Donnerstag, 13. Dezember 2012

El Hierro Vulkan - IGN wieder auf Sendung

NEWS:   18.52 Uhr - Beben von ML2,6 in 22 km Tiefe an der Westspitze.

 

Nachdem nun die IGN Daten wieder zur Verfügung stehen, sehen wir oben die zwei Erdstöße von ML0,8 und ML1,1 von gestern Nachmittag im Golfo in 9 und 10 km Tiefe.
Der von mir nachgetragene rote Kreis ist ein Beben von heute Morgen um 5.10 Uhr von ML1,1 vor der Südwest Küste in 15 km Tiefe. Im Bereich um den Eldiscreto ist es ruhig.

Ein Blick auf die Verformungswerte der drei südlichen Messpunkte um La Restinga zeigen keine großen Veränderungen. Es sind nur kleine Schwankungen. Die Verformung bleibt also auf hohem Niveau. Die nachhinkende mittlere Grafik - es ist der Messpunkt HI09 Restinga - wurde bereits seit 3 Wochen mit keinen neuen GPS Daten gefüttert. Ob die in Japan auch Personalprobleme haben oder ein echter technischer Defekt vorliegt ??



Ab sofort ist über die Involcan der neue Vulkankalender 2013 "Vulcanismo Historico de Canarias" zu erhalten. Das Exemplar kostet 10.- Euro + Porto. Nachdem hier selbst einfache Dinge etwas komplizierter sind muß zunächst per Mail:
calendarioinvolcan2013@gmail.com die Anzahl der gewünschten Kalender und Ihre Postadresse mitgeteilt werden. Daraufhin erhalten Sie die Bankdaten und den genauen Preis incl. Porto. Auch das Überweisen per Paypal soll über die Mailadresse möglich sein.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

El Hierro Vulkan - Krise trifft Krise

NEWS: 15.30 und 15.31 Uhr zwei schwache Beben mit ML0,8 und 1,1 in 9/10 km Tiefe bei Sabinosa an der Küste.
Auch gestern wieder ein "wildes" auf und ab auf der Seismografen Aufzeichnung (links). Keine Beben - alles nur technische Störungen. Bei so viel Ausfällen technischer Art können auch keine Beben mehr aufgezeichnet und erkannt werden. Diese Fehler häufen sich in den letzten Wochen verdächtig an. Sollte doch gerade der Seismograf ein wichtiger Frühindikator zum rechtzeigen Erkennen neuer vulkanischer Entwicklungen sein. Er bildet das Hauptmessinstrument zur Lageeinschätzung und Warnung der Bevölkerung.
Diese Aufgabe kann im Moment nur bedingt wahrgenommen werden und Überraschungen sind möglich.

Der CHIE- Seismograf (Bild) ist nur einer von 9 Geräten die auf der Insel als Netzwerk installiert sind. Jedoch wissen wir,  daß bereits beim Ausfall nur eines Seismografen das komplette Netz keine zuverlässigen Daten mehr liefern kann. Dies hatten wir vor Wochen gesehen als eine Versorgungseinheit (Solarzelle) entwendet wurde.
Gegen Diebstahl, extreme Wetterlagen oder auch kurzfristige Störungen egal welcher Art ist auch die IGN (Instituto Geografico National) fast machtlos. Von einem quasi Monopolunternehmen/Institut sollte man jedoch erwarten können, daß auch kurzfristig diese Probleme gelöst werden und nicht Wochen erst verstreichen müssen. Alle "Mitbewerbern" hat man in der Vergangenheit erfolgreich verdrängt. Dem Kanarischen Institut für Vulkanologie "Involcan" wurde einfach der Geldhahn abgedreht. Daraufhin mussten alle Gasmessungen (auch ein Frühindikator) auf El Hierro eingestellt werden.

Das Hauptproblem der IGN dürfte aber bei der Mittel- und Personalausstattung liegen. Die Wirtschaftskrise trifft auch die Finanzausstattung aller spanischen Forschungseinrichtungen, Universitäten und Institute. Es muss gespart werden und zwar kräftig.
Zur Zeit kann nur jede 10. freie Stelle besetzt werden. Gut ausgebildete Wissenschaftler hat man zu Genüge, nur nicht das Geld sie auch zu bezahlen.
Es findet im Augenblick ein Exodus und Abwandern hochqualifizierter spanischer Forscher ins Ausland statt. Viele haben bereits eine sichere Anstellung in den USA, Großbritannien und auch in Deutschland gefunden oder sind noch auf der Suche.
Ein interessanter Artikel (spanisch) dazu in der El Pais.

So wurden zum Beispiel im Haushaltsplan für 2013 die Stipendien für Nachwuchswissenschaftler um sage und schreibe 95 % gekürzt. Die Jugendarbeitslosigkeit (bis 24 Jahre) liegt in Gesamtspanien bei 51,8 %. Mehr als jeder zweite spanische Jugendliche hat keinen Job oder eine Ausbildungsstelle... und die Tendenz lässt keine Besserung auf die Schnelle erwarten.

Wie soll das enden?

Die Jugend ohne Perspektive - das soll also deren und unsere Zukunft sein.

Schuld daran ist natürlich nur der Andere oder besser die andere Partei. "Auch wir müssen 2013 weitere 10 % einsparen. Aber nicht an unseren Gehältern, wir wurden ja schließlich gewählt und genießen das volle Vertrauen der Bürger". So das Ergebnis einer Sitzung eines Inselparlament einer kleinen kanarischen Insel (die Quelle finde ich nicht mehr - daher keine Namensnennung).

Wenn einem da nicht der Hut hoch geht.
Auch sie waren am "Verprassen" der Millionen Subventionen aus Brüssel und Madrid in den vergangenen Jahren maßgeblich beteiligt und haben das jetzige Fiasko mit verursacht.

Anmerkung:
Ob mit oder ohne Seismograf ist auf der Inseloberfläche von den zur Zeit schwachen Beben nichts zu spüren und auch in den nächsten Tagen/Wochen nicht zu erwarten. Erst ab einer Stärke von ML3,0 und mehr kann ein normal empfindsamer Mensch eine Erschütterung wahrnehmen. Die vulkanische Aktivität unter der Insel ist nicht erloschen. Durch die Lage, Tiefe und Intensität der schwachen Erdstöße ist aber eine Tendenz und die vielleicht zukünftige Entwicklung abzuleiten.

Dienstag, 11. Dezember 2012

El Hierro Vulkan - Fortsetzung der Erdstöße

NEWS:
Auch wenn es im Moment wegen technischer Störungen etwas schwieriger ist genaue Daten von der IGN zu erhalten, oben die Lage und Auflistung. Es waren gestern 10 Beben alle im Tiefenspektrum um die 10 km Tiefe. Der flachste Erdstoß kam aus 7 km und lag im Süden bei Tacaron (rosa). Der kräftigste Erdstoß um 22.45 Uhr mit ML1,7 unter dem Tanganasoga (rot).
Wie gestern bereits vermutet setzen sich die schwachen Beben auf der Linie Tanganasoga Richtung Süden im 10 km Tiefenbereich fort.
Zu den technischen Schwierigkeiten zeitnaher und exakter Messungen oder besser zu den Problemen der IGN will ich Morgen etwas näher eingehen.

Montag, 10. Dezember 2012

El Hierro Vulkan - Eldiscreto meldet sich zu Wort

NEWS:
 

Nach langer Zeit meldet sich Eldiscreto mit einem "Rülpser" wieder zurück. Es war gestern um 12.59 Uhr ein ML2,3 Beben in 12 km Tiefe in Nähe der alten Eruptionsstelle bei La Restinga. Gefolgt von 6 weiteren schwachen Beben in der vergangenen Nacht (IGN Aufstellung ist hier noch nicht vollzählig), zwischen ML0,5 bis 0,9. Alle Erdstöße liegen in 9 bis 14 km Tiefe.

Auf der Avcan Karte oben ist die Streckenführung vom nördlichen Ausgangspunkt unter dem Berg Tanganasoga Richtung Süden zum Eldiscreto gut zu erkennen. Der Unterschied zu dem Bebenschwall vor einigen Monaten bei EL Pinar liegt darin, daß wir damals Beben in der Magmakammer in rund 20 km Tiefe hatten. Jetzt liegt der Ausgangspunkt in halber Tiefe bei 10 km. Es könnte sich um das Vordringen der Magma in einem alten Kanal handeln. Darauf deuten eigentlich die schwachen Erdstöße hin. Es würde mich nicht sonderlich überraschen, wenn sich die Magma und die Beben heute und in den nächsten Tagen weiter Richtung Süden vorarbeiten.

Vulkan-Kalender 2013

 
 
Auch für das Jahr 2013 gibt es wieder einen Vulkan-Kalender der Involcan. Dieses Jahr nicht mit Eldiscreto Fotos von El Hierro, sondern mit historischen Vulkan Aufnahmen der Kanaren. Das Titelbild des Kalender schmückt die "Isla Verde", mein La Palma. In den nächsten Tagen soll das Calendario zum Nettopreis von 10.- Euro zu erwerben sein. Der genaue Versandmodus ist noch nicht klar. Ich bleibe hier am Ball und werde - sobald Näheres bekannt wird - berichten.

Sonntag, 9. Dezember 2012

El Hierro - Bohrungen kulkulierbar oder eine Gefahr?

NEWS: 12.59 Uhr - Beben von ML2,3 in 12 km Tiefe genau an der Eruptionsstelle vom Eldiscreto

Damit die Bebenstatistik für den gestrigen Samstag komplett ist, noch ein Erdstoß um 9.50 Uhr mit ML1,4 in 10 km Tiefe im Golfo. Wir haben somit das ML2,4 Beben südlich der Westspitze am Leuchtturm und zwei Erdstöße im Golfo.

Was passiert, wenn ein aktives Vulkanfeld angebohrt wird?


In Fortsetzung unserer Überlegungen zu den beabsichtigten Erdölbohrungen vor den östlichen Kanareninseln möchte ich heute ein Beispiel zu einer absichtlichen und bewussten Bohrung in ein aktives Vulkanfeld vorstellen. Es geht um das Gebiet der Phlegräischen Felder etwa 20 km westlich des Vesuv in der Nähe von Neapel im südwestlichen Italien. Ein Gebiet mit sehr hoher vulkanischer Aktivität und unzähligen Thermalquellen und Fumarolen. Zudem sehr dicht besiedelt wie auf der NASA Aufnahme gut zu erkennen.
Aus dampfenden und zischende Öffnungen im Boden steigen neben Wasserdampf auch Schwefeldämpfe, die das Umfeld gelb eingefärbt haben, seit Jahrhunderten auf (Foto: Stanley-goodspeed/ Wikipedia). An die 50 Eruptionspunkte wurden gezählt. Der Untergrund hebt und senkt sich seit 2500 Jahren in bisher drei Zyklen um bis zu 20 Meter. Dagegen sind unsere Verformungen auf El Hierro mit 12 cm harmlos. Allerdings muss der Zeitfaktor berücksichtigt werden.

Der Untergrund ist genauestens untersucht und erforscht. Es geht auch nicht darum eine Magmablase oder eine Magmakammer anzubohren. Ziel dieser Bohrkampagne ist es vielmehr, das Ausmaß einer vulkanischen Bedrohung herauszufinden um bei einer Änderung der Gas- und Druckverhältnisse schneller die über ihr lebende Bevölkerung warnen zu können.
Beide Bohrungen erfolgen von Land. Die erste Bohrung soll auf 500 Meter Tiefe und die zweite Bohrung bis auf 4000 Meter niedergebracht werden. Es sollen Sensoren in den Bohrlöchern angebracht werden, die über die Dynamik des Vulkan Aufschluss geben.

Ist diese Bohrung riskant?

Ganz ohne ist diese Bohrung nicht - es ist der erstmalige Versuch in ein aktives Vulkanfeld zu bohren. Ein Experiment an dem unmittelbar und zwangsläufig tausende Menschen - die Anwohner, beteiligt und bei einem Fehlschlag auch betroffen sind.

Auch die erste Mondlandung oder der Sprung von Felix Baumgartner aus 38.000 Meter Höhe war ein Experiment das von Vielen für sehr riskant oder gar als verrückt gehalten wurde. Beides hat geklappt - nur wären bei einem Fehlschlag keine Unbeteiligten davon betroffen worden.

Natürlich halten die beteiligten Wissenschaftler die Bohrungen für ungefährlich. Andere Geologen und Vulkanologen dagegen warnen vor den evtl. Folgen. Das Projekt wurde bereits einmal 2009 von den regionalen Behörden gestoppt. Es könnten Beben und explosive Reaktionen entstehen, wenn das in 3 Kilometer Tiefe vorhandene und unter hohem Druck stehende Wasser in das ca. 500° heiße Bohrloch eindringt.

Die meisten Forscher sind sich dagegen aber einig, dass es ein viel größeres Risiko wäre, den Vulkan nicht zu erforschen.

Wie erklärt es der zuständige Forscher

Im Interview mit Zeit-Online erklärt Bohrleiter U. Harms, warum es nicht zur Katastrophe kommen wird.

"Frage:  Herr Harms, Sie und Ihre Kollegen planen, die Phlegräischen Felder bei Neapel zu Forschungszwecken anzubohren. Bei manchen Kollegen stößt das Vorhaben auf starke Kritik. Wie hoch ist das tatsächliche Risiko?" weiterlesen in  Zeit-Online