Dienstag, 18. Oktober 2011

El Hierro Vulkan - Verschnaufpause


Der Tremor ist am Vormittag zurückgegangen. "Tremor" sind die in der Grafik darstellten Zitterbewegungen, die beim Aufstieg der Magma entstehen und ein schwaches "Dauerbeben" verursachen. Auch wurde berichtet, daß die Aktivität der aufsteigenden Gase an der Meeresoberfläche schwächer wurden und das "Sprudeln" fast zum Erliegen kam.
Das alles hat nicht zu bedeuten, daß der Spuk vorbei ist. Vulkane sind unberechenbare Kameraden, die wie der Mensch, auch Atempausen einlegen. Schon heute Nachmittag kann es mit neuem und frischem Elan umso kräftiger weitergehen.
Foto: Lorena Hernandez Herbinaux
Dies sind die auf der Meeresoberfläche treibenden Lavaknollen. Sie wurden vom eingesetzten Forschungsschiff an Land gebracht. Nach den Beschreibungen sehen sie wie große Walnüsse aus.





Als Lava wird das ausgestoßene Produkt der Vulkane bezeichnet. Solange es sich noch im Vulkanschlund befindet, nennt man es Magma.
Es ist eine Silikatmischung aus Salzen und Ester und deren Kondensate, dem Urprodukt unserer Erde.
Je nach Beimischung kann die Farbe der Lavabrocken rot, gelb, grünlich oder schwarz sein. Die meisten Lavastücke sind porös und von vielen Luftkanälen durchzogen. Aus diesem Grunde sind sie in der Regel auch sehr leicht. Bimstein oder der künstlich hergestellte Poroton Bausteine sollen für Sie als Gewichtsvergleich dienen. Diese gelbe Lava habe ich beim letzten Familien-Sonntagsspaziergang am Wegesrand auf La Palma aufgenommen. Aber auch interessante Strukturen und Muster hinterlässt die erkaltete Lava. Die sogennannte Stricklava, hier ein Brocken vom Tacoron Gebiet auf El Hierro, erinnert an Omas selbstgestrickte Pullover.

Vulkan - Späte Einsicht

Zwei kräftige Erdbeben in der Nacht, das letzte (Karte) um 0.57 Uhr mit 2,3 und um 18.12 Uhr mit 2,2 auf der Richterskala, beide im Eruptionsgebiet, dürften nun die Phase 2 einläuten.
Sie erinnern sich, hier tritt weißer Dampf - meist Wasserdampf, aus der Eruptionstelle aus. Der Tag wird es zeigen.
Gestern gefilmt aus dem eingesetzten Hubschrauber des Gobierno Canarias wurde diese Video. Deutlich zu sehen wie die Eruptionsstelle brodelt und kocht. Auch die jetzt noch schwachen Druckwellen die sich kreisförmig ausbreiten, sind gut zu erkennen.



Die Flugverbotszone wurde auf 5 Nautische Meilen (1Meile= 1,852 km) vergrößert. Der Umkreis von 9,2 km ist nun für private Flugzeuge tabu. Der Unterwasser Roboter ROV und sein Mutterschiff, die "Margalef" befinden sich, trotz anderer Angaben, immer noch im Hafen von Vigo. Wer mal einen Blick auf die aktuelle Positionskarte werfen möchte, klickt hier auf Marine Traffic.

Späte Einsicht - aber gerade noch rechtzeitig, so könnte man die Entscheidung des Katastrophenstabes vom gestrigen Abend nennen. Das Ort La Restinga bleibt Sperrgebiet. Kein Anwohner darf zurück und sich in Gefahr begeben. Ich bin erleichtert, Sie erinnern sich an meine gestrige Meinung. Hat also doch in den Köpfen der Entscheidungsträger die Vernunft gesiegt.

Begründet wird dieser plötzliche Sinneswandeln mit erhöhten Gaskonzentrationen in Restinga und der nun doch zu kurzen Vorwarnzeit bei einer explosiven Eruption. Wahrscheinlich schauen die Herren ab und zu in diesen Blog und lassen auch andere Meinungen in ihre Gedanken einfließen.

Geöffnet dagegen wird der Tunnel im Golfotal von 8.00 bis 20.00 Uhr für Einsatzfahrzeuge, LKW über 3,5t und gefährliche Güter. Eine Maßnahme die ich so nicht unterstütze. Das geowissenschaftliche Gutachten über die Gefährdung durch Erdrutsch und Steinschlag wird erst in 10 Tagen fertig sein. Auch hat ein Geschäftsmann aus Frontera Klage beim zuständigen Gericht in Teneriffa eingelegt, da nach seiner Meinung seit Eröffnung vor 7 Jahren bis heute noch keine gültige Betriebserlaubnis vorliegt. Interessant und hier durchaus möglich.

Bei uns geht gerade die Sonne langsam auf. Wollen wir mal sehen was der heutige Tag uns so Neues bringt. Ich bleibe am Ball.

Montag, 17. Oktober 2011

El Hierro - das wissen nur die Götter

Ein neues Beben mit 2,5 auf der Richterskala hat um 12.55 Uhr den Süden von El Hierro erzittern lassen. Nach Überzeugung von Vulkanologen kann es noch bis zu 2 Wochen dauern, bis sichtbar die neue Insel entsteht.
Inzwischen erreicht mit der Meeresströmung erstes Lavamaterial den Hafen von La Restinga.

Heute Abend um 19.00 Uhr soll bei einer Krisensitzung entschieden werden unter welchen Bedingungen die Anwohner von La Restinga in ihre Häuser zurückkehren können. Die Unterwasser- Hydrophone sind inzwischen installiert.
Für mich und selbst für viele Anwohner ist es völlig unverständlich, warum bei der höchsten Alarmstufe "Rot", die weiter besteht, die Rückkehr nach Restinga erlaubt wird.

So gibt es dazu auch entsprechende Stimmen, die eine Lokalzeitung eingefangen hat.
Ein junger Restaurantbesitzer sagt: Ich öffne zwar mein Lokal, meine Frau und mein Kind bleiben aber in El Pinar wo ich nach Lokalschließung auch wieder hin zurückkehren werde oder ...
Eine Frau winkt ab "Ich muß meinen alten Vater versorgen, dem mute ich eine evtl. Evakuierung in der Nacht nicht zu. Ich muß jetzt schon Pillen nehmen um überhaupt schlafen zu können."
Der nächste Punkt bei der Krisensitzung ist die Wiedereröffnung des Golfo-Tunnels. Wie heute bekannt wurde, sind die drei angeforderten Bergbauingenieure, die die Sicherheit des Tunnels untersuchen und beurteilen sollen, erst heute angereist.

Erstaunen über Erstaunen. Selbst mir fehlen die Worte, obwohl ich die Eigenarten und die Mentalität der Menschen und der Politik hier seit 15 Jahren gewohnt bin.

Foto: LaProvincia
Die Zeitung Laprovinvia.es - bitte anklicken - hat heute eine aufschlussreiche Grafik zu den möglichen Optionen einer Unterwasseruntersuchung durch die Forschungsschiffe "Ignacio Lazano", das seit heute wieder im Einsatz ist, und der "Ramon Margalef" veröffentlicht. Die Margalef soll am Abend in Viego in Nordspanien zu ihrer Exkursion nach El Hierro starten. In 3 Tagen wird sie vor Ort sein.
Welche farblich völlig unterschiedliche Schichten ein Vulkan - bei zeitlich unterschiedlichen Eruptionen - hinzaubern kann, zeigt mein Foto unten. Es entstand nicht auf El Hierro, sondern auf der Nachbarinsel La Palma im Norden bei Barlovento.



El Hierro - Fragwürdige Entscheidung

Die Lage ist unverändert. Die letzten größeren Beben haben sich um das Golfotal ereignet. Ein Erdstoß um 18.38 Uhr der Stärke 1,9 RSk  in 23 km Tiefe und um 6.00 Uhr am Morgen von 1,7 in 18 km Tiefe.
Unsere "Neue Insel" im Süden spuckt weiter Lava und große Gasblasen aus. Ich hoffe im Laufe des Tages einige neue Bilder einstellen zu können.
Das Tagesgespräch ist ganz anderer Art. Auch ich musste mehrmals nachlesen und Nachfragen um die Brisanz dieser Entscheidung zu verstehen.
Gestern war unser Kanarenpräsident Paulino Rivero vom Gobierno de Canarias vor Ort um sich persönlich ein Bild der Lage zu verschaffen. Ein auch von mir hoch geschätzter Mann - zumindest bis gestern.

Seine Aussage mit meinen Worten:

"Die evakuierten Bewohner vom Ort La Restinga, dürfen innerhalb von 24 Stunden wieder in ihre Häuser zurückkehren. Es werden strenge Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Das soll die Installation von Hydrophonen (eine Art Unterwassermikrophon) und ein Sirenensystem sein, mit dem im Ernstfall die Bevölkerung schnell gewarnt werden kann. Alle Bewohner haben dann rasch auf eigene Faust La Restinga zu verlassen und Zuflucht in El Pinar und Valverde zu suchen.
Ebenfalls wiedereröffnet wird innerhalb von 24 Stunden das 2km lange Verbindungstunnel aus dem Golfotal für bestimmte Personengruppen bzw. Fahrzeugtypen."

Eine politische Entscheidung die mit dem Katastrophenstab "Pevolca" angeblich abgestimmt wurde, in dem auch Wissenschaftler sitzen. Eine Maßnahme die bei mir nur ein "Kopfschütteln" hervor ruft.
Sicher sind die Bewohner durch die Sperrungen massiv beeinträchtigt und in ihrer beruflichen und wirtschaftlichen Tätigkeit teilweise sogar existenzgefährdet. Dafür aber das Leben von Menschen auf das Spiel zu setzen, halte ich für verantwortungslos.

Das Interesse an diesem Blog hat selbst mich überrascht. Gestern allein waren es fast 6000 Besucher und sehr viele Mails.
Ich danke an dieser Stelle für die vielen Ermunterungen, Berichtigungen, Ratschläge, Hinweise, Danksagungen und lieben Grüße. Bitte verstehen Sie, daß ich als Hobbyschreiber nicht alles beantworten kann. Deshalb an Alle nochmals ein herzliches Dankeschön. Ich werde so weiter machen!
Um mir vielleicht die Arbeit etwas zu erleichtern und Ihnen eine schnelle Antwort auf ihre Fragen zu geben, schlage ich vor, mehr die Kommentarfunktion unter dem Artikel zu nutzen. Unter unseren Lesern sind auch Vulkanologen, Geologen, Meteorologen, Touristikmanager, vielleicht auch Politiker und andere Fachleute. Ich bin mir fast sicher, das Sie aus berufenem Munde eine fachkundige Antwort erhalten. Danke !

So könnte sich der Vorgang auf El Hierro wiederholen. Ein faszinierendes Video über die "Geburt einer neuen Insel" (danke an Mike Schüler)


Sonntag, 16. Oktober 2011

El Hierro Vulkan - Riesige Gasblasen steigen auf

Foto: La Provincia
Inzwischen steigen aus dem Eruptionkrater riesige Gasblasen auf. Alle 15 bis 20 Minuten treffen sie blubbernd an der Meeresoberfläche ein. Das ist typisch für die Phase 1 die ich heute morgen beschrieben habe. Jetzt geht man davon aus, daß sich die Ausbruchsstelle bis auf weniger als 100m an die Wasseroberfläche heran gearbeitet hat.
Ab 60m beginnt die heiße Phase oder die Phase 2 wie die Wissenschaftler sagen. Wasserdampf tritt aus und das Meer beginnt förmlich zu kochen. Wenn nun noch glühende Lava dazu kommt, dann kommt es nämlich zu den gefürchteten Explosionen - und davor hat hier jeder Angst.

Wir wissen nicht welche Mengen der Vulkan in welcher Zeit auswirft. Je mehr Lava desto größer die Explosionen.

Auch die Verformung der Insel hat sich heute unterschiedlich geändert. Es waren meist Deflationen. Nach den GPS-Messungen könnten im Untergrund mehrere Systeme wirken. Das könnte heißen, daß sich auch an anderen Orten Vulkanschlote öffnen werden. Es bleibt also spannend.
Drei Erdbeben haben wir heute erlebt, die alle im vermuteten Spalt aufgereiht lagen. Zwei auf der Golfoseite und eines im Süden. Das Beben im Süden bei Tacoron um 13.23 hatte eine Stärke von 2,5 RSk. Die Geologen werten es nicht als Beben, sondern vermuten aufgrund der eigenartigen Muster, eine Explosion. Was das nun im Einzelnen zu bedeuten hat, konnte ich noch nicht erfahren.