Samstag, 30. Juni 2012

El Hierro Vulkan - wenn das Glöckchen klingt

NEWS:  17.22  Uhr - die Beben halten weiter an. Der Tremor ist etwas zurück gegangen. Allerdings nimmt die Bodenverformung stak zu. Der horizontale Anstieg bei einer Messtation im südlichen Golfotal beträgt jetzt 6 cm. Ein doch überraschender und noch nie gemessener Anstieg, innerhalb weniger Stunden/Tage.
Falls ich mich in den Tagen nicht planmässig melde,liegt es nicht am Vulkan sondern an meiner schlechten Internetverbindung. Auch Mails kann ich im Moment nicht beantworten.
Die Beben halten weiter an. Um 23.45 Uhr der stärkste Erdstoß der Nacht mit ML3,3 (Grafik). Das Zentrum liegt wie gehabt am Westzipfel der Insel und stabil in 17 bis 21 km Tiefe. Die Verformung der Insel hat weiter zugenommen. Laut Gobierno de Canarias horizontal auf jetzt 4 cm und vertikal um 4,5 cm. Gestern kam mit der Fähre das mobile Katastrophenzentrum der "Grupo Emergencia y Salvamento" im Hafen La Estaca an. Ein Großraumbus mit modernen Satelliten-Nachrichten Systemen, Krankenfahrzeuge und die Begleitmannschaft. Auch scheint wieder ein Emergencia Hubschrauber auf dem Flugplatz stationiert zu sein. Die CSIS hat mit dem Geologen Ortiz wieder ihr Beobachtungszentrum in El Pinar bezogen.
Gestern war ich den ganzen Tag direkt im Bebenzentrum. Im Gebiet von El Julan und La Dehesa. Alles sieht hier ruhig und einsam wie immer aus. Nur ein Touristenpaar aus Nordspanien und erklärte Hobbyvulkanologen und wenige Einheimische liefen mir über den Weg. Kein Wissenschaftler und auch kein Forschungsschiff oder Flugzeug weit und breit waren zu sehen. Eine friedliche Stimmung auf den ersten Blick, wenn ich nicht wüßte was sich im Untergrund zur Zeit so abspielt.
Das Meer vor der Küste mit den üblichen Verfärbungen die durch Meeresströmungen verursacht werden. Keine Anzeichen von Gas- oder Lavaspuren. Verwundert hat mich, daß ich kein einzigen Beben während des gesamten Tages verspürt habe. Es gab zu dieser Zeit eine ganze Reihe von Erdstößen, auch über ML3,0. Allerdings herrschte starker Sturm mit einer lauten Geräuschkulisse und ich fuhr zeitweise mit dem Pkw.

Optisch konnte ich allerdings die Beben sehen. Leichter Erdrutsch und Steinschlag zwangen mich mehrmals zu stoppen und Umwege zu fahren. Es ist schon etwas unheimlich und sicher auch nicht ungefährlich, wenn aus der Höhe plötzlich Steinbrocken Richtung Straße rollen. Ich denke, daß heute diese Strecke wegen Steinschlaggefahr gesperrt wird.
Messgeräte konnte ich entdecken. Eine Vielzahl von technischen Gerätschaften in der Dehesa und im südlichen Eingangsbereich zum Golfotal sind in der Lavawüste vorhanden. Um welche Armaturen es sich im Einzelnen handelt war für mich nicht aus zu machen. Vielleicht kann ein Fachmann unter den Lesern die Geräte anhand der Fotos identifizieren.
Nach einem längerem Gespräch mit einem Herreno, führte mich dieser nachdem er sich von meinen Insiderkenntnissen überzeugt hatte, in sein Haus. Er präsentierte voller Stolz seinen selbstgebauten "Seismographen" (Bild unten). Ein simples Glasgefäß und ein Gewicht das an einem Draht links und rechts herunter hing. Schon die geringste Erschütterung und das hat er manuell demonstriert, brachte den Glaskörper laut zum Klingen. Der Clou dabei ist, daß das Glöckchen und das Amulett auf der rechten Seite, geweihte Andenken der Inselheiligen "Virgen de las Reyes" seien müssen. Nur so würde es funktionieren - so die Meinung des Herreno. Auf die Politiker und die Pevolca sei kein Verlass. Sie würden die Bevölkerung mit keinen Informationen und wenn, dann nur mit gefilterten Infos, versorgen. Hier müsse man dann schon zur Selbsthilfe greifen und selbst bestimmen, wann und was das Glöckchen geschlagen hat, um die Koffer zu packen und die Gegend zu verlassen.
Das war vielleicht gestern mein interessantestes Erlebnis in der südwestlichen Einöde.


Kommentare:

  1. Hallo Manfred,
    Danke das Du uns so gut informierst, über die Vulcan aktivität. Ich selbst lebe und wohne auf La Palma in El Paso, und für uns ist es schon interessant, was auf der Nachbarinsel passiert.
    Liebe Grüße Holger

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  2. Hallo Manfred

    "Es ist schon etwas unheimlich und sicher auch nicht ungefährlich, wenn aus der Höhe plötzlich Steinbrocken Richtung Straße rollen. Ich denke, daß heute diese Strecke wegen Steinschlaggefahr gesperrt wird."

    Ob eine Sperrung etwas bringt halte ich für zweifelhaft wenn ich sowas lese:

    "Ist die Strasse zur Badebucht von Tacoron offiziell immer noch gesperrt ?
    Im Februar mußte das Sperrschild umfahren werden, damit man zur Badebucht konnte."

    Vlt. sollte die Policía Local dort nach Sperrung im Nachmittag Kontrollen durchführen und saftigste Strafen verhängen bei soviel Unvernunft.

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    1. Dieter Griepenburg30. Juni 2012 um 16:32

      Scherzkeks !

      Die Strasse zur Badebucht von Tacoron war vorsichtshalber gesperrt, wegen des Vulkanes in La Restinga. Nicht wegen Steinschlags. Außerdem war die Policía Local vor Ort in Tacoron und hat die Badegäste freundlich gegrüßt. Es wurde im Februar schon darüber diskutiert die Sperrung nach Tacoron aufzuheben, weil die zimlich sinnlos war...

      Jürgen, ich weiß ja nicht ob du schon auf El-Hierro und in Tacoron warst, sonst würdest du nicht so einen Blödsinn schreiben.

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    2. Moin Dieter

      "Nicht wegen Steinschlags."

      Ist bekannt.

      Die Bucht wurde meines Wissens wegen Gaskonzentrationen gesperrt und es war keine Vorsicht sondern war begründet auf einem Zwischenfall mit einem Wissenschaftler wenn ich das noch richtig im Kopf hab.

      Und wenn ich in einer AB-Baustelle mich an das Verbot Ü 80km/h halte bin ich auch kein "Scherzkeks". Klar das ist auch nur "vorsichtshalber", theoretisch kann man da auch mit 160 km/h durchjagen.

      Auch betrete ich keinen Wald der wegen Waldbrandgefahr gesperrt ist, das kann zwar gut gehen aber im Fall der Fälle bringe ich mit sowas meine Retter in Gefahr.

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  3. Einfach mal wieder eine lesenswerte Kolumne heute zu dem selbstgebauten Seismographen, vergleichbar mit "Post von Wagner" ;-)
    Liebe Grüße aus Karlsruhe (heute "Level 3-Gebiet", d.h. brisante Unwetter werden uns von kompetenten Meteorologen für heute Abend angekündet)
    Astrid

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  4. Hier Informationen eines Isländers bzg der Gefahr eines Ausbruchs - der Komplette Beitrag ist unter https://volcanocafe.wordpress.com/2012/06/29/icelanders-do-prepare-for-eruptions-a-personal-observation/ einsehbar und es wird gebeten diesen Text an die Hierrenos zu verteilen:

    Como los islandeses se preparan para una erupción – Un testimonio personal
    Durante mi vida, fui testigo de siete erupciones en curso, grandes y
    pequeñas, tanto desde tierra como desde aviones. La primera que vi fue la de Surtsey (1963-1967) – mirando desde la parte continental a través de binoculares, se veía hermosa – la pluma elevándose desde el mar, una profusión de cenizas que en su mayoría cayó en el mar y en la noche, los relámpagos, un montón de ellos en algunas noches. Esta erupción no fue peligrosa, ya que estaba muy lejos en el océano. Hekla en 1970 tampoco ha representado ninguna amenaza real para la población: era sobre todo la lava a correr en un terreno desolado y en
    las altas montañas. La ceniza cubrió la tierra, afectando a los
    rebaños de ovejas y otros animales, principalmente debido a la
    intoxicación química por el flúor que se había acumulado en el césped y en las aguas subterráneas. Los gases se concentraron cerca del volcán. Todas las erupciones del Hekla producen gases. Algunos volcanes, más que otros. Si es posible, usted debe mantener el ganado muy bien protegido.
    La próxima erupción fue potencialmente peligrosa, porque los
    habitantes de Heimaey, el 23 de enero de 1973, fueron despertados en medio de aquella noche de invierno con la erupción justo en el borde de la ciudad, a unos cientos de metros de la granja más cercana. La erupción no se esperaba y se llevó casi todo el mundo por sorpresa. Pero la policía, la Agencia Almannavarnir (ahora bajo la jurisdicción de la Policía del Estado) y los equipos locales de rescate hicieran el traslado del sitio, ya en la primera noche, a todos aquellos no aptos a ofrecer ningún tipo de ayuda. Sólo aquellos considerados útiles y los periodistas se quedaran allí. Para el transporte fueran ordenados aviones civiles y helicópteros militares que volaban en una especie de “puente aéreo”, pero la más utilizada fue la flota de barcos de pesca anclados en el puerto de Heimaey-Vestmanneyjar a causa de una tormenta que pasó la noche anterior, que entonces navegaran por los mares agitados hacia el continente. En los días que se siguieron, un barco de pasajeros y buques de carga también fueron enviados a la isla; el
    barco fue utilizado como base para el personal de rescate y los buques de carga transportaban autos, muebles, maquinaria, sólo lo considerado esencial para el transporte. Más tarde, algunos aviones de carga de la Marina de los EE.UU. ayudaran en el transporte de muebles, mientras que helicópteros de la Fuerza Aérea ayudaran en el traslado de los pacientes hospitalizados en camillas, en la primera noche. Unos días más tarde, comenzó la transmisión de TV en vivo. Todo funcionaba bien, pero le tomó varios años para que la gente regresar a la isla y su vida volver a la normalidad. Tomé algunas fotos de mi primer visita al sitio (en 1974), cuando casi todo aún estaba cubierto de ceniza negra
    y piedra pómez. Y la lava todavía estaba caliente.

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  5. Verwundert hat mich, daß ich kein einzigen Beben während des gesamten Tages verspürt habe.


    Lieber Manfred, mich wundert das gar nicht. Ich erinnere mich noch gut an ein Beben der Stärke 4,3 am 2. November (18:10 lt). Ich war am Gartengiessen, stand also auf der Erde. Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel, wie sich der Gartenschlauch rechts von mir richtig aufbäumt, er hat sich von der Erde erhoben, blieb einige Sekunden "tanzend" in der Luft und fiel dann wieder zurück auf den Boden. Ich selber habe NICHTS gespürt. Das Beben muss sich irgendwie auf die Wasserleitung übertragen haben. Nebenbei: Vielleicht hat ja einer von Euch hier eine Erklärung für dieses Geschehen?

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  6. Auf dieser Seite kann man die vertikalen Verformungen der Insel sehen:

    http://www.seis.nagoya-u.ac.jp/sagiya/Sagiyas_Page/Canary.html

    Die Stationen "VALV", "FRON" und "PINA" zeigen da eine recht deutliche Veränderungen.

    Monika aus Hessen

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  7. Der Meeresgrund um dem Berg El Hierro bebt. Siehe bitte http://s1.directupload.net/file/d/2937/t5fjosov_jpg.htm

    Schöne Grüße von Maritza Schwarten

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  8. ohne Worte:

    http://pravdatvcom.wordpress.com/2012/06/30/erdbeben-und-vulkan-update-el-hierro-erwacht-china-nord-und-sudpol-rumpeln-shiveluch-auf-stufe-rot-tag-21-der-haarp-anomalie/

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    1. Moin Franky

      Die Haarp-Geschichte geistert schon seit Jahren durchs Internet, meinste wirklich die USA riskieren ain Abrutschen der Westflanke von La Palma.

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    2. Das ist wirklich ohne Worte. Ich dachte dieser Blog bliebe von diesen Verschwörungstheoretikern verschont...
      Trolle bitte ignorieren!
      M. F.

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    3. Ich fand auch weniger die Haarp Geschichte interessant, sondern die zusammengetragenen Daten und Videos ;)

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  9. AlsErgänzung zu meiner Bemerkung und für den Hintergrund: http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/08/haarp-erdbebenwaffe-gedankenkontrolle-oder-ganz-normale-wissenschaft.php
    M.F,

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