Dienstag, 18. Juni 2013

Vulkan - vor 2 Jahren ging es los

NEWS:

Gestern Abend um 20.53 Uhr wieder ein ML1,8 Erdstoß (Avcan Grafik) aus 12 km Tiefe. Die Lage unverändert vor der Westspitze im Atlantik.
Zwei Jahre ist es nun schon her, als das erste Beben die Reaktivierung des El Hierro Vulkan ankündigten. Seit dem letzten Ausbruch im Jahre 1792 hatte er geschlafen, bzw. es sind keine Aufzeichnungen der Folgezeit mehr vorhanden. Den Startpunkt setzte am 8. Juni 2011 ein ML2,2 Beben aus großer Tiefe von 38 km vor der Golfoküste. Diesem Erdstoß wurde noch keine Bedeutung beigemessen. Es war ein "normales" Beben, wie es im Kanarischen Archipel häufig vorkommt und schon immer der Fall war.

Erst als ab dem 19. Juli 2011 eine Bebenserie mit hunderten Erdstößen pro Tag einsetzte, wurde man aufmerksam. Diese Beben kamen alle aus einer Tiefe von 10 bis 12 Kilometer Tiefe im Westen. Erst jetzt war klar, dass nun auch eine Vulkan-Eruption nicht mehr auszuschließen war. Der Fortgang ist bekannt.

Mit einer Aktivität von wenigen Wochen oder Monaten hatten die Vulkanologen gerechnet. Die Erfahrungswerte der vergangenen Eruptionen auf der Nachbarinsel (1971 Teneguia und 1949 San Juan beide La Palma) von max. 3 Monaten ließen diesen Schluss zu.
Hier hatten sich die Beobachter aber alle geirrt. Auch bei der Zeitdauer der Aktivität lässt sich unser Hotspot nicht in die Karten schauen. Die Natur hat eben ihre eigenen Regeln.

Eine animierte Grafik (von dfmorvan) zeigt den gesamten Bebenverlauf im Zeitraffer aus verschiedenen Perspektiven der vergangenen 2 Jahre. Gut ist die Wanderbewegung des Epizentrum von Nordwesten nach Süden (Eldiscreto) über den El Julan im Südwesten bis zum heutigen Zentrum vor dem Westzipfel zu erkennen. Die Beben haben in den vergangenen 2 Jahren die vermutete Magmahauptkammer umrundet und liegen heute fast wieder am alten Ausgangspunkt von 2011 vor dem Golfotal.



 
Totgesagte leben länger. Auch wenn bereits mehrfach das Ende verkündet wurde - die Aktivitäten dauern verhalten weiter an.
Es sind die bereits mehrfach beobachteten Zyklen einer vermeintlichen "Ruhepause", um anschließend wieder mit geballter Kraft los zu brechen.

Zu wünschen wäre jetzt natürlich ein baldiges Ende - so oder so. Die Anwohner könnten wieder ruhiger schlafen und müssten nicht weiter mit der latenten Gefahr von Beben oder gar einer Eruption leben. Auch wenn die Angst verdrängt wird - unterschwellig ist sie da.

Vulkanausbrüche sind zwar auf den Kanaren auch in der Zukunft immer möglich und auch sicher wahrscheinlich, aber der Zeitrahmen wäre größer und würde dann vielleicht nicht mehr die jetzige Generation betreffen.

Sonntag, 16. Juni 2013

Vulkan - Werbung und Promotion

NEWS:
 


Gestern 3 Beben zwischen ML0,9 und ML1,8 aus 10 bis 15 Kilometer Tiefe. Darunter um 20.46 Uhr ein ML1,8 Erdstoß im Golfotal (Grafik links) aus 14 km Tiefe. Die registrierten Erschütterungen sind schwach, aber vorhanden. Das Zentrum liegt im Schwerpunkt weiter vor der Westküste, mit gelegentlichen Ausrutschern auch unter das Inselmassiv.


Vorgestern hatte ich über die Werbewirksamkeit von Spielfilmen geschrieben - Bilder sagen mehr als tausend Worte. Das Gobierno Canarias hat für alle Inseln einen Werbespot drehen lassen und nun heraus gebracht. Bewusst kamen nur Touristen bzw. Residenten darin zu Wort. Es sollte ein Bezug zur Zielgruppe hergestellt werden.

"Du hast eine Nachricht aus El Hierro - Strahl mal wieder" ... so der Titel und die Botschaft. Recht nett gemacht mit schönen Aufnahmen. Leider aber wieder das normale und austauschbare Schema, ohne das Besondere der Insel (ich hatte darüber geschrieben) heraus zu stellen.
 
Ein Spot den man sich anschaut - schön findet und schon wieder vergessen hat.
 
Ihre Meinung würde mich dazu interessieren. Hier geht es zunächst zum  VIDEO - und unten können Sie einen Kommentar hinterlassen.

Freitag, 14. Juni 2013

Vulkan - der Planet der Affen

NEWS:
18.22 Uhr - ein neues ML2,1 Beben um 16.38 Uhr in nur 4 km Tiefe vor der Westküste.
Gestern wurde nur ein leichter ML0,9 Erdstoß aus 13 km Tiefe im Inselinnern in Nähe des Berg Malpaso registriert.




Spielfilme und Tourismus - gibt es hier einen Zusammenhang?

Ein futuristischer Film braucht eine entsprechende Kulisse. Der "Planet der Affen" würde seine Wirkung verfehlen, hätte man ihn im Bayerischen Wald oder in der Lüneburger Heide gedreht. Drehort waren die Cañadas im Nationalpark Teide auf Teneriffa.
Auch "Kampf der Titanen" von Warner Bros entstand 2009 auf Teneriffa. Es ist die gigantische Vulkanlandschaft der Kanaren die den Background für diese Monumentalfilme liefert.

Wenn nun die Tourismus-Behörde diese weltweit bekannten Filme für ihre Zwecke einspannt und einen Grund oder Hinweis liefert, den ehemaligen Drehort auch zu besuchen und das Feeling nochmals Live und hautnah zu verspüren,  dann hat sie ihre Aufgabe richtig verstanden.
Ein Beispiel dazu gibt es hier: Turismo de Tenerife

Es ist erwiesen, dass Filme die Wahl des Urlaubszieles beeinflussen. So schnellte die Zahl der Urlaubsgäste nach der Triologie der Tolkien-Verfilmung „Herr der Ringe“ nach Neuseeland stark an.
Es musste nur eine Verbindung von diesem Film zu Neuseeland hergestellt werden.
Oder Malta-Besucher fragen oft nach, an welchem Strand „Troja“ mit Brad Pitt gedreht wurde und wo die Galeeren ankerten.

Das ist die Aufgabe der Tourismus Manager den Zusammenhang richtig zu vermarkten.
Wer möchte nicht einmal selbst am Handlungsort seines Lieblingsfilmes stehen und die Atmosphäre und Erinnerung Nacherleben.
Mir ging es so, als ich das erste Mal z.B.an der Startrampe der Saturn V - der Mondrakete - in Cape Canaveral in Florida stand. Ohne Mondlandung und den Bezug zu diesem Gelände wäre ich sicher nicht in den Nordosten von Florida gefahren.

Wichtige Ereignisse und Top-Filme locken leichter und besser Feriengäste an, als teure und Millionen schwere Werbekampagnen.

Was hat El Hierro mit der NASA "Satellitenaufnahme des Jahres 2012" von der Eruption des Eldiscreto gemacht?
Bisher nicht viel!  Mit dieser einmaligen Auszeichnung wäre wunderbar ohne riesigen Werbeetat auf die Einmaligkeit der Insel Hierro zu verweisen. Die Insel - die als Einzige aller 7 Kanarischen Inseln den Siegerpodest (auch mit unserer Hilfe) bis zur Spitze erklommen hat.

Dazu braucht man aber auch die richtigen Marketing-Leute mit etwas Ideen und muss sich vor allem zu seinem Vulkan bekennen.
Nicht erst in 20 Jahren wenn die Wirkung verpufft ist, sondern jetzt.

Vielleicht sind die Verantwortlichen noch nicht ganz so weit um diese große Chance richtig zu erkennen und umzusetzen. Auch als Nicht-Werbefachmann mache ich mir so meine Gedanken über eine vielleicht nicht genutzte großartige Möglichkeit die Insel richtig ins Licht zu rücken.

Auf den Kanaren herrscht nicht nur ein mildes Klima, sondern das ganze Jahr über optimale Lichtverhältnisse und eine für fast jedes Filmthema erwünschte Kulisse.
Ob es das Bergdörfchen im "Dschungel" von La Gomera, die Mondlandschaft über den Wolken des Roque de los Muchachos auf La Palma oder die mächtige Felswand im Golfotal von El Hierro ist.

Selbst die Wüstenlandschaft von Fuerteventura mit Sonne, Strand und Meer war für den Playboy der richtige Standort um das "Playmate des Jahres" abzulichten. Das Video will ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten - hier "Franzy ist die Schönste"
Nicht nur Videoclips oder Dokumentarfilme entstehen hier. Auch Werbespots von BMW oder Mercedes Benz nutzen die vielfältige Landschaft.
Auch ohne großes Zutun kommt "Hollywood" auf die Kanaren. Es ist die Atmosphäre und Kulisse die die Filmemacher anlockt. Ein Monumentalfilm mit Hunderten von Darstellern bringt zunächst Geld auf die Inseln. Sie müssen hier Wohnen und Essen.
Wichtiger aber ist die Werbebotschaft an das Filmpublikum, wo denn überhaupt dieser Film gedreht wurde.
Nicht in Amerika oder Australien, sondern hier auf den Kanarischen Inseln oder gar auf El Hierro.

   
 

Donnerstag, 13. Juni 2013

Vulkan - Ansichten des Planeten Merkur

NEWS:
Gestern nur ein schwaches ML1,1 Beben aus 11 km Tiefe direkt unter dem Berg Tanganasoga. Sonst blieb es ruhig.

Heute verlassen wir die Erde und  schauen uns den der Sonne am nächsten liegende Planeten unseres Sonnensystem - den Merkur, etwas näher an.
Die NASA hat gestern neue hochauflösende Satellitenaufnahmen veröffentlicht. Der Merkur ist sehr schwer zu beobachten, da er nur bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang von der Erde aus entdeckt werden kann. Sonst steht er direkt im Zentrum der Sonne und wird von ihr überstrahlt.
Die Griechen gingen in der Antike gar von zwei Planeten aus und nannten den Morgenplaneten Apollo und den am Abendhimmel erscheinenden Himmelskörper Hermes.

Merkur ist, wie auf der NASA Grafik links zu erkennen, mit 4880 Kilometer Durchmesser der kleinste und sonnennächste Planet in unserem System. Er rast förmlich um die Sonne. Ein Merkurjahr beträgt nur 88 Tage. Sein Aufbau ist ähnlich wie die Erde. Er besteht aus festem Gestein und hat aber aufgrund seiner geringen Größe wie unser Mond, keine Atmosphäre. Die Raumfähre MESSENGER hat auch zahlreiche Hinweise auf vulkanische Eruptionen gefunden. Die Sonnennähe gibt ihm am Tage eine Oberflächentemperatur von +430 °C, während die Nachtseite auf -170 °C abkühlt.

Der Merkur hat keinen Mond. Thesen gehen sogar davon aus, dass der Merkur früher selbst ein Trabant der Venus war, der aufgrund seiner großen Exzentrizität ihrer Umlaufbahn entwichen ist.

Wie dem auch sei - optisch ist der Merkur schön anzuschauen. Für menschliches Leben allerdings nicht zu gebrauchen. Dafür fehlen einfach die elementaren Grundvoraussetzungen.
Hier geht es zum neuesten  NASA-Video

Mittwoch, 12. Juni 2013

Vulkan - Sand, Gestein und Wüste

NEWS:

Um 20.49 Uhr gestern Abend ein ML1,9 Beben aus 15 km Tiefe vor der Westspitze. Insgesamt in den letzten 24 Stunden 3 Erdstöße.



Die Sahara als größte Wüste der Erde hat ungefähr die 26-fache Größe Deutschlands. Mit 9 Millionen Quadratkilometer erstreckt sie sich vom Roten Meer (NASA Satellitenaufnahme oben) über mehr als 5.000 Kilometer bis zur Atlantikküste kurz vor die Kanarischen Inseln (Foto links). Es handelt sich nicht wie vielfach geglaubt um eine reine Sand- und Dünenwüste (nur 20 %), sondern um eine Stein- und Felswüste (Hammada).

Als ich 1986/87 die Sahara mit unseren alten Hanomag durchquerte (Algerien, Mali, Mauretanien), sind wir tagelang nur über bläulich schimmernde Gesteinsplatten gefahren. Vorbei an erodierten Gebirgszügen, mächtig steil aufragenden Bergen und durch tief eingeschnittene Wadis (ehemalige Flussläufe).
Hier floss vor 6000 Jahren noch kräftig Wasser und die Landschaft war Grün und Fruchtbar. Nach der letzten Eiszeit wanderten die Tropen ca. 800 km nach Norden und es entstand hier eine Savannenlandschaft.
Unsere Expedition fand damals in den Wintermonaten mit verträglichen Temperaturen von 25°C am Tag und in der Nacht mit leichtem Frost statt. Oft waren am Morgen die Trink- Wasservorräte zu Eis erstarrt.
Im Sommer kann es hier Temperaturen bis +60°C und in den höheren Lagen, vor allem im Atlasgebirge, im Winter auch -10°C geben.

Das Innere der Sahara ist menschenleer aber nicht tot. "Die Wüste lebt" so der Walt Disney Dokumentarfilm aus den 50-er Jahren, der eindrucksvoll das Tier- und das bescheidene Pflanzenleben in der Wüste beschreibt.

Nach 14 Tagen Einsamkeit traf unsere 6-Mann Gruppe (Geologe, Arzt, Techniker und ich war der Wüstenkoch) erstmals auf einige Tuareg- Nomaden. Gleich wurde Tee aufgegossen und in einem französisch/arabischen Kauderwelsch der weitere Pistenverlauf besprochen.
6 Wochen Sahara die mir unvergesslich in guter Erinnerung bleiben. Vielleicht schaffe ich es noch einmal in diesem Leben dort einige Wochen zu verbringen. Die Sahara liegt ja direkt vor meiner Haustür.

Langsam aber stetig breitet sich die Sahara auch auf die Kanaren aus. Fuerteventura als älteste Vulkaninsel der Kanaren und nur knapp 100 km von Westafrika entfernt, ist schon so weit abgetragen, dass Teile der Insel im Grunde eine Verlängerung der Sahara nach Westen darstellen. Die Google Aufnahme links zeigt den Nordosten von Fuerteventura. Sand und noch einmal Sand und inmitten eine Hotelanlage.




Hier die Vergrößerung des RIU Oliva Beach bzw. Palace Tres Islas Komplex mitten in der Einöde. Nur mit großem technischen Aufwand und viel Geld, kann die Oase vor dem Versanden bewahrt werden. Die Wüste hat auch bereits den Südteil der Insel erfasst. Das Überlebens- Elixier Wasser muss mit Entsalzungsanlagen nutzbar gemacht werden und das kostet Geld. Irgendwann ist Fuerteventura komplett eine Sandwüste und wird dann auch durch die immer weiter fortschreitende Erosion von der Landkarte verschwinden. Bis dahin haben wir aber noch einige tausend Jahre Zeit.
Das Foto unten zeigt das RIU Hotel im Hintergrund zwischen den Sanddünen, von der "Wüstenstraße" aus.

Es zeigt aber auch, wie unterschiedlich die Kanarischen Inseln beschaffen sind. Trockene wüstenähnliche Inseln im Osten und grüne und saftige Inseln im Westen des doch kleinen Archipel.
 
Vielleicht auch ein kleiner Denkanstoß für ihren nächsten Kanarenbesuch.
Insel-Hopping - innerhalb von einer oder zwei Stunden mit unserem Binter- "Inselhüpfer" von der "Sahara" in den "Dschungel".