Dienstag, 30. Juli 2013

Vulkan - neuer Magmanachschub ?

NEWS:

Auch gestern wieder 3 Beben. Um 13.31 Uhr ein ML 2,0 Erdstoß bei Sabinosa aus 12 km Tiefe. Um 14.11 Uhr ein ML2,6 Beben am Leuchtturm (jeweils gelb) aus 19 km und um 21.26 Uhr ein schwacher Erdstoß beim Tanganasoga von ML1,5 (rosa) aus 11 km Tiefe. Die Oberflächen Verformungswerte bleiben relativ konstant, obwohl doch etwas Bewegung zu beobachten ist. Die Zunahme der Beben an Menge und Intensität in den letzten Tagen, könnten auf ein neuerliches Einströmen von frischer Magma in die tief liegende Kammer unter dem Westzipfel beim Leuchtturm hindeuten. In der Folge macht sich dies dann auch in den flacheren Schichten um den Tanganasoga und Sabinosa durch Beben bemerkbar.
Auf der Inseloberfläche sind noch keine ungewöhnlichen Abnormitäten - wie etwa Gasgeruch wahrzunehmen, obwohl AVCAN die Bevölkerung zur Wachsamkeit und Meldung bei einer Beobachtung aufgerufen hat.
Es bleibt jetzt einfach abzuwarten ob sich die Anzeichen verstärken und die Vermutung bewahrheitet oder ob es sich nur um eine Magmaverschiebung handelt.

Sonntag, 28. Juli 2013

Vulkan - ML2,8 Beben

NEWS: 19.30 Uhr - ein ML3,0 Beben um 17.22 Uhr (Ortszeit) aus 21,3 km Tiefe im Südwesten am Leuchtturm Orchilla.

In der vergangenen Nacht um 1.40 Uhr wieder einmal ein etwas kräftiger Erdstoß von ML2,8 aus 11 km Tiefe. Auf der Insel selbst nicht spürbar (erst ab ML3,0). Der Ausgangspunkt lag nur unweit des Tanganasoga im Inselinnern (siehe IGN-Grafik).
Bereits seit Tagen erhöht sich die Anzahl der Beben - gestern allein 16 Beben. Meist schwache Erdstöße bis ML2,0 aus einer Tiefe von rund 10 Kilometer. Das Zentrum liegt nicht mehr wie in den vergangenen Wochen vor der Südwestspitze im Meer, sondern unter dem Inselmassiv im Bereich der vermuteten Magmahauptkammer. Auf El Hierro selbst geht nun langsam die Bajada 2013 ihrem Ende entgegen. Von all den kleinen Aktivitäten unter ihren Füßen haben die Besucher selbst nichts mitbekommen. Rund 20.000 Besucher (die Zahlen variieren) aus Nah und Fern haben die nur alle 4 Jahre stattfindende Fiesta störungsfrei erleben können.


Zum Thema Erdölbohrung vor Fuerteventura und Lanzarote hat nun auch "Zeit Online" einen Artikel veröffentlicht.
Im wesentlichen werden die unterschiedlichen Standpunkte und mögliche Gefahren die durch eine Ölbohrung entstehen können, angesprochen. Ein wichtiger Punkt der eine Förderung in einem vulkanisch aktiven Gebiet aber auch bringen kann, wurde vergessen.

Der Verfasser schreibt:

"Für die Kanaren hätte ein solcher Unfall verheerende Folgen. Nicht nur, weil die Gegend zu den so genannten Hot Spots, also Gebieten mit einer besonders hohen Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen gehört."
Den Artikel zum Nachlesen "Bohrinsel in Sicht"

Es mag sein, dass die Artenvielfalt über einem Hotspot besonders reich ist. Durch die Tiefenbohrung könnte aber primär das geologische Gleichgewicht im Untergrund verändert werden und erst recht eine vulkanische Aktivität animieren.
Die Folgewirkungen in einem "Hotspot-Gebiet" Öl und Gas zu fördern sind noch zu wenig untersucht. Auch gibt es keine mir bekannten Vergleichsbeispiele.
Hier wäre zunächst einmal die Wissenschaft gefordert Daten und Fakten zu liefern und nicht auf gut Glück vielleicht in eine Magmablase zu bohren.

Forschung kostet Geld, das der spanische Staat im Moment nicht hat. Auch brauchen wissenschaftliche Untersuchungen Zeit. Daran hat Repsol und die Regierung in Madrid aber anscheinend kein großes Interesse.

Wenn es dann zur Katastrophe kommt waren es wieder die höhere Gewalt oder nicht absehbare Umstände. An Gründen mangelt es dann nie.

Zu "Vulkan und Erdölförderung" und "Gewinn oder Vernunft" hatte ich bereits geschrieben.

Donnerstag, 25. Juli 2013

Vulkan - keine wesentliche Veränderung

NEWS:

Die leichten Beben halten unvermindert an. Auch gestern gab es 8 leichte Erdstöße bis ML1,6. Heute Morgen bereits zwei weitere Beben. Aus der IGN Tiefengrafik links (unterer Teil) ist zu erkennen, dass das Ausgangszentrum unter der Insel in einer Tiefe zwischen 9 bis 10 km liegt. Die Beben vor dem Westzipfel dagegen aus tieferen Schichten um die 15 bis 17 km kommen. Im Grunde haben wir seit April 2013 eine sich kaum veränderte Lage.
Ähnlich sieht es mit der Bodenverformung an den GPS-Messpunkten HI04 und HI05 im Südwesten aus. Erst in den letzten Tagen nimmt die Deformation wieder etwas zu. Aus dem Kurvenverlauf (links) ist nicht mehr zu erkennen, dass wir uns seit März 2013 bereits mit knapp +20 Zentimeter über dem Normalzustand bewegen. Es gab also in den vergangenen Monaten wie erwartet keine Entspannung oder ein Rückgang der Oberflächen Verformung. Der Druck im Untergrund bleibt konstant hoch.

Dienstag, 23. Juli 2013

Vulkan - mehr Aktivität

NEWS:

In den letzten Tagen nehmen die leichten Beben wieder zu. Hatten wir gestern 6 Erdstöße, so waren es heute am frühen Morgen bereits 8 Erschütterungen. Die Zentren sind identisch mit den Ausgangslagen der vergangenen Wochen.
Es sind zwei Schwerpunkte auszumachen. Vor dem Westzipfel der Insel und rund um den Berg Tanganasoga an der Golfo-Abbruchkante. Die Bebentiefe variiert zwischen 9 und 17 km Tiefe. Heute Morgen um 2.53 Uhr ein ML2,0 Beben aus 16 km Tiefe und gefolgt um 3.53 Uhr von einem ML1,9 Erdstoß aus 17 km Tiefe. Es bleibt einmal abzuwarten wie sich die Entwicklung heute weiter fortsetzt. Nachfolgend die IGN Gesamtauflistung.

Samstag, 20. Juli 2013

Erdölförderung - Gewinn oder Vernunft

NEWS: 13.52 Uhr - Beben von ML3,3 westlich von Lanzarote aus 20 km Tiefe.

Können Erdölbohrungen in einem vulkanisch aktiven Gebiet, Erdbeben oder gar Vulkanausbrüche auslösen?

Es geht um die Erkundungsbohrungen im Meeresgebiet zwischen den Kanaren und der Küste Marokkos. Von der Bohrung selbst dürfte keine große Gefahr ausgehen. Die Bohrlöcher von nur einigen Zentimeter Durchmesser dürften den Gesteinsaufbau nicht beeinträchtigen.

Ganz anders sieht es aber aus, wenn Gas oder Erdöl aus den Löchern austritt und im Untergrund eine Art Vakuum entsteht und andere Druckverhältnisse schafft. Ziel dieser Probebohrungen ist es ja, das Erdölfeld zu finden und später auch auszubeuten. Millionen Kubikmeter Erdöl sollen im Erfolgsfall gefördert werden und es würde ein großer Hohlraum mit anderen Druckverhältnissen im Untergrund entstehen.

Dieser Hohlraum wird zwar mit Meereswasser geflutet um den Förderdruck aufrecht zu halten, aber die Konsistenz von Öl und Wasser sind doch verschieden.
Der Gesteinsaufbau kann in Bewegung geraten, Schichten sich verlagern und Erdbeben auslösen.

Beispiele von menschengemachten Beben gibt es bereits mehrere.

Als im Jahre 2006 in Basel die Erde bebte, hatte das schwerwiegende Folgen für die Geothermie Bohrung. Auslöser für das Beben waren große Wassermengen, die unter hohem Druck in die Tiefe gepresst worden waren. Durch die Erdstöße entstanden kleine Schäden an Gebäuden. Die Versicherungen zahlten Kompensationen in Millionenhöhe aus. Das Projekt in Basel musste daraufhin abgebrochen werden.

Als 2011 in der Nähe des spanischen Stadt Lorca die Erde bebte, kamen neun Menschen ums Leben. Für einen Erdstoß der Stärke von 5,1 waren die Auswirkungen groß. Viele Häuser in der Stadt wurden stark beschädigt.
Als Ursache führt ein internationales Forscherteam an, dass die Beben sich in geringer Tiefe von nur drei Kilometern ereignet hatten. Normalerweise kämen Erdbeben dieser Stärke in bedeutend größeren Tiefen vor.
Die Forscher um Pablo González von der University of Western Ontario in Kanada berichten im Fachmagazin "Nature Geoscience", dass der Mensch mit seinen Aktivitäten wahrscheinlich mitverantwortlich für das Beben war. Durch das  fortlaufendes Abpumpen des Wassers seit 1960 um mindestens 250 Meter ist der Grundwasserspiegel gesunken.

Die Forscher verglichen Satellitenaufnahmen des Gebiets vor und nach dem Beben und untersuchte Bodenverwerfungen im Untergrund. Sie stellten fest, dass das Beben an einer bereits existierenden seismischen Bruchlinie in 3 km Tiefe ereignete. Nahe dieser Bruchlinie war aus einer Grundwasserschicht in großem Stil Wasser abgepumpt worden. Dadurch entstanden Risse in der Erdkruste, was zu neuen Spannungen an der Bruchlinie selbst führte.


Auch bei der in jüngster Zeit vermehrt eingesetzten Fracking- Erdölgewinnung  gab es Zwischenfälle. Erdbeben in den USA Erschütternder Fracking-Boom

Auch Deutschland bleibt nicht verschont. Durch die Gasförderung in Niedersachsen wurde 2012 ein Beben ausgelöst. Der NDR berichtete darüber "Gasförderung kann weitere Erdbeben auslösen"

Viele weitere Beispiele von künstlich ausgelösten Beben gab es bereits in der Vergangenheit. Auch wenn nicht jedes Ereignis wissenschaftlich bewiesen werden kann, war der Mensch vermutlich doch öfter beteiligt. Menschengemachte Erdbeben: Die verheimlichten Ursachen der Katastrophen

Wenn nun in einem vulkanisch aktiven Gebiet Erdöl und Gas gefördert werden soll, sind geologische Verwerfungen grundsätzlich nicht auszuschließen. Durch Beben entstehen Risse in der Erdkruste, die den Aufstieg der Magma fördern oder gar erst ermöglichen.
Mir ist nicht bekannt ob bisher überhaupt auf dem Globus direkt über einem Hotspot nach Erdöl gebohrt wurde. Auch gibt es keine Untersuchungs- oder Forschungsergebnisse zu möglichen Auswirkungen.

Versuchskaninchen sind letztendlich die hier lebenden Menschen, die mit den möglichen Folgen klar kommen müssen. Der Energiehunger verdrängt leider alle Bedenken. Wirtschaftliche Interessen sind wichtiger, auch wenn letztendlich der "Raubbau" an der Natur im Endeffekt noch viel teurer kommt.

Wie wenig die Erde unter unseren Füßen beherrschbar ist, zeigen auch die Studien der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Selbst geringe Veränderungen des Drucks im Untergrund genügen, um Erdbeben in einigen Kilometern Tiefe auszulösen.

Die Gefahr einer unkontrollierten Entwicklung ist immer vorhanden.
“Unsere Untersuchungen zeigen damit auch, dass die Erdkruste schon auf kleinste Veränderungen sehr empfindlich reagieren kann”- so die Geologen.

Aktuell zum heutigen Thema: In der Ostschweiz hat am Samstagmorgen die Erde gebebt. Ursache für das Beben von ML3,6 ist das St.Galler Geothermie-Projekt im Sittertobel. Laut den Projektverantwortlichen ist das Bohrloch nun stabilisiert worden, weitere Beben sind aber nicht ausgeschlossen - St. Galler Tagblatt - (Danke an Carlos und Peter für den Hinweis)


Heute Morgen um 1.55 Uhr ein ML1,8 Beben vor der Westküste von El Hierro (siehe IGN Grafik). Das Beben kam aus 16 km Tiefe. Gestern gab es insgesamt nur 2 leichte Erdstöße.