Dienstag, 22. Mai 2012

El Hierro Vulkan - das liebe Geld

NEWS: 13.56 Uhr - leichtes Beben von ML1,0 in 16 km Tiefe im Golfo
Ein neues Video zur Förderung des Tourismus auf der Insel El Hierro hat der Promoter der spanische Tourismusbehörde "Turespana" heraus gebracht. Auch will das Sonderprogramm des Gobierno de Espana (Regierung in Madrid) zur Förderung des Tourismus aufgrund der Vulkankrise u.a. neue Impulse in die Technologie der Informations- und Kommunikationstechnik bringen. Mit der Inbetriebnahme eines kostenlosen Wifi - Internetnetz für Bewohner und Besucher für  schlappe 10 Millionen Euro. Alles schön und gut. - Wie soll aber der Tourist in den Genuss dieser brillanten Technik kommen, wenn es keine oder nur erschwerliche Verkehrswege auf die Insel gibt. Nur vor Ort bringt ihm diese Technik Nutzen.

Ich habe bei diesen Dingen immer das Gefühl, daß man entweder der Zeit weit vorraus ist oder den jetzigen Erfordernissen weit hinterher rennt. Aber selten auf Höhe der Gegenwart.
Es zeigt sich halt doch, daß große Konzerne wie die Telefonica einen guten Draht hat und ihre Lobby direkt an den noch spärlich fließenden Geldquellen es auch versteht, sie für eigene Zwecke erfolgreich anzuzapfen. Hier bleiben die Lokalpolitiker mit ihren Wünschen außen vor und sollten statt zu fordern und zu wehklagen einfach jetzt improvisieren. Vorschläge liegen genug auf dem Tisch. 
Diese Investitionen werden zwar von Madrid finanziert, die späteren Unterhaltskosten und der laufenden Betrieb wird aber bei der Insel und seinen Bürgern über kurz oder lang hängen bleiben. Auch ein jetzt kostenloses Wifi Netz ist kein Perpetuum Mobile. Nicht jetzt erfreut aufschreien, sondern sich auch über die Zukunftskosten Gedanken machen. Nur zu viele Beispiele gibt es bereits auf der Insel, die heute schon einen Großteil des Inselhaushalts auffressen. Ob es der Unterhalt der Strassen, des Tunnels oder des meist geschlossenen Erlebnisbades im Golfo ist um nur einige wenige zu nennen. Viele Fehler der Vergangenheit - die man nicht unbedingt wiederholen muß.

Auch der Präsident der Klein- und Mittelbetriebe "Apyme El Hierro" Hermino Sanches hat inzwischen erkannt, daß die Fluggesellschaft Binter Airways die sich während der vergangenen Vulkankrise als Gönner und Unterstützer der Insel positioniert hatte, dies nur für eigene Werbezwecke gebraucht hat. Jetzt wo man Ideen und vor allem die Hilfe von Binter Airways auch mal andere Wege zu gehen benötigt, wird gemauert und auf Kosten der Insel um Subventionen gepokert. Es geht halt immer um das liebe Geld.

Montag, 21. Mai 2012

El Hierro Vulkan - etwas Zeitgeschichte

NEWS:
Wenn wir in der  vulkanischen Zeitgeschichte 60 Jahre zurückgehen, so können wir heute noch die Ausmasse des Vulkanausbruch San Juan 1949 auf La Palma studieren. Alles ist inzwischen mit einer leichten Patina überzogen, aber der Umfang und die Masse der ausgestoßenen Lava und den Schrecken den dieser Ausbruch damals verursacht haben muß, lässt sich noch gut abschätzen. Hier links stehe ich im Schlackenfeld auf knapp 1400 m Höhe. Messerscharfe Lavabrocken in allen möglichen Formationen erfordern gutes Schuhwerk und Trittsicherheit um nicht in irgendeiner Spalte mit schmerzhaften Folgen zu versinken. Trotz einer meterdicken Lavaschicht erobert sich die Natur ihr Terrain langsam wieder zurück. Selbst im Zentrum des Stromes und an den Seitenrändern wächst wieder die kanarische Pino (Kiefer). Der San Juan hatte drei Austrittsschlote auf 1950 m Höhe. Die Lava ergoss sich bis zur Küste (bei Puerto Naos) ins Meer.

Kleine erstarrte Lava-Seen bilden eine Insel inmitten einer bizarren Landschaft. Diese Plateaus sind fast eben und lassen sich gut begehen. Richtige Kanalssysteme haben sich in den vorhandenen Barrancos gebildet. Hier wurde die dünnflüssige Lava kanalisiert und ist aufgrund des starken Gefälles hinabgerauscht. Diese Kanäle weisen heute eine Tiefe von 6 bis 8 m auf und enden oft in Lavahöhlen. Die längste Lavahöhle haben wir im unteren Sektor des Lavastromes bei dem Ort Todoque mit einer Länge von ca.7 km.

Sonntag, 20. Mai 2012

El Hierro - Kartoffeln aus Israel

NEWS: Alles war gestern ruhig - keine neuen Beben.
Die Landwirtschaft war von je her auf El Hierro die Einkommensquelle. Keine landwirtschaftlichen Großbetriebe, sondern der kleine Bauer rang sich mühsam sein tägliches Brot von den kargen und wasserarmen Böden ab. Erst mit dem regen Aufkommen der Bauwirtschaft vor 15 Jahren - dank den üppigen Subventionen - wanderten viele Landwirte in diesen Wirtschaftszweig ab. Große Landstriche liegen heute brach und sich selbst und der Wildnis überlassen da. Die Viehhaltung, ob Ziegen, Kühe oder Schafe, wird aber noch auf der grünen Hochebene, der "Meseta de Nisdafe" betrieben. Das Zentrum der Viehwirtschaft ist der Ort San Andres.
Vor Jahren wurde am Ortsrand von San Andres eine großzügige Anlage für den einmal jährlich stattfindenden Viehmarkt und den Pferdesport errichtet. Alles vom Feinsten - die aber außer laufenden Unterhaltskosten keinen großen Nutzwert bringt. Früher hatte das hier gezüchtete Vieh kanarenweit einen sehr guten Ruf und es wurde reger Handel mit den Nachbarinseln getrieben. Dieser insulare Viehhandel ist aber inzwischen fast eingeschlafen. Die produzierte Milch wird in der inseleigenen Molkerei meist für die Herstellung der Käselaibe verwandt. Ob Käse aus Ziegen- oder Mischmilch - er wird über die Tienta`s oder die inzwischen auch vorhandene Supermärkte auf der Insel vertrieben. Trinkmilch in Tetrapacks kommt meist aus den nördlichen Regionen von Festlandspanien. Grundsätzlich sind Milchprodukte auf allen Kanarischen Inseln teuer. So kostet z.B. im Moment ein 250 gr. Becher Quark 2,49 €.
Durch das Abwandern vieler landwirtschaftlicher Kräfte in die Bauwirtschaft und das 2008 erfolgte Platzen dieser künstlich aufgebauschten Baublase, wurden viele Handwerker arbeitslos.
Hier noch einmal die Arbeitslosenquote vom 1. Quartal 2012.

Lanzarote: 34,94%
Gran Canaria 33,65%
Fuerteventura: 32,88%
La Palma 32,11%
La Gomera 31,86
El Hierro 31,78%
Teneriffa 30,58%

....und ein Ende ist noch nicht absehbar. Heute ist es leider so, daß selbst Kartoffeln aus Irland, England und selbst aus Nicht EU Ländern wie Israel eingeführt werden müssen. Traurig für eine Insel wo doch im Jahresverlauf  3 Mal auf dem gleichen Stückchen Land diese Knolle geerntet werden kann.

Eine verfehlte und einseitige Wirtschaftspolitik die kurzfristig einen Bauboom erzeugte, aber heute die Folgen desto dramatischer Spüren lässt. Es ist immer schwierig von einem gewissen auf Pump aufgebauten Wohlstand wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zufinden. Noch sind nur wenige bereit zurück in die Landwirtschaft zu gehen. Aber es zeigt sich schon, daß einige Flächen nun mehr mit Gemüse und Feldfrüchten angebaut werden. Die Herrenos sind ein zähes Völkchen das schon so manche Krisen durchgestanden hat und sicher auch diese Krise überleben wird.

Samstag, 19. Mai 2012

El Hierro Vulkan - Neuer Forschungsbericht

NEWS:
Ein neuer Forschungsbericht zur Eruption des Eldiscreto wurde von einem Expertenteam unter Leitung des Vulkanologen Dr. Juan Carlos Carracedo vom Instituto Geovol der Universität Las Palmas veröffentlicht. Die Grafiken zeigen, wie sich innerhalb weniger Wochen vom 24. Oktober bis zum 4. Dezember 2011 ein 350 m tiefes Barranco (Tal) von über 6 Kilometer Länge und ca. 1 km Breite mit einer mindestens 100 m dicken Lavaschicht aufgefüllt hat. Noch größere Lavamengen sind links auf den Karten zu erkennen, in das bis zu 1500 m tiefer liegende Gelände abgeflossen. Diese Menge hätte locker gereicht einen mächtigen Lavakegel auch über dem Meeresspiegel aufzubauen.
Diese Expertise ist im Wissenschaftsmagazin "Geology Today" unter dem Titel "The 2011 submarine volcanic eruption in El Hierro (Canary Islands)" erschienen und in englisch hier im Geology Today nachzulesen.
Neue Möglichkeiten einer effektiven und kostengünstigen Anbindung an Teneriffa muß gefunden werden. Dazu führt der Inselpräsident Alpidio Armas zur Zeit Gespräche  mit den Transportunternehmen Fred Olsen, Navierra Armas und der Fluggesellschaft Binter Airways. Natürlich pokern und hoffen die Betreiber auf weitere Subventionen so wie man das aus der Vergangenheit gewohnt war. Nur sind heute wahrlich alle öffentlichen Kassen leer und kein zusätzlicher Euro irgendwo abzuzwacken. Wie weit die Verhandlungen fortgeschritten sind vermag ich nicht zu sagen.
Fast alle El Hierro Touristen aus Nordeuropa kommen auf dem Südflugplatz "Reina Sofia" in Teneriffa an. Es gilt nun die Gäste zügig ohne Zwischenübernachtung oder lange Bustransfers zum 100 km entfernten Nordflugplatz weiter nach El Hierro zu befördern. Die meisten Gäste haben keine sperrigen Güter dabei, so daß die günstigere Möglichkeit - das Flugzeug ausreicht.

Binter Airways die pro Tag 4 bis 5 Mal vom Nordflugplatz mit ihren Inselhüpfern (ATR 28) meist nur halb besetzt El Hierro anfliegt und sich immer als Freund, Gönner und Helfer El Hierros darstellt, sollte überzeugt werden auch vom Südflugplatz zu starten.
Es muß keine eigen Maschine sein, eine kurze Zwischenlandung würde hier völlig ausreichen und würde die Flugzeit nur um ca. 30 min. verlängern. Wenn so die erste Morgenmaschine von El Hierro kommend und das letzte Abendflugzeug nach El Hierro Passagiere im Süden aufnehmen würde, müsste kein Gast mehr auf Teneriffa übernachten.
Das Flugzeug ist besser gefüllt, die Übernachtungstage auf El Hierro würden sich erhöhen und davon bin ich überzeugt - viel mehr Pauschalreiseanbieter würden El Hierro in ihr Programm aufnehmen, da die Anreise, das Handeling und die Kosten besser planbar sind.

Meine Idee und mein Vorschlag - ich denke überlegenswert und auch schnell und günstig umsetzbar.

Freitag, 18. Mai 2012

El Hierro Vulkan - und die Krise

NEWS:
Auch gestern Abend um 22.49 Uhr gab es wieder ein leichtes Beben von ML1,3 in 13 km Tiefe im Süden. Es gärt noch immer weiter, wenn auch auf Sparflamme. Auch nach jetzt 10 Monaten ist der Untergrund immer noch in Bewegung. Von einem Erlöschen oder einer Normalsituation träumen vielleicht die Optimisten, die Tatsache spricht aber eine andere Sprache. Auf der Avcan Grafik sind die Beben der vergangenen Tage rot markiert.
Wenn man von El Hierro eine Linie Richtung Osten zieht, kommt man zu den Beben zwischen Teneriffa und Gran Canaria und weiter über den Norden von Fuerteventura, wo es auch in letzter Zeit eine Reihe von Erdstößen gab. Vielleicht bewahrheitet sich doch die These der Wissenschaftler des Kieler Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) die von einem Lavatunnel bis nach Afrika sprechen. Unter El Hierro (westliche Kanaren) wird die Magmaquelle der eigentliche Hotspot vermutet, der sein Magma bis nach Afrika schickt. Darüber hatte ich - hier zum Nachlesen - berichtet.
Der Inselpräsident von El Hierro Alpidio Armas. Ein noch junger Präsident was seine Amtszeit betrifft. Erst seit September 2011 in Amt und Würden und gleich mit der Vulkankrise konfrontiert (Foto: ABC.es). Der parteilose Alpidio Armas hatte es in den vergangenen Monaten nicht immer leicht und musste so manche herbe Kritik einstecken. Als Schnittstelle zwischen den Wünschen seiner Insulaner, dem Krisenstab Pevolca und den Machtinteressen  politischer Gruppierungen versuchte er einen Konsens herzustellen. Nicht immer ist es gelungen, aber der Wille war vorhanden. Erfahrung braucht eben seine Zeit und dafür sind ein paar Monate Regierungszeit noch zu wenig.

Intensiv kümmert er sich im Augenblick darum den Tourismus wieder anzukurbeln.
Es ist weniger das mangelnde Interesse von Gästen die Insel zu besuchen, sondern die unbefriedigende Transportsituation. Wie soll auch ein Gast von Teneriffa nach El Hierro kommen können, wenn es kaum Fähr- oder Flugverbindungen gibt bzw. die wenigen Transportmöglichkeiten nur über lange Anfahrtswege (Nordflugplatz Teneriffa) oder Zwischenübernachtungen (Fähre) möglich ist. Viele scheuen diese Umstände und verbringen dann doch lieber ihren Urlaub auf Teneriffa oder einer leichter erreichbaren Kanareninsel.

Die Fährbetriebe Fred Olsen und Navierra Armas als auch die Fluglinie Binter Airways sind Privatunternehmen und Gewinnorientiert. Trägt sich eine Linie nicht mehr wird sie einfach gestrichen. In den letzten 10 Jahren wurden alle Unternehmen von der Regierung mit Millionen Subventionen unterstützt. Nur so konnte dann eine für 600 Menschen ausgelegte Fähre auch nur mit 20 Mann an Bord ablegen. Ich habe das häufig selbst erlebt. Das ganze Schiff hat fast nur mir bzw. meiner Familie gehört.
Mit dieser gewohnten und großzügigen Subventionspolitik ist nun Schluss. Alle Kassen auf den Kanaren und in Madrid sind leer. Auch aus Brüssel sind keine großen Geldmittel mehr zu erwarten.

Andere Wege müssen also gefunden werden. Dazu aber Morgen mehr ...