Sonntag, 24. März 2013

Vulkan - ein lebhafter Samstag

NEWS:
19.06 Uhr - das Forschungsschiff Ramon Margalef entdeckt am Eldiscreto I im Süden eine aktive Stelle mit vermutlichem Gasaustritt. Näheres wird noch untersucht.

17.09 Uhr - die Beben nehmen wieder zu. Um 16.51 Uhr ein ML3,5  Erdstoß in 16 km Tiefe - und die IGN wird immer schneller. In 18 Minuten schon das Ergebnis.
Und noch ein kräftiger Nachschlag um 16.57 Uhr mit ML3,6 in 20 km Tiefe. (das hat jetzt aber auch 60 Minuten gedauert).

17.00 Uhr - und was macht die Ramon Margalef. Sie führt heute Untersuchungen an der alten Eldiscreto Eruptionsstelle durch. Carlos war so nett und hat den Routenverlauf aufgezeichnet (zum Vergrößern anklicken). Im Westen gibt es noch nichts zu beobachten. Die Beben sind noch zu tief.

16.13 Uhr - Ein ML3,1 Beben um 14.53 Uhr in 16 km Tiefe im Westen.

13.20 Uhr - manches bewirkt eben Wunder. Um 11.00 Uhr ist jetzt erstmals auch die Inselzeitung Diario El Hierro auf die Beben eingegangen. "629 Erdbeben in einer Woche" so die Überschrift. Alles sei aber völlig normal und es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung.
Natürlich besteht im Moment keine Gefahr für die Bevölkerung - aber völlig NORMAL ist dieser Bebenschwarm selbst für den hartgesottenen und schon einiges gewohnten Herreno auch wieder nicht. Es ist und bleibt ein relativ seltenes Naturereignis mit aller Angst und vielleicht einem späteren Glück. Genauso hätte es eine andere Insel treffen können, jetzt ist es aber auf El Hierro der Fall .. und das interessiert halt viele Menschen (gestern hier im Blog allein fast 7000 Seitenaufrufe).

12.53 Uhr - die Beben halten unvermindert an. Die Tiefe liegt jetzt wieder zwischen 15 und 17 km. Die örtliche Lage ist wie gehabt.
9.52 Uhr - ein ML2,6 Beben um 8.52 Uhr in nur 3 km Tiefe vor der Westküste und um 9.40 Uhr einen ML3,2 Erdstoß in 15 km Tiefe.

Nach einem turbulenten Tag gestern, wollen wir zunächst einmal Bilanz ziehen. Das Epizentrum ist leicht nach Westen und Süden gewandert. Es liegt jetzt ca. 5 km vor der Westküste von El Hierro. Registriert wurden 170 Beben und davon 15 Erdstöße über ML3,0. Das stärkste Beben brachte es auf ML3,5. Die Ausgangstiefe hat sich nur unwesentlich geändert und liegt im Bereich von 12 bis 16 Kilometer. Einige ML3,0 Beben im 12 km Bereich dürften den am weitesten zur Erdoberfläche voran gekommenen Sektor - die Decke der Magmakammer - kennzeichnen.


Schauen wir auf die Tiefengrafik der Beben links. Der braune Bereich im Westen ist der neue Bebenschwall und mit dem Magmabereich gleich zusetzen. An der westlichsten Ecke ist die Magma am weitesten aufgestiegen (12 km). Hier scheinen aber harte Gesteinsschichten den Weiteraufstieg zu erschweren. Es ist nun vorstellbar, daß sie sich Richtung Zentrum der Kammer - Richtung Tanganasoga - horizontal vorarbeitet. Der Dom reicht bei Sabinosa bis 5 km unter die Inseloberfläche.

Der Druck im Innern der Kammer muß immens sein. In den letzten Tagen wurden GPS-Verformungswerte bis zu 4 cm vertikal an den Weststationen und im Golfo gemessen. Diese Daten sind nie aktuell und stammen von den Vortagen. Ein weiteres Ansteigen der Inseloberfläche ist zu erwarten.

Seit gestern ist die Ramon Margaleff mit einer Gruppe von Wissenschaftlern wieder vor der Küste (Danke an Carlos) in Aktion. Es ist ein seit langem geplanter Forschungseinsatz, der aber sicher aufgrund der aktuellen Ereignisse modifiziert wird. Mit ihren technischen Möglichkeiten kann das Forschungsschiff auch im Westen den Meeresgrund (dort über 1000 m tief) absuchen und evtl. Veränderungen aufspüren. Nicht, daß wieder eine Eruption wie im Sommer 2012 übersehen wird.


Merkwürdig ist nach wie vor die Informationspolitik der Insel und des Gobierno de Canarias. Keine offizielle Verlautbarung und auch keine Silbe in den örtlichen Medien. Inzwischen dürften allerdings die Erschütterungen bis ins letzte Haus gespürt worden sein.
Eine offene Informationspolitik hatte man sich 2011 für die Zukunft vorgenommen. Mich erinnert das jetzt aber mehr an ein Schweigegelübte. Für wen oder welchen Zweck das gut sein soll, bleibt dahin gestellt.
 
... und unvermindert geht es heute weiter. Bereits über 50 Beben bis ML3,0 in den vergangenen Stunden. Alles erinnert an den Vulkanauftakt im Herbst 2011. Damals lagen die Beben etwas weiter nördlich unter dem Golfobecken. Warten wir also ab und beobachten das Wirken der Natur weiter.  
 

Samstag, 23. März 2013

Vulkan - keine ruhige Nacht

NEWS:
19.48 Uhr - je mehr ich mir den heutigen Bebenverlauf betrachte, treten immer im 4 Stundenrhythmus verstärkte Bebenaktivitäten auf. Die Zwischenzeit dient der Regeneration. Immer waren bisher die roten Linien betroffen. Danach dürfte der nächste Schwall gegen 22.00 Uhr eintreffen.

19.12 Uhr - und noch ein von der IGN nachgetragenes Beben um 18.00 Uhr von ML3,4 in 12 km. Tiefe
18.46 Uhr - drei Beben zwischen 17.52 u. 18.01 Uhr mit ML3,1 - 3,0 - 3,0 in 12 bzw. 13 km Tiefe.

14.50 Uhr - das Beben von 14.09 Uhr hatte ML3,5 und kam aus 15 km Tiefe. Die Geologen kommen mit der Auswertung anscheinend nicht mehr hinterher und haben die Zeit von 13.00 bis 14.00 Uhr übersprungen. Vielleicht werden die Daten noch nachgereicht.
Auch die GPS-Verformungswerte steigen stark an. Die Station HI05 (Leuchtturm im Westen) zeigt jetzt ein vertikale Erhöhung von gut 4 cm (insgesamt dann 16 cm) an.
14.07 Uhr - die Folgebeben waren ML3,1 und 2,8. Für Alle die nicht an die aktuelle Grafik kommen.

11.59 Uhr - ein kräftiger Wuscher mit ML3,4  um 11.05 Uhr aus 16 km Tiefe. Der nachfolgende Tremor ist genau dieser "Spasmodische Tremor". Zwei in der Statistik noch nicht aufgeführte Beben in etwa der gleichen Stärke dürften folgen.

 




Um Mitternacht, genau um 0.01 Uhr, erfolgte ein kräftiger Erdstoß von ML3,5 Er kam aus 15 km Tiefe. Auch um 0.23 Uhr und um 5.19 Uhr jeweils ein ML3,0 Beben aus 16 km Tiefe. Oben ist der aktuelle Seismik Verlauf der vergangenen Stunden zu sehen. Ein beständiger Grundtremor, unterbrochen durch einen stärkeren Spasmodischen Tremor (rot) und viele kleinere Beben. Das Zentrum liegt stabil vor der nördlichen Westküste (Grafik links rot). Die Tiefe hat sich etwas verändert und liegt jetzt zwischen 13 und 17 km Tiefe. Die Magma dürfte sich gestern um ca. 2 Kilometer in die Höhe gearbeitet haben. Liegt aber immer noch tief genug, so daß zumindest  in den nächsten Stunden mit keiner Aktivität an der Erdoberfläche zu rechnen ist.


So sehen die Seismologen im Zeitraffer den Frequenzverlauf (Hz) der gestrigen Beben. Insgesamt wurden von der IGN 91 Beben registriert, davon die Mehrzahl mit 83 Erdstößen von mehr als ML2,0. Viele kleine Beben werden oder können von der IGN nicht erfasst werden. Auch heute bringen wir es bereits auf über 30 Erdstöße. Die Skala muß man allerdings nun nach oben erweitern - davon 3 Beben mit ML3,0 und mehr. Was ist für heute zu erwarten? Wenn die Aktivität so weiter anhält, dürfte es verstärkt Beben über ML3,0 geben. Auch könnten sich die Magmaspitzen weiter nach oben voran schmelzen, so daß die Beben bis zum Abend im 11 km Bereich liegen dürften.
Es wäre jetzt auch einmal an der Zeit aus behördlichem Munde eine Stellungnahme zu hören. Aber hier scheint man keine Notwendigkeit zu sehen und zudem ist Wochenende.




Interessant ist auch die Formation aller vergangenen Bebenzentren. Seit 2011 haben sich sternförmig die registrierten Beben angeordnet. Die jüngste Aktivität ist links oben braun/rot zu erkennen. Den Mittelpunkt bildet der alte Vulkanberg Tanganasoga in der Steilwand des Golfotales. Er ist der Dreh- und Angelpunkt aller magmatischen Bewegungen der vergangenen Jahre. Jetzt würde nur noch um beim Sternbild zu bleiben, der nördliche Golfo in dem Gesamtbild fehlen. Das hoffen wir natürlich nicht.
 
Daß bei all den Aktivitäten auch die Magma seitlich austreten kann, haben wir 2011 bei der Eruption des Eldiscreto im Süden oder im Sommer 2012 an der Westspitze erlebt. Magma und Druck suchen sich einfach den leichtesten Weg und der scheint nicht um den Tanganasoga zu liegen.

Freitag, 22. März 2013

Vulkan - Beben der Stärke ML3,8

NEWS:
18.10 Uhr - die letzten Erdstöße von bis zu ML2,7 liegen nun wieder im 15 bis 17 km Tiefenbereich. Wie die Involcan mitteilte, werden bereits seit Tagen an der Station HI07 (das ist bei El Pinar) erhöhte CO² Werte gemessen.
Avcan geht davon aus, daß es sich beim immer wieder auflebenden Tremor um eine Sonderform, den "Spasmodischen Tremor" handelt. Diese Tremorart kennt man aus Hawaii und von einigen anderen Vulkanen. Der Zyklus wird dabei im Verlauf immer wieder unterbrochen.

15.25 Uhr - die beiden letzten Beben von ML2,6 um 13.44 Uhr und ML2,5 um 13.58 Uhr kamen nun bereits aus 13 km Tiefe. Es bleibt jetzt einmal abzuwarten, ob sich diese Anzeichen verstärken und fortsetzen.

13.12 Uhr - Der aktuelle Seismik-Verlauf.

11.50 Uhr - es sind jetzt auch Beben dabei die lange anhalten. Um 10.58 Uhr ein ML2,5 Erdstoß von über 1 Minute Dauer.
10.48 Uhr - die Beben halten weiter an und haben sich sogar in den letzten Minuten noch etwas verstärkt. Die Ausgangstiefe bleibt bei 16 km. In den nächsten Tagen wird das Forschungsschiff Roman Margaleff (zur Zeit Gran Canaria) das planmässig nach El Hierro kommen sollte, sich den Westteil der Insel sicher von der Seeseite genauer anschauen.



Um 22.52 Uhr in der Nacht ein ML3,8 Beben. Das war der bisher heftigste Erdstoß in dieser neuen Aktivitätsphase. Er wurde von vielen Anwohnern gespürt. Das Epizentrum lag an der Westspitze (IGN Karte rote Punkte) und kam aus 15 km Tiefe. Insgesamt hatten wir gestern 115 Beben.


Und so geht es auch heute Morgen weiter. Bisher rund 40 Erdstöße. Das Tiefenzentrum liegt weiter zwischen 15 und 17 km Tiefe. Solange die Erdstöße in dieser Tiefe verharren, dürfte keine Gefahr einer Eruption bestehen. Aber der Druck und in Folge das Magma sucht nach einem Weg zur Druckentlastung. Zur Zeit scheint es sich nur horizontal auszubreiten. Wichtig sind in den nächsten Stunden oder auch Tagen die Tiefenangaben. Es gab in den vergangenen Tagen wohl auch schon Beben in flachen Zonen (2 km Tiefe). Dies dürften aber Verspannungsbeben durch die Oberflächenverformung der Insel gewesen sein.


Die Oberflächenverformung hat wie zu erwarten weiter zugenommen. Links sind nur zwei GPS Messpunkte vom Golfo dargestellt. Sprunghaft sind die Werte in die Höhe geschnellt. Die Ausgangsbasis lag bisher schon bei einigen Stellen bei 12 cm über Normalwert (aus der Grafik nicht zu erkennen). Die Verformung dürfte weiter zunehmen. Wenn mehr Daten dazu vorliegen, werde ich - da es wichtige Indikatoren sind - näher darauf eingehen.

So sieht es im Moment bei den Aufzeichnungen des Seismografen aus. Unzählige Beben in nur kurzen Abständen, zwischen ML2,0 und ML2,7. Die zeitweise stärkeren Zitterbewegungen (z.B. der dickere rote und blaue Balken) deuten auf ein Vordringen der Magma hin - auch Tremor genannt.

Donnerstag, 21. März 2013

Vulkan - der Tremor lebt wieder auf

NEWS:
13.29 Uhr - Die Beben halten an. Heute bereits mehr als 77 Erdstöße. Der Tremor ist fast ganz zurück gegangen. Die Tiefe liegt im Bereich von 13 bis 18 km und die Epilage weiter um die Westspitze.

Seit 3.30 Uhr in der Nacht hat der Tremor wieder eingesetzt.  Allein zwischen 4.38 Uhr und 5.24 Uhr gab es 14 Beben bis ML2,6.
Es war nur eine kurze Stille bis der Vulkan wieder erwacht ist. Es fällt auf, daß sich das Tiefenzentrum jetzt verringert hat. Lag es in den vergangenen Tagen bei 17 km, erfolgten heute auch Erdstöße aus 12 km Tiefe. Die Magma dürfte weiter aufsteigen.


Das Epizentrum liegt wie gehabt vor der Westspitze von El Hierro. Dort wo im Juni/Juli 2013 die zunächst "unentdeckte" Eruption mit heute drei Unterwasser- Vulkankegel liegt. Zur besseren Einordnung werde ich diese Eruptionsstelle in Zukunft als Eldiscreto II beszeichnen.
Bei aller Aktivität bitte nicht vergessen für den Eldiscreto zu Voten. Im NASA Satelliten-Wettbewerb haben wir es jetzt bereits unter die letzten 8 Aufnahmen geschafft. Es wäre natürlich für El Hierro toll, als Foto des Jahres 2012 gekürt zu werden.
Hier geht es zur NASA-Tournament.

Mittwoch, 20. März 2013

Vulkan - Beruhigung der Lage

NEWS:
16.02 Uhr - auch heute Nachmittag immer wieder einzelne Beben bis ML2,2 am Westzipfel in 18 km Tiefe.

Genauso schnell wie der Bebenschwall kam, ist er auch wieder verschwunden. Auf der IGN Aufzeichnung (oben) ist die nachlassende Bebentätigkeit seit gestern Nachmittag zu erkennen. Es waren 24 Stunden mit mehr als 240 Beben (Grafik links) - viele Kleinbeben konnten überhaupt nicht gezählt werden. Auf der Insel selbst wurden nur die wenigsten Erdstöße ( ab ML3,0) verspürt. Es darf aber nicht darüber hinweg täuschen, daß im Untergrund doch einiges in Bewegung war und ist. Neue aufsteigende Magma dürfte die Magmahauptkammer weiter aufgefüllt haben. Wie werden in den nächsten Tagen sehen wie sich die Bodenverformung vor allem  am Westzipfel weiter verändert hat. Seit der letzten großen Aktivität im Juni/Juli 2012 verzeichnen wir eine relativ konstante vertikale Verformung von ca. 12 cm. Die heute vorliegenden GPS Messdaten sind nicht aktuell. Ich denke in einer Woche wissen wir dazu mehr.

Auch heute bereits 17 Beben bis ML2,4. Die Lage der Erdstöße liegt an der nördlichen Westspitze (rot) und hat hat sich nicht wie erwartet nach Süden verändert. Die Ausgangstiefe liegt bei 15 bis 17 km. Es war nun ein weiterer Schub der die Spannung im Untergrund sicher weiter verstärkt hat. Von einer Normalität oder gar einem Abklingen der Vulkanaktivität kann im Augenblick sicher nicht gesprochen werden. Es ist nur zu menschlich, daß eine potentielle Gefahr erst dann richtig wahrgenommen wird, wenn die ersten Ziegel vom Dach fallen. Auf einer gestern in La Frontera durchgeführten Informationsveranstaltung der Involcan zur Lage und den Schutz- und Vorsorgemaßnahmen bei einer Vulkaneruption kamen nur ganze 6 Besucher.
 
Es zeigt doch das mangelnde Interesse der Bevölkerung oder die Hoffnung und das Wunschdenken, daß der Kelch bald ohne großen Schaden vorüber zieht. Die Hoffnung bleibt, aber die Naturgewalt hat seine eigenen Regeln - und die kann der Mensch nicht beeinflussen.
 
Einen wirklichen Schutz gegen Vulkane oder Erdbeben gibt es nicht. Aber das Erkennen, Anzeichen deuten und Informationen richtig einordnen und so rechtzeitig für sich die notwendigen Maßnahmen  ergreifen, können hier sicher vermittelt werden.
 
 
Auch heute und am Donnerstagabend finden um 19.00 Uhr im Ayuntamiento La Frontera um 19.00 Uhr Folgeveranstaltungen statt. Also hingehen und informieren.
 
Beobachten wir heute einfach die Entwicklung weiter, ob sich die Lage bestätigt oder doch noch ein neuer Schub erfolgt.