Mittwoch, 28. November 2012

El Hierro Vulkan - der Tanganasoga

NEWS:
14.01 Uhr - Beben von ML2,2 um 9.00 Uhr in 22 km Tiefe im Küstenbereich von Tacoron im Süden.

 

Blick vom alten Vulkanberg Tanganasoga (Foto: Bernhard Rossi - danke) im Golfo zur Westspitze. Das Dorf Sabinosa liegt am Fuße des Berges und ist auf der Aufnahme verdeckt. Viele Vulkanologen halten den 1371 Meter hohen Tanganasoga für das Zentrum und den Mittelpunkt aller vulkanischen Aktivitäten auf El Hierro. Tief unter ihm wird das eigentliche Zentrum der Magmahauptkammer vermutet. Es dürfte sich dort auch der letzte Ausbruch im Golfo ereignet haben. Auf der IGN Grafik habe ich den Tanganasoga mit Pfeilen markiert. Auch hier sieht man, daß er der einzige fast freistehende Gipfel im gesamten Golfo ist. Die letzte Eruption mag sich vor einigen hundert oder gar tausend Jahren dort ereignet haben. Genaue Daten gibt es nicht, da beim großen Rathausbrand in Valverde im 18. Jahrhundert auch das Archiv mit allen alten Dokumenten verbrannte.
Die jüngeren Eruptionen wie 1796 auf der Westspitze oder der Eldiscreto im Süden haben alle ihren Ausgangspunkt unter dem Tanganasoga.
Gestern Abend um 21.23 Uhr ein schwacher Erdstoß von ML1.1 in Nähe von Sabinosa (rosa Punkt) in 32 km Tiefe.

Dienstag, 27. November 2012

El Hierro Vulkan - El Tiempo oder der Zeitfaktor

NEWS:

Heute etwas später - ich musste erst meine AIDA Gäste versorgen. ----  Keine weiteren Beben, es bleibt ruhig. Wenn wir uns das Histogram seit Anbeginn der Vulkanaktvität im Sommer 2011 etwas näher betrachten, können wir gut die Bebenintervalle erkennen. Im Juli/August 2011 der große Bebenschwall bis zur Eruption im November 2011. Dann Ruhe bis zum Februar 2012 mit einem leichten Aufbäumen. Im Juli 2012 ging es dann mit vielen und kräftigen Beben an der Südwestspitze weiter bis wieder eine Schwächephase erfolgte. Den letzten Schwall erlebten wir dann im vergangenen September 2012 direkt unter der Insel beim Berg Tanganasoga und südwestlich beim Ort El Pinar (zum Vergrößern Grafik anklicken).
 
Ich denke in diesem Rhythmus könnte es noch eine Weile so weiter gehen. Der relativ stabile Druck unter El Hierro spricht nicht für ein Abklingen der Vulkanaktivität. Wie und wann dann letztendlich diese Episode sein Ende findet, kann heute niemand beantworten.
Es ist ein Prozess, der Zeit - viel Zeit benötigt. Es ist die Natur die alle Kanarischen Inseln erschaffen hat. Ohne unseren Hotspot mit vielen Vulkanausbrüchen gäbe es keine Inseln und wir würden nicht hier leben. Der Zahn der Zeit nagt an unseren Küsten. Die Erosion ob Wind, Regen oder das Meer trägt alle Inseln ab. Irgendwann würden die Kanaren dann von der Landkarte verschwinden. Nur durch neuen Magmanachschub und durch viele zukünftige Vulkanausbrüche ist der Fortbestand gesichert.
 
Das macht die Natur auch ohne unser Zutun. Wir können nur betrachten, staunen oder uns fürchten. So wie es bereits unseren Vorahnen ergangen ist und es auch unsere Kinder und Kindeskinder hoffentlich noch erleben werden.
 
Nur ist heute die Deutung und das Verständnis in diese Vorgänge besser erklärbar und keine Götter und Feuerteufel müssen dafür mehr herhalten. Aber es ist noch viel zu tun und viel zu erforschen. Die Geologie und besonders die Vulkanologie hat gegenüber anderen Wissenschaftszweigen großen Nachholbedarf. Viele Abläufe und Zusammenhänge und letztendliche Folgen können noch nicht logisch erklärt werden und sind oft Vermutungen. Jeder Vulkanausbruch und jedes neue Beben bringt ein neues Puzzlesteinchen und Erfahrungswerte in das komplexe Gebilde ein. Irgendwann wird es dann vielleicht in der Zukunft auch möglich sein, einen Vulkanausbruch oder ein Erdbeben im voraus genau zu datieren. 
Noch ein Wunschdenken, aber durchaus möglich.

Montag, 26. November 2012

El Hierro - das Wetter und die Ölsuche

NEWS:
 
Alles noch einmal gut gegangen. Das angekündigte Unwetter mit Windspitzen bis 110 km/h und kräftigem Regen zieht nach Norden ab und soll Festlandspanien beglücken. Auf der Satellitenkarte sind links oben nur noch Wolkenfetzen über den Kanaren auszumachen. So schnell kann sich die Einstellung zum Thema Regen ändern. Vor Wochen noch sehnsüchtig erwartet, freuen wir uns heute wenn der Kelch an uns vorüber zieht. Es hat ja auch genügend Nass gegeben. In manchen Regionen innerhalb von 3 Tagen über 400 Liter/m². Mehr als die Hälfte der sonst üblichen Gesamt-Jahresniederschlagsmenge. Das Kraut und vor allem das Unkraut ist bereits kräftig am sprießen. Auch in Sachen Vulkanismus und Beben gibt es nichts Neues zu berichten. Gestern und in der vergangenen Nacht gab es keinen weiteren Erdstoß. Zeit uns weiter mit der Erdölförderung vor Fuerteventura und Lanzarote zu beschäftigen.

Die Erdöl Gegner machen mobil

Was die spanische Regierung in Madrid erfreut, wird von den Kanaren und besonders von den direkt betroffenen Anwohnern auf Fuerteventura und Lanzarote mit Sorge betrachtet.
Hat man es in den vergangenen Jahrzehnten endlich geschafft aus einer Ziegeninsel eine Goldgrube im Massentourismus zu machen, riskiert man nun mit einer Erdölförderung vor den Stränden den erreichten Wohlstand wieder aufs Spiel zu setzen. Im Gegensatz zu den Westinseln wo die Landwirtschaft (Bananen, Avocados und Ananas) dominiert, stellt auf den Ostinseln der Tourismus den Hauptwirtschaftszweig dar. Viele Bewohner verdienen dort ihr tägliches Brot und fürchten durch eine mögliche Ölkatastrophe ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Die katastrophalen Auswirkungen im Golf von Mexiko sind noch lebendig und dienen als Beispiel. Die großen Touristikkonzerne hat man als Verbündete und sie werden nicht Müde vor den Folgen zu warnen. Waren es doch sie, die den Massentourismus auf die Inseln gebracht und weite Strandabschnitte zu betoniert haben. Dies ist aber ein anderes Thema.

Auch die Wasserversorgung sieht man gefährdet. Aufgrund geringer Niederschläge muß das Trinkwasser auf Fuerteventura und Lanzarote mit Entsalzungsanlagen zu fast 100 % aus dem Meer gewonnen werden.

Demonstrationen, Protestveranstaltungen und Eingaben sind seit Monaten an der Tagesordung. Auch die nicht direkt betroffenen Inseln wie z.B. El Hierro hatten bereits einen Protestzug organisiert. Es ist primär die Solidarität die unter den Canarios groß geschrieben wird. Nur zu gut erinnern sich die kampferprobten Herrenos an die Unterstützung der Nachbarinseln als es vor Jahren gegen die geplante Satelliten Abschussbasis auf ihrer Insel ging.

Um den Widerstand gegen die Ölförderung und den Ölmulti Repsol zu organisieren, hat sich eine Plattform gebildet die auch mit ihren Argumenten im Internet vertreten ist.


Nein zur Ölförderung - STOPPEN WIR DIE ÖLPLATTFORMEN VON REPSOL (hier der Link).

Auch die Grünen-Abgeordneten im EU Parlament Bart Staes (Belgien) und Rául Romera (Spanien) wollen sich die spanische Entscheidung nicht so einfach gefallen lassen. Sie haben eine Anfrage an den Parlamentspräsidenten José Manuel Durao Barroso gerichtet.

Parlamentarische Anfragen
23. November 2011

Anfrage zur schriftlichen Beantwortung E-010860/2011
an die Kommission
Artikel 117 der Geschäftsordnung
Bart Staes (Verts/ALE)

Betrifft: Erdölbohrungen vor den Kanarischen Inseln
 
Das australische Unternehmen Tangiers Petroleum sucht nach Partnern für Offshore-Erdölbohrungen in marokkanischen Hoheitsgewässern. Das Potenzial des Offshore-Blocks Tarfaya soll bei fast 1 Mrd. Barrel liegen. Das spanische Unternehmern Repsol YPF (Tanger‑Larache‑Blöcke) und Kosmos Energy schlossen kürzlich zwei Verträge über die Offshore-Erdölförderung im Block Kap Bojador. Die spanische Regierung verfolgt offenbar Pläne, Explorationstätigkeiten in den spanischen Hoheitsgewässern aufzunehmen.

Diese Gewässer liegen nahe der Kanarischen Inseln, einer bekanntlich vulkanisch aktiven und stark erdbebengefährdeten Region. Eine Ölpest wäre nicht nur für die landschaftlich wertvolle Meeresumwelt als vielmehr auch für die vom Tourismus geprägten Küstenregionen auf marokkanischer und kanarischer Seite verhängnisvoll.
Nach der Katastrophe mit der BP-Bohrinsel im Golf von Mexiko gab die Kommission im Oktober 2010 auf Druck des EP eine Mitteilung zum aktuellen Stand bezüglich der Stärken und Schwächen der derzeit geltenden einzelstaatlichen und EU-Rechtsvorschriften heraus.

Die Kommission wird um Beantwortung folgender Fragen ersucht:

1.Sind ihr die oben genannten Pläne bekannt?
2.Wie steht sie zu Erdölbohrungen in Gebieten, in denen von sehr starken Erdbeben und Vulkanausbrüchen auszugehen ist?
3.Liegt ihr eine „unabhängige“ Untersuchung zur den möglichen Umweltauswirkungen und Folgen von Erdölbohrungen in vulkanischem Gebiet vor?
4.Über welche Instrumente verfügt sie, um bei den spanischen und marokkanischen Behörden darauf hinzuwirken, dass die bestehenden Pläne höchsten Sicherheitsnormen entsprechen?
5.Ist sie gegebenenfalls bereit, diesbezüglich mit beiden Behörden Gespräche aufzunehmen und mitzuteilen, welche Maßnahmen zum Schutz der Küstenbevölkerung und der Küstengebiete in den bedrohten Zonen vor einem möglichen massiven Austritt von Erdöl in materieller und finanzieller Hinsicht ergriffen werden können?

und die Antwort von Herrn Oettinger im Auftrag der Kommission:


"Betreiber müssen gründlich Bewertung der Risiken und Gegenmaßnahmen, die angemessen auf die Gefahren der Tätigkeit zu gewährleisten die Sicherheit der Arbeitnehmer und den Schutz der Meeresumwelt, folgende Richtlinie 92/91/EG. Die Kommission schlägt vor, diese Anforderungen zu ergänzen, einschließlich in Bezug auf Umweltschutz und Lizenzierung, durch ihren Vorschlag für eine Verordnung über die Sicherheit von offshore Öl und gas Prospektion, Exploration und Produktion Aktivitäten am 27. Oktober 2011 (final COM2011 688) angenommen.

Das legislative Tool soll verstärken die Mittel, um Offshore-Sicherheitsstandards zu beeinflussen. Zum Beispiel verpflichten es die Mitgliedstaaten unterrichten die Kommission wo grenzüberschreitende Auswirkungen der Offshore-Unfälle absehbar sind, solche Risiken Rechnung zu tragen, in deren externe Notfallpläne und testen Sie regelmäßig ihre Notfallvorsorge, Zähler grenzüberschreitende Luftverschmutzung.

Der Vorschlag für eine Verordnung sieht einen Dialog innerhalb der EU sowie mit Drittländern einen koordinierten Ansatz für die Sicherheit in den angrenzenden Regionen."

Soweit so gut. Hier taucht in der Anfrage zum ersten Mal die Frage nach den Vulkanischen Risiken auf. Sitzen wir doch alle auf einem Hotspot. Ölbohrungen könnten ein Sicherheitsrisiko darstellen. Untersuchungen oder Vergleichsbeispiele gibt es so gut wie keine.
Auf diesen Themenkomplex möchte ich in den nächsten Tagen näher eingehen.

Sonntag, 25. November 2012

El Hierro Vulkan - Seismograf gestohlen

NEWS:


 
Gestern am Spätnachmittag um 17.52 Uhr noch ein Beben der Stärke ML2,1 in 28 km Tiefe vor der Westspitze (siehe Grafik). Damit hatten wir am Samstag insgesamt 3 Erdstöße zwischen ML1,8 und ML2,7. In der vergangenen Nacht blieb es bis jetzt ruhig.

Diebstahl von Messeinrichtungen


Die IGN unterhält auf El Hierro insgesamt 9 Seismografen die quer über die Insel verteilt sind. Von einem dieser Seismografen wurden am 13. November der Energieteil abmontiert und entwendet. Der Sensor selbst sitzt im Boden, die Batterie und die Solarzelle wie auf dem Foto zu sehen, aber an der Erdoberfläche und damit für Jedermann leicht zugänglich. Wie Emilio Hernandez von der IGN gegenüber der Zeitung "La Cernidera" berichtete, ist dies bereits der zweite Diebstahl. Im Februar 2012 wurden an dieser Anlage auf der Westseite in Nähe des Berg Tanganasoga bereits einmal die Solarpanellen entwendet. Da alle 9 Stationen in einem gekoppelten Verbund zusammen arbeiten, bedeutet bereits der Ausfall nur einer Station eine Störung oder den Totalausfall des gesamten Netzwerk. Dies konnten wir in den vergangenen Wochen feststellen, als tagelang keine Daten zu empfangen waren. Es geht nicht nur um den Verlust wichtiger geologischer Messungen, sondern vor allem um den Schutz und die Sicherheit der Anwohner.
 
Die IGN hat dieses Netz als Frühwarnsystem installiert, um rechtzeitig vor einem Vulkanausbruch warnen zu können. Auch kleinste Beben die vom Menschen auf der Inseloberfläche nicht zu spüren sind werden hier aufgezeichnet und können einen Indikator für einen bevorstehenden Ausbruch liefern.
Über die Hindergründe des oder der Täter kann nur spekuliert werden. Entweder benötigte er gerade für sein Haus oder Garten eine Solarzelle oder ist sein Motiv in der Vogel Strauß Taktik zu suchen. Ohne funktionierenden Seismografen keine Beben und eine scheinbar heile Welt.
 
Egal wo die Gründe für so eine Aktion auch liegen, es ist mehr als "Dumm" und "Verantwortungslos" eine im Moment überlebenswichtige Anlage absichtlich außer Betrieb zu setzen.

Samstag, 24. November 2012

El Hierro Vulkan - ML2,7 Beben an der Westspitze

NEWS:
12.05 Uhr - Unwetteralarm alles dazu auf meiner La Palma Seite

In den frühen Morgenstunden um 3.18 Uhr ereignete sich in der Nähe des Leuchtturm "Orchilla" (rotes Dreieck) an der südlichen Westspitze ein ML2,7 Beben. Das Beben erfolgte in 21 km Tiefe.  Kurz darauf um 3.24 Uhr ein weiterer Erdstoß von ML1,8 unter den Hängen von El Julan (rosa) in 18 km Tiefe - sowie um 4.39 Uhr eine weitere Erschütterung die aber von der IGN bisher nicht bestätigt wurde. In diesem Gebiet hatten wir bereits im Sommer 2012 eine Reihe von Erdstößen alle in einer Tiefe zwischen 18 bis 21 km. In deren Folge hatte sich im Juli 2012 die Oberflächenverformung um 4 cm verstärkt. Gestern hatte ich darüber erst geschrieben.