NEWS:
17.53 Uhr - der Durchnitt der Bebenstärke ist heute schwächer als gestern. Das Zentrum wandert etwas Richtung Süden (rot). Die Erdstöße kommen aus unterschiedlichen Tiefen zwischen 10 und 20 km.
13.54 Uhr - Jetzt haben wir auch die jüngsten
Kohlendioxid (CO²) Werte der Involcan. Es sind keine punktuelle Messungen, sondern das Ergebnis aller über die Insel verteilten Messeinrichtungen. Die Fragezeichen sollen nicht irritieren. Während dieser Zeit wurden wegen Geldmangel schlicht keine Messungen vorgenommen. Die gestrige CO²-Emission liegt aktuell bei
1684 Tonnen/Tag. Der Normalwert liegt bei 345t/Tag. Nur bei der Eruption 2011 lagen die ausgestoßenen Mengen an CO² höher.
11.50 Uhr - und um 11.00 Uhr ein
ML4,1 aus 19 km Tiefe.
10.56 Uhr - Beben von ML3,8 um 10.32 Uhr in 21 km Tiefe

Das war gestern schon deftig. Ein
ML4,6 Beben und eine Reihe von ähnlich starken Erdstößen, hat man auf El Hierro seit Anbeginn der Vulkankrise 2011 so auch noch nicht erlebt. Alles hat gewackelt, geklappert und Steinschlag ausgelöst. Selbst die Nachbarinseln bis Gran Canaria verspürten diesen Erdstoß. Nach Berechnungen der Involcan wurde gestern mehr Energie freigesetzt, als in den letzten 10 Tagen zusammen.

Nach der IGN Grafik links war von der Anzahl der Beben dieser Tag gar nicht der Spitzenreiter. "Nur" 175 Erdstöße (Vortag 200) wurden registriert. Aber in der Kraft und der Stärke einzelner Erdstöße liegt das Potenzial ... und weitere sollen folgen. Es gab keine Schäden, nur Steinschlag und Erdrutsche. Aus diesem Grunde wurden von der Pevolca nun auch einige Straßen und Wege im Bereich des Westzipfel gesperrt. Viele Straßen gibt es dort so und so nicht. Die Strecke ab Pozo de la Salud (Sabinosa) und die Zufahrt zum Leuchtturm Orchilla wurde dicht gemacht. Auch ohne Erdbeben habe ich in diesem Bereich schon Steinschlag erlebt. Es bleibt festzuhalten, das Golfotal kann über die Südstrecke nicht mehr verlassen werden.

Die Beben kreisen weiter um das alte Epizentrum ca. 8 bis 10 km vor der Westküste. Die Tiefe variiert und liegt heute Morgen im Schnitt bei 16 bis 19 km Tiefe. Ein ML3,7 Erdstoß um 5.28 Uhr aus 16 km Tiefe war bis jetzt das stärkste Ereignis heute. Es ist anzunehmen und spiegelt sich auch mit den Prognosen der IGN, daß es im Laufe des Tages wieder zu Beben um ML4,6 kommen wird.

El Hierro wölbt und dehnt sich unter dem immensen Druck der sich im Innern um die Magmakammer aufbaut und weiter ausbaut. Die Kraft lässt sich nicht berechnen, sondern nur vermuten. Die linke Kurve zeigt die Verschiebung der Insel Richtung Nordosten (Hallo El Hierro, bald können wir euch die Hand reichen), die rechte Kurve die vertikale Aufwölbung um ca. 11 cm. Wenn dieses Potenzial jetzt schlagartig frei würde ... so weit sind wir aber noch nicht.
Um die Entscheidungen der Pevolca (Krisenstab) gibt es natürlich Diskussionen. Ob die Vulkanampel auf Grün, Gelb oder Rot steht, ist im Grunde egal. Der gesunde Menschenverstand sollte jedem selbst anzeigen, welche Maßnahmen er jetzt zu ergreifen hat.
Es versteht sich auch bei dem jetzigen behördlichen "Normalzustand" - und dieser Hinweis geht an Wanderer, in diesen Tagen nicht gerade auf Steilklippen, an Abruchkanten des Golfo oder in tiefen Barrancos zu wandern. Bei Beben über ML4,0 können Pfade abrutschen oder Steinbrocken aus großer Höhe herabstürzen.
Um aus nordeuropäischer Denkweise so manche Entscheidung hier zu verstehen, muß man die Mentalität der Canarios näher beleuchten.
Der Canario lässt sich nicht gerne etwas von der Obrigkeit vorschreiben. Noch zu gut ist die Franco-Zeit in Erinnerung (bis 1975). Man hat schon immer das gemacht was man für richtig hielt, ob mit oder ohne Gesetz und ist damit gut gefahren.
Die Herrenos sind aber noch ein bisschen eigenartiger und sturer. Eine von Madrid und der Kanarischen Regierung verordnete Raketenabschußbasis in den 1990 Jahren wurde erfolgreich vereitelt. Die ganze Insel wurde mobilisiert und nach zähem Kampf das Projekt dann gestoppt. Auch die Kaperung der ARMAS Fähre im letzten Jahr unter Mitwirkung des Inselpräsidenten Alpidio Armas ist so ein Beispiel.
Unkonventionelle Maßnahmen, die aber Wirkung zeigen. Strafrechtliche Konsequenzen werden bewusst in Kauf genommen. Verlaufen aber meist wegen der Mobilisierungsmasse im Sande. Seit langem kursiert auf der Insel der Satz:
"Wir sind vielleicht nur 9000 Menschen auf der Insel - aber wir sind 9000 aus El Hierro"
Der Stolz und selbst zu Wissen was notwendig ist, prägt diese Menschen. Dies weis natürlich die Pevolca (im Gremium sind auch Herrenos vertreten) und lässt ihre Entscheidung "milder" ausfallen. Wir erinnern uns alle noch an die Evakuierung von La Restinga oder die Schließung des Golfotunnels 2011 und die damit verbundenen Proteste.
Für einen Deutschen der sich an Gesetze und Verordnungen hält und sie wahrscheinlich auch braucht, schwer nachzuvollziehen.
Eines ist aber sicher, wenn Hilfe gebraucht wird, wird alles mobilisiert und in kürzester Zeit herbei geschafft. Das konnte ich schon mehrmals hier auf La Palma bei den verherrenden Waldbränden selbst hautnah miterleben.
Also versuchen wir die Pevolca zu verstehen, auch wenn wir sie vielleicht nicht ganz richtig verstehen. Es sind oft Maßnahmen und Aussagen ohne große Hintergedanken. Hier sollte auch nichts hinein gedeutet werden, oft denken die gar nicht soweit.