Donnerstag, 22. November 2012

El Hierro Vulkan - auf ein Neues

NEWS:

Nach Tagen der Ruhe setzen seit gestern Abend wieder leichte Beben ein. Es war um 17.58 Uhr ein ML1,8 unter dem Tanganasoga (blau) in 19 km Tiefe und in der Nacht um 3.18 Uhr im Süden (rosa) ein Erdstoß von ebenfalls ML1,8 in 24 km Tiefe. Beide Beben in großer Tiefe im Bereich des Bodens der Magmakammer. Wollen wir nur hoffen, daß heute nicht wieder die Technik ausfällt damit die weitere Entwicklung beobachtbar bleibt. Auch wenn man immer wieder geneigt ist in Ruhephasen an ein nahes Ende glauben zu wollen, ist die Aktivität noch nicht erloschen. Auch nach 15 Monaten Beobachtungszeit und den dabei gewonnenen Erfahrungswerten, lassen auf kein rasches Ende schließen. Vulkane ticken einfach anders. Solange der Druck im Zentrum der Magmakammer anhält wird das Magma und die Gase immer einen Weg des Druckausgleich suchen. Durch Magmaverschiebung, Aufschmelzung der Randbereiche und das weitere Vordringen in neue Gänge werden weiter Beben erzeugt. Ruhe wird erst einkehren, wenn sich der Druck egal auf welchem Wege auch immer mit der Umgebung angleichen kann.
Morgen werde ich mir die aktuellen GPS Werte zur Bodenverformung und dem vorhandenen Überdruck näher anschauen und versuchen zu analysieren.     

Mittwoch, 21. November 2012

El Hierro - Ölfund ein Geschenk des Himmels?

NEWS:
17.58 Uhr - Beben von ML1,8 in 19 km Tiefe unter dem Tanganasoga


11.49 Uhr - Auch am Dienstag und in der vergangenen Nacht gab es keine weiteren Erdstöße. Es bleibt ruhig unter El Hierro.

Was spricht für eine Erdölförderung vor den Kanaren


Grafik: NOAA

 
Das sind die unterschiedlichen Ölplattformen die bei einer Förderung von Erdöl zum Einsatz kommen können. Aufgrund der Meerestiefe zwischen den Kanaren und Westafrika dürfte es eine der schwimmenden Plattformen werden, die bei erfolgreicher Ölsuche installiert wird.
 
 
berichtet habe, möchte ich heute auf die Argumente der Befürworter eingehen:
 
"Alls von Gott gegeben" so sieht der Cabildo Präsident von Gran Canaria, José Miguel Bravo de Laguna, den Ölfund vor den Kanarischen Küsten. Es sei ein Reichtum und Geschenk des Himmels für die Kanaren und ganz Spanien. Die Entdeckung der Ölblase habe das Potential die Kanaren wirtschaftlich weit nach Vorne zu katapultieren und würde Arbeitsplätze und Reichtum schaffen. Man solle sich einer Ausbeutung nicht entgegenstellen und die einmalige Chance nutzen. Sonst würde sich Marokko das "schwarze Gold" mit den gleichen Umweltrisiken holen.  Die Umweltauflagen seien heute so hoch und vergleichbar mit der Erdölförderung in der Nordsee.
 
Auf den Kanarischen Inseln gibt es jährlich rund 2 Millionen Flugbewegungen. Flugzeuge bringen im Jahr über 21 Millionen Touristen auf die Inseln. Wenn es nach den Tourismusbefürworter geht, sollen es in Zukunft noch mehr werden.
Insulare Flug- und Schiffsverbindungen befördern täglich viele Menschen und Güter von Insel zu Insel.
Jede kanarische Familie besitzt mindestens einen PKW.
Der ständig zunehmende Hunger nach Strom wird in Elektrizitätswerken erzeugt, die Schweröl verbrennen.
Das Trinkwasser wird auf Fuerteventura und Lanzarote in Meereswasser- Entsalzungsanlagen erzeugt - und die benötigen sehr viel Energie - Öl.
 
Der Verpackungswahn, ob die kostenlosen Plastiktüten im Supermarkt oder die Kunstoffflaschen im Regal der Geschäfte, werden bedenkenlos angenommen und auf der Müllkippe oder im Verbrennungsofen entsorgt. Es gibt bis heute auf den Kanaren noch kein funktionierendes Recycling-System.
 
Die Politik hat dieses Denken gefördert und und in der Vergangenheit lieber in noch mehr Strassenlampen und prestigeprächtige Energiefresser investiert und die einmalige Chance mit den Millarden Subventionen aus Brüssel eine nachhaltige Zukunft zu schaffen, sträflich verpasst.
 
Nur wenige Objekte werden in absehbarer Zukunft an eine sinnvolle und vorausschauende Investition noch erinnern. Aber das alternative Energieprojekt "Gorona" auf El Hierro wird dazu gehören. Da bin ich mir sicher.
 
Die gesamte Wirtschaft der Kanaren ist auf die Energie von Erdöl ausgerichtet und daran wird sich in den nächsten 10 Jahren nicht viel ändern. Auch wenn nun so langsam ein Umdenken - oder besser Nachdenken einsetzt, fehlt heute das Geld.
 
Mit welcher Begründung kann man vor diesem Hindergrund eine Ölförderung ablehnen. Am wenigsten haben die großen internationalen Touristikkonzerne ein Recht mit erhobenem Zeigefinger vor den evtl. Folgen zu warnen. Waren es doch gerade diese, die bedenkenlos die Landschaft zu betoniert und den Energiehunger vermehrt haben um ihre Gewinne zum "Wohle der Kanaren" zu maximieren.
 
Auch heute muß der Rohstoff mit Schiffen, Tanklastern oder über Pipelines zum Endverbraucher transportiert werden. Mit allen Risiken die eine Raffinierung und Verteilung so bringt.
Auch in Norwegen, England, Holland oder im deutschen Naturpark Wattenmeer wird Erdöl gefördert. Auch hier besteht immer das Risiko einer Havarie.
Wenn man alle Risiken ausschließen wollte, dürfte man kein Flugzeug oder den eigenen PKW besteigen.
 
Energie bedenkenlos verbrauchen, aber bitte ohne Risiko für uns. Wir nehmen gerne die Millionen aus Madrid, aber bitte ohne Gegenleistung. 
 
Egoistisch und ohne nachvollziehbare Logik - und die Vorteile die ein eigenes Erdölfeld in der heutigen Zeit bringt, sollen erst gar nicht erörtert werden.
Genauso kurzsinnig gedacht wie bei vielen unüberlegten Projekten aus der Vergangenheit.
 
Nicht, daß jetzt der Eindruck entsteht ich sei ein Befürworter der Ölförderung. Dies sind die Überlegungen und Gedanken der PRO Seite. In den nächsten Tagen will ich auf die Gegner einer Bohrung eingehen und deren Argumente analysieren.

Dienstag, 20. November 2012

El Hierro Vulkan - Ruhe !

NEWS:

Auch wenn heute die Aufzeichnung des Seismografen einen recht wilden Eindruck vermittelt - es gab es kein Beben. Es sind technische Störungen bei der Aufzeichnung oder der Übertragung der Signale. Den letzten registrierten Erdstoß hatten wir am vergangenen Sonntag um 23.50 Uhr. Es bleibt jetzt abzuwarten ob und wann sich die Beben zurück melden. Bereits in den letzten Wochen ist die Bebenhäufigkeit und Intensität merklich zurückgegangen. Verschnaufpause? - oder vielleicht doch das Abklingen der Vulkanaktivität.
Die nächsten Tage werden darüber sicher Aufschluss liefern.  

Montag, 19. November 2012

El Hierro Vulkan - Satelliten Interferometrie

NEWS:
Ein neuartiges Verfahren um die Bodenverformung von Vulkanen auch optisch darzustellen wendet das Deutsche GeoForschungszentrum (GFZ) in Potsdam an. Die Satellitenaufnahme oben ist nicht der Eldiscreto von El Hierro sondern der Vulkan Longonot in Kenia (Foto: ESA).
Mit Hilfe verschiedener Radarmessungen konnte hier eine Deformation von rund 9 Zentimeter bildlich dargestellt werden. Waren es bisher nur Diagramme und Listenverläufe die mit Laser oder wie in El Hierro per GPS Messdaten erhoben werden, so kann zukünftig nach diesem Prinzip die Verformung der Inseloberfläche plastisch erfolgen.


Es ist Technologisch ein Zusammenspiel von Physik, Geologie, Geochemie und Geodäsie die die Verformungsmessung revolutioniert. Mit Satelliten werden Radarsignale gesendet, am Boden reflektiert und am Satelliten wieder gemessen. Dieses wellenförmige elektromagnetische Signal wird bei mehrmaligen Überflügen wiederholt aufgezeichnet und verglichen. Selbst kleinste Veränderungen bis in den Millimeter-Bereich können so erfasst werden. Das ganze nennt sich Satelliten-Interferometrie. Diese Daten werden dann am Computer verarbeitet und ergeben eine simulierte Grafik (Darstellung: Thomas Walter, GFZ).
 
Es sind wohl noch keine Echtzeitdaten wie beim Seismografen, aber wieder ein kleiner innovativer Schritt in der Geo- und Vulkanforschung. Vielleicht sehen wir in absehbarer Zeit auch einmal eine Satelliten-Interferometrie Aufnahme von der Deformation auf El Hierro.
Wer sich für diese Technik interessiert, hier der Link zum GFZ Potsdam.


Schon seit etwas längerer Zeit gibt es das Synthetic Aperture Radar (kurz: SAR). Es sind Radaraufnahmen  die zur Fernerkundung von Flugzeugen oder wie hier aus dem Space Shuttle Endeavour gemacht werden. Diese NASA Aufnahme zeigt Teneriffa in einer 2-dimensionalen Darstellung (zum Vergrößern Bild anklicken). Deutlich sind die Barrancos und Lavaströme die vom Ausbruch im Jahre 1909 stammen, zu erkennen. 

Zum aktuellen Geschehen unter El Hierro gibt es heute nicht viel zu berichten. Zwei kleine Erdstöße an der Westspitze und im südlichen Teil der Insel (siehe IGN Grafik).
 


Sonntag, 18. November 2012

El Hierro - die Suche nach dem "schwarzen Gold"

NEWS:

In der vergangenen Nacht um 2.16 Uhr ein schwaches Beben von ML1,0 (siehe IGN Karte) an der Westspitze in 20 km Tiefe. Die Situation ist zur Zeit ruhig. Auf der Inseloberfläche ist von den geologischen Vorgängen im Untergrund absolut nichts zu spüren.

Zur Situation der geplanten Erdölbohrung bei den Kanaren


Die geplante Ölbohrungen zwischen den Kanarischen Inseln und Marokko schlagen weiter hohe Wellen. Es sind zunächst genehmigte Probebohrungen die von einem Konsortium um den spanischen Ölmulti Repsol ca. 61 km vor der Küste von Fuerteventura und Lanzarote durchgeführt werden sollen. Nach Meinung von Experten ist man dort auf die größte Erdölblase in der Geschichte Spaniens gestoßen. 150.000 Barrel Öl könnten so täglich aus dem Meer gepumpt werden. Die Förderkapazität Spaniens würde sich um das 50 fache erhöhen. Bisher müssen 99 % des Erdölbedarfs eingeführt werden. Mit dem neuen Ölfeld ließe sich auf einen Schlag 10 % des Eigenbedarfs decken und das für mindestens 20 Jahre.
 
Das Ölfeld liegt im umstrittenen Grenzgebiet zwischen Spanien und Marokko. Beide Länder erheben Anspruch auf das neu entdeckte "Gold" und wollen den Fund selbst fördern.
Marokko hat bereits dem australischen Ölunternehmen Tangiers Petroleum Limiteds eine Förderlizenz erteilt und sich 25 % des zu erwartenden Gewinns gesichert.
 
Es ist also nur eine Frage der Zeit bis aus dem Erdölfeld gefördert wird und welches Land das größte Stück Kuchen ab bekommt. Auch wenn Spanien seine Förderentscheidung wie 2004 bereits einmal geschehen wieder kippen würde, ändert dies an der Situation nicht viel. Einen Grenzkonflikt mit Marokko kann sich die spanische Regierung nicht leisten. Dies hätte weit aus gravierendere Auswirkungen auf die Kanaren.
 
Während dessen bekräftigt der spanische Minister für Industrie, Energie und Tourismus, José Manuel Soria erneut die Entschlossenheit seiner Regierung an den Bohrungen festzuhalten. Das Wohl der spanischen Einheit gehe regionalen Interessen vor.
 
Die erste Bohrung kann erst 2014 gesetzt werden, da aufgrund des großen Materialaufwands ca. 1,5 Jahre Vorbereitungszeit notwendig seien. Die zweite Bohrung ist dann für 2015 geplant. Eine Probebohrung koste schließlich 10 Millionen Euro erklärte der Direktor von Repsol, Javier Moro Morán. Nur 2 von 10 Probebohrungen führten letztendlich auch zum Erfolg. Ob dann überhaupt sich eine Ölförderung unter den Kanaren lohne, könne heute noch nicht gesagt werden.
 
Soweit die heutige Situation. In Fortsetzung werde ich in den nächsten Tagen die PRO und KONTRA Argumente und die evtl. Auswirkungen auf die Vulkan-Aktivität näher beleuchten.