Mittwoch, 29. Februar 2012

El Hierro Vulkan - die Insel schlottert

NEWS:
Still und verträumt empfängt La Restinga die ersten Sonnenstrahlen an diesem Mittwoch Morgen. Es war eine klare und kalte Nacht mit Temperaturen um die +11°. Für El Hierro eine der kältesten Nächte des Jahres. In Anbetracht, daß in keinem Haus eine Heizung installiert ist, fällt auch in den Wohn- räumen schnell das Thermometer auf unter +14° ab. Nur eine zusätzliche Wolldecke, zwei Pullover und eine Rumflasche auf dem Tisch lassen diese Nächte überstehen. Für einen Nordeuropäer auf den ersten Blick vielleicht noch erträgliche Temperaturwerte. Wenn es aber keine Rückzugs- möglichkeit zu einer Wärmequelle gibt und die Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 80% liegt, nichts für Weicheier. Kurzum, die ersten Sonnenstrahlen werden gesucht um sich wieder etwas aufzuwärmen. Dies ist auch die Zeit, wo die meisten Herrenos hüstelnd, Nase triefend und schlotternd durch die Lande laufen.
Der Eldiscreto stößt weiter in geringeren Mengen Gase und Lava aus. Nachdem alle Webcams seit gestern Nachmittag wieder funktionieren sind auf die Ferne leichte Meeresverfärbungen auszumachen. Einen genauen Überblick verschaffen aber nur Luftaufnahmen. Vielleicht startet die Involcan heute wieder einen Rundflug und liefert uns entsprechende Luftaufnahmen der Aktivität. Gestern 8 Beben (siehe Avcan Karte), heute Morgen bereits wieder 3 Erdstöße von geringer Intensität bis ML1,3.
Auch von der Pevolca (Krisenstab) gibt es seit gestern eine neue Lageeinschätzung:
Danach befindet sich der Vulkanschlot noch 100 m unter der Meeresoberfläche. Er ist weiter aktiv, aber auf dem Wege der Normalisierung. Es gibt eine deutliche Verringerung der Seismitität, der Verformung der Inseloberfläche und der Präsenz von Gasen. Die Pevolca glaubt in Übereinstimmung mit der IGN (Instituto Geografico National) nicht mehr an ein Aufleben der Vulkanaktivität.
Trotzdem wird das Geschehen weiter rund um die Uhr genauestens beobachtet. Ein Restrisiko bleibt also weiter bestehen.

Dienstag, 28. Februar 2012

El Hierro Vulkan - ein Ende nicht in Sicht

NEWS: - 15.29 Uhr Beben von ML1.7 in 17 km Tiefe im Süden
Seit Mitte Februar 2012 nehmen die Beben wieder zu. Wie die Avcan Aufstellung oben zeigt, haben wir täglich im Schnitt ca. 15 Erdstöße. Auch gestern gab es 14 Beben, davon drei mit mehr als ML1,5 (Grafik links) in 11 bis 14 km Tiefe. Das Stärkste mit ML2,1 im Golfo. Mit dem Abflauen der sichtbaren Eruption im Süden, verlagern sich die Erschütterungen immer mehr unter den Inselkern bis hin zum Golfo. Das Zentrum der Beben bleibt der alte Vulkanberg Tanganasoga direkt an der Abruchkante zum Golfotal.

Es ist zu beobachten, daß die Erdstöße ihren Ausgangspunkt entlang des vermuteten Magmakanal im Rückwärtsgang wieder Richtung Hauptkammer unter dem Golfo finden. Nur treffen wir jetzt die Beben nicht wie vor Monaten in einer Tiefe von 20 km, sondern in flacheren Tiefen um die 10 bis 15 km an.
Es ist schwer hier irgendwelche Rückschlüsse oder gar Prognosen für die zukünftige Entwicklung zu konstruieren. Nur eines ist sicher: Der Eldiscreto lebt und wir werden uns weiter mit ihm beschäftigen dürfen. Auch denke ich, daß er noch so manche Überraschungen für die nächsten Wochen im Köcher hat.

Montag, 27. Februar 2012

El Hierro Vulkan - Messverfahren

NEWS: - Beben: 15.38 Uhr ML2,1 in 14 km Tiefe - Golfo
                           16.30 Uhr ML1,8 in 11 km Tiefe - Golfo
                           16.31 Uhr ML1,6 in 14 km Tiefe - Tanganasoga
So sieht eine IGN Mess- station aus. Ob es sich um einen Seismographen der die Erdstöße und den Tremor aufzeichnet, eine GPS Station oder um einen Sensor zur Gasemissions- Messung handelt, konnte ich nicht feststellen. Die Stromversorgung erfolgt autark über ein nach Süden ausgerichtetes Solarpanel. Eine Stabantenne (fehlte bei diesem Exemplar) übermittelt normal die Signale per Funk an die Zentrale.
Ein Blick ins Innenleben zeigte schnell, daß diese Anlage zur Zeit außer Betrieb ist. Gesehen habe ich diese Messtation gestern unterhalb des 1949 ausgebrochenen Vulkan San Juan auf der Westseite von La Palma. Ähnlich dürften die Mess- Stationen auch auf El Hierro aussehen.
Auch am Sonntag keuzte die "Ramon Margalef" (Danke an Carlos Bernal) um die Eruptionsstelle. Der Eldiscreto zeichnete den ganzen Tag seine verhaltenen Spuren auf die Meeresoberfläche. 12 leichte Beben waren zu verzeichnen, jedoch kein Erdstoß über ML1,5. Auch der Tremor weist keine Besonderheiten auf und verläuft in ruhigen Spuren.
Gestern Morgen hatte es starke Ausschläge (hier IGN Grafik von La Gomera) auf allen kanarischen Messtabellen gegeben. Wahrscheinlich verursacht von einem starken Beben mit ML6,7 in Sibierien. Nur die seismische Aufzeichnung von El Hierro reagierte darauf nicht. Das Tremorbändchen verlief gleichmässig ohne große Ausschläge weiter. Es entwickelte sich daraufhin in den Kommentaren eine rege Diskussion über die Ursachen (nachzulesen Kommentare vom 26.2.12)

Sonntag, 26. Februar 2012

El Hierro Vulkan - und er "moussiert" wieder

NEWS:
Selbst von La Restinga aus, ist heute am Sonntag- morgen das leichte Moussieren des Eldiscreto zu beobachten. Das Wort "Moussieren" kommt aus der französischen Weinsprache. Damit wird die Eigenschaft eines sprudelnder bzw. perlender Wein oder Sekt bezeichnet. Die Steigerungsform (spanisch) ist "Burbuja" - quasi das Formatieren und Aufsteigen von Blasen. Die sprachtechnische Krönung ist der "Jacuzzi" . Benannt nach einer 1910 in die USA von Friaul (Italien) ausgewanderten Familie die ein Whirlpool- Unternehmen, die Firma Jacuzzi, gründete.
Alle Erdstöße der vergangenen Stunden lagen direkt unter der Insel (siehe Avcan Grafik). Schwerpunkt und Zentrum ist der Berg Tanganasoga an der Abbruchkante zum Golfotal. Das letzte Beben um 23.11 Uhr mit ML1,6 in 10 km Tiefe. Auf Tremoraufzeichnungen müssen wir heute verzichten, da alle Messgeräte ihren Dienst quittiert haben.
Die Ramon Margalef ist nun bereits seit Tagen und auch in der Nacht mit bathymetrischen Vermessungen des Meeresboden beschäftigt. Carlos Bernal (Danke) war wieder so nett, uns die Fahrtroute vom Donnerstag und Freitag grafisch darzustellen. Warum der hochmoderne ROV der Margalef nicht zum Einsatz kommt, könnte mit einem Hitzeschaden zusammen hängen, der sich beim ersten Tauchgang im November 2011 eingestellt hat.
Gestern wurde übrigens in Vigo (Nordspanien) das Schwesterschiff "Angeles Alvarino" in Dienst gestellt. Fast baugleich mit der Roman Margalef wurde es mit einer Gesamtinvestition von 10 Mio. € vom Nationalen Institut für Meereskunde (IEO) übernommen. Ob wir auch vor El Hierro die Angeles Alvarino zu Gesicht bekommen werden, wurde nicht mitgeteilt.

Für alle Freunde von hochauflösenden Eldiscreto Fotos, die vielleicht ein großes Bild oder einen Poster herstellen möchten, gibt es erfreuliche Nachrichten. Die Involcan hat zwei Schnappschüsse vom 13.2.12 mit über 1,4 MB Auflösung ins Netz gestellt. Diese Aufnahmen können für private Zwecke hier Poster herunter geladen werden.

Samstag, 25. Februar 2012

El Hierro Vulkan - moderate Aktivität

NEWS:
- 9.14 Uhr - Beben von ML1,6 in 11 km Tiefe im Süden
- 9.16 Uhr - Beben von ML1,5 in 11 km Tiefe nördl. des Tanganasoga

Nur noch minimale Verfärbungen der Meeresoberfläche zeigen die gestern von der Involcan geschossenen Aufnahmen vor La Restinga. Noch stößt unser Eldiscreto, wenn auch in geringen Mengen, Lava und Gase aus. Noch lebt er und hat seinen Geist noch nicht ganz aufgegeben. 8 leichte Beben, den letzten Erdstoß heute Morgen um 8.00 Uhr mit ML1,3 zeigen ein Abflauen der Vulkanaktivität an. Der Tremor - fast nicht sichtbar - als schmales Bändchen, wie schon in den letzten Tagen. Schade eigentlich, daß wir wahrscheinlich nun doch nicht die Entstehung einer neuen Insel miterleben dürfen. Auch schade für El Hierro, die nach aufregenden Monaten nun doch keine sichbare Vorzeige-Insel erhält. Ein kleiner Hoffnungschimmer bleibt. Eldiscreto ist noch aktiv und kann trotz der Stotterphase jederzeit wieder auf 100% seinen Betrieb hochfahren. Zumindest ein Lava Förderkanal ist offen aus dem noch magmatisches Material austritt.
Das Volcanológico Institut der Kanarischen Inseln führt bereits seit über 5 Jahren auf allen Kanarischen Inseln Informations- veranstaltungen über das erhöhte vulkanische Risiko und die Verhaltensregeln auf den Kanaren durch. So eine Veranstaltung ist nun auch in El Pinar eingeplant. Etwas spät, aber theoretisches Hindergrundwissen kann nie schaden. Die Praxis haben ja alle Bewohner bereits miterlebt. Ich nehme auch an, daß der Direktor und Vulkanologe Nemesio Perez etwas zur zukünftigen Entwicklung und evtl. Vorsorgemaßnahmen beisteuern wird. Ich hatte Gelegenheit im letzten Jahr hier auf La Palma dieses Event zu besuchen. Ging man doch immer davon aus, daß der wahrscheinlich nächste Vulkanausbruch wieder auf La Palma erfolgen wird. Daß aber die Natur in diesen Dingen nicht unbedingt berechenbar ist, haben wir alle gesehen.

Was gibt es sonst noch Neues auf der Insel:
Große Aufregung hat der Diebstahl von 35 Ziegen im Golfotal verursacht. Über Nacht verschwand diese Herde spurlos. Ich kann mir schlecht vorstellen, daß auf dieser kleinen Insel dieser Diebstahl lange unaufgeklärt bleibt. So viele Verstecke gibt es nicht und die Herrenos sind ein sehr wachsames Völkchen.

Ab dem 29.2.12 werden auf dem Flugplatz von El Hierro keine Flugzeuge mehr betankt. Der Treibstoff- Lieferant CEPSA konnte sich mit dem staatlichen Flugplatzbetreiber AENA nicht auf eine Vetragsverlängerung einigen. Das ruft natürlich die Inselregierung auf den Plan. Sind ab diesem Zeitpunkt dann doch auch die Rettungsflüge und die Beobachtungseinsätze über dem Eldiscreto gefährdet.

Geheiratet wurde auch 2011 auf El Hierro. Insgesamt 19 Ehen sind geschlossen worden. Erstaunt bin ich allerdings über das Durchschnittsalter der Brautleute. Nach der jüngsten Istac Statistik lag das Alter der Männer bei 39 Jahren und der Braut bei 34 Jahren. Wenn das kein Rechenfehler ist, überlegt man sich auf El Hierro doch sehr lange, ob diese Bindung sinnvoll und notwendig ist, bevor man sich entscheidet.

Einige Fotos vom Ätna und dem Stromboli hat mir Günter Carstens (Danke) zur Verfügung gestellt. Vulkane die oft aktiv sind und etwas herzeigen und sich nicht diskret im Verborgenen tummeln.