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Dienstag, 23. Oktober 2012

El Hierro Vulkan - gestern kein Beben

NEWS:

Nach langer Zeit wieder einmal ein Tag ohne Beben. Die in der IGN Seismografen Aufzeichnung vorhandenen Balken waren technische Störungen. Seit 19. Juli 2011 wurden bisher 13.428 Erdstöße registriert. Meist viele schwache und für den Menschen nicht spürbare Beben.
Ein Gerichtsurteil sorgt vor allem unter den Wissenschaftlern in Italien für Gesprächsstoff.

Gericht verurteilt Krisenstab wegen Verharmlosung zu langjährigen Haftstrafen


Erdbeben in Italien: Ein Gericht hat sechs Geologen bzw. Vulkanologen und einen leitenden Behördenvertreter zu langen Haftstrafen verurteilt. Sie sollen das Erdbebenrisiko in der Abruzzenstadt L'Aquila verharmlost haben.
Alle Angeklagten bekamen jeweils eine sechsjährige Haftstrafe.

Was war vorgefallen? Alle Angeklagten waren Mitglied einer sogenannten Risikokommission - auf deutsch einem Krisenstab - der sich um das Management und die Sicherheit der Bewohner im erdbebengefährdeten Gebiet um LÀquila in Italien zu kümmern hatte.
Seit Wochen gab es bereits im März 2009 leichte Erdstöße. Noch 6 Tage vor der Katastrophe erklärte der Krisenstab - alles sei Normal und keine starken Erdbeben zu erwarten.

Am 6. April 2009 erschütterte ein ML6,3 Beben das Gebiet um L`Aquila. 309 Menschen wurden getötet und Tausende verletzt. Fast 80.000 Bewohner wurden obdachlos. Bild das Rathaus von L`Aquila (Quelle Wikipedia)

Nach Meinung der italienischen Staatsanwaltschaft, hat der Krisenstab die Gefahr verharmlost. Das Gericht folgte diesem Antrag und verhängte sogar ein noch höheres Strafmaß als die geforderten vier Jahre Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Es zeigt aber, daß in Italien auch öffentliche Organe wie hier der Krisenstab für Fehlentscheidungen bzw. unterlassene Warnungen mit Todesfolgen strafrechtlich belangt werden können. Auch wenn nach allen wissenschaftlichen Methoden ein Starkbeben nicht mit Gewissheit sicher vorhergesagt werden kann, erfordert es die Sorgfaltspflicht zum Schutze der Bewohner auch vorsorglich unpopuläre Massnahmen zu ergreifen und rechtzeitig zu warnen.
Auch Nachzulesen unter Gericht verurteilt Erdbebenforscher zu langen Haftstrafen im Spiegel- Online.
Es nimmt also erstmals auch Wissenschaftler in die Pflicht für Schäden zu haften. Ich kenne jetzt die Struktur und den Haftungsaufbau eines italienischen Krisenstab nicht so genau . In Deutschland besteht der Katastrophenstab aus einem Leiter, dem so genannten HVB (Hauptverwaltungsbeamten). Das ist in der Regel der Oberbürgermeister oder Landrat. Beigeordnet sind wissenschafliche oder technische Berater, meist Vertreter der Feuerwehr, THW oder des Roten Kreuzes. Bei Hochwasser- oder Bebengefahr auch Vertreter der Fachbehörden. Sie beraten den Leiter des Krisenstabes. Die alleinige Entscheidung und damit auch die Haftung für Folgen bleibt beim Leiter des Stabes.
Mir ist bisher in Deutschland kein Fall bekannt geworden, daß ein Gericht einen Krisenstab oder dessen Leiter wegen einer Fehlentscheidung oder unterlassener Warnung verurteilt hätte.

Sonntag, 30. Oktober 2011

El Hierro Vulkan - Krisenstab tagt

Wie bereits erwartet ereignete sich um 13.05 Uhr ein weiteres Beben mit 3,9 RSk. und um 15.23 Uhr von 3,2 RSk. Dazwischen mehrere kleinere Erdstöße. Inzwischen gehen auch die Wissenschaftler, noch nicht offiziell, von einer weiteren Eruption diesmal im Golfo aus. Wahrscheinlich sei ein Ausbruch im Küstenbereich, also im ufernahen Meer. Möglich sei aber auch ein Ausbruch in der Talebene. Kein Wissenschaftler möchte aber dem Krisenstab vorgreifen.
Der Krisenstab (PEVOLCA) tagt im Moment. Eine Entscheidung soll in Kürze fallen.
Zum Verstehen: Der Krisenstab ist ein politisches Instrument. Wissenschaftler sind nur beratende Mitglieder, also technische Gutachter. Entschieden wird von den Politikern. Das letzte Wort hat der Vorsitzende des Krisenstabes und das ist der Inselpräsident Sen. Armas.

Bleibt heute nur zu hoffen, daß die Gefahr erkannt wurde und nicht wieder eine wachsweiche Entscheidung dabei heraus kommt. Auch werden z. B. bei einer Alarmstufe "Rot" Finanzquellen in Madrid angezapft.


Die kumulierte Energiekurve spricht Bände. Die Tabelle umfasst den gesamten Zeitraum vom 16.7.11 bis heute. Gerade in den letzten Tagen steigt die Kurve förmlich senkrecht in den Himmel.

Die "grüne Brühe" hat inzwischen den kompletten Golfo erfasst. Anwohner berichten von starkem Schwefelgeruch.
Das Forschungsschiff "Ramon Margalef" wurde inzwischen auch wieder gesichtet. Es kreuzt vor dem Golfotal und untersucht den Meeresgrund auf mögliche Gasabsonderungen, Risse und evtl. entstehende Schlote.

Ich bleibe dran. Sobald Neues bekannt wird, melde ich mich.

Dienstag, 26. Juni 2012

El Hierro Vulkan - und es geht weiter


NEWS:
17.07 Uhr - bisher 124 Beben heute. Um 13.34 Uhr ML2,6 und um 15.08 Uhr mit ML2,8 beide in 19 km Tiefe südlich des Tanganasoga. Nach einem kurzen Abflauen heute Morgen, nun wieder kräftiger. Der Tremor ist immer noch schwach.
18.13 Uhr - nach einem Beben um 15.35 Uhr mit ML2,7 in 19 km Tiefe setzt nun seit 16.10 Uhr der Tremor wieder ein.
21.27 Uhr - die Beben verlagern sich weiter nach Süden. 16.35 und 16.50 Uhr von je ML3,5 und 17.54 Uhr mit ML3,3 in 19 km Tiefe.

Die Beben halten weiter an, auch wenn sich der Tremor in der Nacht abgeschwächt hat. Heute Morgen bereits wieder über 50 Erdstöße. Der bisher Stärkste um 4.11 Uhr mit ML3,1 in 18 km Tiefe unter dem Tanganasoga. Die Bebenbilanz von gestern entspricht in ihrem Ausmaß den Höhepunkten um den 13. September 2011. Insgesamt 241 Beben, davon 180 Erdstöße zwischen ML2,0 - 3,0 und 6 Beben über ML3,0. Keiner käme hier auf die Idee von einem Ausklingen der Vulkanaktivität und von "Normalität" zu sprechen. Nur die PEVOLCA, der Krisenstab der gestern im fernen Teneriffa tagte, kommt zu dieser Auffassung. Sicher besteht im Moment noch keine Gefahr für die Menschen, aber die Gefahr ist im Anmarsch. Das sind Bürokraten denen parteipolitische und wirtschaftliche Gründe wichtiger sind als Aufklärung. Auch unter den Wissenschaftler hat sich im Hindergrund eine rege Diskussion und Unverständnis über derartige Aussagen entwickelt. Lassen wir Krisenstab - Krisenstab sein und entwickeln unsere eigenen möglichen Vorstellungen.






Die Erdstöße zentrieren sich auf das Inselinnere und liegen heute im Tiefenbereich von 16 bis 18 km. Wir wissen, daß der Magmakanal nach Süden ansteigt und die Eruption erst mit Beben in ca. 8 - 10 km im November 2011 erfolgte. Die Abschwächung des Tremor lässt darauf schließen, daß alte Kanäle verstopft sind und sich die Magma erst einen weiteren Weg - vielleicht neuen Weg - suchen muß. Die Beben werden anhalten und erst durch einen "Befreiungsschlag" ein starkes Beben den Weg öffnen. Alles geht dieses Mal viel schneller, so daß bis zum kommenden Wochenende wahrscheinlich erste Spuren an der Oberfläche zu sehen sein werden.

Zum Tanganasoga und ins Golfotal

Am Montag war die Sonne hinter einem Sandschleier, dem Calima verborgen. Starke Saharawinde brachten Unmengen von Sand mit. Die Sonne kann direkt beobachtet oder wie hier mit der Kamera fotografiert werden. Die Sicht ist auf wenige hundert Meter eingeschränkt. Der Sandschleier wirkt wie ein Treibhaus und die normal bei 60 bis 70 % liegende Luftfeuchtigkeit ist nicht mehr messbar, also nahe 0 %.
Das Epizentrum (Karte)  heute lag im Golfo-Gebiet zwischen Los Llanillos und links dem alten Vulkanberg Tanganasoga (1376 m). Er ist der zweithöchste Berg nach dem Malpaso (1503 m) und auch bereits bei Beginn der Beben im Vorjahr der Schlüsselpunkt und mögliche Kandidat für einen Ausbruch. Unter ihm laufen die Magmakanäle Richtung Süden zum Eldiscreto. Ich habe mich gestern mehrere Stunden (von 10 - 15.00 Uhr) im näheren Umfeld dieses Berges aufgehalten und auch die ML2,8 - ML3,1 Beben nicht wahrgenommen.
Los Llanillos, ein Ortsteil von La Frontera unter dem Sandschleier. An der Küste das Meeresbad "Charco Azul". Da alle Beben in 17 - 20 km Tiefe ihren Auslöser haben, mag die Spürbarkeits-Grenze vielleicht bei ML3,8 oder höher liegen. Allerdings habe ich mit Einwohner gesprochen die in der Nacht und am Morgen die stärkeren Erdstöße gespürt haben. Es liegt eine trügerische Ruhe über der Gegend, die schwer zu beschreiben ist. Zum einen weiß ich was sich jetzt wohl im Moment in 20 km Tiefe abspielt und wie schnell die Auswirkungen auch an der Oberfläche spürbar sein können. Zum Anderen diese Stille, das Meeresrauschen in der Ferne und die drückende Hitze. Eine unwirkliche Idylle - wenn jetzt noch das kleine Glöckchen erklingen würde - eine besondere Atmosphäre  So oder ähnlich ist die von mir empfundene Situation. Alles hat man im Jahr 2011 bereits einmal erlebt und hofft natürlich, daß sich die hoffentlich "ungefährliche" Pracht wieder im Süden entlädt. Wenn es schon sein muß !
Auch ein Glöckchen, das Wahrzeichen von La Frontera. Der Glockenturm auf einem Vulkanhügel weithin sichtbar. Die dazu gehörende Kirche steht am Fuße hinter dem Berg. Umrandet von den über 1000 Meter hohen Felswänden des vor ca. 120.000 Jahren zusammen gebrochenen und abgerutschten Hauptvulkan, dessen Kratergrund heute das Golfotal bildet. Alle Straßen sind befahrbar. Auf den Berg- und Abstiegsstrecken liegen allerdings kleinere Steine und Lavabrocken herum, die wahrscheinlich am frühen Morgen von der Bebenserie ausgelöst wurden.
Erdrutsche und Steinschlag gab es hier schon immer, auch ohne Erdbeben. Hier auf dem Foto eine Geröllhalde die vor wenigen Jahren das Legartarium (Aufzuchtstation der Riesen-Eidechsen) zerstört und verschüttet hat. Besonders nach schweren Regenfällen in den Wintermonaten beginnt die Felswand zu bröckeln und es können sich richtige Geröll-Lawinen ins Tal ergießen. Die Golfotunnel Zufahrt (unten) mit den schnell im Dezember 2011 errichteten Auffangnetzen, die den besonders gefährdeten Eingangsbereich auch bei Beben vor herabstürzenden Felsbrocken schützen soll.


Das ehemals kleinste Hotel der Welt vor den Roques del Salmor Felsen. Der nördliche Abschluss des Golfotal. Auch hier gab es in den letzten Tagen Erdbeben. Diese Pizzeria mit dem Namen "Vulcano" habe ich in La Frontera gefunden.  

Montag, 31. Oktober 2011

El Hierro Vulkan - in der Ruhe liegt die Kraft

Die Bebenaktivität im Golfo hält weiter an. Zu erwähnen sind, neben den schwächeren Beben, zwei Erdstöße mit mehr als 3,0 auf der Richterskala.
Ein Beben um 2.13 Uhr mit 3,4 RSk. und um 7.13 mit 3,1 RSk. Das gemessene Bebenzentrum lag vor der Golfoküste in 20 bzw. 22 km Tiefe. Im Grunde also keine Veränderung der Situation. Der Tremor (Magmafluss) läuft harmonisch weiter.

Die Entscheidung des Krisenstabes (Pevolca) von gestern Abend, nach dem die jetzige Lage als sicher für die Anwohner angesehen wird und daher keine weiteren Sicherungmaßnahmen notwendig seien, stößt erwartungsgemäß auf Unverständnis.


Foto: La Provincia
Um den Krisenstab einmal zu Personifizieren. Wir haben links den Inselpräsidenten von El Hierro Alpido Armas, Mitte Juan Santana (Vertreter der kanarischen Gesamtregierung) und die Dame rechts: Carmen Morales (Sicherheitsbeauftragte von El Hierro).

Das ist quasi der politische Kopf des Krisenstabes. Die Wissenschaft, wie das Geologische Institut (IGN) oder die CSIS, bringen als beratende Institutionen ihr Wissen und ihre Vorschläge in dieses Gremium ein.
Massive Kritik hagelt es von der Gemeinnützigen Organisation AVCAN (Asociacion Vulcanologia de Canarias). Ein Zusammenschluss von Vulkanologen, Geologen und Hobby- Vulkanologen. Seit vielen Jahren engagiert sich diese Organisation um die Vulkanologie der Kanaren.

"In einem offenen Brief  kritisiert sie den Krisenstab vorhandene wissenschaftliche Ressourcen wie Meeresbiologen, Chemiker und anderes Fachpersonal und Institutionen nicht beteiligt und in ihre Entscheidungen einbezogen habe. Wertvolle neue wissenschaftliche  Erkenntnisse über die Entstehung eines Unterwasservulkan seien daher nicht gewonnen worden und nun für die Forschung verloren. Auch hätten so manche Entscheidungen des Stabes anderst ausgesehen. Verschwendete Zeit, mangelnde Erfahrung und die Missachtung und die Nichtnutzung von vorhandenem Sachverstand hätten nun zu einem Vertrauenverlust in der Bevölkerung und den Medien geführt.
Dem Krisenstab muß klar sein, daß er den Überblick und die ganze Dimension über die tatsächliche Lage, aus Mangel an wissenschaftlichen Wissen, nicht hat.
Die Bevölkerung ist heute anspruchsvoll und verlangt eine umfassende Erklärung. Ein Beispiel sollte man sich an anderen Ländern nehmen, die ähnliche Krisensituationen bewältigt haben."

Auffallend ist auch, daß nur spanische Wissenschaftler vor Ort sind. Die Kollegen aus Island würden sicher gerne mit ihrem Wissen und der jüngst gemachten Vulkan Erfahrung hier einige brauchbare Dinge beisteuern.

Warum die Bevölkerung von El Hierro trotz der drohenden Gefahr relativ ruhig und abwartend reagiert, hat vielleicht noch einen ganz anderen Grund. In einem der nächsten Beiträge möchte ich mal auf die Mentalität und die Grundeinstellung der Herrenos näher eingehen.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

El Hierro - Entrüstung unter den Geologen

NEWS:
Auch gestern und in der vergangenen Nacht kein weiteres Beben unter El Hierro. Die Lage ist ruhig und die weitere Entwicklung muß jetzt erst einmal abgewartet werden.

Nicht ganz so ruhig geht es im Augenblick unter den Wissenschaftlern zu.

"Geologen können Erdbeben nicht vorhersagen"


"Ich sehe keine Möglichkeit mehr in Ruhe und Frieden in dieser Kommission weiter zu arbeiten" sagt der Vizedirektor Mauro Rosi von der höchsten italienischen Risikokommission (Krisenstab) nach dem Rücktritt seines Direktor Luciano Maiani. Mit ihm traten der Direktor des Institut für BauTechnologie, der Sektion von chemischen Risiken und des Institut für Naturgefahren von ihren Posten im Krisenstab zurück.
Über drei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben im italienischen L'Aquila wurden im Strafprozess am Montag alle sieben Angeklagten, sechs Wissenschaftler und ein Behördenvertreter - der Leiter des Krisenstabes - zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt. Auch werden die Wissenschaftler lebenslang von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen.
Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, die Gefahr des Erdbebens im April 2009 unterschätzt zu haben, bei dem 309 Menschen ums Leben kamen und Tausende verletzt wurden.

Die Geologen und der Beamte der Zivilschutzbehörde  hätten die Anwohner rund um L'Aquila nur „ungenau, unvollständig und widersprüchlich“ über die Gefahren eines Bebens informiert, die tatsächliche Lage herunter gespielt und so den Tod vieler Menschen einfach in Kauf genommen., so die Begründung der Anklage.
 

DDie Kirche "Chiesa delle Anime Sante di L'Aquila" (Foto Wikipedia) nach dem Beben. Sie hat noch am Besten die starken Erschütterungen überstanden.

Bereits Tage vor dem Beben berief der Leiter des Zivilschutz den Krisenstab, darunter Italiens führende Seismologen, in L'Aquila zusammen. "Wir werden jeden Schwachkopf zum Schweigen zu bringen der vor einem großen Beben warnt" - war seine Vorgabe, wie Tonaufnahmen belegen. Die anwesenden Wissenschaftler schwiegen, wider besseren Wissen. Wie etwa der anerkannte und in Fachkreisen geschätzte Direktor Enzi Boschi des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie. Er war es, der bereits 1995 vorhersagte, daß „innerhalb von 20 Jahren“ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit es zu einem Großbeben in L'Aquila kommen werde. Davon war auf dem Krisentreffen von ihm nichts mehr zu hören. Zu seiner Verteidigung erklärte er vor Gericht: Herr des Verfahrens“ sei eben die Zivilschutzbehörde gewesen: "Wenn die mich bitten, dieses oder jenes zu sagen, dann sage ich das.“
 

Meinung der Wissenschaft zum Urteil

Nicht nur in Italien sondern in ganz Europa ist die Empörung groß. Hier einige Auszüge:
 
"Ein derart hartes Urteil, bei dem zudem noch alle angeklagten Experten über einen Kamm geschoren werden, hätte ich in einem Rechtsstaat nicht für möglich gehalten", sagte Marco Bohnhoff, Professor am Geoforschungszentrum in Potsdam.
 
Herbe Kritik an der Verurteilung der Geologen kommt auch von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). „Ich halte das für ein krasses Fehlurteil“, erklärte Christian Bönnemann, der Leiter des Seismologischen Zentralobservatoriums der BGR „Die Wissenschaft ist nicht in der Lage, Erdbeben vorherzusagen. Möglicherweise wird das auch nie gelingen.“
 
Peter Herzig, Direktor am Kieler Geomar-Institut, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, sagte, eine Vorhersage von Erdbeben sei "mit letzter Sicherheit" nicht möglich. Man habe zwar Anzeichen für Naturkatastrophen, aber "das ist keine Wissenschaft, in der man zwei und zwei zusammenzählt, und dann kommt vier heraus". Solche Vorhersagen könne niemand treffen.
 
Auch aus der Schweiz gab es Kritik. „Wir werden in Zukunft noch vorsichtiger kommunizieren müssen“, sagte der Direktor des Schweizerischen Erdbebendienstes, Stefan Wiemer. Die italienischen Kollegen hätten wissenschaftlich gesehen alles richtig gemacht.
 
"Wissenschaftler müssen einfach korrekt die Ergebnisse wiedergeben - mehr nicht", sagte der Geophysiker Jochen Zschau vom Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam. Es sei nicht ihre Aufgabe, die Leute zu beruhigen. "Das ist Aufgabe des Zivilschutzes oder anderer." Der Experte begrüßte, dass das Urteil eine Diskussion über die unsicheren Erkenntnisse der Wissenschaft anrege.
 
Von den direkt Betroffenen in L`Aquilar hört man im Gegensatz dazu nun Erleichterung:
 
"Endlich ein wenig Gerechtigkeit für L'Aquila" so der ehemalige Präsident der Provinz Stefania Pezzopane.
"Warum stahlen uns die Experten die natürliche Angst". Wir hätten uns rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Die Experten wiegten uns aber in Sicherheit. Nun müssen die Wissenschaftler für die Politiker als Sündenböcke den Kopf hinhalten - so ein Anwohner.
 
... und genau hier, an der Schnittkante zwischen Wissenschaft und Politik - liegt der eigentliche Knackpunkt. Damit werde ich mich in den nächsten Tagen etwas Näher noch beschäftigen.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

El Hierro Vulkan - die Entscheidung eines Krisenstabes

NEWS:
19.30 Uhr - ein ML1,6 Beben um 16.22 Uhr in 11 km Tiefe im Golfo beim Tanganasoga


 
Alles im grünen Bereich. Die "Vulkanampel", die die Bewohner vor Gefahren durch Vulkan- und Erdbeben warnen soll, steht seit Ende Juli 2012 wieder für die gesamte Insel auf "Grün". Auch ein Blick heute auf die IGN Seismo Aufzeichnungen ergibt ein ruhiges (leeres) Bild. Seit gestern Mittag um 12.00 Uhr sind alle Seismografen der Kanaren ausgefallen bzw. die Übertragungswege gestört. Es gab also auch gestern nach den Diagrammen keine weiteren Beben. Hoffen wir, daß im Laufe des heutigen Tages dieser Schaden behoben wird. Nicht ganz so "Grün" ist die Stimmung unter den Wissenschaftlern, insbesondere unter den Vulkanologen und Geologen nach dem Gerichtsurteil von Italien.



Können Geologen für eine Fehleinschätzung bestraft werden?


Wird sich nun überhaupt noch ein Wissenschaftler öffentlich äußern und seine fachliche Einschätzung zur Lage und deren wahrscheinlich künftigen Entwicklung kundtun?
Ja, das wird er weiter tun, mit der kleinen Einschränkung - solange er nicht in Amt und Würden, also Mitglied eines Krisenstabes ist.

Hier dürfte es in Zukunft schwer sein geeignete Wissenschaftler für diesen Job zu finden. Es war wohl nur ein Urteil in Italien, das aber sehr schnell Schule auch in anderen Europäischen Ländern machen kann. Alle demokratischen Staaten in Europa sind mit ähnlichen Rechtssystemen ausgestattet. Bei der "Klagewut" der Deutschen ist es nur eine Frage der Zeit bis das erste Verfahren anhängig ist.

War es aber gerechtfertigt kollektiv alle Mitglieder dieser Risikokommission gleich hart zu bestrafen?
Natürlich kommt es immer auf den Einzelfall an welche Schuld das einzelne Mitglied nach Meinung des Gerichtes auf sich geladen hat. Auch ein Verschweigen oder das Herunterspielen von erkannten Tatsachen oder Entwicklungen und eine damit verbundene Fehlentscheidung mit Opfern kann strafbar sein. Dies gilt auch heute schon in Deutschland, Spanien und Italien.

Um die Problematik einer Fehleinschätzung und die Haftungsfolgen besser zu verstehen, möchte ich das einmal am Beispiel eines deutschen Katastrophenschutzstab verdeutlichen. Ich spreche oder schreibe hier aus eigener Erfahrung. Über 20 Jahre war ich im Katastrophenschutz tätig, davon mehrere Jahre als Fachberater (Rotkreuzbeauftragter) im Katastrophenstab eines Landkreises.
Das Schema unten zeigt den Aufbau eines Stabes.

Geführt wird der Krisenstab vom Oberbürgermeister oder Landrat oder einem beauftragten Vertreter des entsprechenden Gebietes. S1 bis S6 sind administrative Aufgaben die meist von Beamten der Verwaltung wahrgenommen werden. Dies ist praktisch der politische Kopf der die Entscheidung trifft und auch die entsprechenden Anweisungen - die bindend sind - gibt.

Beigeordnet sind nun in der unteren Leiste die so genannte Fachberater. Das sind ständige Mitglieder, wie Feuerwehr, THW, Rotes Kreuz oder je nach Katastrophenfall auch Atomwissenschaftler, Luftfahrtexperten oder bei Erdbeben auch Geologen oder Vulkanologen.

Diese Fachberater beraten nun nach bestem Wissen den Leiter des Stabes. In der Regel wird der Leiter des Krisenstabes dem Fachurteil des Experten folgen. Er kann die vorgeschlagenen Maßnahmen übernehmen - muß sie aber nicht.
Es ist seine freie Entscheidung ob er andere für ihn wichtige Aspekte in seine Entscheidung einfließen lässt.
Das können Gründe wie z.B. eine vorgeschlagene Evakuierung wegen Panik der Einwohner zu verschieben oder auch wirtschaftliche Gründe sein.
Es ist eine politische Entscheidung die der Leiter zu treffen hat, ohne den Rat seiner Fachberater zu berücksichtigen.
Hier genau ist der Knackpunkt zwischen dem vielleicht erfolgten Rat der Geologen und den tatsächlich veranlassten Maßnahmen.

Der Krisenstab tritt nach Außen als ein einheitliches Gebilde auf, auch wenn unterschiedliche Meinungen vorherrschen.

Auch bleibt es dem Leiter des Krisenstab vorbehalten, welche Experten er in seinen Stab überhaupt beruft. Wie wir das bei der Pevolca auf El Hierro erlebt haben, wurde nur ein Vertreter der staatlichen IGN als Berater aufgenommen.
Andere genauso gute oder vielleicht sogar bessere Experten wie Involcan oder der Vulkanologe Dr. Juan Carlos Carracedo wurden erst gar nicht gefragt.
Schon die Zusammensetzung von "angenehmen" Beratern entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg solch eines Stabes.

Solange alles gut funktioniert und kein Mensch zu Schaden kommt finden die Entscheidungen des Krisenstabes auch bei den Anwohnern Zustimmung.
Bei den ersten Opfern kann diese Meinung jedoch sehr schnell umschlagen und sich wie jetzt in Italien gebärden.

Da ich davon ausgehe, daß in Italien die Struktur eines Krisenstabes vergleichbar ist, kann nicht ein Berater für die Entscheidung seines Leiters dem er nur zuarbeitet, bestraft werden.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

El Hierro Vulkan - glühende Lava oder eine Fata Morgana?

NEWS: - 12.21 Uhr - Der Eldiscreto ist heute sehr aktiv und gut per Webcam zu beobachten. Drei Austrittsstellen sind zu erkennen.
Woher allerdings die östliche (linke) Verfärbung kommt, bleibt ein Rätsel.

Was war das nun gestern Abend zwischen 20.°° und 22.°° Uhr. Auf der Webcam waren deutlich flackernder Lichter oder Feuerschein in Richtung Eruptionsstelle des Eldiscreto zu sehen. Für den Betrachter war glühende Lava und aufsteigender Rauch über fast 2 Stunden an gleicher Stelle auszumachen. Eine Eruption mit Auswurf von brennender Lava oder eine Fata Morgana. Bereits in der Nacht zuvor wurden ähnliche Beobachtungen gemeldet. In einer Kurzmitteilung des Krisenstab (Pevolca) von heute Morgen, wird glühende Lava ausgeschlossen. Es soll sich angeblich um ein Schiff das weit draußen vorbeisegelte, gehandelt haben. Ein Forschungsschiff war allerdings während dieser Zeit nicht im Einsatz. Haben wir uns alle täuschen lassen? ... oder warum sollte der Krisenstab die Existenz von glühendem Material verneinen? Merkwürdig und zu Hinterfragen ist allerdings, warum bis heute noch keine genauen Messergebnisse oder Unterwassergrafiken der drei Vulkanschlote veröffentlicht wurden. Daten und Bilder liegen vor - gibt es etwas zu verbergen oder sieht einfach der Krisenstab keine Notwendigkeit oder öffentliches Interesse an einer Veröffentlichung. Für Spekulationen ist damit Tür und Tor geöffnet.

Keine Fata Morgana ist dagegen die aktuelle Tremor Grafik. Mit wilden Ausschlägen werden die nach oben strebenden Magmamassen erfasst. Immer noch pulsiert der Tremor in fast regelmässigen Abständen. Ein Blick auf die Eruptionsstelle heute Morgen zeigt einen aktiven Eldiscreto.
Seit dem 4.02 Uhr Beben am Mittwochmorgen, dessen Tiefe inzwischen von der IGN auf 21 km korrigiert wurde, blieb El Hierro von neuen Erdstößen verschont.

Ein Jahreskalender 2012 mit schönen Farbaufnahmen von den Aktivitäten im südlichen Meer wurde vom Cabildo El Hierro in einer Gesamtauflage von 10.000 Exemplaren heraus gegeben. Für 10.- Euro +Porto kann er unter

calendarioelhierro2012@gmail.com bestellt werden. Der Erlös fließt in humanitäre Aufgaben und Bildungsmassnahmen von El Hierro.

Das gestern uraufgeführte Lied für El Hierro "Una cancion para El Hierro" kann hier gehört werden.

Mittwoch, 11. Januar 2012

El Hierro Vulkan - neue Erdbeben

NEWS: Beben um 19.03 Uhr - 1,5 RSk. - Süden an Land in 11 km Tiefe
Nachdem es nun einige Wochen lang relativ ruhig war, haben in der letzten Nacht auch im Golfo die Erdbeben wieder eingesetzt.
Das stärkste Beben mit einer Stärke von 2,4 RSk. erfolgte um 3.07 Uhr, südwestlich von Sabinosa in 29 km Tiefe. Zwei weitere Beben gab es bei Restinga um 21.46 Uhr und 2.39 Uhr mit 1,6 bzw. 1,7 RSk. in 13 und 14 km Tiefe.
Vor allem der Erdstoß im Golfo kann darauf hin deuten, daß sich die Hauptmagmakammer wieder mit neuem Material füllt. Anzeichen dafür gab es bereits vor einigen Tagen. Es bleibt nun einmal abzuwarten ob die Bebenserie anhält und sich sogar vielleicht wieder verstärkt.
Der Tremor ist wie in alten Tagen sehr aktiv und deutet auf einen regen Magmaaufstieg Richtung Süden hin. Der Auswurf des Eldiscreto ist wie gestern auch heute ohne spektakuläre Aufwallungen und rauchende Lavabrocken zu beobachten. Ob diese Zurückhaltung andauert werden die nächsten Stunden zeigen.
Seit Dienstag kreuzt wieder ein Forschungsschiff um die Eruptionsstelle. Hoffentlich werden jetzt endlich auch Untersuchungsergebnisse der Unterwasser Entwicklung veröffentlicht. Technisch ist die Ramon Margalef dazu in der Lage und hat bereits in der Vergangenheit Unter- suchungsergebnisse an den Krisenstab (Pevolca) geliefert. Nur der Krisenstab allein entscheidet welche Berichte und Aufnahmen freigegeben werden. Warum diese Informationen zurück gehalten werden, weiß nur die Pevolca und der liebe Gott. Sind doch gerade diese Ergebnisse wichtig zur Einschätzung der weiteren Vulkanentwicklung.

Die Kalendersaga geht weiter. Viele haben sicher wieder eine umfangreiche Mail erhalten - ohne IBAN und BIC und wahrscheinlich nur den spanischen Portokosten. Daß es auch im Ausland Interessenten gibt - und hier meine ich nicht nur Teneriffa - wurde noch nicht ganz gespannt. Es braucht einfach seine Zeit bis diese schwere Verwaltungsaufgabe auch logistisch brauchbar umgesetzt ist. Jetzt können Sie auch einmal Live miterleben mit welchen kleinen Problemchen der hier lebende Resident täglich beschäftigt ist. Oft möchte ich aus der Haut fahren und sofort Hand anlegen - rufe mich dann doch wieder zur Mäßigung, da ich hier nur Gast bin und meine deutschen Tugenden gefälligst zu unterdrücken habe. Es wird schon noch irgendwie funktionieren. Bis Ostern haben Sie alle ihren Kalender.

Astrid aus Düsseldorf hat da noch eine andere Idee die ich einfach mal in den Raum stelle:
"Ich habe auf meine Anfrage eine super liebe Antwort erhalten, aber keine vernünftige Bankverbindung (wie alle anderen auch). Wahrscheinlich gibt es auch niemanden, der die Kalender verpacken und verschicken würde, an der Bankverbindung sollte es eigentlich nicht scheitern.
Vielleicht findet sich auf El Hierro jemand, der ein bisschen damit verdienen möchte. Mein Vorschlag wäre, dass jemand auf Bestellung die Kalender erwirbt und gegen Gebühr und Aufwandsentschädigung nach Deutschland verschickt. Fragen Sie doch mal im Blog."

Donnerstag, 28. Februar 2013

El Hierro Vulkan - Konsequenzen in Italien

NEWS: - 17.10 Uhr neuer Erdstoß von ML1,6 in 18 km Tiefe an der Steilküste von El Julan im Süden.

Unter El Hierro bleibt es weiter ruhig und ohne neue Beben.

Schlagzeilen erzeugte im Herbst 2012 eine Entscheidung des Gericht von L'Aquila in Mittelitalien das 6 Vulkanologen/Seismologen und einen Behördenvertreter wegen fahrlässiger Tötung für 6 Jahre ins Gefängnis schickte.
Den Fachleuten wurde vorgeworfen trotz klarer Anzeichen und Vorbeben die Bevölkerung über die Gefahr weiterer und schwererer Beben im Unklaren gelassen zu haben.
Sie sollen Mitschuld am Tod von 29 Bewohner von L'Aquila haben. Bei der Tragödie starben insgesamt 300 Menschen und viele Bewohner wurden verletzt.

Der Tagesspiegel hat unter  "Verschobene Verantwortung" einen interessanten Bericht zur Urteilsbegründung, die erst jetzt bekannt gegeben wurde, veröffentlicht.

Nicht die unmögliche Vorhersage eines starken Beben, sondern die unvollständige, ungenaue und widersprüchliche Informationen zur Natur, Ursache, Gefahr und künftigen Entwicklung der seismischen Aktivität seien für das harte Urteil ursächlich. Die Angeklagten hätten damit ihre gesetzliche Informationspflicht verletzt.
Zum gesamten Artikel geht es hier.

Es ist natürlich für die Wissenschaftler nicht gerade einfach Verhaltensregeln für die Zukunft aufzustellen. 
Evakuierung Ja oder Nein. Passiert nichts, war es überzogen. Gibt es aber Verletzte oder gar Tote kommt die Frage der Haftung oder gar strafrelevante Tatbestände zum Zuge.

Es ist zumindest in Deutschland oder Spanien keine kollektive Entscheidung. Hier sitzt dem Krisenstab ein Vorsitzender vor, der nach Abwägung und Einschätzung seiner Berater (Geologen, Vulkanologen usw.), eigenständig die Entscheidung fällt.  
Er ist alleine für die Folgen verantwortlich oder im Erfolgsfall ein Anwärter für den Verdienstorden.
Beim Vorsitzenden des Krisenstab/Pevolca handelt es sich in beiden Ländern um einen Beamten oder/und einen Politiker. Haftungsrechtlich sieht es hier dann wieder ganz anders aus. In Ausführung seiner hoheitlichen Aufgaben wird er nicht wie ein Normalbürger strafrechtlich belangt. 
Mir ist zumindest bisher noch kein Fall bekannt geworden, daß der Vorsitzende eines Krisenstabes strafrechtlich für eine Fehlentscheidung verurteilt wurde.

Mittwoch, 18. Juli 2012

El Hierro Vulkan - es Rumpelt weiter

NEWS:
Wären da nicht die immer wieder in größeren Zeitabständen auftretenden starken Beben, könnte der Beobachter von einem Abklingen der Aktivität ausgehen. Auch gestern Morgen um 7.46 Uhr ein ML3.4 Erdstoß in 18 km Tiefe direkt vor dem Leuchtturm Orchilla an der Westspitze. Die Anzahl der Schwachbeben hat sich reduziert bzw. fast ganz aufgehört, dafür sammelt sich aber die Energie um sich dann geballt mit über ML3.0 zu entladen.
Die grünen Linien auf der Grafik waren keine erfassten Beben. Wahrscheinlich Störungen - genauso wie oben um 00.50 Uhr die blauen Ausschläge technischer Art sind.

Was im Moment genau da unten in rund 20 km los ist, kann niemand beantworten. Nur zwei Feststellungen können jetzt getroffen werden:

1. Der Vulkan ist weiter aktiv und
2. solange das Zentrum der Beben sich in rund 20 km Tiefe abspielt besteht keine Gefahr einer Eruption.

Heute Morgen hatten wir einmal etwas ganz Neues. Ein Erdstoß im Norden (Pfeil). Ungefähr 5 km vor der Nordküste um 2.46 Uhr von ML2,0 in 27 km Tiefe. Aufgrund der großen Tiefe und der Lage ist davon auszugehen, daß sich dort die nördliche Begrenzung der Hauptmagmakammer befindet. Es ist logisch nachvollziehbar, daß Aktivitäten in der Südkammer auch irgendwann Reaktionen im Norden hervor rufen müssen. Die Pevolca (Krisenstab) lässt sich jetzt Zeit die Warnstufe "Gelb" wieder auf "Grün" zu ändern. Im Grunde ist es auch egal ob für den unbewohnten Westzipfel diese oder eine andere Warnstufe gilt. Zudem ist der Krisenstab der Kanarischen Regierung im Moment mit den Waldbränden auf Teneriffa und La Palma beschäftigt.
Für La Palma kann ich Entwarnung geben. Der Brand ist weitgehend unter Kontrolle. Auf Teneriffa spitzt sich die Lage jedoch zu. Gestern Abend musste der Ort Vilaflor im Süden mit 1800 Einwohnern evakuiert werden. Es droht ein Übergreifen der Flammen auf die Ortschaft. Näheres dazu aber auf meinem La Palma-Blog.

Dienstag, 6. Dezember 2011

El Hierro Vulkan - der Eldiscreto schläft nicht

NEWS: 11.23 Uhr - qualmende Lavabrocken erscheinen wieder an der Meeresoberfläche


Wer glaubt unser Vulkan Eldisceto habe sich in der Feiertagswoche (heute ist Verfassungstag und am Donnerstag "Marie Empfängnis") zur Ruhe gelegt, sieht sich getäuscht. Diese INVOLCAN Aufnahme entstand gestern am Montag, dem 5.12.11 aus dem Guardia Civil Helikopter beim Überflug. Wie bereits vermutet trat aus dem Vulkanschlund gestern Vormittag eine größere Menge magmatisches Material aus. Gase verfärbten zunächst das Meer grün, das sich dann gegen Mittag bräunlich färbte. Dies deutet auf den vermehrten Austritt von festeren Stoffen, wie Lava und Picon hin.
Wie groß und wie hoch sich inzwischen der Vulkankegel am Meeresgrund aufgebaut hat, sollen bis Mitte der Woche die detaillierten Untersuchungsberichte der eingesetzten Forschungsschiffe zeigen. Davon erhofft sich der Krisenstab (Pevolca) Aufschluss über die Entwicklung und Fakten für seine weiteren Entscheidungen.

Die Erdbeben am Montag lagen alle im Golfobereich (siehe AVCAN Grafik) und waren von schwacher Natur. Ihr Zentrum lag im Bereich der Magma Hauptkammer in ca. 20 km Tiefe. Der kräftigste Erdstoß erfolgte um 6.29 Uhr mit 2,4 RSk. Auch in der vergangenen Nacht gab es wieder leichte Beben. Der Tremor hat sich abgeschwächt, aber die Magma steigt weiter.
Carlos Bernal (unseren Dank) hat sich die Mühe gemacht auf einer Karte den Aktivitätsbereich des Vulkan einzuzeichnen. Unter dem Golfo im Norden liegt die vermutete Hauptkammer mit den derzeitigen Beben. Unter der Insel hindurch führt der Magmakanal bis zur Eldiscreto Eruptionsstelle ganz im Süden. Alte Austrittskrater (beispielhaft zwei eingezeichnet) auf seinem Wege sind verstopft oder für den Magmaaufstieg nicht erreichbar. Nach dieser Überlegung dürften sich auf der Insel selbst, keine neuen "alten" Schlote öffnen.

Der Krisenstab betont, daß die Warnstufen "Rot" für Restinga und "Gelb" für die restliche Insel, aufgrund der weiter andauernden Eruption und der, wenn auch abgeschwächten Beben, aufrecht gehalten wird. Jederzeit könne sich die Situation verschärfen.
Vulkane sind eben nicht berechenbar und können ihr Verhalten innerhalb von Stunden ändern. Trotzdem gibt die jetzige Situation bedingten Anlass zum Optimismus. Bleibt zu hoffen, daß sich unser Vulkan bald entscheidet und El Hierro bis Weihnachten wieder in seine gewohnte Ruhe und Geborgenheit zurück findet. Nichts ist schlimmer als mit ständiger Angst im Nacken leben zu müssen.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Insel Fogo - Dörfer unter Lava begraben

Die Lava rückt auf Fogo unaufhaltsam weiter voran



Wäre es nicht so traurig, könnte diese Aufnahme von Geovol als vorweihnachtliches Stimmungsbild mit einem Lichtermeer vor einer Bergkulisse angesehen werden. Tatsächlich verrät der aufsteigende Rauch und die Silhouette eines Vulkan, dass weit schlimmeres dokumentiert wird. Es sind die unaufhaltsam immer weiter vorrückenden Lavamassen auf  Fogo auf den Kapverdischen Inseln. Auch wenn sich das Drama 1500 km von den Kanarischen Inseln weiter im Süden abspielt, wird auch hier das Szenario auf Fogo aufmerksam verfolgt. Es ist der gleiche Vulkantyp und wahrscheinlich auch die gleiche weitverzweigte Quelle (Hotspot), die auch die Kanarischen Inseln erschaffen hat. Erinnerungen an die Eruptionen von 1949 und 1971 auf La Palma bei denen auch ein Dorf ausgelöscht wurde, werden wach.
Auf den Kapverden wurden bisher zwei Dörfer mit ehemals 1500 Einwohnern in der Caldera um den Vulkan Fogo bereits verschlungen. Viele Häuser in  Potela und Bangaeira sind abgebrannt oder wurden durch die Kraft der vorschiebenden mehrere Meter hohen Lavawand zum Einsturz gebracht.und zerstört. Eine spätere Rückkehr der Bewohner in ihre Dörfer auf Fogo wird nicht mehr möglich sein.


Bereits im Jahre 1995 mussten die Einwohner von Fogo beim letzten Ausbruch des gleichnamigen Vulkan Fogo flüchten. So viel Lava wie jetzt gab es aber damals nicht ... und ein Ende ist nicht abzusehen. Mit rund 300 Meter pro Tag schiebt sich die Lavamasse voran und hat inzwischen weite Teile der Caldera-Wanne ausgefüllt. 1995 dauerte der Ausbruch 56 Tage. Die jetzige Eruption bringt es gerade auf 2 Wochen. Man darf also noch einiges auf Fogo Erwarten. Jeder Ausbruch verläuft nach einem anderen Schema. Auch wenn es keine explosive Eruption ist, kann das ausfließende flüssige Gestein auch so große Schäden anrichten und ganze Landschaften neu modellieren. Diese Vorgänge verlaufen relativ langsam und es bleibt Zeit Orte rechtzeitig zu evakuieren und sich auf den nächsten Schritt des Vulkan einzustellen.

Steht Schlimmeres noch bevor?


Aber auch bei aller "Gemütlichkeit" kann sich ab einem gewissen Punkt die Situation sehr schnell dramatisch verändern. Innerhalb der nächsten 3 Tage erreicht die Lavagrenze den Steilhang. Hier auf der Avcan Grafik (links) als gelbe Linie eingezeichnet. Dann kann der Lavastromm wie ein Sturzbach aus jetzt 1700 m Höhe bis zur Küste hinabstürzen ... und das kann sehr schnell gehen. Das wäre auch nicht weiter schlimm, würde dort nicht die zweitgrößte Stadt Mosteiros von Fogo liegen. 10.000 Einwohner müssten evakuiert werden. Noch zögert der Krisenstab - ist sich aber der gefährlichen Lage wohl bewusst.

Wohin sollen all die Einwohner evakuiert werden. Die Kapverden sind lange nicht so technisch gut wie die Kanarischen Inseln ausgerüstet.
Auf El Hierro wurden damals im Jahre 2011 vom Militär auf der Ostseite alle Vorbereitungen für eine Evakuierung in eine Zeltstadt getroffen. Bis zu 2500 Evakuierte aus dem Golfotal hätten aufgenommen und versorgt werden können.
Auf der Insel Fogo ist die vierfache Personenanzahl betroffen. Das Material und die Logistik dazu dürfte auf den Kapverden (selbst. Inselstaat) aber nicht vorhanden sein.

Noch hofft man auf ein Nachlassen oder Stopp der Lavamenge aus dem Krater. Auch könnten die herabfließenden Lavaströme einen anderen Weg nehmen. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Hoffen wir, dass der Krisenstab die richtige Entscheidung trifft.
Ich werde die Lage weiter beobachten und berichten.

Samstag, 12. November 2011

El Hierro Vulkan - Zwischenbilanz

Was wissen wir von unserem Südvulkan bei La Restinga: Es sind mehrere Vulkanschlote, mit mindestens zwei Öffnungen, wahrscheinlich aber noch mehrere. Der Ältere (Bild) davon liegt mit seiner Basis auf ca. 300 m Tiefe, hat einen Basisdurchmesser von annähernd 700 m und eine Höhe von ca.100 m. Der Gipfel liegt also 200 m unter der Meeresoberfläche. Ausgestoßen wurden nach Schätzungen der Wissenschaftler bisher über eine Million qm³ Material. Durch die jüngsten Eruptionen soll er seine Gipfelhöhe aber nicht wesentlich ausgebaut haben.
Der zweite Schlot liegt ca 800- 1000 m vor Restinga. Er dürfte wegen der größeren Ausstoßhöhe seiner Lava bis 35 m über die Meeresoberfläche nur ca. 100 m tief liegen. Über den jüngsten Schlot wurden bisher keine genauen Daten veröffentlicht.
Ein neues Video des Ozeanischen Institut von der Erforschung mit dem ROV-Roboter wurde freigegeben. Wegen der schlechten Sicht von nur 0,80 m sind nur wenige Details zu erkennen.




Der Tremor hat sich über Nacht verstärkt und zeigt starke Schwankungen. Die größeren Ausbuchtungen dürften von Explosionen stammen, die während des Lavaflusses immer wieder auftreten. Die Bebenaktivität im Golfo hält nach wie vor an, allerdings im moderaten Rahmen. Die Erdstöße liegen in einer Tiefe von 16- 23 km. Es gab in den vergangenen Stunden keine Erdstöße von mehr als 3,0 RSk.

Eine Darstellung von Carlos Bernal (ein Danke) zeigt die Beben der vergangenen 14 Tagen auf der Google Karte. Im Süden an den jetzigen Eruptionsstellen kaum Beben, dafür eine massive Konzentration (rot) im Golfo. Darunter liegt nach Schätzungen und Messungen der Wissenschaft auch die Hauptmagmakammer. Rechts die Insel La Gomera und oben mit der Spitze mein La Palma.

Getroffen haben sich vor einigen Tagen die an der Untersuchung und Erforschung beteiligten Institutionen mit der Verwaltung - sprich dem Krisenstab. Viel Kritik über mangelnde Zusammenarbeit, schlechter Informationsaustauch und die anfängliche Beratung des Stabes durch nur eine Fachrichtung war der Anlass. Man hat sich wie zu hören war geeinigt und alle wissenschaftlichen Meinungen nun zusammengefasst. Dies zeigt sich auch an der jetzt doch offenen Informationspolitik. Verabschiedet hat man sich nun von der Verharmlosungs- und Besänftigungspolitik. Klar zeigt man jetzt drohende Gefahren und die evtl. Konsequenzen auf. Dafür gibt es ein Lob an den Krisenstab.

Montag, 25. März 2013

Vulkan - Wiedererwachen des Eldiscreto?

NEWS:
21.20 Uhr - das war der nächste Bebenschwall um 20.55 Uhr mit ML3,8 in 13 km Tiefe und einer Dauer von ca. 17 Minuten.
19.15 Uhr - jetzt hören wir auch die ersten Worte vom Cabildo El Hierro. Ruhe und Besonnenheit sei das Gebot der Stunde, so die Sicherheitsbeauftragte Maria del Carmen Morales. Alles werde überwacht. Es sei ein Prozess der 6 Monate, aber auch 10 Jahre dauern könne.
Morgen wird sich erstmals wieder auf Teneriffa der Krisenstab (Pevolca) treffen und die Sache beraten.
17.55 Uhr - die Beben haben sich beruhigt und liegen nur noch zwischen ML2,5 und 3,5. Es sieht im Moment wie eine Verschnaufpause aus. Nach den GPS Daten hat sich die Insel in den letzten Tagen nicht nur in die Höhe, sondern auch ca. 5 cm nach Osten fort bewegt.
15.40 Uhr - dieser Bebenschwall schwächt sich nun langsam ab. Es wird aber wahrscheinlich nicht das letzte Starkbeben gewesen sein. Gefährdet sind besonders die Steilhänge im Golfotal. Hier könnten Steine oder ganze Felsstücke abbrechen und herunter stürzen. Auch das Tunnel würde ich im Augenblick nicht benutzen.
15.20 Uhr - die Lage spitzt sich zu. Lang anhaltende Beben verursachen bei Sabinosa Steinschlag und Erdrutsche. Es ist im Moment nicht genau klar ob auch Tremor eingesetzt hat. Ich bleibe am Ball.

15.05 Uhr - die Bebenstärke nimmt zu. Um 14.41 Uhr ein ML4,1 Beben aus 16 km Tiefe im Westen. Selbst die Häuser auf der Ostseite (siehe Kommentare) kommen nun ins Schwanken.

14.10 Uhr - so und jetzt machen wir noch etwas Insel- und Tourismuswerbung. Beim NASA "Satellitenbild des Jahres 2012" hat es Eldiscreto unter die letzten 4 Fotos geschafft. Bitte hier für die nächste Runde VOTEN.

10.50 Uhr - Die Ramon Margalef kreuzt heute im Golfo. Auf der Webcam links war sie zu entdecken.
Die Involcan startet heute mit ihrer Kampagne von intensiven Gasmessungen. Auch die IGN hat auf der Insel ihr Personal verstärkt. Es ist eigentlich nun alles vorhanden, was für eine intensive Beobachtung gebraucht wird.
Fehlt eigentlich nur noch die Pevolca (Krisenstab). Aber die wird sich in den nächsten Tagen sicher auch noch einfinden.

Bedenklich nimmt die Oberflächenverformung zu. Ich habe hier den GPS Messpunkt HI05 (Leuchtturm) heraus gepickt. In nur wenigen Tagen hat sich die Erdoberfläche um fast 9 cm nach oben gewölbt. Die Grafik ist damit schon an ihrer oberen Begrenzungslinie angekommen. Es sind Messungen aus den vergangenen Tagen, da die Auswertung immer hinterher hinkt.
 
 



Die größte Überraschung war gestern Abend die Meldung, daß aus dem alten Eldiscreto im Süden wahrscheinlich verstärkt Gase ausdringen. Dies wurde von der Besatzung (Uni Las Palmas, Centro Oceanografico u.a.)  der Roman Margalef bei verschiedenen Messungen festgestellt. Auf dem Foto ist deutlich an der linken Kraterwand eine aufsteigende Fahne zu erkennen. Es wurden Proben genommen, die noch auf deren Zusammensetzung im Labor näher untersucht werden.


Ein erstes ML4,0 Beben erlebten wir heute Morgen um 5.57 Uhr in 16 km Tiefe vor der Westspitze. Es war bei der jetzigen Bebenepisode der bisher stärkste Erdstoß. Auch gestern 159 von der IGN registrierte Beben. 7 Erdstöße lagen über ML3,0.
Und so geht es auch heute Morgen weiter. Die Aktivität hat sich weiter verstärkt. Bisher 6 über ML3,0 registrierte Erdstöße.  Die Tiefe der Beben liegt bei 11 bis 22 km. Eine breite Palette die vermuten lässt, daß neue frische Magma nachrückt und die tiefen bei 20 km auftretenden Beben auslöst. Das Epizentrum liegt weiter ca. 5 km vor der Westküste (IGN Karte braune Punkte).

Für Alle die El Hierro nicht näher kennen, möchte ich die örtliche Situation etwas erklären. Auf der Karte (Open Sea Map-Danke nach Flensburg) sehen wir, einem Stiefel ähnlich, den äußersten Westteil. Er ist unbewohnt und relativ karg. Trotzdem hat er für die Herrenos eine besondere Bedeutung. In diesem Bereich befinden sich die letzten Sabinares. Ein altes Urwaldgewächs, eine Art Zeder-Wacholder, sehr selten und unter Naturschutz - und im südlichen Teil das Inselheiligtum die Virgen de los Reyes. Die hochverehrte Madonna in ihrer kleinen Kapelle. An der südlichen Spitze den Leuchtturm mit dem alten 0-Meridian. Ansonsten ist dieser Bereich menschenleer.
 
Die nächste Besiedlung finden wir im nördlichen Golfoeingang mit Pozo de la Salud (kleines Heilbad mit Kurhaus und einigen Häusern) und im Hang klebend den Ort Sabinosa (rote Straße).
In diesem landschaftlich sehr reizvollen Gebiet soll 1793 der Negro II ausgebrochen sein. Darüber gibt es aber keine großen Aufzeichnungen.
 
Wenn schon ein Vulkan auf El Hierro ausbrechen muß, dann hier vor der Küste.
Allerdings lehrt die Vergangenheit, daß nicht unbedingt dort wo die meisten Beben registriert werden, sich auch der Schlund öffnet.
Erinnern wir uns an die starken Beben 2011 im Golfo. Die Eruption fand dann aber einige Kilometer weiter im Süden bei La Restinga statt. Die Magma wird sich immer den leichtesten Aufstiegsweg suchen ... und so wird es auch das nächste Mal sein.

Sonntag, 11. Dezember 2011

El Hierro Vulkan - Tremor tanzt im Walzertakt

NEWS:
Auch am Samstag hat der Eldiscreto weiter magmatisches Material ausgeworfen. Meist waren es heiße Gase die an der Meeresoberfläche ankamen und das Wasser verfärbten. Feste Bestandteile wurden gestern nicht beobachtet. Der Krisenstab beschreibt die Lage als stabil. Ein Erdstoß erfolgte heute in der Nacht um 2.11 Uhr mit 1,9 RSk. in 18 km Tiefe im Golfo.



Gedanken bereitet seit Samstagmorgen der pulsierende Tremor. Ein bis dahin noch nicht beobachtetes Phänomen von regelmässigem Auf- und Abklingen der Tremor- aufzeichnungen. Diese Ausschläge werden normal von unterirdischen Explosionen im Lavakanal erzeugt, wenn das Magma Gesteinsschichten durchbricht. Dies erfolgt aber in unregelmässigen Abständen. Seit gestern erfolgen diese Explosionen regelmässig in immer kleinerem zeitlichen Abstand. Erfolgte es am Samstag im 15 bis 20 min. Abstand, so beobachten wir heute einen Intervall im 5 Minuten Takt.
In Fachkreisen wird bereits vom Stromboli Effekt gesprochen. Bemühen wir mal Prof.Wikipedia um die Sache etwas näher zu beleuchten.

Der regelmäßige Auswurf von Lavafetzen, Schlacken und Aschen ist so typisch für Stromboli, dass der Begriff Strombolische oder Strombolianische Aktivität allgemein für Vulkanaktivität dieser Art verwendet wird. Diese weltweit einzigartige, kontinuierliche Aktivität ist durch die so genannte „Zwei-Phasen-Konvektion“ begründet. In einer gewissen Höhe des Schlotes ist der Dampfdruck der Gase größer als der Druck der sich über den Gasen befindenden Flüssigkeit. Die dadurch gebildeten Gasblasen steigen auf und reißen durch ihr Zerplatzen an der Oberfläche Magmafetzen mit sich. Diese Entgasung bringt eine Erhöhung der Masse der betroffenen Schmelze mit sich, die nun wiederum absinkt und somit einen stetigen Kreislauf darstellt.


Das Forschungsschiff "Cornide Saavedra" der IEO (Instituto Espanol Oceanografia) aus Vigo in Nordspanien ist nun auch bereits seit Tagen mit der "Ramon Margalef" in den Gewässern um El Hierro im Einsatz. Carlos Bernal (Danke) hat sich die Mühe gemacht einen Tagesablauf der Saavedra in einer Grafik darzustellen. Das Schiff hat 27 Mann Besatzung und 31 wissenschaftliche Mitarbeiter an Bord. Trotz des großen Aufwandes war allerdings der Krisenstab bis jetzt nicht in der Lage eine Unterwasserkarte oder Grafik des Ist Zustandes unseres Eldiscreto zu veröffentlichen.

Das staatliche Prestige Hotel "Parador" auf der Ostseite der Insel will bis Februar 2012 seine Pforten schließen. Wie die Direktion mitteilte sind es nicht die Auswirkungen der Vulkankrise, sondern die schon seit Jahren schwachen Gästezahlen, die das Defizit immer weiter in die Höhe treiben.