Sonntag, 15. September 2013

Vulkan, Erdbeben und Hurrikan Humberto

NEWS:
17.09.2013
09.25 Uhr - Beben ML2,0 aus 15 km Tiefe an der Westspitze.
14.22 Uhr - ca. 150 km nördlich von La Palma ein ML3,3 Beben aus 65 km Tiefe.

Vulkane und Erdbeben treten meist gemeinsam auf. Es ist eine Abfolge von aufsteigender bis 1300° heißer Magma, die Gestein aufschmilzt und sich durch Ritzen und Spalten einen Weg zur Erdoberfläche bahnt. Dieser Gewaltprozess erzeugt Beben, wie wir es am Kanarischen Hotspot in El Hierro erleben.
Aber auch ohne Vulkan und aufsteigende Magma können an den tektonischen Plattenrändern gewaltige Erdbeben ausgelöst werden. Dies ist sogar die häufigste Form.

Dabei schiebt sich durch den horizontalen Druck eine Kontinentalplatte unter die Andere und baut am Berührungspunkt eine immense Spannung auf (siehe Foto SRF). Irgendwann löst sich schlagartig diese Verzahnung und erzeugt ein Beben.
Am Beispiel eines Subduktionsbeben in Japan haben nun Geophysiker der ETH Zürich am Computer simuliert, wie dieser Subduktions- Prozess die Dynamik des Erdmantels beeinflusst.
Lassen Sie sich nicht durch die etwas schwer verständliche Einleitung irritieren - es ist Schwyzerdeutsch, wird aber später Hochalemannisch.
Hier zum "Einstein" Video des SRF

Piano (it), planus (lat), tranquilo (span) oder ruhig, so könnte im Moment die Vulkanaktivität unter El Hierro bezeichnet werden. Nicht, daß es ganz ruhig ist - auch am Freitag und Samstag kam es je zu 5 Erdstößen. Die Stärke erreichte max. ML2,1 und kam aus 10 bis 11 km Tiefe unter dem Inselmassiv (siehe IGN Karte).

 


 
 
"Humberto" heißt die nächste Überraschung. Ein Hurrikan der im Augenblick noch inmitten des Atlantik liegt und sich langsam mit 19 km/h Richtung Nordosten auf die Kanaren zu bewegt. Noch liegt er ca. 1200 Kilometer südwestlich von El Hierro und die Größe lässt sich gut auf dem Satellitenbild abschätzen. Die ersten Randerscheinungen mit etwas Wolken, mehr Wind und einigen Regentropfen bekommen wir schon zu spüren.

Heute Morgen hat er sich zum tropischen Wirbelsturm abgeschwächt und erreicht über dem Atlantik Windspitzen von 85 mph. Ab Mitte kommender Woche soll er wieder stärker werden und an Fahrt zunehmen.

Mit Schrecken erinnern sich noch viele Canarios an den Hurrikan "Delta", der 2005 große Schäden auf allen Inseln hinterlassen hatte. 19 Menschen kamen damals ums Leben.

Nach den Berechnungen der Meteorologen kann Humberto auch weiter nach Süden abdriften oder gar die Richtung gen Westen einschlagen. Alles ist möglich.

Wir sind auf den Kanaren wohl heftige Winterstürme gewohnt - ein weiterer Hurrikan muss es aber nicht unbedingt sein.
 

Mittwoch, 11. September 2013

Vulkan und Olympia

NEWS:

Seit März 2013 liegen die GPS Oberflächen Verformungswerte relativ stabil (hier die Kurven der westlichen Stationen). Auch wenn hier in der Grafik der Anschein einer 0 mm Verformung abzulesen ist, trügt der Anblick. Bis März hatten wir bereits im Westen eine vertikale Aufwölbung von knapp 200 mm. Diese Verformung bleibt bis heute erhalten. Also keine weitere Steigerung, aber auch kein Absinken der Inseloberfläche. Der Überdruck im Untergrund ist nach wie vor vorhanden. Gestern wieder 13 Beben bis ML2,1. Auffallend dabei zwei Erdstöße im äußersten Westen aus großer Tiefe von 31 und 38 km. Soweit ich mich erinnern kann, hatten wir Beben aus dieser Tiefe nur zu Beginn der Vulkanaktivität vor über 2 Jahren zu verzeichnen. Das Ausgangszentrum dürfte weit unter der Magmakammer die ca. 20 km tief reicht, gelegen haben.

Was gab es sonst noch auf Erden. Ein Thema das nun überhaupt nichts mit Vulkanen oder der Natur zu tun hat, mich aber stark emotional berührt.

Ein ehemaliger Klassenkamerad aus meiner Geburtsstadt wurde gestern zum IOC Präsidenten gewählt. Mehrere Jahre drückten wir gemeinsam die Schulbank in Tauberbischofsheim. Schon damals saß er in der ersten Reihe, was aber wohl mit seiner Körpergröße zu tun hatte.
Aufgefallen ist er damals schon als kleiner "Streber".
Aufmerksam wurde man auf ihn aber richtig erst 1976 nach dem Gewinn der Goldmedaille im Florettfechten bei der Sommer Olympiade in Montreal.
Mit seinem inzwischen verstorbenen Trainer Emil Beck holte er anschließend noch weitere Trophäen und machte mit dem Fechtteam, Tauberbischofsheim aus "Badisch Sibirien" ( geografisch im Nordosten von Baden-Württemberg), bekannt.
Es ist Thomas Bach, seit gestern als erster Deutscher - Herr über die Ringe.

Meinen Glückwunsch an Dich Thomas - Du wirst es schon machen!

Zum Nachlesen: Wer etwas mehr über Tauberfranken und Tauberbischofsheim (TBB) - schlicht auch als Bischeme bezeichnet, wissen möchte.

Montag, 9. September 2013

Vulkan - Direktlift aus dem Erdmantel

NEWS:

Das sind die Beben- Ausgangszentren der vergangenen drei Tage. Die Lage erstreckt sich vom Golfobecken, unter dem Inselmassiv bis zum südlichen El Julan (rosa). Am 6.9. gab es 10 Erdstöße, am 7.9. noch 9 und gestern 12 Beben. Die Stärke ging bis ML2,5 und kam im Schnitt aus 10 bis 12 km Tiefe.
Eine Ausnahme bildete ein Beben am 7.9. um 12.18 Uhr vor dem Westzipfel (blaues Dreieck) mit ML2,8 aus 22 km Tiefe.

Highway zur Hölle

Normalerweise dauert es lange bis Magma aus dem Erdinnern in die Erdkruste aufsteigt und nur wenige Kilometer unter der Erdoberfläche eine Magmakammer bildet oder füllt.
Unter den Kanaren dauert dieser Vorgang oft hundert oder mehr Jahre bis die Magmakammer so gefüllt ist und der Innendruck einen kritischen Punkt überschreitet, dass es zu einer Eruption und dem Entleeren der Magmakammer kommt.

Hier gibt es allerdings auch Ausnahmen. Im Jahre 1963 brach der Vulkan Irazú in Costa Rica aus. Innerhalb von nur wenigen Monaten stieg das Magma aus 32 km Tiefe empor und es kam zu einer Eruption.
Über 20 Menschen wurden getötet, da es keine große Vorwarnzeit gab und die Vulkanologen keine so rasche Entladung erwarteten. Der Ausbruch dauerte 2 Jahre an.
Die Magma nahm nicht den sonst üblichen Umweg über die Magmakammer, sondern strömte direkt an der Erdoberfläche aus. Seismische Messungen, die lange Eruptiondauer und die große Menge ausgeworfener Lava, ließen nur diesen Schluss zu. Dieser Vulkan wurde also direkt aus dem Erdmantel mit frischer Magma versorgt.

Ein US Forscherteam um Terry Plank vom Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University in New York machte sich auf die Suche nach Besonderheiten dieses Vulkan.

Was verlief hier anders als bei den gewohnten Eruptionen?

Den Grund für den raschen Aufstieg konnten sie zwar auch nicht feststellen. Sie fanden aber eine Besonderheit in der ausgeworfenen Lava. In dem Mineral Olivin das beim Aufstieg der Magma Kristalle bildet, waren erhöhte Nickelwerte messbar.
Normal vermischt sich Nickel gleichmäßig in der Magma. Durch den raschen Aufstieg hatte es jedoch nicht genügend Zeit und wurde im Olivin festgehalten und konserviert.

So konnte zumindest festgestellt werden, dass die ausgeworfene Lava sich noch vor kurzer Zeit in mindestens 32 km Tiefe befand.
 "Highway to Hell" - Eine Autobahn zur Hölle, wie das Fachmagazin "Nature" berichtet.

Dass es kein Einzelfall oder ein lokales Phänomen war, ergaben nun Untersuchungen an Vulkanen in Sibirien, den USA und Mexiko. Auch hier fanden sich diese verräterischen Nickelspuren.

Es muss also nicht unbedingt eine jahrelange Bebenserie einer Eruption voran gehen. Auch ohne Magmakammer kann das flüssige Gestein innerhalb kurzer Zeit die Erdoberfläche erreichen.
Ob es die Gesteinsart oder Festigkeit der Erdkruste ist, manche Gesteinsmischungen vielleicht leichter aufzuschmelzen oder es ein extremer Innendruck ausmacht - das dürfen die Wissenschaftler noch klären.

Unter El Hierro und den Kanarischen Inseln scheint eine "feste" Gesteinsstruktur vorhanden zu sein. Jeder Vulkan hat seine oder eine gemeinsame Magmakammer. Unter El Hierro reicht sie bis auf 5 Kilometer unter die Inseloberfläche heran.
Wie mühsam die Magma ihren Vortrieb voran bringt, das erleben wir nun seit über 2 Jahren. Irgendwann in einem Monat oder erst in Jahren wird sie es bis zur erneuten Eruption schaffen.

Diese Magmakammer ist nicht neu entstanden, sondern bereits seit mindestens 1,2 Millionen Jahren vorhanden. Ohne sie hätte es keinen Gebirgeaufbau vom Meeresgrund gegeben und wir hätten statt El Hierro hier wahrscheinlich noch Atlantik.

Das sind aber geologische Zeiträume. Es sollte uns eigentlich bewusst sein, welches Glück (für manche Bewohner auch Unglück oder Pech) wir haben, diesen doch in einem Menschenleben recht seltenen Entstehungs- Vorgang miterleben zu dürfen.

Freitag, 6. September 2013

Erdbeben - gibt es Frühindikatoren ?

NEWS:
Samstag, den 07.09.2013
09.11 Uhr - Am Freitag um 13.25 Uhr ein ML2,5 Beben aus 10,9 km Tiefe unter dem Inselmassiv, etwas südlich des Tanganasoga.
14.24 Uhr - Heute gegen 12.18 Uhr ein weiteres ML2,8 Beben. Jetzt am Westzipfel aus 22 km Tiefe.


Gestern hatten wir einen bebenreichen Tag. Insgesamt 26 Erdstöße wurden von der IGN registriert. Es waren meist schwache Beben bis ML1,8. Das Zentrum lag um den Tanganasoga in 9 bis 14 km Tiefe. Auch heute schon wieder 6 Beben etwas weiter westlich an der Küste von Sabinosa (rosa). Die Erdstöße kommen jetzt aus etwas flacheren Tiefen von 8,2 bis 11 km. Die GPS Oberflächen Verformungswerte haben sich seit März 2013 kaum verändert und bleiben um das alte Niveau mit kleinen Schwankungswerten liegen.


"Das Flüstern vor dem Beben"

Schon lange hegt man die Vermutung, dass Tiere und besonders sensible Menschen Ereignisse vor ihrem Eintritt spüren können.
Ist es der 7. Sinn oder gibt es doch Indikatoren und Umweltveränderungen die wahrzunehmen sind?

"Die Ratten verlassen das sinkende Schiff" - eine alte Seemannweisheit die jedem Kind bekannt ist.

Hinter allem steckt etwas Wahrheit die heute noch nicht sicher wissenschaftlich erklärt werden kann.
Darum wird auch Wissenschaft betrieben, um diese Vorgänge zu untersuchen und zu verstehen.
Ob sich nachher eine physikalische Erklärung dafür findet oder ob es als Einbildung und blühende Phantasie abgetan wird, ist eine andere Sache.

Aus der Geschichte wissen wir, dass besonders Ziegen und Pferde, aber auch Hunde und Ameisen bereits Stunden vor einem Vulkanausbruch nervös und hektisch reagiert und teilweise die Flucht gesucht haben.
Vulkanausbrüche werden regelmäßig von Erdbeben begleitet. Es ist der Frühinkator der auf Veränderungen und Gesteinsbrüche im Untergrund hinweist.

Entstehen bei Spannungen und Veränderungen in der Erdkruste elektrische Ladungen die festgestellt und gemessen werden können?

Dies ist das Forschungsgebiet von Friedemann Freund im geophysikalischen Labor der Carnegie Institution in Washington D.C.
Er stellte fest, dass Gestein bei hohem Druck sich verändert und die umgehende Luft ionisiert und zum Leuchten anregt.
Den ausführlichen Bericht können Sie hier in  Bild der Wissenschaft nachlesen.
Der Artikel stammt aus dem Jahre 2003 und ist nicht mehr ganz taufrisch. Neuere und ergänzende Artikel zu diesem Thema konnte ich leider nicht finden ( Danke an Peter Kocksholt für den Hinweis).

Aus den Erfahrungsberichten um die stärkeren Beben und die Eruption 2011 auf El Hierro wissen wir, dass manche Hunde durch lautes Gebelle und fast panische Reaktionen sich ungewöhnlich verhielten. Andere Hunde darauf aber überhaupt nicht reagierten und die vielleicht vorhandenen Anzeichen einfach verschliefen.
Hier scheint es auch Unterschiede in der Rasse zu geben. Nicht jeder Hund ist für die Jagd oder als Trüffelschnüffler (das sind aber meist Schweine) geeignet.

Es ist also gut möglich, dass elektrische Spannungen, Gase mit einem anderen Mischungsverhältnis, Temperaturveränderungen  oder sonstige Symptome ein stärkeres Beben bereits Stunden zuvor ankündigen.
Hier wären auch die Biologen gefragt, entsprechende Verhaltensforschungen an Honigbienen, Eidechsen oder Insekten durchzuführen. Bei Ameisen wurde das bereits in Deutschland vor Jahren vorgenommen - ich hatte berichtet.
Es würde sich jetzt natürlich die Insel El Hierro im Feldversuch anbieten. Hier gibt es Tiere, Erdbeben und einen "schlafenden" Vulkan.

Mittwoch, 4. September 2013

Blackout auf der Nachbarinsel La Palma

NEWS:

Während es unter der Insel El Hierro in den letzten 24 Stunden nur 4 kleine Erdstöße bis ML1,6 aus 10 bis 14 km Tiefe im Golfo gab, ging auf der Nachbarinsel La Palma das Licht aus.

Nicht weiter schlimm, da der Stromausfall am Tage erfolgte. Für über 4 Stunden war gestern ab 15.15 Uhr komplett der Strom weg. Bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag war für eine Stunde die Versorgung unterbrochen. Im Endesa Kraftwerk in Santa Cruz hatte sich ein schwerwiegender Defekt ereignet, wie das Cabildo mitteilte. Das Foto zeigt das Kraftwerk mit seiner stinkenden Rauchsäule. 90 % der auf La Palma erzeugten Energie wird leider noch durch die Verbrennung von Schweröl erzeugt. Auch in den Boomjahren hatte man kein Geld um in saubere Energieerzeugung zu investieren. Die wenigen vorhandenen Windkrafträder konnten den Ausfall auch nicht überbrücken. Sie wurden wie am Flugplatz gestern sogar abgeschaltet, um wahrscheinlich eine Überspannung im Netz zu vermeiden.
Schwefeldioxid und andere umweltschädliche Gase werden so Tag für Tag in das Naturreservat La Palma geblasen. Alles mitten in einem stark besiedelten Wohngebiet bei der Hauptstadt Santa Cruz de La Palma und der Neubausiedlung La Grama von Brena Alta.

Für Gäste die mit einem Kreuzfahrtschiff auf der Insel ankommen, ist dies der erste Anblick. Nur wenige Meter vom Hafen entfernt qualmt und stinkt dieses Denkmal des Fortschritt und Wohlstand seit Jahrzehnten vor sich hin.
Oft geht der Zeigefinger der Gäste sofort nach dem Landgang fragend in Richtung Rauchsäule. Als Tourismus erfahrener Mensch versucht man natürlich das Werk herunter zu spielen und das Interesse schnellstens auf die beeindruckende Naturkulisse links und rechts daneben zu lenken.

Auf El Hierro hat man das schlauer gemacht. Durch den Bau des Windwasserkraftwerk "Gorona" bleibt die Insel in Zukunft weitgehend vom Ausstoß dieser Gase verschont.
Jährlich soll die Kohlendioxid-Emissionen um 18.700 Tonnen, der Schwefeldioxid-Emissionen um 100 Tonnen und der Stickoxid-Emissionen um 400 Tonnen vermindert werden.
Auch wenn das die gewünschten Optimalwerte sind die wahrscheinlich nicht ganz erreicht werden, bedeutet das doch eine immense Verringerung der umweltschädlichen Emission.

Bis es aber soweit ist, müssen nun noch administrative Hürden genommen werden. Das Kraftwerk ist weitgehendst fertiggestellt und könnte eigentlich in den Probebetrieb gehen.
Doch die Politik spielt noch nicht mit. Es ist derzeit noch ungewiss, in welches Tarifsystem der erzeugte Strom im Netz eingestuft werden soll.
Hier geht es wieder einmal um viel Geld. Auch möchte ein neues Gesetz die Trägerschaft neu regeln. Nach einem vorliegenden Gesetzesentwurf zur Sicherung und Versorgung der Energiesysteme, sollen die Besitzverhältnisse neu geregelt werden.

Bisher ist die Insel El Hierro, die private Endesa und das Iter Institut von Teneriffa Eigner der Anlage.

Auch dieses Problem wird sich lösen lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass dies schnell erfolgt und im Interesse der Umwelt und Natur nicht noch Monate oder Jahre ungenutzt verstreichen.