Sonntag, 20. Januar 2013

El Hierro Vulkan - wieder kleinere Erdstöße

NEWS:
Heute Morgen um 10.45 Uhr ist über der alten Eldiscreto Eruptionsstelle  vor Restinga ein ungewöhnlich großer grüner Fleck an der Meeresoberfläche aufgetaucht. Es soll sich um Ausgasungen handeln. Eine Stellungnahme der IGN ist noch nicht zu bekommen.


Seit gestern Mittag wieder kleinere Beben. Heute kurz nach 17.30 Uhr mehrere Erdstöße bis ML1,6 kurz hintereinander. Die Tiefe lag zwischen 9 und 12 km (IGN-Listing). 
Das Zentrum westlich des Tanganasoga um Sabinosa. Das altbekannte Feld in gewohnter Tiefe. Also nichts außergewöhnliches.

Samstag, 19. Januar 2013

El Hierro Vulkan - INVOLCAN

NEWS:
Auch heute keine weiteren Aktivitäten oder Beben. Es bleibt ruhig unter der Insel.


Wir alle kennen die Involcan  - das Kanarische Institut für Vulkanologie aus Teneriffa. Über die Grenzen der Kanaren wurde es vor allem durch die herrlichen Farbaufnahmen aus dem Guardia Civil Helikopter von der Eldiscreto Eruption einem größeren Kreis bekannt. Erst vor 7 Jahren, am 11. Januar 2006  wurde es durch eine Deklaration des Kanarischen Parlament gegründet. Dr. Nemesio Pérez ist Leiter dieser vulkanologischen Forschungsabteilung im ITER –Zentrum auf Teneriffa.

Auslöser für die Gründung der INVOLCAN waren 2004 die erhöhten Vulkanaktivitäten unter und um den Vulkan Teide auf Teneriffa. Es wurde damals erstmals richtig bewusst, daß überhaupt keine Vorbereitungen für den Fall einer Eruption getroffen waren. 
Es gab keine Evakuierungs- oder Notfallpläne. Die politische Ebene wurde völlig überrascht und war überfordert. Das sollte in Zukunft nicht mehr der Fall sein und hat sich inzwischen auch Dank Involcan wesentlich geändert.
Heute ist man darauf vorbereitet. Was wir alle am Beispiel El Hierro 2011 erleben konnten. Auch wenn es noch kräftige Defizite in der Informationspolitik gab, lernt man auch hier inzwischen dazu.

Wichtig und damit eine Hauptaufgabe der Involcan ist die Aufklärung der Bevölkerung über die möglichen vulkanischen Risiken unter ihren Füßen. Wir leben einfach einmal auf einem sehr aktiven Archipel und sollten uns auf diese Eventualitäten vorbereiten. Mit Aufklärungskampagnen in vielen Orten und Schulen wird bei Vorträgen, Dia- und Filmabenden das Thema publik gemacht und Verhaltensregeln durchgespielt.
Als rein kanarisches Institut steht die Involcan in gewisser Weise in Konkurrenz zur gesamtspanischen IGN (Instituto Geografico National) und wird derzeit auch bedingt durch die Wirtschaftskrise von den Finanzierungstöpfen abgeschnitten. Auch lässt die Kooperation mit der IGN zu wünschen übrig.
Dr. Nemesio Perez zeigt sich sehr enttäuscht über den mangelnden Willen der Madrider und auch der Kanarischen Regierung sein Forschungsinstitut finanziell zu unterstützen. 
Einzig der Präsident des Cabildo (Inselregierung) von Teneriffa  - Ricardo Melchior lobt die Arbeit der Involcan - und wird weiter solange das noch möglich ist, diese wichtige Arbeit jährlich mit 240.000 Euro unterstützen.

Dafür ein Dank nach Teneriffa. Die Involcan war übrigens das einzige Institut das bereits 2011 vor der Eruption mehrere Seismografen und Gassensoren auf El Hierro unterhalten hatte.

Bei aller finanzieller Not würde ich mir doch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Involcan und der IGN  zum Schutz und Wohl aller Canarios wünschen. Das ist kostenlos und setzt nur einen guten Willen und etwas Kooperationsbereitschaft voraus. 

Und nun noch einen Sprung auf La Palma. Ein Video das man gesehen haben sollte. Ein Zeitraffer Video von Christoph Malin, gedreht auf dem Roque de los Muchachos zwischen den Kuppeln unseres Observatorium.


Freitag, 18. Januar 2013

El Hierro Vulkan - die Kontinentalrand Hypothese

NEWS:
In der vergangenen Nacht gab es nur zwei schwache Erdstöße im südlichen Golfo in 11 km Tiefe und unter der Westspitze in 21 km Tiefe mit ML0,4 - 0,7.

Zur Entstehung der Kanarischen Inseln habe ich bisher die Beiträge
1. Die geografische Lage und das Alter der Kanarischen Inseln
2. Der Hotspot und die Entstehung der Kanaren

verfasst. Heute geht es weiter mit einer jüngeren Theorie aus dem Jahre 2009.

3. Die Kontinentalrand Hypothese


Nach der vorherrschenden Meinung der Geologen und Vulkanologen wandert der unter den Kanaren liegende Hotspot immer weiter Richtung Südwesten. Zur Zeit liegt der Hotspot unter dem Meeresgebiet südlich von La Palma und nördlich von El Hierro. Den Durchmesser schätzen die Wissenschaftler auf 150 Kilometer. Durch die Kontinentaldrift der afrikanischen Platte Richtung Nordosten wandert er jährlich um ca. 2,3 bis 2,8 cm nach Südwesten. Das wären in einem Zeitraum von 100 Jahren gerade einmal rund 2,8 Meter.

Merkwürdig ist nur, daß es im 18. und 19. Jahrhundert in dem über 300 km entfernten Lanzarote Vulkanausbrüche gegeben hat. Auch 1909 der Ausbruch des Chinyero im 120 km entfernten Teneriffa. Dieser Ausbruch ließe sich gerade noch mit dieser These erklären. Aber Lanzarote passt nicht ins Bild.

Nun haben Wissenschaftler des deutschen IFM-Geomar in Kiel eine weitere Hypothese die Kontinentalrand-Konvektion oder Edge Driven Convection ins Spiel gebracht.
Nach ihrer Hypothese (Grafik S.Duggen/Geomar) treiben die afrikanische Kontinentalplatte und die unter den Kanaren vorhandene Kanarenplatte mit unterschiedlicher Geschwindigkeit nach Osten. Die afrikanische Platte mit einer Dicke von geschätzten 150 km treibt aufgrund des größeren Wiederstandes langsamer als die nur 10 km dicke Kanarenplatte voran. An der Grenzlinie vor der marokkanischen Küste entstehen dadurch Risse und poröse Stellen. Hier könnte es das Magma dann einfach haben und nach oben aufsteigen.

Grundlage dieser Theorie ist ein vermuteter Magmakanal vom Hotspot bis unter das Atlas Gebirge in Afrika. Aus diesem Magmakanal würde der Nachschub gespeist. Gesteinsproben aus dem Atlas Gebirge ergaben eine fast identische Mineralien- Zusammensetzung wie Lava auf den Kanaren.
Wer die Einzelheiten nachlesen möchte, hier der Link zu GEOMAR

Auch diese Hypothese geht von einem Hotspot aus und versucht die weit davon auf Lanzarote erfolgten Vulkanausbrüche zu erklären. Es gibt zu diesem Thema noch viel Forschungsbedarf. Erst wenn der Mensch in der Zukunft vielleicht einmal direkt in den Untergrund schauen kann, weiß er ob seine Theorien Bestand hatten.

Donnerstag, 17. Januar 2013

El Hierro Vulkan - die Exkursion nimmt Gestalt an

NEWS:
Die Beben-Bilanz der vergangenen 17 Tage. Nach einem Aufschrei um die Jahreswende mit bis zu 43 Erdstößen am Neujahrstag 2013 ist die Aktivität wieder abgeflaut. Es waren schwache Beben in großer Tiefe und nicht spürbar. Nach dem Histogramm waren die letzten Tage sogar "Bebenfrei". Das ist natürlich noch nicht das Ende, sondern wieder eine Ruhe- und Regenerationsphase - eine spanische Siesta eben.

El Hierro Exkursion 2013

Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Wie versprochen halte ich Sie auf dem Laufenden.

Ich habe inzwischen einen Reiseveranstalter gefunden, der jetzt zunächst die Möglichkeiten (Flug/Transfer) prüft. Wir werden als Abflughafen Berlin und mindestens einen Flugplatz im Westen wie Frankfurt/Düsseldorf/Stuttgart oder Nürnberg anbieten können.

Als nächstes suchen wir geeignete und schöne Unterkünfte auf El Hierro. Hier möchte ich möglichst einen oder höchstens zwei zentrale Punkte auswählen, damit die Anfahrtswege nicht zu groß werden. Trotz kleiner Insel sind die Straßenentfernungen oft doch weit.

Die Gruppengröße soll 30 Teilnehmer möglichst nicht überschreiten. Nur so kann ich mich individuell jedem Gast und das ist mir ein besonderes Anliegen, widmen.

Die erste Tour wird im kommenden Mai 2013 starten. Für September wird dann die zweite Exkursion ins Auge gefasst.

Am wichtigsten und interessantesten Punkt - dem Rahmen- und Ausflugsprogramm brüte ich im Moment.
Es wird Interessant und einige "Schmankerl" beinhalten. Schließlich will ich Ihnen nicht nur die Schönheit, sondern und auch die versteckten kleinen "Geheimnisse" von El Hierro präsentieren. Mehr möchte ich jetzt noch nicht verraten. Es ist seit Jahren mein Metier und da werde mich natürlich besonders anstrengen. Darauf können Sie sich verlassen!

Kurzum - bis Mitte Februar steht unser gesamtes Programm und ich freue mich heute schon darauf es Ihnen präsentieren zu dürfen.

Rechts in der Seitenleiste übrigens habe ich den Link auf die Urlaubsseite eingefügt. Dort wird in komprimierter Form alles zur El Hierro Exkursion 2013 zusammen gefasst.

Mittwoch, 16. Januar 2013

El Hierro Vulkan - die Geburtswehen der Kanaren

NEWS:
Es gibt keine neuen vulkanische Aktivitäten unter El Hierro in den letzten Stunden. 


Zeit sich wieder der geologischen Vergangenheit der Inseln zu widmen. 
Nach 1. Die geografische Lage und das Alter der Kanarischen Inseln heute zur Fortsetzung:

2. Der Hotspot und die Entstehung der Kanaren


Die Kanarischen Inseln sind im Laufe der letzten 22 Millionen Jahre langsam von Ost nach West entstanden. Von Fuerteventura/ Lanzarote (Bild 1+2) über Gran Canaria, Teneriffa und dem Anhängsel La Gomera (Bild 3-5) folgten erst mit größerem zeitlichen Abstand die jüngsten Inseln (Bild 6). La Palma und El Hierro (Grafiken Dr. Carracedo, Uni Las Palmas). Die Vulkanaktivität verschob sich dabei immer weiter Richtung Westen in den Atlantik. Die jüngsten Vulkanausbrüche hatten wir 1949 San Juan, 1971 Teneguia (beide La Palma) und 2011 mit dem Eldiscreto auf El Hierro. Nach Meinung vieler Vulkanologen ist für diese Entwicklung ein so genannter Hotspot verantwortlich.

Nach Wikipedia gibt es dafür folgende Defination:

Als Hotspots (engl.: heiße Flecken) werden Zentren vulkanischer Aktivität bezeichnet, die nicht direkt durch plattentektonische Prozesse verursacht werden und daher nicht an Plattenränder gebunden sind. Sie entstehen durch thermische Anomalien im (tieferen) Erdmantel und treten oftmals innerhalb vonLithosphärenplatten auf. Der Hotspot-Vulkanismus unterscheidet sich demnach von der vulkanischen Aktivität an Plattengrenzen, die mit plattentektonischen Vorgängen wie Ozeanbodenspreizung und Subduktion einher geht.
Der Erdmantel unterhalb eines Hotspots ist besonders heiß, da dort Mantelmaterial aus dem tiefen Erdinneren (eventuell von der Kern-Mantel-Grenze) aufsteigt. Die etwa 150 km breiten Zonen des Aufstiegs werden auch als Manteldiapire ("mantle plumes") bezeichnet. Die höheren Temperaturen bedingen im oberen Mantel eine erhöhte Aufschmelzung. Die Schmelzen können aufgrund ihrer geringen Dichte bis an die Oberfläche aufsteigen und verursachen dort einen zumeist basaltischen Vulkanismus.


Am Beispiel der kanarischen Inseln sehen wir links auf der Grafik den Hotspot (Pluma). Wie ein Schneidbrenner (rote Spur) hat er in den vergangenen Jahrmillionen von Ost nach West den äußeren Erdmantel aufgeschmolzen und regelmässig neue Inseln entstehen lassen. Tatsächlich ist der Hotspot aber stationär und verharrt an seiner Stelle. Nur die obere afrikanische Platte verschiebt sich allmählich Richtung Osten (Avance de la placa).

Aufgrund dieser Entwicklung werden in Zukunft westlich der heutigen Kanaren neue Inseln entstehen und die alten Inseln langsam im Meer versinken.
Die Erosion (Regen, Wind und Meer) tragen bereits heute Fuerteventura und Lanzarote ab. Die noch höchste Erhebung ist der Pico de la Zarca mit 807 m auf Fuerteventura. Auf Lanzarote der Penas del Chanche mit gar nur noch 670 m Höhe.
Weil hier der Lavanachschub fehlt, werden irgendwann nur noch die aus dem Meer ragenden Bergspitzen an diese Inseln erinnern bis sie dann gänzlich im Atlantik versinken.

Bereits heute sieht das Größenverhältnis  unter den Inseln wie links auf der Grafik (nach Dr. Schmincke) aus. Da wir hier von geologischen Zeiträumen sprechen, wird das Versinken der Altinseln aber noch einige Jährchen dauern.
Aber es gibt auch noch eine andere Hypothese zur Entstehung der Kanaren. Das kommt dann im nächsten Teil.