Dienstag, 10. Januar 2012

El Hierro Vulkan - in Lauerstellung

NEWS: Neues Beben um 21.46 Uhr mit 1,6 RSk. bei Restinga in 13 km Tiefe.
Es sind immer wieder beeindruckende Momente die uns der Eldiscreto abliefert und die von den Wissenschaftlern der Involcan passend ins Bild gesetzt werden. Würde sich dieses harmlose Schauspiel so auch in Zukunft ständig wiederholen, hätte man einen zugkräftigen Tourismusmagneten. Leider sind das einmalige Momentaufnahmen die sich sehr schnell auch von ihrer anderen Seite zeigen können.
Auch heute Morgen sprudelt der Eldiscreto ruhig vor sich hin und wirft gelegentlich rauchende Lavaklaster aus. Außer dem Beben am gestrigen Montag um 10.59 Uhr im Golfo mit 2,0 RSk. gab es keine weiteren Erdstöße. Das Magma steigt nach den Tremoraufzeichnungen heute etwas stärker aber regelmässig auf.
Am vergangenen Wochenende verweilte der japanische Prof. Kenji Negami vom vulkanologischen Institut aus Tokio auf El Hierro um sich einen Eindruck zu verschaffen und seine Erkenntnisse und Erfahrungen einzubringen. In einem Interview äußerte er, daß japanische Vulkane in vergleichbarer Situation diese jetzige Phase in Stunden andere aber erst nach 2 Jahren überwunden hätten.
Der Schwefeldioxid (SO²) Ausstoß ist nach neuesten Messungen auf ein Normalmaß von 2 Tonnen/Tag zurück gegangen. Am Höhepunkt kurz nach der ersten Eruption wurden noch SO² Konzentrationen von 109 t/Tag gemessen. Damit ist auch ein spürbarer Rückgang der ph-Werte im Meereswasser verbunden, der sich nur positiv auf die Flora und Fauna auswirken könne - so die Mitteilung des Gobierno de Canarias.
Diese von der IGN überarbeitet Grafik zeigt die magnetischen Verhältnisse der Kanaren. Jeweils an den vulkanischen Ausbruchstellen ist stärkerer Magnetismus vorhanden. So an der Südspitze von La Palma (Vulkan Teneguia 1971) wie auch im Süden von El Hierro. Durch den Umwälzungsprozess in den Magmakammern wird aus dem Erdinnern Schwermetall wie Eisen und Nickel mit magnetischen Eigenschaften nach oben befördert. Durch diese Bewegungsenergie entsteht ähnlich wie in einem Dynamo Magnetismus. Mit einem Magnetometer, meist an einem Flugzeug angebracht, kann mit GPS Ortsbestimmung eine genaue Karte erstellt werden.
In Sachen "Eldiscreto Kalender 2012" bin ich weiter am Ball. Auf El Hierro läuft bereits der Verkauf. Auf La Palma konnte ich jedoch noch kein Exemplar orten. Wie das Cabildo El Hierro telefonisch mitteilte, sollen für den Postversand das Vulkanische Institut bzw. ITER zuständig sein. Eine Mail von mir in diese Richtung wurde noch nicht beantwortet. Alles braucht hier einfach seine Zeit.

Montag, 9. Januar 2012

El Hierro Vulkan - vom Schwächeanfall wieder erholt

NEWS: Neues Beben mit 2,0 RSk.unter Sabinosa (Golfo) um 10.59 Uhr in 13 km Tiefe.

Oben noch eine Involcan Aufnahme vom Zentrum der Eruption am 7.1.12. Heute Morgen verhält sich der Eldiscreto ruhig. Er sprudelt in gemäßigtem Tempo weiter. Gestern erlitt der Tremor gegen 15.30 Uhr (siehe Grafik) einen Schwächeanfall. Wahrscheinlich waren Teile des Magmakanals eingestürzt und das weitere Aufsteigen der Magma gestoppt worden. Erst gegen Abend kam der Tremor langsam wieder in Gang. Ein Befreiungsschlag brachte schließlich ein Beben um 3.46 Uhr mit 1,7 RSk. in 14 km Tiefe und  räumte alle Hindernisse beiseite. Seitdem können wir wieder einen kräftigen Tremor beobachten. 

Überraschendes brachten Temperaturmessungen der Wissenschaftler über der Eruptionsstelle am 7.1. zu Tage. Alle Beobachter konnten brodelndes und kochendes Wasser erkennen. Tatsächlich hatte jedoch die Oberflächentemperatur des Meereswasser nur eine leichte Temperatur- erhöhung von 4,9° gegenüber der normalen Wassertemperatur aufzuweisen. Die quirlige und sprudelnden Wasseroberfläche wurde durch Gase, Dämpfe und aufsteigende Lava verursacht. Diese Messung war allerdings nur eine Fernmessung aus dem Helikopter und konnte nur die reflektierende Wasseroberflächen Temperatur erfassen. Wie es in 10 m oder tiefer aussah wurde nicht gemessen. Aufschwimmende Lavaklaster die auch die Dampffahnen erzeugten, hatten z.B. noch 85,5° Hitze.

Was macht ein Manfred wenn der all wöchentliche Familien Sonntagsausflug ansteht  -  er ist natürlich in Sachen Vulkan bzw. Erdbeben unterwegs. Regelmässige Blogleser wissen, daß es in den vergangenen Wochen hier auf La Palma teils kräftige Tremorausschläge gab die nicht zu erklären waren. Diese mysteriösen Ausschläge traten immer zwischen 8 Uhr und 17 Uhr und nur unter der Woche auf. Die entsprechende Bebenmess Station steht hier auf einer steilemporragenden Felsspitze, dem Roque Niquiomo auf 1277 m Höhe oberhalb des Ortes Mazo auf der Ostseite der Insel ..... und wir wurden fündig. Zur Zeit finden in unmittelbarer Nähe dieser Station Wegebau- und Sicherungsarbeiten mit schwerem Gerät (Bild) statt. Das dürfte die simple Ursache für die heftigen "Beben" der vergangenen Wochen sein.

Sonntag, 8. Januar 2012

El Hierro Vulkan - Der Eldiscreto zeigt sein Gesicht

NEWS: Gestern 7 kleinere Beben unter 1,5 RSk. unter El Hierro.


Der gestrige Samstag war ein interessanter und zugleich sehr beeindruckender Tag. Erstmals zeigte der Vulkan seine in ihm steckende Kraft und Energie. Fast den ganzen Tag über sprudelte und kochte das Meereswasser über seiner Eruptionsstelle. Diese Involcan Aufnahmen entstanden gegen 14.00 Uhr in einer relativ ruhigen Siesta Phase und zeigen doch mit welcher Gewalt und Intensität unser Eldiscreto im Moment zugange ist. Ich schätze den Durchmesser der auf dem Bild zu sehenden Eruption auf 200- 300 m. Gegen Abend spuckte er wieder vermehrt rauchende und dampfende Lavaklasten aus, die das ganze Szenario noch beeindruckender erscheinen ließen. Zu beobachten war nicht nur aufsteigender weißer Wasserdampf, sondern zeitweise auch schwarzer Rauch, der von noch brennenden oder glühenden Lavabrocken aus dem Kraterschlund stammen muß. Die Austrittsöffnung des Vulkan dürfte sich daher nicht mehr all zu weit unter der Meeresoberfläche befinden.


So sah von Land bzw. über die Webcam die Aktivität des Eldiscreto gegen Abend aus. Als Beobachter hatte man das Gefühl als wenn das Wasser über der Austrittsstelle kocht und seinen Siedepunkt längst überschritten hat. Aus der Seitenperspektive konnte jedoch nicht das gesamte Ausmaß der Eruption eingeschätzt werden. Erst das aus dem Guardia Civil Hubschrauber gedrehte Eldiscreto-Video vermittelt einen Gesamtüberblick über die gestrigen Geschehnisse.

Es stellt sich natürlich jetzt die Frage, wann und ob es zu einer phreatischen Eruption (Wasserdampfexplosion) kommt. Die offiziellen Stellen und hier wäre der Krisenstab (Pevolca) gefragt, hüllen sich in Schweigen oder sind von der Bildfläche verschwunden.

Was haben die ganzen Vermessungen der Forschungsschiffe ergeben?
Warum gibt es keine Unterwasser Reliefaufnahmen?
Wie weit hat sich der Vulkanschlot nach oben voran geschraubt?

Fragen über Fragen - aber keine Antwort. Gibt es etwas zu verbergen oder haben die Behörden darauf überhaupt keine Antwort! So ist wieder einmal der Spekulation Tür und Tor weit geöffnet.
Die weiteren Stunden und Tage dürften auf jeden Fall spannend bleiben und es besteht nun doch die Chance auf die Geburt einer neuen Insel - und das können wir hautnah vielleicht miterleben.
treibende Lavaklasten von mehreren Metern im Durchmesser


Einen interessanter Artilel zu El Hierro habe ich in Natur+Technik gefunden:
Tanz auf dem Vulkan
Der jüngste Vulkan Europas verändert die Öko-Modellinsel El Hierro.

Es brodelt, es zischt. Permanent stößt El Discreto, so der Name des aktiven Vulkans, Lava aus. Noch liegt er unter Wasser, aber er arbeitet sich stetig aus den Tiefen des Meeres nach oben, täglich rund sieben Meter. Es kommt nicht oft vor, dass Neuland - im wahrsten Sinn des Wortes - entsteht. Auf El Hierro, der kleinsten der Kanarischen Inseln, geschieht es gerade. "Wir bekommen ein neues Kind", sagen die Herreños stolz über ihren jüngsten Vulkan. - weiterlesen in Natur+Kosmos

Samstag, 7. Januar 2012

El Hierro Vulkan - Rauchschwaden über dem Eldiscreto

NEWS: 11.55 Uhr - Telefonica Webcam geht wieder und Hubschrauber im Einsatz.
13.11 Uhr - Das Eruptionsgebiet scheint sich heute über 2- 300 m nach Osten vergrößert zu haben. Wahrscheinlich sind mehrere Schlote aktiv.
Um 11.30 Uhr neues Beben mit 2,1 RSk. westlich von Lanzarote in 15 km Tiefe.
16.59 Uhr - es brodelt und dampft kräftiger.


Seit gestern Nachmittag raucht und qualmt der Eldiscreto. Ob es sich um Verbrennungsrauch oder Wasserdampf handelt oder eine Mischung von Beiden lässt sich aus der Ferne nicht analysieren. Genaueres kann nur eine Vorort Untersuchung der Wissenschaftler erbringen. Doch die sind zur Zeit im Reyes-Urlaub. Nur eine Notbesatzung ist auf der Insel. Kein Schiff an der Eruptionsstelle, kein Hubschrauber in der Luft und natürlich erst recht keine Auskünfte. Die Fiesta und die Familie geht jetzt vor. Der Vulkan soll bis Montag warten. Warum sich die Vulkanologen dieses Ereignis entgehen lassen, kann nur jemand der die hiesige Mentalität kennt, verstehen.
Auch heute Morgen ziehen die Rauchschwaden weiter über das Meer. Der Ausbruch ist nun in eine neue Phase, vielleicht in die Entscheidende getreten. Zwei Theorien sind möglich:
1.) Der Vulkanschlot spukt im Moment weit größere Mengen Lava aus, die wegen des großen Volumen noch stark erhitzt die Meeresoberfläche erreichen oder
2.) Der Vulkanschlot ist weiter gewachsen  und die Lava muß nur noch einen kurzen Weg nach oben zurücklegen. Dann würden wir in den nächsten Tagen die ersten Dampfexplosionen erleben. Der Beginn der phreatischen Eruption wäre die Folge. Der über der Ausbruchstelle liegende Wasserdruck kann vom austretenden Magma und Gas überwunden werden und das Meereswasser schlagartig verdampfen. Darüber hatte ich die letzten Tage auch geschrieben. Warten wir einfach die weitere Entwicklung ab, dann werden wir sehen welche Möglichkeit der Eldiscreto bevorzugt.
Der Tremor zeigt heute Morgen einen ruhigen Verlauf an. Hier können wir gut sehen, daß die tatsächlichen Geschehnisse an der Eruptionsstelle sich nicht im Tremorverlauf wiederspiegeln. Die Tremorgrafik zeigt auch nur den Aufstieg der Magma an. Hat der Magmafluss seinen Weg gefunden und stößt auf keine großen Hindernisse die ein Wegsprengen oder eine Explosion auslösen, dann gibt es auch keine typischen Zitterbewegungen und große Ausschläge mehr. Über die Menge des durch den Magmakanal strömenden Materials gibt uns diese Messung keinen Aufschluss. Beben waren in den letzten Stunden auch nicht zu verzeichnen.


Carlos hat mir noch eine Karte über die Geo- Beschaffenheit der Meeresgegend um die Kanaren und Madeira zukommen lassen (dafür Danke). Das weiße Viereck kennzeichnet den Erdstoß vom 5.1. westlich der Insel Lanzarote.
Wenn Sie auf der Telefonica Webcam heute keine Livebilder empfangen können, dann liegt es nicht an ihrem PC. Laut Movistar gibt es Serverprobleme oder einfach das schon angesprochene "Feiertagsproblem". Bis Montag wird es wieder funktionieren.

Freitag, 6. Januar 2012

El Hierro Vulkan - neue Messwerte lassen aufhorchen

NEWS:
11.36 Uhr - Eruption verstärkt sich - Eldiscreto wirft verstärkt rauchende Lavasegmente aus.
14.43 Uhr - Aktion hält an - stärkste Eruption seit Wochen - auf Webcams rechts zu beobachten
15.45 Uhr - konstante Rauchentwicklung über der Austrittsstelle

Aufnahmen der Involcan vom 4. Januar 2012 während der besonders aktiven Eruptionsphase. Rechts der Ort La Restinga und ca. 1,5 km auf dem Meer unser Eldiscreto. Am Mittwoch warf er wieder rauchende Lavabrocken aus die an die Meeresoberfläche auftauchten. Diese Segmente können eine Größe von bis zu 2 m erreichen. Die in der Nacht mehrfach wahrgenommenen Feuerscheine über der Ausbruchstelle können von entzündenden Gasen oder von Spiegelungen der unter der Wasseroberfläche brodelnden Feuerherde stammen. Der gestrige Tag und auch die vergangene Nacht verlief ruhig und ohne erneute Erdstöße. Auch der Magmaaufstieg zeigt in der Tremorauswertung keine großen Veränderungen. Ganz anderst entwickelt sich allerdings die Verformung der Inseloberfläche.

Jüngste GPS-Messungen der IGN ergaben, daß sich seit den vergangenen zwei Tagen der Untergrund bei fast allen Messpunkten auf El Hierro nach oben wölbt. Es sind wohl nur geringe Schwankungen im mm bzw. cm Bereich, die aber genau beobachtet werden müssen. Durch den Druckanstieg in der im Untergrund liegenden Magmakammer kann durch neuen Magmazufluss oder durch zusätzliche Gase, das Deckengewölbe angehoben werden. Genau dies geschieht im Moment. Die obere Grafik der IGN zeigt den bisherigen Gesamtverlauf von September 2011 bis heute. Links die Vergrößerung der Entwicklung der vergangenen Tage. Von Durchschnittlich 30 mm hat sich die Oberfläche inzwischen auf 42 mm angehoben. GPS-Messungen ergaben auch, daß alle Nachbarinseln (außer La Palma) im gleichen Zeitraum eine sog. Deflation, also ein Absinken der Oberfläche zu verzeichnen haben.

Diese Entwicklung muß im globalen Zusammenhang mit dem gesamten Kanarischen Archipel gesehen werden. Gestern gab es Beben bei Teneriffa und einen heftigen Erdstoß von 3,5 RSk. westlich von Lanzarote. Die Messaufzeichnung (links) von der Insel Fuerteventura zeichnet dieses Beben um 17.05 bzw. 17.06 Uhr mit einem kräftigen Ausschlag auf. Unter den Kanaren liegt ein großes Magmafeld das sich wahrscheinlich Richtung Westen bewegt und auf El Hierro die Blasenbildung verursacht. Durch das unter Lanzarote bzw. Teneriffa damit entstandene Vakuum brechen Gesteinsschichten ein, die die Beben verursachen könnten. Das ist nur ein Erklärungsversuch der aber eine gewisse Logik als Hintergrund hat.

Viele Leser würden gerne hier mitkommentieren und ihre Meinung einbringen. Dieser Wunsch wurde vermehrt in Mails geäußert. Grundsätzlich ist das auch möglich mit einer Registrierung. Ich und die Kommentatoren möchten aber gerne wissen wer unser Diskussionspartner ist. Wenn Sie sich z.B. bei Google ein kostenloses Account Konto einrichten, funktioniert der Zugang. Das geht einfach und schnell. Hier der Link: Google Konto .
Erfreuliches hat mich gestern Abend per SMS erreicht. Die ersten Leser auf El Hierro halten bereits den druckfrischen Eldiscreto Kalender 2012 in eigenen Händen. Nun müssen wir noch die Versandoption nach Norden ausknobeln. Ich hoffe das ist auch in Kürze zu bewerkstelligen.