Freitag, 21. Oktober 2011

El Hierro Vulkan - Warten ist angesagt

Heute mal mit einer etwas anderen Grafik die die Beben der letzten Stunden markiert. Das kräftigste Beben mit 2,1 RSk. (grüner Punkt) um 23.30 Uhr in Nähe der Eruptionsstelle.
Die Erdstöße sind heute gleichmässig auf den Golfobereich und den Süden verteilt. Aufgefallen ist mir, daß nun Beben -alle über 1,5 RSk.- im Minutentakt erfolgen. So in der Nacht im Süden um 23.23/ - 23.29/ und  23.30 Uhr. Diese enge zeitliche Konzentration konnte gestern Mittag bereits im Golfo beobachtet werden. Der Magmaaufstieg (Tremor) erfolgt weiter in normalen Bahnen.

An der Eruptionsstelle im Süden dringen weiter Gase an die Oberfläche. Wie stark der Lavaauswurf zur Zeit ist können vielleicht heute Untersuchungen des eingesetzten Roboter (ROV) bringen. Nur Schade, daß der ROV mit keiner Camera ausgerüstet ist und nach Meldungen nur Wassertemperaturen bis 35°? verträgt. Vielleicht lassen sich mit seinen Wärmesensoren entsprechende Daten ermitteln. Ich denke, daß der Meeresgrund so aufgewühlt ist, daß optische Aufnahmen des Schlotes ohnehin nur schwer zu bekommen wären.

Der Katastrophenstab (Pevolca) hat gestern in Valverde beschlossen, daß ab sofort Anwohner ihre Anwesen in La Restinga wieder bewohnen können. Die Lage sei stabil und entsprechende Mess- und Warngeräte installiert. Für den Ernstfall würden zwei Busse ständig vor Ort bereit gehalten. Vor dem Baden, Tauchen und Fischen in den Gewässern um Restinga wird gewarnt. Auch der Verzehr von Fisch sei nicht zu empfehlen. Die Schule im Ort bleibt geschlossen. Die höchste Warnstufe "ROT" wird aufrecht erhalten.
Weiter wird ab heute das 2km lange Tunnel im Golfotal von 8.00 bis 20.00 Uhr für alle Fahrzeuge wieder freigegeben.

Hier stellt sich natürlich für den Betrachter die Frage: Höchste Warnstufe und keine Gefahr für die Menschen? Wie passt das zusammen ? Was geht in den Köpfen der Entscheidungsträger vor?

Genauso die Wiedereröffnung des Golfotunnels. Seit Tagen wieder verstärkte Erdbeben im Golfotal, mit zunehmender Tendenz. Ticken die noch Richtig! - oder verstehen wir das nur nicht.

 

Donnerstag, 20. Oktober 2011

El Hierro - Die vulkanische Vergangenheit

Wie heute Morgen bereits angekündigt etwas zur vulkanischen Vergangenheit von El Hierro:

Die Insel El Hierro ist die jüngste Insel der Kanaren. Das Entstehungsdatum schätzt man auf 1 bis 2 Millionen Jahre. Im Vergleich dazu meine Insel La Palma mit 2 bis 3 Mio. und La Gomera 11 bis 13 Mio. Jahre alt. Vor geschätzten 120.000 Jahren geschah dann der große Erdrutsch, der die heutige Form des Golfotales gestaltete. Lesen Sie dazu einen kurzen Auszug aus "Geheimnisvolles El Hierro"





Seit dieser Zeit gab es bis heute nur einige wenige verbürgte Vulkanausbrüche. Der letzte Ausbruch war 1793 und lag im Südwestteil der Isla. Seitdem galt El Hierro als die "Ruhige und Vergessene Insel am südlichsten Zipfel der Kanaren". Bis vor ein paar Wochen ...  Soviel zur Geschichte und Chronik.

Sonst verlief der Tag bisher ruhig und ohne große Anspannungen. Um die Mittagszeit um 11.40/11.46 und 11.49 Uhr drei Beben im Golfotal der Stärke 1,6 - 1,8 und um 13.37 Uhr im Süden mit 2,0 auf der Richterskala.
Die Zeitung El Mundo hat heute eine schöne Grafik veröffentlicht, die Sie sich mal anschauen sollten.

El Hierro Vulkan - WebCam


Die einzige öffentliche Webcam auf El Hierro ist zur Zeit diese. Sie wird von "Meteolaspuntas" betrieben und hierfür ein Danke. Mit einem Klick auf die Aufnahme sind Sie Live auf der Insel.

Alle 20 Sekunden schaltet die Cam ein neues Bild. Schade allerdings im Moment, daß sie im Golfotal auf der Westseite steht. Ich habe hier mal mit Pfeilen den ungefähren Standort angegeben. Die Blickrichtung geht über Frontera in die Steilwände des Golfo-Halbkraters. Von den Aktivitäten im Süden können wir von hier aus natürlich nichts sehen. Es stellt sich nun die Frage, warum die Inselregierung längst nicht eine Cam direkt an der Südküste aufgestellt hat. Es wurde darüber geredet, die Telefonica hat auch entsprechende Leitungen verlegt und neue Satellitenverbindungen geschaltet, passiert ist aber nichts. Entweder hat man zur Zeit wichtigere Dinge zu erledigen oder die Verantwortlichen haben schlicht kein Interesse daran unkontrolliert Bilder in alle Welt zu übertragen.

Auch in den vergangenen Stunden gab es eine Reihe von Beben. Das Zentrum wieder das Golfotal. Die Erdstöße lagen zwischen 2,0 und 2,6 auf der Richterskala und kamen meist aus 22 km Tiefe. Der Tremor hat leicht zugenommen, liegt aber noch im moderaten Bereich. Das Golfotal rückt wieder mehr in den Blickpunkt. Ich werde im Laufe des Tages einige Informationen zur geologischen Vergangenheit dieses Golfotales einstellen. Mit diesem Golfotal hatte ich mich in den letzten Jahren ja intensiv bei meinen Buch Recherchen beschäftigt. 

Gestern durften erstmals Reporter in das gesperrte La Restinga. Einige Journalisten verspürten nach ihrer Rückkehr durch die vorhandenen Schwefelgase Beschwerden. Andere bemerkten die Gase überhaupt nicht.
Ärger gibt es wegen der beschränkten Nutzung des Golfo-Tunnels. Seit gestern dürfen LKW und Gefahrgut- Transporter das Tunnel durchfahren. Allen anderen Fahrzeuge müssen die alte Strecke über den Berg benutzen. "Alle oder  Keiner" so die Proteste - was sage ich dazu,  einfach menschlich.
Für durch den Vulkan geschädigten Anwohnern, stellt die Caja Canarias (kanarische Sparkasse) einen zinsgünstigen Sofortkredit ohne große Sicherheiten bis zur Höhe von 6000.- € zur Verfügung.
Das wäre es im Moment.   

Mittwoch, 19. Oktober 2011

El Hierro Vulkan -Forschungsschiff Margalef wieder aufgetaucht

Das Forschungsschiff "Ramon Margalef" mit dem ROV an Bord, ist im Suchradar wieder aufgetaucht. Es befindet sich in der Nähe der Stadt Porto in Portugal, mit Kurs Richtung Süden. An Bord sind 12 Wissenschaftler, 2 Techniker und 12 Mann Besatzung. Wenn nicht wieder irgendwelche Probleme auftauchen, wird es bis zum Wochenende, es sind immerhin über 2000 km Seestrecke, in El Hierro einlaufen.
Inzwischen haben auch die Wissenschaftler vor Ort die bei der Eruption ausgeworfene Lava analysiert und sind zu einem überraschenden Egebnis gekommen. In den aufgefischten Lavabrocken ist kein oder kaum Basalt enthalten. Der Hauptinhaltsstoff ist Kieselsäure. Als Kieselsäuren werden die Sauerstoffsäuren des Siliciums bezeichnet. Vielleicht kann ein Mineraloge oder Geologe unter unseren Lesern diese Besonderheit mal erklären.
  
Der Tremor zeigt ohne große Veränderung das weitere Aufsteigen der Magma an. Eine Reihe von Erdstößen zwischen 1,6 und 1,8 auf der Richterskala in der vergangenen Nacht und am Morgen gehören inzwischen fast auch zur Normalität.
Nur das Zentrum der Beben verlagert sich immer mehr nach Norden. Wenn Sie bisher meinem Blog aufmerksam gefolgt sind, dann kennen Sie auch meine Meinung dazu. Wenn nicht, dann bitte zurück blättern.

Der Katastrophenstab PEVOLCA hat inzwischen erlaubt, daß die emigrierten Anwohner von La Restinga in kleinen Gruppen in Polizeibegleitung, Kleidung und Medikamente aus ihren verlassenen Häusern und Wohnungen holen dürfen.

Heute Morgen wurde vom Cabildo (Inselregierung) beschlossen, einen Ausschuss zur Bewertung der sozialen und wirtschaftlichen Schäden und der Wiederbelebung El Hierros, ins Leben zu rufen. Wieder einen Ausschuss mehr werden Sie vielleicht jetzt sagen, aber hier dient inzwischen auch die deutsche Bürokratie als nacheifernswertes Vorbild.

Die aktuelle Wetterlage mit vorherrschender Windrichtung auf El Hierro, ist jetzt am Ende des Blog.

El Hierro Vulkan - er sprudelt weiter



Ein beeindruckendes Video von der Hubschrauberbesatzung gestern aufgenommen. Unser Vulkan sprudelt also weiter. Zunächst gingen die anwesenden Journalisten davon aus, daß die an der Meeresoberfläche sichtbaren Aktivitäten sich auf ein Minimun beschränkt haben. Aber aus 4 km Entferung lassen sich diese Details nicht genau beobachten.
Inzwischen sind Reporter, Journalisten und TV Teams aus allen Erdteilen vor Ort um über dieses Ereignis zu berichten. Viel anderst habe ich das auch nicht erwartet.
Auch ein Stelldichein von Wissenschaftlern und Fachleuten aller Fachrichtungen gruppiert sich so langsam auf dieser kleinen Insel. Was will man mehr am Ende der Welt, beim ehemaligen O-Meridian. Ob die Herrenos sich darüber freuen sollen, wissen sie im Moment selbst noch nicht.

Das Trauerspiel um dem sehnsüchtig erwarteten Unterwasser Roboter hat sich teilweise erledigt. Gestern Abend kam per Flugzeug über Tenriffa ein leistungsschwacher Ersatz ROV (Remotely Operating Vihicle) in El Hierro an. Ein ROV, ohne Kamera und mit weniger Equipment, als der moderne Liropus 2000 . Ich hatte darüber berichtet. Der ROV soll nun mit dem vorhandenen Forschungsschiff "Ignacio Lazano" auf Entdeckungstour gehen.
Wo und warum der Liropus 2000 mit seinem Mutterschiff "Margalef" verblieben ist , ließ sich auch heute Morgen nicht feststellen.
Hier muß ich der Wissenschaft ein Armutszeugnis ausstellen. Wichtige Erkenntnisse und Untersuchungen zu der unterseeischen Entstehung eines Vulkanes konnten so nicht gewonnen werden. Warum waren die beteiligten Institute nicht in der Lage, rechtzeitig organisatorische Vorraussetzungen zu schaffen, einen modernen ROV schnell an den Einsatzort zu bringen. Selbst für Laien war abzusehen, daß sich eine Eruption auch im Meer abspielen könnte. Selbst, wenn man dieses Gerät aus den USA oder von mir aus auch in China geordert hätte. Jetzt ist es zu spät.