Mittwoch, 12. Oktober 2011

El Hierro - Lage und Szenario

La Restinga ist inzwischen eine Geisterstadt. Nur noch Sicherungskräfte, Vulkanologen und einige Presseleute hasten durch die verlassenen Gassen. Alle Einwohner sind nach der überraschenden Evakuierung gestern Nachmittag bei Freunden und in den bereit gestellten Notunterkünften angekommen. Für den Bereich der Südspitze herrscht weiter die höchste Alarmstufe.

Gestern Abend und in der Nacht wurde die Insel von weiteren Erdbeben erschüttert. Der kräftigste Erdstoß ereignete sich um 2.33 Uhr mit einer Stärke von 2,4 auf der Richterskala in 18 km Tiefe. Der Tremor, also das Erzittern der Erde durch aufsteigende Magmamassen, hat dramatisch zugenommen.

Die Erschütterungen sind so heftig, daß die aufzeichnenden Geräte nur noch dicke sich überlappende Balken zu Papier bringen. Riesige Magmamassen müssen hier auf dem Wege zur Oberfläche sein. Es ist für mich nun sicher, daß es zu einem Vulkanausbruch kommt.

Besorgt bin ich allerdings über die Verlagerung der registrierten Beben. Waren sie in der Vergangenheit im Meer, so liegen die jetzigen Erdstöße direkt unter der Insel. Sie konzentrieren sich auf die Cumbre (Bergrücken) im Inselinnern. Ich glaube nicht, daß es einen Vulkanausbruch in Strandnähe von Restinga im Süden geben wird. Den Bereich um den Tanganasoga, ein Berg mit 1376 m Höhe, sehe ich als mögliche Ausbruchsstelle.

Die roten Punkte kennzeichnen die jüngsten Beben der vergangenen Nacht. Noch liegt der Schwerpunkt der Erdstöße südlich des Halbkraters El Golfo.











Fast alle Beben finden in großer Tiefe von 10-18 km statt. Das kann bedeuten, daß sich die Magmakammern mit neuem Material aus dem Erdinnern auffüllen und nachher eine große Menge Lava ausspucken können


Hier als Kreis markiert auf der Landkarte, der Sektor um den Tanganasoga. Ein Ausbruch in diesem Gebiet wäre sehr bedrohlich für das besiedelte Golfotal. Direkt durch den Kreis führt die über 1000m hohe und abfallende Abruchkante (dunkler Bereich). Die Lava könnte hier ungebremst ins Tal stürzen und Frontera und Sabinosa sowie die dazwischen liegenden Pueblos äuserst gefährlich werden.

Das sind meine Überlegungen und mein Szenario.
Ich könnte mir gut vorstellen, daß die Behörden in den nächsten Stunden zu einer ähnlichen Ansicht gelangen und auch für das Golfotal die höchste Alarmstufe ausrufen werden. 


Dienstag, 11. Oktober 2011

El Hierro Vulkan - Evakuierung von Restinga läuft

Die Evakuierung von Restinga ist in vollem Gange. Als Notunterkünfte wurden eine Schule und eine Sporthalle in der nördlich liegenden Hauptstadt Valverde vorbereitet.
Hier ein Foto aus ruhigerer Zeit, mit Blick über den kleinen Badestrand und den neu umgebauten Hafen von Restinga. Hier irgendwo draußen soll sich nach Meinung der Behörden der Vulkanschlund öffnen. Vulkan und Wasser verträgt sich genauso gut wie der Teufel mit Weihwasser.

Diese Kombination erzeugt eine explosive oder phreatomagmatische (= Zungenbrecher)  Eruption. In den 1300° heißen Lavakanal eindringendes Wasser verdampft sofort und vergrößert sein Volumen um das 70fache. Die Folge ist eine mächtige Explosion mit Druck- und Flutwellen.

Jetzt werden Sie sich fragen warum das gestern nicht auch passiert ist. Gehen wir mal davon aus, daß es eine Eruption in 2000m Meerestiefe gegeben hat. Das über der Ausbruchsstelle liegende Wasser war so schwer, daß der Druck des Vulkan es nicht schaffte bis an die Meeresoberfläche vorzudringen. Seine Kraft verpuffte quasi im Untergrund ohne sichtbaren Schaden anzurichten.
Nun soll der Vulkan im seichten Wasser ausbrechen. Bei bis zu 250 - 300m Wassertiefe reicht diese Energie aus um die beschriebene Explosion auszulösen.

Was hat nun zur Auslösung der höchsten Alarmstufe "ROT" geführt. Die Katastrophenbehörden und auch das Instituto Geografico National (IGN) gingen gestern davon aus, daß mit dem "Ausbruch" im Meer, die Energie in der Magmakammer kräftig abnimmt und das Schauspiel abklingt. Ich hatte gleich eine andere Meinung dazu. (hier zum Nachlesen).
Heute nun blieb der Druck konstant, der Tremor wurde stärker und es setzten am Nachmittag wieder stärkere Beben ein. Wir hatten innerhalb von  90 Minuten vier Beben, um 14.39 Uhr mit 2,0 - um 15.21 mit 2,3 - um 15.45 mit 2,7 und um 15.55 mit 1,8.
Jetzt schrillten plötzlich alle Alarmglocken - der Hauptvulkan kommt ja erst noch. Alarmstufe "Rot".

El Hierro Vulkan - Explosiver Hauptausbruch steht bevor


Evakuiert wird der komplette Südbereich um Restinga. Betroffen sind ca. 600 Bewohner und Touristen. Alle Anwohner wurden aufgerufen auf dem höher gelegenen Sportplatz von Restinga sich einzufinden. Von hier aus werden sie nach Valverde in Notunterkünfte gebracht.
Wie der Präsident für Sicherheit und Notfall Jose Manuel Santana mitteilte wird aufgrund der seismischen Bewegungungen ein Vulkanausbruch in Strandnähe erwartet. Dieser könnte sich aufgrund der geringen Meerestiefe zu einem explosiven Vulkan mit all seinen zerstörerischen Folgen entwickeln.
Die Vulkanexplosion oder phreatomagmatische Explosion bezeichnet in der Vulkanologie eine vulkanische Explosion, die aus dem direkten Kontakt von heißer Gesteinsschmelze (Magma oder Lava) oder heißen pyroklastischen Dichteströmen mit externen Wässern, hier Meereswasser, resultiert.

El Hierro - Alarmstufe ROT

Soeben wurde auf El Hierro die höchste Alarmstufe "Rot" ausgerufen. Ein neuer Vulkanausbruch diesmal direkt auf der Insel wird in Kürze befürchtet.
Betroffen soll die Südspitze um Restinga sein. Erste Evakuierungen laufen.
Sobald Näheres bekannt ist, melde ich mich.

El Hierro Vulkan - Sollte es das schon gewesen sein ?


Das ist die aktuelle Aufzeichnung der Seismographen über die Erschütterungen im Untergrund von El Hierro. Das ganze nennt sich "Tremor" und spiegelt die Vibrationen die von der aufsteigenden Magma beim Zertrümmern von Gestein erzeugt wird.
Der Tremor hat sich in der Nacht verstärkt und hält weiter an. Begleitet wird er von nur noch gelegentlichen Erdstößen die Auftreten, wenn das Magma auf Barrieren trifft und diese mit Gewalt durchbricht.
Wir hatten heute in der Nacht um 1.04 Uhr ein Beben der Stärke 1,6 und um 6.02 Uhr mit 2,3 auf der Richterskala. Es fällt auf, daß diese Erdstöße nicht am Meeresboden an der Ausbruchstelle, sondern in 10 und 19 km Tiefe gemessen wurden.

Auch das Zentrum der Beben lag nicht dort wo es zu vermuten wäre, sondern verteilt über das Inselinnere bis hin zur Küste des Golfotales im Nordwesten. Sollte etwa die gestrige Meeres-Eruption nur ein Vorbote eines noch folgenden Hauptausbruch sein ? Vielleicht traten gestern nur Gase aus die das Fischsterben verursachten ? Noch wissen wir nichts genaues. Alles sind nur Vermutungen. Die nächsten Tage werden es noch zeigen.
Wer meine Berichte genau verfolgt hat, dem ist sicher aufgefallen, daß ich nur von einem ersten Vulkanschlot schreibe.
Auch Interviews von führenden Politiker in lokalen Tageszeitungen irritieren mich. Aussagen wie "Der Vulkan ist im Meer ausgebrochen und hat alle angestaute Energie abgelassen. Es besteht absolut keine Gefahr mehr für Touristen. Sie können jetzt ungestört die Schönheit und Ruhe unserer Insel genießen" 
Solche Aussagen zeugen von Naivität, Unkenntnis oder bewusster Täuschung. Auch ich gönne und wünsche jedem Gast einen schönen und erholsamen Aufenthalt auf El Hierro. Aber alles zu seiner Zeit - aber Entwarnung ist jetzt noch nicht angesagt.
, Schauen wir uns einmal die neueste Energiebilanz, also die angestaute Kraft im Innern der Magmakammer, an. Die Kurve zeigt nach wie vor ein hohes Druckpotenzial. Es scheint nicht weiter anzusteigen, aber die Kraft ist weiter vorhanden. Also nichts mit "alle Energie abgelassen". Stechen Sie einmal einen prall gefüllten Luftballon mit der Nadel an, dann wissen Sie was passiert.