Mittwoch, 9. Mai 2012

El Hierro Vulkan - Er kann ganz tief sinken ...

NEWS:
Gestern gab es das erste mal wieder nach fast 10 Tagen Ruhe einen leichten Erdstoß. Um 14.48 Uhr ein Beben von ML1,2 und heute Morgen um 1.13 Uhr von ML0,9 in 14 bzw. 15 km Tiefe im Golfo.
um himmelswillen was ist denn das ... ?
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Neues Forschungsgerät vor der Kanarischen Küste
Das war die Überschrift in den Kieler Nachrichten

" Er kann ganz tief sinken.

Das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) stellte das autonome Unterwasserfahrzeug (AUV) gestern der Öffentlichkeit vor. 3,98 Meter lang und 885 Kilogramm schwer ist das Forschungsgerät. Fotos RebehnKiel – „ABYSS“ verstärkt die Unterwasserflotte des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Der 2,3 Millionen Euro teure Tauchroboter kann den Meeresgrund ohne Kabelverbindung zu Begleitschiffen in bis zu 6000 Metern Meerestiefe erforschen. Im November taucht „ABYSS“ erstmals im Atlantik vor den Kanarischen Inseln ab. Prof. Peter Herzig und Dr. Klas Lackschewitz grübelten gestern Vormittag zunächst, ob die Form von „ABYSS“ mehr einer Zigarre oder einem Torpedo ähneln könnte. Alleine wegen der Maße – Länge 3,98 Meter, Gewicht 885 Kilogramm – einigten sich der GEOMAR-Direktor und der wissenschaftliche Leiter des „ABYSS“-Teams auf die Ähnlichkeit mit einem Unterwassergeschoss. Unter Wasser wird das System auch eingesetzt. Mit einem Geschoss hat es aber überhaupt nichts zu tun. „ABYSS“ – der Name steht für „Autonomes benthisches Hydrothermal-Suchsystem“ – dient vielmehr der friedlichen Erforschung der Tiefsee ..." 

Soweit der Artikel aus den Kieler Nachrichten vom 19.10. 2008. Leider konnte ich im Archiv der Zeitung diesen Artikel nicht mehr finden. Auch über die Leistung des Monsters und die Ergebnisse des Tauchgangs blieben mir verborgen.
Es gibt also auch in Europa geeignete Forschungs-Uboote um die Kanarischen Gewässer bis zum Meeresgrund zu erforschen. Es stellt sich nun die Frage, warum man nicht auf diese Technik zurück greift und vielleicht in Kooperation mit Instituten, wie dem IFM-GEOMAR in Kiel, gemeinsam dem Atlantik seine kleinen oder großen Geheimnisse entlockt. Es wäre auf jeden Fall kostengünstiger und schneller möglich auch größere Forschungsprojekte zu starten, als nur sein eigenes Süppchen mit den spärlich zur Verfügung stehenden Finanzmitteln zu kochen.

Gerade jetzt für die Vulkanforschung wäre der ABYSS sicher gut zu gebrauchen. Bis heute gibt es immer noch keine verwertbaren Aufnahmen vom Eldiscreto. Das Einzige was bisher präsentiert wurde, sind Sonaraufnahmen und eine kurze verschwommene Videosequenz von der südlichen Aussenwand des Vulkankegel. Mehr nicht - und dabei soll er seit März bereits erloschen und "vergessen" sein.

Vielleicht brauchen wir doch noch private Investoren, Enthusiasten und Vulkan- und Tiefsee-Besessene um die Forschung etwas voran zu bringen.
Oft genügt ja bereits die Ankündigung in "hoheitliche Aufgaben" eingreifen zu wollen, um die Standesvertreter auf Trab zu bringen.

Dienstag, 8. Mai 2012

El Hierro - das "Perpetuum Mobile" im Detail

NEWS:

Einfach nur schön. Tauchaufnahmen zwischen den Basaltsäulen vor Teneriffa. Wer weiß was sich im Atlantik um die Kanaren noch so alles Geheimnisvolles verbirgt. Mit den technischen Möglichkeiten eines Taucher(in) lassen sich nur Küstenbereiche mit geringer Tiefe erkunden. U-Boote oder Unterwasser-Roboter wurden bisher kaum eingesetzt. Bei Meerestiefen bis zu 3500 m Tiefe zwischen den Inseln schlummern sicher noch so manche Überraschungen und Schätze. Unentdecktes direkt vor der Haustüre. Lassen Sie sich vom Video La Rapadura von juanraya 2023 faszinieren.

Regeneratives Energieprojekt
Nachdem ich gestern das Prinzip der Energiege- winnung erklärt habe, heute zu den Details. Das Modell der Turbinenanlage (Bilder Garona del Viento), eingebettet in ein Fels-Barranco, soll die Stromversorgung bei Windflaute sicher stellen. Ausgerüstet mit 3 Turbinen von je 3,3 MW Leistung wird es die Schwerkraft des Wassers in Strom umwandeln. Über eine ca. 3 km lange Druckleitung mit einem Höhengefälle von 683 m schießt das Wasser durch ein 80 cm dickes Rohr in die Turbine. So hofft man über Monate hinweg Strom erzeugen zu können.
Das obere Hauptbecken mit einem Fassungsvermögen von 500.000 m² Wasser dient als Speicher. Hier wird entsalztes Meerwasser über die Entsalzungsanlage vom Strand hinauf gepumpt. Das Speicherbecken wird in einem alten Vulkankrater errichtet, damit es auch im befüllten Zustand dem Druck standhält.


Das untere Auffangbecken mit einem Fassungsvermögen von 225.000 m³ nimmt das durch die Turbine geleitete Wasser wieder auf, bevor es wieder hinauf in das Hauptbecken gepumpt wird. So entsteht ein Wasser-Kreislauf dem nur noch wenig frisch entsalztes Meerwasser, das verdunstet oder verloren gegangen ist, beigefügt werden muß. Auch kann später aus den Becken bei Bedarf Trinkwasser abgezapft werden.
Das Herzstück und der eigentliche Energielieferant sind die 5 Windräder, die in geeigneter windsicherer Lage errichtet werden. Mit je knapp 2 MW Leistung erzeugen sie so 9,9 MW Leistung. Diese Energiemenge reicht nach Berechnungen auch für die zukünftigen Jahre für die Insel aus. Der jährliche Stromverbrauch liegt zur Zeit bei 37 GW und soll bis zum Jahre 2015 auf 48 GW ansteigen. Bei höherem Bedarf kann die Windkraftanlage jederzeit erweitert werden. Ideale Windbedingungen herrschen in den Monaten März bis September. In den Wintermonaten kann diese Windenergie nur bedingt genutzt werden, da oft Starkwinde herrschen und die Anlage sicher öfter abgeschaltet werden muss. Dafür ist dann das Staubecken als Energielieferant vorgesehen.
Wie weit nun die Bauarbeiten an diesem Projekt bereits voran geschritten sind und welche Probleme sich dabei ergeben können, will ich in den nächsten Tagen erläutern.

Montag, 7. Mai 2012

El Hierro - Das Energiekonzept im Prinzip

NEWS: Das Wochenende verlief ruhig ohne große Vulkan- oder Bebenaktivität.
Der Dokumentarfilmer und Vulkan Experte Mark Szeglat hat seinen neuen Film fertiggestellt. Er weilte im November 2011 während der Evakuierung von La Restinga auf der Insel und zeigt Sequenzen und Eindrücke von El Hierro. Es war die Zeit der starken Erdbeben. Eldiscreto fing gerade erst an auf sich aufmerksam zu machen.  Hier geht es zum Video.
So funktioniert das neue Energiekonzept
In Fortsetzung meiner begonnenen Beschreibung des regenerativen Projekt "100 % Energie aus der Natur" heute die Idee und die geplante Funktionsweise der Anlage.  

Hier der schematische Aufbau des Wirkungsprinzip zum regenerativen Energieprojekt. Auf der Grafik -  oben ein großer Stausee aus dem über eine Druckleitung durch natürliches Gefälle das Wasser über eine Turbine nach unten fließt und Strom erzeugt und in einem unteren Becken (Deposito Interior) gesammelt wird. Mit Strom aus der Windkraft (rechts) wird das Wasser wieder nach oben gepumpt und der Kreislauf beginnt von Neuem. Das ist das Reservesystem, wenn kein Strom über die Windräder erzeugt werden kann. Primär wird die Insel jedoch zunächst über 5 Windräder, mit je knapp 2 MW Leistung - insgesamt also ca. 9,9 MW Gesamtleistung mit Strom versorgt. Die überschüssige Energie wird für die Meereswasser Entsalzungsanlage (Desaladora unten) und die Pumpstation (Estacion de Bombeo) eingesetzt.

Vom Wirkungsprinzip im Grunde ein alter Hut und in vielen Ländern bereits eingesetzt und erfolgreich täglich getestet. Windkraft und Wasserkraft in Strom umgewandelt, ist also nichts Neues.
Erst die Kombination dieser beiden Energiearten ist aber das Interessante und Einmalige. Es gibt bisher kein Objekt auf diesem Globus, wo dies versucht wurde. Daher ist El Hierro das erste Land (Insel) wo die Kombination beider Komponenten umgesetzt werden soll.
Das Projekt ist hier in das Höhen- und Landschaftprofil eingefügt. Unten am Meer den Hafen "La Estaca" und rechts oben die Hauptstadt Valverde. Dazwischen die Gesamtanlage. Das obere Staubecken mit einem Fassungsvermögen von 500.000 m³ und 683 m tiefer das etwas kleinere Auffangbecken mit 225.000 m³. Dazwischen drei Turbinen mit je 3,3 MW Leistung.
Erst bei Ausfall beider Systeme soll das alte Schweröl-Kraftwerk (Central Diesel) wieder als Reserve einspringen.
Ein gut durchdachtes System (was hier nicht selbstverständlich ist) das sich bereits seit Jahren im Bau befindet. Weiteres dazu in den nächsten Tagen.

Sonntag, 6. Mai 2012

El Hierro - Innovative Technik im Einsatz

NEWS:

Hier noch einmal der Link zum NDR Fernsehbeitrag: El Hierro: Die Insel der 1.000 Vulkane  der am 1. Mai gesendet wurde. Leider steht kein Video zur Verfügung. Bleibt zu hoffen, daß der Beitrag wiederholt wird und wir rechtzeitig den Sendetermin diesmal erfahren. (Danke an Sabine Willmann).
Ein Nachtrag zu meinem Artikel über den Wave-Glider der sich im Moment auf dem Weg von Gran Canaria nach El Hierro befindet. Der Wave-Glider hat keinen eigenen Antrieb - also auch keinen Elektromotor. Das System nutzt die natürlichen Wellenbewegungen als Vortrieb aus. Vielleicht vergleichbar mit einer Flaschenpost, aber über GPS steuerbar. Da dies ewig dauern würde, besitzt der Glider zwei Teile: eine Art Floß, das an der Wasseroberfläche schwimmt und die Antriebseinheit (Bild), die sich an einer 7 m langen Leine unter Wasser befindet. Diese Antriebseinheit ist 1,91 m lang und 1,07 m breit. Wenn das Floß durch eine Welle nach oben gehoben wird, klappen die Flügel nach hinten. Gleitet es von einer Welle herab, klappen sie nach vorne. So wird die Kraft der Wellen als Vortrieb genutzt.
Ein völlig neuartiges innovatives Antriebssystem, das zwar nur eine mässige Geschwindigkeit erreicht, aber funktioniert. Zwei Wave-Glider schickte man bereits von Kalifornien über den Pazifik nach Australien und Japan los - und sie haben ihre Ziele gefunden. Japan konnte nach einer Reise von 300 Tagen erreicht werden. Zum Funktionsprinzip hier ein Video.
Diese Glider können mit allen möglichen Messgeräten und auch einer Kamera bestückt werden. Unser El Hierro Glider hat allerdings keine Kamera an Bord. Nur die genaue Position kann über die bordeigene GPS Anlage abgerufen werden. Auch Tauchgänge sind derzeit noch nicht möglich.
Eingesetzt wurde er bereits bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko um die Ausbreitung des Ölteppich zu messen.

Samstag, 5. Mai 2012

El Hierro - Wave-Glider auf dem Weg zum Eldiscreto

NEWS: Auch am Freitag keine neuen Vulkanaktivitäten.
Heute Morgen um 6.21 Uhr leichtes Beben von ML0,8 in 6 km Tiefe im Golfotal.
Die Plocan (Plataforma Oceanica de Canarias), eine Einrichtung der kanarischen Regierung, schickt einen Wave-Glider nach El Hierro. Dieser Wave-Glider ist ein autarkes unbemanntes Wasserfahrzeug (Fotos: Plocan u. Robotics) mit Taucheigenschaften und kann wochenlang auf hoher See bleiben. Unabhängig von externen Stromquellen erzeugt es über Solarzellen die benötigte Energie. Gesteuert über eine eigene GPS-Anlage fixiert es La Restinga an und wird in wenigen Tagen über dem Eldiscreto eintreffen. Das interessante daran ist, daß es in Echtzeit Bilder bzw. Videos sendet, die über das Internet von den Forschern  nonstop 24 Stunden weltweit abgerufen werden können. Inwieweit wir Zugang zu den Echtzeit-Aufnahmen bekommen, muß ich noch abklären.

Über einen absenkbaren Glider (Foto) können Kameras und Messinstrumente mitgeführt werden. Das Gerät hat ein Gewicht von ca. 150 kg und fährt langsam mit 2 - 3 Seemeilen/Std. über das Meer. Entwickelt wurde der Wave-Glider von der amerikanischen Firma Liquid Robotics in San Francisco und wurde bereits von der Operationsbasis Kawaihae auf Hawaii erfolgreich getestet. Hier ein Produkt -Video des Herstellers.
Der Wave-Glider ist bereits auf dem Weg nach El Hierro und soll bis Mitte nächster Woche dort eintreffen. Aktuelle Standortinformationen gibt es unter Wave-Glider Mission. Großartige Bilder dürfen wir allerdings nicht erwarten, da die Tauchtiefe der Plattform begrenzt ist. Das Gerät wurde wahrscheinlich weniger für die Vulkanbeobachtung, sondern mehr für die Langzeitbeobachtung von Fischschwärmen oder für die Walbeobachtung konzipiert. Es ist eine Demofahrt und auf jeden Fall eine recht interessante technische Möglichkeit.

Ich kann mich erinnern, daß vor Jahren von der Uni Bremen oder Kiel ein ähnliches Projekt mit einem großen Boot (etwa Seglergröße) auf den Weg gebracht wurde. Es fuhr selbständig von der Nordsee Richtung Karibik.
Vor den kanarischen Inseln trat allerdings ein technisches Problem auf, so daß es 3 Monate im Hafen von Santa Cruz de La Palma vor Anker lag. Ich habe es mir damals angeschaut und Fotos gemacht, die ich auf die Schnelle jetzt nicht finden kann. Ein Technikerteam aus Deutschland wurde eingeflogen um es zu reparieren. Für mich verlor sich dann die weitere Spur. Vielleicht weiß einer der Leser hierzu Näheres und kann mich ergänzen.
Die Begleitcrew vor dem Start auf Gran Canaria