Sonntag, 9. Juni 2013

Vulkan - und noch etwas mehr Ruhe

NEWS:
Ein ML2,0 Beben gestern Abend um 22.53 Uhr im Westen aus 19 km Tiefe (IGN Grafik). Insgesamt am Samstag 5 Erdstöße. Heute Morgen auch ein ML1,0 Erdstoß unter dem Tanganasoga und um 4.36 Uhr ein ML1,8 Beben aus nur 8 km Tiefe im Westen.
Alles bleibt verhalten und für El Hierro ruhig.

Fahrzeugverkehr lahmgelegt !

Noch etwas mehr Ruhe auf der sonst ohnehin ruhigen Insel gab es die letzten Tage auf El Hierro. Der Autoverkehr war eingeschränkt.
Keine Baustelle, kein Streik und auch kein plötzlich ökologisches Umdenken waren die Ursache.
 
Wenn Sie an der Tankstelle aus Versehen die Diesel-Zapfpistole ziehen und ihren Benzin PKW damit befüllen, haben sie ein Problem. Nach wenigen Kilometern wird ihr Fahrzeug streiken und seinen Dienst quittieren. Dumm gelaufen wird jetzt mancher sagen.
 
Wenn Sie aber richtig Tanken und das Auto trotzdem streikt liegt wohl die Ursache wo anders. Geschehen ist dies in der vergangenen Woche auf El Hierro. Nach dem richtigen Betanken an den DISA Tankstellen der Insel haben 230 Fahrzeuge die normale Weiterfahrt verweigert oder ein untypisches Verhalten gezeigt.
 
Dem Tanknetzbetreiber DISA ist ein Irrtum unterlaufen. Ob es ein technischer oder menschlicher Fehler war, wurde nicht bekannt.
Vermischt wurde in den Depottanks der drei Tankstellen Ottokraftstoff mit dem zähflüssigeren Diesel. Die Folgen kann sich jeder selbst ausmalen.
Bis es bemerkt wurde, war diese Mischung bereits in 230 Autos abgefüllt.
 
Nun fordert sogar der Inselpräsident eine schärfere Überwachung der Spritlieferungen an die Tankstellen der Insel.
Der Betreiber DISA will die bereits vorliegenden Schadenersatzforderungen prüfen und in den nächsten 15 Tagen darüber entscheiden.
Inzwischen wurden die Tanks abgepumpt und gereinigt. Der Verkehr fließt wieder normal.  

Freitag, 7. Juni 2013

Landwirtschaft und die Wundermittel

NEWS:

Heute Morgen um 2.02 Uhr wieder einmal ein ML2,0 Beben im Süden (Karte). Der Erdstoß kam aus 14 km Tiefe. Kurz darauf noch ein ML1,5 Beben vor der Westspitze.
Etwas Zeit sich auch mit den anderen Dingen auf den Kanaren zu beschäftigen. Wie bekannt dominiert auf den Westinseln (La Palma, La Gomera, El Hierro) die Landwirtschaft und nicht der Tourismus. Der Bananenanbau und auf El Hierro noch die Ananasproduktion sind die bedeutendsten Wirtschaftsprodukte. "Roundup" ein Totalherbizid des amerikanischen Agrarkonzern Monsanto ist hier zumindest bei den Bauern genauso bekannt wie Ariel oder der Hamburguesa.

Roundup und die Agrarkonzerne

Ein Allzweck Herbizid das mühelos selbst das kleinste Kräutlein wegspritzt. Viel benutzt und in großen Mengen eingesetzt. Viel hilft viel - war auch hier in der Vergangenheit das Motto.

Inzwischen hat sich auch hier herum gesprochen, dass dieser Unkrautvernichter nicht ganz ohne ist. Wurden bisher die Straßen- und Wegränder regelmäßig im Auftrag des Cabildo (Inselregierung) von unerwünschten Kräutern mit diesem Wundermittel behandelt, wird neuerdings das Unkraut wieder per Hand gezupft.
Auch in der Monokultur Platanos (Bananen) erfolgt langsam ein Umdenken.
Zu viele Krankheitsfälle, die wahrscheinlich auf den Einsatz diese Herbizid zurückzuführen sind,  erfordern ein Umdenken. Auch wenn Monsanto die Harmlosigkeit seiner chemischen Mixtur mit Gutachten zu untermauern versucht, sieht die Realität ganz anders aus.

Vielleicht ist es nicht primär das Spritzelixier selbst, sondern eine für die Natur und den Menschen negative Kettenreaktion, die davon ausgelöst wird.
Es ist ein Milliardengeschäft mit Patenten- und Monopolrechten abgesichert, die sich der Agrargigant nicht entgehen lassen will.

Bei der Gen-Manipulation sieht es ähnlich aus. Mais und Soja-Anbau nur noch mit gentechnisch veränderten Samen aus dem Hause Monsanto. Es ist die Mischung aus Gift und Genen, die den Mais oder die Soja trotz Einsatz von Roundup weiter wachsen lassen.
Auch darauf hat Monsanto natürlich auch ein Patent. Der veränderte Samen muss beim Konzern eingekauft werden. Auch die Saatgutvermehrung ist verboten und wird verfolgt.

Damit gibt sich der Konzern aber noch lange nicht zufrieden. Auch andere Sorten sollen gentechnisch verändert und patentiert werden. Irgendwann ist dann auch die Banane an der Reihe. Versuche mit Weizen gibt es bereits - lesen Sie dazu einen Artikel in der Süddeutsche.de  US-Farmer verklagt Monsanto

Es kann doch nicht sein, dass die Nahrungsmittelproduktion - und das Samenkorn steht am Anfang dieser Kette - von nur einzelnen Konzernen beherrscht wird. Neben Monsanto gibt es auch einige wenige europäische Firmen, die hier ebenfalls Geld verdienen wollen.

Der Verbraucher hat bald keine Auswahl mehr. Es ist nicht mehr groß zu unterscheiden, trotz Kennzeichnungspflicht, welches Lebensmittel gentechnisch veränderte Zutaten enthält. Bereits heute ist 88 % des in den USA angebauten Mais gentechnisch verändert - und dieser Mais geht in alle Welt, auch nach Deutschland.
Um die Folgen und evtl. daraus resultierenden Krankheiten darf sich dann alleine der Verbraucher und die Gemeinschaft kümmern.

Auch die jüngste Nachricht: "Monsanto gibt den Kampf für Gentechnik in Europa auf" klingt dann schon als Ablenkungsmanöver. Zu groß sind doch die Gewinnmargen auch in Europa.
Hierzu ein Link  "Saatgutkonzern Monsanto: Aggressivität in den Genen" in Spiegel-Online.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Vulkan - die Bodenverformung bleibt erhalten

NEWS:

Werfen wir heute zunächst einen Blick auf die aktuelle Oberflächenverformung der Insel. Die IGN Grafik links zeigt den Messpunkt HI05 in Nähe des Leuchtturm "Faro de Orchilla" an der Westspitze. Der Wert bleibt, trotz des Rückgang der gemessenen Kohlendioxid (CO²) Emission, relativ konstant.


Ausgangspunkt ist die Bebenwelle vom März 2013 mit rund minus 90 mm. Hier erfolgte in den Folgetagen ein Aufblähen und eine Bodendeformation von ca. 120 mm auf den jetzigen Stand von plus 30 mm.
Der GPS-Messpunkt hat sich also in den vergangenen 3 Monaten um ganze 12 cm vertikal erhöht und verharrt weiter in dieser Lage.

Global gesehen keine besonders große Verformung. Es gab bereits Vulkane mit einer Deformation von mehr als 400 cm. Hier spielt allerdings der Vulkantyp und vor allem die geologische Bodenbeschaffenheit eine große Rolle.
Für El Hierro ist es aber zurück blickend seit Beginn der Vulkanaktivität 2011 ein Spitzenwert. Der Druck im Bereich der Magmakammer findet keine Möglichkeit zu verpuffen oder sich in das umgebende Gestein zu verteilen. Das Magma und die Gase halten den "Ballon" aufgeblasen - um dieses Beispiel zu gebrauchen. Die Deckschicht scheint hermetisch dicht zu sein.
Die zurückgehenden CO²-Werte zeigen, dass es im Moment auch für die Gase kein Entrinnen gibt.

Gestern gab es wieder 12 leichte Beben bis ML1,7 in 12 bis 15 km Tiefe. Der Schwerpunkt immer noch im Westen vor der Insel.

Mittwoch, 5. Juni 2013

Vulkan - Kohlendioxid Werte sinken

NEWS:

Die gemessenen Gasemissionswerte auf der gesamten Inseloberfläche sinken. Besonders der Ausstoß bzw. die Ausdünstung von Kohlendioxid (CO²) nimmt seit März 2013 beständig ab.

Hatten wir im März 2013 nach den starken Beben noch eine tägliche Emission von 1824 Tonnen Kohlendioxid - so lag der Wert jetzt Anfang Juni 2013 bei nur  noch 556 t/Tag - nach Messungen der Involcan.
Der CO² Wert ist ein wichtiger Indikator für eine evtl. bevorstehende Eruption. Wenn neue Magma aufsteigt und sich der Innendruck der Magmakammer erhöht, sind es die Gas-Moleküle die sich durch Ritzen und Kapillare als Erstes einen Weg an die Erdoberfläche verschaffen können. Der CO² Wert steigt an.
Im November 2011 während der Eruption des Eldiscreto lag die Konzentration bei 2400 t/Tag. Der Normalwert auf El Hierro liegt dagegen bei durchschnittlich 345 Tonnen am Tag.
Immer noch eine riesige Menge die täglich von diesem geruchlosen Gas ausströmt.

Nach den neuesten CO² Messergebnissen steht also keine unmittelbare Eruption bevor. Es sind allerdings Momentwerte die rasch, innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen nach einer neuen Bebenwelle, ansteigen können.

Gestern gab es 6 Beben bis ML1,9 aus 10 bis 15 km Tiefe. Heute wurden bereits 5 neue Erdstöße registriert. Auf der Avcan-Karte sind die Positionen der letzten 24 Stunden markiert. Zwei Beben um den Tanganasoga im Inselinnern und der Rest an der Westspitze.
Unten das IGN-Histogramm der Bebenentwicklung innerhalb der letzten 10 Tage.



Auf dem spanischen Arbeitsmarkt sieht es nicht so erfreulich aus. Auch wenn die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen im Mai 2013 spanienweit leicht gefallen ist, beträgt die Arbeitslosenquote immer noch 27,2%.
Spitzenreiter sind neben den afrikanischen Enklaven aber die Kanarischen Inseln mit 34,27%. Besonders dramatisch die Jugendarbeitslosigkeit mit einem Wert von 62,60%.
Von Entspannung oder einem Ende der Rezession können nur die Politiker reden. Die Tatsachen sprechen hier aber eine ganz andere Sprache.

Dienstag, 4. Juni 2013

Vulkan - Hoffen und Abwarten

NEWS:
19.07 Uhr - zwei weitere Beben von ML1,9 und um 15.05 Uhr von ML1,6 im Golfobecken in 15 bzw. 10 km Tiefe.

Das ist nicht die neue Seismik-Kurve, sondern die Wetterprognose für das Golfotal. Genau die Temperaturvorhersage der AEmet für die kommenden Tage. Endlich soll es Sommer werden ... ein Ausspruch den ich noch aus Deutschland kenne. Aber auch hier war der Wonnemonat Mai einfach zu kalt und untypisch für südliche Gefilde. Seit Wochen transportiert der Wind arktische Luftmassen direkt aus dem Norden über unsere Inseln. Auch Regen - nicht ganz so viel wie in Passau oder Dresden - aber immerhin knapp 30 L/m² (bei mir gemessen La Palma/ Ostseite) im Monat Mai. Auch nicht gerade typisch für die Kanaren, aber gut für die Natur.
Damit ist nun Schluss - das hoffe ich zumindest. Ab den kommenden Tagen wird man nun auch wieder am Abend ohne Pullover die Freiluftbühne betreten können.

Um El Hierro gab es gestern insgesamt 8 Beben. Das Stärkste mit ML2,1 um 18.06 Uhr aus 22 km Tiefe im Süden (gelber Punkt). Heute bereits zwei weitere Erdstöße. Es dümpelt also alles weiter vor sich hin. Keine großen Aktivitäten aber auch kein Ende.