertikal überschritten.
20.20 Uhr - jetzt haben wir auch von der IGN eine erste Übersicht über die Lage und Verteilung der Beben.

Die ML3,0 und mehr Beben wurden wie zu erfahren auf der Insel nicht gespürt. Die Stärke der Beben hat im Augenblick etwas abgenommen. Offiziell wurden bis 18.00 Uhr bisher 76 Beben registriert.

19.50 Uhr - es erfolgen nun die erwartet stärkeren Beben - 17.39 Uhr ML3,1 in 18 km Tiefe und um 18.07 Uhr ML3,0 in 19 km Tiefe - beide im westlichen Golfo
18.15 Uhr - wie die Involcan soeben mitteilt, halten Vulkanologen der Universität Berkley, Kalifornien die starken Bewegungen auf den Seismografen nicht für einen Tremor, da die typischen Signale fehlen. Es soll sich um ein anderes Phänomen handeln, das wir in den letzten Stunden erleben.
Die Beben kommen der Erdoberfläche näher und liegen jetzt im Mittel bei 15 bis 18 km Tiefe.



17.35 Uhr - jetzt haben wir das erste ML2,8 Beben um 16.39 Uhr in 19 km Tiefe an der Küste bei Sabinosa im Golfo.

Auf der AVCAN Karte sind die ersten 30 Beben über ML2,0 markiert. Schwerpunkt ist der westliche Golfo vor Sabinosa. Es gibt Parallelen zum Bebenauftakt 2011 die ebenfalls im Golfo in 20 km Tiefe begonnen hatten.







16.50 Uhr - es dürften seit 14.25 Uhr bis jetzt fast 100 Beben mit mehr als ML2,0 gewesen sein. Der stärkste Erdstoß lag bisher bei ML2,6 allerdings sind die meisten jüngeren Beben die nach der Aufzeichnung stärker waren, noch nicht ausgewertet.

15.50 Uhr - der Tremor verstärkt sich - nur noch die stärkeren Beben sind zu erfassen.
So wie es aussieht dringt neue Magma in die Hauptkammer ein. Viele Beben liegen in 18 bis 23 km Tiefe. Nun auch Beben im Süden westlich der Eldiscreto Eruptionsstelle in noch großer Tiefe. Das Ganze kam nicht überraschend. Alle Anzeichen deuteten bereits in der vergangenen Nacht auf eine Reaktivierung hin.

15.20 Uhr - die Zahl und Stärke der Beben nimmt zu. Ein ML2,6 Erdstoß um 14.29 Uhr.

15.08 Uhr - seit 14.26 Uhr hat ein starker Tremor eingesetzt (siehe Aufzeichnung). Es gab ein ML1,9 und ML2,0 Beben in 19 bzw. 22 km Tiefe vor der Golfoküste um 14.26 und 14.27 Uhr. Das Zentrum liegt ungefähr 2 bis 3 km vor der Küste im Meer.
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Seit 19.49 Uhr gestern Abend erfolgten bis jetzt 8 Beben. Die Erdstöße haben eine Stärke bis zu ML2,0 (IGN Listung oben). Das Zentrum liegt um den Tanganasoga in 11 bis 15 km Tiefe. Ob es der Beginn einer neuen Bebenserie ist, wird sich im Laufe des Tages noch zeigen. Der alte Vulkanberg Tanganasoga liegt ungefähr über der Mitte der vermuteten Magmahauptkammer. Im näheren Umfeld beim Ort Sabinosa reichen die Magmaausläufer bis auf 5 km unter die Erdoberfläche. Dies lassen die Beben der vergangenen Monate aus diesem Tiefenbereich vermuten.
 
Wollen wir hoffen, daß die IGN nicht wie angekündigt heute ihre Datenveröffentlichung zu El Hierro einstellt. Die entsprechende Ankündigung auf der IGN Seite ist seit heute nicht mehr zu finden. Es wäre auch kontraproduktiv und nicht mit der Informationspflicht eines öffentlichen Institut vereinbar, jetzt bei einem erneuten Aufflammen der Aktivität, die Bevölkerung im Regen stehen zu lassen.   

Sonntag, 17. März 2013

Vulkan - Beben bei Teneriffa

NEWS:
Heute etwas später. Ich hatte noch ein Kreuzfahrtschiff abzufertigen.  Während es unter El Hierro ruhig blieb, gab es heute um 11.37 Uhr nördlich von Teneriffa ein ML3,8 Beben. Die Ausgangstiefe wurde von der IGN für 51 km errechnet. Es reiht sich in die alle in großer Tiefe schon in der Vergangenheit aufgezeichneten Erdstöße. Wissenschaftler vermuten auf der Linie El Hierro Richtung Fuerteventura bis nach Westafrika einen Magmakanal der im Atlasgebirge in Marokko enden könnte.
Deutsche Geologen von Geomar in Potsdam hatten vor Jahren diese These aufgestellt. Vergleichende Gesteinsproben von den Kanarischen Inseln und dem Atlas Gebirge hatten im wesentlichen die gleiche mineralische Zusammensetzung. Nach den Vermutungen der Wissenschaftler müssten sie daher auch aus der selben Quelle unter den Inseln stammen.

Samstag, 16. März 2013

Vulkan - wieder messbare Aktivitäten

NEWS:

Auch nach Tagen der scheinbaren Ruhe gab es von gestern Nachmittag über die Nacht 7 neue Beben. Leichte Erdstöße die nicht wahrnehmbar waren zwischen ML0,7 bis ML1,9. Das Zentrum lag im Golfo mit Schwerpunkt Tanganasoga - Sabinosa im südwestlichen Bereich. Die Ausgangstiefe bei 11 bis 13 km. In diesem Sektor hatten wir in der Vergangenheit bereits Beben aus nur 5 km Tiefe gemessen.
 

.Hier die Tiefengrafik mit der Magmahauptkammer in ca. 20 Kilometer Tiefe und die sich darüber gebildete Blase. Aus diesem Bereich stammen die letzten Erdstöße und sind rosa gekennzeichnet.
Man darf sich das so vorstellen, daß ein dauernder Magmastrom im Innern der Blase zirkuliert. Über 1200° heiße Magma steigt auf, erkaltet und bildet teilweise wieder festes Gestein und sinkt ab. Auch an den Rändern und der Decke der Blase wird neues Gestein durch die Hitze aufgeschmolzen. Diese Vorgänge erzeugen Erschütterungen, die als Beben messbar werden. Dieser Kreislauf wiederholt sich beständig.
Kommt nun neuer Magmanachschub aus 20 und mehr Kilometer hinzu, erhöht sich die Masse und der Druck. Die Blase wird sich horizontal und vertikal weiter ausdehnen und die darüber liegenden Gesteinsschichten in die Höhe drücken. Das ist dann unsere mit GPS messbare Oberflächenverformung.
 
Das Ganze ist ein Modell, das auf Grundlage der in den letzten Jahren vorgenommenen Messungen diese dargestellte Form ergibt. Ob die Vorgänge tatsächlich so funktioniert ist zu vermuten, aber keine Gewissheit.


Links die IGN-Auflistung der in den letzten Stunden gemessenen Beben.


Freitag, 15. März 2013

Vulkan - Zukunftsvision

NEWS:
16.21 Uhr - um 14.54 Uhr ein Beben von ML1,8 in 12 km Tiefe im Golfo. Kurz darauf ein weiterer Erdstoß - Daten noch unbekannt.
18.35 Uhr - das weitere Beben um 15.04 Uhr hatte ML1,9 in gleicher Tiefe und fast gleicher Stelle bei Sabinosa im Golfo

Keine weitere Aktivität. Auch in der vergangenen Nacht blieb es ruhig ohne neue Erdstöße. Wenn wir uns die bisherige Bilanz (links) des Monat März 2013 anschauen, ist kaum ein Tag mit wenigstens einem kleinen Beben vergangenen. Es ist wie ein dahin siedender Kochtopf der hin und wieder eine Luftblase nach oben schickt und eine Aufwallung oder in unserem Falle eine Erschütterung auslöst.
 
Oft werde ich gefragt, wie es denn nun unter El Hierro weiter geht. Das kann ich natürlich genauso wenig wie ein Vulkanologe beantworten.
 
Es bleibt festzustellen, daß der Vulkan aktiv - sogar sehr aktiv ist. Von einem Einschlafen oder gar Erlöschen kann nach meiner Meinung zumindest im Moment nicht gesprochen werden. Ungewöhnlich für Kanarische Verhältnisse ist die lange Zeitdauer. In den vergangenen Jahrhunderten waren alle Vulkanaktivitäten innerhalb von 3 Monaten abgeschlossen. Eine Ausnahme bildete nur der Vulkan im Timanfaya Gebiet auf Lanzarote. Hier hat der Spuk ganze 6 Jahre an gedauert.
 
Es sind Naturvorgänge über die wir noch relativ wenig wissen. Auch wenn die Vulkanologie oder die Geologie in den vergangenen Jahrzehnten vieles neu entdeckt hat und heute auch einiges Interpretieren kann, bleibt noch sehr viel zu erforschen.
 
Wir können heute die Flugbahn eines Kometen oder Asteroiden auf Jahre im voraus berechnen, uns ist es gelungen Gene zu manipulieren und wir wissen wie es auf dem Mars aussieht. Dinge die wir durch das Mikroskop, mit dem Teleskop oder mit dem Marsroboter direkt beobachten können. Das optische Sinnesorgan eröffnet hier die Möglichkeit, den Gegenstand zu sehen, wahrzunehmen und Rückschlüsse zu ziehen.
 
In unsere Mutter Erde sind wir jedoch erst bis auf eine Tiefe von 12 Kilometer optisch blind durch Bohrungen vorgedrungen. Bei einer Tiefe von rund 6000 km bis zum Mittelpunkt unseres Planeten bleibt da noch eine lange Entdeckungsstrecke.
 
Vergleichbar mit einem Apfel wurde bisher erst dessen Schale angekratzt. Erst wenn es möglich ist, mit bemannten oder unbemannten Fahrzeugen oder Robotern tiefer oder gar bis zum Erdmittelpunkt vorzudringen, werden wir die geologischen und vulkanischen Vorgänge richtig verstehen lernen. Dann ist vielleicht auch eine Vorhersage oder genaue Berechnung einer Vulkaneruption möglich.
 
In meiner Jugendzeit habe ich gerne Science Fiktion Romane gelesen. Jules Verne und andere Visionäre haben die Reise zu anderen Planeten und durch den Raum beschrieben. Damals alles Fantasie - heute vieles tatsächlich möglich.
 
Auch das Vordringen mit einem Fahrzeug in unsere Erde durch Aufschmelzen von Gestein oder der Spielfilm "Reise zum Mittelpunkt der Erde" haben sehr fantasievoll diese Möglichkeit ausgemalt. Sicher wird auch diese Vorstellung eines Tages technisch machbar sein. 
 
Visionäre braucht die Welt. Ein noch reiches Betätigungsfeld für unsere Vulkanologen und Geologen.
 
Natürlich stellt man sich auch die Frage: Muss das denn alles sein?  Lasst die Natur machen und versucht nicht ihr ins Handwerk zu pfuschen.
 
Die Gene des Menschen - so glaube ich, lassen überhaupt dieser Rasse keine andere Möglichkeit übrig, als zu erforschen und immer weiter Neues zu entdecken. Ob positiv oder wie in einigen Fällen auch mit negativem Ausgang.