Dienstag, 13. November 2012

El Hierro - Kanaren kontra Ölmulti

NEWS:
16.45 UHR (Kanarenzeit) - in 3 Stunden ist eine totale Sonnenfinsternis in Australien. Mit zu beobachten über das Gloria-Project der EU.

Unter El Hierro war es in der vergangenen Nacht ruhig. Es gab kein neues Beben.

Auf El Hierro wird jetzt aber erst einmal gestreikt. Für Mittwoch, den 14.11.2012 haben die Gewerkschaften einen Generalstreik ausgerufen. Dem Unmut gegen die starken Sozialkürzungen, Einschränkungen in vielen Lebensbereichen, die hohe Arbeitslosigkeit und dem Niedergang der Wirtschaft wird lautstark Luft gemacht.

Gegen wen richtet sich der Streik?
Primär zunächst einmal gegen die Madrider Regierung und gegen deren Politik "diktiert aus den Büros der Banken und Arbeitgeber" wie es aus der Verlautbarung der Gewerkschaft heißt. Aber auch gegen die Lokalpolitik die das Treiben in der Vergangenheit unterstützt und mit gemacht hat.

Wohlstand lässt sich auf Dauer nicht mit Subventionen und auf "Pump" finanzieren. Die Quittung kommt und der "kleine Bürger" darf zahlen. Eine alte Binsenweisheit - und warum sollte es hier jetzt anders sein?
Es ist ein großes Problem das nicht nur El Hierro, sondern alle kanarischen Inseln und das Festland betrifft. Ganz Spanien wurde vom Sog der Abwärtsspirale erfasst und das Ende der Spirale dürfte noch lange nicht erreicht sein.

Erdölförderung vor den Kanarischen Küsten



So könnte es nach dem Willen der Madrider Regierung und ihres für Energie zuständigen Industrieminister José Manuel Soria bald vor der Küste von Fuerteventura und Lanzarote aussehen (Foto: rebel / pixelio.de). Soria war früher Führungskraft beim Ölkonzern Repsol und anschließend von 2003 bis 2007 Inselpräsident von Gran Canaria. Das macht die überraschende Entscheidung noch delikater.
Geplant und inzwischen auch genehmigt sind Probebohrungen nach Öl und Gas, 61 Kilometer vor der Küste der Kanaren Richtung Westafrika.
Experten des multinationalen Konzerns Repsol sind sich sicher, vor den Kanaren ein riesiges Erdölfeld entdeckt zu haben.

Repsol S.A. (bis Mai 2012 Repsol YPF, S.A.) mit Sitz in Madrid ist ein börsennotierter integrierter Erdölkonzern mit Aktivitäten in 29 Ländern. Repsol ist Marktführer in Spanien und beschäftigt weltweit mehr als 25.000 Mitarbeiter. Es ist eines der zehn größten privaten Erdölunternehmen der Welt erzielte 2011 bei einem Jahresumsatz von 60,1 Mrd. € einen Nettogewinn von 2,5 Mrd. €. (Quelle: Wikipedia). Aber auch der Ölkonzern Woodsite und die deutsche RWE sind mit von der Partie.

Damit sind die Anwohner und die Touristikbranche aber nicht einverstanden. Ein Aufschrei geht durch die Medien.

Was ist, wenn es zu einem Unfall kommt?
Die dramatischen Folgen des Ölunfall im Golf von Mexico sind noch in guter Erinnerung. Tourismus - die wirtschaftliche Schlagader von Fuerteventura und Lanzarote - dann aber ade.
Und wie wirken sich überhaupt Bohrungen und eine Erdölförderung auf den vulkanischen Untergrund aus? Wird der Hotspot angeregt und kommt es dann früher zu Vulkanausbrüchen?

Fragen über Fragen. Zu den Teilaspekten und möglichen Gefahren sowie dem Hindergrund, will ich nach genauer Recherche in den nächsten Tagen näher eingehen.

Kommentare:

  1. Natürlich sind Ölbohrungen in dieser Region aufgrund des Vulkanismus und der einhergehenden Erdbebenwahrscheinlichkeit wohl mit entsprechender Vorsicht zu betrachten.
    Andererseits mutet es schon seltsam an, wenn im heutigen Beitrag oben vom Aufschrei der Inselbevölkerung gegen Sparprogramme die Rede ist und vom Leben auf Pump und dann gibt es da Gas und Ölvorkommen, die man nicht nutzen soll, weil es den Tourismus, der auch so seine Kolateralschäden hat, beeinträchtigen könnte.
    Sollte man dort tatsächlich SICHER fördern können und würde man sicherstellen, dass der Staat und damit die Allgemeinheit daran entsprechend mitpartizipieren, würde ich mal sagen: Her mit der Kohle!

    Andreas Braunendal, Graz

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  2. Wanninger meint dazu: Kolateralschäden vom Massentourismus sind wohl kaum zu vergleichen mit den Schäden die Ölförderung verursachen kann. Die delikate Tatsache, dass eine ehemalige Führungskraft von Repsol jetzt Industrieminister ist und die Ölförderung "durchwinkt" könnten böse Zungen auch als Vetternwirtschaft oder Korruption bezeichen. Man kann es aber auch so sehen: Die Kanaren kosten den Staat mehr als sie einbringen. Also kann man auf lange Sicht (auch wenn es kurzsichtig ist) doch lieber auf Öl setzen als auf Tourismus, den Öl und Gas bringen SOFORT Geld. Irgendwie stimmt da etwas nicht....
    Aber irgendwie kommt es mir auch sehr bekannt vor.
    Man kann keinen Autoreifen während der Fahrt wechseln.

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