Samstag, 16. März 2013

Vulkan - wieder messbare Aktivitäten

NEWS:

Auch nach Tagen der scheinbaren Ruhe gab es von gestern Nachmittag über die Nacht 7 neue Beben. Leichte Erdstöße die nicht wahrnehmbar waren zwischen ML0,7 bis ML1,9. Das Zentrum lag im Golfo mit Schwerpunkt Tanganasoga - Sabinosa im südwestlichen Bereich. Die Ausgangstiefe bei 11 bis 13 km. In diesem Sektor hatten wir in der Vergangenheit bereits Beben aus nur 5 km Tiefe gemessen.
 

.Hier die Tiefengrafik mit der Magmahauptkammer in ca. 20 Kilometer Tiefe und die sich darüber gebildete Blase. Aus diesem Bereich stammen die letzten Erdstöße und sind rosa gekennzeichnet.
Man darf sich das so vorstellen, daß ein dauernder Magmastrom im Innern der Blase zirkuliert. Über 1200° heiße Magma steigt auf, erkaltet und bildet teilweise wieder festes Gestein und sinkt ab. Auch an den Rändern und der Decke der Blase wird neues Gestein durch die Hitze aufgeschmolzen. Diese Vorgänge erzeugen Erschütterungen, die als Beben messbar werden. Dieser Kreislauf wiederholt sich beständig.
Kommt nun neuer Magmanachschub aus 20 und mehr Kilometer hinzu, erhöht sich die Masse und der Druck. Die Blase wird sich horizontal und vertikal weiter ausdehnen und die darüber liegenden Gesteinsschichten in die Höhe drücken. Das ist dann unsere mit GPS messbare Oberflächenverformung.
 
Das Ganze ist ein Modell, das auf Grundlage der in den letzten Jahren vorgenommenen Messungen diese dargestellte Form ergibt. Ob die Vorgänge tatsächlich so funktioniert ist zu vermuten, aber keine Gewissheit.


Links die IGN-Auflistung der in den letzten Stunden gemessenen Beben.


Freitag, 15. März 2013

Vulkan - Zukunftsvision

NEWS:
16.21 Uhr - um 14.54 Uhr ein Beben von ML1,8 in 12 km Tiefe im Golfo. Kurz darauf ein weiterer Erdstoß - Daten noch unbekannt.
18.35 Uhr - das weitere Beben um 15.04 Uhr hatte ML1,9 in gleicher Tiefe und fast gleicher Stelle bei Sabinosa im Golfo

Keine weitere Aktivität. Auch in der vergangenen Nacht blieb es ruhig ohne neue Erdstöße. Wenn wir uns die bisherige Bilanz (links) des Monat März 2013 anschauen, ist kaum ein Tag mit wenigstens einem kleinen Beben vergangenen. Es ist wie ein dahin siedender Kochtopf der hin und wieder eine Luftblase nach oben schickt und eine Aufwallung oder in unserem Falle eine Erschütterung auslöst.
 
Oft werde ich gefragt, wie es denn nun unter El Hierro weiter geht. Das kann ich natürlich genauso wenig wie ein Vulkanologe beantworten.
 
Es bleibt festzustellen, daß der Vulkan aktiv - sogar sehr aktiv ist. Von einem Einschlafen oder gar Erlöschen kann nach meiner Meinung zumindest im Moment nicht gesprochen werden. Ungewöhnlich für Kanarische Verhältnisse ist die lange Zeitdauer. In den vergangenen Jahrhunderten waren alle Vulkanaktivitäten innerhalb von 3 Monaten abgeschlossen. Eine Ausnahme bildete nur der Vulkan im Timanfaya Gebiet auf Lanzarote. Hier hat der Spuk ganze 6 Jahre an gedauert.
 
Es sind Naturvorgänge über die wir noch relativ wenig wissen. Auch wenn die Vulkanologie oder die Geologie in den vergangenen Jahrzehnten vieles neu entdeckt hat und heute auch einiges Interpretieren kann, bleibt noch sehr viel zu erforschen.
 
Wir können heute die Flugbahn eines Kometen oder Asteroiden auf Jahre im voraus berechnen, uns ist es gelungen Gene zu manipulieren und wir wissen wie es auf dem Mars aussieht. Dinge die wir durch das Mikroskop, mit dem Teleskop oder mit dem Marsroboter direkt beobachten können. Das optische Sinnesorgan eröffnet hier die Möglichkeit, den Gegenstand zu sehen, wahrzunehmen und Rückschlüsse zu ziehen.
 
In unsere Mutter Erde sind wir jedoch erst bis auf eine Tiefe von 12 Kilometer optisch blind durch Bohrungen vorgedrungen. Bei einer Tiefe von rund 6000 km bis zum Mittelpunkt unseres Planeten bleibt da noch eine lange Entdeckungsstrecke.
 
Vergleichbar mit einem Apfel wurde bisher erst dessen Schale angekratzt. Erst wenn es möglich ist, mit bemannten oder unbemannten Fahrzeugen oder Robotern tiefer oder gar bis zum Erdmittelpunkt vorzudringen, werden wir die geologischen und vulkanischen Vorgänge richtig verstehen lernen. Dann ist vielleicht auch eine Vorhersage oder genaue Berechnung einer Vulkaneruption möglich.
 
In meiner Jugendzeit habe ich gerne Science Fiktion Romane gelesen. Jules Verne und andere Visionäre haben die Reise zu anderen Planeten und durch den Raum beschrieben. Damals alles Fantasie - heute vieles tatsächlich möglich.
 
Auch das Vordringen mit einem Fahrzeug in unsere Erde durch Aufschmelzen von Gestein oder der Spielfilm "Reise zum Mittelpunkt der Erde" haben sehr fantasievoll diese Möglichkeit ausgemalt. Sicher wird auch diese Vorstellung eines Tages technisch machbar sein. 
 
Visionäre braucht die Welt. Ein noch reiches Betätigungsfeld für unsere Vulkanologen und Geologen.
 
Natürlich stellt man sich auch die Frage: Muss das denn alles sein?  Lasst die Natur machen und versucht nicht ihr ins Handwerk zu pfuschen.
 
Die Gene des Menschen - so glaube ich, lassen überhaupt dieser Rasse keine andere Möglichkeit übrig, als zu erforschen und immer weiter Neues zu entdecken. Ob positiv oder wie in einigen Fällen auch mit negativem Ausgang.

Donnerstag, 14. März 2013

El Hierro Vulkan - Eldiscreto im NASA Wettbewerb

NEWS:
Auch gestern kein weiteres Beben. Wer die IGN-Aufzeichnungen anschaut hat wieder festgestellt, daß während der Tageszeit auch am Mittwoch Erschütterungen durch menschliches Wirken (wie z.B. Bauarbeiten) aufgezeichnet wurden. Der Seismograf ist sehr sensibel und erfasst sogar den Fußtritt eines unmittelbar daran vorbeigehenden Wanderer. Allerdings sind die Geräte meist weit entfernt von Wanderwegen installiert.
Erst im IGN Zentrum in Madrid werden die echten Beben herausgefiltern, berechnet und in der Statistik aufgeführt.


Im NASA Satelliten Wettbewerb als schönstes Foto des Jahres 2012 hat es unser Eldiscreto bereits unter die letzten 16 Aufnahmen geschafft. Noch heute haben Sie die Möglichkeit ihr Votum erneut abzugeben. Morgen wissen wir dann ob er unter den letzten 8 Aufnahmen dabei ist. Es wäre natürlich eine Krönung für El Hierro, wenn der Eldiscreto als Siegerfoto im April gekürt würde. Also bitte abstimmen. Hier geht es zum NASA-Wettbewerb.

Mittwoch, 13. März 2013

El Hierro - etwas Seismik und die Knolle

NEWS:

Die gestern auf dem CHIE Seismografen aufgezeichneten Erschütterungen (links) hatten wohl keine seismische Ursache. Zu pünktlich um 9.00 Uhr am Morgen begannen die Aufzeichnungen, um dann gegen 19.30 Uhr wieder zu enden. Der Zeitrahmen entspricht einem kanarischen Arbeitstag, so daß wohl eine Baumaschine oder etwas ähnliches in Nähe der Station der Verursacher gewesen sein dürfte. Auch hat die IGN in diesem Zeitraum keine Beben ausgewiesen.
Wie die IGN dafür aber kurz mitteilte, werden zum 18.März 2013 die seit der vulkanischen Aktivität 2011 auf El Hierro eingestellte Internetseite mit Messdaten vom Netz genommen. Nur noch über die IGN Hauptseite werden Daten in eingeschränktem Umfang übermittelt.
Über die Gründe werden keine Angaben gemacht. Wahrscheinlich sind es aber auch hier wieder fehlende finanzielle Ressourcen.
 

Gemüseanbau auf den Inseln geht weiter zurück

 
 
Eigentlich sollte man erwarten, daß in Krisenzeiten die Selbstversorgung mit den Grundnahrungsmitteln ansteigt. Gerade die Kartoffeln (hier Papas genannt) die in der kanarischen Küche eine dominante Rolle spielen, werden aber immer weniger angebaut.
Nach den Erhebungen des Landwirtschaftsministerium ging die Fläche für den Kartoffelanbau in den letzten 5 Jahren auf den Kanaren um 31% zurück.
Vor 5 Jahren nahm die Wirtschaftskrise mit dem Platzen der Baublase 2008 ihren Anfang. Lieber werden heute Kartoffeln aus England, Irland oder gar aus Israel eingeführt. Trotz der hohen Transportkosten scheinen sie aber immer noch günstiger dort zu produzieren sein.

Zur Erinnerung - auf den Kanaren und damit auch auf El Hierro oder La Palma kann aufgrund der guten klimatischen Bedingungen jährlich bis zu 3x diese Knolle auf dem gleichen Stückchen Land geerntet werden.
Es sind wohl kleine Anbauflächen, meist in Hanglage und damit kein großflächiger Maschineneinsatz möglich, aber die vermehrten Ernten sollten diesen Nachteil doch ausgleichen.

Eine Rolle spielen sicher auch die inzwischen auf fast allen Inseln installierten internationalen Supermärkte wie SPAR, LIDL, Mercadona oder Supersol. Diese Konzerne kaufen global in großen Mengen ein und nehmen auf den örtlichen Erzeugermarkt wenig Rücksicht.
Die alten Tiendas (Tante Emma Läden) verfügten nicht über diese Logistik und bezogen ihre Waren vom örtlichen Erzeuger.

Letztendlich ist es aber der Verbraucher, dem es oft egal ist woher sein Lebensmittel stammt. Nur billig und günstig soll es sein.
Er hat es eigentlich in der Hand wo seine Kartoffel erzeugt wird und entscheidet wie es mit dem Agraranbau auf seiner Insel und damit auch mit seiner eigenen wirtschaftlichen Zukunft weiter geht.

Es war natürlich auch ein Versäumnis der Politik die Landwirtschaft als alte Existenzgrundlage nicht entsprechend zu fördern. Lieber wurden die in der Vergangenheit reichlich geflossenen Subventionen in Beton investiert.
Jetzt ist es zu spät - vielleicht doch noch nicht ganz zu spät. Dann müsste aber ein schnelles Umdenken und die Bündelung der noch kargen vorhandenen Geldmittel in diesen Sektor erfolgen.

Der Markt ist vorhanden, nur muß die heimische Knolle konkurrenzfähig gemacht werden und Einzug in die Supermärkte finden.
Die Kartoffel ist nur ein Beispiel. Genauso sieht es bei der Tomate aus. Auch hier ging die Anbaufläche in den letzten 5 Jahren um 26% zurück. Dieses Gemüse wird allerdings mehr auf den östlichen Inseln angebaut.

Es ist natürlich auch wichtig dem Canario klar zu machen, daß er mit dem Kauf jeder englischen Kartoffel im Grunde seine eigene Lebensgrundlage gefährdet.
Es mag etwas "Nationalistisch" und eigensinnig klingen, aber der Herreno hat keine großen Auswahlmöglichkeiten. Tourismus und Landwirtschaft ist Einzig vorhanden.
Keine Auto-, Elektro- oder chemische Industrie. Überhaupt keine Industriebetriebe die Arbeitsplätze anbieten könnten.
Auch ein Versäumnis der Vergangenheit. Interessenten und Fördermittel waren vorhanden.

Bleibt letztendlich wie bereits seit Jahrhunderten praktiziert - das Auswandern nach Norden. Nach Deutschland, England, Belgien oder wieder in die "Neue Welt" nach Südamerika.

Dienstag, 12. März 2013

El Hierro Vulkan - weitere Erschütterungen

NEWS:
17.09 Uhr - seit 9.00 Uhr am Morgen verzeichnet der Seismograf fortdauernde Erschütterungen, ähnlich einem Tremor. Wetterdedingte Ursachen liegen nicht vor. Es ist sonnig, kein Wind oder Regen und auch kein hoher Seegang. Die IGN führt in der Listung auch keine Beben auf.
Mögliche Ursache wäre eine Baumaschine in der Nähe des Seismografen. Dann müßten aber bis 19.00 Uhr (Arbeitsende) die Bewegungen ein Ende finden.



Es war in den letzten Stunden ein bunter Reigen  von leichten Erdstößen. Bis heute Morgen insgesamt 5 Beben bis ML1,9, quer verteilt über und um die Insel (siehe IGN Karte). Vom Golfo zur Westspitze, den Süden und erstmals auch im Osten. Ein ML0,7 Bebchen am Steilhang der Las Playas in nur 1 km Tiefe. Hier befindet sich an der Küste das Hotel Parador. Ich denke, daß es aufgrund der geringen Tiefe sich um ein Setzungsbeben (z.B. Einsturz einer Lavahöhle) gehandelt hat. Auch die Tiefengrafik der Ausgangszentren (Grafik oben) von 1, 5, 11 bis 21 km Tiefe lässt keinen Schwerpunkt erkennen.
Wie ich gestern bereits geschrieben hatte, wälzt sich wahrscheinlich die Magma im Untergrund um und verursacht im Randbereich der Magmakammer durch Aufschmelzvorgänge diese Erschütterungen.