Dienstag, 16. Oktober 2012

El Hierro Vulkan - Etappen der Ruhe

NEWS:

So rasch die Beben auch kommen, so schnell sind sie auch schon wieder vorbei. Gestern Morgen 10 Beben innerhalb weniger Stunden. Den restlichen Tag gab es keine weiteren Erdstöße. Erst heute Morgen wieder zwei neue Beben. Das letzte um 3.22 Uhr mit ML1,5 in 19 km Tiefe etwas südlich des Tanganasoga.
 


Rückblick 2011
und so sah es vor einem Jahr am Sonntag, den 16. Oktober 2011 aus.

El Hierro Vulkan - Riesige Gasblasen steigen auf

Foto: La Provincia
Inzwischen steigen aus dem Eruptionkrater riesige Gasblasen auf. Alle 15 bis 20 Minuten treffen sie blubbernd an der Meeresoberfläche ein. Das ist typisch für die Phase 1 die ich heute morgen beschrieben habe. Jetzt geht man davon aus, daß sich die Ausbruchsstelle bis auf weniger als 100m an die Wasseroberfläche heran gearbeitet hat.

Montag, 15. Oktober 2012

El Hierro Vulkan - Tanganasoga heute im Mittelpunkt

NEWS:


 
Nach einem ruhigen und verlängerten Wochenende - am Freitag war spanischer Nationalfeiertag -  hat in der vergangenen Nacht die Bebentätigkeit wieder zugenommen (Grafik oben) . Zentrum ist der Bereich um den alten Vulkanberg Tanganasoga im Inselinnern. Allein 10 Beben in den frühen Morgenstunden in 10 bis 13 km Tiefe. Es waren schwache Erdstöße bis ML1,4, die nicht auf der Inseloberfläche spürbar waren. Es bleibt einmal abzuwarten, wie sich der heutige Tag weiter entwickelt. Die Bodenverformung bleibt trotz eines geringen Rückgang auf hohem Niveau. Neue Gaswerte liegen nicht vor. Der Messwagen in La Restinga sendet bereits seit Tagen keine Daten mehr.
Für Schlagzeilen und neue Rekorde hat am Sonntagabend der Österreicher Felix Baumgartner gesorgt. Als erster Mensch durchbrach er im Freifall die Schallmauer, bis er dann in 3000 m Höhe die Reisleine seines Para Plan zog und in der Wüste von New Mexiko sanft landete. Mit einem Heliumballon ließ er sich in seiner Kapsel bis auf 39.045 m Höhe tragen. Von hier sprang er in einem speziell für ihn angefertigten "Raumanzug" ab. Dabei erreichte er in der fast luftleeren Stratosphäre Geschwindigkeiten von über 1200 km/Std. Es war eine Pionierleistung mit viel Wagemut und Risiko. Als ehemaliger Fallschirmspringer kann ich hier gut mitfühlen.
Alles hat Dank der guten Vorbereitung und Planung bestens geklappt. Wer sich zu diesem Thema etwas mehr einlesen möchte,  klickt hier.  

Sonntag, 14. Oktober 2012

Eldiscreto - das Meeresschauspiel begann

NEWS:
17.12 Uhr - Beben von ML2,2 um 14.37 Uhr in 21 km Tiefe im Süden.

In den letzten 24 Stunden hatten wir 3 schwache Beben am Samstag bis ML1,4 und heute Nacht um 1.02 Uhr einen Erdstoß beim Tanganasoga (rosa) mit ML0,9 in nur 3 km Tiefe. Dabei dürfte es sich aufgrund der Oberflächenverformung um ein Spannungs-Beben gehandelt haben.
Die IGN Aufzeichnungen fielen am Freitag und Samstag zeitweise aus und senden nun wieder.

Rückblick 2011


Genau vor einem Jahr waren die ersten Spuren der Eldiscreto Eruption im Süden an der Meeresoberfläche sichtbar. Aufnahmen aus dem Helikopter der Guardia Civil zeigen aufsteigende Lavapartikel und Gase, die das Meer gelb/braun verfärbten. Es war der Auftakt für ein einmaliges Farben-Schauspiel das hier im Video festgehalten wurde. Alle Einzelheiten dazu habe ich auch in meinem Buch "Eldiscreto" ausführlich beschrieben und dokumentiert.

Samstag, 13. Oktober 2012

El Hierro - nicht der Vulkan ist das Risiko

NEWS:

Gestern wieder ein stärkeres Beben von ML2,6 bei Tacoron im Süden in 20 km Tiefe (Grafik links). Insgesamt vier Erdstöße im Süden in stabiler Tiefe von 18 bis 21 km und ein Beben unter dem Tanganasoga im Inselinnern. Der Golfo ist jetzt quasi bebenfrei und die Aktivitäten konzentrieren sich nun wieder mehr auf den Südzipfel der Insel.
 
Bei der der im Moment stattfindenden Vulkankonferenz "Makoval El Hierro 2012" mit Wissenschaftlern aus über 20 Ländern kam das Management und die Notfallplanung bei vulkanischen Risikos zur Sprache.
Nicht der Vulkan ist das Risiko sondern das unbändige Vordringen und die Besiedlung durch den Menschen.
In die vulkanisch gefährdete Bereiche werden heute Wohnsiedlungen und touristische Anlagen gedankenlos geplant und gebaut, ohne auf die möglichen Gefahren und Naturgewalten zu achten. Der Vulkan mit seinen Aktivitäten war immer schon vorhanden und lässt sich nicht verschieben. Durch den Bevölkerungsdruck und die gedankenlose Bauwut setzt sich der Mensch entgegen aller Naturregeln bewusst dieser Gefahr aus.
"Hier muß nach Meinung von Henry Gaudya von der Europäischen Vulkanologie Gesellschaft ein Umdenken und auch ein Teilrückzug erfolgen. Auch müssen die Notfallpläne modifiziert, mit der Bevölkerung geübt und allen Betroffenen in allen Einzelheiten bekannt sein."
 
Geheimniskrämerei und politische Spiele riskieren nur Menschenleben. Sich immer nur auf das Glück zu verlassen ist fahrlässig. Technisch ist man heute in der Lage drohende Gefahren rechtzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu handeln. Bequemlichkeit oder wirtschaftliche Interessen dürfen nicht die primäre Prämisse sein.
 
Zur Makoval-Konferenz hat mir Karin aus El Hierro noch einen Beitrag zukommen lassen:
 
"In der Digitalzeitung "el hierro.digital" erschien gestern folgender Artikel (geraffte Übersetzung).
 
Hochkarätige Wissenschaftler und Techniker der internationalen Konferenz "Makavol El Hierro 2012" tagten gestern Nachmittag unter Teilnahme von Schulkindern im Kulturzentrum El Pinar.
Der Japaner Takeshi Sagiya wies auf die Vergleichbarkeit der Ereignisse auf El Hierro und vulkanologischen Unterwasserausbrüchen in Japan hin und die Schwierigkeit irgendwelche Vorhersagen über deren weiteren Verlauf zu treffen. Die Daten der GPS- Installationen auf El Hierro würden auch in Japan analysiert.
Eine Professorin der vulkanologischen Geschichte in La Laguna, nannte in Bezug auf Eruptionsprozesse auf El Hierro die Jahre 1400, 1670, 1692, 1793 und 2011. Es gäbe Chroniken über die entstandenen Schäden 1793 nordwestlich des Leuchtturmes. Es soll sich um kleinere Ausbrüche am Lomo Negro oder im Meer gehandelt haben.
Maria Jose Blanco vom IGN bestätigte 5 seismische Phasen im letzten Jahr, deren Verlauf sich vom Norden der Insel in den Süden zog.
Ein weiterer japanischer Wissenschaftler bezeichnete die genaue Beobachtung der Vulkane als bestes Werkzeug der Vorbeugung und des Schutzes der Bevölkerung, die aus der Luft und unter Wasser erfolgen müsste.
Besonderes Interesse galt der Referentin Dina Lopez, die sich mit dem Zusammenhang zwischen den Gezeiten, dem Mond und den Beben während des Unterwasserausbruches beschäftigt hat. Nach ihren Erkenntnissen waren die Aktivitäten bei tiefster Ebbe am heftigsten, der Mond hätte eine Zündwirkung und die Gezeiten stünden in Zusammenhang mit der Freisetzung von Energie bei oberflächlichen Beben.
Die Studien über die Vulkane auf den Cap Verden, in Italien und auf Island überzeugten durch fachliche Kompetenz, ebenso wie die Analyse des Eruptionprozesses auf El Hierro. Die Kinder verblüfften durch Fragen wie: wie steigt das Magma auf? warum gibt es überhaupt Vulkane? wie erlebten die Wissenschaftler vor Ort den Ausbruch...
Der Kongress geht am Sonntag zu Ende.
Saludos Karin"

Freitag, 12. Oktober 2012

El Hierro Vulkan - wieder alles im Lot

NEWS:
15.39 Uhr - Beben von ML2,6 um 12.45 Uhr im Bereich von Tacoron im Süden in 20 km Tiefe.

Am Donnerstag nur zwei schwache Beben einmal nördlich und einmal südlich des Tanganasoga (blau + rot) mit jeweils ML1,0 in 22 km Tiefe. Sonst blieb es ruhig. Die gestern angesprochenen Verformungswerte bei Tacoron im Süden wurden von der IGN inzwischen korrigiert bzw. nachgetragen. Auch hier ist ein leichter Rückgang der Verformung erfolgt. Damit haben wir einen fast identischen Verlauf an allen Südstationen. Normal liefert die IGN aktuelle und zuverlässige Daten. Bei den GPS Messwerten scheint dies nicht der Fall zu sein. In Zukunft werde ich mir die Zahlen direkt von der Uni Nagoya holen.
 
Zweimal der 12. Oktober - nur mit einem Jahr Unterschied. Links das Seismogram ausgefüllt mit bunten Farben, Beben und Tremor alles gleichzeitig. Der Auftakt für die Eldiscreto Eruption 2011. Rechts unten die schon fast langweilige Aufzeichnung von heute Morgen.

Wer die Ereignisse des 12. Oktober 2011 noch einmal nachlesen möchte - hier geht es ins Archiv.
 
Auch die IGN hat sich zum Jahrestag etwas einfallen lassen. Mehrere animierte Grafiken zum Herunterladen von den wichtigsten Messergebnissen und des Bebenverlaufes aus den vergangenen 12 Monaten als Zeitraffer-Aufnahmen - zur IGN-Animation.