Montag, 12. November 2012

El Hierro Vulkan - der Winter kommt

NEWS:

Die Bebenbilanz der letzten 10 Tage. Das durch den Geräteausfall verursachte Datenloch konnte von der IGN nicht wieder hergestellt werden.
Dies lässt sich aber verschmerzen, da in dieser knappen Woche wahrscheinlich auch keine größeren Aktivitäten vorlagen. Gestern in den frühen Morgenstunden einen schwachen ML1,7 Erdstoß. Die letzten 24 Stunden waren Bebenfrei.

Wetterumschwung 

Es ist nach dem Unwetter nun auf den Westinseln kühler geworden. Wir haben wieder unseren typischen Passatwind aus Nordosten. Heute um 7.00 Uhr auf meinem Thermometer 14,8°C bei stark bewölktem Himmel und 78 % Luftfeuchtigkeit. Mehr als +18°C dürften es heute auch in den Mittagsstunden nicht werden. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit liegt die gefühlte Temperatur noch darunter. Das veranlasste mich heute erstmals wieder unseren Holzofen an zuwerfen.

Dieses Wettermix wird hier als sehr unangenehm empfunden. In Deutschland mag man das sicher nicht so recht verstehen, aber kaum ein Haus ist hier mit einer Heizmöglichkeit ausgestattet. Zwei Pullover und Abends vielleicht die Flasche Rum können auch wärmen. Aber ein Ofen macht das Ganze dann doch gemütlicher. Hier ein Blick in mein Reich - rechts der Wärmespender.

Sonntag, 11. November 2012

El Hierro Vulkan - Eisensulfat als Fischfutter?

NEWS:

Nachdem wir nun auf fast alle Daten wieder zugreifen können (außer den Gaswerten) hier der aktuelle Stand. Zwei schwache Beben in der vergangenen Nacht. Um 23.32 Uhr ein ML1,8 in 12 km Tiefe am Tanagasoga (rot) und um 02.40 ein ML1,7 Erdstoß ebenfalls in 12 km Tiefe im Süden (rosa).
 
 

Eisensulfat als positiver Lebens- und Klimaveränderer?


Man nehme sieben Tonnen Eisensulfat, streue es großflächig über die Meeresoberfläche vor La Restinga und warte ab. So kurz und simple das Wunderrezept.
Nach kurzer Zeit wird durch die Eisendüngung eine starke Algenblüte ausgelöst. Die Algen entwickeln sich explosionsartig bis in 100 Meter Meerestiefe. Durch das vermehrte Nahrungsangebot werden zusätzlich Fische angelockt, die Artenvielfalt vermehrt sich. Die Fischer können wieder aus dem Vollen schöpfen.

Zusätzlich entziehen die Algen der Atmosphäre Treibhausgas, binden es in ihren Zellen, transportieren es auf den Meeresgrund und lagern es dort über hunderte von Jahren ab. Zwei positive Aspekte und auf den ersten Blick auch erfolgversprechend und nachvollziehbar.

Genau dieses Experiment wurde im Jahre 2004 von einer internationalen Forschergruppe im Südpolarmeer unter dem Namen "EIFEX" erfolgreich durchgeführt. Die Hälfte der durch die Algenblüte verursachte Biomasse versank getränkt mit Kohlendioxid auf den Meeresgrund wo es gebunden über eine lange Zeit verbleibt.

Wenn nun aber geschäftstüchtige Privatleute wie der US-Unternehmer George Russ, ein erklärter Umweltaktivist, auf eigene Faust in großem Stil die Meeresdüngung übernehmen und sich dafür bezahlen lassen wird die noch unerforschte Sache bedenklich. 100 Tonnen Eisensulfat hat er im Auftrag einer Ureinwohner Gemeinschaft, für 2,5 Millionen Dollar (lt. New York Times) vor den kanadischen Inseln Haida-Gwaii im Meer versenkt. Der immer mehr zurückgehende Lachsbestand vor der Küste sollte gestoppt und wieder vermehrt werden.

Ob das Experiment erfolgreich war, wird nicht berichtet. Es ist aber anzunehmen, daß sowohl die Vermehrung des Lachsbestandes als auch die Kohlendioxid Bindung den erwünschten Erfolg brachten.

Gefährlich werden diese Experimente, wenn sie vielerorts in großem Maßstab durchgeführt werden. Die Natur wird über kurz oder lang auf diese Eingriffe reagieren und vielleicht negativ und unumkehrlich das Leben auf der Erde beeinflussen. Es wäre nicht das erste Mal, daß der "schlaue" Mensch Dinge entwickelt und entdeckt, die sich später als Geisel der Menschheit heraus stellen. Die Entdeckung der Kernspaltung war zunächst auch eine Genietat. Was der Mensch daraus gemacht hat und wie gravierend unser Leben davon heute bedroht ist, können wir alle sehen.

Kontrollierte Forschung im begrenzten Umfeld "Ja" - eine Kommerzialisierung bei dem heutigen Wissensstand jedoch "Nein" - so möchte ich meinen Beitrag heute abschließen und zur Diskussion stellen.

Samstag, 10. November 2012

El Hierro Vulkan - Seismografen liefern wieder Daten

NEWS:

Seit der vergangenen Nacht senden die Seismografen wieder. Der Geräteschaden konnte nach einer Woche behoben werden. Das erste aufgezeichnete Beben (IGN Grafik) erfolgte um 23.36 Uhr mit ML1,7 in 11 km Tiefe unter dem Tanganasoga. Ein weiteres Beben mit der gleichen Stärke kurz darauf um 00.03 Uhr vor der Westspitze in 31 km Tiefe. Die Seismografen sind mit die wichtigsten Messinstrumente in der Vulkanforschung. Schon kleinste Erdbewegungen werden registriert und es lässt sich die genaue Lage, Tiefe und Stärke aus den Daten mehrere Geräte heraus berechnen.

Das älteste Seismoskop der Welt stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Kaiserreich China. Es wurde um das Jahr 132 nach Christus von Zhang Heng, kaiserlicher Astronom der Han-Dynastie, erfunden – ungefähr 1600 Jahre bevor die ersten Seismographen in der westlichen Welt entwickelt wurden. Es handelte sich bei der Vorrichtung um ein bewegungsempfindliches Gefäß aus Bronze mit acht nach außen gerichteten Drachenköpfen, die in acht verschiedene Richtungen wiesen. Jeder der Drachen hielt eine kupferne Kugel in seinem Maul, die bei Erdbewegungen in Richtung des Bebens ausgespien wurden. Um die Basis des Gefäßes herum hockte unter jedem Drachen ein Frosch aus Porzellan mit weit aufgerissenem Maul. Schon durch leichteste seismische Erschütterungen wurde ein im Gefäß verborgenes Pendel in Schwingungen versetzt, welche die Kugel aus ihrer Halterung lösten. Vom Maul des Drachens fiel die Kugel in das des Frosches und erzeugt einen charakteristischen Klang, aus dem auf die Richtung des Erdbebens geschlossen werden konnte. Foto und weitere Einzelheiten nachzulesen bei Wikipedia.
 
 

Unabhängig von den Seismografen wird über mehrere satellitengestützte GPS Messpunkte eine Lageveränderung der Insel festgestellt und berechnet. Als Referenzpunkte dienen dabei die Nachbarinseln. Jede horizontale Verschiebung nach Norden oder Osten kann so festgestellt werden. Aber auch vertikale Verformungen lassen sich aus den Daten berechnen. Diese Aufgabe führt für El Hierro seit Jahren die japanische Universität Nagoya durch. Die spanische IGN übernimmt nur zeitverzögerte diese japanischen Werte. Aus den jüngsten Tabellen (links) von einigen südlichen Stationen um Restinga ist ein leichter Rückgang der Bodenverformung zu erkennen. Relevant ist immer der rechte blaue Punkt. Dies ist der neueste Messwert, der durch eine Rapido-Messung festgestellt wurde. Erst wenn dieser Wert nachberechnet und bestätigt wurden ändert sich die Punktfarbe in Rot. Die Bodenverformung bleibt also auf hohem Niveau mit leicht abnehmender Tendenz.
Das sagt uns, daß der Druck im Bereich der darunter liegenden Magmakammer weiter hoch ist und noch keinen wirklichen Druckausgleich gefunden hat. Erst durch das weitere Vordringen der Magma und der Gase in vielleicht vorhandene Hohlräume oder eine Ventilwirkung durch den Austritt ins Meer oder die Atmosphäre könnte schlagartig für einen Druckausgleich und das Abnehmen der Bodenverformung sorgen.

Freitag, 9. November 2012

El Hierro Vulkan - kein Dialog möglich

NEWS:

Die letzten Messdaten stammen vom 4. November 2012. Seit diesem Zeitpunkt hat zumindest der Seismograf CHIE (SHZ) seinen Dienst quittiert.
Inwieweit auch die weiteren Seismografen auf El Hierro ausgefallen sind kann man nur vermuten. Es werden zur Zeit von der IGN überhaupt keine aktuellen Daten und Messergebnisse eingepflegt. Wahrscheinlich ist im Moment keine Überwachung der vulkanischen Aktivitäten unter der Insel möglich.

Nach den Verlautbarung der IGN hat das schwere Unwetter in der vergangenen Woche durch eindringendes Wasser oder Blitzschlag die gesamte Technik lahmgelegt. Die sonst automatisch gesendeten Daten werden im Lagezentrum nicht mehr empfangen.
Sowohl die IGN als auch das für die Übertragung zuständige Telekommunikations- unternehmen "Telefonica" arbeiten mit Hochdruck an der Lösung dieses Problems.
Ob die seimischen Beben der vergangenen Tagen zwischengespeichert wurden und die Daten wiedergegeben werden können, ist ungewiss.
Bleibt also nur zu hoffen, daß im Interesse der Wissenschaftler und der Bewohner bald eine Lösung gefunden wird.

Donnerstag, 8. November 2012

EL Hierro Vulkan - Farbenschauspiel vor einem Jahr

NEWS:
16.05 Uhr - laut IGN wurde durch das Unwetter auch der CHIE-Seismograf bzw. der Sender beschädigt. In Zusammenarbeit mit der Telefonica arbeitet man an diesem Problem und hofft bald wieder Daten senden zu können.


Nachdem die offiziellen IGN Messwertgeber immer noch außer Funktion sind und das bereits seit vergangenen Samstag, gibt es keine gemessenen neuen Beben.
Wo der Hund genau begraben liegt und warum das Instituto Geografico National den Fehler nicht beheben kann oder will, entzieht sich meiner Kenntnis. Im Moment bleibt nichts anderes übrig als im Nebel herum zu stochern.
Seit dem 4.11.2012 - 18.49 Uhr mit einem ML2,3 Erdstoß ist nach den offiziellen Daten Ruhe eingekehrt.

Drehen wir die Zeit um genau ein Jahr zurück - auf den 8. November 2011 - da ging dieses Foto um die Welt.

Der Vulkan ist im Süden bei La Restinga ausgebrochen. Eine großflächige Meeresverfärbung in brillanten grün und braun Tönen wurde von den Vulkanologen der Involcan aus dem Guardia Civil Hubschrauber eingefangen. Es waren in der Entstehungsphase vor allem erst Gase die der Eldiscreto aus seinem Schlund entließ und die Meeresoberfläche in einen grünen Teppich verwandelte.
Wer die dramatische Entwicklung noch einmal Nacherleben möchte hier der 8.November 2011.
 
Alles gibt es natürlich übersichtlicher auch in Buchform. Vielleicht eine Geschenkidee zu Weihnachten.