Sonntag, 31. März 2013

Vulkan - leichte Entspannung

NEWS:
19.25 Uhr - über Schäden wurde mir bisher nichts bekannt. Am Nachmittag gab es weitere Erdstöße bis ML3,4. Die IGN verwendet nun bei stärkeren Beben eine genauere Maßeinheit. Bisher wurden die Beben nach ML= Richterskala eingestuft. Nun erstmals wurde beim ML4,9 Beben von heute Vormittag der Wert auf Mw= Momentmagnitude geändert. Morgen möchte ich auf die Unterschiede etwas näher eingehen.
15.52 Uhr - Das  ML4,9 Beben (inzwischen von der IGN auf 4,6 Mw -Momentmagnitute= andere Masseinheit umgeändert) lag ca. 10 km vor der Westküste (grüner Pfeil) und erfolgte in 20 km Tiefe. Steinschläge und Erdrutsche im Golfo bei Sabinosa. Über weitere Schäden ist noch nichts bekannt.









15.22 Uhr - Das erste Video aus dem südlichen Golfotal von ExprimeCanarias.
14.47 Uhr - doch nicht die gewünschte Entspannung. Um 10.59 Uhr ein ML4,9 und um 9.40 Uhr ein ML4,5 Beben, beide in 20 km Tiefe. Das Beben wurde auch stark auf La Palma verspürt. Erst erhob sich der Erdboden, dann schüttelte es und er fiel zurück (Beschreibung meiner Frau). Ich war mit einer Reisegruppe im Bus unterwegs und habe davon nichts mitbekommen.


Die Beben haben nachgelassen. Gestern gab es noch 106 Erdstöße, davon 31 mit ML3,0 und mehr. Auch heute Morgen um 3.53 Uhr ein ML3,5 Beben aus 18 km Tiefe. Die Lage der Beben verteilt sich nun mehr aus dem eigentlichen Epizentrum im Westen in das Umfeld (rote Punkte). So hatten wir drei Beben im näheren Küstenbereich des Golfo aus 11 und 12 km Tiefe. Durch die starke Aktivität der vergangenen Tagen wurde das gesamte Magmasystem kräftig durcheinander gewirbelt, so daß jetzt Spannungs- und Entspannungsbeben auftreten. 

Faktum ist, daß durch den neuen Magmazufluss der Innendruck der Kammer weiter erwartungsgemäß zugenommen hat. Die GPS Messungen am Messpunkt HI05 (Leuchtturm Orchilla) zeigen auf der linken IGN Grafik eine horizontale Verschiebung der Insel von über 80 mm nach Osten und eine vertikale Ausbeulung (rechte Grafik) von rund 120 mm in die Höhe. Das sind jetzt nur die in den letzten Tagen neu entstandenen Verformungswerte.
 
Das Forschungsschiff  Ramon Margalef kreuzt seit Tagen in den Gewässern vor El Hierro. Dieser Einsatz wurde bereits im letzten Jahr geplant und hat mit der neuerlichen Vulkanaktivität nur indirekt etwas zu tun. Die Besatzung besteht aus Wissenschaftlern mehrerer spanischer Institute und trägt den Namen "Campana Vulcano 0313".
Die Besatzung führt eine Art Tagebuch über die Tagesergebnisse. Wer den Tagesablauf einmal auf span. Nachlesen möchte hier.
 

Samstag, 30. März 2013

Vulkan - zwischen Hoffen und Bangen

NEWS:
14.07 Uhr - im Augenblick ist es etwas ruhiger geworden. Die Beben halten wohl weiter an, aber mit geringerer Intensität. Die Stärke liegt zwischen ML2,0 und 3,5. Nach der gestrigen starken Aktivität war das so zu erwarten. Wir wissen aber aus der Vergangenheit, daß diese Episode sich sehr schnell wieder beleben kann.


Allein 15 Erdbeben mit mehr als ML4,0 haben gestern El Hierro erschüttert. Spitzenreiter war um 17.01 Uhr ein ML4,7 Erdstoß. Gewaltige Kräfte die im Augenblick unter der Insel wüten. Vulkanologen sprechen gar von einer Energiefreisetzung gestern, die alle bisherigen Beben zusammen gerechnet seit 2011 übertreffen. Noch nie hat es auf den Kanarischen Inseln - und Beben sind wir ja gewohnt, eine so starke Konzentration an einem einzigen Tag gegeben. Hier der Bebenverlauf vom 18.3. bis 29.3. in einer 4D Erdbeben Animation von Jcasvivero.
Diese Beben hinterlassen natürlich auch auf der Insel ihre Spuren. Steinschlag, Erdrutsch und erste Risse in den Hausfassaden werden sichtbar. "Steter Tropfen höhlt den Stein" - je länger diese Beben nun andauern, desto gravierender auch die Schäden.
 
Da nutzen auch die ganzen Trostpflaster und Beruhigungsversuche der Behörden wenig. Worte wie Normalität, wir haben alles unter Kontrolle, das Bebenzentrum liegt weit draußen im Meer und wir beobachten in Echtzeit die Aktivität, zeigen doch mehr die Hilflosigkeit.
Seit wann hat ein Mensch einen Vulkan unter Kontrolle, Beben schert es wenig ob sie unter der Insel oder 10 Kilometer vor der Küste entstehen. Die Wellen erreichen jeden Winkel. Echtzeitbeobachtung ist gut, schützt aber nicht vor den Folgen eines Beben. Etwas mehr Kreativität und Weitblick und rechtzeitiges Handeln wären sicher besser angebracht. Nicht erst Abwarten bis das Ereignis eintritt und Schäden verursacht, sondern Vorsorge und etwas Vorahnung was nun passieren könnte, sollte die Devise sein.
 
Ich erinnere daran, daß jegliche Vulkanaktivität bereits im März 2012 von der Pevolca für beendet erklärt wurde. Nur wenige glaubten nicht daran.
Zum 18. März 2013 sollten alle IGN Daten vom Netz genommen werden. Der Vulkan ist erloschen und es gibt keine Aktivitäten mehr. Weit gefehlt - genau an diesem Tag ging es erst richtig los.
 
Mit Wunschdenken und Verdrängen ist kein Vulkan zu bändigen. Alle Anzeichen des vergangenen Jahres haben auf eine Fortsetzung hingedeutet. Ich muß kein Vulkanologe sein um diese Anzeichen richtig zu deuten. Beständiges Beobachten, Dokumentieren und Kombinieren ließen nur eine Schlussfolgerung zu.
Aber es ist natürlich auch die Aufgabe der Behörde zu beruhigen und keine Panik aufkommen zu lassen. Die Mitglieder der Pevolca haben es im Augenblick nicht leicht eine ausgewogene Entscheidung zu treffen. Liegen sie falsch und es kommt zu Schäden, haben sie vielleicht später das Gericht (siehe Italien) im Nacken. Leiten sie eine vielleicht später als überzogen angesehene Maßnahme ein, ist dies auch wieder nicht recht.
 
Gestern hatte ich mehrere Gespräche mit Anwohnern auf El Hierro. Es ist im Moment nicht einfach die Situation zu meistern. Einige versuchen die Vorgänge zu ignorieren und Baden im Meer. Es wird wie in der Vergangenheit alles schnell und gut vorüber gehen. 
Andere sind da schon etwas nachdenklicher und sitzen sprungbereit auf ihren gepackten Koffern. Auf die Schnelle ist allerdings die Insel nicht zu verlassen. Dafür fehlen die Transportkapazitäten.
Wieder Andere reisen heute zur Verwandtschaft nach Teneriffa ab.
 
Es ist natürlich nicht einfach Haus, Hof und oft auch Tiere so einfach im Stich zu lassen.
Niemand weis im Moment wie es weiter geht. Beruhigt sich die Lage, nehmen die Beben weiter zu oder kommt es gar zu einem Ausbruch. Wartet man zu lange ab, ist es vielleicht zu spät.
Fragen die niemand beantworten kann.
  

Heute Morgen bereits weitere drei über ML4,0 Beben. Der stärkste Erdstoß um 5.04 Uhr mit ML4,2. Es geht also weiter. Die Tiefe liegt zwischen 14 und 20 km. Das Zentrum hat sich minimal nach Süden verlagert und schwenkt mit ersten Ausläufern Richtung Osten ein. Wie auch in der Animation zu erkennen war, bewegte sich in den vergangenen Tagen der Bebenschwall vom Norden der Westspitze nun in südliche Ausrichtung in das Gebiet Leuchtturm Orchilla und El Julan. Solange die Bebentiefe Bestand hat, dürfte keine Eruption erfolgen. Das Magmafeld könnte sich nun mit der bereits vorhandenen Magmakammer in Nähe des Leuchtturm vereinen. Dort hatten wir ja im Sommer 2012 bereits starke Aktivitäten auch in großer Tiefe erlebt.

Freitag, 29. März 2013

Vulkan - neuer Bebenschwall bis ML4,3

NEWS:
21.05 Uhr - weitere Beben bis ML4,1 aus 21 km Tiefe. Das einzig beruhigende im Moment ist, daß die Bebenausgangslage konstant um die 20 Kilometer Tiefe verharrt.
20.30 Uhr - um 19.30 Uhr weiteres ML4,3 Beben aus 21 km Tiefe. Das flache Beben bei 3 km Tiefe, dürfte ein Spannungsbeben aufgrund der Verformung gewesen sein.
18.22 Uhr - die IGN Seite ist zur Zeit nicht erreichbar - wahrscheinlich Serverüberlastung. Bei diesem doch starken Erdstoß scheint es Schäden gegeben zu haben. Die Nachrichtenlage ist noch dünn. Von der Pevolca hört man noch keine Reaktion.

17.50 Uhr - auch zeigen sich auch auf der Ostseite erste Risse im Mauerwerk von Häusern.
17.36 Uhr - das bisher stärkste Beben auf El Hierro ML4,7 in 20 km Tiefe um 17.01 Uhr. Inzwischen werden auch Steinabgänge von der Golfo-Steilwand gemeldet

17.28 Uhr - starke Beben um 17.00 Uhr - noch keine genauen Daten abrufbar.
14.53 Uhr - auch die Pevolca hat sich gemeldet. Die Bebenstärke hätte in den letzten 24 Stunden zugenommen. Gesperrt wird noch die Verbindungsstraße Sabinosa nach Pozo de la Salud und die rechte Fahrspur zum Golfotunnel. Alles andere bleibt unverändert.
14.32 Uhr - ML4,1 um 12.56 Uhr von 18 km Tiefe.
13.55 Uhr - ML4,2 um 12.42 Uhr aus 21 km Tiefe.
12.53 Uhr - ein weiteres ML4,0 Beben um 12.15 Uhr aus 20 km Tiefe. Das Bebenzentrum scheint sich nun nach Südosten zu bewegen.
Die Warnstufe für die Insel wurde nie erhöht. Nur am Westzipfel steht und stand die Ampel auf "Gelb". Es ist auch unerheblich dort, weil in diesem Gebiet keine Menschen leben - nur einige Ziegen und Schafe. Die Zufahrtsstraßen sind so und so gesperrt.
10.04 Uhr - um 9.41 Uhr ein ML4,4 Beben in 18 km Tiefe (Dieses Beben hat selbst meinen Schreibtisch auf LP zum Zittern gebracht).
9.45 Uhr - selbst auf der 70 km entfernten Insel La Palma sind die Beben zu spüren.
9.28 Uhr - jetzt ein ML4,6 Beben um 8.14 Uhr aus 18 km Tiefe.



Das war keine ruhige Nacht. Gegen 22.00 Uhr am Donnerstagabend setzten wieder die Starkbeben ein und dauern unvermindert an (Seismik oben). Es ist die lange Dauer die ein Bebenschwall andauert und die Erdoberfläche erzittern lässt. Zum Glück liegt das Zentrum noch vor der Küste in relativ großer Tiefe. Um 2.51 - 3.15 Uhr und 7.58 Uhr jeweils ein ML4,3 Beben - um 5.15 Uhr ein ML4,1 Erdstoß in 19 bzw. 20 km Tiefe. Das Epizentrum wandert dabei wieder etwas weiter Richtung Süden (rot). Auf der Tiefengrafik ist die Ausgangstiefe zu erkennen. Es dürfte wieder neue Magma in die Kammer nachströmen. Im Laufe des Tages werden wir auch noch sehen, daß dadurch die Oberflächenverformung weiter zunehmen wird.

Auch wenn es gestern noch nicht so aus sah, war es doch der Tag mit den bisher meisten Beben über ML3,0. Nach der IGN Aufstellung (blaue Balken) hatten wir 58 Erdstöße mit mindestens einer Stärke von ML3,0. Insgesamt wurden 188 Beben gezählt.
Alle konzentrieren sich im Augenblick auf das Bebenzentrum im Westen. Ich glaube nicht, daß es die Magma viel weiter als bis 10 km unter die Oberfläche hier schafft. Erinnern wir uns an den Beginn der Vulkanaktivität 2011. Wochenlange Beben unter dem Golfo in 10 bis 25 km Tiefe, um dann völlig überraschend an ganz anderer Stelle im Süden aus dem Meeresboden zu treten.

Der Eldiscreto wurde geboren. Die Wissenschaftler der Ramon Margalef haben ihn in den letzten Tagen neu vermessen und eine Animation zusammen gestellt. Besonders das Umfeld und der Steilhang an dem er entstand kommt gut zur Geltung. Hier geht es zum Eldiscreto-Video.

Donnerstag, 28. März 2013

Vulkan - Beben ohne Ende

NEWS:

17.53 Uhr - der Durchnitt der Bebenstärke ist heute schwächer als gestern. Das Zentrum wandert etwas Richtung Süden (rot). Die Erdstöße kommen aus unterschiedlichen Tiefen zwischen 10 und 20 km.



13.54 Uhr - Jetzt haben wir auch die jüngsten Kohlendioxid (CO²) Werte der Involcan. Es sind keine punktuelle Messungen, sondern das Ergebnis aller über die Insel verteilten Messeinrichtungen. Die Fragezeichen sollen nicht irritieren. Während dieser Zeit wurden wegen Geldmangel schlicht keine Messungen vorgenommen. Die gestrige CO²-Emission liegt aktuell bei 1684 Tonnen/Tag. Der Normalwert liegt bei 345t/Tag. Nur bei der Eruption 2011 lagen die ausgestoßenen Mengen an CO² höher.


11.50 Uhr - und um 11.00 Uhr ein ML4,1 aus 19 km Tiefe.
10.56 Uhr - Beben von ML3,8 um 10.32 Uhr in 21 km Tiefe


Das war gestern schon deftig. Ein ML4,6 Beben und eine Reihe von ähnlich starken Erdstößen, hat man auf El Hierro seit Anbeginn der Vulkankrise 2011 so auch noch nicht erlebt. Alles hat gewackelt, geklappert und Steinschlag ausgelöst. Selbst die Nachbarinseln bis Gran Canaria verspürten diesen Erdstoß. Nach Berechnungen der Involcan wurde gestern mehr Energie freigesetzt, als in den letzten 10 Tagen zusammen.

Nach der IGN Grafik links war von der Anzahl der Beben dieser Tag gar nicht der Spitzenreiter. "Nur" 175 Erdstöße (Vortag 200) wurden registriert. Aber in der Kraft und der Stärke einzelner Erdstöße liegt das Potenzial ... und weitere sollen folgen. Es gab keine Schäden, nur Steinschlag und Erdrutsche. Aus diesem Grunde wurden von der Pevolca nun auch einige Straßen und Wege im Bereich des Westzipfel gesperrt. Viele Straßen gibt es dort so und so nicht. Die Strecke ab Pozo de la Salud (Sabinosa) und die Zufahrt zum Leuchtturm Orchilla wurde dicht gemacht. Auch ohne Erdbeben habe ich in diesem Bereich schon Steinschlag erlebt. Es bleibt festzuhalten, das Golfotal kann über die Südstrecke nicht mehr verlassen werden.

Die Beben kreisen weiter um das alte Epizentrum ca. 8 bis 10 km vor der Westküste. Die Tiefe variiert und liegt heute Morgen im Schnitt bei 16 bis 19 km Tiefe. Ein ML3,7 Erdstoß um 5.28 Uhr aus 16 km Tiefe war bis jetzt das stärkste Ereignis heute. Es ist anzunehmen und spiegelt sich auch mit den Prognosen der IGN, daß es im Laufe des Tages wieder zu Beben um ML4,6 kommen wird.
El Hierro wölbt und dehnt sich unter dem immensen Druck der sich im Innern um die Magmakammer aufbaut und weiter ausbaut. Die Kraft lässt sich nicht berechnen, sondern nur vermuten. Die linke Kurve zeigt die Verschiebung der Insel Richtung Nordosten (Hallo El Hierro, bald können wir euch die Hand reichen), die rechte Kurve die vertikale Aufwölbung um ca. 11 cm. Wenn dieses Potenzial jetzt schlagartig frei würde ... so weit sind wir aber noch nicht.
 
Um die Entscheidungen der Pevolca (Krisenstab) gibt es natürlich Diskussionen. Ob die Vulkanampel auf Grün, Gelb oder Rot steht, ist im Grunde egal.  Der gesunde Menschenverstand sollte jedem selbst anzeigen, welche Maßnahmen er jetzt zu ergreifen hat.
 
Es versteht sich auch bei dem jetzigen behördlichen "Normalzustand" - und dieser Hinweis geht an Wanderer, in diesen Tagen nicht gerade auf Steilklippen, an Abruchkanten des Golfo oder in tiefen Barrancos zu wandern. Bei Beben über ML4,0 können Pfade abrutschen oder Steinbrocken aus großer Höhe herabstürzen.
 
Um aus nordeuropäischer Denkweise so manche Entscheidung hier zu verstehen, muß man die Mentalität der Canarios näher beleuchten.
Der Canario lässt sich nicht gerne etwas von der Obrigkeit vorschreiben. Noch zu gut ist die Franco-Zeit in Erinnerung (bis 1975). Man hat schon immer das gemacht was man für richtig hielt, ob mit oder ohne Gesetz und ist damit gut gefahren.
Die Herrenos sind aber noch ein bisschen eigenartiger und sturer. Eine von Madrid und der Kanarischen Regierung verordnete Raketenabschußbasis in den 1990 Jahren wurde erfolgreich vereitelt. Die ganze Insel wurde mobilisiert und nach zähem Kampf das Projekt dann gestoppt. Auch die Kaperung der ARMAS Fähre im letzten Jahr unter Mitwirkung des Inselpräsidenten Alpidio Armas ist so ein Beispiel.
Unkonventionelle Maßnahmen, die aber Wirkung zeigen. Strafrechtliche Konsequenzen werden bewusst in Kauf genommen. Verlaufen aber meist wegen der Mobilisierungsmasse im Sande. Seit langem kursiert auf der Insel der Satz:
 
 
"Wir sind vielleicht nur 9000 Menschen auf der Insel - aber wir sind 9000 aus El Hierro"
 
Der Stolz und selbst zu Wissen was notwendig ist, prägt diese Menschen. Dies weis natürlich die Pevolca (im Gremium sind auch Herrenos vertreten) und lässt ihre Entscheidung "milder" ausfallen. Wir erinnern uns alle noch an die Evakuierung von La Restinga oder die Schließung des Golfotunnels 2011 und die damit verbundenen Proteste.
 
Für einen Deutschen der sich an Gesetze und Verordnungen hält und sie wahrscheinlich auch braucht, schwer nachzuvollziehen.
Eines ist aber sicher, wenn Hilfe gebraucht wird, wird alles mobilisiert und in kürzester Zeit herbei geschafft. Das konnte ich schon mehrmals hier auf La Palma bei den verherrenden Waldbränden selbst hautnah miterleben.
 
Also versuchen wir die Pevolca zu verstehen, auch wenn wir sie vielleicht nicht ganz richtig verstehen. Es sind oft Maßnahmen und Aussagen ohne große Hintergedanken. Hier sollte auch nichts hinein gedeutet werden, oft denken die gar nicht soweit.

Mittwoch, 27. März 2013

Vulkan - und weiter geht`s

NEWS:
20.49 Uhr - ML4,1 um 19.55 Uhr in 20 km Tiefe.
20.38 Uhr - nach einer kurzen Ruhephase, falls man überhaupt davon sprechen kann, zuckt es seit 19.55 Uhr wieder gewaltig. Nähere Daten dazu liegen noch nicht vor.
18.50 Uhr - wie das Gobierno de Canarias (Kanarische Regierung) soeben mitteilte, besteht keine Gefahr für Menschen oder Güter. Außer einigen kleinen Erdrutschen seien keine besonderen Vorkommnisse gemeldet worden. Man erwartet in den nächsten Tagen weitere Beben bis ML4,6. Alles sei unter Beobachtung und Kontrolle. Im Notfall würde der Einsatzplan greifen.

18.00 Uhr - die Bebenserie hält weiter an. Beben bis ML3,7 aus 16 km Tiefe um 17.16 Uhr. Es ist bisher der stärkste und längste Bebenschwall auf El Hierro seit Beginn der Vulkanaktivität 2011.

16.47 Uhr - jetzt sollte jeder selbst gemerkt haben, daß es keine Normalität mehr ist.
Es besteht akute Steinschlag- und Erdrutschgefahr im Golfotal und auch an der mittleren Ostküste.
16.31 Uhr - um 15.10 Uhr ein ML4,4 Beben in nur 10 km Tiefe (grüner Pfeil) - von IGN auf 11 km korrigiert.





16.15 Uhr - um 15.02 Uhr noch ein ML4,3 in 18 km Tiefe und um 15.28 Uhr ein ML4,1 in nur 12 km Tiefe.
15.55 Uhr - Beben von ML4,6 um 15.07 Uhr in 19 km Tiefe. Das war das Beben das auf La Gomera und hier auf La Palma verspürt wurde.
15.48 Uhr - erste Steinschläge von der Steilwand im Golfotal (Foto von Involcan).

15.10 Uhr - soeben war selbst auf La Palma ein Beben zu verspüren. Warten wir einmal die Auswertung ab.
15.09 Uhr - der Prozess dauert immer noch an. Die jüngsten ML3,3 Beben kommen nun aus flacheren Tiefen von 12 - 11 und 10 km Tiefe.
14.53 Uhr - Beben mit ML3,3 - 3,7 und 3,9 aus 10 bis 20 km Tiefe.
13.11 Uhr - gegen 12.30 Uhr hat ein neuer Bebenschwall eingesetzt, der noch andauert.

Die Vulkanaktivität ist weiter im Gange. Gestern 200 Beben, davon 15 über ML3,0. Auch heute Morgen um 5.51 Uhr bereits wieder ein ML3,3 Erdstoß aus 15 km Tiefe. Die Beben kommen überwiegend aus 13 bis 15 km Tiefe. Nur die Lage hat sich etwas geändert. Die Beben wandern inzwischen auf die Insel zu. Auf der Karte links die rotbraunen Punkte. Der relativ kompakte Bebenhaufen hat immerhin einen Durchmesser von 8 bis 10 Kilometer und steht als selbständiges Gebilde vor der Westküste.

Betrachten wir uns alle bisherigen Beben als Gesamtbild, dann sieht es schon etwas anders aus (linke IGN Grafik). Es ist ein neuer Seitenarm Richtung Westen entstanden bzw. im Entstehen. Die noch etwas lose Verbindung zum alten Zentrum (gelb/blau) wird sicher in den nächsten Tagen gefüllt. Das zeigen heute schon die zurückwandernden Beben. Der einzige Magmazufluss aus dem Erdinnern dürfte sich unter der alten Hauptkammer direkt unter der Insel befinden (Pfeile). Hier wurden die meisten Beben in großer Tiefe gemessen. Durch die in den letzten Tagen neu nachströmende Magma hat sich der Innendruck so stark aufgebaut, daß eine etwas porösere Schicht Richtung Westen aufgebrochen wurde. Sonst wäre wahrscheinlich schon längst eine erneute Entlüftung (Eruption) erfolgt. Das ist nur eine Theorie - aber eine denkbare Möglichkeit.

Die gestern von der Roman Margalef erstellte Profilkarte vom Küstenbereich zeigt, daß die Inselbasis im Westen und Süden an einigen Stellen doch weit in den Atlantik reicht. Auch sind die vielen alten Unterwasser-Vulkankrater/berge zu erkennen. Heute werden die bathymetrischen Erfassungen im Norden und auf der Ostseite fortgesetzt. Dort fällt - und das ist schon zu erkennen - das Inselmassiv wesentlich steiler ins Meer ab.
 
Die Entscheidung der Pevolca (Krisenstab) gestern den Normalzustand beizubehalten, löste unterschiedliche Reaktionen aus. Mir war diese Entscheidung klar - ich hatte ja darüber geschrieben.
 
Die erfolgten Kommentare und das möchte ich noch einmal klarstellen, sind die Meinung der Kommentatoren. Nicht meine Meinung.
Ich hatte und habe meine eigene Meinung. Als größte Gefahr sehe ich nicht einen Vulkanausbruch sondern die Folgen der Beben auf die Golfosteilwand. Wer es Nachlesen möchte, geht ins Archiv 2011.
In der Vergangenheit starben auf den Kanaren nur zwei Personen an den direkten Folgen einer Eruption (Lava/Gase). Aber 23 Menschen durch Beben - einstürzende Häuser und Steinschlag.
 
Die Entscheidungsträger wurden auch von den Herrenos gewählt. Die Folgen einer evtl. Fehlentscheidung müssen auch die Menschen vor Ort erleiden, nicht der Leser in Deutschland.
Natürlich spielen auch bei der Pevolca sicherheitstechnische, wirtschaftliche und politische Entscheidungsgründe mit.
Ich könnte ein Lied davon singen aus eigener Erfahrung. Langjährige Leser wissen, daß ich einige Jahre zu meiner Zeit in Deutschland, beratendes Mitglied in einem HVB (Krisenstab) war und so Einiges miterlebt habe.
 
Anderes Thema: Unser Eldiscreto hat es unter die letzten vier Satellitenaufnahmen geschafft. Es gibt gute Chancen im April als "NASA Satellitenbild des Jahres 2012" gekürt zu werden.
Ich rühre jetzt einfach einmal die Werbetrommel für Ihr Stimme. Normal wäre es die Aufgabe der Touristikabteilung des Cabildo El Hierro, die haben aber im Moment ganz andere Sorgen.
 
Hier der Link zum NASA Tournament.
Bei der Stimmabgabe beachten:  Sie können im ersten Feld irgend ein Foto auswählen. Im darunter liegenden natürlich rechts den Eldiscreto und dann ganz unten "Voten". Es erscheint dann die Dankesseite.
Drücken wir einmal die Daumen, daß Eldiscreto bis kommenden Freitag unter den letzten beiden Aufnahmen ist.