Mittwoch, 1. Mai 2013

Vulkan - langsam schließt sich der Kreis

NEWS:

Nach dem ML3,4 und ML2,9 Beben um 7.52 Uhr gestern Morgen (grüner Kreis) gab es eine Reihe von kleineren Nachbeben. Gestern insgesamt 4 Erdstöße und heute in den früheren Morgenstunden 5 weitere Beben von geringer Intensität (siehe Avcan Auflistung). Der Ausgangspunkt liegt im 15 bis 16 km Tiefenbereich und damit insgesamt etwas flacher als der starke Bebenschwall vom März 2013. Damit aber immer noch tief genug im Bereich der vermuteten Magmahauptkammer. Das ganze Magmasystem wird durch stärkere Beben in Bewegung gesetzt, so daß sich vom momentanen eigentlichen Zentrum ca. 12 bis 15 km vor der Westküste die Auswirkungen bis auf die nahen Küstenbereiche und unter die Insel selbst (bei La Frontera) auswirken. Es ist wie ein Pudding der einmal in Bewegung gebracht seine Schwingungen gleich über die gesamte Masse weiterreicht. Der jetzige Intensitätpunkt im Westen ist jedoch nur ein kleiner Teil des Gesamtbildes.

Um den Gesamtkomplex besser zu verstehen, habe ich hier die IGN Zusammenfassung aller seit Sommer 2011 erfolgten Beben eingefügt. Der Mittelpunkt und das eigentliche Zentrum liegt unter dem Berg Tanganasoga ( ungefähr rosa Punkt). Hier hat es die Magma bis auf 5 Kilometer unter die Inseloberfläche geschafft. Die Eldiscreto Eruption 2011 war nur eine seitliche Entlüftung im Süden. Ähnliches kann in Zukunft wieder um den Druck abzubauen auch an anderer Stelle erfolgen. Die auf der Grafik farblich unterschiedlichen Seitenarme dürften nur Magmazuflüsse zum eigentlichen Kern und Zentrum unter dem Tanganasoga sein.
 
Das Bild und damit das Verständnis zu den geologischen und vulkanischen Vorgängen unter der Insel komplementiert sich von Tag zu Tag mehr und wird wie ein Puzzle irgendwann ein Gesamtbild ergeben. Dann wird es auch möglich sein etwas genauer den nächsten Schritt des Vulkan zu erahnen und vielleicht genauere Prognosen zu treffen. Mathematisch berechnen lässt es sich sicher nie, dafür hat die Natur zu viele unberechenbare Komponenten.
 

Und hier noch ein interessanter Sendehinweis. Der Sender "ARTE" bringt am kommenden Samstag, dem 4. Mai 2013 mehrere Beiträge zu allen Kanarischen Inseln. Um 16.00 Uhr (15.00 Uhr Kanarenzeit) auch zu El Hierro und La Palma. Also nicht versäumen. (Danke für den Hinweis an Klaus Heil)

Dienstag, 30. April 2013

Vulkan - neues ML3,4 Beben

NEWS:
10.46 Uhr - Die Tiefe des ML3,4 Beben wurde von der IGN auf 15,5 km korrigiert. Die Ausschläge um 6.40 Uhr stammen nicht von Erdstößen unter El Hierro. Es waren wahrscheinlich überregionale Erschütterungen.
Ein weiteres Beben um 7.52 Uhr von ML2,9 aus 16 km Tiefe und um 8.26 Uhr mit ML1.7 aus 10,9 km Tiefe schlossen sich bisher an. Die Lage ca. 12 bis 15 km vor der Westspitze im Meer. Die Beben waren auf der Insel nicht spürbar.

Ein kräftiges Beben von ML3,4 hat sich um 4.04 Uhr (Ortszeit 5.04 Uhr) vor der Westspitze von El Hierro ereignet. Der Erdstoß kam aus nur 12 km Tiefe und ist für diese Region in der bisher die meisten Erdstöße bei 18 bis 20 km Tiefe lagen, doch recht ungewöhnlich.
Weitere Beben kamen (siehe IGN Aufzeichnung) gegen 6.40 Uhr (Ortszeit 7.40 Uhr). Deren Auswertung dauert noch an.
Sobald die Daten vorliegen, werde ich berichten.

Montag, 29. April 2013

Vulkan - ein ruhiges Wochenende

NEWS:

Am Sonntag gab es insgesamt 6 Erdstöße. Darunter um 15.06 Uhr und eine Minute später um 15.07 Uhr je ein ML2,6 Beben aus 18 bzw. 15 km Tiefe. Auf der IGN Karte mit gelben Quadraten vor der Westküste markiert. Es ist immer noch das gleiche Gebiet des letzten großen Bebenschwall vor einigen Wochen.
Grundsätzlich sind keine Veränderungen oder Verschiebungen erkennbar. Die Bodendeformation ist in den letzten Tagen leicht zurück gegangen.
Auf der Insel selbst geht das Leben normal weiter. Alle Straßen und Wege sind frei befahrbar. Die Insulaner bereiten sich bereits intensiv für die nur alle vier Jahre im Juli 2013 stattfindende größte Fiesta, die Bajada, vor.
Es wird auch während dieser Zeit eine bessere verkehrstechnische Anbindung zur Hauptinsel Teneriffa mit Flügen und Fähren geben. Schließlich müssen die Besucher - viele auch aus Südamerika, irgendwie auf die Insel gebracht werden können.

Sonntag, 28. April 2013

Vulkan, Lava und unser Leben

NEWS: Um 15.06 und 15.07 Uhr heute je ein ML2,6 Beben in 18 und 15 km Tiefe vor der Westspitze.
In der vergangenen Nacht wieder einige kleine Erdstöße bis ML1,7 im Westen.

Aus einer relativ kleinen Eruptionsöffnung ohne mächtigen Krater kann sich je nach Menge der austretenden Lava, ein breiter und langer Lavastrom bilden. Am Beispiel des Llano del Banco - einem der drei Eruptionspunkte des 1949 auf La Palma ausgebrochenen Vulkan San Juan will ich das zeigen. Oben die an einem Steilhang liegende Öffnung. Die Lava hat sich im Oberlauf mit über 1000°C ein eigenes Barranco geschmolzen und läuft zunächst wie ein Gebirgsbach in einem noch eng begrenzten Lauf nach unten.
 
 



 
Im weiteren Verlauf kühlt die Lava immer weiter ab und schafft es nicht mehr einen eigenen Flusslauf frei zu schmelzen. Der Lavafluss verbreitert sich durch die nachrückende Lavamasse und erreicht schließlich eine Breite von fast 600 Meter. Hier entstehen dann auch die so genannten Lavaröhren (=Höhlen). Die oberflächig verlaufende Lavaschicht erkaltet und wird starr, während der tiefer laufende Lavastrom nun isoliert und die flüssige Form beibehaltend weiter strömt. Bis er nach ca. 12 Kilometer das Meer erreicht und ausströmt. Zurück bleiben Lavaröhren bis zu 7 km Länge.

Im Laufe der vergangenen 60 Jahre hat sich die Natur ein Stück davon zurück geholt. Inzwischen wachsen vereinzelt Moose, Blumen und Kiefern auf der Lavaschlacke. Irgendwann wird der gesamte Lavastrom im Oberlauf wieder bewaldet sein. Je nach Zusammensetzung der Mineralien entsteht dann über kurz oder lang fruchtbarer Boden. Das ist die Quelle, dem wir nicht nur unsere Inselfläche sondern in Kombination mit den ausgestoßenen Gasen überhaupt unser Leben zu verdanken haben. Ohne Vulkanausbrüche und Kometeneinschläge (hier ist sich die Wissenschaft noch nicht einig) würde es wahrscheinlich das Leben wie wir es auf der Erde kennen, überhaupt nicht geben.

Samstag, 27. April 2013

Vulkan - Herzschlag und etwas Herzblut

NEWS:
Der bisherige Lebenslauf des Eldiscreto. So könnte man das IGN Histogramm (zum Vergrößern anklicken) über den Ablauf seiner Aktivität auch bezeichnen. Es ist im Grunde der Herzschlag - seine Bebenstatistik, die Aufschluss über das Wirken seiner Naturkräfte gibt.
Nach über 200 Jahren Ruhe meldete er sich im Sommer 2011 mit einer Vielzahl von Beben urplötzlich zurück. Vergessen war längst, daß El Hierro über dem nach Südwesten abdriftenden kanarischen Hotspot liegt und seine Existenz, wie auch die anderen kanarischen Inseln, nur ihm zu verdanken hat.

Als jüngste Kanareninsel ist El Hierro noch im Aufbau und wird im Laufe der Zukunft noch so einige Aktivitäten und auch Ausbrüche erleben. Die jetzige Phase ist im Gange und noch längst nicht abgeschlossen. Das hat er im Juni/Juli 2012 und jetzt im März 2013 mit weiteren Bebenserien gezeigt. Auch gestern wieder ein kleiner ML1,7 Erdstoß aus 17 km Tiefe vor der Westküste.
Solange Magma aus dem Erdinnern nachströmt und den Kammerdruck konstant hält oder gar vergrößert wird in Intervallen die Aktivität andauern. Erst wenn eine Entlüftung und ein Druckabbau gefunden ist, wird diese Phase abgeschlossen sein. Das kann schnell gehen, aber auch noch über Jahre andauern.
Der Mensch ist bei diesem Naturereignis nur Statist. Er kann den Ablauf nicht stoppen, nicht beschleunigen oder abkürzen, sondern nur beobachten und abwarten.
Auch wenn es seinen Genen und dem Drang hier irgendwie einzugreifen widerspricht, hat er nicht das notwendige Wissen und die vielleicht erforderlichen Werkzeuge und Geräte den Ablauf zu beeinflussen.
Nur Seismografen, GPS- und Gasmessungen und noch einige andere technischen Messeinrichtungen stehen ihm zur Verfügung.
In Zukunft wird es der Wissenschaft vielleicht möglich sein, Erdbeben und Vulkaneruptionen zeitlich genau vorherzusagen um die Anwohner rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Ein Beben oder einen Ausbruch wird man dadurch aber nicht verhindern können.

So beobachten wir also weiter, mit welchen Überraschungen uns die Natur noch beglückt und wie sich in unserem Fall Eldiscreto weiter entwickelt.

Das weiterhin große Interesse auch nach jetzt fast 2 Jahren erlebe ich täglich. Viele Mails, Telefonate und persönliche Kontakte (vor Ort oder hier auf La Palma) sind inzwischen zur "Normalität" geworden.
Längst ist aus einer kurzen und zeitlich begrenzten Berichterstattung ein zeitfüllendes Programm (Hobby) geworden, das mein Leben und das meiner Familie verändert hat.
Was macht denn heute unser Eldiscreto? -  ist inzwischen die Standartfrage meiner Tochter am Frühstückstisch.
Diese Frage wird mir - auch von Anderen - täglich mindestens 10x gestellt.
Wer etwas zu den Anfängen Nachlesen möchte und ich habe es damals so glaube ich gut erklärt, geht mal auf diese Seite:  ELDISCRETO