Samstag, 19. April 2014

Schwerelos über den Kanarischen Vulkanen schweben

NEWS:

Visionäre braucht das Land. Das Swiss Space Systems (wegen der drei S kurz S3 genannt) will von den Kanaren Touristen in den Weltraum befördern ( siehe dazu "Von den Kanaren ins Weltall"). Normal traut man den Eidgenossen solch innovative Vorreiterrollen eigentlich gar nicht zu. Ist doch das Alpenland mehr für traditionelle und ruhige Gangart bekannt. Jetzt packen aber die Macher aus Payerne (Schweiz) konkrete Termine aus und machen Nägel mit Köpfen. Soweit ich weis erstmalig in Europa bzw. geographisch korrekt in Afrika.

Für Juli 2015 kann bereits gebucht werden. Noch kein Weltraumspaziergang - aber ein Parabelflug um die Schwerelosigkeit über Gran Canaria zu erleben. Am 11./12./18./19./25. und 26. Juli 2015 geht es mit einem Airbus A-300 vom Flugplatz Gando auf Gran Canaria auf 10.300 Meter Höhe. In einem 45 Grad steilen Winkel stürzt die Maschine über 3000 Meter Richtung Erde. Für 25 Sekunden wird der Fluggast das Gefühl der Schwerelosigkeit erleben können (Foto: DLR). Maximal 80 "Astronauten" können pro Flug mitgenommen werden.
Die Flugzeugzelle ist dabei in drei Parzellen aufgeteilt:

  • Touristenklasse:  44 Personen auf 162 m² für ca. 2000.- €/Person

  • Premiumklasse:  24 Personen auf 112 m² für ca. 5000.- €/Person (mit Ball- und Flüssigkeits- Experimenten

  • VIP Klasse:          12 Personen auf 98 m² für ca. 50.000.- €/Person ( mit besonderen Einlagen und wahrscheinlich Kaviar- und Champagner- Experimenten - genaues ist noch nicht zu erfahren)
       
Das ist zunächst der erste Teil. Bis 2018 - 2020 soll es dann Huckepack mit einem Shuttle (Fotos S3) echt ins Weltall gehen. Hier werden die Kosten um die 100.000 €/Person liegen. Vom Rücken eines Airbus wird das Shuttle in 18.000 Meter Höhe ausgeklinkt und  selbständig auf 100 km Höhe ins Weltall weiter fliegen - und alles von Gran Canaria aus. Nach einem Abstecher im All soll der Shuttle dann selbständig wie ein Flugzeug in Gando wieder landen (siehe Grafik links). Das ist die ehrgeizige Zielvorgabe. Die dritte Stufe ist dann der Transport von Satelliten in eine erdnahe Umlaufbahn. Alles nach dem gleichen Huckepack- Verfahren. S3 glaubt mit diesem Verfahren die Transportkosten so um 50 % reduzieren zu können.

Dass es sich um keine "Spinnerei" oder "Utopie" handelt, dafür zeichnen als Eigner ehemalige Astronauten, bekannte Großunternehmen und Kooperationen mit internationale Raumfahrtagenturen in Russland und den USA.

Schön ist es natürlich, dass man dafür die Kanarischen Inseln ausgesucht hat. Aber die politische und geostationäre Lage macht von hier auch Sinn. Mit dem geringsten Energieaufwand in Äquator- Nähe ins Weltall. Zudem sind wir ein stark frequentiertes Touristenziel.
Eine Woche Vollpension auf einer Kanarischen Insel mit einem Highcheck ins Weltall. Alles leicht und pauschal über TUI zu buchen. So normal wie eine Kreuzfahrt auf "Mein Schiff" oder "AIDA".

Noch nicht - aber ... und das ist kein Scherz ... es gibt bereits Gespräche zwischen S3 und dem Touristikunternehmen.
Also in Kürze vielleicht auch das möglich ... auf zur Ostereier-Suche ins Weltall !

Wer sich näher dafür interessiert und vielleicht Mitfliegen möchte, schreibt mir eine Mail. Ich werde einmal versuchen, weiteres von S3 in Erfahrung zu bringen.

Das hat natürlich nichts mit Vulkanen und deren Aktivität zu tun - aber mit den Kanaren. Es ist eine Sache die sich direkt vor meiner Haustür abspielt und interessant ist.
Wenn das Durchhaltevermögen und der immense finanzielle Background (die Schweizer haben damit Erfahrung) vorhanden ist - wird es auch erreichbar sein.

Vulkantechnisch hatten wir auch gestern 5 Beben bis ML2,3 aus 12 km Tiefe um den Tanganasoga/ Golfotal. Sonst gibt es keine Veränderungen.

... und schöne Ostergrüße an alle Fans der Kanaren, Beobachter der vulkanischen Aktivitäten und natürlich meine Leser.

Donnerstag, 17. April 2014

Vulkan - ML3,3 Beben vor der Westküste

NEWS:

Karfreitag, 18.04.14
- seit 14.38 Uhr spielen die Seismografen verrückt. Es dürften die Auswirkungen des ML7,5 Beben in Mexiko sein. Die Seismografen der Nachbarinseln sind im Moment ausgefallen.
- um 10.25 Uhr neues Beben von ML2,3 aus 12 km Tiefe, jetzt unter dem Inselmassiv beim Tanganasoga. Heute bereits 3 Erdstöße.



Um 2.28 Uhr in der vergangenen Nacht gab es ca. 10 km vor der Westküste ein ML3,3 Beben (Grafik: Google/Avcan). Der Erdstoß kam aus 18,1 km Tiefe und war auf der Insel spürbar. Schon gestern deutete es sich an, dass die Bebenhäufigkeit wieder zunimmt. Heute bereits (bis 9.00 Uhr) 6 Erdstöße aus 12 bis 18 km Tiefe.

Mittwoch, 16. April 2014

Vulkan - Frühwarnung mit neuer Satellitengeneration

NEWS:


Mit dem Start des Sentinel-1A Beobachtungs- Satelliten, hat die ESA (Fotos) am 3. April 2014 den Ersten von einer neuen Flotte von Satelliten gestartet. Sie sollen eine Fülle an Daten und Bildmaterial von bisher nicht gekannter Präzision liefern. Mit einem C-Band Synthetic Aperture Radar (SAR) -  ein Allwetter-, Tag und Nacht Radar, wird die Erdoberfläche alle 6 Tage komplett frisch gescannt. Dabei können Oberflächenverformungen ab einem Millimeter Veränderung bereits erkannt werden. Die Radar- Interferometrie kombiniert zwei oder mehr Radarbilder über dem gleichen Gebiet, um Veränderungen von schon geringfügigen Bodenbewegungen zu registrieren.
Es ist eine neue Art von GPS Messung, die wir auf El Hierro durch die japanische Universität Nagoya kennen.
Eine Vulkanfrühwarnung auch für Gebiete die nicht ständig von GPS Sensoren überwacht werden. Aufsteigende Magma und erhöhter Druck in der Magmakammer wölbt die darüber liegende Erdkruste. Erste Anzeichen für eine bevorstehende Eruption.

Mit den Folgesatelliten soll bis 2015 ein lückenloses Warnsystem geschaffen werden. Auch soll es Informationen zur Überwachung von Gesteinsverschiebungen vor Erdbeben oder etwa drohenden Erdrutschen liefern.

In den letzten Tagen nehmen die Beben unter El Hierro wieder zu (IGN Grafik links). Gestern 8 Beben - heute bereits 2 Erdstöße. Es sind schwache Beben bis ML1,8. Die Tiefe variiert zwischen 9 und 13 km Tiefe.
Auch die Ausgangslage liegt jetzt wieder mehr zentral über der alten Haupt- Magmakammer um den Tanganasoga und dem Golfobecken (Grafik).

Die Bodenverformung bleibt konstant auf hohem Niveau. Hier hat sich seit dem letzten Bebenschwall Mitte März 2014 keine große Veränderung ergeben. Wie beim Aufpumpen eines Fahrradreifen bleibt der letzte Pumpstoß erhalten. Der Schlauch hält dicht bzw. es findet keine Druckabgabe in das Nachbargestein statt.

Montag, 14. April 2014

Vulkan, Erdbeben und Erdölförderung

NEWS:
Dienstag, 15.04.14 - 14.35 Uhr - heute ein ML1,8 und kurz darauf ein ML1,6 Beben aus 12 bzw. 13 km Tiefe um den Tanganasoga an der Golfokante.


Gestern wurde es wieder etwas lebhafter unter der Insel. Insgesamt 6 Erdstöße - der stärkste Erdstoß mit ML2,1 im südlichen Bereich von EL Pinar (Grafik) aus 11 km Tiefe. Alle Beben vom Sonntag lagen in diesem Sektor und kamen aus unterschiedlich tiefen Lagen zwischen 10 und 22 km. Heute Morgen um 4.40 Uhr auch ein schwaches Beben von ML1,5 im nördlichen Inselteil bei Valverde aus 20 km Tiefe.


Es verdichten sich immer mehr die Hinweise, dass Erdölförderungen im Mai 2012 im Norditalienischen Emilia-Romagna Erdbeben ausgelöst haben. 27 Menschen wurden durch zwei schwere Erdstöße am 20. Mai von ML5,9 und am 29. Mai von ML5,6 dabei getötet.
Ein lange unter Verschluss gehaltener Untersuchungsbericht eines Gremium von Geowissenschaftlern wurde nun veröffentlicht. Die Geologen verdächtigen das Cavone-Ölfeld des Unternehmens Gas Plus das in 20 km Entfernung liegt, als möglichen Auslöser.

Just nachdem im April 2011 die Fördermenge im Cavone-Feld gesteigert wurde, nahm auch die seismische Aktivität zu. Die Ölförderung und auch das Verpressen von Wasser unter hohem Druck, könne zwar selbst keine starken Beben auslösen. Aber bereits vorhandene Verwerfungen des Gestein, könnte durch die Förderung den letzten Impuls zu einem Beben bekommen haben - so die Wissenschaftler.

Menschliche Eingriffe waren schon mehrfach der Grund von Beben.

Erwiesen ist, dass drei Erdstöße in den USA zwischen ML4,5 und ML5,0 auf  das Einpumpen von Chemikalien zurückgeführt werden kann. Ebenso drei Beben im November 2011 in Oklahoma mit über ML5,0. Hier wurde Abwasser unter hohem Druck in ein altes Ölbohrloch entsorgt.

In Italien ist die These noch eine Vermutung der Forscher und noch nicht bewiesen. Den Beweis will man nun mit einer physikalischen Simulationen der Hydrodynamik erbringen.

Dieses Thema hat in Italien eine gewisse Brisanz. 2009 wurden bei einem Erdbeben in  L'Aquila über 300 Menschen getötet. 6 Wissenschaftler und ein Behördenvertreter wurden wegen wissentlicher Fehleinschätzung zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Verfahren befindet sich im Moment noch in der Revisionphase.

Für die Kanaren könnten die Ereignisse in Emilia-Romagna ein weiteres Mosaiksteinchen gegen die beabsichtigte Erdölförderung vor der Küste von Fuerteventura sein. Hier will man in Richtung eines aktiven Hotspot Bohrungen ausbringen. Noch gewagter und noch mit mehr Risiko behaftet.

Wer weis wie stark die Spannungen um das vermutete Erdölfeld bereits sind. Vielleicht genügt der letzte "Klick" um nicht nur ein Beben, sondern die unter Druck stehende Magma zu einer nicht vorhersehbaren Entfaltung anzuregen.
Es ist nicht unbedingt eine Ölverschmutzung wie die Kritiker vermuten, sondern in meinen Augen vielleicht die Initialzündung für eruptive Prozesse die damit in Gang gesetzt werden könnten.
Bevor hier der Bohrmeisel angesetzt wird, sollten erstmals neutrale und umfassende Untersuchungen des Untergrundes angestellt werden.
Internationale Geologen und Vulkanologen die ohne Zeitdruck, mit den heute möglichen Methoden den Untergrund analysieren. Erst dann sollten Gedanken an eine evtl. Ölverschutzung mit ihren Folgen angestellt werden.
... und so lange kann es keine privaten Bohrungen geben.

Den britischen Premierministers David Cameron interessiert im Moment diese Diskussion sicher nicht. Er verbringt zusammen mit seiner Familie seinen Osterurlaub auf Lanzarote. Nicht mit dem Privatjet oder einer englischen Regierungsmaschine, sondern im Sparflieger mit einer Boeing 737-800 der irischen Ryanair, kam er am Wochenende hier an.
Auch Frau Merkel hatte schon zweimal ihren Urlaub auf La Gomera verbracht.

Freitag, 11. April 2014

Vulkan Eldiscreto - Einblicke unter Wasser

NEWS:

Weiter schwache Beben - gestern zwei Erdstöße und heute um 11.03 ein ML1,3 Beben aus 12,1 km Tiefe bei Sabinosa im südlichen Golfo.
Auch unter Teneriffa bei El Tanque (Nähe Puerto de La Cruz) ein Erdstoß von ML2,0.

Ganz besonders Stolz ist das Instituto Español de Oceanografía (IEO) auf seinen ROV Liropus 2000 Unterwasser- Roboter. Ist es doch das einzige Gerät in dieser Ausführung in ganz Spanien. Wie ein rohes Ei wird er behandelt. Das merkte ich auch bei meinem Besuch vor einigen Tagen auf der Ángeles Alvariño.
Jetzt hat die IEO auch einen Zusammenschnitt der März 2014 Aufnahmen ins Netz gestellt. Es ist die südliche Außenwand des Eldiscreto.



Fernaufnahmen waren nicht möglich, da die Sicht keine 2 Meter betrug. Beeindruckend wie viele Fische, Calamares und sonstige Meerestiere sich inzwischen zwischen den Lavabrocken wieder angesiedelt haben.
Aber die Wasserqualität hat noch lange nicht die alten Messwerte wie vor der Eruption erreicht. Noch steigen Gasblasen mit unterschiedlicher Zusammensetzung aus dem Krater empor.

Es gilt weiterhin die offizielle Sperrzone von einer halben Seemeile um die Eruptionsstelle. Im Außenbereich dieser Zone verläuft alles wieder normal. Es sind keine messbaren Veränderungen der Wasserqualität mehr zu verzeichnen.

Es ist natürlich für die beteiligten Wissenschaftler ein einmaliges "Freilandlabor", wo erstmals in Spanien die Meeresentwicklung nach einer vulkanischen Eruption beobachtet und erforscht werden kann. Diese Langzeitstudien unterschiedlichster Fachgebiete werden vielleicht ganz neue Erkenntnisse im Laufe der nächsten Jahren noch bringen.

Auch finde ich es gut, dass nicht nur renommierte Wissenschaftler, sondern auch Doktorranden und Studenten mit an Bord geholt wurden, um ihre ersten praktischen Erfahrungen direkt am "lebenden Objekt" zu sammeln.