Mittwoch, 5. Februar 2014

Vulkan - Seismograph ist nicht gleich Seismograf

NEWS:

Zwei Seismogramme von der gleichen seismischen Aktivität heute Morgen zur gleichen Uhrzeit. Doch zeigen sie völlig unterschiedliche Erschütterungen und Bewegungen auf. Hier links die Station CTAB im südlichen Golfo ...
 
und hier die offizielle CTIG Station bei Valverde und von der IGN ins Netz gestellt. Beide Stationen liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Oben tremorähnliche Aufzeichnungen und links die völlige Ruhe. Es ist die Einstellung und Feinjustierung der Messanlagen, die diese Unterschiede ausmachen. Der Mittelwert aus beiden Aufzeichnungen, dürfte in etwa den tatsächlichen Verlauf im Untergrund widerspiegeln.
(nach Duden übrigens Seismograf oder alternativ Seismograph - beide Schreibweisen sind ok)



Um die Sache noch etwas mehr zu verwirren, links der Seismograf CRST im Süden bei La Restinga auch von heute. Pünktlich gegen 7.00 Uhr am Morgen setzen die Ausschläge ein, um gegen 19.00 Uhr am Abend (hier noch nicht zu sehen) wieder abzuflauen. Dieser Seismograf sitzt deutlich zu Nahe an der Südstraße nach Restinga und zeichnet den vorbei fließenden Autoverkehr mit auf.

Schauen wir auf die Bebenstatistik. Gestern und auch heute (bis 16.00) jeweils 4 Erdstöße bis ML2,0 aus 10 bis 12 km Tiefe.

Eine etwas andere Darstellung von Volcano (oben) der letzten 10 Tage. Im Januar 2014 kaum Beben und seit Anfang Februar wieder verstärkte Bebentätigkeit. Das Ausgangszentrum sammelt sich um die 10 km Tiefe (Kreise) und die Lage liegt mit Schwerpunkt um den Tanganasoga im Inselinnern (links IGN Grafik).  Auch wenn es ab und zu  Erdstöße aus 3 km Tiefe gibt, bleibt die Hauptaktivität doch auf tiefere Regionen beschränkt.



Montag, 3. Februar 2014

Müssen wir Vulkane fürchten ?

NEWS:

Zeigte die IGN Grafik im Januar 2014 noch ein jungfräuliches Bild ohne Beben, füllt sich langsam wieder seit Anfang Februar die Karte mit neuen Erdstößen. Vorgestern gab es 6 Beben, gestern 4 Beben und heute bisher 1 Erdstoß. Schwache Beben bis ML2,3 verteilt von Westen im Atlantik über die Insel bis nach Südosten. Auffällig dabei waren zwei flache Beben (gelber Kreis) aus nur 3 km Tiefe im Golfotal.
Die vertikalen GPS Verformungswerte sind gestern wieder leicht angestiegen und liegen im Südteil um El Pinar/Restinga auf dem alten Höchstniveau vom Dezember 2013. Der vulkanische Prozess ist mit gebremster Aktivität also weiter im Gange.

Müssen wir Vulkane fürchten ?

Dazu ein aktuelles Beispiel vom Vulkan Sinabung (Foto: Ade Sinuhaji) vom vergangenen Samstag auf der indonesischen Insel Sumatra.
Der Sinabung hatte mehr als 400 Jahre geruht, bevor er im August 2010 wieder ausbrach. Seit dem kam es immer wieder zu kleineren Eruptionen. Im September 2013 verstärkte sich die Aktivität, so dass sich der örtliche Katastrophenschutz gezwungen sah 30.000 Anwohner aus einem Sicherheitsradius von 5 km - später 7 km - um den 2460 Meter hohen Vulkanberg zu evakuieren.
Im Januar 2014 schliefen die vulkanischen Aktivitäten fast komplett ein und es wurde erst am vergangenen Freitag Anwohnern und Bauern wieder gestattet den äußeren Sicherheitsring (5 bis 7 km) zu betreten. Sie wollten nach ihren Häusern und der Ernte schauen.

Auch eine 7-köpfige Wandergruppe brach zum Vulkan auf. Ob es sich um Touristen, Studenten oder Geologen gehandelt hat, darüber gibt es unterschiedliche Angaben.
Urplötzlich gegen 13.10 Uhr am Samstag erwachte der Sinabung und es kam zu einer großen Eruption. Bisher wurden 16 Tote gezählt (darunter auch die Wandergruppe) - rund 30 Personen werden noch vermisst. Dazu eine Reportage von  Video tvOne

Waren die Todesopfer vermeidbar oder kam der Ausbruch zu überraschend ?

Jeder Vulkanausbruch kündigt sich vorher an. Keine gewaltige Eruption kommt aus "heiterem Himmel".
Vor jeder Eruption kommt es zu Beben, Bodenverformungen und erhöhter Gaskonzentration.

Diese Zeitspanne kann kurz sein, wie bei der Eruption des Teneguia von 3 Wochen 1971 auf  La Palma oder sich über Jahre hinziehen. Ganze 6 Jahre hat sich zum Beispiel die Aktivität im Timanfaya auf Lanzarote damals hingezogen.

Gewarnt wird man rechtzeitig. Nur die Finale-Eruption - das Entleeren der Magmakammer - kommt meist ohne Vorwarnung.

Viele Beispiele kennen wir aus der vergangenen Zeiten. Das bekannteste Beispiel war Pompeji beim Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. Auch hier gab es Wochen vor der Eruption bereits heftige Erdbeben.

Trotz der Vorwarnung zieht es die Menschen immer wieder zu ihren Häusern, Grundstücken und vielleicht zurück gelassenen Tieren. Wer möchte schon gerne seinen Grund und Boden für vielleicht Jahre aufgeben müssen. Es ist der Lebensmittelpunkt, die Lebensgrundlage und dafür gehen viele auch dieses Risiko ein.

Wenn allerdings eine Touristengruppe aus Interesse, Neugier oder Sensationslüste einen gefährdeten Vulkanhang bewandert, sollte ihr auch das erhöhte Risiko bewusst sein ... und das kann mit dem Tod - wie im vorliegenden Beispiel enden.

Fazit: Warnungen der Natur sollten wir ernst nehmen und genau Zuhören. Ein Vulkan ist kein Spielball, sondern die Urkraft der Natur.
Kein Wissenschaftler und keine behördliche Institution ist darüber erhaben und kann uns rechtzeitig davor warnen. Auch wenn ab und zu dieser Eindruck vermittelt wird.
Fehleinschätzungen sind nur zu menschlich.

Samstag, 1. Februar 2014

Vulkan - neue Beben aus 3 km Tiefe

NEWS:
Sonntag, den 02.02.2014 - gestern 6 Beben, heute bereits 2 Erdstöße auf der anderen Inselseite im Südosten vor La Restinga aus 11 km Tiefe.


Ein Beben von ML2,3 (IGN Grafik) um 9.23 Uhr gefolgt von einem ML1,4 Beben um 9.26 Uhr aus nur 3 km Tiefe. Das Zentrum liegt im Küstenbereich bei Sabinosa/Pozo de La Salud. Insgesamt gab es heute bis jetzt vier Erdstöße. Nr. 3 und 4 erfolgten vor der Westspitze aus 11 bzw. 32 km Tiefe.
Das Gebiet um Sabinosa im Golfotal war bereits 2012 Zentrum zahlreicher Erdbeben. Hier liegt die Magma besonders nahe an der Inseloberfläche. Viele Erdstöße kamen 2012 aus dem 5 km Tiefenbereich. Wenn sich nun die 3 km Tiefe durch weitere Beben bestätigen sollte, könnte die Magma still und leise weiter vertikal vorgerückt sein und einen Punkt erreicht haben, der genau zu beobachten wäre. Die folgenden Stunden oder Tage werden es zeigen.

Die Bodenverformung im Mittel- und Südteil der Insel von El Pinar bis La Restinga  zeigt eine Computer Animation von dfmorvan. Es ist der Zeitraum Ende Dezember 2013 bis Ende Januar 2014. Also der gerade zurück liegende Zeitraum. Die Animation wurde nach den GPS Messdaten erstellt und zeigt jetzt neben den bisher bekannten grafischen Kurven erstmals auch optisch zum besseren Verständnis die Lageverschiebung und den Grad der entsprechenden vertikalen Verwerfung nach der rechten Farbskala auf. Hier geht es zum VIDEO.




Da habe ich noch etwas Interessantes zum Wochenende gefunden:

Beinahe-Katastrophe - Pupsende Kühe produzieren Stichflamme im Stall
Nachzulesen in RP-Online

Donnerstag, 30. Januar 2014

Vulkan - Beben bei Teneriffa

NEWS:

Nachdem es seit Jahresanfang um El Hierro schon fast "unheimlich" ruhig bleibt, werden jetzt verstärkt Beben zwischen Teneriffa und Gran Canaria (IGN Karte) registriert. Zuletzt am 26.1.14 ein ML2,5 Beben aus 32 km und gestern am 29.1.14 ein ML3,1 Beben aus 39 km Tiefe.

Erdstöße aus großer Tiefe, die die These vom Magmakanal Richtung afrikanischer Küste, bestätigen könnten.
Wissenschaftler von Geomar in Potsdam vermuten auf der Linie El Hierro Richtung Fuerteventura bis nach Westafrika einen Magmakanal der im Atlasgebirge in Marokko endet. Die Lavaproben aus El Hierro haben im wesentlichen die gleiche mineralische Zusammensetzung wie gewonnene Gesteinsproben aus dem Atlasgebirge. Dazu hatte ich geschrieben:  Lavatunnel bis nach Afrika  am 22. April 2012.

Der erwartet hohe Wellengang heute ist ausgeblieben. Es waren nur mittlere Brandungswellen die selbst dem TUI "Mein Schiff 1" bei der Hafeneinfahrt auf La Palma keine Probleme machten.
 
Eine neue Videosequenz des spanischen Hydrographic Institute und Institute of Oceanography mit Google Earth lässt noch einmal die Eldiscreto Eruption von 2011 Revue passieren. Hier geht es zum Video.





Verlockung der Woche: AIDA Kreuzfahrten zum günstigen Preis!

Dienstag, 28. Januar 2014

Warum läuft das regenerative Energieprojekt nocht nicht ?

NEWS:
Mittwoch, den 29.01.14 - ein leichter ML0,9 Seufzer um 13.26 Uhr aus 11 km Tiefe unter dem Inselmassiv. Morgen wird starke Meeresbrandung erwartet - die Seismografen werden darauf mit Ausschlägen reagieren.


Mit dem alternativen Energieprojekt "Gorona" von El Hierro hatte ich mich schon mehrfach beschäftigt. Seit Herbst 2013 sind die Baumaßnahmen abgeschlossen und es könnte nun eigentlich in den Probebetrieb gehen. In der Tat steht es aber still (siehe Leserbrief von gestern). Nach den ursprünglichen Planungen sollte es bereits seit 2011 "grünen Strom" produzieren. Ich hatte in den vergangenen Jahren mehrmals die Gelegenheit vor Ort, mich etwas tiefer mit der Technik zu beschäftigen und auch Einblick in den Baufortschritt zu werfen ( siehe Natur und regenerative Energie und die Folgebeiträge).

Auch ein längeres Gespräch mit dem Kopf und "Vater" dieses Projektes, dem damaligen Vizepräsidenten von El Hierro - Javier Morales - der als Visionär und Initiator diese Idee auf El Hierro erst möglich machte, überzeugte auch mich von der einmaligen Chance, zu 100% die Insel mit sauberer Energie zu versorgen (...der Visionär).
Die Technik selbst ist nicht neu - aber die Koppelung von Wind- und Wasserkraft soll und das ist bisher einmalig, eine ganze Insel mit Strom versorgen.

.. und warum läuft nun die Anlage noch nicht ?

Es sind die Wirren und nur schwer zu durchschauenden Interessenlagen des politischen Alltags.

Der frühere Sozialist und Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero ermöglichte private Investitionen in die Strom- und Energieversorgung. Großzügige Subventionen sollten langfristig planbar einen Anreiz schaffen in Wind-, Wasser- oder Sonnenenergie zu investieren. Das wurde auch vieler Orts - auch auf El Hierro - gemacht. Beim Gerona-Projekt waren es wohl kaum private Anleger, sondern meist Finanzmittel von öffentlichen Töpfen aus Brüssel und Madrid. Hohe Subventionen für jedes eingespeiste KW/h waren der Köder.

Mit dem Regierungswechsel zu einer konservativen Regierung (PP) im Dezember 2011 änderten sich aber diese Prioritäten.

Erst wurde die Förderung auf 25 Jahre begrenzt, dann wurden die subventionierten Kilowattstunden beschränkt und zusätzlich im letzten Jahr noch eine Ökosteuer auf den eingespeisten Strom erhoben.
Sicher war die gutgemeinte Subvention für alternative Energie zu hoch und auf Dauer auch zu kostspielig.

Ein fast bankrottes Land wie Spanien konnte das nicht weiter verkraften. Bezahlt hat diese Kosten im Endeffekt sowieso der Endverbraucher über seine Stromrechnung. Der Strompreis stieg auf den Kanaren in den letzten 5 Jahren um über 60% an.

Durch das Gorona Projekt auf El Hierro und den selbsterzeugten Strom hätte sich für die Insel selbst nichts am Strompreis von heute rund 0,14 € pro KW/h geändert. Der Strompreis wird zentral aus Madrid, unabhängig wie viel Ökostrom vor Ort selbst eingespeist wird, festgelegt.
Es bleibt aber das schöne Gefühl, selbsterzeugten sauberen Strom zu verbrauchen.

Anders sieht es aber für den Eigner der Anlage, das Cabildo von El Hierro aus. Die Insel ist für die Wartung und Instandhaltung ihrer Anlage selbst verantwortlich. Über die Einspeisevergütung soll der Unterhalt finanziert werden. Bleibt davon noch etwas übrig, könnte das über eine Senkung des Wasserpreises zum Beispiel auch an die Anwohner weiter gegeben werden. So könnten dann Alle von dem Projekt doch noch profitieren.
So auch der Gedanke und Wunsch von Alpidio Armas, dem Inselpräsidenten.

Wäre da nicht schon wieder Minister Soria aus Madrid (Konservative Partei). Er entscheidet wie das alternative Energieprojekt von El Hierro in das nationale Tarifsystem für Energieerzeuger eingestuft wird. Hier gibt es gute und schlechte Varianten und letztendlich entscheidend wie der Gewinn oder auch Verlust ausfällt. Auch hegt der Minister Gedanken die komplette alternative Stromerzeugung in eine Hand unter Madrider Kontrolle zu stellen. Das käme dann fast einer Enteignung gleich.

... und dieser Prozess läuft. Javier Morales der Initiator wurde Senator im Gesamtkanarischen Parlament (er hatte nicht das richtige Parteibuch) und die jetzige Inselregierung von El Hierro unter dem Sozialisten Alpidio Armas nicht den richtigen Draht ins konservative Madrid.

So möchte ich kurz und hoffentlich verständlich die derzeitige Situation darstellen.
Bleibt also abzuwarten - vielleicht den Kopf zu schütteln und sich zu ärgern - über das Unvermögen und dieses politische Geplänkel.
Schade für die Umwelt und Schade für El Hierro.

Fast schon berechenbarer geht es mit den vulkanischen Aktivitäten unter El Hierro zu. Auch wenn die Natur unsere mathematischen Regeln nicht einhält oder besser wir die natürlichen Abläufe noch nicht ganz kapiert haben, bleibt die Bodenverformung im Südteil der Insel bestehen. Links die GPS- Referenzpunkte HI 08/09/10) von El Pinar und La Restinga. Auch wenn es tägliche Schwankungen gibt, haben wir im Durschnitt seit Mitte Dezember 2013 eine vertikale Verwerfung von 60 mm (von -20 auf +40). Der Innendruck bleibt also vorhanden und kann sich nicht abbauen. Seit 27.12.13 bis heute sind weitere Beben fast ganz ausgeblieben.
Nur Stillstand - aber keine Entwarnung.