Samstag, 6. September 2014

Vulkan - Neue GPS Messwerte zur Bodenverformung

Vergleichswerte zur Bodenverformung El Hierro - La Palma - Island

Die Beben haben sich nicht weiter fortgesetzt. Es gab wohl in den letzten 24 Stunden einige kleine Erdstöße bis ML1,9 - diese sind aber unter El Hierro an der Tagesordnung. Zeit sich die aktuellen GPS Messdaten der Universität Nagoya (Grafiken) anzusehen. Links die vertikale Bodenverformung vom Messpunkt El Pinar im südlichen Inselteil von El Hierro. Seit Anbeginn der vulkanischen Aktivität im Jahre 2011 bläht sich mit jedem neuen Bebenschub die Inseloberfläche weiter in die Höhe. Seit März 2014 verharren die Werte auf hohem Niveau. Kein Rückgang und damit kein Entweichen oder Nachlassen des Innendruck ist zu verzeichnen. Es sind 23 cm vertikale Oberfächenverformung seit Ende 2011.

Ein Blick zur Nachbarstation Sabinosa im Golfotal zeigt ähnliche Werte (unterer Grafik UD). Die horizontale Verschiebung nach Norden (mittlere Grafik) bleibt auch konstant, während die Verschiebung auf der Achse Ost/West stark rückläufig ist (obere Grafik).

Es sind insgesamt GPS-Werte die auf kein schnelles Ende der Aktivtät hindeuten. Dies sind im Moment - neben der Gasemission - die einzigen Daten die einen Einblick in die geologischen Vorgänge unter der Insel ermöglichen. Schon beim nächsten größeren Magmanachschub aus dem Erdinnern kann die noch stabile Hülle Risse bekommen. Eine Eruption wäre die Folge.
Wann das allerdings sein wird, kann auch kein Wissenschaftler beantworten. Sicher ist nur, dass nach den heute zur Verfügung stehenden Messdaten, eine Eruption zu erwarten ist.
Es macht natürlich keinen Sinn darauf zu Warten, aber man sollte vorbereitet sein. Neue Beben in größerer Anzahl sind dann der letzte Wink für aufsteigende Magma.

Interessant als Vergleich sind die GPS Daten der nur 70 km entfernten Nachbarinsel La Palma (links). Es ist der gleichen Zeitraum.von Anfang 2012 bis heute. Kaum Veränderungen oder größere Ausschläge. Die vertikale Bodenverformung und auch die horizontale Verschiebung der Insel ist gleich Null. Das sind normale Werte wie sie auch auf den restlichen Kanaren zu beobachten sind. Das ist der Istzustand der sich auch auf La Palma schnell verändern kann. Der Hotspot ist kein regionales Ereignis. Er liegt auch unter dem südlichen Teil von La Palma. Zur Zeit hat er allerdings seine Fühler mehr Richtung El Hierro ausgestreckt. Die Haupt-Magmakammer die ihn speist, wird auf 60 x 60 km Größe geschätzt. Es sind alles Schätzwerte, verlässliche Daten gibt es nicht.

Wie schnell alles gehen kann, haben wir am Beispiel Bardarbunga auf Island gesehen. Innerhalb von 3 Wochen (Mitte August bis heute) hat sich die Inseloberfläche nur um 4,5 cm angehoben. Siehe die Grafik der Universität Iceland am Messpunkt GSIG in Nähe des Bardarbunga unten. Viele und auch starke Beben bis zur Eruption.

Keine jahrelange Vorwarnzeiten - es kann auch sehr schnell gehen.
Island ist natürlich kein El Hierro. Es liegt auch an der geologischen Beschaffenheit und Zusammensetzung der Erdkruste, wie schnell das Magma die Hülle durchschmelzen kann ... und hier scheinen wir auf den Kanaren ein ziemlich zähes Gestein zu haben.


Donnerstag, 4. September 2014

Vulkan - Erdbeben von ML3,8

Unter El Hierro wird es wieder aktiver

Schneller als erwartet hat sich mit einem ML3,8 Beben der El Hierro Vulkan in Erinnerung gerufen. In der vergangenen Nacht um 22.35 Uhr erfolgte der für El Hierro starke Erdstoß (siehe IGN Grafiken) 3,9 km vor der Westküste. Das Ausgangszentrum lag bei 15,6 km Tiefe.

Stunden zuvor um 19.53 Uhr hatte bereits ein ML2,4 Beben aus 33 km Tiefe Aktivitäten angekündigt.
Auch heute Morgen ein weiterer ML1,4 Erdstoß dieses Mal unter dem Inselmassiv (blauer Punkt)) aus 10 km Tiefe.

Es könnte sich bei einer Fortsetzung der Aktivitäten bewahrheiten, dass eine gewisse Regelmäßigkeit in den Intervallen (siehe auch Kommentar gestern von R. Harter) zu beobachten ist. Auslöser dürfte jetzt ein neuer Magmanachschub aus großer Tiefe gewesen sein. Eine aufsteigende Magmablase aus dem Erdinnern kann sich den Aufstiegskanal freigemacht haben. Interessant wären es in diesem Zusammenhang GPS-Werte der Bodenverformung vor der Küste am Meeresgrund zu erhalten . Dies ist allerdings technisch heute noch nicht möglich.

Es zeigt sich doch wieder, wie wenig wir über die Struktur und des Verhalten unseres Erdball wissen. Kometen- und Asteroidenbahnen kann der Mensch Jahre im voraus Berechnen. Wann aber ein starkes Erdbeben oder ein Vulkanausbruch zu erwarten ist, nur über einen wagen Zeitraum Einschätzen und in etwa Vorhersagen. Dabei sterben viel mehr Menschen durch Erdbeben oder an den Folgen einer Vulkaneruption, als durch Kometen.

Die Vulkanforschung ist allerdings noch eine junge Wissenschaft. Im Gegensatz zur Astronomie die seit grauer Vorzeit beobachtet und Daten sammelt, entwickelte sich die ernsthafte Vulkanologie erst im späten 18. Jahrhundert.

Noch heute gibt es keinen eigenen Diplom Studiengang zum Vulkanologen. Die Wissenschaftler kommen aus dem Umfeld der Geologie oder Physik. Es wäre vielleicht für die Kanaren oder Island interessant, sich im Bereich der Bildung vom Rest der Welt abzuheben und einen eigene Diplom Studiengang  "Vulkanologie" einzurichten. Die Studienexponate liegen dort direkt vor den Füssen.

Mittwoch, 3. September 2014

Vulkan - Wie geht es weiter ?

NEWS:

Auf El Hierro vergeht auch nach 3 Jahren seit der Eldiscreto Eruption, kaum ein Tag ohne ein Beben. Es sind keine starken Erdstöße, wie heute Morgen das ML1,8 Beben im südlichen Golfotal. Sie sind aber weiter vorhanden. Auf dem IGN Histogramm links sind die Intervalle seit dem 18.7.2011 aufgelistet. Erstmals seit Ende Dezember 2014 nach dem ML5,1 Beben, ist bis heute - außer einem kleineren Schwall im April - die Bebenaktivität soweit abgeklungen, dass die täglichen Erdstöße an den Fingern einer Hand abzuzählen sind. Ob es die Schlussphase oder nur eine kleine Verschnaufpause ist, wird die Zukunft zeigen. Einige Faktoren, wie die nach wie vor starke Bodenverformung nach den jüngsten GPS Messungen, sprechen mehr für eine Fortsetzung der Vulkanaktivität.

Voll im Gange ist dagegen die Eruption des Bardarbunga auf Island. Rauch und Aschewolken entströmen dem 6- 800 Meter langen Spalt im nördlichen Bereich (siehe Mila Webcam). Heute Morgen um 3.09 Uhr ein ML5,5 Beben aus 7 km Tiefe. Hier dürfte noch einiges an Magma nachkommen. Trotzdem verhält sich der Ausbruch gemäßigt. Keine weit aufsteigenden Aschepartikel, so dass der Flugverkehr im Moment nicht beeinträchtigt wird. Der Lavastrom erstreckt sich laut IMO über eine Fläche von 4,2 km². Insgesamt sollen bis jetzt 20 bis 30 Millionen m³ Lava ausgelaufen sein.

Trotzdem bleibt unklar, ob nicht doch noch unter dem Eis eine größere Eruption direkt am Bardarbunga erfolgt. Das könnte dann eine explosive Eruption mit viel Schmelzwasser bedeuten. Die IMO hält diese Variante für immer noch sehr wahrscheinlich.

Sonntag, 31. August 2014

Island - weitere Vulkan Eruptionsspalte geöffnet

Seit Sonntag-Morgen fliest beim Bardarbunga wieder Lava

Nachdem sich am vergangenen Freitag nur wenig Lava ergossen hat, setzt sich seit einigen Stunden die Vulkan- Eruption fort (Foto Island Mila-Webcam). Im nördlichen Teil der Spalte bei Holuhraun, hat sich auf eine Länge von 200 bis 300 Meter am Sonntag- Morgen die Lava erneut einen Durchbruch zur Erdoberfläche geschaffen. Es ist bis jetzt keine gewaltige oder explosive Eruption, da die Ausbruchstelle nördlich des Gletschers liegt und keine großen Mengen Wasser Verdampfen müssen. Auch scheint in diesem Kanalbereich der Innendruck nicht allzu groß zu sein, so dass keine übermäßigen Gas- und Lavamengen ausgeworfen werden.

Das eigentliche Geschehen spielt sich weiter südlich Richtung Bardarbunga unter der Eisdecke ab. Hier gibt es unverändert viele Beben. Ob nun die Fissur im Norden eine große Druckentlastung bringt, bleibt abzuwarten.

Aufgrund eines heranziehenden Tiefdruckgebiet (ich hatte berichtet) mit Windspitzen über 20 m/s und viel Regen ist der Verlauf der Eruption auf der Webcam nicht mehr zu beobachten.

Der Isländische Wetterdienst (IMO) der dort auch für die Vulkanaktivitäten zuständig ist, macht seine Aufgabe gut. Er ist das isländische Gegenstück zur spanischen IGN (Instituto Geografico National).
Die grafische Aufarbeitung erfolgt fast in Echtzeit, wobei manche Darstellungen gewöhnungsbedürftig sind.
Es stehen mehrere Webcams von einem privaten Betreiber (Mila) zur Verfügung.

Insgesamt gibt es in diesem Punkt keine Kritik.

Vom Beobachten und Zuschauen auch in anderen europäischen Ländern kann man lernen. Island hat in Europa die meisten Vulkanausbrüche zu verzeichnen. Entsprechend Professional und mit Erfahrungswerten wird die "Vulkankrise" auch gemanagt. Das ist auch der Grund warum ich über Island berichte.

Sehr schnell werden Änderungen und Einschätzungen veröffentlicht. Das war auf El Hierro nicht immer so der Fall.
Mehrere staatliche Institute (IGN, Involcan) und der Krisenstab (Pevolca) mussten sich immer erst Einig werden. Entscheidungen fielen mit Zeitverzögerung oft erst am nächsten Tag.

Es war der lange und träge Entscheidungsarm, der so manche gefährliche Situation erst herauf beschwor. Ich denke an die Aufhebung der Evakuierung von La Restinga, der dann nur wenige Stunden später, eine Notevakuierung in der Nacht und die Eruption des Eldiscreto 2 km vor der Küste folgte. Zum Glück ist damals 2011 nichts passiert - es hätte aber auch anders kommen können.

Ich bin mir sicher, dass die kanarischen Behörden und Institute die Vorgänge auf Island genau beobachten und daraus vielleicht auch ihre Rückschlüsse ziehen.
Isländische Vulkanologen hatten 2011 ihre Unterstützung angeboten. Diese wurde von der Pevolca dankend abgelehnt.

Die nächste "Vulkankrise" wird auf den Kanaren kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Jetzt hat man Zeit, die Fehler der Vergangenheit Aufzuarbeiten und Änderungen vor allem in der Administrative vorzunehmen. Erst kommt der Schutz des Menschenleben und dann erst wirtschaftliche Faktoren, wie der Tourismus.
Das war und ist meine Meinung - oder wie ein damals am 24.10.2011 veröffentlichter Kommentar:

"Leider muss ich immer wieder feststellen, dass die Behörden entweder keine, verspätete oder sehr abgeschwächte Informationen heraus geben. Mich versetzt diese Tatsache viel mehr in Angst, als das eigentliche Geschehen. Panik entsteht durch Unwissenheit und nicht durch Aufklärung"

Freitag, 29. August 2014

Island - Sichtbare Spalteneruption hat begonnen

Warnung: Eine Spalteneruption hat nördlich von Dynjujökull gestartet.


Das ist der offizielle Warnhinweis des Iceland Met Office (IMO) und der Vedur. Die ersten Webcam Aufnahmen zeigen einen Feuerschein und austretende Dämpfe. Gegen Mitternacht hat, wie von vielen erwartet, die sichtbare Eruption des Bardarbunga begonnen. Die letzten starken Beben haben den Eisdurchbruch geschafft. 

In der bereits gestern erwähnten Eisspalte, nördlich des Dyngju tritt an mehreren Punkten Lava und Gas aus. Wie lang diese so genannte Spalteneruption ist, wird sich erst heute abschätzen lassen. Der erste Eruptionsschub hat sich gegen 2.40 Uhr verlangsamt.


Es hat jetzt doch einige Tage angedauert, bis die am 23. August 2014 begonnene Eruption die dicken Eisbarrieren durchschmolzen hat. Gestern wurde noch festgestellt, dass ein naher See innerhalb von 24 Stunden seinen Wasserstand durch zufließendes Gletscherwasser um 10 Meter erhöht hat.

Nach IMO Angaben sind noch keine den Flugverkehr beeinträchtigenden Aschepartikel in die Atmosphäre geblasen worden. Trotzdem wurde im Vulkangebiet die Warnstufe wieder auf "Rot" gesetzt. Große Mengen Magma sind in den letzten Tagen in die Kammer nachgeströmt. Das Potential für eine starke Eruption ist vorhanden.



Jedoch könnte in den kommenden Tagen der Ex-Hurrikan Cristobal zur Hilfe kommen. Das Tiefdruckgebiet dreht sich gegen den Uhrzeigersinn und könnte eine mögliche Aschenwolke nach Nordosten verwehen. Dann würde Skandinavien ein Problem bekommen.

Aber die Natur und die Vulkane sind unberechenbar. In der Regel sind es nur wage Vermutungen, aber wie jetzt ausnahmsweise die Eruption, lies sich anhand von Fakten zu 90 % vorhersagen. Wie lange und wie stark die Eruption andauert, liegt nicht in Menschenhand.

Es kann nur ein kurzer Druckabbau mit Gas und wenig Lava sein -  aber bei entsprechendem Magmanachschub aus dem Erdinnern sich auch kräftig wie die Eyjafjallajökull - Eruption  2010 entwickeln.

Das eigentliche Problem für die Isländer liegt aber im Abschmelzen der Eiskappen. Riesige Wassermengen könnten in kürzester Zeit die Bäche und Flüsse anschwellen lassen und auch weiter im Landesinnern größere Schäden verursachen.