Donnerstag, 1. Januar 2015

Vulkan Eldiscreto macht Schlagzeilen

Neue Erdölquelle am Eldiscreto gefunden ?


Erdöllache am Eldiscreto vor der Südspitze von EL Hierro. Mehrere tausend Liter Erdöl sprudeln aus der Eruptionsstelle des 2011 ausgebrochenen Unterwasservulkan. Große Meldung in der Universario Canario. Geschmückt mit dem Foto des Kanarenpräsident Paulino Rivero und seiner Aussage: "Jetzt könnte der Spritpreis für die Kanaren bald auf 35 Cent pro Liter fallen".

Spätestens jetzt klingt die Geschichte unglaubwürdig. Es war ein Scherz zum 28. Dezember. Was in Deutschland der 1. April ist, gibt es hier zum 28. Dezember. "Santos Inocentes" - die Heilige Unschuldige - erlaubt jedem einen Streich zu spielen. Der Tag der unschuldigen Kinder geht zurück auf König Herodes, der die Tötung aller unter 2-jährigen Kinder befahl.
Dieser 28. Dezember wird nicht nur in Spanien, sondern auch in Lateinamerika für einen "Aprilscherz" genutzt. Tag der unschuldigen Leben in der spanischsprachigen Welt könnte auch auf die oft brutale Inquisitation durch die Spanier zurück gehen. Vielleicht als Racheakt oder als Persiflage entstanden. Genau lässt sich dieser Brauch und das Datum jedoch nicht erklären.

Vulkan Eldiscreto ruht sich aus.


Tatsächlich bleibt es unter El Hierro weiter ruhig. Kein Erdöl und auch nur schwache Erdbeben. Den stärksten Erdstoß am 23. Dezember 2014 mit ML2,4 aus 13 km Tiefe südlich des Tanganasoga. Die leichten nicht spürbaren Beben halten aber weiter an. Die IGN Grafik links zeigt die vergangenen 15 Tage. Anders als bei der Teneguia Eruption 1971 auf La Palma, wo nach 2 Monaten totale Ruhe herrschte, brodelt es unter El Hierro weiter. Fast regelmässig, mit mehreren Tagen Abstand, meldet sich der Vulkan.

Auch bei der Bodenverformung gibt es keine Entspannung. Seit März 2014 bleibt nach den GPS-Messungen auch die vertikale Aufwölbung -der Innendruck- fast konstant auf hohem Niveau. Von einer Entspannung oder gar dem Ende der Vulkanaktivität darf also noch nicht ausgegangen werden. Es ist im Moment eine lange Ruhepause. Seit März 2014 bis heute kam es zu keinen nennenswerten Aktivitäten. Wie lange diese Pause andauert, wissen nur die Götter. Aus der vergangenen nun über 3-jährigen Eldiscreto Entwicklung wissen wir aber, dass recht schnell dieses "Nickerchen" beendet sein kann.

Die Vulkanologen melden sich zu Wort


Es ist für mich immer wieder erstaunlich wie berufsmäßige Vulkanologen von einer zweiten Eruption im Juni 2012 auf der Westseite von El Hierro in Fachpublikationen berichten. Von der eigentlich zuständigen IGN völlig unbemerkt will Involcan überraschend, wie jetzt im November 2014 in der Springer Bulletin of Volcanology veröffentlicht, mehrere weitere Eruptionspunkte nach umfangreichen Auswertungen zweifelsfrei erkannt haben.

Am 28. Juni 2012 hat das Forschungsschiff  "Hesperides" auf akustischen Unterwasser-  Aufzeichnungen Unregelmäßigkeiten im Westteil der Insel festgestellt. Es waren unentdeckte Eruptionen in Küstennähe, die Auswürfe bis 48 m unter die Meeresoberfläche anhäuften. Das Ganze ereignete sich vor dem alten Vulkan Negro.
Bereits am 25. Juli 2012 beobachtet und berichtete ich mit Fotos unter " ... neuer Gasaustritt" hier zum Nachlesen, von einer weiteren Eruption. Die Konzentration und die flache Tiefe der Beben ließen auch für einen Hobby-Vulkanologen nur den Schluss zu, dass es zu einer weiteren Eruption gekommen sein muss. Erst 8 Monate später bestätigte Involcan pressewirksam dieses Ereignis und jetzt im November 2014 in einem Fachjournal mit eindeutigen Beweisen. Das Instituto Geografico National (IGN) verliert dazu keine Worte. Zunächst wurde die weitere Eruption sogar bestritten.

Es mag in der Fachwelt alles etwas länger dauern bis gewissenhaft "Recherchiert" worden ist. Lohn und Anerkennung gibt es aber erst mit der Veröffentlichung in einem Fachjournal. Solange - und das mag ich nicht akzeptieren - bleiben Auskünfte und Beweise unter Verschluss.
Verlage entscheiden, wann die Öffentlichkeit über wissenschaftliche Neuigkeiten informiert wird. Wissenschaftler in öffentlicher Funktion und aus Steuergeldern finanziert, dürften ihre Entdeckungen nicht so lange verbergen.
Zudem verlangt der Verlag für ein vollständiges Manuskript ein hohes Honorar. Das passt nicht mehr in die heutige Zeit. Es wird Zeit dieses Machtmonopol zu brechen und eine andere Art der "Würdigung" zu finden.

Durch diese in allen wissenschaftlichen Fachbereichen übliche Praxis, wurde sicher auch Involcan gehindert, gleich nach "ihrer Entdeckung" Details preiszugeben.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Calima Phänomen zu Weihnachten

News: 28.12.14 - Erdölfund vor El Hierro - eine heute mehrfach verbreitete Meldung. Das dürfte ein schlechter Scherz sein. Morgen dazu mehr.

Sahara-Sandwolken ziehen über die Kanaren.


Riesige Calima Sandmengen strömen von der Sahara über die Kanaren. Wie auf dem Eumet Satellitenbild zu erkennen, befinden wir uns heute bereits unter einem dichten Sandschleier. Diese Wettersituation tritt 3 bis 4 Mal pro Jahr auf und wird Calima genannt. Aus Osten kommende Stürme treiben große Calima Sandmengen über die Inseln. Wie unter einem Gewächshaus steigen die Temperaturen bei Calima an. Um 14.00 Uhr hatte ich heute auf La Palma - Ostseite 26,4°C gemessen.

 Im Winter durchaus angenehm. Es gab vor Jahren schon Calima Temperaturen von 43,8°C in einem Sommermonat. Auch sinkt die Luftfeuchtigkeit von normal 60 bis 70 % schlagartig auf nicht mehr messbare Werte um die 0 %. Für die Landwirtschaft und den Bananenanbau mit katastrophalen Folgen bei längerer Dauer. Den Pflanzen kann künstlich überhaupt nicht soviel Wasser zugeführt werden, wie über die Blätter wieder verdunstet wird. Der viele Sand in der Luft behindert die Fernsicht und kann im Extremfall auch den Flugverkehr beeinträchtigen. Auch für Asthmatiker und Menschen mit Atemwegsproblemen kann es zu Schwierigkeiten kommen.

Der Calima soll nach den meteorologischen Vorhersagen noch bis zum Wochenende andauern. Freude bei den Touristen - sorgenvolle Blicke bei den Plataneros.

Positiv den Calima sehen.


Meine Frau Marie liebt allerdings den heißen Calima. Besonders wenn sie gerade beim Weihnachtsbaum-Schmücken ist - wie unschwer auf dem Schnappschuss zu sehen.
Stellt sich noch die Frage: Ist das eine echte Tanne oder Fichte? Es ist ein original chinesischer Plastikbaum. Hier gibt es keine echten Weihnachtsbäume. In früheren Jahren wurden ab und zu echte Tannen aus Festlandspanien importiert. Diese Gewächse waren teuer und nach dem oft wochenlangen Transport nur noch spärlich behaart. Unser kleiner Plastikbaum leistet schon seit 10 Jahren gute Dienste. Wir lassen uns Weihnachten also nicht vermiesen, auch wenn ich die nächsten Tage jeweils ein Kreuzfahrtschiff zu betreuen habe.
Dann Frohe Weihnachten !

Dienstag, 23. Dezember 2014

Feliz Navidad

Frohe Weihnachten - Feliz Navidad




Allen Freunden in Nah und Fern wünschen wir ein geruhsames und friedliches Weihnachtsfest. Vielen Dank an alle Leser, Kommentatoren, Tippgeber und Helfer im Hintergrund.
Vielen Dank für die vielen Karten, Mails und telefonischen Wünsche.

Ihre Familie – Manfred Betzwieser 
La Palma im Dezember 2014

Sonntag, 21. Dezember 2014

Puros aus La Palma

Zigarren und Puros alles Handgedreht.


Eine langjährige Tradition hat der palmerische Puro (Zigarre). Vor fast 150 Jahren haben zurückkehrende Emigranten Tabakpflanzen aus Kuba mitgebracht. Ähnlich subtropisches Klima auf La Palma lies Tabak auch hier auf der Insel wachsen. Mit dem auf Kuba erworbenen Wissen begann die Puroherstellung. An dieser Art und Weise des “Purodrehen” hat sich bis heute nicht viel geändert. Jeder auf La Palma gerollte Puro wird in Einzelfertigung nach wie vor von Hand gedreht.Hecho a mano wird in allen Puro Manufakturen groß geschrieben. Es sind alles kleine Familienmanufakturen die bevorzugt auf der Ostseite von La Palma um die Gemeinde Brena Alta diese Tradition wahren.


Qualität statt Masse



Rund 2 Dutzend alte und gemütlich anmutende Manufakturen meist in versteckt liegenden Anwesen ohne große Reklametafeln oder Wegweiser fertigen in liebevoller Hingabe ihre Puros. Auch wenn die Grundfertigung der Puros nahezu identisch ist, unterscheidet sich doch optisch und geschmacklich jede Manufaktur von der anderen.
Auf die richtige Mischung kommt es an.
Nicht nur die Tabaksorte, sondern auch der vollzogene Trocknungs- und Fermentierungsprozess, die Lagerdauer und ... Weiterlesen

Dienstag, 16. Dezember 2014

Vulkan - Restingolitas mit hoher Radioaktivität?

Restingolitas geben Rätsel auf



Ungewöhnlich und selten waren die Restingolitas schon. Die Lava-Mixtur der im Jahre 2011 bei der Eldiscreto Eruption  vor El Hierro ausgeworfenen Lavabrocken mit weißem Kern. Nur für wenige Stunden wurden gleich zu Beginn des Vulkanausbruch im Oktober 2011 diese bis dahin nicht bekannten Restingolitas an die Meeresoberfläche befördert. Ihren Namen bekamen sie dann später nach dem nahen Küstenort La Restinga. 

Viel Spekulation und eingehende Untersuchungen zu den auffälligsten Merkmalen von Farbe, Textur und der Restingolitas- Zusammensetzung wurden durchgeführt. Dabei wurde schon früh die hohe Radioaktivät der Restingolitas bemerkt. Wissenschaftler der Universität Las Palmas und Involcan aus Teneriffa hatten in den vergangenen Jahren nun Zeit der Ursache etwas näher auf den Grund zu gehen. 

In einer im November 2014 im Wissenschaftsmagazin " Journal of African Earth Sciences" veröffentlichten Studie stellten sie fest, dass der weiße Kern eine Trachyt-Rhyolithische Mischung darstellt. Diese schwammige von vielen Gaskanälen durchzogene Masse, enthält sehr viel Silizium und Uran. Es dürfte sich um kieselsäurehaltiges Sedimentgestein aus dem Meeresboden handeln. Alte Ablagerungen von Meerestieren und kalkhaltigen Substanzen oder auch Material von früheren Vulkaneruptionen mit hohem Siliziumanteil. 
Das dunkle Gestein das den weißen Kern ummantelt, stammt dagegen aus tieferen Erdschichten und besteht aus Basalt. Beim Aufstieg wurde vom basaltischen Magma das auf dem Meeresgrund abgelagerte helle Sedimentgestein aufgeschmolzen und in einer Art Recycling mit vielen Gaseinschlüssen noch mit einem Schokoladenguss versiegelt. 



Diese luftige Mischung mit hohem Auftrieb gelangte so an die Meeresoberfläche und wurde von der Meeresströmung abgetrieben. Nach nur wenigen Stunden war das Recycling Material aufgebraucht und es folgte nur noch frische dunkle Lava aus der Magmakammer. 


Hier links eine Restingolita- Aufnahme unter dem Elektronenmikroskop. Deutlich sind die höhlenartigen Gänge zu erkennen. Genügend Platz für Gaseinschlüsse.






Wo kommt der hohe Urananteil in den Restingolitas her?


Auffällig für die Vulkanologen war jedoch der hohe Urangehalt in den Restingolitas. Eine Urananreicherung mit Werten zwischen 30 bis 40 ppm (Gramm pro Tonne) im weißen Kern der Restingolitas. Noch nie wurde auf und um die Kanarischen Inseln solch ein Gestein mit einer so hohen Radioaktivität nachgewiesen oder gefunden. 
Es könnte durch selektive Übertragung von Spurenelementen mittels hydrothermalen Lösungen entstanden sein. Durch die Meereszirkulation am Inselsockel könnte es zu einer hohen Konzentration und Ablagerung gekommen sein - so der wissenschaftliche Erklärungsversuch. 

Uran ist ein radioaktives Schwermetall und giftig. Es ist ein natürliches Produkt unserer Erde und kommt in unterschiedlichster Konzentration vor. Im Erdinnern liefert es seit Jahrmillionen Energie und ist maßgeblich für die Erdwärme verantwortlich. Wie ein natürlicher Reaktor gibt der radioaktive Zerfall große Mengen Energie frei und ist die Bodenheizung unseres Planeten.
Es stellt sich jetzt die Frage, warum gerade auf El Hierro flach am Meeresgrund sich soviel Uran angereichert hat. 

Durch Phosphathaltige Düngemittel kann Uran in Inselnähe auch auf den Meeresgrund gelangen. Überall wo Phosphat abgebaut wird kommt auch Uran vor. So wurde im Phosphat aus den USA 65 bis 141 Gramm Uran pro Tonne und in brasilianischen Phosphat gar 220 Gramm/Tonne nachgewiesen. 
Der Süden von El Hierro wird landwirtschaftlich kaum genutzt.und wurde daher in der Vergangenheit sicher auch nicht übermässig mit phosphathaltigen Düngemitteln belastet.
Auch aus andere Inselregionen die im bevorzugten Nordost Strömungskanal liegen kann Uran nicht angeschwemmt worden sein. 

Bleibt noch eine weitere Möglichkeit. In den 1960/70 Jahren wurden unweit der Insel El Hierro radioaktive Abfälle aus europäischen Kernkraftwerken im Meer versenkt. Mehrere Schiffsladungen wurden im Südwesten - ca. 100 Seemeilen vor der Küste - entsorgt. Fässer können rosten und den radioaktiven Inhalt freigeben. Die Unterwasserströmung kann diese Hinterlassenschaft auch weit verstreuen. 

Es konnte bei den Restingolita Untersuchungen nicht festgestellt werden, ob das Uran oberflächig oder in tieferen Schichten des Sedimentgestein enthalten war. Also - ob die Uran- Ablagerungen jung oder alt sind.

Festzustellen wäre allerdings um welche Art von Uran es sich handelt. 
Für Kernkraftwerke oder Forschungsreaktoren wird sicher nur eine bestimmte oder angereicherte Uransorte benötigt. Obwohl ich nicht daran glaube, kann nur eine genaue Bestimmung auch diese Ursache ausschließen. 

Es bleibt also im Augenblick noch ungeklärt, woher diese hohe - aber für den Menschen ungefährliche - Urananreicherung in den Restingolitas kommt.