Mittwoch, 3. April 2013

Vulkan - Ruhepause beendet

NEWS:
12.44 Uhr - ein weiteres ML4,2 Beben um 11.16 Uhr (12.16 Ortszeit) aus 19 km Tiefe. Die Lage wie gehabt im Westen und auch auf der Ostseite der Insel noch spürbar


Nach einem relativ ruhigen Tag gestern mit "nur" 38 Beben bis ML3,3 erfolgten in den frühen Morgenstunden wieder kräftigere Erdstöße. Um 2.45 Uhr ein Beben mit ML4,5 aus 22 km Tiefe und um 3.41 Uhr ein ML4,2 Erdstoß aus 19 km Tiefe. Das Zentrum liegt, wie auf der Avcan-Karte zu sehen, ca. 10 bis 12 km vor der Westküste. Die Beben waren für die Bevölkerung zu spüren.
 
Das Epizentrum hat seine Lage nicht verändert. Es ist wieder einmal ein Beispiel dafür, wie gestern schon geschrieben, daß nach einer trügerischen Ruhephase, hier jetzt von 2 Tagen, der Bebenintervall umso heftiger wieder einsetzt. Es haben sich in der Zwischenzeit im Untergrund neue Spannungen langsam aufbaut, die dann bei entsprechendem Druck brechen.
 
Zur Zeit ist keine Tendenz erkennbar, die auf eine wesentliche Lageveränderung der Magma hindeuten könnte. Aufgrund der großen Tiefe von 22 km ist es aber wahrscheinlich, daß im Augenblick weitere Magma aus dem Erdinnern nachströmt und weitere Reaktionen auslöst.

Dienstag, 2. April 2013

Vulkan - Eldiscreto NASA Foto des Jahres ?

NEWS:
15.50 Uhr - die Beben halten sich heute zurück. Sowohl in der Anzahl als auch der Stärke ist ein Rückgang zu verzeichnen. Von einem Abflauen zu sprechen, aber noch zu früh. Das wissen wir aus der Vergangenheit.
Gestern 84 Beben vor der Westküste in rund 20 km Tiefe. Der Bebenschwerpunkt hat sich etwas in den östlichen Sektor (rote Punkte) verlagert. So lange die Beben aus dieser großen Tiefe kommen, dürfte keine Gefahr einer Eruption bestehen. Allerdings schließen Fachleute weitere Beben um ML4,9 nicht aus.
Es gab auch drei Erdstöße im Inselinnern um den Tanganasoga aus 11 bzw. 12 km Tiefe (weiße Pfeile). Eine direkte Verbindung zum Westzentrum ist allerdings im Moment aufgrund des Bebenverlaufs nicht erkennbar.
Die Roman Margalef hat bei ihren näheren Untersuchungen des Eldiscreto im Süden (rote Pfeile) nicht nur eine periodisch austretende Gasfahne entdeckt, sondern auch eine erhöhte Wassertemperatur gemessen. An den Vulkanflanken liegt die Meereswassertemperatur um ca. 3°C höher als im umgebenden Meer. Die IGN konnte dies gestern nicht genau begründen, führt es aber auf eine erhöhte Ausgasung zurück.

Das Magmasystem im Untergrund ist als ein komplexes und verknüpftes Labyrinth von Kammern und Gängen zu sehen. Beben am Westende können natürlich auch Auswirkungen im 26.2 Kilometer entfernten Süden zeigen. Zwischen dem jetzigen Bebenzentrum im Westen und der alten Eldiscreto Eruptionsstelle, liegt ja noch auf halber Strecke die El Julan Magmakammer in rund 20 km Tiefe. Hier hatten wir im Sommer 2012 auch Beben bis ML4,0. Dieser Bereich bleibt aber im Augenblick noch ruhig.
Wenn die Beben weiter nach Osten voran dringen, könnte es natürlich wieder zu einer Aktivierung in diesem Sektor oder sogar im Küstenbereich des Golfo, wo die Magmaschichten bis 5 km unter die Inseloberfläche reichen,  kommen. Das werden wir aber in den nächsten Tagen noch sehen.
Heute Morgen bereits 13 Beben bis ML3,3 um 2.31 Uhr (Ortszeit 3.31 Uhr) in 20 km Tiefe.

Das NASA-Foto des Jahres 2012




Noch ist es nicht ganz soweit. Bis zum 5. April wissen wir aber, ob unser Eldiscreto als Satelliten Foto des Jahres 2012 gekürt wurde. Die Chancen stehen gut. Den 2. Platz haben wir bereits erreicht, aber jetzt geht es noch um die Krönung auf dem Siegerpodest.

Wenn jeder Leser, wie oben auf dem Shot, sein Votum für unseren Eldiscreto abgibt, sollte es zu schaffen sein. Hier der Link zum NASA-Tournament.
Es wäre natürlich ein Prestigeerfolg für den Eldiscreto und El Hierro. Eine weltweit kostenlose Werbung für unseren "Kleinen" und die kleine Insel... und das wollen wir ja sicher Alle - also Voten.

Montag, 1. April 2013

Vulkan - es geht noch Kräftiger

NEWS:
16.18 Uhr - auf der Pressekonferenz der Pevolca heute Nachmittag wurde eigentlich nur das bestätigt was wir bereits wissen. Das ML4,9 Beben gestern hatte tatsächlich die Stärke ML4,9. Nur durch eine andere Skalierung (siehe mein Bericht von heute Morgen) wurden 4,6 Mw ausgeworfen. Es bestehe keine Gefahr, da die Beben weit draussen im Meer stattfinden würden. Änderungen an den bestehenden Maßnahmen seien daher nicht nötig.

15.05 Uhr -  46 Beben in den letzten 12 Stunden (Avcan Grafik) - insgesamt von einer kleineren Magnitude. Auch 3 Erdstöße im Inselinnern in 11 bis 12 km Tiefe. Das System ist weiter aktiv.
 


Das war gestern das stärkste Beben das EL Hierro in der jüngeren Zeitgeschichte erlebt hat. Ein Beben von ML4,9 um 10.59 Uhr aus 20 km Tiefe. Schäden wurden nicht gemeldet. Die Auswirkungen waren auch auf der Nachbarinsel La Palma deutlich zu spüren. Nur 1949 gab es beim Ausbruch des Vulkan San Juan auf La Palma einen ähnlich starken Erdstoß.  Insgesamt wurden gestern 136 Beben von der IGN registriert. Heute Morgen um 5.16 und 5.17 Uhr zwei Beben mit ML3,8 aus 20 bzw.21 km Tiefe. Die Beben und damit wahrscheinlich der Magmafluss fransen Richtung Nordosten aus (rot). Das Hauptzentrum liegt aber immer noch im Westen. Dort haben wir eine Meerestiefe von 2500 bis 3000 Meter.
Bei stärkeren Beben um ML5,0 gibt es inzwischen genauere Messverfahren als die alte Richterskala (ML). Das so genannte Momentmagnituden-System (Mw) liefert exaktere Daten.
Die IGN hat bereits gestern in ihrer Bebenauflistung damit herum experimentiert.
 
Dies ist das Skalarprodukt aus der Größe der Bruchfläche im Untergrund, der mittleren Verschiebung der Gesteinsblöcke und dem Schermodul des Gesteins.[2] Da das seismische Moment keine Sättigung erreicht, erfährt auch die Momenten-Magnitude im Gegensatz zu den übrigen Magnitudenskalen keinerlei Sättigung[3] und ist daher geeignet, auch Erdbeben mit großer Energiefreisetzung zu quantifizieren - nach Wikipedia.
Wer sich etwas tiefer in die Materie einarbeiten möchte, sei auch dieses Video (engl.) empfohlen.

Sonntag, 31. März 2013

Vulkan - leichte Entspannung

NEWS:
19.25 Uhr - über Schäden wurde mir bisher nichts bekannt. Am Nachmittag gab es weitere Erdstöße bis ML3,4. Die IGN verwendet nun bei stärkeren Beben eine genauere Maßeinheit. Bisher wurden die Beben nach ML= Richterskala eingestuft. Nun erstmals wurde beim ML4,9 Beben von heute Vormittag der Wert auf Mw= Momentmagnitude geändert. Morgen möchte ich auf die Unterschiede etwas näher eingehen.
15.52 Uhr - Das  ML4,9 Beben (inzwischen von der IGN auf 4,6 Mw -Momentmagnitute= andere Masseinheit umgeändert) lag ca. 10 km vor der Westküste (grüner Pfeil) und erfolgte in 20 km Tiefe. Steinschläge und Erdrutsche im Golfo bei Sabinosa. Über weitere Schäden ist noch nichts bekannt.









15.22 Uhr - Das erste Video aus dem südlichen Golfotal von ExprimeCanarias.
14.47 Uhr - doch nicht die gewünschte Entspannung. Um 10.59 Uhr ein ML4,9 und um 9.40 Uhr ein ML4,5 Beben, beide in 20 km Tiefe. Das Beben wurde auch stark auf La Palma verspürt. Erst erhob sich der Erdboden, dann schüttelte es und er fiel zurück (Beschreibung meiner Frau). Ich war mit einer Reisegruppe im Bus unterwegs und habe davon nichts mitbekommen.


Die Beben haben nachgelassen. Gestern gab es noch 106 Erdstöße, davon 31 mit ML3,0 und mehr. Auch heute Morgen um 3.53 Uhr ein ML3,5 Beben aus 18 km Tiefe. Die Lage der Beben verteilt sich nun mehr aus dem eigentlichen Epizentrum im Westen in das Umfeld (rote Punkte). So hatten wir drei Beben im näheren Küstenbereich des Golfo aus 11 und 12 km Tiefe. Durch die starke Aktivität der vergangenen Tagen wurde das gesamte Magmasystem kräftig durcheinander gewirbelt, so daß jetzt Spannungs- und Entspannungsbeben auftreten. 

Faktum ist, daß durch den neuen Magmazufluss der Innendruck der Kammer weiter erwartungsgemäß zugenommen hat. Die GPS Messungen am Messpunkt HI05 (Leuchtturm Orchilla) zeigen auf der linken IGN Grafik eine horizontale Verschiebung der Insel von über 80 mm nach Osten und eine vertikale Ausbeulung (rechte Grafik) von rund 120 mm in die Höhe. Das sind jetzt nur die in den letzten Tagen neu entstandenen Verformungswerte.
 
Das Forschungsschiff  Ramon Margalef kreuzt seit Tagen in den Gewässern vor El Hierro. Dieser Einsatz wurde bereits im letzten Jahr geplant und hat mit der neuerlichen Vulkanaktivität nur indirekt etwas zu tun. Die Besatzung besteht aus Wissenschaftlern mehrerer spanischer Institute und trägt den Namen "Campana Vulcano 0313".
Die Besatzung führt eine Art Tagebuch über die Tagesergebnisse. Wer den Tagesablauf einmal auf span. Nachlesen möchte hier.
 

Samstag, 30. März 2013

Vulkan - zwischen Hoffen und Bangen

NEWS:
14.07 Uhr - im Augenblick ist es etwas ruhiger geworden. Die Beben halten wohl weiter an, aber mit geringerer Intensität. Die Stärke liegt zwischen ML2,0 und 3,5. Nach der gestrigen starken Aktivität war das so zu erwarten. Wir wissen aber aus der Vergangenheit, daß diese Episode sich sehr schnell wieder beleben kann.


Allein 15 Erdbeben mit mehr als ML4,0 haben gestern El Hierro erschüttert. Spitzenreiter war um 17.01 Uhr ein ML4,7 Erdstoß. Gewaltige Kräfte die im Augenblick unter der Insel wüten. Vulkanologen sprechen gar von einer Energiefreisetzung gestern, die alle bisherigen Beben zusammen gerechnet seit 2011 übertreffen. Noch nie hat es auf den Kanarischen Inseln - und Beben sind wir ja gewohnt, eine so starke Konzentration an einem einzigen Tag gegeben. Hier der Bebenverlauf vom 18.3. bis 29.3. in einer 4D Erdbeben Animation von Jcasvivero.
Diese Beben hinterlassen natürlich auch auf der Insel ihre Spuren. Steinschlag, Erdrutsch und erste Risse in den Hausfassaden werden sichtbar. "Steter Tropfen höhlt den Stein" - je länger diese Beben nun andauern, desto gravierender auch die Schäden.
 
Da nutzen auch die ganzen Trostpflaster und Beruhigungsversuche der Behörden wenig. Worte wie Normalität, wir haben alles unter Kontrolle, das Bebenzentrum liegt weit draußen im Meer und wir beobachten in Echtzeit die Aktivität, zeigen doch mehr die Hilflosigkeit.
Seit wann hat ein Mensch einen Vulkan unter Kontrolle, Beben schert es wenig ob sie unter der Insel oder 10 Kilometer vor der Küste entstehen. Die Wellen erreichen jeden Winkel. Echtzeitbeobachtung ist gut, schützt aber nicht vor den Folgen eines Beben. Etwas mehr Kreativität und Weitblick und rechtzeitiges Handeln wären sicher besser angebracht. Nicht erst Abwarten bis das Ereignis eintritt und Schäden verursacht, sondern Vorsorge und etwas Vorahnung was nun passieren könnte, sollte die Devise sein.
 
Ich erinnere daran, daß jegliche Vulkanaktivität bereits im März 2012 von der Pevolca für beendet erklärt wurde. Nur wenige glaubten nicht daran.
Zum 18. März 2013 sollten alle IGN Daten vom Netz genommen werden. Der Vulkan ist erloschen und es gibt keine Aktivitäten mehr. Weit gefehlt - genau an diesem Tag ging es erst richtig los.
 
Mit Wunschdenken und Verdrängen ist kein Vulkan zu bändigen. Alle Anzeichen des vergangenen Jahres haben auf eine Fortsetzung hingedeutet. Ich muß kein Vulkanologe sein um diese Anzeichen richtig zu deuten. Beständiges Beobachten, Dokumentieren und Kombinieren ließen nur eine Schlussfolgerung zu.
Aber es ist natürlich auch die Aufgabe der Behörde zu beruhigen und keine Panik aufkommen zu lassen. Die Mitglieder der Pevolca haben es im Augenblick nicht leicht eine ausgewogene Entscheidung zu treffen. Liegen sie falsch und es kommt zu Schäden, haben sie vielleicht später das Gericht (siehe Italien) im Nacken. Leiten sie eine vielleicht später als überzogen angesehene Maßnahme ein, ist dies auch wieder nicht recht.
 
Gestern hatte ich mehrere Gespräche mit Anwohnern auf El Hierro. Es ist im Moment nicht einfach die Situation zu meistern. Einige versuchen die Vorgänge zu ignorieren und Baden im Meer. Es wird wie in der Vergangenheit alles schnell und gut vorüber gehen. 
Andere sind da schon etwas nachdenklicher und sitzen sprungbereit auf ihren gepackten Koffern. Auf die Schnelle ist allerdings die Insel nicht zu verlassen. Dafür fehlen die Transportkapazitäten.
Wieder Andere reisen heute zur Verwandtschaft nach Teneriffa ab.
 
Es ist natürlich nicht einfach Haus, Hof und oft auch Tiere so einfach im Stich zu lassen.
Niemand weis im Moment wie es weiter geht. Beruhigt sich die Lage, nehmen die Beben weiter zu oder kommt es gar zu einem Ausbruch. Wartet man zu lange ab, ist es vielleicht zu spät.
Fragen die niemand beantworten kann.
  

Heute Morgen bereits weitere drei über ML4,0 Beben. Der stärkste Erdstoß um 5.04 Uhr mit ML4,2. Es geht also weiter. Die Tiefe liegt zwischen 14 und 20 km. Das Zentrum hat sich minimal nach Süden verlagert und schwenkt mit ersten Ausläufern Richtung Osten ein. Wie auch in der Animation zu erkennen war, bewegte sich in den vergangenen Tagen der Bebenschwall vom Norden der Westspitze nun in südliche Ausrichtung in das Gebiet Leuchtturm Orchilla und El Julan. Solange die Bebentiefe Bestand hat, dürfte keine Eruption erfolgen. Das Magmafeld könnte sich nun mit der bereits vorhandenen Magmakammer in Nähe des Leuchtturm vereinen. Dort hatten wir ja im Sommer 2012 bereits starke Aktivitäten auch in großer Tiefe erlebt.