Freitag, 18. Oktober 2013

Vulkan - auf "Schatzsuche"

NEWS:
Samstag, 19. Okt. 2013 - 14.09 Uhr
Es wird in den letzten Stunden wieder etwas lebhafter:

10.52 Uhr - Auftakt mit einem ML 1,6 Beben aus 12 km Tiefe
11.14 Uhr - ML2,1 aus 11 km Tiefe
11.29 Uhr - ein ML2,2 Beben aus 9 km Tiefe - alle Erdstöße in Nähe des Tanganasoga.


Freitag, 18. Okt. 2013
Auch die letzten Tage gab es immer wieder unter der Insel leichte Erdstöße bis ML1,6. Gestern 8 und heute bisher 5 Beben. Die Lage bleibt unverändert in ca. 10 km Tiefe.

Heute möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, ob Vulkaneruptionen auch wertvolle Rohstoffe an die Erdoberfläche befördern können.
Eine kleine "Anleitung zur Schatzsuche" (wie Peter Kocksholt meinte - danke) kann ich Ihnen zumindest für die Kanaren nicht liefern.
Es werden aber auch hier Edelsteine, wie das Olivin links (Foto: Hannes Grobe) gefunden. Es liegt allerdings nicht in reiner Form, sondern meist vermischt mit anderen Mineralien vor und findet in der örtlichen Schmuckfertigung Verwendung.

Überlegen wir uns zunächst einmal grundsätzlich wie diese Mineralien- Ansammlung entsteht und an die Erdoberfläche kommen könnte.

Flüssiges Magma entsteht erst in den oberen Erdschichten von 100 bis 150 km Tiefe. Darunter ist es wegen des immensen Druck ein fester Massenkörper.

Das zähplastische Magma bildet bei einer Temperatur von 1000 bis 1300° C einen tropfenförmigen Magmaherd der aufsteigt und sich wie unter El Hierro in 5 bis 20 km Tiefe sammelt. Innerhalb dieser Magmakammer findet eine ständige Umwälzung von inzwischen an der Kammerdecke erkalteter Magma die absinkt und neuer erhitzter Magma die vom Kammerboden aufsteigt, statt. Es ist eine ständige Zirkulation im Gange.

Dabei werden die Kammerwände und die Magmadecke weiter aufgeschmolzen und darin bereits enthaltene Mineralien gelöst. Jedes Mineral hat eine andere Dichte und Schwere. Leichte Stoffe schwimmen dabei mehr oben und schwere Elemente sinken auf den Magmakammerboden ab.

Findet nun die Magma einen Eruptionsausgang werden zuerst die oberen leichten Mineralien an die Erdoberfläche gepustet.
Das sind zumeist gelöste Schwefelteilchen die gasförmig austreten und den "verfaulten Eiergeruch" verursachen.
Nach und nach kommen nun die tiefer gelagerten Mineralien an die Oberfläche. Das sind neben Silizium, Elemente wie Eisen, Aluminium, Magnesium, Calcium und Natrium. Häufig auch Plagioklas, Quarz, Olivin, Pyroxen, Amphibol oder Biotit.


Es entstehen dann Lavaschichtungen wie auf dem Foto oben, das ich im Norden von La Palma bei Barlovento aufgenommen habe. Während einer Felsabtragung wurde unwissend genau an der richtigen Stelle das Gestein für die neue Straße abgetragen und dieses Lavaaufbau-Schema kam dabei zum Vorschein.
Hier waren es sicher mehrere Eruptionen über einen längeren Zeitraum. Die unterschiedlichsten Lavamischungen und damit auch die Mineralien haben haben sich fein getrennt übereinander gelegt.

Edelsteine, wie Diamanten oder Gold wurden bisher auf den Kanaren noch nicht gefunden. Soviel zur Beruhigung für die Schatzsucher. Zumindest nicht nach einer Vulkaneruption.

Es kann aber durchaus möglich sein, dass sich hier noch alte Depots aus der Seeräuberzeit befinden.

Was aber bisher gefunden wurde, wie es zu Erkennen ist und was damit bisher schon oder auch noch nicht gemacht wurde - in den nächsten Tagen mehr.

TIP: Wer sich für Kreuzfahrten um die Kanaren interessiert, sollte sich meine neue Seite:  - Kanaren Kreuzfahrt - anschauen.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Vulkan - unter dem Tanganasoga

NEWS:


Das Beben-Histogramm (oben) der letzten 90 Tage zeigt die rege Aktivität. Meist kleine und schwache Beben. Nur die rot markierten Balken zeigen Erdstöße mit mehr als ML2,0 an. Auch heute bereits wieder 9 Beben (zum Vergrößern anklicken). Von Ruhe kann keine Rede sein - vielleicht inzwischen von einem gewohnten Zustand unter El Hierro. Seit März 2013 -  nach dem doch starken Bebenschwall im Südwesten, ist der Untergrund ständig in Bewegung. Das Magma brodelt, schichtet sich um und löst an den Rändern des Magmavortrieb neue Beben aus. Unbemerkt auf der Oberfläche und nur von den Seismografen registriert.

Das Zentrum liegt die letzten 15 Tage (IGN Grafik) relativ stabil in 9 bis 11 km Tiefe unter dem Vulkankegel des Tanganasoga im Inselinnern.

Der Tanganasoga am Rande der Golfo- Abruchkante (Grafik: Carracedo), dürfte nach Altersbestimmungen mit der 14C-Methode und nach den Ergebnissen von Probebohrungen, erst vor ca. 5- 7000 Jahren entstanden sein. Also viel jünger als der große Golfo Gesteinrutsch vor rund 120.000 Jahren. Nach den Schutt- und Gesteinablagerungen dürfte es sich um nur eine aber heftige explosive phreatomagmatische Eruption gehandelt haben. Das vermutet auch der Geologe Rainer Olzem. Er hat übrigens eine sehr interessante und verständliche Abhandlung über die vulkanische Entwicklung von "El Hierro - ein geologischer Überblick" verfasst.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Eldiscreto - Zwei Jahre ist es nun schon her

NEWS:
Montag, 14.10.13 - 10.49 Uhr - auch gestern Abend um 21.40 Uhr ein ML2,1 Beben aus 11 km Tiefe am Tanganasoga.

Zwei Jahre sind inzwischen vergangen. Am 10. Oktober 2011 zeigten sich erste Meeresverfärbungen vor La Restinga im Süden. Diese Guardia Civil Aufnahme (links) aus dem Helikopter dürfte überhaupt das erste Foto einer Vulkaneruption auf El Hierro gewesen sein. Keiner wusste zu diesem Zeitpunkt wie die Eruption verläuft und was noch alles kommen wird. Tausende Erdbeben wurden bereits Monate vor dem Ausbruch registriert. Zum Glück war es keine Eruption auf dem Lande, sondern 1,5 km vor der Küste im Meer.
Am 5. November 2011 kam es dann - für einige überraschend - zum bisherigen Höhepunkt. Ich zitiere aus meinen damaligen Aufzeichnungen:

"Kurz nach 18.00 Uhr am Samstagabend brach nun der erwartete Vulkan bei Restinga aus. Mindestens zwei Explosionen beförderten Gas, Asche und anderes magmatisches Material in 20 m Höhe über den Meeresspiegel. Im nahen Ort Restinga brach Panik aus. Die Lage des neuen Vulkan wird unterschiedlich angegeben. Bewohner berichten von wenigen hundert Metern vom Ort, das Gobierno von ca. 2 Meilen (3,6 km).
Die im Ort verbliebenen 200 Anwohner wurden sofort evakuiert und in einem Schülerwohnheim in Valverde untergebracht.
Nach Berichten soll der Vulkan in der Nacht pulsierend alle 30 bis 40 min. Asche und Wasser in die Atmosphäre ausgeworfen haben. Mehr war in der Nacht nicht zu beobachten (Foto: Rafa Avero) "
 
Es folgten Beben, Auswürfe und Meeresverfärbungen, wie man es bisher selten erlebt hatte.
Diese Fotos gingen um die Welt. Eine Satellitenaufnahme schaffte es gar als schönste NASA Aufnahme des Jahres prämiert zu werden.


Wer den dramatischen Ablauf Nachlesen möchte, geht links ins Archiv oder auf diesen Direktlink: Vulkan ausgebrochen?

Dokumentiert habe ich die Geschehnisse auch in kompakter handlicher Form als Nachschlagewerk in meinem Buch "Eldiscreto - die Geschichte" - hier rechts zu bestellen.

Was bleibt heute nach 2 Jahren Vulkanaktivität festzustellen?


Was als La Restinga Unterwasser-Eruption 2011 begonnen hat, ist bis heute noch nicht abgeschlossen.
Fast täglich neue Beben:
Auch gestern am Samstag 23 Erdstöße - heute kurz nach Mitternacht um 0.02 Uhr ein ML2,1 Beben aus 13 km Tiefe. Die Lage unverändert unter dem Inselzentrum.

Auch wenn die Geologen und Vulkanologen der IGN in den vergangenen Jahren gleich mehrfach die Aktivität für beendet erklärt haben, sind sie heute schlauer.
Auch sie glauben inzwischen, dass der magmatische Reaktivierungsprozess unter El Hierro noch nicht abgeschlossen ist.

Die Fortdauer der regen Bebentätigkeit, die anhaltende Bodenverformung von bis zu 18 cm und hohe Helium-3 Emissionswerte im Grundwasser sind nicht charakteristisch für Perioden der Stabilität in der Geodynamik.
Alle Anzeichen deuten auf eine weitere neue Eruption hin.

Alles Dinge - auf die ich als Vulkanologe (mit dem Vorsatz "Hobby") oder einfach als interessierter Betrachter, schon lange hinweise.

Zeichen sollte man nicht einfach ignorieren, vernachlässigen und herunter spielen oder zur Bedeutungslosigkeit abstempeln. Die Natur gibt uns diese Hinweise - wir müssen sie nur richtig deuten.

Die Insulaner haben sich inzwischen an den Vulkan angepasst und gelernt mit dem Vulkan zu leben. Sie wissen aber genau, dass sie auf einem Hotspot leben und sich jederzeit die Tage von 2011 wiederholen können.
Das Alltagsleben hat wieder die Hauptrolle übernommen, mit all seinen kleinen und großen Sorgen. Die spanische Wirtschaftskrise mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit, die schlechte Verkehrsanbindung und den immer weiter ansteigenden Energiepreisen. Die Aufzählung lässt sich beliebig verlängern.

Behalten haben sie aber ihren Optimismus, die Freundlichkeit und ihr herzhaftes Miteinander. Eine Insel für einen erholsamen Urlaub auf der der Gast noch "König" ist und von all dem unter der Insel nichts oder nicht viel spürt.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Erdbeben - Fehleinschätzung und die Folgen

NEWS:
Samstag, den 12.Oktober 2013 - 15.02 Uhr - Am gestrigen Freitag 12 und heute bereits 18 Beben bis ML2,0. Der Schwerpunkt liegt weiter unter dem Inselmassiv in 11 km Tiefe.



Gestern ein Beben ca. 30 km nördlich von Teneriffa (IGN Grafik oben) von ML2,4. Es fand seinen Auslöser in nur 1,1 km Tiefe. Da die seismischen Tiefenmessungen immer von der 0 Linie - das ist in der Regel die Meereshöhe - ausgehen, fand es direkt auf dem Meeresgrund statt. Vielleicht war ein Felssturz in der stark zerklüfteten Meereslandschaft die Ursache.
Auf El Hierro halten die Beben ihre Lage unter dem Taganasoga und Malpaso bei. Wie aus der Avcan Karte zu sehen, gab es nur einen südlichen Erdstoß beim Eldiscreto. Die restlichen 10 schwachen Beben vom Mittwoch bis ML1,6 lagen unter dem Inselmassiv in 9,9 bis 12,9 km Tiefe. Heute bisher 4 neue Erdstöße.


Die Erdbeben-Katastrophe von L’Aquila  - nachgehakt:

Im letzten Jahr hatte ich über den Gerichtsprozess von L’Aquila in Mittelitalien berichtet.
Im Oktober 2012 wurden dort vom Gericht sieben Fachleute, darunter auch Geologen und Seismologen, wegen fahrlässiger Tötung zu 6 Jahre Gefängnis verurteilt.

Bei dem verheerenden Erdbeben von ML6,3 am 6.April.2009 in L’Aquila starben 307 Menschen. Am Tode von 29 Bewohnern und mehreren Verletzten sollen sie direkt schuldig gewesen sein, da sie als Fachleute trotz besseren Wissens die Gefahr verharmlost haben. Ein Teil der Bewohner blieb aufgrund der fachlich falschen Einschätzung in ihren Häusern und wurden von Trümmerteilen erschlagen.

In der Urteilsbegründung wird den Geologen nicht etwa vorgeworfen, das Beben und die zu erwartende Bebenstärke nicht vorhergesagt zu haben. Dies sei auch nicht möglich.

Es geht vielmehr um die „unvollständige, ungenaue und widersprüchliche Informationen zur Natur, Ursache, Gefahr und künftigen Entwicklung der seismischen Aktivität“
Während im Katastrophenstab einige Geologen durchaus die Möglichkeit eines schwereren Beben prognostizierten, vertraten Andere und die politischen Verwaltungsmitglieder die Ansicht, die Bevölkerung nicht mit Horrorgemälden weiter zu verunsichern.

"Der Erdbebenschwarm sei kein Vorzeichen für weitere Beben, sondern ein normales geologisches Phänomen - die Lage sei günstig und es bestehe keine Gefahr"
Also kein Grund zur Beunruhigung - alles sei Normal.
So letztendlich das gemeinsam veröffentlichte Kommuniqué.

Die Mitglieder des Katastrophenstab hätten damit ihre gesetzliche Informationspflicht verletzt und wurden kollektiv alle zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt.

"Mitgehangen - Mitgefangen" - könnte man jetzt sagen.

Auch Wissenschaftler, zumindest wenn sie amtlich bestallt und aus öffentlichen Kassen bezahlt werden, sollten soviel Ego und Berufsehre besitzen, nicht jede gemeinsame Entscheidung wider besseren Wissens mitzutragen.
Sie sind die Fachleute mit dem entscheidenden Vorsprung an Wissen und Insiderinformationen und sollten mit ihren Erkenntnissen keine Geheimniskrämerei betreiben. Soviel Mumm und Ehrlichkeit darf man schließlich erwarten.

Ehre wem Ehre gebührt.
Ich kann noch verstehen, wenn neue wissenschaftliche Entdeckungen solange zurück gehalten werden, bis eine Fachzeitschrift den Artikel veröffentlicht hat.

Geht es aber um Menschenleben, darf keine Zeit verloren gehen. Es muss auch mit aller Eindringlichkeit vor der Gefahr gewarnt werden.
Sie haben auch in diesem speziellen Fall eine Verantwortung für ihre Mitmenschen.

Politik und Wissenschaft lassen sich nicht immer unter einen Hut bringen. Das wissen wir nur zu gut.

Die Allgemeinheit bezahlt diese Wissenschaftler direkt oder über irgend ein Forschungsprojekte und hat dann auch das verdammte Recht eine ehrliche Einschätzung über die zu erwartende Bedrohung zu erhalten.
Wer sich hinter einer Institution wie dem Katastrophenstab versteckt, läuft dann halt auch Gefahr für eine gemeinsame Fehlinformation mit tödlichen Folgen bestraft zu werden.

Noch läuft in Italien das Berufungsverfahren, dessen Ausgang aufgrund der unsicheren Rechtlage, ungewiss ist. Das Urteil kann bestätigt oder aber verworfen werden ... warten wir ab.

Das Urteil hat auch in anderen Ländern eine rege und kontroverse Diskussion ausgelöst. Kein Geologe oder Vulkanologe würde in Zukunft in einem Krisen- Gremium mehr mitarbeiten oder sich bei einer Prognose festlegen - so die Aussagen.

Das ist aber auf Dauer auch nicht die Lösung. Schweigen mag in manchen Dingen zwar "Gold" sein. Seine Überzeugung - auch gegen Widerstand zu vertreten, zeugt aber von Aufrichtigkeit.

"Ein Mensch ohne Aufrichtigkeit ist ein Gefährt ohne Achsen, unbeweglich und unverwendbar." 
- nicht von mir, sondern von Konfuzius (551-479 v. Chr.)

Dienstag, 8. Oktober 2013

Regenerative Energie im politischen Sumpf

NEWS:

Windräder bei Valverde

Hauptspeicherbecken oberhalb von Valverde
Es ist schon zum Heulen. Was läuft hier für ein schäbiges Spiel.
Bei der Erdölförderung - wie den Probebohrungen vor Fuerteventura oder den Erdgaseinlagerungen im Castor-Projekt im Golf von Valencia werden vom zuständigen Madrider Energie-, Industrie- und Tourismusminister José Manuel Soria schnell die notwendigen Genehmigungen erteilt. Geht es um ein einmaliges regeneratives Energieprojekt wie der Wind- und Wasserkraftanlage "Gorona" (in der Archivsuche links diesen Begriff eingeben) auf El Hierro lässt der Minister sich Zeit.

Hier sind keine großen Energiekonzerne mehrheitlich beteiligt. 60% der Anteile hält noch die Inselregierung über ihre Tochter "Gorona". Das Vorzeigeprojekt auf El Hierro ist nun fast fertig (hier Archivbilder vom Bau aus dem Jahre 2012) und könnte in den Probebetrieb gehen. Keine Lobby oder drängende Konzerne die dem Ministerium Dampf machen - also hat Soria Zeit oder gar ganz andere Pläne.

Um den Hintergrund besser zu verstehen empfehle ich zunächst den Artikel in der TAZ "Rajoy ignoriert die Wut" zu lesen. Genau dieser Partei Partido Popular (PP) gehört auch Minister Soria an. Bewiesen sind diese Vorwürfe noch nicht, deshalb wollen wir auch nichts unterstellen. Es zeigt aber doch den Charakter der Parteielite und ihre wahrscheinlich enge Verknüpfung zum Kapital und den Energiekonzernen.

Wasserauffangbecken am Meer mit dem Turbinen/Pumpenhaus
Um was geht es auf El Hierro im Einzelnen:
Der frühere Sozialist und Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero ermöglichte private Investitionen in die Strom- und Energieversorgung. Großzügige Subventionen sollten langfristig planbar einen Anreiz schaffen in Wind-, Wasser- oder Sonnenenergie zu investieren. Das wurde auch vieler Orts - auch auf El Hierro - gemacht. Beim Gerona-Projekt waren es wohl kaum private Anleger, sondern meist Finanzmittel von öffentlichen Töpfen aus Brüssel und Madrid. Hohe Subventionen für jedes eingespeiste KW/h waren der Köder.

Mit dem Regierungswechsel zu einer konservativen Regierung (PP) im Dezember 2011 änderten sich aber diese Prioritäten.

Erst wurde die Förderung auf 25 Jahre begrenzt, dann wurden die subventionierten Kilowattstunden beschränkt und zusätzlich im letzten Jahr noch eine Ökosteuer auf den eingespeisten Strom erhoben.
Sicher war die gutgemeinte Subvention für alternative Energie zu hoch und auf Dauer auch zu kostspielig.

Ein fast bankrottes Land wie Spanien konnte das nicht weiter verkraften. Bezahlt hat diese Kosten im Endeffekt sowieso der Endverbraucher über seine Stromrechnung. Der Strompreis stieg auf den Kanaren in den letzten 5 Jahren um über 60% an.

Durch das Gorona Projekt auf El Hierro und den selbsterzeugten Strom hätte sich für die Insel selbst nichts am Strompreis von heute rund 0,14 € pro KW/h geändert. Der Strompreis wird zentral aus Madrid, unabhängig wieviel Ökostrom vor Ort selbst eingespeist wird, festgelegt.
Es bleibt aber das schöne Gefühl, selbsterzeugten sauberen Strom zu verbrauchen.

Anders sieht es aber für den Eigner der Anlage, das Cabildo von El Hierro aus. Die Insel ist für die Wartung und Instandhaltung ihrer Anlage selbst verantwortlich. Über die Einspeisevergütung soll der Unterhalt finanziert werden. Bleibt davon noch etwas übrig, könnte das über eine Senkung des Wasserpreises zum Beispiel auch an die Anwohner weiter gegeben werden. So könnten dann Alle von dem Projekt doch noch profitieren.
So auch der Gedanke und Wunsch von Alpidio Armas, dem Inselpräsidenten.

Wäre da nicht schon wieder Minister Soria. Er entscheidet wie das alternative Energieprojekt von El Hierro in das nationale Tarifsystem für Energieerzeuger eingestuft wird. Hier gibt es gute und schlechte Varianten und letztendlich entscheidend wie der Gewinn oder auch Verlust ausfällt. Auch hegt der Minister Gedanken die komplette alternative Stromerzeugung in eine Hand unter Madrider Kontrolle zu stellen. Das käme dann fast einer Enteignung gleich.

Das brachte nun den Cabildo Präsidenten Armas von El Hierro auf die Palme. Er drohte mit dem Bruch des Regierungsbündnis zwischen Partido Popular (PP) und seiner sozialistischen Partei. Seit 2011 wird El Hierro von dieser Koalition regiert.
Darauf hat Minister José Manuel Soria schnell reagiert. Er möchte rasch diese Frage klären und seine Unterschrift unter das entsprechende Dokument setzen.

Wie diese Entscheidung auch ausfällt - jeder Tag ist ein verlorener Tag. Im Grunde kann sich Spanien dieses politische Gerangel gar nicht mehr leisten. Für teureres Geld muss jeden Tag neues Erdöl eingeführt werden und die Verbrennung von Schweröl in den kanarischen Kraftwerken verschmutzt und belastet die Umwelt weiter.

... und hier steht ein sauberes Kraftwerk ungenutzt herum, nur weil ein Minister es in den letzten Jahren nicht für notwendig gehalten hat sich rechtzeitig Gedanken zu machen und sich darum zu kümmern ...  armes Spanien.

Jüngste Bebenaktivität
Auf El Hierro hatten wir am Sonntag 23 Beben bis ML2,4. Gestern wurden 10 Erdstöße von der IGN registriert. Heute bisher 3 schwache Beben. Die Ausgangstiefe liegt weiter bei 10 bis 11 km unter dem Inselmassiv.