Donnerstag, 29. September 2011

Das Vulkan Frühwarnsystem von El Hierro

Die Vorwarnung auf El Hierro, und nicht nur hier sondern auch auf den anderen Kanarischen Inseln, ist vorbildlich. Sitzen wir doch alle gemeinsam auf einem Vulkan.
Damit eine richtige und rechtzeitige Vorwarnung erfolgen kann, müssen entsprechende Messtellen eingerichtet sein. Sie alle erinnern sich sicher noch an den für viele überraschend kommenden Tsunamie in Indonesien mit seinen gravierenden Folgen. Hier möchte ich an meinem Bericht über die Messung mit Seismographen anschließen.

Die Insel El Hierro ist mit einem Netz von unterschiedlichsten Messgeräten bestückt. Jeder Punkt auf der Grafik zeigt eine Messtelle. Es sind Seismographen und GPS-Messpunkte.
Wenn Magma aufsteigt und sich im Inneren des Vulkans sammelt, schwillt er allmählich an. Die Oberfläche des Vulkans dehnt sich aus und es entstehen Erhebungen oder Ausdehnungen. Die Forscher können diese Veränderungen messen. Dazu verwenden sie das Satellitensystem GPS.

Die Abkürzung GPS steht für global positioning system, deutsch: globales Positionsbestimmungssystem. Es wurde in den 1980er-Jahren vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium zur weltweiten Positionsbestimmung und Zeitmessung entwickelt. Jeder kennt Navigationsgeräte, Mobilfunknetze oder LKW-Maut – ohne diese moderne Satellitentechnik funktioniert heute kaum noch etwas.

Seine Grundlage bildet ein System aus Satelliten, die die Erde in einer Höhe von circa 20.000 Kilometern umkreisen. Von jedem Punkt unseres Planeten und zu jedem beliebigen Zeitpunkt sind die Signale von mindestens vier GPS-Satelliten zu empfangen. Jeder Satellit strahlt charakteristische Funksignale ab, die auch ein äußerst genaues Zeitsignal enthalten. Der Empfänger auf der Erde vergleicht die Signale der Satelliten und berechnet daraus seine Position auf der Erdoberfläche. Veränderungen in den Werten sagen den Wissenschaftlern, ob sich ein Vulkan hebt und aufwölbt.

Auf dem Foto haben wir eine solche Station von El Hierro. Unauffällige Erdbunker die autark, mit eigener Solar- Energieversorgung, diese Messungen vornehmen. Die Daten werden an eine zentrale Stelle des Instituto Geografico National weitergeleitet und dort ausgewertet.
Diese Stationen haben nun gemeldet, daß sich der Boden unter El Hierro auswölbt - und zwar bisher um 35 mm. Noch wenig, aber eine Blasenbildung ist schon vorhanden. Bei anderen Vulkanen können diese Erhebungen 2-3 m ausmachen. Ein undrückliches Zeichen, daß der Magmadruck im Untergrund anwächst und ein Platzen der Erdkruste, also ein Vulkanausbruch, bevorsteht.

Diese Daten werden weltweit gesammelt und im GEOFON Global Seismic Monitor  automatisch dargestellt. Hier taucht auch El Hierro auf.


Nun gibt es noch eine dritte Methode Vulkanausbrüche vorzeitig zu erkennen - das ist die Messung der Gaszusammensetzung mit dem Gasspektrometer. Dazu in den nächsten Tagen mehr. 






El Hierro: Die Katastrophen Vorbereitung läuft an

Die Erdbebenaktivität hält weiter unvermindert an. Gestern gab es 147 Erdstöße, davon über 100 mit einer Magnidute von über 2,0. Das stärkste Beben ereignete sich heute Nacht um 0.35 Uhr mit 3,5 auf der Richterskala.
Wie der Generaldirektor de Seguridad y Emergencias ( für Sicherheit u. Notfälle) Juan Manuel Santana gestern mitteilte, war an die Evakuierung von 300 Personen in Erdrutsch und Steinschlag gefährdeten Gebieten gedacht worden. Es sind Häuser die sich direkt unterhalb der Abbruchkante des El Golfokraters befinden. Betroffen sind Familien in Las Puntas, Guinea, Frontera, Sabinosa und dem am Meer liegenden Pozo de la Salud.
Tatsächlich evakuiert wurden aber nach nochmaliger Überprüfung nur 57 Personen, die meist bei Verwandten an sicheren Orten unterkamen. 15 Evakuierte wurden in einer Schule in Valverde untergebracht.

Geschlossen wurden auch alle Schulen in den gefährdeten Gebieten.

Nicht mehr befahrbar ist der neue und über 2 km lange Tunnel Roquillos zwischen Mocanal und Frontera. Hier gab es einige kleinere Erdrutsche. Aus Sicherheitsgründen bleibt er bis auf weiteres gesperrt. Der Verkehr fließt nun wieder über die alte Bergstrecke.

Die Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung laufen auf Hochtouren. Der mobile Kommandobus mit modernsten Kommunikationseinrichtungen ausgestattet, der normal auf Teneriffa stationiert ist, wurde nach El Hierro gebracht. Auch zusätzliche Krankenwagen und ein mobiles Krankenhaus, sowie geländegängige Transportfahrzeuge kamen gestern mit der Fähre an.

Der Kommandeur der von Festlandspanien nach El Hierro verlegten Spezialeinheit für Katastrophenfälle versicherte gestern auch, daß kurzfristig weiterer Nachschub wie Material, Fahrzeuge, Flugzeuge oder Hubschrauber auf die Insel gebracht werden kann. Aus eigener Erfahrung weis ich, daß diese Einheit die bereits vor 2 Jahren bei unserem großen Waldbrand auf La Palma im Einsatz war, sehr effektiv ist und einiges auf die Beine stellen kann.

Der kanarische Präsident Paulino Rivero versicherte, daß alles zum Schutze der Bevölkerung getan werde. Man habe jetzt noch genügend Zeit sich intensiv auf den evtl. Ernstfall vorzubereiten. Eine direkte Bedrohung bestehe im Moment aber nicht.

Die Behörden sind natürlich bestrebt, alles herunter zu spielen und die Bevölkerung zu beruhigen. Nach 8 deutlich gefühlten Erdstößen alleine am Mittwoch, wird es doch vielen Herrenos so langsam unheimlich. Wie würden Sie sich fühlen in dem Wissen, auf einem brodelnden Vulkan festzusitzen. An einen normal geregelten Tagesablauf ist hier nicht mehr zu denken.
Wie mir gestern auch eine Bekannte aus Frontera erzählte, sitzt sie bereits auf gepackten Koffern, jederzeit bereit alles aufzugeben und schnellstens die Insel zu verlassen. Unterschlupf würde sie bei Verwandten auf Teneriffa finden. Das ist momentan die Stimmung und Ungewissheit von vielen Menschen auf der Insel.
Auch haben mich eine Reihe von Gäste Anfragen erreicht, die in den nächsten Wochen einen El Hierro Urlaub gebucht haben.

Mein Rat dazu: Wenn Sie kein Vulkanologe oder Wissenschaftler sind, der natürlich einen Vulkanausbruch als das "Highlight" betrachtet, versuchen Sie den Urlaub zu verschieben. Sie müssen sich nicht unbedingt absehbaren Gefahren aussetzen. Der Flugverkehr könnte wegen einer Aschewolke eingestellt werden und die Fähren müssen wichtigere Dinge als Gäste transportieren und sind vielleicht ausgebucht. Auch behördliche Maßnahmen könnten das Reisen einschränken.
Sicher treffen Sie auch auf keinen ruhigen und ausgeglichenen Herreno und Sie wollten sich doch erholen.

Warten Sie einfach ab und verschieben Sie ihren El Hierro Aufenthalt auf ruhigere Zeiten oder planen Sie als Alternative eine Nachbarinsel ein, wie z. B. mein La Palma - auch eine sehr schöne Insel.



Mittwoch, 28. September 2011

Auf El Hierro wird es langsam ungemütlich

Die Anzahl und Stärke der Beben unter El Hierro hat seit gestern kräftig zugenommen. Der stärkste Erdstoß erfolgte gestern mit 3,8 auf der Richterskala. Aber auch heute morgen um 5.00 Uhr erreichte ein Beben die Stärke 3,3.

Auch um 7.00 Uhr heute Morgen (das ist die schwarze Linie oben) gab es starke Ausschläge. Die Stärke ist mir noch nicht bekannt.

Auf dieser Grafik gibt die dunkle Linie die Gesamterdstöße vom 27.9. mit 268 an. Die rote Linie kennzeichnet Beben mit mehr als 2,0 Stärke. Gut zu erkennen ist , daß die Magnituden (rot)  gegenüber dem Vortag stark zugenommen haben. Nach der Richterskala bedeutet die Zunahme von z.B. 2,0 auf 3,0 eine Verstärkung um den Faktor 10 und eine Erhöhung der Energie auf etwa das 30fache.
Das ist auch gut auf der Energiekurve zu erkennen, die die inzwischen angespeicherte Energie, also den Druckanstieg, zeigt. Sie steigt fast senkrecht in die Höhe.




Das Zentrum der Erdstöße hat sich in den vergangenen Tagen auf die Südseite der Insel verlagert. Es liegt nun etwas vor der Küste im Atlantik. Wie ich aber bereits geschrieben habe, hat dies bei einem evtl. Vulkanausbruch nichts zu bedeuten. Die Magmakammer liegt unter der Insel und reicht über den Golfokrater auf der Nordwestseite hinaus. Wo sich das Magma seinen Weg nach oben sucht, wird man schlieslich erst wenige Tage, wenn überhaupt, bestimmen können. Das Magma steigt auf und ist bereits bis auf 4km an die Erdoberfläche heran gekommen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Aktivitäten erlahmen und kommen zum Stillstand oder der Vulkan bricht aus. Dann aber hoffentlich vor der Küste im Meer und wir können die Entstehung einer neuen Insel beobachten. Also abwarten und Tee trinken.

Inzwischen wurden mehr als 50 Bewohner der Ortschaft Frontera evakuiert, weil infolge der Erdstöße der Absturz von Felsbrocken droht. Auch das spanische Militär schickte eine Spezialeinheit auf die Insel.
Wie das Madrider Verteidigungsministerium am Mittwoch mitteilte, sollen die Soldaten bei weiteren Evakuierungsaktionen helfen, falls diese notwendig würden.

Dienstag, 27. September 2011

Wie werden die Erdbeben auf El Hierro gemessen ?

Jeder Vulkanausbruch kündigt sich zunächst einmal an. Meist sind es Erdbeben, die aus den unterirdischen Magmakammern kommen. Diese Kammern liegen unter El Hierro in einer Tiefe von 9 - 15 km.
Beim Aufsteigen der heißen Dämpfe und der flüssigen Magma werden Steine und Felsplatten beiseite geschoben oder gesprengt. Die Magma muß sich unter dem enormen Druck Platz verschaffen. Dies sind die momentan messbaren Erdstösse, die auch sogenannte Schwarmbeben, also viele kleine Beben, auslösen.
Mit einem Seismographen lassen sich selbst kleinste Beben registrieren, messen, lokalisieren und aufzeigen.


Jeder kennt diese Zitterlinien, die die Stärke, die Zeit und die Dauer eines Erdbeben aufzeigen. Mit den modernen Breitbandseismometer lassen sich in einem weiten Frequenzbereich Erschütterungen, die ein Mensch nicht wahrnehmen kann, aufspüren.

Den Tieren sagt man ja nach, daß sie Veränderungen und Bewegungungen früher empfinden und mit Unruhe darauf reagieren. Vielleicht sollte man die nächste Zeit verstärkt auf seine Haustiere oder die Ziegen im Vorgarten achten.
Die seismische Bebengrafik oben, stammt übrigens von heute Vormittag, aufgezeichnet auf der Hochebene von El Hierro.

Es gibt noch ein weiteres Anzeichen für einen Vulkanausbruch. Wenn Magma aufsteigt und sich im Inneren des Vulkans sammelt, schwillt er allmählich an. Die Oberfläche des Vulkans dehnt sich und es entstehen Risse. Die Forscher können diese Veränderungen messen. Dazu verwenden die Wissenschaftler das Satellitensystem GPS.
Dazu werde ich die nächsten Tage noch etwas schreiben. 

Montag, 26. September 2011

Trotz Druckanstieg kein explosiver Vulkan

Bisher gab es heute 119 Erdstöße mit bis zu 2,5 Magnituden auf der Richter Skala. Alle Beben entstanden in einer Tiefe von 10 - 14 km. Nur um 8.05 Uhr wurde ein schwaches Beben von 1,10 Mag. in 6 km Tiefe gemessen. Das könnte darauf hin deuten, daß sich Magmakanäle einen Weg an die Oberfläche suchen.

Im Innern hat sich inzwischen ein Überdruck aufgebaut, der mit jedem Tag weiter anwächst. Vergleichbar mit einem Druckkochtopf der bei Überdruck die heiße Luft über das Ventil ab bläst. Nach der Grafik ist der Druckanstieg, der sich rechnerisch ermitteln lässt, in den letzten Tagen kräftig angestiegen.
Diese Kurve gibt den angespeicherten Energiewert in der Magmakammer wieder. Falls die Kurve weiter in die Höhe schnellt, wird nach Adam Riese irgendwann eine Entladung stattfinden. Das Ganze nennt man dann -Vulkanausbruch.
Ein Vulkanologe könnte dazu sicher mehr sagen.

Aus der Geschichte wissen wir allerdings, daß es auf den Kanaren noch nie einen explosiven Vulkanausbruch gegeben hat. Dafür ist einfach der Deckel - also das Gestein über der Magmakammer,  zu perös und durchlässig. Darüber sind sich alle Wissenschaftler einig. Selbst der letzte Vulkanausbruch, des Vulkan Teneguia bei mir vor der Haustüre auf La Palma, verlief 1971 weitgehend friedlich.