Donnerstag, 10. Januar 2013

El Hierro Vulkan - 329 Millionen Kubikmeter Lava

NEWS:
Nach den jetzt veröffentlichten Berechnungen wurden bei der Eldiscreto Eruption Ende 2011 ungefähr 329 Millionen Kubikmeter Lava und Schlacke ausgeworfen. Dies teilte die IEO (Instituto Espanol de Oceanografia) aus Barcelona in der amerikanischen Fachzeitschrift "Geology" mit. Die Berechnungen basieren auf Untersuchungen durch das Forschungsschiff Roman Margalef im Dezember und März 2011/12. Wie wir wissen hat der Eldiscreto eine Basisbreite von rund 600 m bei einer Höhe von 280 m. Nur 84 m fehlten noch bis zur Meeresoberfläche. Auch wenn sich die angehäufte Lavamenge von 329 Mill. m³ viel anhört, war es doch nur ein kleines "Häufchen". Wie eine Wissenschaftlerin der IEO betonte wären mindestens 9000 derartiger Eruptionen erforderlich um eine Insel wie El Hierro zu formen. Dazu wären rund 125 Jahre Zeit notwendig.Vulkane haben einfach ein anderes Zeitgefühl und denken in geologischen Zeitschienen.

Fred Olsen bietet keine Fährverbindung mehr an


Jetzt droht ein neues Ungemach. Die norwegische Reederei Fred Olsen bietet ab nächster Woche keinen Fährtransfer von Teneriffa nach El Hierro mehr an. Die Fähre verkehrte bisher 3x in der Woche. Am Mittwoch, Freitag und am Sonntag (Shot links). Ab dem 14. Januar 2013 ist über die Olsen-Internet Seite keine Buchung mehr möglich. Nachdem schon die Fluggesellschaft Islas Airways durch ihre "Pleite" ausgefallen ist, entschwindet El Hierro immer mehr in die Ferne. Noch fährt am Samstag die Fähre Navierra Armas. Auch sie wollten die Verbindung Mitte 2012 einstellen. Erst mit spektakulären Blockade und Kaperungsaktionen (ich hatte berichtet) konnte die Gesellschaft überredet werden weiter die Insel anzusteuern. Ausschlaggebend waren aber sicher die neuerlichen Subventionszahlungen.

Ähnlich dürfte nun auch Fred Olsen pokern. Man legt der kanarischen Regierung jetzt einfach den Strick um den Hals um weitere Millionensubventionen zu ergattern.
Alle Fähren und Flugzeuge nach El Hierro waren selbst in Hochkonjunkturzeiten nie ausgelastet.  Wenn ein Schiff mit 700 Plätzen wie ich es selbst erlebt habe mit nur 25 Gästen besetzt ist, muß kein Taschenrechner hervor geholt werden um die Rentabilität auszurechnen. Auch die wenigen Kleinlastwagen oder Container im Warentransport konnten das Defizit nicht wett machen. Die Verbindung nach El Hierro war schon immer ein Zuschussbetrieb und wurde kräftig subventioniert.

Nun sind die öffentlichen Kassen leer und  kein Geld für das Transportwesen verfügbar.
Die spanische Wirtschaftskrise hat das Waren-Transportaufkommen und die Anzahl der Passagiere mehr als halbiert. Waren es vor allem die Canarios die die Fähren benutzten. Deren Etat ist geschrumpft und man spart sich den Trip. Ausländische Touristen spielten hier sowieso nur eine Randerscheinung.

Erstaunt bin ich nun aber über das Gezänke der "politischen Elite" von El Hierro. Die Inselregierung von PSOE/PP unter Führung des Inselpräsidenten Alpidio Armas streitet mit der Opposition, der Inselpartei AHI, wer den nun die Verhandlungen mit Olsen führen dürfe.
Statt gemeinsam an einem Strang zu ziehen geht Energie und Zeit für internes Parteien Machtgehabe verloren. So ist das einfach auf El Hierro.

Die Reederei Fred Olsen ist ein privater Konzern der Gewinn machen möchte oder muß. Alle Solidaritäts- und Liebesbekundungen der Vergangenheit zu El Hierro hören beim Geld auf. Ohne Subvention keine Fährverbindung.

Einzig kann sich im Moment die Fluggesellschaft Binter Canarias freuen. Als nun fast konkurrenzloses Transportunternehmen wird sie und hat sie schon an der Preisschraube gedreht. Auch die Flüge werden ausgedünnt und damit teurer.
Kein gutes Omen für den zukünftigen Tourismus.

Aber ich bin hoffnungsvoll, daß nach einer kurzen Unterbrechung auch Fred Olsen mit einer Subventionszusage in der Tasche, den Fährbetrieb wieder aufnimmt.

Mittwoch, 9. Januar 2013

El Hierro Vulkan - wie war das nun in der Vorzeit?

NEWS:
Die Ruhe hält an. Gestern nur zwei unbedeutende Erdstöße um den Tanganasoga.

Zeit sich über die geologische Vergangenheit der Kanaren Gedanken zu machen. Heute zunächst die geografische Einordung - in den nächsten Tagen die Entstehung und in Folge auch die These von Dr.Simon Day vom "La Palma-Tsunami" - dem Abrutschen der Insel.

1. Die geografische Lage und das Alter der Kanarischen Inseln

Die Kanarischen Inseln sind Teil des afrikanischen Kontinent. Gerade knapp 100 Kilometer trennen die östliche Insel Fuerteventura von Süd- Marokko. Von La Palma im Westen aus sind es rund 480 km (Google/NASA Karte).
Die Kanaren liegen also auf keiner eigenen Platte, wie früher vermutet wurde. Es ist eine Absenkung der afrikanischen Platte die bis 3500 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und sich weit über die Kanaren hinaus in den Atlantik erstreckt. Hier spricht man auch von dem "Kanaren Becken".

Die Inseln selbst entstanden erst in jüngerer geologischer Vergangenheit. Die älteste Insel ist Fuerteventura ganz im Osten. Ihr Alter wird auf 22 Millionen Jahre datiert. Einige Wissenschaftler sprechen gar von 28 Millionen Jahren. Gefolgt von Lanzarote mit 15,5 Millionen Jahren. Beide Inseln waren früher verbunden und haben auch heute nur einen 10 km breiten und 40 Meter tiefen Meeresstreifen zwischen sich ( Karte unten rote Pfeile).
Es folgten Gran Canaria (14,5 Mio.), die Insel Teneriffa ( 12 Mio.) und La Gomera vor ca. 11 Millionen Jahren. Erst mit großem Abstand kamen dann die beiden Westinseln La Palma und El Hierro. La Palma schätzt man auf ein Alter von 1,8 bis 2 Millionen Jahre und El Hierro als kleinste und jüngste Insel des Archipel auf rund 1,2 Millionen Jahre.

Neben den 7 Hauptinseln gibt es noch 6 Kleininseln. Wie La Graciosa, Alegranza, Montana Clara, Roque del Este oder Roque del Oeste im Norden von Lanzarote und Los Lobos zwischen Fuerteventura und Lanzarote.
Alle Kleininseln bis auf La Graciosa sind unbewohnt und Naturschutzgebiet. Sie dürfen ohne Erlaubnis nicht betreten werden. Nur auf La Graciosa hat sich ein bescheidener Tourismus gebildet. Hier ein paar Bilder und Eindrücke von La Graciosa.

Aber auch Inseln - so genannte Seamount -  die noch nicht bis zur Meeresoberfläche gewachsen sind gibt es um die Kanaren. Besonders viele finden wir südlich von El Hierro. Hier auf der Karte von Prof.H.-U. Schmincke eingezeichnet. Vulkankegel bis zu mehr als 1000 Meter Höhe, die allerdings noch nicht groß erforscht sind. Ob es Seamounts jüngeren Datums sind, also Vorboten oder das Fundament von noch an der Meeresoberfläche auftauchender Inseln, ist ungewiss. Mit Sicherheit und davon bin ich überzeugt gibt es im Augenblick mehrere aktive Vulkane am Meeresboden. Aufgrund der großen Tiefe von 3500 m sind durch die inselferne Lage und Meeresverwirblungen nur keine oberflächlichen Spuren zu erkennen.

Erdbeben gab es in der Vergangenheit zwischen den Kanarischen Inseln genug. Erst gestern Abend um 18.21 Uhr ein ML1,8 Beben in 30 km Tiefe westlich von Fuerteventura. Erst wenn es technisch und finanziell möglich ist mit U-Booten oder unbemannten ROV`s flächendeckend den Meeresboden zu erforschen, wird man sicher auf so manche Überraschung stoßen. Von den bekannten aufgetauchten 13 Inseln, ist auch heute nur ca. 5 % der Masse zu sehen. Der größte Teil davon liegt unsichtbar unter dem Meeresspiegel.

Dienstag, 8. Januar 2013

El Hierro Vulkan - wieder eine Ruhephase

NEWS:
Nach dem Bebenschwall um die Jahreswende ist nun seit dem 3.Januar 2013 relative Ruhe eingekehrt. Nur vereinzelte schwache Erdstöße wie heute Morgen um 4.57 Uhr mit ML0,9 in 17 km Tiefe in der Nähe des Tanganasoga wurden aufgezeichnet. Es ist wieder eine dieser typischen Ruhephasen die wir in der Vergangenheit schon oft erlebt haben. Nach dem IGN Histogramm gab es am 31.12.2012 noch 57 Beben, die innerhalb weniger Tage auf ein Minimum zurück gefahren sind. Ein völliges Erlöschen aller Aktivitäten wäre wünschenswert, dürfte aber im Moment ein Wunschgedanke bleiben. Die Innendruck-Verhältnisse sind nach wie vor hoch und finden einfach noch keinen Druckausgleich. Solange diese Werte stabil oder wie in den vergangenen Tagen sogar leicht ansteigend sind, ist ein Wiederaufleben nicht auszuschließen.
Es kann jetzt Tage oder Wochen dauern bis die Magmamasse wieder einen Impuls erhält und in Bewegung kommt. Zum Glück spielt sich aber alles in großen Tiefen von 17 bis 20 km ab und ist auf der Inseloberfläche nicht zu spüren.

Dieser Vulkan ist keine Eintagsfliege oder ein vorbei ziehendes Gewitter der schnell seine Aufgabe erledigt. Es sind natürlich-geologische Vorgänge mit einem anderen Zeitrahmen. Nicht umsonst hat der kanarische  Hotspot über 20 Millionen Jahre lang gebraucht um von Fuerteventura im Osten der Kanarischen Platte bis heute nach El Hierro zu gelangen. Ohne Hotspot und die damit verbundene Vulkanaktivität gäbe es überhaupt keine Inseln.

In den nächsten Tagen möchte ich etwas auf diese Entwicklung und die Geburt der Kanarischen Inseln eingehen.

Montag, 7. Januar 2013

El Hierro - Bräuche und Natur

NEWS:

Nachdem der Vulkan ruhig bleibt, möchte ich mich heute etwas dem Kanarischen Weihnachtsfest widmen. Anders als in Nordeuropa ist der Dreikönigstag der höchste Feiertag des Jahres. Die "Reyes" (Könige) bringen erst die Geschenke. Der Dreikönigstag wird in allen Familien gemeinsam mit einem Festessen und dem Überreichen von Geschenken feierlich begangen. Dieser Tag ist vergleichbar mit dem 1. Weihnachtsfeiertag in Deutschland..

Auch wenn das Foto links wie eine Luftrettungsaktion aussieht, hängt unter dem Helikopter leibhaftig der Page - der Vorbote und Verkünder der Ankunft der Dreikönige. Mit dem Hubschrauber werden oder besser wurden die Könige eingeflogen. Es sind Aufnahmen aus noch besseren Zeiten, aufgenommen in meiner Heimatstadt San Pedro auf La Palma. Heute geht es nicht mehr ganz so spektakulär zu. Das Kamel, Pferde oder zur Not auch das Automobil muß jetzt ausreichen. Alles schon einmal da gewesen - man backt wieder kleinere Brötchen. Aber die Natur strahlt und blüht wie immer. Auch im Januar zeigt die Landschaft nach den ausgiebigen Regenfällen auf den Westinseln ihre ganze Farbenpracht  Einige Fotos von unserem gestrigen Wanderausflug.







Immer wieder ist vieles zu entdecken und zu sehen. Ob Rindvieh auf der Weide, ob ein einsam dahintrabender Esel (hier mit Marie) oder Carlos beim Starten seiner Brieftauben auf dem Montana La Toscas bei Mazo. La Palma, La Gomera und natürlich El Hierro sind zu jeder Jahreszeit einfach eine Reise wert. Naturliebhaber, Wanderer und alle die Ruhe, Entspannung und die Einsamkeit im Einklang mit der Natur suchen, sind immer herzlich Willkommen.

Samstag, 5. Januar 2013

El Hierro Vulkan - spielt der Seismograf verrückt ?

NEWS: 10.45 Uhr - schwacher Erdstoß von ML1,2 - Tiefe unbekannt - im Golfo.

Ein erstaunter Blick auf die seismografische Aufzeichnung heute Morgen von El Hierro. Bei solchen Ausschlägen muß etwas "Größeres" im Gange sein. Das war es auch, aber nicht unter El Hierro. Um 9.58 Uhr gab es im Süden von Alaska ein 7,7 Beben in 9 km Tiefe. Inzwischen gibt es auch eine Tsunami-Warnung. Mit etwas Zeitverzögerung wurde auch dieses starke Beben auf den Kanaren registriert. Unterschiedlich wie links die Kurve von Teneriffa zeigt. Je nach Einstellung der Geräte werden die Beben Frequenzen gefiltert und aufgezeichnet. La Palma übrigens -  ist heute die Insel der Ruhe und war "Bebenfrei". Hier ist der Seismograf komplett ausgefallen.