Sonntag, 22. Januar 2012

El Hierro Vulkan - und der Eldiscreto sprudelt weiter

NEWS:
... und arbeitet sich Tag für Tag immer ein Stückchen weiter zur Meeresoberfläche empor. Ohne Unterlass oder große Unterbrechungen stößt er aus seinem Vulkanschlot Gase und Lava aus, die ihre Spuren an der Wasseroberfläche hinterlassen.
Gestern hatten wir wieder ein Beben um 11.13 Uhr der Stärke 1,6 RSk. im Inselinnern in der Nähe des Berges Tanganasoga in nur 9 km Tiefe. Auch wenn der Tremor wie heute Morgen wieder scheinbare Pausen einlegt fließt jedoch weiterhin stetig Magma zur Eruptionsstelle in den Süden. Wir können daraus schließen, daß der Förderkanal nun inzwischen so weit geöffnet ist, daß ungehindert das flüssige Gestein aufsteigen kann. Nur bei einem Teileinbruch des Kanal wird gewaltsam das Hindernis aufgeschmolzen und beiseite geräumt, was die explosiven Zitterbewegungen auslöst.


Zur unserer Möwenfrage von gestern habe ich einen interessanten Bericht zum Leben auf Vulkanen bei SCINEXX gefunden. Unter dem Titel "Besondere Lebensgemeinschaft" gebe ich ihn hier auszugsweise wieder:

„Während der Schlot gewachsen ist, hat sich auch die Population der auf dem Vulkan lebenden Tiere erhöht“, berichtet Chadwick. „Noch versuchen wir herauszufinden, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Anstieg der vulkanischen Aktivität und dem der Populationsdichte gibt.“ Die Tiere in diesem ungewöhnlichen Lebensraum, meist Garnelen, Krebse, Seepocken und Schnecken, sind speziell an die hier herrschenden Bedingungen angepasst. „Sie gedeihen in chemischen Bedingungen, die für normale Meerestiere giftig wären. Doch hier ernährt der Vulkan das Leben um ihn herum sogar.“

Die meisten Tiere profitieren von den zahlreichen hydrothermalen Quellen in der Umgebung des Feuerbergs. Denn diese liefern ihnen Nahrung in Form von dichten Bakterienmatten, die die Felsen bedecken. „Es scheint so, dass sich diese diffusen Quellen seit 2006 ausgebreitet haben und mit ihnen auch die Vent-Organismen“, erklärt Verena Tunnicliffe, Biologin der Universität von Victoria. „Es gibt auf dem Vulkan eine große Biomasse von Garnelen, zwei der Arten sind besonders gut an die vulkanischen Bedingungen angepasst.“
Foto: NSF


Garnelen nutzen Vulkan als Nahrungslieferant
“Die Loihi-Garnele weidet die Bakterienmatten mit winzigen Zangen ab, schneidet sie wie mit einer Gartenschere“, so Tunnicliffe. Diese Krebsart war bisher nur von einem kleinen aktiven Vulkan vor Hawaii bekannt. „Die zweite Art weidet als Jungtier zunächst auch, sobald sie jedoch ausgewachsen sind, vergrößern sich ihre vorderen Scheren und sie werden zu Prädatoren. Wir haben an den giftigen Vulkangasen sterbende Fische, Tintenfische und ähnliches auf den Kegel herunterregnen gesehen. Dort wurden sie von den Vulkangarnelen angefallen – eine nette Anpassung an die giftigen Effekte des Vulkans.“ ... weiterlesen
Ein ähnlicher Lebensraum könnte sich auch um den Eldiscreto entwickelt haben, der den Möwen die täglichen Kalorienhappen liefert.

Samstag, 21. Januar 2012

El Hierro Vulkan - jetzt über 12.000 Erdbeben

NEWS: Neues Beben um 11.13 Uhr von 1,6 RSk. in nur 9 km Tiefe unter dem Berg Tanganasoga im Inselinnern. Der Tremor steigt kräftig an.
Genau 12.004 Beben wurden nun von Juli 2011 bis zum 20.Januar 2012 registriert. Ein Rekord an Erdstößen für die Kanaren und natürlich für El Hierro. Ob das ein Grund zur Freude ist darüber gehen sicher die Meinungen auseinander. Der direkt betroffenen Herreno empfindet dies sicher anderst als der ferne Betrachter. Freuen wir uns aber gemeinsam, daß alle Beben bisher keine großen Schäden oder gar Menschenleben gefordert haben. Auch gestern ging die Bebenserie weiter. Wie die AVCAN Karte zeigt lag das Zentrum im südlichen Bereich der Insel. Alles kleine und nicht wahrnehmbare Erdstöße zwischen 0,9 und 1,2 RSk. Aber sie sind weiter vorhanden.
Auch am heutigen Samstagmorgen ist die Eruptionsstelle des Eldiscreto aktiv. Weiter wird kräftig magmatisches Material ausgeworfen. Gelegentlich erscheinen auch rauchende Lavaklaster an der Meeresoberfläche. Auch wenn der Tremor in den vergangenen 24 Stunden Schwächeanfälle hatte, funktioniert die Magmaförderung ohne Unterbrechung weiter.


Diese Darstellung der OIE zeigt die Situation am Meeresgrund. Links der Vulkankegel des Eldiscreto und "rot" der Lavafluß. Auch im Lavastrom treten gelegentlich eruptive Phasen auf (als Plumas gekennzeichnet). Das sind dann die an der Meeresoberfläche vermehrt auftretenden Nachbarstrudel. Wahrscheinlich gibt es also nur einen Hauptkrater als Lavalieferant.
Bild Rolf Handke / pixelio.de

Jeder der des öfteren in die Webcam schaut, hat schon die Anwesenheit der kreisenden Möwen beobachten können. Irgend etwas scheint sie magisch an die Eruptionsstelle an zuziehen. Ob es die aufsteigende warme Luft oder das vielleicht üppige Nahrungsangebot ist oder ob sie auf der Suche nach Lavabrocken für Ebay sind, bleibt die Frage. Fische sind im Umkreis der Eruption wegen der Gase und des geringen Sauerstoffangebotes nicht vorhanden, das sagen uns die Wissenschaftler. Also müssten es andere Dinge oder Proteinlieferanten sein. Vielleicht Quallen, sonstige Weichtiere oder durch die Eruption aufgetriebene Krabbeltiere vom Meeresgrund.
Möwen sind Allesfresser, die je nach Gelegenheit lebende Nahrung oder Abfälle und Aas zu sich nehmen. Es wäre interessant, wenn uns ein Ornithologe oder Meeresbiologe unter den Lesern nähere Aufklärung verschaffen könnte

Freitag, 20. Januar 2012

EL Hierro Vulkan - bisher 145 Millionen m³ Lava ausgestossen !

NEWS:
Nach langem Warten liegt nun endlich die ersehnte bathymetrische Meereskarte des Spanischen Ozeanographischen Institut (OIE) vor. Die Spitze des Eldiscreto liegt nach den jüngsten Vermessungen des Forschungsschiff Ramon Margalef nur noch 130 m unter dem Meeresspiegel. Nach älteren Angaben aus dem Monat November/Dezember 2011 waren es noch zwischen 150 m und 180 m. Unser Vulkan ist also in den vergangenen Wochen um rund 35 m in die Höhe gewachsen.



Jetzt fehlen noch ca. 30 m bis zur kritischen Höhe einer direkten explosiven Reaktion mit dem Meereswasser. Das wäre dann die nächste Phase, die einer phreatischen Wasserdampf  Eruption. Jedoch noch beachtenswerter ist die Menge der bisher ausgeflossenen Lava. Waren es nach den letzten Messungen zwischen 5 - 7 Millionen m³, so sind es heute bereits ca. 145 Millionen m³ Lavamaterial. Durch seine Hanglage konnte bisher der größte Teil der ausgestoßenen Masse ein abwärts verlaufendes Tal auffüllen und abfließen. Der Lavastrom dürfte inzwischen eine Länge von mehreren Kilometern erreicht haben. Die Wissenschaftler der OIE schätzen das Volumen des Vulkankegel selbst auf ca. 57 Millionen m³. Würde sich Eldiscreto auf ebenem Meeresgrund befinden, könnten wir schon längst eine neue Insel bewundern.

Hier sind die alten topographischen Karten vom Oktober 2011 (oben) und November 2011 (unten). Danach hat sich die Unterwasser Landschaft verändert. Gab es im Oktober (roter Kreis) noch eine Felsnase, so ist sie wohl durch die vulkanische Aktivität zunächst abgebrochen (blau) und heute komplett verschwunden. Dieser abgebrochene Felsbrocken dürfte eine Größe von mehreren hundert Metern gehabt haben. Ob er aufgeschmolzen oder vom Lavastrom verdeckt wurde, ist nicht ersichtlich.
Welche Schlussfolgerung können wir nun daraus ziehen: Unser Eldiscreto ist nicht nur eine kleine Warze, sondern ein mächtiger Vulkan. Vom Volumen seiner Magmaausschüttung hat er bisher mehr Lava ausgestoßen, als all seine kanarischen Vorgänger in den letzten 200 Jahren. Er wächst wegen seiner exponierten Lage zwar nur langsam aber stetig. Sollte die Aktivität so weiter andauern, würde er in ca. 6 Wochen, also bis Ende Februar/Anfang März die kritische Höhe von 100 m unter der Wasserlinie erreicht haben und heftige Eruptionen hervor bringen.
Interessant war gestern der Begleitkommentar der OIE anlässlich dieser Veröffentlichung. "Wir möchten uns für das Fehlen von Informationen in den letzten Wochen entschuldigen. Durch verschiedene technische Probleme und die langen Behördenwege kommen die Daten erst jetzt an die Öffentlichkeit. Die Pevolca (Krisenstab) ist alleine für die Sicherheit der Bevölkerung zuständig und entscheidet wann und was veröffentlicht wird." - so der sinngemäße Text.
Ich frage mich jetzt natürlich, was es so viel Neues und Verbergenswertes gab, um diesen Bericht so lange unter Verschluss zu halten - oder wollte nur wieder einmal die Pevolca ihre Macht und Wichtigkeit Allen demonstrieren?
Nun zum Tagesgeschehen. Nach seinem Atemstillstand seit gestern Nachmittag hat der Tremor heute Morgen gegen 4.05 Uhr wieder seinen Betrieb aufgenommen. Wahrscheinlich waren Teile des Lavakanal eingestürzt, die er nun wieder freigeräumt hat. In der Nacht gab es nur leichte Erdstöße im Süden.

Am 30.Januar 2012 kommt hoheitlicher Besuch nach El Hierro. Der spanische Kronprinz Don Felipe y Doña Letizia haben ihren Solidaritätsbesuch angekündigt. Ein schönes Zeichen des spanischen Königshauses für die krisengeschüttelte Insel. Vielleicht haben sie auch einige Gaben im Gepäck dabei.

Die neuesten Touristenzahlen vom Dezember 2011 wurden vom Kanarischen Institut für Statistik (Istac) veröffentlicht. Danach kamen 659 Gäste im Dezember auf die Insel. Ein Rückgang von 252 Personen gegenüber dem Vergleichsmonat 2010. Die meisten Gäste waren Spanier, 48 kamen aus Deutschland, 21 aus Frankreich, 5 aus Italien und 2 aus Belgien. Der Durchschnittsaufenthalt betrug nur 2,16 Tage im Vergleich zu 2010 von 3,05 Tage.

Donnerstag, 19. Januar 2012

El Hierro Vulkan - tiefe Einblicke

NEWS: Nach heftigen Ausschlägen ist der Tremor um 15.10 Uhr plötzlich völlig zusammen gebrochen. Irgend etwas scheint im Gange zu sein !
17.54 Uhr - laut OIE liegt Spitze des Vulkankegel 130 m unter der Meeresoberfläche - bisher 145 Millionen m³ Lava ausgeflossen.
Was sich gestern Morgen bereits durch den starken Tremor abzeichnete konnte am Abend an der Eruptionsstelle beobachtet werden. Kräftige Aufwallungen an der Meeresoberfläche und Auswurf von dampfenden Lavabrocken waren die Folge. Dazu kam um 20.28 Uhr ein Beben der Stärke 2,2 RSk. unter dem Eldiscreto in 16 km Tiefe. Der Tremor ist inzwischen abgeflacht und die Eruptionsstelle bietet heute Morgen einen ruhigen Anblick. Es ist dieses für Vulkane typische Auf und Ab das eine genaue Zukunftsprognose nicht zu lässt - und auch unser Eldiscreto macht hier keine Ausnahme. Es ist einfach Geduld angesagt und auch der Wissenschaft bleibt nichts anderes übrig als die nächsten Schritte in Ruhe abzuwarten.



Eine eigene Welt mit bizarren Strukturen und Höhlen eröffnet sich beim Blick in ein Lavasegment. Nicht mit den bloßen Augen oder der Leselupe, sondern unter dem Mikroskop. Genauer unter einem Elektronenmikroskop World Phenom des Ars Electronica Center in Linz/Österreich
Bereits ein kleines Probestück eines Restingolita, wie das Lavaauswurfmaterial des Eldiscreto genannt wird, ist völlig ausreichend um in diese Mikrowelt einzudringen. Birgit Hartinger (Danke) vom BioLab Ars Electronica Center in Linz hat mir freundlicherweise diese Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Weitere Detail- aufnahmen unter einem Durchlichtmikroskop sollen in den nächsten Wochen noch folgen. 

Mittwoch, 18. Januar 2012

El Hierro Vulkan - Der Tremor baut auf

NEWS:
Zunächst die gute Nachricht für El Hierro. Es gab in den vergangenen 24 Stunden keine nennenswerten Erdstöße. Bedenklich entwickelt sich aber der Tremorverlauf. In den letzten Stunden ist er kräftig angeschwollen und zeichnet im Moment ein Bild wie in alten Tagen auf. Begleitet von kleinen Explosionen im Magmakanal scheint sich im Untergrund einiges zu tun. Entweder vergrößern nachrückende Magmamassen den bereits bestehenden Kanal oder das Magma sucht sich nun einen neuen Ausgang zur Erdoberfläche. Dieses gewaltsame Vordringen der Magma erzeugt Explosionen und löst kleine Beben aus, die als Zitterlinien auf der Grafik aufgezeichnet werden.
Es bleibt also spannend. An der Eruptionsstelle im Süden sind noch keine verstärkten Aktivitäten am Morgen zu erkennen. Der Eldiscreto sprudelt gemählich wie in den vergangenen Tagen vor sich hin. Das kann sich im Laufe des Tages aber noch ändern.
Seit beinahe 100 Tagen dauert nun die Eruption an. Begonnen hat die eruptive Phase am 10. Oktober 2011. Fast alle Wissenschaftler gingen damals von einer nur kurzen Aktivitätsphase aus. Einige Tage bis längstens 2 - 3 Wochen könne die Eruption andauern. Die Erfahrung mit den alten kanarischen Vulkanen, die nach kurzer Zeit bereits ihr Pulver verschossen hatten, ließ diese Einschätzung zu. Nicht aber unser Eldiscreto. Er läßt sich nicht so einfach in das Verhaltenschema seiner Veteranen einreihen. Es gibt wohl jüngste in der Bibliothek der Uni von La Laguna ausgegrabene Schriftstücke die im 17. Jahrhundert von einer mehrjährigen Aktivität eines kanarischen Vulkan sprechen. Er bleibt aber trotzdem ein Ausnahmevulkan ... und wir wissen nicht wie lange er noch gedenkt sein Farbenspiel auf die Meeresoberfläche zu zaubern.
Gestern im grünen Mäntelchen, heute im schicken roten-ocker Farbton und morgen in leuchtendem Gelb. Auch bisher schon, ohne sein wahres Gesicht oder nur die Spitze einer kleinen Insel überhaupt zu zeigen, eine imposante Erscheinung.