Montag, 31. Oktober 2011

El Hierro Vulkan - in der Ruhe liegt die Kraft

Die Bebenaktivität im Golfo hält weiter an. Zu erwähnen sind, neben den schwächeren Beben, zwei Erdstöße mit mehr als 3,0 auf der Richterskala.
Ein Beben um 2.13 Uhr mit 3,4 RSk. und um 7.13 mit 3,1 RSk. Das gemessene Bebenzentrum lag vor der Golfoküste in 20 bzw. 22 km Tiefe. Im Grunde also keine Veränderung der Situation. Der Tremor (Magmafluss) läuft harmonisch weiter.

Die Entscheidung des Krisenstabes (Pevolca) von gestern Abend, nach dem die jetzige Lage als sicher für die Anwohner angesehen wird und daher keine weiteren Sicherungmaßnahmen notwendig seien, stößt erwartungsgemäß auf Unverständnis.


Foto: La Provincia
Um den Krisenstab einmal zu Personifizieren. Wir haben links den Inselpräsidenten von El Hierro Alpido Armas, Mitte Juan Santana (Vertreter der kanarischen Gesamtregierung) und die Dame rechts: Carmen Morales (Sicherheitsbeauftragte von El Hierro).

Das ist quasi der politische Kopf des Krisenstabes. Die Wissenschaft, wie das Geologische Institut (IGN) oder die CSIS, bringen als beratende Institutionen ihr Wissen und ihre Vorschläge in dieses Gremium ein.
Massive Kritik hagelt es von der Gemeinnützigen Organisation AVCAN (Asociacion Vulcanologia de Canarias). Ein Zusammenschluss von Vulkanologen, Geologen und Hobby- Vulkanologen. Seit vielen Jahren engagiert sich diese Organisation um die Vulkanologie der Kanaren.

"In einem offenen Brief  kritisiert sie den Krisenstab vorhandene wissenschaftliche Ressourcen wie Meeresbiologen, Chemiker und anderes Fachpersonal und Institutionen nicht beteiligt und in ihre Entscheidungen einbezogen habe. Wertvolle neue wissenschaftliche  Erkenntnisse über die Entstehung eines Unterwasservulkan seien daher nicht gewonnen worden und nun für die Forschung verloren. Auch hätten so manche Entscheidungen des Stabes anderst ausgesehen. Verschwendete Zeit, mangelnde Erfahrung und die Missachtung und die Nichtnutzung von vorhandenem Sachverstand hätten nun zu einem Vertrauenverlust in der Bevölkerung und den Medien geführt.
Dem Krisenstab muß klar sein, daß er den Überblick und die ganze Dimension über die tatsächliche Lage, aus Mangel an wissenschaftlichen Wissen, nicht hat.
Die Bevölkerung ist heute anspruchsvoll und verlangt eine umfassende Erklärung. Ein Beispiel sollte man sich an anderen Ländern nehmen, die ähnliche Krisensituationen bewältigt haben."

Auffallend ist auch, daß nur spanische Wissenschaftler vor Ort sind. Die Kollegen aus Island würden sicher gerne mit ihrem Wissen und der jüngst gemachten Vulkan Erfahrung hier einige brauchbare Dinge beisteuern.

Warum die Bevölkerung von El Hierro trotz der drohenden Gefahr relativ ruhig und abwartend reagiert, hat vielleicht noch einen ganz anderen Grund. In einem der nächsten Beiträge möchte ich mal auf die Mentalität und die Grundeinstellung der Herrenos näher eingehen.

Kommentare:

  1. TOURISTEN-FEINDLICH:
    KLUGE Touristen werden zukünftig nicht mehr diesen "VERANTWORTUNGSBEWUSSTEN" Entscheidungsträgern vertrauen und sicherheitshalber lieber wegbleiben!
    Und: Was wäre so tragisch daran, die Einheimischen erst mal "prophylaktisch" in Sicherheit zu bringen? Selbst wenn "nichts menschenschädigendes" eintritt?
    Lieber 1 x zuviel Vorsicht als 1 x zu wenig!

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  2. unter www.naturgewalten.de findet man viele Informationen und Links zu Vulkanismus und Erdbeben.

    Alles Gute

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  3. Wächst der Unterwassvulkan im Süden eigentlich weiter? Wieviel Meter unter der Oberfäche ist er denn im Moment?

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  4. ich war vor zwei wochen im urlaub auf el hierro,und glaubt mir:keiner will dort weg,obwohl sich alle der gefahr bewusst sind und teilweise schon ausbrüche miterlebt haben.so auch in tenerifa.
    die sind wirklich ruhig und was mich beeindruckt hat;in la restinga keine plünderung,obwohl viele häuser offen standen

    maximilan aus erfurt

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  5. Es ist bestimmt nicht leicht für die dort lebenden Menschen, die Balance zu halten zwischen Wachsamkeit und blinder Panik, oder zwischen Ruhe und Ignoranz. Sicher auch eine Frage der Mentalität. Ich habe mir mal vorgestellt, eine ähnliche Situation gäbe es hier im Südwesten von Lanzarote, wo ich wohne. Kaum vergleichbar, wir haben keine Kessellage wie die Leute in Frontera. Wahrscheinlich wollte ich mein Haus auch nicht verlassen. Meine Kinder allerdings würde ich eher früh in Sicherheit bringen.

    Die Frage von Lara nach dem Unterwasservulkan im Süden interessiert mich auch. Weiß da niemand was? Was treiben eigentlich das hochtechnisch ausgerüstete Forschungsschiff und der Roboter? Warum erfährt man da rein gar nix?

    Gruß moni

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  6. @Anonym 10:02 HPS im Blogbeitrag vor diesem.

    Wenn ich in die Zukunft gucken könnte ...
    Die Kurve der akkumulierten Energie sagt im Moment nur 2 Dinge aus.

    Die Situation ähnelt der Situation um den 1.10. herum.

    Das Beben Mag 4.3 vom 8.10 und die nachfolgende und noch andauernde Erruption
    im Süden hat nicht dauerhaft ausgereicht um den Druck des aufsteigenden
    Magma auszugleichen. Deshalb steigt die Kurve jetzt wieder an.

    Wenn ich mir für den weiteren Verlauf was denken sollte ...
    Weitere moderate Bebentätigkeit um den Druck von unten auszugleichen
    und eine weitere harmlose Erruption.

    Starke Beben im Vorfeld ! eines Vulkanausbruchs sind unwahrscheinlich.
    Wir haben es hier ja nicht mit Plattentektonik zu tun.
    Die Aufwölbung vo El Hierro (ca. 3cm) ist gering.
    Die Katla in Island hebt sich Dezimeterweise.
    Die Aufwölbung einer Bergflanke vor dem Ausbruch des Mount St. Helens 1980
    betrug 120m !

    Insofern kann ich die abwartende Haltung der Behörden im Fall EL Hierro gut nachvollziehen.

    Thorsten

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  7. Hallo,
    habe mir gerade diesen Artikel übersetzt.
    http://www.agenciasinc.es/videos/detalle/87342
    Ich habe es nicht ganz so verstanden.Tektonische Ursachen sind nicht vergleichbar mit vulkanischen Ursachen. Ist der Unterschied auf den Seismographen dann auch erkennbar?
    Lieben Gruß
    T.M.

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