Freitag, 5. April 2013

Vulkan - das sollte es gewesen sein

NEWS:

Die Seismikaufzeichnung (links) zeigt heute keine Kurven und Ausschläge. Kein Wässerchen kann ihn trüben. Diesen Eindruck vermittelt uns heute die eher langweilige Auswertung. Daß er es auch viel heftiger kann, hat er in den vergangenen Tagen gezeigt. So schnell die Aktivität kam, ist sie auch schon wieder verschwunden.

Zurück bleibt eine vergrößerte Magmakammer. Das neue Magmafeld (auf der IGN Grafik braun) dürfte sich um ca. 15 km nach Westen vergrößert haben. Wieviel neue Magma nachgeströmt ist, kann nicht berechnet, auch nicht geschätzt, sondern nur erahnt werden. Die zusätzlich entstandene Magmalagerstätte hat, wenn man als Begrenzung die Beben zugrunde legt, eine vertikale Dicke von mindestens 10 Kilometer. Somit hat das Magmafeld auch nicht mehr die größte Ausdehnung in Nord/Südrichtung sondern von Ost nach West.
 
Der Innendruck bleibt hoch, auch wenn er in den nächsten Tagen nach einer Beruhigungsphase etwas fallen wird. Ca. 10 cm vertikale Verformung werden sicher erhalten bleiben. Rechnen wir die bereits im Sommer 2012 entstandene Oberflächenverformung dazu, so kommen wir auf mehr als 20 cm Verformung.
Jeder neue Schwall in großer Tiefe mit neuem Magmanachschub wird diese Bilanz noch verstärken. Es ist auch ziemlich auszuschließen, daß sich am Meeresgrund in 3000 Meter Tiefe bereits eine Entlüftung eingestellt hat. Dann würden die GPS Messwerte andere Daten aufzeigen.
 
So warten wir nun wieder ab, bis er die nächste Aktion startet.
Es bleibt interessant und spannend, wie sich dieser Vulkan aufbaut und langsam entwickelt.

Donnerstag, 4. April 2013

Vulkan - jüngste Bebenepisode beendet ?

NEWS:

Für mein Gefühl neigt sich diese neue Bebenepisode ihrem Ende zu. Es gab wohl gestern noch starke Erdbeben bis ML4,5, aber die tägliche Anzahl mit gestern 28 Beben ist rückläufig. Wie ein Halbmond (links) liegt die Bebenstruktur der letzten 15 Tage um den Westzipfel der Insel. Die Ausgangslage der Beben bleibt in großer Tiefe bei 18 bis 20 km. Auch wenn einzelne Erdstöße bis auf 2 km unter die Oberfläche vordringen. Hier dürfte es sich um Spannungsbeben durch die doch jetzt kräftige Oberflächenverformung handeln.
 
Es wird sicher nicht der letzte Bebenschwall dieser Art gewesen sein. Die Natur versucht weiter, wie schon seit Millionen von Jahren, ihrem Drang - ihren Naturgesetzen zu folgen... und dabei werden wir sie nicht aufhalten können. Wir sind nur Beobachter und können den Lauf der Ding nicht beeinflussen. Es muß uns auf den Kanaren immer klar sein, daß es unsere Inseln - unsere Heimat, ohne diese Vulkanaktivität überhaupt nicht gäbe. Viele Generationen vor uns, haben all dies schon erleben müssen und überlebt.

Auch auf dem Beben-Histogramm links der IGN  ist die absteigende Tendenz gut zu erkennen. Vom Beginn der Aktivität am 17. März 2013 bis heute sind es gerade einmal 18 Tage. Ich habe die Beben nicht gezählt, aber es waren sicher an die 2000 Erdstöße. Darunter das für El Hierro bisher stärkste Beben mit ML4,9.

Jetzt läuft der Endspurt. Im NASA Finale haben wir jetzt noch bis Morgen die Möglichkeit unseren Eldiscreto an die Spitze zu voten. Gegen eine Eiswüste sollte unser heißer Kamerad doch die besseren Chance haben. Es liegt also an Ihnen dieser NASA Satellitenaufnahme auf das Siegertreppchen zu helfen. "Eldiscreto - die NASA Satellitenaufnahme des Jahres 2012" könnte es dann am kommenden Montag vielleicht heißen. Das wäre natürlich für El Hierro eine werbeträchtige Auszeichnung. Sie haben es nach all den leidvollen Monaten (Jahren) auch verdient. Hier geht es letztmals zur Stimmabgabe.

Mittwoch, 3. April 2013

Vulkan - Ruhepause beendet

NEWS:
12.44 Uhr - ein weiteres ML4,2 Beben um 11.16 Uhr (12.16 Ortszeit) aus 19 km Tiefe. Die Lage wie gehabt im Westen und auch auf der Ostseite der Insel noch spürbar


Nach einem relativ ruhigen Tag gestern mit "nur" 38 Beben bis ML3,3 erfolgten in den frühen Morgenstunden wieder kräftigere Erdstöße. Um 2.45 Uhr ein Beben mit ML4,5 aus 22 km Tiefe und um 3.41 Uhr ein ML4,2 Erdstoß aus 19 km Tiefe. Das Zentrum liegt, wie auf der Avcan-Karte zu sehen, ca. 10 bis 12 km vor der Westküste. Die Beben waren für die Bevölkerung zu spüren.
 
Das Epizentrum hat seine Lage nicht verändert. Es ist wieder einmal ein Beispiel dafür, wie gestern schon geschrieben, daß nach einer trügerischen Ruhephase, hier jetzt von 2 Tagen, der Bebenintervall umso heftiger wieder einsetzt. Es haben sich in der Zwischenzeit im Untergrund neue Spannungen langsam aufbaut, die dann bei entsprechendem Druck brechen.
 
Zur Zeit ist keine Tendenz erkennbar, die auf eine wesentliche Lageveränderung der Magma hindeuten könnte. Aufgrund der großen Tiefe von 22 km ist es aber wahrscheinlich, daß im Augenblick weitere Magma aus dem Erdinnern nachströmt und weitere Reaktionen auslöst.

Dienstag, 2. April 2013

Vulkan - Eldiscreto NASA Foto des Jahres ?

NEWS:
15.50 Uhr - die Beben halten sich heute zurück. Sowohl in der Anzahl als auch der Stärke ist ein Rückgang zu verzeichnen. Von einem Abflauen zu sprechen, aber noch zu früh. Das wissen wir aus der Vergangenheit.
Gestern 84 Beben vor der Westküste in rund 20 km Tiefe. Der Bebenschwerpunkt hat sich etwas in den östlichen Sektor (rote Punkte) verlagert. So lange die Beben aus dieser großen Tiefe kommen, dürfte keine Gefahr einer Eruption bestehen. Allerdings schließen Fachleute weitere Beben um ML4,9 nicht aus.
Es gab auch drei Erdstöße im Inselinnern um den Tanganasoga aus 11 bzw. 12 km Tiefe (weiße Pfeile). Eine direkte Verbindung zum Westzentrum ist allerdings im Moment aufgrund des Bebenverlaufs nicht erkennbar.
Die Roman Margalef hat bei ihren näheren Untersuchungen des Eldiscreto im Süden (rote Pfeile) nicht nur eine periodisch austretende Gasfahne entdeckt, sondern auch eine erhöhte Wassertemperatur gemessen. An den Vulkanflanken liegt die Meereswassertemperatur um ca. 3°C höher als im umgebenden Meer. Die IGN konnte dies gestern nicht genau begründen, führt es aber auf eine erhöhte Ausgasung zurück.

Das Magmasystem im Untergrund ist als ein komplexes und verknüpftes Labyrinth von Kammern und Gängen zu sehen. Beben am Westende können natürlich auch Auswirkungen im 26.2 Kilometer entfernten Süden zeigen. Zwischen dem jetzigen Bebenzentrum im Westen und der alten Eldiscreto Eruptionsstelle, liegt ja noch auf halber Strecke die El Julan Magmakammer in rund 20 km Tiefe. Hier hatten wir im Sommer 2012 auch Beben bis ML4,0. Dieser Bereich bleibt aber im Augenblick noch ruhig.
Wenn die Beben weiter nach Osten voran dringen, könnte es natürlich wieder zu einer Aktivierung in diesem Sektor oder sogar im Küstenbereich des Golfo, wo die Magmaschichten bis 5 km unter die Inseloberfläche reichen,  kommen. Das werden wir aber in den nächsten Tagen noch sehen.
Heute Morgen bereits 13 Beben bis ML3,3 um 2.31 Uhr (Ortszeit 3.31 Uhr) in 20 km Tiefe.

Das NASA-Foto des Jahres 2012




Noch ist es nicht ganz soweit. Bis zum 5. April wissen wir aber, ob unser Eldiscreto als Satelliten Foto des Jahres 2012 gekürt wurde. Die Chancen stehen gut. Den 2. Platz haben wir bereits erreicht, aber jetzt geht es noch um die Krönung auf dem Siegerpodest.

Wenn jeder Leser, wie oben auf dem Shot, sein Votum für unseren Eldiscreto abgibt, sollte es zu schaffen sein. Hier der Link zum NASA-Tournament.
Es wäre natürlich ein Prestigeerfolg für den Eldiscreto und El Hierro. Eine weltweit kostenlose Werbung für unseren "Kleinen" und die kleine Insel... und das wollen wir ja sicher Alle - also Voten.

Montag, 1. April 2013

Vulkan - es geht noch Kräftiger

NEWS:
16.18 Uhr - auf der Pressekonferenz der Pevolca heute Nachmittag wurde eigentlich nur das bestätigt was wir bereits wissen. Das ML4,9 Beben gestern hatte tatsächlich die Stärke ML4,9. Nur durch eine andere Skalierung (siehe mein Bericht von heute Morgen) wurden 4,6 Mw ausgeworfen. Es bestehe keine Gefahr, da die Beben weit draussen im Meer stattfinden würden. Änderungen an den bestehenden Maßnahmen seien daher nicht nötig.

15.05 Uhr -  46 Beben in den letzten 12 Stunden (Avcan Grafik) - insgesamt von einer kleineren Magnitude. Auch 3 Erdstöße im Inselinnern in 11 bis 12 km Tiefe. Das System ist weiter aktiv.
 


Das war gestern das stärkste Beben das EL Hierro in der jüngeren Zeitgeschichte erlebt hat. Ein Beben von ML4,9 um 10.59 Uhr aus 20 km Tiefe. Schäden wurden nicht gemeldet. Die Auswirkungen waren auch auf der Nachbarinsel La Palma deutlich zu spüren. Nur 1949 gab es beim Ausbruch des Vulkan San Juan auf La Palma einen ähnlich starken Erdstoß.  Insgesamt wurden gestern 136 Beben von der IGN registriert. Heute Morgen um 5.16 und 5.17 Uhr zwei Beben mit ML3,8 aus 20 bzw.21 km Tiefe. Die Beben und damit wahrscheinlich der Magmafluss fransen Richtung Nordosten aus (rot). Das Hauptzentrum liegt aber immer noch im Westen. Dort haben wir eine Meerestiefe von 2500 bis 3000 Meter.
Bei stärkeren Beben um ML5,0 gibt es inzwischen genauere Messverfahren als die alte Richterskala (ML). Das so genannte Momentmagnituden-System (Mw) liefert exaktere Daten.
Die IGN hat bereits gestern in ihrer Bebenauflistung damit herum experimentiert.
 
Dies ist das Skalarprodukt aus der Größe der Bruchfläche im Untergrund, der mittleren Verschiebung der Gesteinsblöcke und dem Schermodul des Gesteins.[2] Da das seismische Moment keine Sättigung erreicht, erfährt auch die Momenten-Magnitude im Gegensatz zu den übrigen Magnitudenskalen keinerlei Sättigung[3] und ist daher geeignet, auch Erdbeben mit großer Energiefreisetzung zu quantifizieren - nach Wikipedia.
Wer sich etwas tiefer in die Materie einarbeiten möchte, sei auch dieses Video (engl.) empfohlen.