Dienstag, 1. Mai 2012

El Hierro Vulkan - Experten Bericht

NEWS:
Ein neues Beben an der Westspitze des Golfotales.
Um 1.28 Uhr in der Nacht des 1. Mai mit ML1,6 in 18 km Tiefe. Bereits das zweite Beben innerhalb weniger Tage an dieser ungewöhnlichen Stelle vor der Inselspitze. Lagen bisher alle Erdstöße im Golfokessel bzw. Richtung Süden, so hat sich bereits am 28.4. an der Westspitze ein Erdstoß in nur 1,3 km Tiefe ereignet. Bleibt zu beobachten ob es nur ein Zufall oder der Auftakt für weitere Beben sein wird. Nach meiner Einschätzung liegt das Ausgangszentrum am westlichen Rand oder sogar außerhalb der vermuteten Magmahauptkammer unter dem Golfo.
Die 4. Mission der Atlantic Explorer geht zu Ende. Wie zu hören ist, treten in Intervallen noch große Gasmengen und auch Aschepartikel aus dem Eldiscretoschlund aus. Die grüne Meeresverfärbung wird durch Stickstoffoxide verursacht. Schwefel ist in den Gasen kaum noch vorhanden. Der Ph-Wert des umgebenden Meereswasser liegt am Morgen bei 7,0 und am Nachmittag bei 7,5 Ph und wird durch das CO² Gas verursacht. Der Normalwert des Atlantikwasser liegt bei 8,2 Ph. Das Kohlendioxid (CO²) ruft die aufsteigenden Gasblasen hervor, die auch bei den Sonarmessungen als hervorquellende Wolke zu erkennen waren. Durch den hohen CO² Gehalt wird Sauerstoff verdrängt, was in einem Radius von 20 bis 30 m um die Eruptionstelle das Sterben der Jungfische auslöst.
Jetzt liegt auch das Untersuchungsergebnis einer internationalen Expertengruppe von Wissenschaftlern vor, die gemeinsam ihre Einschätzung zum Eldiscreto Ausbruch zu Papier gebracht haben. Bekannte Vulkanologen wie Dr. I.C. Carracedo von der Uni Las Palmas oder Dr. Ulrich Küppers von der Experimental & Physical Volcanology der Uni München - der mir freundlicherweise dieses Dokument zur Verfügung gestellt hat - haben daran mitgewirkt. Zum Vergrößern bitte Bild anklicken.


Nach der Grafik liegt die Magmakammer die den Eldiscreto im Süden speist in einer Tiefe von 7 bis 8 km. Direkt unter einer 1 - 2 km dicken Sedimentschicht aus alten Ablagerungen. Diese Sedimentschicht wir durch die extreme Hitze aufgeschmolzen und es lösen sich Sedimentbrocken, die als "Restingolitas" bekannt wurden. Der Magmanachschub selbst kommt aus dem Erdmantel der 15 km und tiefer liegt. Über einen eng begrenzten Magmakanal steigt die flüssige Magma zur Erdoberfläche und tritt am Meeresboden vor La Restinga aus. Auch die Zusammensetzung der "Restingolitas" wurden näher untersucht. Darauf werde ich Morgen näher eingehen.

Montag, 30. April 2012

El Hierro Vulkan - Spektakuläre Lavaformationen

NEWS: 17.09 Uhr - Beben nördlich von Lanzarote mit ML2,3
Tesoros ocultos bajo el mar - Verborgene Schätze im Meer. So tituliert die Diario de Avisos einen Bericht zu einem spektakulären Fund einer Lavaformation vor der Küste von Teneriffa. Francis Perez entdeckte bei einem Tauchgang bei Santa Ursula, nördlich von Puerto de la Cruz, diese außergewöhnlichen basaltischen Lavaberge mit einer Höhe von 30 m. Die Involcan schätzt das Alter auf 500.000 bis eine Million Jahre. Diese natürliche Schönheit und der Seltenheitswert dieser Unterwasser Aufnahmen war Anlass für das National Geographic- Magazin die Fotos zu veröffentlichen. Nach Meinung des wissenschaftlichen Berater des Instituto Volcanológico de Canarias, Juan Jesus Coello gibt es um die Kanaren "noch weitere derartige Lavaformationen".

Die Geheimnisse auf dem Meeresgrund direkt vor unserer Haustüre bergen noch große Überraschungen und sind kaum erforscht. Aufgrund der zur Zeit noch beschränkten technischen Möglichkeiten und Mittel ist jeder neue Vorstoß und jeder hinzu gewonnene Tiefenmeter wie ein Schritt in eine neue Welt. Gerade die Kanarischen Inseln haben aufgrund ihrer steilabfallenden Küsten bis in eine Tiefe von 3500 m logistisch die besten Voraussetzungen für eine Tiefenforschung des Meeresuntergrundes. Es wäre zu wünschen, daß gerade diesem Wissenschaftszweig in Zukunft mehr Beachtung und Finanzbudget zugedacht wird. Die Kanaren könnten sich so als Standort und zukünftiges Zentrum für die Meeresforschung damit etablieren und empfehlen. Diese Idee wäre sicher einen Gedanken wert.

Der Eldiscreto vor La Restinga kommt einfach nicht zur Ruhe. Auch am Sonntag gab es um 21.53 Uhr ein Beben von ML1,3 in 13 km Tiefe. Ebenso heute Nacht um 00.06 Uhr ein weiterer schwacher Erdstoß.

Zu den wirtschaftlichen Einbussen durch die Vulkanaktivität kommen jetzt auf die Bewohner von El Hierro noch ganz andere Dinge angeschwappt. Die gesamtspanische Wirtschaftskrise fordert ihr Tribut. Es kommen empfindliche Steuererhöhungen und Einschränkungen auf die Inselbewohner zu. Die Einzelheiten entnehmen Sie bitte aus meinem Wirtschafts-Blog.

Sonntag, 29. April 2012

El Hierro Vulkan - Eldiscreto ist noch sehr lebendig

NEWS:
Gestern gab es wieder zwei Erdbeben. Das erste Beben um 8.16 Uhr mit ML1,4 in 15 km Tiefe im Süden und ein weiteres um 21.32 Uhr mit ML1,0 in nur 1,3 km Tiefe an der Westspitze im Golfo.
Die ersten Sonaraufnahmen der ULPGC und SOS Oceanos von Bord des Forschungs- schiffes Atlantic Explorer zeigen erstaunliches. Der Eldiscreto ist noch sehr lebendig. Die Aufnahme zeigt den Vulkankegel und darüber eine große Wolke von austretendem Gas und weiteren Partikeln, die von der Meeresströmung verteilt werden. Auf der Meeresoberfläche war in den letzten Tagen von Land aus, keine Verfärbung mehr zu erkennen. Die Besatzung des Forschungsschiffes berichtet jedoch, daß über der Eruptionsstelle deutlich eine grüne Verfärbung zu erkennen sei. Auch würden tote Fische in der Größenordnung von bis zu 10 cm zur Meeresoberfläche hoch getrieben. Heute bzw. in den nächsten Tagen soll der Unterwasser-Roboter (ROV) wieder eingesetzt werden, um reale Bilder von der momentanen Aktivität und den Auswürfen des Eldiscreto zu bekommen. Erst dann kann die Situation richtig eingeschätzt werden.

Auch in den vergangenen Monaten war es ja oft so, daß erst durch Luftaufnahmen aus dem Hubschrauber die genauen Ausmaße der Meeresverfärbung zu erkennen waren. Seit der offiziellen Beerdigung des Vulkan im März 2012 wird kein Helikopter mehr eingesetzt.

Samstag, 28. April 2012

El Hierro Vulkan - Atlantic Explorer im Einsatz

NEWS:
Die Atlantic Explorer der Uni Las Palmas (ULPGC) ist seit gestern vor La Restinga wieder im Einsatz. Das Forschungsschiff (Bild jcasvivero) das die ersten Eldiscreto Unterwasser- aufnahmen geliefert hatte. Es startet im Rahmen der 4. Kampagne "Guayota" zu einer neuen Mission. Vielleicht bringt es uns diesmal mit dem Unterwasser ROV direkte Aufnahmen aus dem Vulkanschlot.
Weitere seismische Bewegungen waren am Freitag nicht zu verzeichnen. Auch die Meeresoberfläche zeigte keine Verfärbungen oder aufsteigende Gasblasen.

Wenn Käsekuchen glücklich macht - eine Reise auf die Kanaren
Ein Bericht von Oliver Lück in DerWesten mit Fotos von mir:

Während der Siesta gleichen die Straßen von Valverde auf den Kanaren einer Geisterstadt. Nur bei Bäckerin Marisol Gutiérrez wird trotzdem gearbeitet: Täglich bäckt sie kleine Käsekuchen nach traditionellem Rezept. Denn die gut 10.000 Inselbewohner sind verrückt nach ihrer Spezialität.
Kein Auto fährt, niemand ist unterwegs, kein Geschäft hat geöffnet. Wenn man um drei Uhr am Nachmittag durch die Straßen von Valverde geht, kann es passieren, dass man ganz alleine ist. Jetzt schläft El Hierros Hauptstadt, die mit ihren 1700 Einwohnern eigentlich keine richtige Stadt ist. Es ist so ruhig, dass man seine eigenen Schritte hört. Denn zwischen halb drei und fünf ist Siesta – und die Siesta ist heilig.
Einzig in einem cremefarbenen Haus wird gearbeitet. Draußen hört man es durch die geöffneten Fenster schaben und kratzen. Der Duft von frisch Gebackenem zieht auf die Straße. Wenn der Wind günstig steht und vom Meer eine leichte Brise hinauf weht, erfüllt der Wohlgeruch den halben Ort, der sich mit seinen Hangterrassen, Äckern und winzigen Häusern auf 600 Metern über dem Atlantik an den Berg schmiegt.
Es ist ein süßlicher Duft mit einer leicht rauchigen Note. Es ist ein Duft, wie es ihn nur auf El Hierro gibt, der kleinsten der Kanarischen Inseln. Über dem Eingang des Hauses steht in großen, schwarzen Buchstaben: „Fabrica de Quesadillas“ – Käsekuchen-Fabrik.

Ein 100 Jahre altes Rezept

„Wir haben keine Zeit für Siesta“, sagt Marisol Gutiérrez, die Chefin, „sonst kommen wir mit der Produktion nicht nach.“ Die 69-Jährige steht vor der Tür ihrer Fabrik, die eigentlich keine richtige Fabrik ist. Doch auf El Hierro ist alles etwas kleiner und überschaubarer, also passt das mit der Fabrik schon ganz gut: Vier Angestellte backen rund 2500 Küchlein die Woche. Weiterlesen in Der Westen .
Auch die Quesadillas und artverwandtes Gebäck habe ich mit meiner Familie in den vergangenen Jahren öfter getestet. Der Inhalt schmeckt wie ein etwas festerer Käsekuchen mit kräftigem Limonengeschmack. Nicht ganz so saftig, das gibt die kleine Kuchenform wahrscheinlich nicht her, wie man es von einem guten Käsekuchen gewohnt ist. Aber lecker...
Inzwischen gibt es neben der Original Bäckerei in Valverde auch noch eine Bäckerei in Frontera, die ein ähnliches "Queso de Almendra" herstellt. Die Quesadillas von El Hierro werden auch auf den Märkten der Nachbarinseln angeboten.

Freitag, 27. April 2012

El Hierro Vulkan - auf dem Boden der Tatsachen

NEWS:
Nicht nur auf El Hierro, sondern weltweit sind Vulkane aktiv. Zur Zeit sind allerdings besonders viele Aktivitäten zu beobachten. Die Weltkarte der Volcano Discovery zeigt die Schwerpunkte, die sich vor allem an den Plattengrenzen konzentrieren. Auch El Hierro ist noch gelb eingezeichnet.
Gestern gab es wieder zwei kleine Beben:

09.00 Uhr mit ML1.10 in 18 km Tiefe und
13.00 Uhr mit ML0,9  in 14 km Tiefe
Beide Erdstöße im Süden unter dem Eldiscreto.

Jetzt gibt es doch wieder eine Webcam die über die Seite der Gleitschirmflieger Clubguelillas zu erreichen ist. Sie dürfte auf dem Rathaus von La Frontera montiert sein und zeigt den Blick über den kleinen Busbahnhof, Tigaday auf das Meer im Golfotal. Im Moment wolkig und nicht gerade das ideale Gleitschirmwetter, aber es soll sich ändern.
Bei den Vorbereitungen zum 18. Gleitschirm-Festival gab es am Donnerstag einen Unfall. Ein Paraglider stürzte ab und der Pilot zog sich schwere Rückenverletzungen zu. Er mußte mit dem Rettungshubschrauber in die Uniklinik nach Gran Canaria ausgeflogen werden.

Unmut unter der Bevölkerung bringen neue Kürzungen im Transitverkehr der Fred Olsen Fähren. Einige Verbindungen von El Hierro nach Teneriffa sollen ab Mai wegfallen, bzw. nur bei Bedarf über La Gomera ausgeführt werden.
Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten verständlich. Beide Fährbetriebe - Fred Olsen und Naviera Armas - sind auf ihren Schiffen nur zu einem Bruchteil ausgelastet. Also ein Minusgeschäft, das in der Vergangenheit nur über staatliche Subventionen aufrecht erhalten werden konnte.
Diese Subventionen sind als Folge der "Crisis" und einem drastischen Sparprogramm weggefallen.
Alle Kanarischen Inseln haben in den vergangenen Jahren auf viel zu großem Fuß gelebt und es als selbstverständlich erachtet auch in Zukunft über fremde Mittel in beträchtlichem Ausmaß weiter zu verfügen. Die Realität schlägt nun aber zu. Eine verfehlte Politik in Madrid, auf den Kanaren und auch in Valverde rächt sich nun. Etwas mehr Weitsicht in eine sparsamere Haushaltsplanung hätten die Folgen zumindest etwas abgemildert. Der Bürger hat von dieser Politik mit partizipiert oder sie zumindest toleriert und wird nun dafür auch zahlen und Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.