Sonntag, 21. April 2013

Vulkan - Querdenker, Visionäre und etwas Fantasie

NEWS:

Zu den Vulkanaktivitäten gibt es im Moment wenig zu berichten. Die Ruhephase dauert weiter an. Gestern 3 Beben bis ML2,4 um 21.32 Uhr aus 19 km Tiefe (siehe IGN Grafik). Heute bereits auch 3 kleine Erdstöße unter ML1,5. Die Oberflächen- Verformung hat sich bei +10 cm am westlichen Leuchtturm stabilisiert und baut sich nicht weiter ab. Es sind die von mir erwarteten Werte (siehe mein Bericht vom 5.4.2013). Auf dieser Basis (insgesamt jetzt rund 20 cm) wird sich beim nächsten Bebenschwall der Druck weiter aufbauen.

El Hierro und sein Vordenker - der Visionär


Über die wenigen Visionäre und Vordenker auf den Kanaren hatte ich in der Vergangenheit schon mehrfach berichtet. Es ist ein Thema über das ich gerne Schreibe und leider in der Vergangenheit in vielen Köpfen keinen Platz fand und als Zukunftsspinnerei abgetan wurde. Hier und jetzt wurde das reichlich vorhandene Geld und die vielen Subventionen in den vergangenen Jahrzehnten in Beton gegossen. Viele unnütze und sinnlose Projekte ohne Zukunftsperspektive oder nachhaltige Nutzung wurden aus dem Boden gestampft.
Jetzt kommt auch der Präsident der Nachbarinsel La Gomera, Casimiro Curbelo, auf die glorreiche Idee es dem Gorona del Viento Projekt von El Hierro nachzumachen. 100% Inselstrom aus regenerativer Energie (Artikel in Universocanario).
Er hinkt aber mit seinen Gedanken der Zeit etwas hinterher. Vor Jahren war das Geld dafür vorhanden. Heute sind aber alle Kassen leer und die EU Subventionen fließen nur noch spärlich.
 
Es waren nur wenige - genau genommen nur Javier Morales von El Hierro und der Inselpräsident von Teneriffa Ricardo Melchior die die Chancen für die Zukunft erkannten und auch politisch über den Tellerrand blicken konnten. Sie hatten den Willen auch gegen den Widerstand vieler eigener Parteigenossen die Idee politisch durch zu boxen.

Der ehemalige stellvertretende Inselpräsident und heutige Senator im Kanarischen Parlament Javier Morales wird heute zu Recht auch von seinen ehemaligen Kritikern als "Vater des Gorona Projekt" bezeichnet. Ein Visionär und Vordenker der für El Hierro weit seiner Zeit voraus war. Seine Idee ist heute fast umgesetzt. Bis Ende 2013/14 wird El Hierro die erste Insel der Welt sein, die ihren Strom zu 100% aus Wind- und Wasserenergie bezieht.


Ich hatte im Sommer letzten Jahres Gelegenheit zu einem längeren persönlichen Gespräch mit Javier Morales (siehe Beitrag vom September 2012). Seine Probleme und Widerstände, aber auch sein Wille und seine Überzeugung die Natur zu schützen und die natürlich vorhandenen Ressourcen sinnvoll zu nutzen sind auch nach Jahren mühsamen Kampfes ungebrochen. Ein sympathischer Mensch der nach meiner festen Überzeugung Hochachtung und Unterstützung verdient und noch so manche Überraschung im Hinterkopf hat.

Über seinen Weg und seine Ideen erzählt er in einem neueren Video (deutsch übersetzt) von Esther Weinz. Hier geht`s zum Video Javier Morales

Samstag, 20. April 2013

Vulkan - Spurensuche

NEWS:
Auch Erdbeben hinterlassen ihre Spuren. Wie auf der Aufnahme in Nähe der Arenas Blancas an der Westspitze von El Hierro (Danke an Hark Schröder) zu sehen, gibt es im Küstenbereich Bruchlinien. Diese Bruchkanten erstrecken sich über viele Meter. Ob sie allerdings erst bei der jüngsten Bebenaktivität entstanden sind, lässt sich nicht feststellen. Nicht nur durch Beben, sondern auch durch die Verformung der Inseloberfläche oder durch eine starke Brandung können in Meeresnähe Risse auftreten. Der Zahn der Zeit nagt an allen Kanarischen Inseln. Starker Regen und die Winde tragen die Oberflächen ab und das Meer bearbeitet die steilen Küstenbereiche. Die Erosion verkleinert im Laufe der Zeit die Inseloberfläche und irgendwann werden alle Inseln von der Meeresoberfläche wieder verschwunden sein. Am weitesten fortgeschritten ist dieser natürliche Vorgang auf der ältesten Kanareninsel Fuerteventura (24 Millionen Jahre) im Osten. Nur durch neue Vulkaneruptionen und Lavanachschub aus dem Erdinnern wird dieser Prozess gestoppt. El Hierro als die jüngste Insel (1,2 Mill. Jahre) ist noch im Aufbau und wird sich noch vergrößern.
Gestern hatten wir ein Beben von ML2,2 aus unbekannter Tiefe und heute Morgen um 4.56 Uhr einen Erdstoß von ML1,8 aus 23 km Tiefe. Es sind die für El Hierro inzwischen schon "normale" Aktivitäten die verhalten und auf der Oberfläche nicht spürbar weiter vorhanden sind.



Donnerstag, 18. April 2013

Vulkan - Saharawinde

NEWS:

Während es unter El Hierro weiter ruhig bleibt, wird es auf der Insel zum Wochenende ganz schön heiß. Der staatliche Wetterdienst AEmet hat schon einmal die Insel El Hierro auf "Gelb" gesetzt. Am kommenden Samstag werden Temperaturen bis 34°C erwartet. Es ist der Calima - Saharawinde mit viel Sand und geringer Luftfeuchtigkeit - der sich über die Kanaren ausbreiten soll. Auf den östlichen Inseln (orange) wird es noch etwas heftiger. Hier werden sogar bis 37°C erwartet.

 


Gestern hatten wir drei Beben bis ML2,4 aus 15, 17 und 27 km Tiefe. Heute wurde von der IGN noch kein Erdstoß über ML1,5 verzeichnet.

Mittwoch, 17. April 2013

Vulkan - Drohnen zur Vulkanforschung

NEWS:

In der vergangenen Nacht um 21.03 Uhr ein ML1,9 aus 12 km und um 0.23 Uhr ein ML2,1 Beben aus 27 km Tiefe.
Beide Erdstöße lagen vor der Westspitze (rot/rosa Markierung) im Meer. Es waren in den vergangenen Tagen nur noch wenige und schwache Beben, so daß es den Anschein hat als würde die Aktivitätsphase zumindest in diesem westlichen Bereich langsam abklingen.



Drohneneinsatz zur Vulkanforschung


Was längst beim Militär zum Einsatz kommt, soll in Zukunft auch bei gefährlichen Missionen zur Erforschung aktiver Vulkane eingesetzt werden. Es sind die unbemannten Drohnen die Aschewolken oder Vulkankrater aus nächster Nähe beobachten sollen. Kleinstflugzeuge mit Elektroantrieb, ausgestattet mit einer Live-Kamera und entsprechenden Sensoren um z.B. die Gaszusammensetzung zu messen oder mit einer Wärmebildkamera die unterschiedlichen Hitzezentren aufzuspüren. Auch können Luftproben gezogen werden und Messungen unterschiedlichster Art vorgenommen werden. Noch erinnern diese "Drohnen" mehr an Modellflugzeuge und können noch nicht autonom ihren Forschungsauftrag erfüllen. Auch ist die Zuladung auf 450 Gramm begrenzt.
 
Die NASA hat nun erstmals am Vulkan Turrialba in Costa Rica (Fotos Matthew Fladeland/NASA) mit RQ 14 Dragon Eye Drohnen des US Marine Corps Versuche unternommen. Es wurden direkt aus der aufsteigenden Aschewolke Proben entnommen um ein Computer-Modell über die Gefahr für den Flugverkehr (siehe Island) oder die im Umkreis lebenden Anwohner zu erstellen.
Als nächstes soll eine größere Drohne, die Sierra mit einer Nutzlast von 45 kg und einem Massenspektrometer  getestet werden. 

Dienstag, 16. April 2013

Vulkan - sind Erdbeben vorhersehbar ?

NEWS:
Ja, das behauptet der russische Physiker und Seismologe Sergej Pulinets von der Moskauer Akademie der Wissenschaften.
Er könne Beben frühzeitig erkennen und davor warnen. Es sei ihm gelungen charakteristische Muster geladener Teilchen in hohen Luftschichten festzustellen und daran drohende Erdbeben zu erkennen.
Vermehrt trete diese typische Veränderung gegen vier Uhr am Nachmittag, vor einem starken Beben auf.
Den Beweis für seine These blieb er allerdings bis heute schuldig.
Auf der zur Zeit in Wien stattfindenden Forschertagung der Europäische Geowissenschaftliche Union (EGU) sorgte der russische Wissenschaftler damit zunächst für Erstaunen. Theorien werden jedoch erst aussagekräftig, wenn dafür prüfbare Nachweise vorliegen.
Die näheren Einzelheiten sind in Spiegel-Online unter "Eklat bei Geologen-Tagung" nachzulesen.

Es wäre nicht der erste Wissenschaftler der glaubt Beben vorherzusagen zu können. Seit mehr als 100 Jahren bemühen sich Forscher nach der Planetenkonstellation, bei Vollmond, den Hund oder die Ameise als Spürhund, jetzt auch durch Tiefbohrungen - Anzeichen für ein bevorstehendes Beben zu finden.
Einige Glückstreffer wurden gelandet, die jedoch einer ernsthaften wissenschaftlichen Prüfung nicht standhalten konnten.
Es ist heute noch nicht möglich tektonische Erdbeben genau vorherzusagen.

Etwas weiter ist die Wissenschaft bei vulkanischen Aktivitäten.
Es lässt sich heute das Eindringen neuer Magma in das Magmasystem oder das Aufsteigen von Magma in flachere Zonen durch die Bewegungen des Seismografen und dem einsetzenden Tremor doch genau die Tiefe und die Stärke der Intensität messen.
Der sich im Bereich der Magmakammer aufbauende Druck kann durch die Oberflächenverformung mittels GPS Messung bestimmt werden. Auch das verdrängte Gas, also die Gasemission lässt sich auch in der Zusammensetzung genau messen und bestimmen.
Alles in der Gesamtheit Frühindikatoren für eine bevorstehende Eruption. Wann genau aber der Ausbruch erfolgen wird, ist auch heute noch nicht möglich. Genauso wenig lässt sich der genaue Ort der Eruption bestimmen.
Während alle 2011 in El Hierro auf den Golfo geschaut haben, zog es der Eldiscreto vor ca. 10 km weiter südlich bei La Restinga ans Licht der Welt zu treten.

Wenn vielleicht entsprechende Wärmebildkameras oder dem Magmastrom injizierte hitzebeständige Sonden erfunden sind, könnte es möglich sein, den Lauf und das Vordringen und damit die Zeit und den Ort der Eruption in etwa zu bestimmen.

Solange ist es aber noch Kaffesatzleserei. Zur Zeit sind es eben nur Prognosen die durch beständiges Beobachten, Messen, logischem Denkvermögen und etwas Glück die weitere Entwicklung erahnen lassen.
Irgendwann werden entsprechende technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen und dann ähnlich wie heute bereits beim Wetter, relativ zuverlässige Prognosen möglich sein.
Wer sich etwas in dieses Thema vertiefen möchte - "Suche nach Erdbeben-Warnsystem".

Unter El Hierro ist es heute wahrscheinlich ruhig. Es stehen keine Messdaten zur Verfügung. Die Verbindung zur IGN ist unterbrochen.
Ich hoffe nur, daß dies kein schlechtes Omen ist. Just an dem Tag als die IGN im März 2013 ihre El Hierro Seiten einstellen wollte, brach der jüngste Bebenschwall los.
NT: 18.57 Uhr - die IGN ist wieder auf Sendung - heute noch kein erwähnenswertes Beben, alles ist ruhig.