Donnerstag, 28. März 2013

Vulkan - Beben ohne Ende

NEWS:

17.53 Uhr - der Durchnitt der Bebenstärke ist heute schwächer als gestern. Das Zentrum wandert etwas Richtung Süden (rot). Die Erdstöße kommen aus unterschiedlichen Tiefen zwischen 10 und 20 km.



13.54 Uhr - Jetzt haben wir auch die jüngsten Kohlendioxid (CO²) Werte der Involcan. Es sind keine punktuelle Messungen, sondern das Ergebnis aller über die Insel verteilten Messeinrichtungen. Die Fragezeichen sollen nicht irritieren. Während dieser Zeit wurden wegen Geldmangel schlicht keine Messungen vorgenommen. Die gestrige CO²-Emission liegt aktuell bei 1684 Tonnen/Tag. Der Normalwert liegt bei 345t/Tag. Nur bei der Eruption 2011 lagen die ausgestoßenen Mengen an CO² höher.


11.50 Uhr - und um 11.00 Uhr ein ML4,1 aus 19 km Tiefe.
10.56 Uhr - Beben von ML3,8 um 10.32 Uhr in 21 km Tiefe


Das war gestern schon deftig. Ein ML4,6 Beben und eine Reihe von ähnlich starken Erdstößen, hat man auf El Hierro seit Anbeginn der Vulkankrise 2011 so auch noch nicht erlebt. Alles hat gewackelt, geklappert und Steinschlag ausgelöst. Selbst die Nachbarinseln bis Gran Canaria verspürten diesen Erdstoß. Nach Berechnungen der Involcan wurde gestern mehr Energie freigesetzt, als in den letzten 10 Tagen zusammen.

Nach der IGN Grafik links war von der Anzahl der Beben dieser Tag gar nicht der Spitzenreiter. "Nur" 175 Erdstöße (Vortag 200) wurden registriert. Aber in der Kraft und der Stärke einzelner Erdstöße liegt das Potenzial ... und weitere sollen folgen. Es gab keine Schäden, nur Steinschlag und Erdrutsche. Aus diesem Grunde wurden von der Pevolca nun auch einige Straßen und Wege im Bereich des Westzipfel gesperrt. Viele Straßen gibt es dort so und so nicht. Die Strecke ab Pozo de la Salud (Sabinosa) und die Zufahrt zum Leuchtturm Orchilla wurde dicht gemacht. Auch ohne Erdbeben habe ich in diesem Bereich schon Steinschlag erlebt. Es bleibt festzuhalten, das Golfotal kann über die Südstrecke nicht mehr verlassen werden.

Die Beben kreisen weiter um das alte Epizentrum ca. 8 bis 10 km vor der Westküste. Die Tiefe variiert und liegt heute Morgen im Schnitt bei 16 bis 19 km Tiefe. Ein ML3,7 Erdstoß um 5.28 Uhr aus 16 km Tiefe war bis jetzt das stärkste Ereignis heute. Es ist anzunehmen und spiegelt sich auch mit den Prognosen der IGN, daß es im Laufe des Tages wieder zu Beben um ML4,6 kommen wird.
El Hierro wölbt und dehnt sich unter dem immensen Druck der sich im Innern um die Magmakammer aufbaut und weiter ausbaut. Die Kraft lässt sich nicht berechnen, sondern nur vermuten. Die linke Kurve zeigt die Verschiebung der Insel Richtung Nordosten (Hallo El Hierro, bald können wir euch die Hand reichen), die rechte Kurve die vertikale Aufwölbung um ca. 11 cm. Wenn dieses Potenzial jetzt schlagartig frei würde ... so weit sind wir aber noch nicht.
 
Um die Entscheidungen der Pevolca (Krisenstab) gibt es natürlich Diskussionen. Ob die Vulkanampel auf Grün, Gelb oder Rot steht, ist im Grunde egal.  Der gesunde Menschenverstand sollte jedem selbst anzeigen, welche Maßnahmen er jetzt zu ergreifen hat.
 
Es versteht sich auch bei dem jetzigen behördlichen "Normalzustand" - und dieser Hinweis geht an Wanderer, in diesen Tagen nicht gerade auf Steilklippen, an Abruchkanten des Golfo oder in tiefen Barrancos zu wandern. Bei Beben über ML4,0 können Pfade abrutschen oder Steinbrocken aus großer Höhe herabstürzen.
 
Um aus nordeuropäischer Denkweise so manche Entscheidung hier zu verstehen, muß man die Mentalität der Canarios näher beleuchten.
Der Canario lässt sich nicht gerne etwas von der Obrigkeit vorschreiben. Noch zu gut ist die Franco-Zeit in Erinnerung (bis 1975). Man hat schon immer das gemacht was man für richtig hielt, ob mit oder ohne Gesetz und ist damit gut gefahren.
Die Herrenos sind aber noch ein bisschen eigenartiger und sturer. Eine von Madrid und der Kanarischen Regierung verordnete Raketenabschußbasis in den 1990 Jahren wurde erfolgreich vereitelt. Die ganze Insel wurde mobilisiert und nach zähem Kampf das Projekt dann gestoppt. Auch die Kaperung der ARMAS Fähre im letzten Jahr unter Mitwirkung des Inselpräsidenten Alpidio Armas ist so ein Beispiel.
Unkonventionelle Maßnahmen, die aber Wirkung zeigen. Strafrechtliche Konsequenzen werden bewusst in Kauf genommen. Verlaufen aber meist wegen der Mobilisierungsmasse im Sande. Seit langem kursiert auf der Insel der Satz:
 
 
"Wir sind vielleicht nur 9000 Menschen auf der Insel - aber wir sind 9000 aus El Hierro"
 
Der Stolz und selbst zu Wissen was notwendig ist, prägt diese Menschen. Dies weis natürlich die Pevolca (im Gremium sind auch Herrenos vertreten) und lässt ihre Entscheidung "milder" ausfallen. Wir erinnern uns alle noch an die Evakuierung von La Restinga oder die Schließung des Golfotunnels 2011 und die damit verbundenen Proteste.
 
Für einen Deutschen der sich an Gesetze und Verordnungen hält und sie wahrscheinlich auch braucht, schwer nachzuvollziehen.
Eines ist aber sicher, wenn Hilfe gebraucht wird, wird alles mobilisiert und in kürzester Zeit herbei geschafft. Das konnte ich schon mehrmals hier auf La Palma bei den verherrenden Waldbränden selbst hautnah miterleben.
 
Also versuchen wir die Pevolca zu verstehen, auch wenn wir sie vielleicht nicht ganz richtig verstehen. Es sind oft Maßnahmen und Aussagen ohne große Hintergedanken. Hier sollte auch nichts hinein gedeutet werden, oft denken die gar nicht soweit.

Kommentare:

  1. Danke für diese Erläuterungen!
    Auf der Avcan FB-Seite gab es letztes Wochenende eine Erklärung über das, was evtl. gerade passiert. Ich fand die sehr interessant, habe sie aber im Detail nicht ganz verstanden. Falls Du Zeit findest würde ich mich freuen wenn Du darauf mal eingehen könntest. Da der Text als 1. Kommentar unter einem Beitrag verschwunden ist, hier der Link. Man muss dann alle vorherigen Kommentare öffnen,weil es wie gesagt der erste ist:
    http://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=248566761947436&id=163883668446
    Vielen Dank noch mal für Deine Berichterstattung!
    M. F.

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  2. Die WarnAmpel steht nun auf "GELB":
    http://www.01.ign.es/ign/resources/volcanologia/HIERRO.html

    ...somit wurde doch reagiert - immerhin.

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  3. Hallo Manfred.
    Auch von mir ein Dankeschoen fuer den, nach meinem Geschmack, wirklich guten Bericht, der den Nagel auf den Kopf trifft. Die Herreños sind mehr als genervt von den staendigen Einmischungen in ihre Angelegenheiten von allen Seiten, am liebsten wuerden sie ganz auf Politiker verzichten und nach ihren eigenen Regeln leben. Durch die Abgeschiedenheit der Insel war das auch bis vor ca. 20 Jahren mas o menos ihre gelebte Realitaet, zumindest in Bezug auf die Regierung in Madrid.
    Spontane Solidaritet und Hilfsbereitschaft haben sie durch Hilsaktionen fuer Cuba und auch, als die Boote aus Afrika kamen (trotz einiger rassistischer Aeusserungen) unter Beweis gestellt. Haetten sie frueher Bildungschancen wie wir Nordeuropaer und ein wenig mehr Uebungsfeld bzgl. gelebter Demokratie gehabt, sprich keine Francodiktatur und nicht den Druck der Staatskirche, wuerde hier einiges anders und besser funktionieren.
    Die Anti-Lanzaderademonstration auf Teneriffa war fuer alle Teilnehmer ein unvergessliches Erlebnis und auch die Politiker konnten den Insulanern bei zahlreichen Veranstaltungen die Abschussrampe nicht als Fortschritt verkaufen. Als ein potugiesiches Schiff bei Sturm mit grossen Baumaschinen im Mar de las Calmas vor Anker ging, sassen viele Leute mit Stoecken bewaffnet an der Kueste um eine Landung zu verhindern. Fuer den Fall einer Schiffsladung mit Baumaschinen gab es den Plan, die Strasse vom Hafen bis Valverde mit Autos zu blockieren u.s.w.... Hoffentlich werden wir aus dem Erdinneren nicht zu sehr durch die Beben gebeutelt, ist so ein schoenes Fleckchen Erde..
    Saludos Karin

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  4. kann es sein dass insgesamt die frequenz auch der kleinen beben zunimmt?

    julie

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  5. Warum ist es nun wieder einmal so das El Hierro nicht zu sehen ist?

    http://lance-modis.eosdis.nasa.gov/imagery/subsets/?subset=Canary_Islands.2013087

    Hat das evtl. einen Grund?

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  6. Martina aus Niedersachsen28. März 2013 um 14:12

    Hallo!

    Weiss einer warum die El Hierro-Beben nicht auf der Liste vom GFZ-Potsdam auftauchen???

    Ich habe mehrere Seiten, wo Erdbeben aufgezeichnet sind. Nur bei der obengenannten Seite tauchen die Beben nicht auf. Weiss einer den Grund ??

    VG Martina aus Niedersachsen

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    1. Wenn ich das richtig sehe, hat deren Netzwerk nur Stationen au Teneriffa, gran Canaria und Lanzarote.
      http://geofon.gfz-potsdam.de/eqinfo/gevn/index.php?nid=56
      Vielleicht ist die Reichweite nicht groß genug.
      M.F.

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  7. Hallo Manfred
    Herzlichen Dank für Deine Erklärung bezüglich CO2-Ausstoss.
    Diese Angaben werfen bei mir folgende Frage auf: Woher kommen die Konzentrationen her?
    Gibt es da einen irgendwo ein Kamin? Oder sind alte Schlote so durchlässig, das durch feine Ritzen das CO2 austreten kann?
    Von irgendwo muss es ja kommen.
    Wenn es im Jahr 2011 so war und der Ausbruch vor La Restinga, dann müsste doch irgendwo eine Austrittstelle sein im Meer.
    MFG
    Carlos

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    1. Hallo Carlos,
      Gas tritt auf den Kanaren ständig aus. Es kommt durch kleine Risse und Kapillare aus dem Boden. Erhöht sich nun der Innendruck um die Magmakammer, wird mehr Gas an die Oberfläche gedrückt. Dafür bedarf es keiner Schlote oder großer Öffnungen. Die Gesteinsschichten um die Magmakammer sind nicht gasdicht. Durch die geförderte Menge und Veränderungen in der Gaszusammensetzung können so frühzeitig Eruptionen erkannt werden. Welche Gase sich dabei verändern müssen, wäre eine Frage an einen Chemiker.
      Gruß
      Manfred

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    2. Hallo Carlos und Manfred

      Ein wichtiges Indiez ist Helium 3 oder Helium 4, hab das leider nimmer so im Kopf. CO2 ist eher ein geringeres Indiez, da sind Edelgase wichtiger.

      Sorry da müssen Vulkanologen ran und keine Chemiker. CO2 ist eher zweitrangig, selbst die Vulkaneifel dünstet noch CO2 aus.

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  8. Lieber Manfred
    Danke für Deine Antwort.
    Wie Dir fehlen mir Antworten von Spezialisten.
    Sicher wäre es interessant, wenn ein Chemiker und Vulkanologe dies beantworten könnte.
    Nach einer ruhigen Phase hat es wiedereinmal um 16:02h mit 3.5 mblg die Insel sanft gerüttelt.
    Mal schauen, wie es weiter geht.
    MFG
    Carlos

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  9. Hallo zusammen
    Zurzeit befindet sich die RAMON MARGALEF 19km südlich von La Restinga. Im Unterwasserrelif befindet sich dort eine grössere Erhebung unter Wasser.
    MFG
    Carlos

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  10. Uffff M4,6 um 02:51:33 , wer ist wach gerüttelt worden?

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    1. Dieses Beben wird bei http://www.emsc-csem.org/Earthquake/?view=1 nicht aufgezeichnet. Grüße, Maritza Schwarten.

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  11. Das Beben wurde auf M4,3 korrigiert....

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  12. Ich bin wach geworden. ...23 Uhr ging es wieder los.... aber nur ne halbe Stunde.... Dann um 3 .... Und heute Morgen gegen 8 wieder ein starkes

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