Dienstag, 29. November 2011

El Hierro Vulkan - und es geht weiter

NEWS
Lag im Golfo in der Vergangenheit das Bebenzentrum um die 20 km in der Tiefe, so wird seit gestern eine Veränderung registriert. Die meisten in der vergangenen Nacht gemessenen Erdstöße haben sich Richtung Erdoberfläche in 15 bis 16 km Tiefe ereignet. Das stärkste Beben um 1.59 Uhr mit 3,0 RSk. lag bei 15 km. Auf der AVCAN Karte auch erkennbar, daß sich nun verstärkt Beben direkt unter der Insel ereignen. Zwei Erdstöße lagen unter der 1000m hohen Golfo- Steilwand um den Berg Tanganosoga, zwischen La Frontera und Sabinosa. Auch der Tremor hat sich weiter verstärkt und fördert Magma.

Wir haben nun das gleiche Szenario wie vor über einer Woche nur mit dem Unterschied, daß das Bebenzentrum in geringerer Tiefe liegt. Ich könnte mir gut vorstellen, daß die Erdstöße auch an Heftigkeit weiter zunehmen und es doch noch zu dem auch von der IGN bereits erwarteten  4,6 RSk. und mehr Beben kommen wird. Der Eldiscreto im Süden verhält sich bis jetzt ruhig. Nur vereinzelt steigen Gasblasen an die Meeresoberfläche auf.
Die Wissenschaft rüstet auf und will ein weiteres Forschungsschiff mit zusätzlicher Ausrüstung und Fachleuten nach El Hierro bringen.
Auch die weitere Zunahme der Kohlendioxid Werte (CO²) auf der gesamten Insel lassen aufhorchen. Am 24.11. wurde der höchste jemals gemessene Wert von 2398 Tonnen pro Tag gemessen. Das entspricht der 7 fachen Menge von CO² der normal auf El Hierro (345t/Tag) vorhandenen Kohlendioxid Emission. Wie das INVOLCAN mitteilte, ist der hohe CO² Ausstoß eine Folge des Abschmelzen von Silizum in der Magma. Je weiter sich die Magma der Erdoberfläche nähert, desto höher der Gasausstoß. Viele Indizien sprechen ihre eigene Sprache. Die Deutung aller Ergebnisse sagen jedoch in ihrer Gesamtheit das Gleiche aus. El Hierro stehen noch aufregende Tage bevor, auch wenn ich es mir gerne anderst wünschen würde.



Hier noch eine eindrucksvolle Luftaufnahme des Gobierno von dem mächtigen Eruptionsquirl vor einigen Tagen und im Video die Fortsetzung der Bergung der rauchenden Lavabrocken vom Seenotkreuzer "Salvamento Maritimo" durch IGN Geologen mit einfachen Hilfsmitteln aber wirkungsvoll, vom Sonntag.

Montag, 28. November 2011

El Hierro Vulkan - totgesagte Leben länger

NEWS:  16.50 Uhr - zwischen 12.00 - 16.00 Uhr heute 12 neue Beben im Golfo, das Stärkste mit 2,9 RSk., alle um die 20 km tief.
Die neuerliche Eruption gestern im Süden hat doch so manche überrascht. Totgesagte leben einfach länger. In Wirklichkeit hat die Aktivität des Eldiscredo seit seinem Unterwasser Ausbruch vor 4 Wochen nie aufgehört zu sprudeln. Der beständige Gasaustritt war immer an der einmal mehr oder weniger grünen Meeresverfärbung zu erkennen. Die Aufnahme der INVOLCAN aus dem Guardia Civil Helikopter zeigt die aufgetriebenen Lavabrocken. Diese Aktivität wird sich mit Unterbrechungen sicher fortsetzen.

Der Tremor läuft wie in den vergangenen Tagen weiter. Auch die Beben im Bereich der Magmahauptkammer unter dem Golfo um 23.25 Uhr mit 2,3 RSk. in 22 km Tiefe und um 0.25 Uhr mit 1,7 RSk. in 17 km zeigen den weiteren Magmaaufstieg an. Der Kanal ist frei und weiteres magmatisches Material kann relativ ungehindert an der Oberfläche austreten. Waren es in den vergangenen Wochen meist Gase so folgt nun verstärkt das eigentliche feste Material, die Lava. Jetzt wird sich auch die Basis des Eldiscreto stärker ausbauen und der Vulkanschlot schneller in die Höhe wachsen können.

Wie gefährlich die Bergung der an der Meeresoberfläche treibenden und dampfenden Lavastücke gestern war, zeigt eindrucksvoll das von Bord der "Salvamento Maritimo" gemachte Video von quakesos.



Die jetzt aufgefischten Lavabrocken unterscheiden sich grundsätzlich von dem vor Wochen beim ersten Ausbruch vorgefundenen Material. Jetzt haben wir das Urmaterial aus der Lavakammer, durchgehend schwarz gefärbt und nicht wie die zuerst aufgefundenen Brocken mit einem weißen Kern. Nähere Untersuchungen in den nächsten Tagen werden noch die genaue Material- Zusammensetzung zeigen. Die Wassertemperatur über der Eruptionsstelle betrug gestern übrigens 22,5°.
Hier zum Vergleich die alten Stücke, die viel aufgeschmolzenes Sedimentgestein, also alte Meeresablagerungen, noch beigemischt hatten. Vielleicht werden dazu unsere Gesteinsexperten noch etwas erläutern.  

Magmatisches Material der ersten Eruption


Sonntag, 27. November 2011

El Hierro Vulkan - erste Fundstücke

NEWS:


Soeben vom Gobierno de Canarias freigegebene Aufnahmen der heute Morgen vom Seenotkreuzer "Salvamento Maritimo" an der Eruptionsstelle vorgefundenen Lavabrocken. Über die Webcam ist die Größe des aufgeschwemmten Lavafeldes nicht einzuschätzen. Auch die an Bord gehieften Lavastücke scheinen größer als erwartet zu sein.

Dieser vergleichbare Lavabrocken aus meinem Fundus bringt es bei 25x25 cm auf 1800 gr.(soeben nachgewogen). Im ausgetrockneten Zustand würde er sicher noch weniger wiegen. Durch die vielen Poren und Kanäle besitzt Lava eine große Wasser- Speicherkapazität und kann sich wie ein Schwamm voll saugen.

El Hierro Vulkan - der Eldiscreto erwacht

NEWS:

12.07 Uhr  - neues Beben um 10.33 Uhr von 2,3 RSk. in nur 15 km Tiefe im Golfo
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11.36 Uhr - in Intervallen wird weiter Magmamaterial ausgeworfen. Aufnahme von der Webcam heute Morgen mit dem Seenotkreuzer bei der Entnahme von Gesteinsproben in gefährlicher Nähe. (Aufnahme von Heidi Danke)
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Auch am Sonntagmorgen stößt der Südvulkan "Eldiscreto" magmatisches Material aus, das als rauchende Lava an der Meeresoberfläche erscheint. Schön sind auf der Webcam (rechts) diese Vorgänge zu beobachten. Begonnen hat dieser neue Eruptionsprozess am Samstagnachmittag und sich über die Nacht bis jetzt fortgesetzt. Wir wissen, daß diese hoch geschwemmten Lavabrocken bis über einen Meter groß sein können. Von der Struktur enthält diese Lava sehr viele Hohlräume, die beim Austritt mit Gas gefüllt sind. An der Meeresoberfläche saugen sich diese Brocken mit Wasser voll und sinken wieder auf den Meeresgrund hinab. Vergleichbar mit dem bekannten Bimsstein.
Die Erdbeben sind von der Stärke und der Anzahl gering. Der kräftigste Erdstoß erfolgte heute Morgen um 5.48 Uhr mit 2,3 RSk. in 25 km Tiefe im Golfo. Der Tremor läuft in normalen Bahnen mit gelegentlichen starken Explosionen, wenn sich dem Magmafluss Hindernisse in den Weg stellen.
Der Vulkan lebt weiter und ist nicht am Erlöschen. Das Magma hat seinen Ausgang im Süden gefunden und türmt den Vulkankegel am Meeresgrund immer weiter in die Höhe auf. Wir wissen aus Vermessungen, daß die Spitze des Vulkanberges sich vor Tagen nur noch ca. 100 m unter der Wasseroberfläche befand.
Aufgrund der Steillage fließt jedoch die größte Lavamenge am Südhang der Vulkanwand hinab und befüllt ein dort vorhandenes Barranco (Tal) auf (siehe INVOLCAN Grafik). Wissenschaftler schätzen, daß sich im Moment bei dieser Ausstoßmenge der Vulkankegel täglich um 6 bis 8 m in die Höhe schraubt. Wann der kritische Punkt einer eruptiven Explosion, also eine Reaktion mit dem Meereswasser erreicht ist, hängt von der ausgestoßenen Magmamenge und der Höhe des Vulkanes ab.
Es ist also durchaus möglich, daß wir heute oder in den nächsten Tagen heftige Eruptionen erleben werden. Neue Forschungsergebnisse und Unterwasseraufnahmen des Forschungsschiff "Roman Margaleff wären natürlich jetzt zur Lageeinschätzung sehr hilfreich.

Ein Grafik Video der AVCAN zeigt den bisherigen Verlauf der Beben. Die Lage und Verteilung sowie die Tiefe der Erdstöße wurde bildlich sehr gut und verständlich umgesetzt.

 

Samstag, 26. November 2011

El Hierro Vulkan - Entwarnung?

NEWS: Vom Eldiscreto im Süden werden seit heute Nachmittag wieder qualmende Lavabrocken ausgestoßen.

Die vergangene Nacht war für El Hierro eine ruhige Nacht. Erstmals seit vielen Wochen bebte die Erde kaum. Innerhalb der letzten 24 Stunden gab es nur 5 erwähnenswerte kleinere Erdstöße (siehe IGN Grafik). Der Krisenstab (Pevolca) hat am Freitag Nachmittag gleich darauf reagiert. Alle evakuierten Bewohner durften zurück in ihre Häuser. Die im Golfo und Inselnorden gesperrten Straßen wurden für den Verkehr wieder frei gegeben. Das im Golfotal liegende Ecomuseum Guinea und das Lagartario (die Eidechsen Zuchtstation) werden geöffnet. Die Entscheidung zur kompletten Wiedereröffnung des Golfotunnels wurde an das Cabildo (Inselregierung) übertragen. Sie kann nun nach Absprache mit der Direktion für Infrastruktur selbst entscheiden wann und wie geöffnet wird. Gesperrt bleiben zwei Strände im Süden und die Zone um die Eruptionsgebiete.

Die Vulkanwarnstufen "Rot" für den Süden und "Gelb" für den Rest der Insel werden aufrecht erhalten. Im Grunde ein Widerspruch oder gibt es trotz aller Freude über das Abklingen der Vulkanaktivität noch berechtigte Gründe die Sorge bereiten könnten.

Grundsätzlich ist ein Vulkan unberechenbar. Auch nach scheinbaren Ruhephasen kann urplötzlich das Spektakel wieder losbrechen. Beispiele dafür gibt es genug. Wir wissen von den drastisch angestiegenen Gaskonzentrationen auf der ganzen Insel (siehe mein Beitrag vom 25.11.).
Auch der Tremor, also die gemessenen Werte für aufsteigende Magma, hat in den letzten Stunden wieder etwas zugenommen. Dieses Magma sucht sich einen Weg ins Freie. Der wissenschaftliche Ausschuß hält wohl im Moment einen erneuten Ausbruch für nicht wahrscheinlich, schließt aber diese Möglichkeit ausdrücklich nicht aus.

Was schließen wir daraus? - Eine Teilentwarnung "Ja" - Die Situation hat sich entschärft. Das Risiko eines Wiederaufleben des Vulkan bleibt aber bestehen. Warten wir einfach die nächsten Tage ab, dann lässt sich schlüssiger die weitere Entwicklung beurteilen.

Jetzt hoffen wir einfach zusammen mit den Herrenos, daß dieses Trauma sein Ende findet und das normale gewohnte ruhige Leben weiter geht. Auch wenn die vergangenen Wochen sicher Spuren hinterlassen haben.