Dienstag, 8. Mai 2012

El Hierro - das "Perpetuum Mobile" im Detail

NEWS:

Einfach nur schön. Tauchaufnahmen zwischen den Basaltsäulen vor Teneriffa. Wer weiß was sich im Atlantik um die Kanaren noch so alles Geheimnisvolles verbirgt. Mit den technischen Möglichkeiten eines Taucher(in) lassen sich nur Küstenbereiche mit geringer Tiefe erkunden. U-Boote oder Unterwasser-Roboter wurden bisher kaum eingesetzt. Bei Meerestiefen bis zu 3500 m Tiefe zwischen den Inseln schlummern sicher noch so manche Überraschungen und Schätze. Unentdecktes direkt vor der Haustüre. Lassen Sie sich vom Video La Rapadura von juanraya 2023 faszinieren.

Regeneratives Energieprojekt
Nachdem ich gestern das Prinzip der Energiege- winnung erklärt habe, heute zu den Details. Das Modell der Turbinenanlage (Bilder Garona del Viento), eingebettet in ein Fels-Barranco, soll die Stromversorgung bei Windflaute sicher stellen. Ausgerüstet mit 3 Turbinen von je 3,3 MW Leistung wird es die Schwerkraft des Wassers in Strom umwandeln. Über eine ca. 3 km lange Druckleitung mit einem Höhengefälle von 683 m schießt das Wasser durch ein 80 cm dickes Rohr in die Turbine. So hofft man über Monate hinweg Strom erzeugen zu können.
Das obere Hauptbecken mit einem Fassungsvermögen von 500.000 m² Wasser dient als Speicher. Hier wird entsalztes Meerwasser über die Entsalzungsanlage vom Strand hinauf gepumpt. Das Speicherbecken wird in einem alten Vulkankrater errichtet, damit es auch im befüllten Zustand dem Druck standhält.


Das untere Auffangbecken mit einem Fassungsvermögen von 225.000 m³ nimmt das durch die Turbine geleitete Wasser wieder auf, bevor es wieder hinauf in das Hauptbecken gepumpt wird. So entsteht ein Wasser-Kreislauf dem nur noch wenig frisch entsalztes Meerwasser, das verdunstet oder verloren gegangen ist, beigefügt werden muß. Auch kann später aus den Becken bei Bedarf Trinkwasser abgezapft werden.
Das Herzstück und der eigentliche Energielieferant sind die 5 Windräder, die in geeigneter windsicherer Lage errichtet werden. Mit je knapp 2 MW Leistung erzeugen sie so 9,9 MW Leistung. Diese Energiemenge reicht nach Berechnungen auch für die zukünftigen Jahre für die Insel aus. Der jährliche Stromverbrauch liegt zur Zeit bei 37 GW und soll bis zum Jahre 2015 auf 48 GW ansteigen. Bei höherem Bedarf kann die Windkraftanlage jederzeit erweitert werden. Ideale Windbedingungen herrschen in den Monaten März bis September. In den Wintermonaten kann diese Windenergie nur bedingt genutzt werden, da oft Starkwinde herrschen und die Anlage sicher öfter abgeschaltet werden muss. Dafür ist dann das Staubecken als Energielieferant vorgesehen.
Wie weit nun die Bauarbeiten an diesem Projekt bereits voran geschritten sind und welche Probleme sich dabei ergeben können, will ich in den nächsten Tagen erläutern.

Kommentare:

  1. Jürgen Pritzel8. Mai 2012 um 14:20

    Hallo, eine kleine Korrektur vorab: vermutlich fehlt bei den Zahlen oben jeweils ein "h", denn GW sind eine Leistung und erst die GWh wären eine Energiemenge.
    Was ich überhaupt nicht verstehe ist die unterschiedliche Beckengrösse. Es kann nur so viel runtergelassen werden, bis das untere Becken voll ist. Oder nur so viel hoch gepumpt werden, bis das untere leer ist. Normalerweise sind die Beckeninhalte identisch.
    Mit dem unteren Beckeninhalt und der Höhe ergibt sich eine Energiemenge von knapp 420 MWh (oder 0,4 GWh). Das sind immerhin 40 Vollaststunden dieser Windräder. Aber wenn pro Jahr 37'000 MWh verbraucht werden sind das gemittelt ca. 100 MWh pro Tag. Nach 4 Tagen Flaute wäre die Anlage "leer" (sogar schneller, wenn das Oberbecken am Anfang nicht voll ist). Deshalb wäre Photovoltaik hier die ideale Ergänzung als Ersatzenergie, wenn mal kein Wind weht. Man könnte sogar daran denken, 2 schwimmende Anlagen auf den Becken zu bauen, um den Flächenverbrauch zu reduzieren. Aber Fläche hat's vermutlich genügend.

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  2. Hallo Jürgen,
    mit GW/h ist natürlich richtig. Zur unterschiedlichen Beckengröße ist geplant, daß aus dem oberen größeren Becken im Bedarfsfalle auch Trinkwasser entnommen werden kann. Die Inhalts- und Leistungsangaben sind nur ungefähre Werte. Selbst die Betreiberfirma nennt von Monat zu Monat unterschiedliche Zahlen. Eine Photovoltaik Anlage ist nicht geplant und wahrscheinlich wegen der Ost- und Höhenlage nicht zweckmässig. Es ist ein Modell- und Versuchsprojekt. Nach der Innbetriebnahme wird man sehen wo es noch hakt.
    Gruß
    Manfred

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    1. Moin Manfred

      Das gibt es schon seit fast 60 Jahren bei mir um der Ecke, gut die nutzen nur überschüssig produzierten Strom der Nachts verschenkt wird auf der Strombörse seit Jahrzehnten um Spitzenlasten hochpreisig zu verkaufen. Aber bei der Technik ist es eigentlich egal woher der Pumpstrom kommt, ob nun Wind, Solar oder AKW ist da egal. In der Kombi auf El Hierro ist das in der Tat erstmalig, aber als Versuch würde ich das nicht bezeichnen. Windkraft ist ein alter Hut und man kann auf Standortanalysen zurück greifen und bei Pumpspeicherwerken hat man ebefalls jahrzehntelange Erfahrungen. Also von der Technik kann man da nicht von einem Modell- und Versuchsprojekt sprechen, eher von der Lage des Speichersee´s in einem erloschenen jungen Vulkanschlot auf einer vulkanisch aktiven Region. Wobei das Wort "jungen" geologisch gemeint ist. Im Gegensatz zum Diskreten liegt das Objekt nicht ein paar hundert Meter unter Wasser und somit unter Druck.

      Wenn es da Risse Richtung Magmakammer/kanal gibt macht es bei eindringenden Wasser "BUMS", deshalb mein Umwelteinwurf. Genau den Bums auf den so mancher gewartet hat, wozu ich mich nicht zähle, beim Diskreten. Das das Projekt nimmer zu stoppen ist ist mir auch klar, dafür wurden schon zu viele Gelder ins Projekt gesteckt. Eventuell könnte man das aber gerade mit Betracht auf den letzten 10-11 Monaten anders angehen. Immerhin hat der Diskrete und El Hierro gezeigt auf welcher Energiequelle die Kanaren ruhen. Geothermie und die kennt nicht wie Wind Flauten, ein Pumpspeicherwerk ist flüssiger wie die Schwiegermutter und das Risiko ist raus. Die Inseln mit Photovoltaik zuzupflastern find ich auch nicht den Burner und bei der Erdwärme haben die Inseln nicht wie in Deutschland mit Anhydrit zu kämpfen.

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    2. Sorry Link vergessen zum Pumpspeicherwerk Vianden:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Pumpspeicherwerk_Vianden

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