Sonntag, 16. Oktober 2011

El Hierro Vulkan - Entsteht eine neue Insel?


Das ist die ungefähre Ausbruchstelle. Bekannt ist: 2,4 km von der Küste entfernt, in 150m Tiefe. Das Meer ist normal in diesem Bereich 500 - 600m tief. Einheimische Fischer, die seit 40 Jahren dort Fischen behaupten aber, auf dem Meeresboden befinde sich dort eine Erhebung und sie hätten nach 150m Bodenkontakt. Diese Version wurde auch in die offiziellen Verlautbarungen übernommen.
Aufgrund der Sperrzone ist es nicht möglich näher als 2 km an die Ausbruchsstelle heran zu kommen. Auch für die reichlich angereisten Journalisten besteht kein Sichtkontakt. Nur Wissenschaftler sind zur Zeit in diesem Gebiet aktiv und die haben sicher im Moment wichtigere Dinge zu erledigen als Interviews zu geben.
In der Nacht gab es wieder zwei Erdbeben, um 1.18 Uhr - 2,0 Richterskala im Süden um 2.09 Uhr mit 1,9 im Golfobereich. Der Tremor läuft normal weiter - Änderungen sind nicht zu verzeichnen.

Der Ausbruch läuft. Nach Meinung des Wissenschaftlers Ramon Ortiz von der CSIS (Centro Superior de Investigaciones Cientificas) handelt es sich um den Vulkantyp: Surtseyana - der gleiche Typ wie Anak- Krakatau.

Der Ablauf könnte sich in 4 Phasen gliedern.
1. Phase: Austritt von Lava und Gasen - in dieser Phase befinden wir uns im Moment
2. Phase: Weißer Dampf tritt aus
3. Phase: Explosionen erfolgen und schwarzer Rauch kommt zum Vorschein (Rooster genannt)
4. Phase: Anwachsen einer Insel

Vielleicht erleben wir die Entstehung einer neuen Insel. Das wäre natürlich auch eine tolle Möglichkeit und könnte vielen Herrenos über ihr Leid und die Angst vielleicht hinweg helfen. Noch ist es aber nicht soweit, das schlimmste steht erst noch bevor. Wie gewaltig wird der Ausbruch erfolgen ?  Welche Auswirkungen hat er auf die Insel und die Umgebung ?

Merke: Ein Vulkan ist unberechenbar und vom Menschen nicht lenk- und steuerbar. Die Urgewalt pur.

Was vermuten wir noch ?  Die Austrittsöffnung am Meeresboden ist ungefähr 1m² groß. Klein - aber durch dieses Loch wird sich die Magma zwängen, bevor sie zur Lava wird.
Erst wenn der "Lavaberg" bis 60m unter die Meeresoberfläche angewachsen ist, wird er erkennbar.

Die Windverhältnisse sind wie immer, leichter beständiger N/O Wind mit jetzt 3,1 km. Eine Aschewolke würde also über den S/W Atlantik verstreut werden. Erst ab einer Höhe von 5 km ändern sich die Windverhältnisse. Danke an dieser Stelle an den Meteorologen Felios.

Klarstellen möchte ich meine Aussage zur Energiekurve von gestern.  Es sind die rechnerisch summierten bisher erzeugten Energiewerte und nicht das vorhandene Druckpotenzial. Als nicht Vulkanologe verzeihen Sie mir bitte diese Fehlinterpretation. Mein Profil ist übrigens hier rechts (etwas nach unten scrollen)

Über Neuigkeiten werde ich natürlich sofort informieren.

Samstag, 15. Oktober 2011

El Hierro Vulkan - warten auf den großen Knall

glühende und rauchende Lavabrocken auf der Wasseroberfläche
Der Vulkanausbruch lässt auf sich warten. Alle warten auf die große Eruption. Vulkane sind unberechenbar und lassen sich nicht in die Karten schauen. Alle Evakuierungen und Vorbereitungen sind abgeschlossen.
Die Energiekurve tritt auf der Stelle. Das Druckpotenzial in der Magmakammer ist geladen. Auch der Tremor (Erschütterungen des aufsteigenden Magma) auf der Tabelle (unten) verläuft gleichmässig. Mehrere Erdstöße der Stärke 1,8 Richterskala heute Nachmittag im Meer vor dem Golfotal. Jetzt heißt es abwarten und Tee trinken.

Explosiver Vulkanausbruch in den nächsten Stunden


Soeben hat die Kanarische Regierung in einer offiziellen Mitteilung den bevorstehenden Ausbruch eines explosiven Vulkan in flachem Wasser bei Tacoron bestätigt. Die Eruption soll in nur 150m Wassertiefe erfolgen. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen.

Alle Katastrophen- und Sicherungkräfte setzen nun die geplanten Maßnahmen um. Sie gab den Befehl alle Zugänge zu La Restinga komplett zu schließen und den Luft- , Schiffs- und Straßenverkehr in diesem Bereich zu verbieten.

Sobald ich neue Informationen habe, melde ich mich.

El Hierro Vulkan - Lava kommt an die Meeresoberfläche

Die Hubschrauberbesatzung hat im Eruptionsgebiet von Restinga erstmals qualmendes Lava an der Wasseroberfläche geortet. Vieles deutet daraufhin, daß sich ein neuer Schlot in 120 - 150m Tiefe geöffnet hat. Es wurde eine Flugverbotszone erlassen. Das Forschungsschiff wurde in den Hafen zurück beordert. Die Sperrzone an Land wurde vergrößert.

Vulkan - jetzt wird einiges klarer

Um die Lage der Kanarischen Inseln besser verstehen zu können, schauen Sie sich einmal die Grafik an. Sie ist wohl nicht maßstabgetreu, zeigt aber deutlich, daß der größte Teil der westlichen Inseln und dazu gehört auch El Hierro, unter dem Meeresspiegel liegt. Nur die Inselspitzen ragen über die Wasserober- fläche. Die Meerestiefe zwischen El Hierro und La Palma liegt z.B. bei ca. 3500m.

Nach dem Instituto Geográfico Nacional (IGN), ist die Meereseruption von El Hiero eine sogenannte Spalteneruption. Das bedeutet, dass sie sich nicht an einem genau definierten Punkt abspielt, sondern auf einer Linie.
Die fragliche Spalte befindet sich in S-N Richtung und verläuft vom südlichen Meeresteil bei Restinga unter der Insel hindurch bis weit über das Golfotal hinaus. Die Länge wird mit 20 - 30 km definiert.
Dies ist der Grund warum die Vulkanologen vom IGN für den Moment nicht ausschliessen wollen, dass die vorhandene Spalte einen oder auch weitere Eruptionspunkte entwickelt, die dann auf der Insel selbst liegen können. Diese neuen Eruptionen können stärker und wesentlich gefährlicher werden.

Inzwischen hat sich auch die Verformung verstärkt, wie jüngste GPS-Messungen ergaben. Durch den ansteigenden Druck in der Magmakammer hat sich eine Art Blase entwickelt, die den betroffenen Inselteil um 35mm angehoben hat. Auch die Lage zu den Nachbarinseln hat sich um einige cm verändert.
Den Wissenschaftlern bleibt im Moment nichts anderes übrig, als aufmerksam das Naturgeschehen zu beobachten und rechtzeitig zu warnen.
Inzwischen wurde man auch bei der Suche nach einem Unterwasser-Roboter fündig. Der ursprünglich anvisierte französische Roboter der France Telecom Marine, kam nicht wegen mangelnder Eignung zum Einsatzort, so wie es offiziell zu hören war. Tatsache ist, daß weder die spanische noch die kanarische Regierung für eine evtl. Beschädigung oder den Verlust haften wollten, worauf der Betreiber ein Engagement ablehnte. Der neue Unterwasser-Roboter, auch ROV (Remotely Operating Vihicle) genannt, ist ein Liropus 2000 und gehört dem Ozeanographischen Institut in Barcelona, also einer staatlichen Einrichtung. Er wurde erst vor wenigen Monaten für 1,4 Mill. Euro angeschafft, taucht locker 2000m tief und ist bisher, außer zu Testzwecken, noch nicht eingesetzt worden. Mit seiner hochauflösenden Kamera und einer Beleuchtungsanlage von 17.000 Lumen erhoffen sich die Wissenschaftler genaue Einblicke in die entstandene Vulkanspalte zu gewinnen. Mit seinem Greifarm kann er auch Lavaproben aus großer Tiefe einsammeln.



Das Mutterschiff "Ramon Margalef", Kostenpunkt 18 Mill. Euro, dient als Leit- und Kontrollzentrum. Auf ihr haben 11 Forscher und 12 Besatzungmitglieder Platz. Wenn wir schon bei den Kosten sind: Ein Einsatztag wird mit 15.000 € veranschlagt. Diese Einsatzeinheit wird aber noch einige Tage auf sich warten lassen. Die "Margalef" liegt zur Zeit noch im Hafen von Viego in Nordspanien und wird frühestens Mitte nächster Woche vor El Hierro einlaufen. Es stellt sich natürlich nun die Frage, warum man sich nicht bereits vor Wochen um einen geeigneten und verfügbaren ROV gekümmert hat. Aber das ist hier halt einmal so!

Absperrung oberhalb von La Restinga/ Foto: Leser Detlef Walter
Erstmals durften heute die Bewohner von La Restinga für eine Stunde in ihre Häuser zurückkehren, um notwendige Dinge zu holen. Bei der überstürzten Evakuierung blieb Ihnen vor einigen Tagen dafür keine Zeit. Übereinstimmend berichteten sie von einem penetranten Schwefelgeruch in den Straßen des Ortes und verstehen nun langsam, warum ihr Ort evakuiert werden musste.